Reformation / Reformatoren: Mord und Totschlag

Auszug aus:

S. H. Geiser - Die Taufgesinnten Gemeinden im Rahmen der allgemeinen Kirchengeschichte

...
Durch die vielen Kämpfe und schweren Kerkerstrafen hatte Grebels Gesundheit schwer gelitten. Im Sommer des Jahres 1526 starb er zu Maienfeld an der Pest. Nur zwei Jahre lang hatte er für seine Gemeinde wirken können. Wie Hans Denck, hat auch ihn ein früher Tod mitten heraus aus dem vollen Wirken für seine Gemeinschaft gerissen. Mit seinen grossen Geistesgaben, mit seiner gründlichen Bildung, seinem entschiedenen Ernst und seiner warmen Liebe hätte er für die Sache des Reiches Gottes noch Bedeutendes leisten können.
Allgemein kam man zu der Einsicht, dass durch die bisherigen Massregeln das Täufertum sich nicht ausrotten liess. Denn es wurzelte zu tief in der im Wort geoffenbarten Gotteswahrheit. So sah sich der Rat veranlasst, das Aeusserste, die Todesstrafe, zur Anwendung zu bringen. Als erster wurde Felix Manz, von Zürich zum Tode durch Ertränken verurteilt.
« Allsdann Felix Mantz von Zürich, der da gegenwärtig statt, unnd ander sin mitverwanten und anhänger, wider christenlich Ordnung und bruch inn den widertouff begeben und ingelassenn, den selbenn angenommen, ander volk gelert, und sunderlich er ein rechter houptsächer und anfänger der dingen gewessen ist, habend unnser herren, burgermeister, rat und der gross rat, so man nämpt die zweihundert der stat Zürich, den genanten Mantzen und ander durch ire predicanten unnd der heiligen geschrifft gelerten und verstänndigen mit der rechtenn, götlichen geschrifft alts und nüws testaments berichten lassen, das der widertouff nach dem wort gottes nit bestan möge, sonder verworfen unnd gemeynen christenlichen ordnungen abbrüchig unnd verletzlich unnd der kindertouff... in gmeyner christenheit gebrucht, gerecht unnd dem wort gotes gemässige. Darzu in und ander mit allem muglichen Hiss und ernst, uss warer götlicher geschrifft und evangelischer lere von solicher ir irthumb und eigenköpfige abzustand, ouch sich gemeynem christennlichem bruch zu verglichen zum hechstenn und brüderlich ermanen lassen.

23) Johann Jakob Simler : Sammlung alter und neuer Urkunden. Zürich 1757.

Alls aber etlich inn item vertopftenn fürnemen für unnd für eigenwilennklich beharret unnd sich ouch davon mit wellenn lassen abwissen, habent die gemelten unnser herren nach sollicher ir vilgehepten christenlicher ermannung, als weder guts noch böses an im gar nüdt hat wellenn helffenn, witer und mer ergernus und übels, so daher volgen möchte, zuvorkumen, ernstlich gepot unnd mandaten in ir stat, lannd, gricht une gepietenn allennthalbenn lassen ussgan und offennlich verkündenn : Wellicher sich hinfür söllichs widertoufs underzüchen, gepruchen und annhangen, ouch davon leren und nachfolgen wurde, das der oder dieselbenn personen, es syen frowen oder manen, jung oder alt, an alle gnad ertrenkett werden selten. »

Dieweil Felix Manz, « söliches widertoufs ein rechter anfänger und houptsächer » an seiner « meynung und haltung, ouch bruch und lere des widertoufs wider das wort gotes » festhalte sei zu befürchten, dass « daruss nüdt anders dann mergklich ergernus, emberung und uffrüren wider christenlich oberkeit, zerrüttung gemeins christenlichs frids, brüderlicher lieb und burgerlicher einigkeit und entliehen alles übels gefolg ist. »
Manz wird beschuldigt « offenlich vor der menge des volks und sunst heymlichen in winklen, besondern hüssern, orten und enden nit allein gelert und geprediget, sonndern mit der tat getoufft und sich dadurch von gemeyner christenlicher versamblung » abgesondert zu haben, trotz allem warnen und « väterlich strafen ». Damit habe er versucht, « ein besundere sect, rott, versamblung und zusamenkomung » zu stiften.
« Umb sollich sin, des genannten Felix Mantzen, ufrürig wessen, zesammenrottungen wider ein oberkeit, ouch guten christenlichen regiment und burgerlicher einigkeit übel unnd myssthun ist zu im also gricht, dass er dem nachrichter befolchen werden, der im sin hännd binden, in ein schiff setzen, zu dem nideren hütly füren und uff däm hütly die händ gebunden über die knüw abstreyfen und ein knebel zwüschent den arman und schenklen durhin stossen unnd in also gebunden inn das wasser werfen und in dem wasser sterben und verderben lassen und er damit dem gricht und recht büsst habenn solle.

« Was gut er hat, ist rainen herren uf ir grad heimgefalen. »24)
« Am 5. Januar 1527 wurde Felix Manz auf das Schiff gebracht. Als er so dastand, unter sich die Fluten des Zürichsees, über sich den blauen Himmel und rund um ihn die Bergriesen mit ihren von der Sonne beschienenen Schneehäuptern, da hob sich seine Seele im Angesicht des Todes über diese empor. Und als an der einen Seite ein Predikant mitleidig ihm zuredete, er möge sich bekehren, da hörte er es kaum, als er aber die Stimme seiner Mutter an der andern Seite vernahm, als seine Brüder mit ihr zugleich ihn baten, standhaft zu bleiben, da sang er, während er gebunden wurde mit lauter Stimme • Herr, in deine Hände befehle ich meinen Geist, und gleich nach dem schlugen die Wellen über ihn zusammen. » 25) (Bild Nr. 10).

Es war dies das erste Todesurteil, das von der neuen evangelischen Staats- kirche, die sich kurz vorher in heissem Kampf für Glaubens- und Gewissensfragen eingesetzt hatte, an den wehrlosen Taufgesinnten vollstreckt wurde.

24) Quellen.. a. a. 0. S. 224 ff.
25) Antje Brons: Ursprung, Entwicklung und Schicksale der altevangelischen Taufgesinnten. Emden 1912.

...

Schon 1528 erwirkte Luther ein strenges Edikt des Kurfürsten Johann von Sachsen gegen alle, welche Bücher und Schriften der Wiedertäufer kauften, verkauften oder lasen. 21) Auch jede ausserkirchliche Versammlung oder geheime Zusammenkunft war darin verboten. Aufs entschiedenste wandte sich der Reformator gegen die « unberufenen Prediger » und ermahnte, « dass man sich hüten solle vor solchen Buben und sie meiden als des Teufels gewisse Boten... und wenn sie gleich das reine Evangelium lehren, ja wenn sie gleich Engel und eitel Gabriel von Himmel wären. » « Jene so ohne Amt und Befehl (d. h. ohne kirchliche Ordination) herfahren, sind nicht so gut, dass sie falsche Propheten heissen, sondern Landstreicher und buben die man sollte Meister Hansen (d. h. dem Henker) befehlen » 22). Gottfried Arnold schreibt « Ausserhalb der ordentlichen Pfarrer, Prediger und Kaplanen, denen jeden Orts die Seelsorge und Predigtamt befohlen, durfte niemand gottesdienstliche Uebungen verrichten, was alles bei Strafe verboten war. » 23)

Unter dieses vernichtende Urteil fiel auch Kaspar Schwenckfeld. Luther verketzerte seinen einstigen Freund und Mitarbeiter, der in gewissen Punkten mit ihm nicht mehr übereinstimmte, derart, dass er ihn als einen « vom Teufel besessenen Narren », einen « Schweinsfeld », einen « Buben Schwenckfeld » und das « verdammte Lästermaul Stenkfeld » nannte. Seit dem Jahr 1530 hat Luther in vermehrtem Masse die Anwendung der Todesstrafe für die, die seiner Lehre widersprachen, in aller Form für richtig anerkannt und gutgeheissen. Sonderbares Evangelium !

Den Weg der gesetzlichen Verfolgung betraten die Reformatoren, damit « die Lehre rein und der Gottesdienst lauter und unverfälscht, auch Friede und Einigkeit erhalten werde. » Dass es auf dieser abschüssigen Bahn rasch hinunterging, lehrt ein Brief Melanchthons aus dem Jahre 1530 an Friedrich Mykonius in Gotha, in welchem er schreibt : « Anfänglich, als ich Storch und dessen Sekte, aus welcher die Wiedertäufer entsprungen sind, zu kennen begann, habe ich einer törichten Milde gehuldigt ; dachten doch damals auch andere, dass die Ketzer nicht mit dem Schwert auszurotten seien... Jetzt aber bereue ich nicht wenig meine frühere Milde... Ich bin nun der Ansicht, dass auch jene,

20) Keller : Die Reformation S. 449.
21) Das Edikt ist abgedrucht bei Hast: a. a. 0. S. 159.
22) Johann Warns: Die Taufe. S. 82 ff.
23) Arnold: Kirchen- und Ketzerhistorie 11. Teil, Buch 16, Kap. 21.

die keine aufrührerischen, doch aber öffentlich gotteslästerliche Artikel verteidigen, von der Obrigkeit getötet werden sollen. Denn die Obrigkeit muss, wie andere öffentliche Verbrechen, so auch die öffentlichen Gotteslästerungen strafen. Dies lehrt uns das Gesetz Moses. » 24)
Die gleichen Ansichten und Aeusserungen begegnen uns in Luthers Schriften. In der Erklärung des 82, Psalmes (1530) stütze er sich auf die alttestamentlichen
Verordnungen, die er ohne weiteres auf « die christlichen Staaten » übertrug. Als auf ein Beispiel obrigkeitlicher Gottesherrschaft berief er sich auf David, « der die falschen Lehrer und Ketzer vertrieben », auf Josaphat, Josia, Hiskia, Nebukadnezar, Darius, Cyrus, die « trefflich darum gerühmt werden vom heiligen Geist, dass sie rechten Gottesdienst angeordnet und wider die Abgötterei mit Gewalt sich gesetzt haben. »
Am 31. Oktober 1531 schrieb Melanchthon an Mykonius : « Was die Wiedertäufer betrifft, haben wir folgendes Urteil gefällt : Da sie eine teuflische Sekte bilden, so sind sie nicht zu dulden, denn sie zerrütten die Kirchen und haben doch selber keine gewisse Lehre. Es ist daher diese Sekte nichts anderes als eine Verwirrung der Kirchen, besonders weil sie offen das Predigtamt verwirft. Wir haben deshalb beschlossen, dass an einzelnen Orten über die Rädelsführer die Todesstrafe zu verhängen sei. »25)
Dadurch aber erreichten die Reformatoren das gewünschte Ziel nicht. Luther schrieb an einen Prediger in Breslau : « Man kann diese Ungeheuer weder durch Schwert noch durch Feuer bändigen, sie verlassen Weib und Kind, Haus und Hof und alles was sie haben. »
Die Aussichtslosigkeit eines solchen Kampfes hatte Luther allerdings schon früher in seiner Schrift « Von weltlicher Obrigkeit » dargetan, als er schrieb : « Ketzerei ist ein geistlich Ding, das kann man mit keinem Eisen hauen und mit keinem Feuer verbrennen und mit keinem Wasser ertränken ».
Auf Melanchthons Rat wurden am 26. Januar 1536 in Jena drei Täufer, Heinrich Kraut, Just Müller und Hans Peissker, die selbst unter der Folter von ihrem Glauben nicht lassen wollten, mit dem Schwert hingerichtet. Peissker aus Kleineutersdorf in Sachsen war mit seiner 6jährigen Tochter und 14 andern Personen am 21. November 1535 verhaftet worden. Der wegen seiner grossen Milde so viel gerühmte Melanchthon begleitete die drei, « so jämmerlich verirrt sin », selbst zum Schafott. Ihre Standhaftigkeit erschien ihm als « eine schreckliche verstockung vom Teufel ». Gottfried Arnold benutzte das betreffende in einem Archiv befindliche Aktenstück von der Hand Melanchthons und schrieb über solche Haltung : « Es war so, dass man glauben sollte, die spanische Inquisition wäre damals unter denen angegangen, die gegen dieselbe ernstlich protestiert hatten. Zum wenigstens wird ein christlich Gemüt solchen Blutrat, der der weltlichen Obrigkeit von denen, die
24) Johann Warns : a. a. 0. S. 81. 25) Johann Warns : a. a. 0. S. 8a.
sich des sanftmütigen Jesu Diener genennt, gegeben worden, nicht ohne Betrübnis lesen können. » 26)
Aus dem Jahre 1536 ist ein weiteres wichtiges Gutachten der Wittenberger Theologen über die Behandlung der Täufer vorhanden, das dem Landgrafen Philipp von Hessen auf seine Bitte ausgestellt wurde und von Luther, Melanchthon, Bugenhagen und Cruziger unterschrieben ist. In diesem wird ausgesprochen, dass die Obrigkeit verpflichtet sei, « öffentliche falsche Lehre und unrechten Gottesdienst und Ketzereien zu wehren und zu strafen, und dies gebietet Gott im zweiten Gebot, da er spricht : Wer Gottes Namen unehrt, der soll nicht ungestraft bleiben. Jedermann ist schuldig nach seinem Stand und Amt, Gotteslästerung zu verhüten und zu wehren, und Kraft dieses Gebotes haben Fürsten und Obrigkeiten Macht und Befehl, unrechten Gottesdienst abzutun und dagegen rechte Lehre und rechten Gottesdienst aufzurichten. Also lehrt sie dies Gebot 3. Mose 24,16 : Wer Gott lästert, der soll getötet werden. Nun sind etliche Artikel der Wiedertäufer, da merklich angelegen ist. Denn welche Zerrütung sollte folgen, so man die Kinder nicht taufen sollte ? Was würde endlich anderes daraus denn ein öffentlich heidnisches Wesen ? Ueber das sondern sich auch die Wiedertäufer von der Kirche, auch an den Orten, wo reine christliche Lehre ist und wo die Missbräuche und Abgötterei abgetan sind und richten ein eigen Ministerium und Versammlung an, welches auch wider Befehl ist. » 27)
Dass die Wittenberger Theologen eine solche Haltung gegenüber den Täufern einnahmen und zugleich die Doppelehe, die der Landgraf Philipp von Hessen mit dem Hoffräulein Margaretha von der Sale und seiner Gattin Christine führte, rechtfertigten, ja sogar behaupten konnten, die Polygamie sei im Wort Gottes nicht verboten, ist etwas stark. Aber noch schlimmer ist, dass Luther « um Gottes willen eine gute starke Lüge » forderte, damit durch Geheimhaltung etwas verheimlicht werde, was die Welt nichts anging.

In einem weiteren Band, dem "Geltstag-Rodel" im bernischen Staatsarchiv, werden die « Täufer-Geltstage » (Konkurse) aufgeführt. Dass nur Täufer in diesem Verzeichnis aufgeführt sind, ist auffallend und lässt nach unserem Dafürhalten auf eine verkappte Güterkonfiskation schliessen. Dem Ulrich Sterchi zu Häuseren bei Trub wurde als einem « von Wiedertäufer Verführten » im Jahr 1699 der Geltstag eröffnet, obwohl die amtliche Schätzung seines Vermögens noch einen Aktivsaldo von 4700 Pfund nachweist.

Der kunstvoll geschriebene « Theillungs-Brieff » (Bilderseite 1) des Felix Ryser « aus dem Gricht und Kilchhöri Sumiswald », gehört in denselben Zusammenhang. Ryser war einer von denen, die sich « des Lands geäusseret » hatten, und zwar nicht freiwillig, sonst wäre sein Gut nicht erst nach seinem Wegzug an seine Schwestern aufgeteilt worden. Dem Täufer Hans Reinhard von Eriswil wurde am 27. Juli 1698 Heimwesen und Hausrat zum Pauschalpreis von 3004 Pfund versteigert. Der spottniedrige Preis lässt vermuten, dass es auch da nicht mit lauteren Dingen zugegangen ist. Es muss aber doch erwähnt werden, dass in gewissen Fällen den Täufern etwas zurückerstattet wurde. Von Sumiswald wird berichtet, dass dem Ulrich Meister, einem « Widertäufer in der Kurtzenei», 1821 Pfund zurückerstattet worden sind.

Das Mandat vom 8. September 1670 verbot strengstens, solchen Leuten Raum zu ihren Versammlungen zur Verfügung zu stellen, ebenso die Täufer zu « behausen » und zu « behoffen » (Unterkunft zu geben). Darauf standen sehr hohe Strafen. Aus den Verzeichnissen der Landvögte ist ersichtlich, dass einzelne Täufer hohe Geldbussen bis zu 1000 Pfund und darüber hinaus bezahlen mussten.
Eine amtliche Mitteilung vom 5. November 1670 lautet : « Wir habend, dem der widertöfferen halb ausgangen Mandat nach, zwen halsstarrigen, selbigen Sect zugetanen Gesellen, deren der einte aus unserem Ampt Trachselwald nahmens Durs Aebi, der andere von Höticken namens Hans Haldimann, welche weder sich bekehren noch das Land räumen wollen, durch unsere Profosen an die Grentzen führen lassen. » Da befürchtet wurde, diese zwei Täuferführer könnten wieder zurückkehren und « mit ihrem Sauerteig auch andere anstecken », erging gleichzeitig der Befehl, auf sie zu achten. (39) Sie seien bei Betreten des Landes kraft des Mandats « auszuschmeitzen » und zudem noch mit dem « Brönneysen gezeichnet » abermals fortzuweisen. Bei ihrem dritten Widererscheinen seien sie zu fernerer Strafordnung in Haft zu setzen.
Es dauerte lang, bis es endlich gelang, diesen gesuchten Täuferlehrer Aebi zu fangen und nach Bern zu führen. Zum zweitenmal wurde er samt seiner Frau eingefangen. Die beiden wurden auf Befehl der Obrigkeit wieder ins Schloss Trachselwald gebracht und dort sechs Tage gefangen gehalten. Dann

(39) Mandatenbuch VIII/556, 562. Staatsarchiv Bern.

öffnete sich ihnen die Kerkertüre. Die beiden älteren Leutchen wurden, eins nach dem andern, auf die « Schmeitzbank » gelegt und vom Wasenmeister « ausgeschmeitzt ». Dann wurden sie an die Grenze geführt und erhielten ein Reisegeld von 33 Pfd. 6 Bazen. (40) Aebi kehrte aber wieder zurück und musste als alter Mann nochmals ins Zuchthaus nach Bern wandern.

Dass die reformierte Kirche, resp. die streng kirchlich gesinnten Staatsbeamten zu solchen Bekehrungsmethoden griffen, ist furchtbar. In Trachselwald können die Gefängniszellen, die im Schlossturm erhalten geblieben sind noch heute besichtigt werden. Diese schwer verriegelten kleinen Kerker ohne Fenster, in welche nur durch eine kleine Oeffnung einwenig Tageslicht eindringen konnte, in denen es kein Bett, sondern nur eine Britsche zum liegen gab, haben etwas Schauerliches. Und das nannte man Methoden der Bekehrung zur rechten christlichen Kirche. (Bild Nr. 34).

Die Verfolgung nahm in den Jahren 1670-1671 die Gestalt von wahren Hetzjagden an. Viele Täufer wurden gefänglich eingezogen und « gan Bern geschickt ». Dort harrte ihrer ein schweres Los. Im Waisenhaus oder der Insel mussten sie oft jahrelang Zwangsarbeit verrichten. Am 28. November 1670 erging der Befehl an die Amtleute, die Lehrer alsbald « alher ins Schallenwerk » zu schicken, da diese « unbekehrsame Lätzköpf » immer wieder « im Land sich zu verschleufen » suchten. Damit man sie nicht aus den Augen verliere, sandte der Rat an die Amtleute ein Verzeichnis aller ihm bekannten Täufer.

Bei der Ausführung obiger Befehle zeigten sich aber bald Schwierigkeiten. Der Rat veröffentlichte deshalb am 7. Januar 1671 eine Erläuterung, wie die gegebenen Verordnungen gehandhabt werden sollten. Was die Kosten zur Behändigung des « widerspenstigen Gesind » anbelange, solle mehr Sparsamkeit geübt werden. Da die Täufer oft auf ihre Güter zur Täuschung der Obrigkeit « Gültbriefe » hätten ausstellen lassen, müsse dieser Umweg, der Güterkonfiskation zu entgehen, streng « examiniert » werden. Die Amtleute erhielten Weisung, einander Handreichung widerfahren zu lassen, damit die Täufer nicht von einem Amt ins andere sich begeben und so der Gefahr der Behändigung entgehen könnten.

Um diese Leute besser ausfindig zu machen, sei eine förmliche « Ausmusterung » in allen Aemtern anzuordnen. Aller Mannschaft, sowohl den Hausvätern wie den Jünglingen, die das 15. Altersjahr erreicht hätten, solle das Landgericht den Huldigungseid abnehmen, und es sollten jeweils in einer Gemeinde nur so viele zum Eidschwur zugelassen werden, dass man hören und sehen könne, ob jeder wirklich schwöre. Solche « Eidshuldigung » habe jeweils nach der Predigt stattzufinden. Die Prädikanten sollten sich darnach richten und sowohl die Hausväter wie auch die Kinder in einem Rodel verzeichnen.

Die obgenannte Ausmusterung war das Vorspiel zu einer allgemeinen Landesverweisung. «Die Weibspersonen dieser ungehorsamen rott » sollten ebenfalls

40) Hans Käser, in : "Brosamen Jd. 1926.

aus dem Land geschickt werden, ausgenommen die Schwangeren bis zu ihrer Genesung.
Die « gar Alten und Uebelmögenden », die nicht ausgemustert werden könnten, seien ins Waisenhaus zu schicken, wo sie bis zu ihrem « Absterben » erhalten werden sollten. Zu diesen gehörte « sonderlich der 84jährige bosshafte ertztäufer Jakob Schlappach ».

Den Höhepunkt der Verfolgung im 17. Jahrhundert bildete der Ratsbeschluss, die Täufer auf die Galeeren zu verschicken. Unter dem Datum vom 7. März 1671 wurde an alle Amtleute und Venner folgendes Kreisschreiben gerichtet :

« Schultheiss und Rat der Stadt Bern

Wir schickend eine anzahl derjenigen unserer Ungehorsamen Unterthanen der sogenannten Teüffern an eisen gefesselt in Italien auff die venetianische Galeeren zur Ruderarbeit und sind steiff entschlossen wider alle die, so sich solcher gestalten Ungehorsam erzeigend gleicherweise zu verfahren. Damit nun dies sonderlich an denen Orten, da ihre Anhänger sich aufhaltend, kund und ruchbar gemacht werde, befehlchend wir dir, wie gegen andern unsern Ambtleuten auch beschieht, solches in deiner Ambts-Verwaltung erschallen zu lassen und mit der Exekution der wider sie ausgangenen Mandaten zugleich drauff zu drücken, volgends was es gewürkt uns von Zeit zu Zeit zeberichten. » (41)

Die Galeerenstrafe war beinahe so gefürchtet wie der Tod. Es ist traurig, dass eine evangelische Obrigkeit solche grausame Mittel gebrauchte, während sie die Verfolgung der Hugenotten im katholischen Frankreich so scharf tadelte. « Bern wetteiferte mit den andern evangelischen Ständen, solche unglücklichen Hugenotten von ihren Ruderbänken loszukaufen, für sie diplomatisch zu intervenieren und die Befreiten zu versorgen. Und dasselbe Bern lieferte gleichzeitig Täufer auf die Galeeren ». (42) Dass der bernische Theologe Christoph Lüthard im Jahr 1648 mit beredten Worten das Elend und die Bedrängnis der Waldenser schilderte, dass hierauf Bern eine Geldsumme für diese Verfolgten zur Verfügung stellte und auch den Herzog von Savoyen zur Milde zu stimmen versuchte, während zu gleicher Zeit dasselbe Bern die Täufer mit solchen brutalen Massnahmen verfolgte, muss als widerliche Politik betrachtet werden. (43)
Was den Rat zu diesem Entschluss bewog ist in den folgenden Worten deutlich gesagt : « damit der Schrecken in diesere leuth gejagt werde, sollen etliche der bössten täufferen den galeeren zugeführt werden. » Die Geduld der Obrigkeit mit diesen « ungehorsamen halsstarrigen Lätzköpfen » war erschöpft. Die schon in dem Gutachten der Geistlichen vom Jahr 1670 vorgesehene Strenge sollte nun zur Anwendung gelangen.

41) Mandatenbuch VIII/575. Staatsarchiv Bern.
42) Ernst Müller: a. a. O. S. 215.
43) Kurt Guggisberg: a. a. O. S. 308.