Musik: Rock-, Pop- und Techno-Musik und ihre Wirkungen

Eine wissenschaftliche und biblische Untersuchung (Zusammenfassung)

Von Musikhochschuldozent Adolf Graul, Gunningen

1. Die Auswirkung von Musik in christlichen Gemeinden hängt im Allgemeinen

davon ab, welche Art der gebräuchlichen musikalischen Ausdrucksmodelle dort

vorwiegend verwendet wird. Entsprechend der bisherigen Kenntnisse über die allgemeine Wirkungsweise der verschiedenen musikalischen Strukturen auf den Menschen gibt es empirisch wissenschaftliche Forschungsergebnisse.

Diese ermöglichen in gewissen Grenzen eine objektive Einschätzung der Wirkungsweise bestimmter Musikstrukturen. Die Beurteilungskriterien sind also nicht nur auf persönliche Geschmacksrichtungen und kulturelle Konventionen allein angewiesen. Da aufgrund der unterschiedlichen Musikstrukturen auch entsprechend unterschiedliche emotionale Qualitäten auf die Hörer übertragen werden können, ist die Musik in ethischer Hinsicht nicht wertneutral.

Deshalb sollten bei der Auswahl für den Musikgebrauch in den christlichen Gemeinden zur geistlichen Auferbauung die diesbezüglichen Aussagen der Bibel als wichtige Kriterien ernstlich zu Rate gezogen und in sinngemäßer Anwendung auf die heutigen Verhältnisse und Möglichkeiten übertragen werden.

2. Gemäß der biblischen Aussage von Phil 4,8 sollten die verwendeten Musikformen und Klangbausteine der natürlichen Schöpfungsordnung entsprechen. Demgemäß ist die schöpfungsmäßig allen Menschen gegebene natürliche Gehördisposition ein weiteres objektives Kriterium für die Auswahl der Melodien und Harmoniefunktionen der Musik. Dazu gehören folgende Faktoren:

-> Ein ausgewogenes Verhältnis in den Wechseln von Spannung und Entspannung, also keine Anhäufung von disharmonischen Klängen ohne Spannungsauflösungen.

-> Die formalen Strukturen der Musik sollten in ihren Proportionen die in der Schöpfungsordnung der Natur ebenfalls vorgegebenen Symmetrien widerspiegeln.

-> Klangschönheit sollte angestrebt werden. Klangverfremdende, elektronisch

erzeugte Tonverzerrungen sowie lärmartige Lautstärken sollten vermieden werden, weil sie auch das Gehör schädigen und das Nervensystem überreizen.

3. Entsprechend der biblischen Forderung von Römer 12,2 sollten die allgemein geläufigen musikalischen Ausdrucksmodelle, welche der Stimulation in der weltlich geprägten Amüsiersphäre als Tanz-, Unterhaltungs- und Discomusik dienlich sind, vermieden werden. Entsprechend Sprüche 20,27 sollte die Musik nicht vorwiegend körperstimulierend ausgerichtet sein z.B. durch laute und ostinat verwendete Schlagzeugbeats oder entsprechend durchgehende Taktschlagbetonungen mittels der Baßinstrumente oder Gitarren, weil dadurch die seelischgeistliche Ebene im Hörer kaum angesprochen wird.

Überhaupt sollte niemals mit den Begleitinstrumenten durchgehend der Takt geschlagen werden (Baß, Gitarre, Schlagzeug), weil infolge der durchgehenden Taktschläge die Musik leicht den Charakter von Tanz- und Unterhaltungsmusik erhält und der Hörer dadurch vorwiegend körperlich stimuliert wird. Die geistliche Aufnahmefähigkeit für Wortbotschaften bei den Hörern kann dadurch stark gebremst werden, denn der Geist Gottes wirkt gemäß seiner o. g. Aussage (Spr. 20,27) nicht über die Körperempfindungen. Auch sollten gemäß der natürlichen Schöpfungsordnung die rhythmischen Zeitstrukturen nicht in maschinenhafter und taktschlagbetonter Starrheit ablaufen, wie es meistens in Discos bei Rockmusik üblich ist. Rhythmuscomputer und Musiksequenzer bieten keine natürlichen Rhythmusstrukturen gemäß der Schöpfungsordnung und laufen entgegen den organisch gegebenen menschlichen Rhythmen von Puls und Atemrhythmus.

Die gemäß dem natürlichen Atemrhythmus vorgegebene Agogik (das "Atmen" innerhalb der musikalischen Zeitabläufe durch geringe Zeitdehnungen und entsprechend ausgleichende Zeit-Raffungen als übergeordneter Spannungs- und Entspannungswechsel) kommt nicht zustande durch die vordergründig lautstarken Taktschläge von Schlagzeug oder Baßgitarren mit permanent gleichen Zeitabständen oder wird bereits in den Ansätzen verhindert. Dadurch spricht der vorwiegend motorische Ablauf der Musik kaum die seelischgeistliche Ebene des Menschen an, sondern mehr die körperliche Empfindungsebene.

Text - Rhythmus - Melodie – Harmonie sollten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, damit der zuhörende Mensch in seiner Ganzheitlichkeit von Geist, Seele und Körper angesprochen wird

a) Die geistliche Ebene wird durch die Textaussage,

b) die seelische Ebene vorwiegend durch die Spannungsverläufe der Melodiebögen und harmonischen Funktionen der Musik,

c) die körperliche Empfindungsebene ausschließlich durch die rhythmischen Abläufe innerhalb der Musik angesprochen. Der rhythmische Verlauf der Musik sollte möglichst nicht einen durchgehend betonten Schlagzeug-Afterbeat enthalten, weil dadurch eine permanent aufpeitschende Erregungsspannung in den Hörern aufgebaut werden kann, wie man es auch bei Rockmusikveranstaltungen beobachten kann. Eine Hinführung der Gemeindemitglieder zur Andacht, zum Gebet oder gar zur Stille ist bei derartiger Musik nicht möglich. Auch die lautstarken, gleichmäßig betonten Taktschläge einer Baßtrommel mit durchgehend stereotyp gleichen Zeitabständen sind in der Gemeinde nicht angebracht, weil dadurch das Wachbewußtsein der Hörer allmählich zurückgedrängt wird. Längeres Anhören solcher gleichartig ablaufender Rhythmuspattern kann sogar Trance-Auswirkungen erzeugen, wie sie im Techno-Stil angestrebt werden. Die Bibel fordert die Gemeinden aber zur Nüchternheit und Wachsamkeit auf

(1.Tess 5, 6 + 8, 2. Tim 2,16; 1. Petr 4,8; 5,8).

Tranceähnliche Zustände können aber auch durch bestimmte psychedelisch wirkende Klangstrukturen der Musik erreicht werden, und dies sogar ohne erkennbare Rhythmen und zwar vorwiegend durch elektronisch erzeugte "Klangteppiche" mit sphärischer, außerirdisch anmutender Ausstrahlung.

Diese spricht überhaupt nicht mehr die körperliche Empfindungsebene des Menschen an, sondern kann die unterbewußten Ebenen der menschlichen Psyche fantasiehaft in einer Art meditativer Ich-Entgrenzung entführen. Hier wird dann auch das Gleichgewicht zwischen Geist-Seele-Leib verlassen, nun aber in Richtung einer psychischen Stimulation zur weltentrückten, unkörperlich anmutenden Unwirklichkeit, ähnlich einem Drogentrip. Die Psyche des Menschen kann auf diese Weise fast unmerklich für transzendente Regionen sich öffnen wie in einer transzendentalen Meditation fernöstlicher Prägung. Auf diese Weise kann Musik auch drogenhafte Wirkungen erzeugen. Transzendentale Meditationen sowie Drogen bieten aber gegenüber dem Erlösungsangebot des Evangeliums eine verlogene Ersatzerlösung an und sind absolut unbiblisch und letztlich auch als antichristliches Angebot zu bewerten, das vom biblischen Christentum wegführt. Das Wachbewußtsein der Musikhörer kann aber auch zurückgedrängt werden durch die in der Rockmusik oft gebräuchlichen Wiederholungsstrukturen gleicher kurzer Melodiefragmente, welche oftmals nur auf wenige Töne beschränkt sind, die sich ständig wiederholen und einschläfernd wirken, weil die Erwartungshaltung der Hörer auf den weiterführenden Verlauf der musikalischen Ereignisse nicht mehr gefordert wird durch neue oder wenigstens etwas variierte Melodieformen. Die gleichen Auswirkungen zur Zurückdrängung des Wachbewußtseins haben ständig wiederholte Harmoniewechsel besonders dann, wenn nur drei oder gar nur zwei harmonische Funktionen in stereotyper Gleichförmigkeit sich ständig wiederholen.

Bei normal aufgebauten zusammenhängenden Melodiestrukturen sollten möglichst nicht solche Melodiefloskeln verwendet werden, welche modellhaft bereits in den weltlich geprägten Schlagerproduktionen allgemein gebräuchlich sind, weil sonst die geistlichen Textbotschaften leicht eine Abwertung und Profanisierung erfahren durch die von der Musik stimulierten Emotionen von unterhaltsamer Unverbindlichkeit. Evangelistische Botschaften, und überhaupt alle biblischen Botschaften, müssen mit verbindlicher Entschlossenheit und ernster Bereitschaft aufgenommen werden. Sie dürfen deshalb nicht mit der emotionalen Geste einer unterhaltsamen Unverbindlichkeit dargereicht werden.

Der emotionale Gehalt der meisten Schlagermelodien, welche durch die Massenmedien verbreitet werden, strahlt aber eine flache Sentimentalität ohne geistigen Tiefgang aus. Eine Paarung solcher Melodiemodelle mit geistlichen Texten weicht deshalb den Ernst der biblischen Botschaft auf. Solche Melodien können manche Menschen seelisch stark stimulieren bis zu einer Rührseligkeit, die aber die tieferen wesentlichen Ebenen ihrer Geistespersönlichkeit nicht erreicht.

Sollen geistliche Texte in Verbindung mit Musik dargeboten werden, sollte der emotionale Ausdrucksgehalt der Musik eine Gemütshaltung widerspiegeln, die sich mit der Textaussage verträgt und d i e s e emotional unterstreicht. Wenn die verwendete Musik ein sehr stark ausgeprägtes "Eigenleben" ausstrahlt, das nicht mit der Textaussage übereinstimmt, kann die Musik den Hörer von der Textbotschaft ablenken und seine Aufmerksamkeit vorwiegend auf die Musik lenken, so dass die Textaussage ganz in den Hintergrund gedrängt wird. Die Musik hat dann ihre dienende Funktion verloren und sich selbst in den Vordergrund gedrängt.

4. Biblische Kriterien für die Beschaffenheit geistlicher Liedmelodien Gemäß der biblischen Aufforderung in Bezug auf das geistliche Lied in Eph. 5,19 ist die zentrale geistliche Komponente bei Liedern einzig und allein durch den Text gegeben. Deshalb sollte die rhythmische Struktur der Melodie dem natürlichen Sprachrhythmus der betonten und unbetonten Silben entsprechen, um die Verständlichkeit der Textaussagen zu gewährleisten. Unbetonte Sprechsilben sollen also möglichst nicht auf betonten Taktzeiten liegen und bei Akzentverschiebungen durch Synkopen sollten diese möglichst nur mit betonten Sprechsilben gebraucht werden. Die Melodien sollten also möglichst keine rhythmischen Eigenheiten aufweisen, die nicht mit den natürlichen Betonungen der Sprache konform gehen, um als geeignete Träger der Texte der Verständlichkeit und Verdeutlichung der Textaussage zu dienen.

5. Kriterien für instrumentale Begleitarrangements Für Begleitarrangements zu geistlichen Liedern gilt grundsätzlich auch das oben Gesagte für den Gebrauch von Musik in der Gemeinde im Allgemeinen. Die Vor- und Zwischenspiele sollten sich darauf beschränken, jene stimmungsmäßige Grundhaltung, die der Textaussage entspricht, zu unterstützen. Wenn die Zwischenspiele eine zu starke, rein musikalische Ausstrahlung bewirken, können die Hörer allein dadurch fasziniert und zu stark allein an die Musik gefesselt werden, wodurch die geistliche Aufnahme der Textbotschaft erschwert oder gar verhindert werden kann. In professioneller Art raffiniert ausgeführte klangsinnliche Begleitarrangements, welche die Hörer zwar zu starker seelischer Euphorie stimulieren können, lenken aber die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Textaussage ab, die ja geistlich verstanden werden will.

Eine zu starke seelische Erregung durch Musik kann die geistliche Aufnahmebereitschaft für die Textbotschaft auch vernebeln und damit verhindern, denn entsprechend Sprüche 20,27 wirkt der Geist Gottes, der für das geistliche Verständnis seiner Wortbotschaft unbedingt erforderlich ist, nicht über die seelische Ebene des Menschen, sondern allein über seinen Geist.

Für außereuropäische Gemeinden, welche die große Bandbreite unseres Kulturkreises nicht kennen, müssten entsprechend ihrem Kulturkreis solche musikalischen Ausdrucksmodelle ausgewählt werden, welche dort nicht im Verwendungszusammenhang z.B. mit Götzenanbetungs-Zeremonien oder Dämonenbeschwörungen stehen, damit keine Assoziationen mit den schamanistischen und zur Trance führenden Musikstücken geweckt werden. Geeignet wären z. B. die musikalischen Ausdrucksmodelle, wie sie dort in dem einheimischen Volksgesang bei Familien-Festlichkeiten, Hochzeiten und Ernteliedern verwendet werden. Wichtig ist dabei nur, dass der für diesen Volksstamm verständliche emotionale Ausdrucksgehalt der jeweils verwendeten Lied- und Musikstrukturen sich auch zur Übertragung biblischer Text- Botschaften eignet, wie das in unserem Kulturkreis ebenfalls in der Verwendung von melodisch geeigneten volksliedartigen Melodien möglich war, obwohl diese als Kontrafakturen bezeichneten Lieder ursprünglich keine geistlichen Texte trugen.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem gleichnamigen Buch

(Verlag Mitternachtsruf 2004, 328 Seiten, 20,- €)

ISBN-10: 3858102784

ISBN-13: 9783858102782