Märtyrerin: 12 jährige Eulalia

Eulalia, eine christliche Jungfrau, um des Glaubens willen an Jesum Christum mit Lampen und Fackeln gebrannt und erstickt zu Emerita in Lusitania, in dem Jahre 302.

Zu (1) dieser Zeit war eine junge christliche Jungfrau mit Namen Eulalia, welche ungefähr 12 oder 13 Jahre alt war. Diese ward mit so großer Begierde und Eifer des Geistes entzündet, um Christi Namen zu sterben, daß sie von ihren Eltern aus der Stadt Merida irgendwo auf's Land, fern von der Stadt auf einen Hof getan wurde, woselbst sie sehr gut bewahrt und eingeschlossen ward. Aber (2) dieser Ort konnte nicht das Feuer ihres Geistes auslöschen noch ihren Leib länger verborgen halten: denn als sie in einer gewissen Nacht von da fortgekommen, ging sie des folgenden Tages sehr frühe vor den Richterstuhl und sprach zu dem Richter und der Obrigkeit mit lauter Stimme:

Schämet ihr euch nicht, daß ihr eure und anderer Seelen zugleich in das ewige Verderben werft, weil ihr den einigen, wahren Gott, unser aller Vater und Schöpfer aller Dinge verleugnet? O ihr elenden Menschen, suchet ihr die Christen darum, sie zu töten? Sehet, hier bin, eine Widersacherin eurer satanischen Opfer. Ich bekenne mit Herz und Mund Gott allein, denn Apollo und Venus sind nichtige Abgötter.

Der (3) Schultheiß, vor dessen Richterstuhl Eulalia so freimütig geredet, ward sehr ergrimmt, rief den Henker und befahl ihm, daß er sie schnell fortnehmen, entkleiden und mit allerlei Strafen überfallen sollte, auf daß sie die Götter ihrer Väter durch die Strafe empfinde und lerne, daß es ihr schwer fallen würde, das Gebot unseres Prinzen, das ist Maximilianus, zu verachten. Aber (4) ehe er es so weit mit ihr kommen ließ, hat er sie mit folgenden schönen Worten angeredet:

Wie (5) gerne möchte ich deiner schonen, wenn es möglich wäre, daß du deine Bosheit, das ist, deine halsstarrige Meinung von der christlichen Religion vor deinem Tode widerrufen wolltest: denke doch einmal zurück, welche große Freude über deinem Haupte schwebt, welche du in dem ehrlichen Ehestande zu erwarten hast. Siehe, alle deine Freunde weinen über dich, und die betrübten wohlgeborenen Leute deines Geschlechts seufzen, daß du in der zarten Blüte deines jungen Lebens solltest sterben müssen. Siehe, (6) es stehen die Diener fertig, um dich mit allerlei, Tormenten bis auf den Tod zu peinigen: denn entweder sollst du mit dem Schwerte enthauptet, oder von wilden Tieren zerrissen, oder mit Fackeln und Lampen geflammt und geräuchert werden, welches dir viel Heulen und Schreien verursachen wird, weil du die Pein nicht wirst ertragen können, oder du sollst zuletzt noch gar mit Feuer verbrannt werden. Aller (7) dieser Marter kannst du mit geringer Mühe entfliehen, wenn du mit der äußersten Spitze deiner Finger nur einige wenige Körnlein Salz und Weihrauch nimmst, und also opferst; Tochter! stimme diesem bei, und du wirst dadurch allen schweren Strafen entgehen können. Es war dieser getreuen Märtyrerin nicht der Mühe wert, auf diese schmeichelnden und drohenden Worte des Schultheißen zu antworten: aber (mit kurzen Worten zu sagen)

(8) sie stieß die Bilder, Altar, Weihrauchfaß und Opferbuch über einen Haufen.

Sogleich kamen zwei Henker hervor, welche ihre zarten Glieder zerrissen und ihre Seiten mit schneidenden Hacken und Klauen bis auf die Rippen aufschlitzten. Eulalia (9) nun, als sie die Zeichen und Striemen an ihrem Leibe ansah und überzählte, sagte: Siehe, Herr Jesus Christus! dein Name wird an meinen Leib geschrieben; welch ein großes Vergnügen finde ich darin, diese Buchstaben zu lesen, weil sie Zeichen deines Sieges sind: siehe, mein Purpurblut bekennt selbst deinen heiligen Namen. Dieses sagte sie mit einem unverzagten und freudigen Angesichte, ohne ein Zeichen der Betrübnis zu erkennen zu geben, obschon ihr Blut aus den Wunden ihres Leibes, wie aus einem Brunnen, herausfloß. Zuletzt geriet ihr Haupthaar von der Flamme in Brand, wodurch sie, weil sie solches in ihren Mund schöpfte, erstickte. Dieses war das Ende dieser zwar jungen, aber in Christo alten Heldin, welche die Lehre ihres Seligmachers lieber hatte als ihr eigenes Leben. A. Mellin. in dem 1. Buche der Hist. der Verfolg. und Mart., Ausgabe von 1619, Fol. 105, Col. 4 und Fol. 106, Col. 1, 2, verglichen mit Joh. Gys. in Hist.  Mart., gedruckt 1657, Fol. 23, Col. 3, ex Prud. Steph. Hym. 3. Dieser (11) ist in Lusitania zu Emerita geschehen, heutigen Tages Merida oder Medina del Ria Secco genannt, in den äußersten und entferntesten Gegenden von Spanien gelegen, unter dem Kaiser Maximianus und dem Statthalter Dacianus, wie aus den alten Schriften und aus vorgemeldeten Schreibern ersehen werden kann. Nachdem (10) sie also mit Beißzangen bis auf die Rippen durchgraben war, haben sie mit brennenden Lampen und Fackeln die Wunden ihrer Seiten und ihren Bauch geflammt und gebrannt.

(1) Von der Begierde der Eulalia, um für den Namen Christi zu sterben. (2) Wie sie selbst vor den Richtelstuhl ging, und was sie zum Richter sprach. (3) Hierüber wird der Schultheiß sehr erglimmt und befahl, sie mit allerlei Strafen zu überfallen. (4) doch redete er sie auch mit schönen Worten an. (5) Schmeichelnde Worte. (6) Drohende Worte. (7) Worte, die den Schein der Bequemung enthalten. (8) Ein gewisser Schreiber sagt von einem Tyrannen, daß sie ihm ins Angesicht gespeiet, welches von dem Bild oder Abgott verstanden werden muß. (9) Sie erfreuet sich an ihrem Malzeichen. (10) Nach vorhergegangener Peinigung wird sie geflammt und gebrannt, und ist zuletzt erstickt.