Lieder vom wahren und falschen Christenthum

2 Lieder aus: "Gesangbuch - Eine - Sammlung geistlicher Lieder - zur - Allgemeinen Erbauung und dem Lobe Gottes." Herausgegeben von der Sommerfeld Mennoniten Gemeinde in Manitoba

Liederkategorie : Das wahre Christenthum
Vers-Überschrift: Luk. 6,46 Was heisst ihr mich aber Herr, Herr, und thut nicht was ich euch sage ?

1. Mein Christ! bedenke was du bist, du heisst wohl vor der Welt ein Christ; bist du auch überführet, dass du den Namen und die That bisher an dir gespüret?

2. Der Name thut es nicht allein, die Kraft muss auch zugegen sein, sonst sind es leere Schalen. Wie thöricht ist es aber doch, mit blossen Titeln prahlen!

3. Heiss'st du ein Christ, so frage dich, ob sich dein Fuss beständiglieh nach C h r i s t i Stapfen richtet- Läufst du für dich, so glaube nur, dein Ruhm ist ganz erdichtet.

4. Heiss'st du ein Christ, so prufe dich, ob auch dein ganzes Herze sich an Christum hat ergeben; liebst du ihn nicht in Lauterkeit, kann er nicht in dir leben.

5. Heiss'st du ein Christ, so glaub es fest, wo du dein Fleisch nicht kreuzigest: du wirst dich sehr bethören; das müssen alle Christen thun, die Christo zugehören.

6. Heiss'st du ein Christ, so sieh' dich um, ob du dich auch Im Christenthum vor andern Leuten weisest. Der ist kein Christ, der Christum nicht in guten Werken preiset.

7. Heiss'st du ein Christ, gieb fleissig Acht, ob dein Sinn nach dem Himmel tracht't, und lässest, was hienieden; ist nicht dein Herze, wo dein Schatz, so seid ihr schon geschieden.

8. Heiss'st du ein Christ, so forsche nach, ob du bei Trübsal, Fluch und Schmach auch Christum kannst bekennen; schämst du dich sein, so kannst du dich auch nicht von Christo nennen.

9. Heiss'st du ein Christ, besinne dich, kann auch dein armer Nächster sich von deiner Liebe laben? Liebst du das Haupt und nicht das Glied: wo kannst du Christum haben?

10. Heiss'st du ein Christ, so sei gefragt: hast du der Welt auch abgesagt und allen ihren Lüsten? Giebst du ihr nicht den Scheidebrief, so heiss' dich keinen Christen.

11. Heiss'st du ein Christ, wie ist's gemeint? Liebst du, wie Christus, deinen Feind? Giebst du für Fluch den Segen? Ist Herz und Mund voll Rach' und Zorn, steht Christus dir entgegen.

12. Heiss'st du ein Christ, so merke d'rauf, ob deines Christenthumes Lauf in stetem Wachsthum gehet; der nimmt nicht zu, wohl aber ab, der immer stille stehet.

13. Heiss'st du ein Christ, so siehe zu, ob dein Gewissen auch in Ruh' und dir kann Zeugniss geben. Klagt's dich stets neuen Frevels an, wie kannst du Christo leben?

14. Heiss'st du ein Christ, schau', ob dein Weg auch vor sich hat den schmalen Steg: des Himmels Pfort' ist enge; du kommest wahrlich nicht hinein, hältst du es mit der Menge.

15. Heiss'st du ein Christ, wo ist der Streit, der zwischen Geist und Fleisch all'zeit bei Christen wird geführet? Wie kann der Geist mit Christo sein, wo dein Fleisch triumphieret?

16. Heiss'st du ein Christ, wie stehts um dich, ist dir der Tod auch fürchterlich? kannst du auch täglich sterben? Wer nicht in Christo lebt und stirbt, muss sterbend auch verderben.

17. Heiss'st du ein Christ, denkst du auch d'ran, dass Christus wieder kommen kann? Willst du dich nicht bereiten: so hilft dein Christenname nichts, du musst zur linken Seiten.

18. Heiss'st du ein Christ, hältst du in Acht, was ich dir jetzund vorgebracht, thust du es auch im Glauben? Bild'st du dir etwas darauf ein, so bringst du herbe Trauben.

19. Fehlt dir, mein Christ, dies alles noch, so bitt' ich, überlege doch, wie du den Namen schändest, und dich durch diesen eitlen Ruhm so jämmerlich verblendest.

20. Entweder änd're du forthin den Namen, oder doch den Sinn, denn beides steht zusammen; wo dich der eig'ne Name nicht soll dermaleinst verdammen.

21. In Christo kann kein blosser Schein, nur ein rechtschaffnes Wesen sein, d'rum lass die Larven fahren, und künftighin dein Christenthum sich besser offenbaren.

22. Hast du die Salbung als ein Christ, von dem, dei mehr gesalbet ist, sie wird dick alles lehren, wie du hier christlich leben sollst, zu Christi Lob und Ehren.

23. Ein Christ, der hat auch Christi Geist, dem folge nun wie er dich weis't, und trag des Geistes Früchte; verleugne dich und auch die Welt um wandle stets im Lichte.

24. Heiss'st du ein Christ, so sei ein Christ, und bleibe, was du heiss'st und bist; will dich die Welt nicht kennen, so wird dich einmal Christus dort in diesem Namen nennen.

25. Heiss'st du ein Christ, nun, o wie schön wird Nam' und That beisammen steh'n im Himmel angeschrieben. Dann wird der Christ bei Christo sein, wenn er ein Christ geblieben.

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Liederkategorie : Vom wahren und falschen Christenthum.

Ach, lieber Mensch! erkenne recht, wie es so laulich und so schlecht im Christenthum hergehet: ein jeder rühmt sich zwar ein Christ, thut doch nicht was recht christlich ist und Christenvolk zustehet. Wir schreien zwar fast insgemein, dass wir ein Volk des Herren sein und führen reine Lehre; wo aber findet sich ein Ort, da man recht lebt nach Gottes Wort und sucht allein sein' Ehre?

2. Wir sagen wohl von Gottes Gnad', dadurch er uns erschaffen hat, sammt Himmel und der Erden; wir preisen seine Wunderwerk', auch wie durch seine Kraft und Stärk' all' Ding' erhalten werden; wir reden wohl vom Paradeis, von Adams Fall, auch gleicher Weis' von Gottes Wort und Willen; doch trauen wir nicht recht auf Gott, sind auch nicht eifrig, sein Gebot und Willen zu erfüllen.

3. Gar sehr beklagen wir die Sünd, und ist doch kaum ein Menschenkind, das woll' von Sünden lassen. Wir klagen über die Natur, dass sie geneigt zum Bösen nur; doch keiner Bös's will hassen, ja fahren fort noch immerdar von Jugend auf zum grauen Haar nach Fleisches Wohlbehagen; man lehrt vom Bösen abzusteh'n und auf dem guten Weg zu geh'n; thun doch nicht, was wir sagen.

4. Wir rühmen Gottes grosse Huld, der seinen Sohn für unsre Schuld hat in den Tod gegeben, der uns den Weg zum Heil gelehrt, und sind doch all' so ganz verkehrt, dass wir darnach nicht leben. Wir singen von den Wundern viel, von Gottes Treu' und Gunst ohn' Ziel, damit er uns thut lieben; und gleichwohl man fast niemand find't, der Gott hinwieder als ein Kind zu lieben sich wollt' üben.

5. Wir rühmen uns des Glaubens sehr und sprechen oft: ach, lieber Herr! an deiner Gnad' ich klebe; das Herz ist aber nicht dabei, d'rum ist und bleibt es Heuchelei, wie scheinbar man auch lebe; denn Glaube muss nicht bloss im Mund steh'n, sondern tief im Herzensgrund mit völligem Vertrauen auf Gottes Gnad' und Christi Tod, sonst ist's kein Glaub', der gilt vor Gott, kann auch den Herrn nicht schauen.

6. Wir sagen zwar, der Glaub' ist tod, der nicht lebendig ist in Gott und thätig in der Liebe; doch wer ist, der des Glaubens Schein lässt kräftig leuchten, wie's soll sein? wer ist, der dies recht übe? Wir sagen auch von Christi Joch, von seinem Kreuz, und leben doch nach unsers Fleisches Lüsten. Wir sagen von der Tödtung viel, da doch fast keiner
streiten will, noch sich zum Kampf recht rüsten.

7. Wir geh'n zwar zum Versammlungsort, daselbst zu hören Gottes Wort zu beten und zu singen; jedoch nur aus Gewohnheit mehr, als reiner Lieb' zu Gottes Ehr'; man hängt an eiteln Dingen. Geh'n auch zum Abendmahl behend, thun's doch oft nicht zum rechten End', verändern nicht den Wandel; das Herze bleibt, wie's vorhin war, am Aeusserlichen klebt man gar. Ist's nicht ein schnöder Handel?

8. Wir beten, doch nicht so im Geist und in der Wahrheit, wie uns heisst Christ', unser Heiland beten. Wir singen, doch nicht aus Andacht, wie's sein soll: denn, o Mensch, betracht', wenn du vor Gott willst treten, dass dein Herz dann zu ihm allein sich richten muss und gleichsam sein von der Welt abgerissen. Wie wenig aber sind der Leut', die so vor Gott in Lieb' und Leid zu treten sind beflissen?

9. Wir sagen und erkennen wohl, dass man den Nächsten lieben soll wie sich selbst ohne Fehle; ja, dass dies gleich sei dem Gebot, das uns befiehlt zu lieben Gott von ganzer Macht und Seele; doch aber denk' ein frommer Christ, wie dies nur lauter Mundwerk ist, indem wir täglich hören von Krieg, Zank, Streit, Zorn, Neid und Hass auch unter denen oft ohn' Mass, die sich nächst angehören.

10. Wir sagen, dass wir allzumal sind sterblich, und dass überall der Tod uns könne finden; doch schicken wir uns nicht zum Tod, stell'n uns, als hätt's noch lang kein' Noth, und fahren fort in Sünden. Man schreit, die Stund' sei ungewiss, der Tod kommt plötzlich, wie ein Riss des Fadens in dem Weben, wie Rauch und Schatten so wegfleucht, doch keinem dies in's Herze leucht't, indem wir sicher leben.

11. Wir sagen auch, der ew'ge Tod folg' dem Gericht mit Angst und Noth, die Zeit sei kurz auf Erden, man muss verleugnen diese Welt; doch keiner ist, dem dies gefällt, so lang ihm wohl mag werden. Wir sagen viel auch allzumal von unaussprechlich grosser Qual, von Straf' und Pein der Höllen; doch ist ja unter tausend Mann kaum einer, der sich kehre d'ran und sich's recht thät vorstellen.

12. Wir rufen auch zwar oft in Gott, dass er uns helf' aus aller Noth, schenk' uns den Geist der Gnaden; doch wenn er uns noch helfen will, so thut Ihm niemand halten still, flieht, als vor seinem Schaden. Wir wollten gerne allzugleich mitherrschen in dem Himmelreich; kein Mensch will aber leiden (wie Christus selbst litt Angst und Spott, ging in sein Reich durch Kreuz und Tod), und von der Welt sich scheiden.

13. Wir wollen wohl gen Himmel geh'n, woll'n doch edeln recht den Weg versteh'n, weil er ist rauh zu steigen. Wir sagen: ach! wär ich bei Gott! doch will das Herz in Glück und Noth sich zu Gott nicht recht neigen. Ein jeder wünscht die Seligkeit, die doch nur denen ist bereit't, so Christo nachgegangen, nur die hier kämpfen um die Kron', die edlen dort den Gnadenlohn aus Gottes Hand empfangen.

14. Wir schreien viel zu aller Zeit von der so langen Ewigkeit, die nie ein End' soll kriegen. Wir sagen: Wenn ein Vogel käm', vom Meeressand ein Körnlein nähm' all' tausend Jahr im Fliegen, so wär ja noch ein Hoffnung zwar, dass nach viel tausend, tausend Jahr der Sand wird weggetragen; das Ew'ge aber hat kein Ziel, doch keiner dem nachsinnen will, zu fliehen ew'ge Plagen.

15. Man weiss, dass wir nach dieser Zeit gleich treten in die Ewigkeit zur Freud' oder zum Leiden. Man sagt: wie wird dem sein zu Muth, der ewig in der Höllengluth sich von dem Herrn soll scheiden; jedoch betracht't man dies nicht recht, noch wie dort soll der Wissensknecht zwiefache Schläge fühlen, man denkt nicht, wie der reiche Mann kein Tröpflein Wassers haben kann, sein' Zung' damit zu kühlen.

16. Hieran und an die Ewigkeit recht zu gedenken allezeit, wollst du, Herr! Gnade geben. Ach hilf, dass wir von deiner Lehr' nicht nur viel reden, sondern mehr auch nach derselben leben! Verleih' uns Weisheit, Kraft und Geist, dass wir doch trachten allermeist auf diesen Grund zu bauen den Christus uns gezeiget hat, und hilf uns beten durch dein' Gnad' im völligen Vertrauen.

17. Herr! der du bist von Ewigkeit, ein Gott von grosser Herrlichkeit, von Güte, Macht und Ehre! dich ruf' ich an herzinniglich, mit deiner Gnad' umfange mich, dein Wort und Recht mich lehre. Den heil'gen Geist verleihe mir, der mich zu Jesu Christo führ', dass ich recht glaub' und lebe. Du selbst, o Herr! regiere mich zu deinen Ehren, auf dass ich der Sünd' stets widerstrebe.

18. Den Glauben, Lieb' und Hoffnung stärk', dass ich im Stande guter Werk' stets mög' erfunden werden; dass ich zieh' Jesum Christum an und folge seiner Tugendbahn, so lang' ich leb' auf Erden; dass ich meid' alle Heuchelei, von Herzen recht gottselig sei, wie du befiehlst den Frommen, so werd' ich auch nach dieser Zeit, o Gott! in deine Herrlichkeit mit Fried' und Freude kommen.