Kritische Anmerkungen zu Gene Getz Kriterien für das Amt eines Ältesten

Beurteilung der Kriterien bez. dem Ältestenamt von Gene Getz

Es ist gut, dass Gottes Wort und Gott selbst uns bestimmte Kriterien zeigt, die erfüllt sein müssen, will man eine "leitenden Funktion" in einer Gemeinde übernehmen. Die Bibel hält uns den Spiegel unserer geistlichen Mängel zu Recht vor. Aus der Erkenntnis der eigenen Mängel sollte die Buße und eine Besserung des Zustandes erfolgen. Deshalb gibt es in Bezug auf bestimmte Kriterien, die ein Hirte erfüllen muss, überhaupt nichts einzuwenden.

Wie bei allem, was nicht unmittelbar in der Bibel steht, gilt:

Prüft alles, das Gute behaltet 1.Thess 5, 21

Gene Getz hat aus den Bibelstellen: a) 1. Tim 3,16 und b) Titus 1,6-9 eine Auflistung von 20 Kriterien verfasst und diese, wie ich meine, teilweise zu unpräzise aber auch leider falsch ausgelegt. Die meisten Kriterien sind aber stimmig.

Im Original sind keine Bibelstellen angegeben, auf welche sich die Kriterien beziehen. Diese habe ich in Klammern ergänzt.

Kriterien die ich für nicht unstimmig halte, sind fett markiert.

Aller Bibelzitate entstammen der Schlachter 2000 Übersetzung

1. Tim 3,1-16:

[1] Glaubwürdig ist das Wort: Wer nach einem Aufseherdienst trachtet, der begehrt eine vortreffliche Tätigkeit.

[2] Nun muss aber ein Aufseher untadelig sein, Mann einer Frau, nüchtern, besonnen, anständig, gastfreundlich, fähig zu lehren;

[3] nicht der Trunkenheit ergeben, nicht gewalttätig, nicht nach schändlichem Gewinn strebend, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig;

[4] einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder in Unterordnung hält mit aller Ehrbarkeit

[5] – wenn aber jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Gemeinde Gottes sorgen? –,

[6] kein Neubekehrter, damit er nicht aufgeblasen wird und in das Gericht des Teufels fällt.

[7] Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen außerhalb, damit er nicht in üble Nachrede und in die Fallstricke des Teufels gerät.

Titus 1,6-9

[6] wenn einer untadelig ist, Mann einer Frau, und treue Kinder hat, über die keine Klage wegen Ausschweifung oder Aufsässigkeit vorliegt.

[7] Denn ein Aufseher muss untadelig sein als ein Haushalter Gottes, nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht der Trunkenheit ergeben, nicht gewalttätig, nicht nach schändlichem Gewinn strebend,

[8] sondern gastfreundlich, das Gute liebend, besonnen, gerecht,heilig, beherrscht;

[9] einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.

 

Getz: "In der Fellowship Bible Church North verwenden wir das folgende Formular, das sich auf die Qualifikationen für Älteste in 1.Timotheus 3,1-7 und Titus 1,6-9 stützt, um Kandidaten für die geistliche Leitung der Gemeinde zu beurteilen."

Untadelig (1. Tim 3,7, 1. Tim 3,2)

1. Wie beurteilen Sie seinen/ihren Ruf als Christ sowohl unter anderen Gläubigen als auch unter Nichtgläubigen?

Kritik: Um die Problematik zu verdeutlichen, nehme man z.B. den Fall, dass ein bibeltreuer Christ in eine pfingstlerische Gemeinde geht. Er sieht die vielen unbiblischen Handlungen und Methoden und versucht, das ständig zu beanstanden. Was wird nun aus seinem Ruf ? Der Ruf eines solchen Christen ist in der Gemeinde schlecht, obwohl er das Richtige tut. Diese Frage wird erst dann relevant, wenn eine Gemeinde sich nicht in viele Irrtümer und Irrlehren verstrickt, so dass die Gemeinde überhaupt als Maßstab zum tragen käme, was bei den meisten Gemeinden aber nicht der Fall ist.

Mann einer Frau (1. Tim 3,2)

2. Wie beurteilen Sie sein/ihr Verhältnis mit seinem/ihrem Ehepartner?

Kritik: Das Verhältnis der Ehepartner ist nicht Gegenstand der Anforderung, sondern nur, dass er: a) männlich ist b) eine Frau hat. Ob nun 1. Tim 3,2 meint, dass man nicht Mann mehrerer Frauen sein soll oder eine Frau haben muss, lasse ich offen.

Nüchtern (1. Tim 3,2)

3. Wie beurteilen Sie seine/ihre Ausgewogenheit in seinem/ihrem Christsein?

Kritik: Das griechische Wort für nüchtern lautet: "Nephaleos". Wie ich das Lexikon interpretiere, nimmt der Wort Bezug auf ein nicht betrunken sein. In Bezug auf die Wahrheit gibt es keine Ausgewogenheit, sondern nur richtig oder falsch.

Besonnen (1. Tim 3,2)

4. Wie beurteilen Sie seine/ihre Weisheit und Urteilsfähigkeit?

Sittsam (1 Tim 3,2)

5. Wie denken Sie darüber, inwieweit sein/ihr Leben das Leben Jesu Christi widerspiegelt?

Gastfrei (1 Tim 3,2)

6. Wie beurteilen Sie seine/ihre Freigebigkeit?

Lehrfähig (Titus 1,9)

7. Wie beurteilen Sie seine/ihre Fähigkeit, mit Menschen umzugehen, die anderer Meinung sind als er/sie?

Kein Trinker ( Titus 1,7)

8. Wie zufrieden sind Sie mit seiner/ihrer Fähigkeit, die verschiedensten Leidenschaften und Zwänge zu beherrschen?

Nicht eigenmächtig (Titus 1,7)

9. Wie zufrieden sind Sie mit seiner/ihrer Fähigkeit, mit anderen Menschen umzugehen, ohne selbstsüchtig und beherrschend zu sein?

Nicht jähzornig (Titus 1,7)

10. Wie zufrieden sind Sie mit seinem/ihrem Umgang mit Zorn?

Kein Schläger (Titus 1,7; 1. Tim 3,3)

11. Wie zufrieden sind Sie mit seiner/ihrer Fähigkeit, auf verbale und körperliche Gewalt zu verzichten?

Kritik: Das Wort im griechischen ist: "Plektes". Das Worthat die Bedeutung, so wie es im Deutschen auch steht: Kein (körperlicher) Schläger zu sein. Nicht mehr. Weiter würde das ja bedeuten, dass man jede gerechtfertigte Ermahnung als Gewalt bezeichnen könnte und diese somit nicht mehr stattfinden dürfte.

Gütig ( 1. Tim 3,3)

12. Wie objektiv und gerecht ist er/sie in seinen/ihren Beziehungen zu anderen?

Nicht streitsüchtig (1. Tim 3,3)

13. Wie zufrieden sind Sie mit seiner/ihrer Fähigkeit, Streit zu meiden?

Kritik: Hier sehe ich den folgenschwersten Fehler, aller Auslegungen von Getz. In 1. Tim 3,3 ist eindeutig von einer Streitsucht die Rede. Bei Getz wird daraus einfach ein normaler Streit. Weiter macht es auch keinen Sinn in jedem Fall auf Streit zu verzichten. Wo Wahrheit und Lüge aufeinander treffen, wird es zwangsläufig zu hoffentlich fruchtbarem Streit und einer Wahrheitsfindung kommen.

Was wäre die Konsequenz, wenn man nach Getz in jedem Fall "Streit vermeiden" wollte ? Nun, das liegt auf der Hand. Die Gemeinde würde von allerlei ungeistlichen Unrat unterwandert, denn, wo kein Streit, da keine Auseinandersetzung und Besserung.

Sinnig ist 2. Tim 2,23 wo es um unsinnige Streitfragen geht. Getz verführt hier leider zu einer kritiklosen Einstellung und einer Kultur des Schweigens. Ich denke, dass dieser Fehler so schwerwiegend ist, dass man diese ganze Kriterien leider nicht in der Form weitergeben kann.

Nicht geldliebend (1. Tim 3,3; Titus 1,7)

14. Wie zufrieden sind Sie mit seiner/ihrer Fähigkeit, nicht materialistisch zu sein?

Dem eigenen Haus gut vorstehen (1. Tim 3,4; Titus 1,6)

15. Wenn er/sie Kinder hat, wie zufrieden sind Sie mit seiner/ihrer Fähigkeit, die Elternrolle nach dem Plan Gottes auszufüllen?

Das Gute liebend (Titus 1,8)

16. Wie zufrieden sind Sie mit seinen/ihren Bemühungen, „das Böse mit Gutem zu überwinden"?

Kritik: Die Bibel sagt: "das Gute liebend" Getz sagt: "das Böse mit dem Guten zu überwinden". Das klingt ganz hübsch - steht aber nicht in der Bibel. Es geht hier um die Liebe zum Guten, was ich im Einklang zu einer Liebe zur Wahrheit (2. Thess 2,10) sehe.

Gerecht (Titus 1,8)

17. Wie zufrieden sind Sie mit seiner/ihrer Fähigkeit, in seinen/ ihren Beziehungen zu anderen gerecht und ausgewogen zu sein?

Kritik: Warum Getz hier schon wieder sein "ausgewogen" einbaut - fragt nicht mich. Ich denke "gerecht" geht weit darüber hinaus, als es nur auf Beziehungen zu beschränken - was auch wichtig ist. Ich denke "gerecht" hat auch etwas mit dem Stand vor Gott zu tun. Wie weit ist mein Handeln vor Gott und den Menschen gerecht ? Bin ich gerecht in Gottes Augen in dem was ich im Alltag tu ?

Heilig (Titus 1,8)

18. Wie zufrieden sind Sie damit, wie sein/ihr Leben die Heiligkeit Gottes erkennen lässt?

Enthaltsam (Titus 1,8)

19. Wie zufrieden sind Sie mit seiner/ihrer Fähigkeit, ein diszipliniertes Leben als Christ zu führen?

Geistliche Reife

20. Wie beurteilen Sie insgesamt seine/ihre Reife als Christ?

Zwei wesentliche Punkte unterschlägt und verschweigt Getz völlig, und verfälscht somit das Wort Gottes vorsätzlich:

- kein Neubekehrter (1. Tim 3,6)

- der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht (Titus 1,9)

Getz legt also in seiner Auswahl überhaupt keinen Wert auf eine Treue gegenüber Gottes Wort und einer gesunden Lehre! Man frägt sich, welchen Zweck Getz damit verfolgt, so das Wort Gottes zu missachten und zu verfälschen ?

Man täte besser daran, selbst einen Test, der auf biblischen Tatsachen beruht zu entwerfen, als auf diesen sehr zweifelhaften und Bibel entstellenden Test von Getz zurückzugreifen.