Indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen

"Man soll die Versammlungen nicht verlassen" ... die meisten Anwesenden haben die Versammlungen doch schon längst innerlich verlassen - so wie auch Gott. Daß nun die Körper irgendwo in einem Haus aufgereiht sitzen, hilft dann auch nichts mehr. Weiter muß man oft sagen, daß die Versammlungen zwar Versammlungen von Menschen sind, aber das war es dann auch schon. Also keine Versammlung der Heiligen, sondern der Scheinheiligen.

Überhaupt wird der Vers aus Hebr. 10,25 meist typischen sektenhaft isoliert zitiert. Nicht mal die Sätze in der Bibel können sie am Stück lassen. Ganz lautet er:

"Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung, ohne zu wanken – denn er ist treu, der die Verheißung gegeben hat –, und lasst uns aufeinander Acht geben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht! Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt für die Sünden kein Opfer mehr übrig, sondern nur ein schreckliches Erwarten des Gerichts und ein Zorneseifer des Feuers, der die Widerspenstigen verzehren wird. Hebr. 10,23-27"

Liest man Vers 26+27 wird klar, daß hier eigentlich nicht primär die örtliche Versammlung gemeint ist, sondern die eigentliche Versammlung zum Leib Jesu. Schaut man sich das Wort, was hier für Versammlung im griechischen Text an, dann wird schnell klar, daß die Ortsgemeinde eher zweitrangig gemeint ist.

Versammlung = episunagōgē  (Strongs Nr.: G1997)

Ein Griechisch-Wörterbuch erklärt das Wort so:

d. Zusammenführung
1) als Handlung: d. (Sich)Versammeln oder Zusammenkommen (an einem Ort)  zu jmdm. hin (nämlich bei d. Entrückung zum verherrlichten Christus  ( bzw. zu d. anderen versammelten Glaubensgeschwistern); als Erg.:  d. Zusammenkunft oder Versammlung d. Gläubigen.)

Das Wort episunagoge kommt im NT nämlich nur 2x vor. Die andere Stelle ist:

Wir bitten euch aber, ihr Brüder, wegen der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm:  2. Thess 2,1

Das Wort "Vereinigung" ist ebenso wieder episunagoge. Der Kontext von 2. Thess. 2,1 ist nicht die Ortsgemeinde, sondern die Versammlung mit IHM.

So wird auch die Aussage von Hebr. 10,25 klar. Weil das mutwillige Sündigen und der Verlust des Heils kommt nicht durch das Verlassen der Ortsgemeinde, sondern das Verlassen des Leibs Christi, also letztlich die Trennung von IHM zustande. Das Verlassen der Ortsgemeinde (derer es meist viele gibt pro Ort gibt...) kann aber ein Schritt in Richtung Abfall sein.

2. Thess. 2,1 und Hebr. 10,23-27 legen meiner Meinung nach den Schwerpunkt eher auf eine Versammlung mit IHM. Wäre wirklich primär die Ortsgemeinde gemeint, müßte da eher das typische Wort für Gemeinde: ekklesia stehen.

Ein Predigtgottesdienst am Sonnentag nach obiger Definition ist eigentlich keine Versammlung, da es im Grund immer nur ein menschlich organisierter liturgischer Monolog ist. Also von vorn (Kanzel, Chor, Theater) gibt es immer nur einen Weg zu den sogenannten Versammelten. Ich will ja nichts sagen, aber wo im NT steht eigentlich, daß man eine Kanzel benötigt auf der immer die selben etwas sagen ?Daß es einen Predigtgottesdienst gibt ? Daß man sich primär am Sonntag versammelt ? Daß das Gemeindehaus 90% der Zeit leer steht ? Daß man ein Haus Bethaus nennt, wenn darin so gut wie nie gebetet wird; und wenn, dann taugen die Gebete meist auch nichts ? Daß Liturgie den heiligen Geist ersetzen soll ?

Je weniger heiliger Geist eine Gemeinde hat, umso mehr benötigt sie Organisation und Liturgie; dann sieht es wenigstens so aus als ob...

Da man also immer nur von eine Richtung, wie auch immer, beschallt wird, gibt es die Möglichkeit: Aufeinander Acht haben, zur Liebe anspornen, zu guten Werken anspornen GAR NICHT. Also sind die meisten Versammlungen im Grund nichts weiter als organisierte Versammlungsverhinderungsveranstaltungen oder ein innerlich-fleischlicher Sonntagsausflug.

Wie weit man mit der organisierten Versammlungen weg ist, zeigt schon ein Vers:

Wie ist es nun, ihr Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch etwas: einen Psalm, eine Lehre, eine Sprachenrede, eine Offenbarung, eine Auslegung; alles lasst zur Erbauung geschehen! 1. Kor 14,26

Die Frage ist wirklich: Wie ist es nun, ihr Brüder?

Hier müssen wir den Paulus verneinen, daß er unrecht gehabt hat - jedenfalls zeugen wir mit den organisierten Versammlungen klar gehen ihn und damit gegen Gottes Wort.

Weiter steht: so hat jeder von euch etwas

In den Menschen-Versammlung hat aber eben gerade nicht jeder etwas, sondern nur sehr wenige. Das kommt davon, daß allerlei Sünder sich in den Gemeinden herumtreiben die sowieso nichts außer Fleisch haben und weiter: Diese ganze menschlich Gemeinde-Organisation und Hierarchien nichts weiter als Welt sind. Jeder laue Christ kann sich in so eine Versammlung in Reihe 559 setzten und so tun als ob.

Mit echter Gemeinschaft haben solch Versammlungen jedenfalls nichts zu tun und sie sind auch völlig entgegen dem Willen Gottes.

s.d.g.