31.1  Sendbrief an Martin Micron

Die ganze Schrift, werter Micron, lehrt und gebietet, dass wir den Herrn, unsern Gott, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen unsern Kräften und nach allem unserm Vermögen lieb haben sollen, und unsern Nächsten wie uns selbst. An diesen zwei Geboten, sagt Christus, hängt das ganze Gesetz und die Propheten (5Mo 6,5; Mk 12,30; Lk 10,27; 3Mo 19,18; Röm 13,9; Gal 5,14; Mt 7,12; 22,40).

Es ist alles Liebe, was die Schrift uns lehrt. Johannes sagt:

»Wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht lieb hat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.« (1Joh 4,7–8)

Ferner:

»Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm.« (1Joh 4,16)

Ohne diese Liebe ist alles, was man auch von der Schrift und Schriftsachen wissen, beurteilen, sprechen und schreiben kann, eitel und vergebens (1Kor 13,1).

Die Eigenschaft und Frucht der Liebe ist Sanftmut und Freundlichkeit; sie ist nicht neidisch, handelt nicht schalkhaft oder betrügerisch, bläht sich nicht auf, sucht nicht das Ihre – kurz, wo die Liebe ist, da ist ein Christ.

Da wir denn von der ganzen Schrift auf die Liebe gedrungen werden, ohne die Liebe kein Christ sein kann, wie gehört worden ist, und ihr euch nicht nur einen gewöhnlichen, einfachen Christen, sondern auch einen Lehrer und Vorgänger derselben rühmt, so habt ihr euch allzu schlecht vorgesehen, dass ihr euch nicht besser mit der Liebe in Gottes reiner Furcht beratschlagt habt, ehe ihr diesen euren lügenhaften, ehrabschneiderischen, ruhmsüchtigen, blutschuldigen und antichristlichen, falschen Bericht und Buch an den Tag gebracht habt.

Ihr habt euch mit eurem Schreiben sowohl gegen Gott als die Menschen gezeigt, als ob ihr euer Lebtag nie einen einzigen Buchstaben von der ungefälschten, reinen Art der Liebe gekannt oder gefühlt hättet, wie ich euch aus Liebe zu Gottes Ehre und seinem heiligen Worte und zu eurer armen Seele mit dieser meiner Ermahnung durch des Herrn Gnade in einem unparteiischen, aufrichtigen Gewissen anweisen und erklären werde, auf dass, wenn noch etwas Lebensatem oder Einsicht bei euch sein sollten, ihr durch unsere, zu eurer Besserung geschehene Anweisung eure faulen, eiternden Schwären und tödlichen Wunden kennen und sehen und euch mit der himmlischen Medizin von des Herrn Geist und Wort durch eine aufrichtige, ungefärbte Buße zu des Herrn Preis und eurer Seele Seligkeit helfen lassen möchtet. Habt ihr noch irgendwelchen Verstand, so bedenkt, was ich schreibe.

Fürs Erste ist es offenbar genug und kann weder von euch noch von irgendeinem Menschen geleugnet werden, dass ihr den allmächtigen, ewigen und großen Gott, den Gott des Himmels und der Erde, den Vater unseres Herrn Jesu Christi, der weder lügen noch betrügen kann (Mal 3,6; Jak 1,17; Hebr 6,18; Tit 1,2), mit eurem Schreiben zu einem offenbaren Lügner gemacht habt, denn er zeugt von Christo und sagt:

»Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe!« (Mt 3,17)

, und ihr sagt, dass er es nicht sei; denn ihr habt mündlich uns gegenüber bekannt und schreibt auch noch an vielen Stellen, dass der Mensch Christus, welchen ihr die menschliche Natur in Christo nennt, keinen Vater gehabt habe.

Merkt, ob ihr nicht einer von den Geistern seid, von welchen Johannes sagt:

»Wer Gott nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott zeugt von seinem Sohne.« (1Joh 5,10)

Lieber Micron, denkt nach, ob es nicht die Wahrheit ist, was ich schreibe.

Zweitens ist offenbar, dass ihr Christum, der die ewige Wahrheit ist, gleichermaßen mit eurem Schreiben zu einem offenbaren Lügner gemacht habt; denn er bekennt mehr als sechzig oder siebzig Mal durch Johannes, dass er der Sohn Gottes und dass Gott sein Vater sei; dass er vom Himmel herniedergekommen und vom Vater ausgegangen sei; dass er der eingeborne Sohn Gottes sei und ihr schreibt vermessen und öffentlich, dass er es nicht sei; dass er seinem menschlichen Wesen nach keinen Vater gehabt habe; dass er von Marias Fleisch und Samen, von der Erde, und Abrahams und Davids natürlicher Sohn und Same sei.

Merkt, ob ihr nicht einer von den falschen Lehrern und Propheten seid, die den Herrn verleugnen, der sie erkauft hat (2Pt 2,1). Lieber Micron, denkt nach, ob es nicht wahr ist, was ich schreibe.

Drittens ist es offenbar, dass ihr den himmlischen Boten, den Engel des Allerhöchsten (Lk 1,26), den schlichten Nathanael, in dem kein Falsch war (Joh 1,47), Johannes den Täufer, den Allerheiligsten unter den von Weibern Geborenen (Mt 11,11), Martha, eine Aufwärterin und Dienerin des Herrn (Lk 10,38), Petrus, den getreuen Hirten der Schafe (Joh 21,15), Johannes, den Apostel, welchen Jesus lieb hatte (Joh 13,23; 21,20), und Paulus, das auserwählte Rüstzeug (Apg 9,15), mit eurem Schreiben zu offenbaren falschen Zeugen gemacht habt; denn sie bezeugen alle einstimmig miteinander, und zwar ohne irgendwelche Teilung der Gottheit von der Menschheit, dass Christus Jesus der Sohn Gottes ist, und ihr schreibt offenbar, dass er es seiner Menschheit nach nicht sei.

Merkt, ob ihr nicht ein Diener des gräulichen Tieres seid, das seinen Mund geöffnet hat zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und seine Hütte und die im Himmel wohnen (Offb 13,6). Lieber Micron, denkt nach, ob es nicht die Wahrheit ist, was ich schreibe.

Viertens ist es offenbar, dass ihr eure eigenen Brüder, die auch beim Handel waren und leider von der Sache keinen großen Verstand hatten, zu solchen Zeugen gemacht habt, wie diejenigen waren, welche Christum, Stephanus und Nabot in den Tod zeugten (Mt 26,60; Mk 14,56; Apg 6,13; 1Kön 21,13) (d. h. wenn sie euer ungerechtes, parteiisches Schreiben gut geheißen haben, was ich aber nicht hoffe); denn gleichwie jene aus Hass der Wahrheit, Isebel und den Schriftgelehrten zu Willen; gegen den Gerechten zeugten, ebenso zeugen auch diese durch euer Beschwatzen aus Hass der Wahrheit, euch und euresgleichen zu Willen gegen mich (ich sage, wenn sie Schuld haben), obwohl sie euer Bekenntnis vom Weibessamen, auf welchem euer ganzer Grund beruht, sowie von den zwei Söhnen in Christo und dass der Gekreuzigte keinen Vater oder nächsten Vater gehabt hätte; ferner, dass ihr uns von der Reinheit Christi gar keinen Beweis zu bringen wusstet, mit welchem ihr bestehen konntet; keine Antwort auf alle von uns vorgelesenen Schriftstellen, mit welchen wir bewiesen haben, dass der ganze Christus Gottes Sohn ist, geben konntet; und auf eine schriftlose Frage verfielt, die man euch so beantwortete, dass ihr gar keine Ausflucht mehr übrig hattet, sondern stets von dem einen aufs andere übersprangt, mit ihren eigenen Ohren und Augen gehört und gesehen haben, so dass man gewiss sagen sollte, dass wenn sie Leute wären, die Gottes Ruhm und eure Seligkeit von Herzen suchten (wie wir bei unserer ersten Zusammenkunft hofften) und ihre eigene Ehre liebten, sie euch vor allen Menschen beschuldigen müssten, dass ihr nicht die unparteiische, göttliche Wahrheit, sondern die parteiischen, teuflischen Lügen zur Unehre eures Nächsten aus lauter Hass und Neid erdichtet und zu eurer ewigen Schande aufeinander gehäuft habt.

Aber es ist ein altes Sprichwort: Wie der Hirt vorangeht, so folgen die Schafe nach. Mit Recht sagt Christus:

»Wenn aber ein Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube.« (Mt 15,14)

Lieber Micron, denkt nach, ob es nicht die Wahrheit ist, was ich schreibe.

Fünftens ist es offenbar, dass ihr auch alle eure Leser und Zuhörer, die euren Schriften glauben, ganz jämmerlich betrügt und um ihre armen Seelen bringt; denn es ist vor dem Herrn, der die feuerflammenden Augen hat, vor euch selbst und vor uns allen, die dabei gewesen sind, offenbar, dass ihr die Sache gründlich verloren hattet; dennoch tröstet ihr sie mit solchen ausgeschmückten Lügen, wie aller falschen Propheten Art und Weise ist, womit ihr sie laut Johannes Lehre, beides, des Vaters und des Sohnes, beraubt (1Joh 2,23), sie unter dem Zorne und Fluch erhaltet (Joh 3,36) und sie nicht in Gott sind, noch Gott in ihnen (1Joh 4,15), auch die Welt nicht überwinden (1Joh 5,4), denn sie glauben nicht, dass Jesus der Sohn Gottes ist, wie gehört worden ist.

Merkt, ob ihr nicht einer von denjenigen seid, welche das Himmelreich vor den Menschen zuschließen, wie der Herr sagt (Mt 23,13). Lieber Micron, denkt nach, ob es nicht die Wahrheit ist, was ich schreibe.

Sechstens ist es offenbar, dass ihr mit eurem Schreiben nicht als ein ehrlicher, tugendhafter, gottseliger und frommer Christ, sondern vielmehr als ein unehrlicher, schamloser, unmanierlicher und blutschuldiger Angeber an einigen der Unsrigen und auch an mir gehandelt habt; denn es ist offenbar, dass ihr den armen, unschuldigen Mann, welchen ihr wohl kennt, ohne alle Wahrheit beinahe als einen Lehrer auf das Register gesetzt habt, was er doch nicht ist, noch je geeignet sein wird, es zu werden; wodurch ihr ihn oder seine armen kleinen Kinderlein (wenn der Herr es nicht anders fügt) vielleicht um seinen ganzen Wohlstand, ja, um einige Tausende geschrieben habt. Dass ihr auf eine solche Weise mit den Unschuldigen verfahren sollt, dies hat euch des Herrn Geist nicht geraten.

Ja, werter Micron, wenn ihr nur einen frommen Tropfen Blutes in eurem ganzen Leibe gehabt hättet, es müsste sich über den unschuldigen, schwachen Krüppel erbarmt haben, dem ihr nur für seinen, aus herzensgründlicher, christlicher Meinung an euch und den Eurigen so willig bewiesenen, getreuen Dienst der Liebe leider so nach eurer Weise vor der ganzen Welt gedankt habt.

Das Nämliche habt ihr auch den andern getan, die euch Herberge, Kost und Trank geschenkt haben, die Eurigen mit großer Sorgfalt in die Stadt geführt, Plätze besorgt und ihnen alle angemessene Freundlichkeit erwiesen haben. Ob dies ein Werk der ungefälschten christlichen Liebe ist, die niemandem Böses wünscht, noch weniger tut, mag jeder Christ mit des Herrn Geist und Wort bedenken.

Außerdem habt ihr meine Wohnung, welche ich zur Zeit hatte und die Hermes einem unschuldigen Kinde herauslockte, bis auf einen Wurf Weges angegeben, obschon ihr wohl wisst, dass man mir überall aus bloßem Hass der Wahrheit unverdienterweise nach dem Leben trachtet – mit welcher Handlungsweise ihr doch niemand zur Gerechtigkeit weisen noch einen Unverständigen unterrichten konntet und welches Werk nicht eines wiedergebornen Christen Freundlichkeit und Liebe, sondern vielmehr ein unbarmherziges, grausames, neidisches, gehässiges, wölfisches, blutschuldiges Herz und ein angeberisches, bitteres Gemüt anzeigt, wie die ganze Welt, die es liest, urteilen und sagen muss.

Ob ihr dies durch den barmherzigen, mitleidigen, treuen, ungefälschten und reinen Geist Christi als ein gottseliger, tugendhafter Mann oder ob ihr es durch den unbarmherzigen, tyrannischen, treulosen, falschen und unreinen Geist des Antichristen als ein ungöttlicher und schamloser Spion getan habt, auf dass ich betrübter, alter Mann in Leid kommen möchte, will ich eurer eigenen Seele als vor Gott, der Herz und Nieren prüft, in Christo Jesu zu bedenken geben.

Merkt, ob ihr nicht einer von denen seid, die in ihrem Herzen sagen:

»Er ist uns nicht leidlich auch anzusehen; denn sein Leben reimt sich nichts mit den andern.« (Weish 2,15)

Lieber Micron, denkt nach, ob es nicht die Wahrheit ist, was ich schreibe.

Siebtens ist es offenbar, dass ihr auch die Obrigkeiten, die gewöhnlich ganz vermessen, hoffärtig, ehrgeizig, aufgeblasen, gutdünkend, prahlerisch, eigensüchtig, irdisch, fleischlich und zum Teil auch sehr blutgierig sind, mit eurem Schreiben nicht wenig in ihrem unbußfertigen Leben bestärkt und verteidigt. Und auf dass ihr um so mehr Gunst bei ihnen finden und euch um so größere Ehre einlegen mögt, muss ich Armer euer geblendeter und gefangener Simson sein, den ihr zum Spott und Schauspiel vor den Fürsten der Philister spielen und tanzen lasst (Ri 16,25), obwohl ich meiner Lebtag kein unschickliches Wort gegen die Obrigkeiten oder gegen ihr Amt und Dienst gesprochen habe.

Ich habe sie von Anbeginn meines Lehramtes in treuer, reiner Liebe, ja, aus dem Innersten meiner Seele in meinen Schriften brüderlich vor dem Verderben ihrer armen Seelen gewarnt, sie stets zu einem gottseligen, bußfertigen, christlichen Leben ermahnt, mit der Schrift auf Christi unsträflichen Geist, Wort, Gebot, Verbot, Verordnung und Vorbild gewiesen und als ihr mir eure pharisäische und herodianische Frage, die Obrigkeit betreffend, stelltet (Mt 22,16), habe ich nichts anderes zu euch gesagt, als dass einer Obrigkeit, die man mit Wahrheit eine christliche nennen könnte, das Blutvergießen übel anstünde und zwar aus dieser Ursache: Wenn der Missetäter wahre Buße vor seinem Gott täte und aus Gott geboren würde, so dass er alsdann ein auserwählter Heiliger und ein Kind Gottes, ein Mitgenosse der Gnaden, ein geistliches Glied an des Herrn Leib, mit seinem kostbaren Blute besprengt und mit seinem heiligen Geiste gesalbt, ein lebendiges Körnlein am Brote Christus und ein Erbe des ewigen Lebens wäre, und er dann von einem andern Christen, der in Christo Jesu ein Herz, Geist und Seele mit ihm wäre, an den Galgen gehängt, aufs Rad geworfen, ins Feuer gestoßen oder an Leib oder Gut gekränkt würde, so würde mir solches, wenn ich an die mitleidige, barmherzige, gütige Art, Natur, den Geist und das Vorbild Christi, des sanftmütigen Lammes, welchem nachzufolgen er allen seinen auserwählten Kindern befohlen hat, denke, etwas seltsam und wunderlich vorkommen.

Wiederum: Wenn er unbußfertig ist und man ihm sein Leben nimmt, so tut man nichts anderes, als dass man ihn der Zeit der Buße, die er, wenn er noch am Leben bliebe, tun könnte, unbarmherzig beraubt, seine arme Seele, die mit einem so teuren Schatze erkauft ist, dem höllischen Teufel unter das unerträgliche, schwere Urteil, die Strafe und den Zorn Gottes tyrannisch opfert, so dass er den unauslöschlichen Brand, das verzehrende Feuer, die ewige Pein, Wehe und Tod immer und ewiglich leiden und tragen muss, indem man nicht beachtet, dass des Menschen Sohn, der da sagt:

»Lernt von mir!« (Mt 11,29)

»Ein Beispiel habe ich euch gegeben.« (Joh 13,15)

»Folge mir!« (Mt 16,24)

nicht gekommen ist, die Seelen zu verderben, sondern selig zu machen (Mt 18,11; Lk 19,10).

Seht, dies war der Grund meiner unschuldigen Worte, welche ich damals nach dem Geist und der Art des Evangeliums Christi aus einem ungefälschten, aufrichtigen Herzen zu euch gesprochen habe und welche ihr nun mit so hässlichen Farben vor allen Menschen abgemalt habt. Ihr gebt aus, dass ich viele fromme Obrigkeiten zu Menschenmördern mache; dass ich die Spitzbuben verteidige und ihnen Raum gebe. Was für ein Geist euch diese Missgunst gegen meine einfachen, schlichten Worte eingeflößt hat, dies will ich euch selbst zu bedenken geben. Ach Micron, ihr treibt es allzu hässlich, denn was tut ihr anders, denn dass ihr Christum Jesum selbst, dessen Vorbild ich in dieser Sache folge, mit eurem Schreiben scheltet und beschimpft, dass er das ehebrecherische Weib, die durch das Gesetz Moses schon gerichtet war (3Mo 20,10; 5Mo 22,22), zur Buße wies und sie unverdammt von dannen gehen ließ (Joh 8,11); sowie auch den getreuen Paulus, der den Korinther, welcher sowohl nach Moses als der Menschen Ordnung den Tod verdient hatte, nicht höher als mit der Absonderung strafen ließ, wodurch er ihn seinem Gotte gewann, was ihr mit eurem Töten nie tun hättet können (1Kor 5,3; 2Kor 2,8). Lieber Micron, denkt nach, ob ich euch nicht recht schreibe.

Ich zweifle nicht daran, dass jeder verständige Mensch, der meine Schriften zu Gesichte bekommt und nur ein wenig Einsicht in die Schrift hat, sagen muss, dass ich in dieser Hinsicht nicht unbillig, sondern recht und christlich gesprochen habe, obwohl ich deshalb leider mit so hässlichen Worten von euch begrüßt werde.

Die Geschichte lehrt uns, dass die Lakedaimonier, welche offenbare Heiden waren, die Missetäter nicht mit dem Tode straften, sondern sie mit Fesseln und Banden bewahrten und zur Arbeit anhielten. Ja, sie haben sogar einige von ihnen, bei welchen sie natürliche Frömmigkeit, vernünftige, kluge Anschläge, Rat, Tat, Ehrbarkeit und Zucht fanden, zu hohen Ämtern berufen.

Der blutgierige Geist des Mordens hat sie nicht getrieben, wie er nun einige von den Predigern und Schreibern treibt, die sich des gekreuzigten Christi und seines Amtes oder Dienstes zu rühmen wagen und die nicht nur diejenigen, welche dem weltlichen Gerichte verfallen, wie Diebe, Todschläger, Zauberer, sondern auch die wahren, treuen Kinder Gottes, die Christum Jesum und seine heilige Wahrheit aus allen Kräften suchen und unsträflich vor der ganzen Welt wandeln, um Leib und Gut schreiben und sie ohne alle Barmherzigkeit aus bloßem Hass der Wahrheit, weil sie ihre verführerische Lehre und falschen Gottesdienst nach des Herrn Wort meiden, dem blutigen Scharfrichter zur Peinigung, zu Wasser, Feuer und Schwert in die Hände stoßen dürfen. O Herr!

Dass ich in diesem die Wahrheit schreibe, dafür sind nicht nur die papistischen und die lutherischen Schreiber, sondern auch eure höchstgeachteten Vorgänger und Brüder Johannes Calvin, Theodorus Weselinus Beza und Johannes a Lascos zum Druck gebrachtes, aber durch einiger Leute Einsprache wieder zurückgezogenes Buch vor euch und der ganzen Welt meine Zeugen.

Ja, lieber Micron, wenn ihr und sie aus Gott geboren wärt, von des Herrn Geist getrieben würdet und das süße Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt hättet, nimmermehr würdet ihr die Gottesfürchtigen so beschweren, wie ihr mit eurem unwahren Schreiben getan habt; auch würdet ihr niemand in Bluthändeln bestärken, sondern auf das wehrlose, sanftmütige Lämmlein weisen und die Toten ihre Toten begraben lassen (Mt 8,22). Bedenkt, was ich meine.

Dass der Obrigkeit Amt aus Gott und Gottes Verordnung ist, gebe ich mit vollem Herzen zu (Mt 22,21; Röm 13,1; 1Tim 2,2; Tit 3,1; 1Pt 2,13); allein denjenigen, der ein Christ ist und sein will und seinem Fürsten, Haupt und Vorgänger Christo nicht folgt, sondern nur seine Ungerechtigkeit, Vermessenheit, Pracht, Prahlerei, Habsucht, Räuberei und Tyrannei mit dem Wort Obrigkeit verzieren und bemänteln will, hasse ich; denn wer ein Christ ist, muss Christi Geist, Wort und Vorbild folgen, er sei dann Kaiser oder König oder wer immer er sei, denn diese Ermahnungen sind allgemein:

»Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war!« (Phil 2,5)

Und:

»Wer da sagt, dass er in Christo bleibt, der muss wandeln, wie er gewandelt hat.« (1Joh 2,6)

Seht, ihr beweist also – indem ihr die Obrigkeit wiederum auf den strafenden Mose und nicht auf den geduldigen Christus weist, nach dem Jucken ihrer Ohren und den Lüsten ihres Herzens sprecht und lehrt (2Tim 4,3) und so in ihrem eitlen, hoffärtigen, prächtigen, unbarmherzigen, fleischlichen Leben bestärkt, welches sich so übel für einen harmlosen, zerknirschten, demütigen, barmherzigen, mitleidigen, gottseligen und wiedergebornen Christen, dessen Wandel im Himmel ist (Phil 3,20), schickt – mit der Tat, dass ihr ein tödlicher Feind ihrer armen Seelen seid und nicht an ihnen handelt, wie einem wahrhaft von Gott gesandten Boten kraft seines Dienstes geziemte. Denn sie bauen die Wand und ihr tüncht sie mit losem Kalk (Hes 13,10). Ihr versprecht ihnen lauter Frieden, wo kein Friede ist (Jer 8,11). Lieber Micron, denkt nach, ob es nicht die Wahrheit ist, was ich schreibe.

Dass es die Wahrheit ist, beweist ihr auch wohl mit eurem unschriftmäßigen Glossieren vom Eide; denn Christus sagt:

»Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst keinen falschen Eid tun, und sollst Gott deinen Eid halten. Ich aber sage euch, dass ihr allerdings nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl […]« (Mt 5,33-35)

Und ihr, Micron, sagt, dass hier nichts als das leichtfertige und falsche Eidschwören verboten sei – gerade als ob Mose Israel gestattet hätte, leichtfertig und falsch zu schwören und dass uns nun Christus im neuen Testamente nur dieses verboten hätte; obwohl es allen verständigen Lesern klar ist, dass Israel das Rechtschwören nicht nur gestattet, sondern auch geboten war (3Mo 19,12; 5Mo 10,20).

Wenn wir denn, wie ihr behauptet, hierin die gleiche Freiheit haben, welche die Israeliten hatten, und es ein so herrliches Werk und zur Ehre Gottes ist, bei Gottes Namen recht zu schwören, wie ihr vermessen gegen euren Gott lügen dürft, dann sagt mir, ihr Lieben, warum die Weisheit nicht gesagt hat: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst keinen falschen Eid tun. Also sage ich zu euch, dass ihr nun auch so tun sollt – anstatt zu sagen: Mose hat geboten, recht zu schwören; ich aber sage euch: Ihr sollt allerdings nicht schwören. O Gott, welch ein Jammer ist es, dass man diese hellen, klaren Worte des Sohnes Gottes der armen, fleischlichen Obrigkeit, die doch nur Erde und Staub ist, zu Willen so jämmerlich verfälscht und mit dem stinkenden Dreck der Schlangenglossen überstreicht, wie Musculus und ihr getan habt. Wie wenig nachgedacht habt ihr dem Worte, dass man Gott mehr gehorchen muss, denn den Menschen (Apg 5,29).

Da es denn mehr als klar ist, dass Christus Jesus, der Lehrer der Gerechtigkeit, uns von Moses Eid, der ein Eid der Wahrheit war und bei des Herrn Namen geschworen wurde und welchen ihr treibt und dem Leser hoch anpreist, hinweg und auf das wahrhaftige Ja und Nein weist und ich wohl weiß, dass sein Wort die Wahrheit und sein Gebot das ewige Leben ist (Joh 17,17; 12,50), so bin ich von Herzen freimütig und kühn, dieses unverzagt zu lehren, im festen Glauben, dass er uns mit seiner Lehre nicht betrügen wird.

Es freut mich von Herzen, dass solche treue Kinder in der Wahrheit gefunden werden, die bereit sind, des Herrn heiliges Gebot und Zeugnis mit ihrem Gut und Blut zu besiegeln, obwohl ich deshalb einen so großen Verweis von euch hören muss. Ich zweifle nicht, dass sie am Tage Christi ein Teil meiner Krone sein werden, da sie euch und der ganzen Welt zu einem Zeugnisse leiden, um euer betrügerisches, lügenhaftes Herz und eure Zunge in voller Liebe zu strafen, auf dass ihr nachdenken sollt, obwohl sie leider verführte Leute bei euch heißen müssen.

Wenn sie der Wahrheit nicht treuer wären, als Hermes und ihr euch mit eurem Nachsagen und Schreiben gegen mich bewiesen habt, so würden sie nicht so ritterlich bis aufs Blut an ihrem wahrhaftigen Ja und Nein festhalten; dies ist sicher.

Da es denn offenbar ist, dass sie so fest an dem untrüglichen Ja und Nein, das uns von Christo befohlen ist (Mt 5,37; Jak 5,12), hängen, dass sie viel lieber Gut und Blut lassen, als es zu übertreten; und ihr ganzes Gemüt und Leben diesem Ja und Nein (doch stets in der Wahrheit) vor Gott und den Menschen gleich ist und sie jetzt deshalb in Not kommen, so will ich allen unparteiischen, verständigen Lesern, sowie eurer eigenen Seele zu bedenken geben, ob ich und unsere lieben Mitbrüder an diesem unschuldigen, frommen Blute schuldig sind, weil wir sie mit der Kraft des Wortes im heiligen Geiste aus der Lüge in die Wahrheit, aus der Ungerechtigkeit in die Gerechtigkeit, aus der Finsternis ins Licht und aus dem alten, sündlichen Leben der Gottlosigkeit in das bußfertige, neue Leben der Gottseligkeit, auf welches Mose und Christus mit allen ihren Propheten, Aposteln, Opfern, Geboten, Verboten, Zeremonien und Sakramenten einhellig weisen, durch des Herrn Hilfe und starke Kraft geführt haben – oder ob ihr samt den euch gleichen Ohrenpredigern und Blutschreibern die Schuld habt, die ihr solche kräftige, aus des Herrn eigenem Munde empfangene Lehre für eine offenbare Verführung und solche tapfere Zeugen und Heiligen Christi, die lieber stürben, als dass sie ein einziges Wort von des Herrn Geboten mutwillig übertreten oder über ihr Ja und Nein sagen würden, für verführte Leute scheltet, womit ihr den habsüchtigen Obrigkeiten eine gelegene Türe, die frommen Herzen zu berauben und den blutgierigen, sie zu morden, öffnet.

Ja, werter Micron, wenn ihr einer von den wahren Sendboten und Dienern Christi wärt, dessen ihr euch, leider wohl vermessen, rühmen dürft, so würdet ihr billig die Obrigkeiten, die gewöhnlich so äußerst hoch und stolz von Herzen und so ganz fleischlich in ihrem Leben sind, auf eine wahre, rechtschaffene Buße weisen, die vor Gott bestehen könnte und ihnen des Herrn Geist Art, Natur und Wort (d. h. wenn ihr diese hättet) recht einprägen; alsdann würde ihnen die Salbung auch ohne eines Menschen Rat von selbst lehren, wie sie sich in solchen schweren Sachen des Blutes, des Eidschwörens und andern Dingen zu verhalten hätten. Nun aber muss leider das Hintere stets vor dem Vordern stehen, auf dass man doch etwas habe, womit man uns vor der ruchlosen, blinden Welt beschuldigen und für schlechte Leute ausrufen und schelten kann. Ach Martin, dein Skorpionstachel und deine Löwenzähne sind allzu scharf und neidisch, denn deiner giftigen, tödlichen Stiche und Bisse sind leider allzu viele.

Sagt, wer ist doch damit verkürzt, dass man aus großer Bangigkeit seines Gewissens (weil es von des Herrn Mund verboten ist) nicht schwören darf, wenn man die rechtschaffene Wahrheit, wenn die Sache es erfordert, dennoch bezeugt und ohne alle Betrügerei dartut?

Der Eid wird gewiss aus keiner andern Ursache gefordert oder geleistet, als damit man die rechte Wahrheit bezeugen oder sagen soll. Kann man denn die Wahrheit nicht sagen ohne dass man schwört? Sagen auch alle, die schwören, die Wahrheit? Gewiss muss man mir das Erste bejahen und das Letzte verneinen.

Ist denn der Eid nicht die Wahrheit selbst, die man bezeugt, oder ist die Wahrheit an dem Manne gelegen, der den Eid ablegt? Warum fordert denn die Obrigkeit das Zeugnis der Wahrheit nicht vielmehr mit ja und nein, welches von Gott geboten ist, als mit dem Eid der von Gott verboten ist? Sie kann denjenigen, der in seinem Ja und Nein für falsch befunden wird, gewiss ebenso gut strafen, als den, welcher einen falschen Eid schwört.

Ich hoffe zuversichtlich, dass niemand so verwirrt ist, dass er nicht wohl wüsste, dass nicht Gott mit seiner Verordnung, die himmlisch ist, den Menschen, sondern dass die Menschen mit ihrer Verordnung, die irdisch ist, Gott weichen und Platz machen müssen, wenn sie Christen sein und nach der Wahrheit wandeln wollen.

Darum wäre es gut, wenn ihr merken könntet, dass ihr mit diesem eurem Schreiben vom Eide erstens Christum, den Sohn Gottes, und seinen heiligen Apostel Jakobus zu unverständigen oder falschen Lehrern macht; denn Christi Grund und Lehre ist, dass Mose geboten hatte, recht zu schwören, und dass man nun im neuen Testamente gar nicht schwören solle. Jakobus sagt, dass man weder beim Himmel noch bei der Erde, noch mit irgendeinem andern Eide (merkt, er sagt: noch mit irgendeinem andern Eide) schwören solle (Jak 5,12). Ihr aber glossiert mit der Schlange und sagt: Es ist nicht so, recht schwören muss man schon; und es müssen also die ewige Weisheit selbst und sein heiliger Zeuge Jakobus eure Lehrjungen und Gehilfen sein. Leider!

Zweitens, dass ihr den Unschuldigen verdammt und den Gottlosen Recht sprecht, welches beides dem Herrn ein Gräuel ist (Spr 17,15), womit ihr den Boshaftigen in seiner Bosheit stärkt (Jer 23,14) und die Wand mit losem Kalke tüncht (Hes 13,10), wie schon einmal gesagt worden ist. Lieber, denkt nach, ob ihr nicht einer von denen seid, die große Dinge sprechen und das Ansehen der Person um Nutzen willen achten (Jud 16).

Drittens, dass ihre alle frommen Herzen, die aus der Wahrheit geboren sind, treulich in der Wahrheit wandeln und die Wahrheit Ja und Nein mit Gut und Blut besiegeln, in große, schwere Not bringt und so das unschuldige Blut auf euch ladet.

Johannes sah die geschmückte schöne Hure auf dem rosinfarbenen Tiere, trunken von dem Blut der Heiligen und dem Blut der Zeugen Jesu; und ob ihr nicht den nämlichen Bluttrank in eurem Herzen mit ihr trinkt oder getrunken habt, dies will ich dem allwissenden Richter und euch anheimstellen. Lieber Micron, denkt nach ob ich euch eure Schwären nicht recht weise.

Und wie ihr euch nicht gefürchtet, sondern allen Fleiß und Eifer daran gewandt habt, des Herrn ausdrückliches, klares Wort zu verfälschen, zu verdunkeln und zu brechen, damit ihr ja der Obrigkeit gefallen möchtet, so habt ihr leider auch mit dem Meinigen getan, als ob ich die Worte Davids:

»Der nicht Lust hat zu loser Lehre und schwört nicht fälschlich.« (Ps 24,4)

in meinem Artikel vom Eidschwören zu dem Zwecke hingesetzt hätte, um damit zu beweisen, dass man im neuen Testamente nicht schwören sollte; während ich dieselben, wie meine Worte klar genug beweisen, aus keinem andern Grunde angeführt habe, als um zu zeigen, dass die im Psalm berührte Frömmigkeit heutzutage leider wenig beachtet wird, wie auch eure falsche, ehrabschneiderische Zunge und Hand (obwohl ihr euch einen Prediger des heiligen Wortes rühmt) an mir Betrübtem, der ich leider bei den Menschenkindern wenig Trost habe oder finden kann, wohl bewiesen haben.

Ich hatte außerdem mit guten, deutlichen Worten auf den Rand geschrieben, dass David vom gesetzlichen Schwören gesprochen hat und dass man nun im neuen Testamente ja und nein dafür gebrauchen müsste. Nichts habt ihr euch geschämt zu schreiben, um mir eine Schande anzuhängen und mich bei den Lesern in üblen Geruch zu bringen.

Gleichermaßen habt ihr mich als nicht wenig inkonsequent hingestellt, weil ich geschrieben habe, dass man in zeitlichen Sachen gar nicht schwören sollte, weil Christus das Wörtlein wahrlich nicht in weltlichen Händeln, sondern nur in seinem Lehren gebraucht habe. Ich weiß nichts, das es gibt oder das man nennen oder denken könnte, welches ihr mir nicht auf einen verkehrten, hässlichen Grund und Sinn ausgelegt hättet. Ich wollte, dass ihr ein wenig besser in der Furcht eures Gottes bedenken möchtet, was für ein Geist euch dies gelehrt hat.

Dass ich geschrieben habe, dass man in zeitlichen Händeln gar nicht schwören solle, dies hat mich nicht eine von den Glossen der alten Schlange, sondern des Herrn eigenes Wort gelehrt (Mt 5,37; Jak 5,12).

Allein, dass ich eine Ausnahme – von der Lehre – hinzugefügt habe, dies habe ich dem einfachen Leser zum Dienste getan um ihm damit zu zeigen, dass Christus und Paulus die Worte Wahrlich, Gott ist mein Zeuge, welche die Gelehrten gerne als einen geschwornen Eid auslegen möchten, um ihrem Grund eine Unterlage zu geben, nicht in zeitlichen Händeln, sondern nur in ihren Lehren gebraucht haben.

Wenn man gleichwohl die Sache aufs Genaueste mit der Waage des heiligen göttlichen Wortes abwägen soll, so muss man, auf dass die Einheit der Schrift erhalten bleibe, in Betracht ziehen, dass das Eidschwören und andere Bekräftigungen in der Schrift nicht einerlei Weise oder Form haben; denn es ist offenbar, dass ein Eid stets bei Gott oder bei etwas anderm getan worden ist und noch getan wird, was mit einer Bekräftigung, wie Christus und Paulus in ihrem Lehren gebraucht haben, nicht der Fall ist, noch war.

»Lege deine Hand (sprach Abraham zu seinem Diener) unter meine Hüfte, und schwöre mir (merkt) bei dem Herrn, dem Gott des Himmels und der Erde.« (1Mo 24,2)

Joseph sprach zu seinen Brüdern:

»Bei dem Leben Pharaos (merkt), ihr seid Kundschafter.« (1Mo 42,15)

Mose:

»Ihr sollt nicht falsch schwören (merkt) bei meinem Herrn.« (3Mo 19,12)

Ferner:

»Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten, ihm sollst du dienen, ihm sollst du anhangen, und (merkt) bei seinem Namen schwören.« (5Mo 10,20)

Christus sagte: Weder bei dem Himmel, noch bei der Erde, noch bei der Stadt Jerusalem, noch bei deinem Haupte, noch beim Tempel, noch beim Altar (Mt 5,34; 23,16). Lest auch Jak 5,12.

Ferner: Mit der Welt oder bei Gott oder beim Evangelium oder bei einem Kreuz etc.

Seht, es geschieht also ein Eid stets bei irgendetwas, welches aber mit der Bekräftigung, die ohne Eid geschieht, nicht der Fall ist. Es geschehen wohl Bekräftigungen ohne Eid, aber keine Eide ohne Bekräftigung. Und in solcher Weise haben Christus und Paulus ihre Worte wohl manchmal mit hohen Zeugnissen bekräftigt, aber nicht beschworen; denn sie haben an keiner Stelle gesagt: Dies schwören oder bekräftigen wir bei der Wahrheit oder bei Gott oder bei unserer Seele, sondern sie haben nur gesagt: Wahrlich, oder: Gott ist mein Zeuge und dergleichen bekräftigende Worte mehr.

Weil ich denn einfach und schlicht bei meines Herrn Wort, Gebot und Verbot bleibe und meinen Nächsten, der gerne Gott fürchten möchte, damit ohne allen Betrug auf ja und nein weise, wie der Mund der Wahrheit mir und allen wahren Christen befohlen hat; und aus dem Innersten meiner Seele danach jage, mit meiner kleinen Gabe, ohne alles Ansehen der Person, die arme, blinde Welt durch Jesum Christum ein wenig in der wahren göttlichen Erkenntnis zu unterrichten, ihr die Lügen des Antichristen und der alten Schlange mit der Wahrheit zu zeigen und sie so durch seine Gnade zum Anblick des ewigen Friedens zu führen; und da die Lehre an vielen ihre Kraft beweist, wie man sehen kann, darum ist man so erbittert über mich, dass weder Türk noch Tartar noch irgendein Tyrann oder gräulicher Mensch unterm ganzen Himmel, wie gottlos er auch sei, so gehasst wird, als ich elender Mensch durch das ehrabschneiderische, lügenhafte und blutschuldige Schreiben und Rufen der Gelehrten, die mit allen falschen Propheten um ihres armen Bauchs willen den breiten Weg lehren, bei der ganzen Welt gehasst bin; obwohl ich, dies weiß er, der mich geschaffen hat, solche Zuneigung und Liebe für euch empfinde, dass wenn ich mit meinem meinem Tode und Blute zur Gerechtigkeit gottselig dienen könnte, man mich jetzt und zu allen Zeiten durch des Herrn Gnade willig und bereit dazu finden würde. Dies schreibe ich euch mit einem guten und versicherten Gewissen, gerade wie vor meinem Gott, in Christo Jesu.

Lieber Micron, bedenkt, wie ganz stracks ihr gegen alle Wahrheit, zur Unehre des allmächtigen, großen Gottes und seines heiligen Wortes, sowie auch gegen die tugendhafte, fromme Art der gottseligen, christlichen Liebe, die niemand verkürzt noch Unrecht oder Gewalt antut, aus lauter Hass der Wahrheit mit mir betrübtem alten Manne umgeht. Doch was hilft es – das unschuldige, wehrlose Lamm muss in seinen Gliedern gehasst und ermordet werden.

Ich will euch dann (da es nicht anders mit euch sein will noch kann) eure Gemeinde – die Welt – nach eurer Weise mit dem Fechten und Streiten Moses und der Altväter lehren und beraten lassen, dass sie ihre Feinde strafen, ausrotten, fangen, um Gut und Blut bringen, die Missetäter – gleichviel ob bußfertig oder unbußfertig, wie ihr schreibt – hinrichten, sowie dass sie schwören und schwören lassen mögen nach der Weise, wie Mose seinen Israeliten es befohlen hatte. Ich will durch Gottes Gnade alle wahren und wiedergebornen Kinder Gottes und Nachfolger Christi, sie seien denn Obrigkeiten oder nicht, mit dem untrüglichen Wort des heiligen Evangeliums getreuen Herzens lehren und ihnen raten, mit keinem andern Schwerte zu lehren und zu streiten, als mit dem, mit welchem Jesus und seine heiligen Apostel gestritten haben; barmherzig und mitleidig gegen alle bußfertigen Sünder zu sein, gleichwie Christus barmherzig gegen uns ist; den Unbußfertigen gnädig zu strafen und in aller Liebe zu ermahnen, wie Christus uns getan hat; und von innen und von außen in allen ihren Worten und Werken unveränderlich mit der Wahrheit an ihrem Ja und Nein zu halten, wie uns der wahre Lehrer und Erfüller des neuen Testaments – Christus Jesus, ewig gebenedeit – mit seinem eigenen, untrüglichen Munde in aller Klarheit befohlen und gelehrt hat – es entstehe mir daraus, was da wolle. Lieber Micron, denkt nach, ob ich es euch hier nicht recht nach der Schrift gewiesen habe und aus was für einem Geiste ihr mich so beschimpft habt. Wahr ist des weisen Mannes Wort:

»Wer kann vor dem Neid bestehen?« (Spr 27,4)

Achtens ist es offenbar, dass ihr euer ganzes Buch durch aus allen Kräften gearbeitet habt, die Wahrheit Christi, wie wir nach dem Maße unserer Gabe dieselbe lehren, mit meiner Person hässlich und verächtlich, die von euch gelehrten Lügen des Antichristen hingegen mit eurer Person angenehm und herrlich bei dem Leser und Zuhörer zu machen. Auch habt ihr die Sache, doch leider nicht mit Gottes Geist, so dargestellt, dass, wäre ich ein Novize von drei oder vier Monaten in der Gemeinde gewesen, ich es vielleicht wohl gemacht haben würde, wie ich eurem unwahren, parteiischen Schreiben nach getan habe.

Allein so muss der gerechte Herr dieser Leute unreinen Geist, Herz, Bitterkeit, Ehrgeiz, Hass, Neid, Lügen und unmanierliches Verleumden samt ihrer falschen Lehre offenbar werden lassen vor den Einfältigen und Schlichten, welche das wölfische Herz, das mit solch einem feinen Schafskleid bedeckt ist, wie ihr eins anhabt, nur schwer sehen können. Denn die über mich ergehenden giftigen, tödlichen Geschosse und offenbaren Lügen verkündigen vor der ganzen Welt, was für einen Geist ihr habt. Bald ist es Mennos große Unbeständigkeit, bald seine große Unwissenheit oder unverständige Vernunft oder listige Schalkheit, Mennos Lügen etc. Auch lasst ihr euch hören, dass ich meine Lehre verändert hätte; kurz, ich weiß nicht, was ihr geschrieben habt, das nicht Gott, den Heiligen, der Wahrheit, der Gemeinde und mir zur Schande getan worden ist, wie gehört worden ist.

Ich danke meinem Gott mit fröhlichem Herzen, dass er mich armen Sünder durch seine Gnade seit einundzwanzig Jahren stets in einerlei Lehre und Grund des Glaubens ohne alle Veränderung bewahrt hat, obwohl ich in einer so gefährlichen, düstern, irrtumsvollen Zeit unwürdig zu meinem unerträglich schweren Dienst berufen worden bin, wie mir alle zugestehen müssen, welche während der ganzen Zeit meiner Pilgerschaft mit mir in Christo Jesu gewandelt, meine schlichte Arbeit und meine Bücher von Anbeginn gelesen und meine Ermahnungen gehört haben.

Dass ich ein sehr unwissender und unverständiger Mensch bin, wie ihr mich beschrieben habt, mag wohl sein. Großer Klugheit, Gelehrsamkeit, Kunst und Vernunft habe ich mich meiner Lebtag nie gerühmt; allein dessen rühme ich mich, dass ich in meiner Schwachheit des Herrn Preis und meiner Seele Seligkeit suche und dass ich durch seine Gnade so viel in Gottes Schule gelernt habe, dass ich weiß, dass der ganze, ungeteilte Christus Gottes erst- und eingeborner, eigener, wahrer Sohn ist und dass diejenigen, welche dies bestreiten, des Antichristen Geister sind; dass alle Gotteslästerer, Beschimpfer der Heiligen, Schriftverfälscher, mutwilligen Lügner, offenbaren Ehrabschneider, Beneider der Frommen und Ruhmsüchtigen Gottlose und keine Christen sind; und dass hingegen alle, die Christum hören und ihm folgen und seinem Wort, seinen Verordnungen und seinem unsträflichen Vorbilde durch den Glauben aus der neuen Geburt mit einem aufrichtigen, frommen Gewissen gehorsam nachkommen, Kinder Gottes sind und das Reich der Ehren ewiglich ererben werden. Auch hoffe ich, mit dieser meiner sehr unwissenden Vernunft (die vor Gott eine wohlgefällige Weisheit, aber vor der Welt verborgen ist) vor dem Stuhle seiner hohen Majestät in seiner Gnade zu bestehen, wenn alle, welche großdünkend und stolzen Herzens und in ihren eigenen Augen so klug und weise sind, werden hören müssen:

»Weicht von mir, ihr Übeltäter; ich habe euch noch nie gekannt!« (Mt 7,23)

Mein Freund Micron, habt Acht darauf.

Ferner, dass ich euer listiger Schalk sein muss, dessen hoffe ich vor dem Herrn und seinem Gerichte unschuldig und frei zu sein; denn ich habe mit euch aus keinem listigen oder schalkhaften Herzen gehandelt, sondern wie diejenigen tun, welche Tag für Tag um des Zeugnisses Jesu und ihres Gewissens willen mit einem freimütigen, fröhlichen Gemüt willig in den Tod gehen; obwohl ich einen so unmanierlichen, falschen Verweis unschuldig vor der ganzen Welt von euch hören muss; doch der Herr soll unser Richter sein.

In Betreff der Lügen, deren ihr mich beschuldigt, sei dies meine Antwort: Auch ich bin mit einbegriffen in das Wort:

»Alle Menschen sind Lügner.« (Ps 116,11; Röm 3,4)

Dennoch hoffe ich, dass ich lieber sterbe, ehe irgendeine mutwillige Lüge aus meinem Munde kommt, sei sie denn klein oder groß. Ich hasste die Lüge schon, ehe ich wusste, wessen Same sie war und gedenke auch jetzt in meinem grauen, schwachen Alter und nun ich ihre Herkunft und ihren Vater kenne, mich durch des Herrn Gnade mit allem Fleiß davor zu hüten, so viel in mir liegt.

Ach Micron, Micron, wie sehr handelt ihr an mir, wie die falschen Propheten und halsstarrigen Juden am guten Jeremia handelten, als sie sagten:

»Kommt her, und lasst uns ihn mit der Zunge totschlagen, und nichts geben auf alle seine Rede.« (Jer 18,18)

Johannes der Täufer musste von den Pharisäern und Schriftgelehrten hören, dass er den Teufel hätte und Christus Jesus musste bei ihnen ein Weinsäufer und Fresser heißen (Mt 11,18–19). Sie sagten:

»Er treibt die Teufel aus durch Beelzebul!« (Lk 11,15)

Auf dass sie das unverständige, unbesonnene Volk von der Wahrheit abschrecken und mit solchem bei ihrem Sauerteige und ihrer eitlen, falschen Lehre behalten möchten.

Gerade so geht ihr auch mit mir Betrübtem aus lauter Hass der Wahrheit um; denn es ist eure Hoffnung, dass, wenn ihr mich mit so viel Lügendreck beschmieren könntet, dass man ein Erschrecken vor mir hätte, es mit Christi und seinem Geiste und Worte schon aus sein würde. So starblind ist ein armes, unverständiges Fleisch, das nicht mit des Herrn Klarheit umschienen ist.

Ihr mögt das Maß eurer Väter erfüllen, bis euch von Gottes Hand ein Halt geboten wird. Ich fühle mich durch des Herrn Gnade in meiner Seele ganz versichert, dass, gleichwie Jeremia, Johannes und Christus, wie schändlich sie auch von ihren Neidern verleumdet und aus Hass der Wahrheit von ihnen verfolgt worden sind, dennoch Jeremia, Johannes und Christus geblieben sind, auch ich durch Gottes barmherzige Gnade und starke Kraft derselbe Menno Simons in Christo Jesu bleiben werde, der ich in meiner Schwachheit nun schon mehr als zwanzig Jahre gewesen bin, wie sehr ihr mich auch vor der ganzen Welt verleumden und aus Hass der Wahrheit falsch schildern mögt. Ferner bin ich versichert, dass, gleichwie die falschen Propheten, Schriftgelehrten und Pharisäer Feinde der Wahrheit und Menschen des Bluts waren und so außer Gott gestorben sind, auch ihr außer Gott und seiner Gnade seid und mit allen falschen Heuchlern, wenn ihr euch nicht von ganzem Herzen bekehrt, was ich schwerlich von euch hoffen kann, weil ihr den wahren Sachverhalt unserer Besprechung so absichtlich verschweigt, euch so mancher groben Lügen schuldig macht, die Schrift so wissentlich verfälscht und mit so unschicklichem, großen Betruge gegen euren Nächsten in seiner Abwesenheit handelt, was kein wiedergeborner Christ tut noch tun kann, euren verdienten Lohn empfangen werdet; denn das Wort muss die Wahrheit bleiben. Denkt nach, ob ich euch nicht recht auf eure Schwären weise.

Neuntens ist es offenbar, dass ihr euch und eurer armen Seele, die mit einem so teuren Schatze erlöst ist, die größte Schande und den größten Schaden angetan habt; und das erstens dadurch, dass ihr euch mit eurem Schreiben zu einem offenbaren Beschuldiger, Strafer, Schelter, ja, sogar zu einem Lehrer und Unterweiser Gottes des Vaters, Christi des Sohnes, des Engels Gabriel und aller Apostel und Heiligen des neuen Testamentes gemacht habt; denn der Vater bekennt Christum ohne irgendwelche Teilung für seinen lieben Sohn; Christus bekennt den Vater für seinen Vater; der Engel und die Apostel samt allen andern Zeugen bezeugen auch einstimmig dasselbe von dem sichtbaren, greifbaren, sterbenden und auferstehenden Christus, und ihr sagt und schreibt vermessen, dass er es nicht sei. Ob ihr dann nicht ein solcher seid, wie wir hier geschrieben haben, will ich euch hiermit in der Furcht eures Gottes zu bedenken geben.

Zweitens habt ihr euch zu einem offenbaren Verfälscher der heiligen Schrift gemacht; denn ihr schreibt, dass Christus von Davids Samen geworden sei (Röm 1,3) und dass er von einem Weibe geworden sei (Gal 4,4); während alle wahren, reinen Texte lauten: »Geboren von dem Samen (d. h. aus dem Geschlechte) Davids,« und: »Geboren von einem Weibe,« wie man bei Luther und den Zürichern Übersetzern lesen und sehen kann.

Drittens schreibt ihr, dass Christus des Fleisches und Blutes der Kinder teilhaftig geworden sei (Hebr 2,14); während der Text nicht mehr sagt, als des Fleisches und Blutes, ohne hinzuzufügen der Kinder, wenn man das Fürwort eorundem, d. h. derselben, recht nach der Schrift verstehen will.

Viertens schreibt ihr manchmal, dass Christus Abrahams Samen angenommen habe, d. h. setzt es in die vergangene Zeit, während der Text sagt: Er nimmt an, welches die gegenwärtige Zeit ist. Wer es nicht glaubt, möge den Text (Hebr 2,16) nachlesen.

Ich will allen verständigen Lesern der ganzen Welt zu bedenken geben, was ihr für ein Lehrer und Schreiber seid, da es mehr als klar ist, dass ihr die heilige, göttliche Schrift mit Vorbedacht so öffentlich verfälscht und euch selbst (gleichwie Fatianus ein eigenes Evangelium machte, wie ihr schreibt) eine eigene Übersetzung und Schrift gemacht habt, auf dass ihr euren antichristlichen falschen Grund vor den Einfältigen und Unverständigen desto besser bewähren mögt.

Ach, lieber Micron, merkt doch einmal recht, wie weit ihr gekommen seid; denn es scheint gar nicht anders, denn dass ihr durch die tödliche Krankheit eurer ehrgeizigen und neidischen Parteisucht sowohl die Vernunft als die Schrift beinahe ganz verloren habt. Wenn ihr der kaiserlichen Majestät und seinem Sohne Philipp eine solche Schande antätet, als ihr hier in eurem Schreiben dem himmlischen Vater und seinem gebenedeiten Sohne Christus angetan habt – frei heraus sagtet und schriebet: Nein, König Philipp ist nicht des Kaisers Sohn, sondern er ist von einer andern Person gezeugt worden und wird nur des Kaisers Sohn genannt; zudem ihre offenbaren Mandate, Rechte und Befehle verfälscht, wie ihr mit diesen angewiesenen Schriftstellen und Christi klarer Verordnung, Wort und Befehl hinsichtlich der Taufe und des Eidschwörens tut und bis jetzt getan habt; und überdies ihr geschworenes Hofgesinde und ihre treuen Diener beschimpfen, lästern, schelten und verleumden würdet weil sie den Kaiser für den wahren Vater Philipps und Philipp für seinen echten Sohn ehrten und hielten und ihren Mandaten, Rechten und Verordnungen in treuem Gehorsam nachkämen – hilf, lieber Herr, wie würde mit euch umgesprungen und welch ein Blutlied würde über euch gesungen werden! Was ihr aber für Strafe und Lohn verdient habt und seiner Zeit von Gott dem Herrn empfangen werdet, dafür, dass ihr den Kaiser aller Kaiser, den Gott des Himmels und der Erde und seinen gebenedeiten Sohn Jesus Christus samt ihrem himmlischen Mandat, Verordnung und klaren Befehl so jämmerlich aufhebt, beschimpft, verfälscht und brecht und ihre treuen Diener auf so traurige Weise lästert, scheltet, verleumdet, hasst und mit eurem unschicklichen Schreiben in Verfolgung, Jammer und Not bringt, dies will ich dem allmächtigen Gott und seinem Gerichte anheimstellen. Lieber Freund, denkt nach, was euch hier gesagt wird.

Drittens habt ihr euch zu einem offenbaren, meineidigen Lügner gemacht (denn ihr ruft Gott zum Zeugen an, was ihr selbst für einen Eid haltet, wie mich dünkt), dass ihr den Handel recht beschrieben hättet, während doch das Allererste in eurem Buch eine grobe Lüge ist, denn ihr schreibt: Ein wahrer Bericht. Wie gänzlich unwahr das aber ist, das weiß Gott und wissen wir aufs Allerbeste; auch ist es in unserer Beschreibung der Besprechung zum Teil schon berührt worden.

Zweitens habt ihr auch meine allerersten Worte und sehr brüderliche Ermahnung, dass, wenn ihr nun kräftigere Wahrheit und gewisseren Grund, als ihr bis jetzt noch gehabt oder getrieben habt, von uns hören könntet, ihr dann nicht euren eigenen Preis und eure Ehre, sondern des Herrn Preis und Ehre von Herzen suchen wollet, mit einer sehr groben und ungeschickten Lüge in eurem Buche nachgeschrieben und zu einem Verweise gestellt, als dass ich gesagt hätte, dass ihr zu London in England mit Lehren und Schreiben euren eigenen Preis und Ehre gesucht hättet, was ich damals noch nie von euch gedacht hatte, denn ich wusste nicht mehr von euch, als ob ihr nie in der Welt gewesen wärt. Dennoch habt ihr mir solch eine Schande damit angehängt. Ob euch dies der ungefälschte Geist der reinen Wahrheit und der gottseligen treuen Liebe gelehrt hat oder ob der falsche Geist der unreinen Lüge und des treulosen Neides es getan hat, will ich euch selbst bedenken lassen.

Drittens schreibt ihr, dass Hermes Backereel mir schon bewiesen hätte, dass Maria eine Tochter Davids gewesen wäre. Man schämt sich gewiss keiner Lüge, wenn man der Sache nur einen Schein machen kann. Wer mit der Schrift beweist, dass Maria Davids Tochter gewesen ist, der muss eine andere Bibel und Schrift besitzen, als wir haben, denn in unsern Bibeln und Schriften findet man es nicht.

Ich habe weder von Hermes noch von euch einen Beweis dafür verlangt, weil es, da ein Weib keinen zeugenden Samen hat, der Sache weder nützen noch schaden kann. Und nun muss es durch euer Lügen dennoch heißen, ich hätte gesagt, sie wäre es nicht, dass aber Hermes bewiesen hat, dass sie es wäre. Gewiss ist dieses grausame, schwere Lügen allzu viel.

Viertens schreibt ihr, dass ihr manchmal mit uns bekannt hättet, dass der Sohn Gottes für uns gestorben sei; während ihr es nicht einmal im ganzen Handel berührt habt, was ich mit freiem Gewissen schreiben und zeugen darf. Als ich euch aber in der letzten Besprechung fragte, ob ihr nicht dennoch den Menschen Christus, welcher eurer Aussage zufolge keinen Vater hätte, den Sohn Gottes nennt, da sagtet ihr ja. Was ich für eine Antwort bekam, als ich euch weiter fragte, warum ihr ihn so nennt, da er eurem Sagen nach keinen Vater gehabt hätte, habe ich oben schon berichtet. Dennoch dürft ihr lügen und hinausschreiben, dass ihr solches manchmal mit uns bekannt hättet, wie gehört worden ist.

Wenn ihr euch eurer hässlichen, groben Lügen vor der Welt schon nicht schämt, weil ihr wohl wisst, dass ihr an uns Verachteten vor der Welt, welche eure Gemeinde ist, nicht misshandeln könnt, so solltet ihr euch billig vor eurem Gott, der Herz und Nieren prüft, schämen und bedenken, dass geschrieben steht:

»Ein Dieb ist nicht so böse, als ein Mensch, der sich zu Lügen gewöhnt […] und er kann nimmermehr zu Ehren kommen!« (Sir 20,25–26)

Dass der Mund, der lügt, die Seele tötet (Weish 1,11); dass Gott die Lügner umbringt (Ps 5,7) und dass ihr Teil im feurigem Pfuhle sein wird (Offb 21,8).

Fünftens schreibt ihr, dass ihr die Reinheit Christi gegen uns bewährt hättet, während es vor dem Herrn, vor euch und vor uns allen nicht anders geschehen ist, als ich im ersten Handel des Widerspruchs, dass ihr einen unreinen Christus hättet, berichtet habe.

— Auslassung im Originaltext, Anm. Aphthoria Verlag —

Auch verwunderte ich mich, dass euch nicht einmal so viel menschliche Klugheit geblieben war, dass ihr bei euch selbst dachtet: Ich könnte es mit diesem hässlichen, parteiischen Schreiben und plumpen Lügen wohl dahin bringen, dass viele von den Lesern, besonders von unsern Brüdern, die dabei gewesen sind, böse Gedanken über mich bekommen – als ob ich die Lügen aus Parteisucht schreibe – und dadurch von unserer Kirche und Lehre abfallen möchten. Allein der Geist der Weisheit hat leider die Wohnstätte eurer Seele nicht geküsst, noch mit den freundlichen Lippen seiner Wahrheit begrüßt.

Viertens habt ihr euch auch zu einem sehr unbeständigen, wankelmütigen und flatterhaften Manne gemacht, den man nicht auf einerlei Grund und Lehre erreichen kann; denn als ihr mit uns handeltet, bekanntet ihr, dass Christus so von Ewigkeit, ja, von Ewigkeit aus dem Vater geboren gewesen wäre, dass er auch abgeteilt vom Vater, außer dem Vater von Ewigkeit gesessen hätte; nun aber habt ihr euch verändert und schreibt, dass er im Vater geblieben sei. Merkt eure erste Veränderung.

Zweitens bekanntet ihr zwei Söhne in Christo und nun sagt ihr ein Sohn, obwohl es im Grunde noch zwei sind, wenn man die Sache mit unparteiischem Herzen recht beurteilt und prüft.

Drittens bekanntet ihr, dass der gekreuzigte Christus, der für uns gestorben ist, nicht Gottes Sohn gewesen wäre, nun aber schreibt ihr, ihr hättet manchmal bekannt, dass er es wäre. Merkt eure zweite und dritte Veränderung. Ob man dies das einfache Wort der Wahrheit nennen kann, wie ihr schreibt, will ich euch selbst zu bedenken geben. Wer diese leichtfertige Unbeständigkeit und falsche Doppelheit nicht merken kann, der muss allzu unverständig und blind sein – dies muss man gewiss sagen.

Viertens bekanntet ihr, dass man Christum seiner menschlichen Natur nach nicht anbeten sollte und nun schreibt ihr man solle es tun. Merkt eure vierte Veränderung. Dennoch bekennt ihr, dass er ein irdischer Mensch von der Erde gewesen ist, der von Adams Samen hergekommen und gezeugt sei. Wenn man dies noch keine Abgötterei heißen kann, dann darf man wohl mit freiem Herzen sagen, dass wir mit der Schrift betrogen sind.

— Auslassung im Originaltext —

Ob nun solches vielfältiges Bekennen und Wiederrufen mit einem aufrichtigen, frommen, standhaften und wohlgegründeten Lehrer und Schreiber, wie ihr gerne heißen möchtet, vereinbarsein kann, da ihr es zudem aus lauter Ehrgeiz mit offenbaren Lügen bedecken wollt, als ob ihr es nicht getan hättet, dies will ich allen unparteiischen, verständigen Lesern mit diesem zu bedenken geben.

Fünftens habt ihr euch vor allen Verständigen zu einem sehr hoffärtigen, gutdünkenden, vermessenen und ehrgeizigen Rühmer gemacht, dass ihr einen so großen Triumphgesang erhebt und euer Buch als ein so herrliches herausstreicht, während es vor dem Herrn, vor euch selbst und vor uns allen, die dabei gewesen sind, offenbar ist, dass ihr den ganzen Grund der Disputation schon verloren hattet. Ach wäre es offenbar vor der ganzen Welt, wenn ihr nur den wahren Sachverhalt unparteiisch berichtet hättet; denn ihr bekanntet zwei Söhne in Christo und dass der gekreuzigte nicht Gottes Sohn gewesen wäre, was ihr im Grunde auch noch tut, womit ihr selbst die Sache schon ausdisputiert und beendigt hattet. Ihr konntet mir nicht einen einzigen Buchstaben antworten auf alle meine klaren Schriftstellen, womit ich euch bezeugte, dass des Menschen Sohn, der sichtbare, greifbare, essende, trinkende, leidende, sterbende und auferstehende Christus, auch Gottes eigener wahrer Sohn war. Ihr wusstet auch nicht einen einzigen Buchstaben gegen meine vier kräftigen Antworten, womit ich eure unschriftmäßige Frage von der ewigen Geburt, vom Beisitzen etc. abfertigte, aufzubringen, was ihr aber alles in eurem Berichte ausgelassen habt.

Auch habt ihr in unserer Besprechung der Vereinigung der beiden Söhne (die ihr gewöhnlich zwei Naturen nennt), welches eure stärkste Schrift ist, obwohl man in der ganzen Bibel nichts davon findet, nicht mit einer Silbe gedacht; denn hättet ihr davon gesprochen, es würde euch mit des Herrn Hilfe auch die Antwort darauf geworden sein.

Außerdem habt ihr, wie schon gehört worden ist, so hässlich gelogen, die Ordnung der Besprechung verkehrt, meine Worte verdreht, auf eine andere Weise gesetzt, abgekürzt, hier und da nach eurem Belieben hinzugetan, die Eurigen hingegen aufgeschmückt und verblümt, woraus vor Gott und den Menschen offenbar ist, dass eure Besprechung mit uns, und besonders diese eure Beschreibung, nicht aus einem seligen, erniedrigten, bekehrten und zerbrochenen Herzen, nicht aus dem Geist und Trieb Christi, sondern aus einem ehrgeizigen, großdünkenden, hoffärtigen und stolzen Fleisch und Gemüt geschehen ist. Ob dies nicht die Wahrheit ist, darüber will ich den allwissenden Gott und euch selbst (die ihr mit dem Suchen und dem Werke eures eigenen Herzens aufs Beste bekannt seid), samt dem gottesfürchtigen Leser, der in der Wahrheit wandelt, Richter sein lassen. Ach Freund! Lehrt doch euch selbst zuerst, ehe ihr andere lehrt. Beseht euch einmal recht von innen und von außen im klaren Spiegel Christi und seines heiligen Worts, auf dass ihr seht, was für ein ungelehrter Lehrer und ungeschickter Christ ihr vor Gott seid.

Zum Sechsten habt ihr euch auch zu einem offenbaren falschen Propheten und Lehrer, zu einem Verführer der Menschen, ja, zu einem augenscheinlichen Heuchler und reißenden Wolf in Schafskleidern gemacht. Haltet es mir doch zum Besten, dass ich euch so nenne und die Wahrheit schreibe; denn wie könntet ihr falschere Lehre führen, denn dass ihr sagt, dass Gott der Vater nicht der wahre Vater des ganzen Christus und dass der ganze Christus nicht der wahre Sohn Gottes sei; dass ihr den Engel Gottes, Johannes den Täufer und alle Apostel Gottes zu falschen Zeugen macht; dass ihr Christum, die ewige Wahrheit, zu einem falschen Lehrer macht; denn er sagt, dass wir auf keinerlei Weise schwören sollen; ihr aber sagt, recht schwören müsse man schon; dass ihr die Taufe, die von Christo befohlen und von seinen heiligen Aposteln gelehrt und gebraucht worden ist, zu einer verführerischen Taufe macht und eine andere Lehre und Gebrauch lehren wollt, von welchem nicht ein einziger Buchstabe in der ganzen Schrift steht?

Ja, werter Micron, wenn ihr einem guten Rate folgen wollt, so würdet ihr von eurem Schreiben darüber ablassen; denn ihr mögt es machen, wie ihr wollt, es bleibt gewiss und wahr, dass ihr auch mit euren stärksten Beweisgründen im Grunde nichts tut, als dass ihr die ewige Weisheit, Christum Jesum, den Sohn Gottes, und seinen heiligen Geist, samt des Herrn Aposteln, meistert und in die Schule führt, ihr Wort, Lehre, Befehl, Einsetzung, Verordnung und Gebrauch (als ob sie an und für sich nicht gut genug und recht wären) verändert, ja, kraftlos, eitel und unnütz macht und damit erklärt, dass ihr ihr Lehrer und Meister seid. Lieber Micron, seht euch vor, denn je länger und je mehr ihr davon schreibt, desto klarer und offenbarer wird eure eigene Schande und falsche Lehre und desto schwerer und größer macht ihr die Schuld eurer Verführung. Mein Freund, lasst euch warnen.

Ihr tröstet das arme, blinde Volk mit offenbaren Lügen, beraubt sie beides, des Vaters und des Sohnes (1Joh 2,22); ihr verfälscht des Herrn Wort ganz jämmerlich, woraus mehr als klar ist, dass ihr den Herrn verleugnet, der uns erkauft hat (2Pt 2,1); dass ihr vom Geist des Antichristen getrieben werdet (1Joh 4,3); dass ihr ein Verfluchter seid (Gal 1,8), da ihr uns ein Evangelium lehrt, das uns von keinem Apostel Christi gelehrt worden ist; dass ihr ein Dieb der Ehre Gottes und ein Mörder der Seelen seid (Joh 10,1), welche Christus Jesus mit einem so teuren Schatze erkauft hat (1Pt 1,19) und dass ihr ein Bote der Finsternis seid, der sich durch Heuchelei in einen Engel des Lichts verstellen kann (2Kor 11,15).

Ich bitte euch noch einmal, haltet es mir zum Besten, dass ich euch die Wahrheit schreibe. Ich wiederhole es: Ihr seid ein reißender Wolf in Schafskleidern (Mt 7,15), der die Seelen der Menschen mit einer verkehrten, falschen Auslegung der Schrift unter einem gemachten Schein des Lebens zerreißt, der Wahrheit beraubt und so dem Höllenfürsten um einen wollenen Lappen und einen Bissen Brotes opfert und zuführt. Ich schweige noch, dass ihr mit eurer offenbaren falschen Lehre so manchen auserkornen Heiligen Gottes in so große, schwere Not, ja, um Leib und Gut bringt, dadurch, dass ihr die Lehre, welche die reine, unvermengte, kräftige, seligmachende und wiedergebärende Lehre Christi ist, für eine offenbare Ketzerei und Verführung und die treuen, lieben Kinder, die damit von der Ungerechtigkeit zur Gerechtigkeit und von den stummen Götzen zum lebendigen Gott bekehrt werden, vor der verirrten, fleischlichen, blinden Welt, den Lästerern, Blutpredigern, Teufelsboten, blutdürstigen Tyrannen und habsüchtigen Räubern mit lauter Lügen als verführte, sektiererische Leute beschuldigt, lästert, scheltet und ausschreibt.

Ach Freund Micron, wie gut wäre es für eure arme Seele, d. h. wenn ihr euch nicht von Herzen bekehrt, dass ihr nie geboren wärt. Wie weit habt ihr euch elender Mensch doch von eurem ehrgeizigen, hoffärtigen, tollen Fleische bringen lassen, dass ihr um ein so kleines Windchen eitler Ehre, die ihr nur für so kurze Zeit bei dieser unsinnigen, entarteten Welt damit verdienen konntet, dem allmächtigen, ewigen und großen Gott eine so schwere Lästerung, seinen heiligen Aposteln und treuen Zeugen so hässlichen Schimpf, dem Wort des Herrn so grobe Unruhe, dem Volke so tödlichen Betrug, den Gottesfürchtigen und Frommen solches Mühsal und Leid und eurer eigenen, armen Seele eine so unbegreiflich hässliche Sünde und Last mit diesem eurem Schreiben angetan, aufgebürdet und gemacht habt. Euer ganzes Buch ist gewiss nichts anderes als eine klare Offenbarung und aufgedeckte Anweisung eurer eigenen Schande und antichristlichen, falschen Lehre, sowohl vor dieser gegenwärtigen als auch vor der zukünftigen Welt; welches Buch eure gräuliche, große Missetat und schwere Verirrung vor allen Menschen, die den Herrn suchen, ausruft und aufdeckt.

Mein Freund Micron, denkt nach, ob ich euch eure äußerst gefährlichen Wunden und tödlichen Schwären nicht recht mit der Schrift anweise.

Letztens habt ihr euch vor allen Frommen der ganzen Welt, allen andern Predigern, die mit euch in gleicher Lehre und Dienst stehen, zu einer offenbaren Schande gemacht; denn weil ihr um des Evangeliums willen (wie es heißen muss) von Flandern nach England und von England wieder nach Friesland gezogen seid; euch vielen Schreibens und Disputierens annehmt; ein redliches, bürgerliches Leben vor den Menschen führt; für keinen besonderen Hurenjäger, Vollsäufer oder Großsprecher geltet – kurz, mit Schafskleidern angetan seid – werdet ihr vielleicht wohl für einen Vorgänger, ein Haupt, Licht oder wenigstens für einen der Vornehmsten von ihnen angesehen und geachtet. Ihr werdet nun aber, sowohl vor Gott als allen Verständigen, in Wahrheit für einen solchen befunden, als wir mit eurem eigenen Schreiben und Tun hier in diesem Briefe und Buche zum Teil beschrieben haben; was man denn von den andern halten und sagen muss, die nicht in solch einem Schafskleide einherprunken, sondern geizen, raffen, fressen, saufen, prunken, prahlen, ein sorgloses, bequemes, fleischliches Leben führen, weder Gott noch Teufel fürchten, der Menschen Seelen um eine Kleinigkeit verschachern, gerne große Pfründen und gute Tage haben und demungeachtet mit euch in einerlei Grund, Lehre, Berufung und Dienst stehen, dies mag der fromme Leser in der Furcht seines Gottes bedenken. Ob man sich ferner darein schicken soll, sowohl sie als euch in der Predigt anzuhören (aus welcher Ursache sie gewöhnlich ihre Zunge vor Grimm und Schmerz beißen wollen), dies will ich einen jeden, der Gott von Herzen sucht und liebt, des Herrn Wort um Rat fragen lassen (Mt 7,15; 15,14; 16,6; Joh 10,1; Röm 16,17; Gal 5,8; 1Tim 6,3; Tit 3,10; 2Joh 7; 2Kor 6,14; Offb 18,4).

Es gereicht mir zur großen Verwunderung, dass die andern Prediger, die zum Teil wohl natürlichen Verstand haben, obwohl sie leider nicht mit Christo und seinen Auserwählten auf den schmalen Weg wollen und die mit euch in solche Schande kommen,euch in diesem ungeschickten, hässlichen Schreiben nicht strafen noch zurückkehren; denn nie zuvor ist ihr antichristlicher, falscher Grund und ihre Lehre von Christo, dem Sohne Gottes, so plump und platt, ja, so grob und offenbar an den Tag gekommen, als ihr sie nun durch eure stolze Vermessenheit und sehr große Blindheit und ich mit dieser meiner notwendigen klaren Antwort ans Licht gebracht haben. Dennoch werdet ihr immerhin gute Lehrer bei der Welt bleiben, denn solche begehren und suchen sie. Mit Recht sagt Johannes:

»Sie sind von der Welt; darum reden sie von der Welt, und die Welt hört auf sie.« (1Joh 4,5)

Seht ehrsamer Micron, hier habe ich euch den hellen klaren Spiegel der Wahrheit vor das Angesicht eures Gewissens aufgehängt und die unsichtbaren Gliedmaßen eurer Seele recht voneinander geteilt. Tut nur die Augen auf, dann könnt ihr sehen, was ihr für ein Mann seid und mit wie großer Krankheit ihr dem Geist nach behaftet seid, woraus alle diese hässlichen, stinkenden Ausatmungen, wie Schelten, Lügen, Ehrabschneiden, falschen Auslegungen, Schriftverfälschungen und verdrehten, gebrochenen Glossen herkommen. Ja, gleichwie das Gesetz die Sünde kennen lehrt (Röm 3,20), ebenso lehrt euch dieser Brief kennen, wie viel tödliche Wunden die höllische Schlange euch beigebracht und wie verderbt vor Gott und wie unrein in eurem ganzen Leben sie euch mit dem verdammlichen Gift ihrer bösen Natur gemacht hat.

Und sollte euch denn der barmherzige Herr in seiner großen Güte die grobe und plumpe Schande, die ihr Gott und den Menschen mit eurem lästerlichen Schreiben angetan habt und die ihr bis jetzt, fürchte ich, aus großer Blindheit, Hass, Ehrgeiz und Selbstliebe wenig an euch wahrgenommen habt, fühlen und kennen machen, o so verzieht doch nicht, wenn ihr nicht in der Gottlosigkeit sterben wollt, mit einem gebrochenen, zerschlagenen, demütigen, reuigen Geist, in einem wahren, ungefälschten Glauben, mit einem bekehrten, veränderten, bußfertigen und neuen Herzen vor den Thron der Gnade, Christum Jesum ewig gebenedeit, zu treten; denn er ist die geistliche eherne Schlange (4Mo 21,9; Joh 3,14), welche allen in Adam von der Schlange vergifteten Adamskindern (Röm 5,14; 1Kor 15,22) zu einem heilsamen Zeichen aufgerichtet ist. Er ist der Mann, der euch von allen euren tiefen, bösen Verwundungen an eurer kranken Seele helfen und heilen kann (2Mo 15,26). Er ist der Arzt in Israel; bei ihm allein findet man die Salbe und Medizin des ewigen Lebens.

Und wenn ihr euch dann unter seine Hände begeben und seinem Rate folgen wolltet, auf dass ihr Hilfe und Gesundheit für eure kranke Seele finden möchtet, so müsstet ihr euch ihm gänzlich zu eigen geben; seinem Wort, Willen, Gebot und Verbot gehorsam sein; von eurem eigensüchtigen, ehrgeizigen, rühmerischen, lügenhaften, parteiischen, neidischen, eitlen und tollen Fleisch, das euch zu diesem hässlichen, falschen Schreiben getrieben hat, ganz und gar ausgehen und klein in euren eigenen Augen werden; ein besseres und christlicheres Fundament in euer Herz legen; von dem falschen Glossieren und Schriftbrechen, von den abgöttischen Sakramenten und aller Heuchelei abstehen; den Herrn und sein heiliges Wort mit einem aufrichtigen, reinen Herzen in der Wahrheit suchen und fürchten; euren Nächsten, den ihr mit lauter Gewalt und offenbarem hässlichen, stinkenden Lügen ungerechterweise beschwert habt, mit Schmerzen und vielen Tränen in einer ungefälschten, rechtschaffenen, brüderlichen Liebe von ganzem Herzen versöhnen und wieder mit andern Schriften vor die ganze Welt hinausschreiben, dass ihr aus lauter Hass der Wahrheit ohne alle billige Ursache seinen Namen, der doch schon um der Wahrheit willen mehr als zu viel gehasst wird, noch hässlicher und stinkender gemacht habt. Ich fürchte aber, dass ihr dies schwerlich werdet tun können, solange ihr nicht ein gottseligerer, bußfertigerer und frömmerer Micron in Gott werdet, als ihr leider bis jetzt gewesen seid.

Solange ihr solches nicht tut, ist es offenbar, dass ihr euren Nächsten ohne irgendwelche Ursache hasst und anfeindet und so mit den Totschlägern gerechnet werdet und außerhalb Christi und seines Reiches seid (Mt 5,22; 1Joh 3,15). Ach Freund, denkt nach und bessert euch. Hütet euch mit allem Fleiße, dass ihr eure edle Seele nicht um einen so eitlen und augenblicklichen Preis für immer und ewig in Leid bringt. Es ist noch um ein Kleines und Micron ist nicht mehr (Ps 37,10). Wird man dann hören: »Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer!« Ach wie übel hat man es dann gemacht!

Mein Freund Micron, ich warne euch in treuer Liebe,nehmt es wahr, dies bitte ich euch. Ich habe zu unserer Zeit viele gekannt, die von einem gleichen Geist des bittern Eifers gegen das Lamm und seine Auserkorenen getrieben wurden und die vom Herrn, der den Seinen Recht tut und den Gottlosen ihren verdienten Lohn bezahlt, mit einem schrecklichen Ende vor vieler Menschen Augen hingerichtet und gestraft worden sind.

Es ist ungefähr achtzehn oder neunzehn Jahre her, dass ein bei der Welt in hohem Ansehen stehender Mann, dessen Namen und Vaterland ich verschweige, einen bösen, giftigen Rat gab, wie man mich und die Frommen ausrotten sollte. Er hatte seine Worte und gottlosen Gedanken kaum geendigt, als die strafende Hand des Allerhöchsten sich auf ihn legte – er fiel an der Tafel um und endigte so sein unbußfertiges, blutdürstiges und gottloses Leben in einem Augenblicke auf eine schreckliche Weise. O gräuliches Urteil!

Ungefähr um die gleiche Zeit ist es auch einem andern so ergangen, der sich dünken ließ, dass er mir das Netz einmal so spannen würde, dass ich ihm nicht leicht entgehen sollte. Er wurde gleichermaßen bei der Mahlzeit, als er die Worte sprach, von einem Pfeile aus des Herrn Bogen plötzlich durchschossen – mit einer schweren Krankheit geschlagen – und es wurde vor dem allmächtigen, strafenden Gott Rechenschaft von ihm gefordert. Binnen acht Tagen wurde er begraben.

Noch einer, der ein kaiserlicher Beamter an einem Platze werden sollte, hatte sich dünken lassen, er würde das Volk ausrotten oder es würde dem Kaiser an seiner Macht mangeln. Er ist zu diesem Platze gekommen, um seinen Stuhl einzunehmen und das ihm auferlegte Amt zu bedienen. Vier oder fünf Tage nachher haben sie die Glocken über ihn geläutet und das Requiem über ihn gesungen. Seht, so vernichtet Gott der Herr die Anschläge der Gottlosen, die seinen heiligen Berg bestürmen und macht zunichte alle, die seine Wahrheit hassen.

Auch ist es im Jahre 1554 zu Wisbuy in Gotland geschehen, dass drei unserer Brüder, um ihr Brot zu gewinnen, dort waren. In dieser Stadt war auch ein Prediger, Laurentius mit Namen, der von seines Vaters Geist getrieben wurde. Dieser rief ihnen auf offener Straße nach und schimpfte, so viel er nur konnte, dass sie ihren Handel dort nicht haben würden und sollte es ihn auch kosten, was er mit seinem Kleid umgürtet hätte – er meinte nämlich Leib und Seele. Wenige Tage nachher geriet er mit einem von diesen Brüdern in eine Besprechung, der auch noch ein anderer Prediger, der aber nicht unbilliger Art war, beiwohnte. Er lästerte und führte sich auf eine gräuliche Weise auf. Der starke Herr gebot ihm aber in ihrer beiden Gegenwart ein solches Halt, dass ihm auf einmal die Sprache benommen wurde und ihn binnen vierundzwanzig Stunden leider der Tod ereilte. O schreckliche Strafe und Urteil Gottes!

Beinahe auf dieselbe Weise ging es im selben Jahre auch zu Wismar zu, wo sie einen Schreier, Namens Doktor Smedesteet, angenommen hatten, der sich hören ließ, dass er lieber einen Hut voll Bluts von uns hätte, als einen Hut voll Goldes. Er beredete die Obrigkeit, die solche Pfühlmacher gerne hat und hört, dass sie den armen Kindern gegen den äußerst kalten Winter hin ansagten, dass sie sich vor Martini davon machen sollten oder man würde sie dahin bringen, wo sie nicht gerne wären. Smedesteet war in großer Freude, dass er sein Verlangen erreicht hat – allein es geschah zu seinem schweren Urteil. Am gleichen Tage noch legte der allmächtige, große Herr die Hand seines Grimmes an ihn und nahm ihn in sechs oder sieben Tagen mit einer grausamen, schweren Krankheit hinweg. Dennoch merkt die verstockte, blinde und dumme Welt es nicht.

Im Jahre 1555 geschah es noch einmal in der nämlichen Stadt, dass ein Prediger, Vincentius genannt, dort war, der auch noch dort ist, welcher des gottlosen Lästerns und schweren Scheltens nie müde wurde. Er sagte an dem Tage, den sie des Herrn Himmelfahrt nennen und an welchem sie das Evangelium halten:

»Wer da glaubt und getauft wird, wird selig werden,« (Mk 16,16)

dass er uns schelten und lästern würde, solange ihm sein Mund offen stünde. Von Stunde an hat ihm die starke Kraft Gottes denselben zugeschlossen und seine Zunge gebunden. Er ist auf dem Predigtstuhl umgefallen und von einigen bei Händen und Füßen weggebracht und als ein von Gott Gestrafter stumm in sein Haus getragen worden. Seht, so kann er denjenigen strafen, der seinen Augapfel anrühren und kränken will (Sach 2,12). Wollte ich alle die Ereignisse erzählen, die zu meinen Zeiten an den Feinden der Heiligen gesehen worden sind, so müsste man ihnen wohl ein eigenes Buch widmen.

Darum rate ich euch ungefälschten, reinen Herzens, dass ihr doch gegen einen so starken und strafendenGott und Herrn nicht länger Partei ergreifen und streiten wollt. Ich sage euch in Christo Jesu, dass es euch allzu schwer werden wird, gegen diesen scharfen Stachel zu löcken (Apg 9,5); denn sein Name ist: Herrscher, Herr, starker Held (Jes 9,5), der Mächtige, Heilige, Schreckliche, Löbliche und Wundertätige in Israel (2Mo 15,11). Wenn er seine Pfeile aussendet, so müssen sie treffen; und wenn er ruft, so muss man da sein. Es gibt niemand, der seiner Hand entrinnen und seiner Strafe entgehen kann. O Micron, habt Acht darauf.

Ja, guter Freund, wenn euer Streit nur gegen mich wäre, wie ihr vielleicht meint, so hättet ihr die Sache schon gewonnen, denn die ganze Welt, ja, auch die Schlange selbst ist in dieser Hinsicht mit euch und gegen mich (denn dieser unser Grund ist laut Johannis Lehre der einzige Stich, der ihr Reich, die Welt, überwinden und schädigen muss); gleichwohl nicht gegen mich, sondern gegen die Wahrheit selbst, gegen den Vater und seinen gebenedeiten Sohn, gegen die ganze Schrift und alle diejenigen, die im Himmel wohnen. Seht euch darum weislich vor, denn obschon die ruchlose, wüste Welt ja zu eurer Sache sagt, so wird es euch dennoch beim Allerhöchsten, dessen Ruhm, Ehre, Wahrheit und Zeugnis ich nach meiner kleinen Gabe durch seine Gnade und starke Kraft verteidige, nicht nach eurem und vielen Menschen Willen glücken.

Und wenn ihr mich schon bei der Welt, die nicht in Christi Gebet eingeschlossen ist (Joh 17,9), um Ehre, Namen, Ruf, Leib und Leben, die ich um Jesu willen schon lange hingegeben und gering achte, geschrieben habt, obwohl ich euch, Gott sei Dank, nie ein Leid gewünscht, noch getan habe, so wird dennoch Gott der Vater, der wahre Vater Christi, und Christus der wahre Sohn Gottes bleiben und ihr sollt und müsst euch von eurer unreinen, antichristlichen, falschen Lehre zu der ungefälschten, reinen, christlichen Lehre bekehren oder ihr werdet einer von denjenigen sein, von welchen geschrieben steht:

»Wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet; denn er glaubt nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes.« (Joh 3,18)

Gegen Gott gilt weder Parteien noch Streiten. Er ist der Mann, der den Preis behalten und sein Wort ist die Lehre, welche die Wahrheit bleiben wird. Wenn ihr nicht glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, dass sein Zeugnis und Wort wahrhaftig und seine Verordnung die rechte Verordnung ist; nicht aus Gott geboren noch göttlicher Art und Natur werdet; vom heiligen Geiste weder eingenommen noch getrieben werdet; keine wahre Buße tut, nicht in Christo seid, noch Christus in euch, so seid ihr laut Johannis Lehre einer von denen, die keinen Gott haben (1Joh 2,23).

Wenn ihr aber Christum habt und in der Wahrheit und Kraft glaubt, dass er der wahre Sohn Gottes ist, so habt ihr beide, den Vater und den Sohn (1Joh 2,24), und wandelt, wie er gewandelt hat. Ihr lügt nicht willentlich, denn ihr seid aus der Wahrheit geboren. Ihr hasst nicht. Ihr verleumdet nicht. Ihr verschwatzt euren Nächsten nicht. Ihr tut niemandem Gewalt oder Unrecht. Ihr sucht seine Seligkeit und nicht sein Verderben. Ihr straft seine Sünden. Ihr lehrt ihn recht und verführt niemand, denn der Geist der Liebe, der vor Gott und den Menschen recht handelt, wohnt in euch und treibt euch.

Wenn ihr Christum in der Kraft habt, so wandelt ihr im Lichte (Joh 3,21; 8,12), ihr folgt dem rechten Hirten und geht durch die rechte Tür ein (Joh 10,2); ihr wandelt den rechten Weg, bleibt in der rechten Wahrheit (Joh 14,6) und im rechten Weinstock (Joh 15,1); ihr seit auf den rechten Stein erbaut (Eph 2,20; 1Pt 2,4) und ihr verfälscht Gottes Wort nicht, denn euer Geist ist eins mit Christi Geist, euer Glaube eins mit seinem Wort und euer Leben, obwohl in der Schwachheit, eins mit seinem Leben, wie gehört worden ist. Ihr sucht des Herrn Preis und Ehre und nicht eure eigene. Ihr bekennt Christum, euren Seligmacher, beides, mit Leben und Sterben, vor der ganzen Welt. Alle eure Lust ist im Gesetze des Herrn und euer ganzes Leben in seiner heiligen Furcht. Eure Gedanken sind lauter und rein und alle eure Worte in der Gnade mit Salz gewürzt. Euer täglicher Streit ist gegen die Welt, den Teufel und euer eigenes böses Fleisch und ihr stellt euch mit eurem ehrlichen, tugendhaften Leben jedermann zum Vorbilde. Das euch um des Herrn Wort und Zeugnisses willen auferlegte Kreuz tragt ihr willig und wenn ihr von irgendwelchen unrechten Gedanken, Worten oder Werken überrumpelt werdet, so beklagt ihr es von ganzem Herzen; kurz, ihr beweist mit allen euren Früchten, dass ihr ein auserwähltes, aus dem himmlischen Samen des göttlichen Wortes geborenes Kind Gottes und ein lebendiges Glied am Leibe des Herrn geworden seid.

Seht, werter Micron, eine solche Buße und Besserung wünsche ich euch mit vollem Herzen und wollte, dass ich sie zu irgendeiner Zeit in einem rechtschaffenen Wesen, ja, in der Kraft und Wahrheit an euch sehen könnte und dass ich alsdann zusammen mit euch um des Zeugnisses Jesu willen, zu des Herrn Preis und zur Erbauung unseres Nächsten, mein Opfer im Blute besiegeln würde. Noch einmal: Tut Buße, auf dass der kostbare für uns gegebene Schatz an euch nicht verloren bleibe.

Ich will euch hiermit dem allmächtigen Gott befohlen haben; der gebe euch nach seiner großen Gnade, was ich euch gönne. Von nun an werde ich, ihr mögt es mit eurem Sagen und Schreiben machen, wie ihr wollt, nichts mehr an euch richten, wenn ihr euch nicht in einen christlichen und bessern Sinn bekehrt und ich nicht von den Gottesfürchtigen dazu gedrungen und getrieben werde.

Auch werde ich nach diesem nicht mehr um eine öffentliche Besprechung mit irgendjemandem bitten und das erstens deshalb, weil ich solches schon so viele Jahre mit so ungemein viel Schreiben und Ersuchen vielmals begehrt habe, aber niemals erlangen habe können, woraus offenbar ist, dass man leider auf den Ruhm Gottes und die Seelen der Menschen wenig Wert legt.

Zweitens, weil eure vornehmsten Lehrer und Vorgänger, wie Johannes a Lasco, Calvin und Theodorus Beza, die ihr für eure würdigsten und liebsten Brüder bekennt, Menschen des Blutes sind. Dass dies wirklich so ist, dies bezeugen mir ihre eigenen Bücher, sowie der alte Servetus, der zu Genf und Joris von Paris, der in England mit Feuer verbrannt worden ist.

Und drittens, weil eure Brüder, die wälsche Kirche (wie sie genannt werden), zu Frankfurt uns in ihren gedruckten Schriften öffentlich vor der ganzen Welt verflucht haben, welche zwei Dinge wir vorher nicht so klar gewusst haben wie jetzt.

Da ich denn vor Augen sehe, dass nichts als lauter Betrug, Untreue, Blut und Verkehrtheit bei den Menschenkindern ist, wohin man sich auch wendet und dass auf Erden nichts weniger gilt als der Preis Christi und die Seligkeit der Seelen, so will ich Babylon mit allen ihren Predigern, ihrer unreinen, falschen Lehre, abgöttischen Taufe, ihrem Abendmahl, falschem Gottesdienst und unbußfertigem, eitlem, gemächlichen Leben Babylon bleiben lassen und will mit dem heiligen Propheten Habakuk auf meiner Hut und Feste sitzen (Hab 2,1), wozu ich unwürdig berufen worden bin und die Trompete oder Posaune des heiligen göttlichen Wortes von den Mauern und Toren Jerusalems nach meiner kleinen Gabe in hellem, klaren Ton blasen und die Bürger des ewigen Friedens in reiner Liebe treulich aufwecken, dass sie das liebliche Halleluja mit angenehmem, neuen Schalle aus dankbarem, fröhlichen Herzen dem großen Gott zu Ehren durch ihre Straßen singen und in einem unbefleckten, aufrichtigen Gewissen und reiner Lehre sich mit dem glänzenden, weißen Kleid der Heiligen (Offb 19,8), vor Gott und der ganzen Welt schmücken sollen. Ich will sie mit dem sorgfältigen, frommen Esra fleißig ermahnen und zu ihnen sagen:

»Mein Volk, höre mein Wort, und bereite dich zum Krieg und zu den bösen Dingen, als die Pilgrime auf Erden sind!« (4Esr 16,41)

Mit dem heiligen Paulus:

»Zieht an den Harnisch Gottes, dass ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels.« (Eph 6,11)

Und mit Christo selbst:

»Seht zu, wacht und betet!« (Mt 24,42; Mk 13,33; Lk 21,34; 1Pt 4,8; 5,8)

Denn der Fürst der Finsternis mit seiner ganzen Macht und Reich lagert sich rund um die Stadt Gottes, stürmt Tag und Nacht an und tut manchen schweren Anlauf mit Fleisch und Blut, mit offenbaren Lügen und falscher Lehre, mit mancherlei Augenlust, mit Fangen, Bannen, Güterrauben, Blutvergießen, Tyrannei und aller Gewalt. Wer sich nicht beständig am Gebet und an des Herrn Furcht hält, kann nicht stehen bleiben.

Ich will, ich sage es noch einmal, Babylon Babylon bleiben lassen; wer frommen Herzens ist, wird ihr gottloses Wesen schon verlassen und sich zu Christi Hochzeit machen; denn die Wahrheit ist geoffenbart und die Mahlzeit ist bereitet (Mt 22,2; Lk 14,16; Offb 19,9). Selig ist, wer mit reinem Herzen eingeht und sein Hochzeitskleid bewahrt. Ich will alle auserwählten Kinder Gottes, die rechten, treuen Brüder und Schwestern Christi, mit dem lieben und sehr süßen Johannes, unserm liebsten Bruder und Mitgenossen an der Trübsal, am Reich und an der Geduld Jesu Christi, aus dem Innersten meiner Seele warnen und sagen:

»Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist […] Denn alles, was in der Welt ist (nämlich des Fleisches Lust und der Augenlust, und hoffärtiges Leben), ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.« (1Joh 2,15–17)

Mein Freund Micron, seid noch einmal gewarnt, tut Buße, bittet Gott um Gnade und bedenkt mit Ernst, was ich geschrieben habe.

Zürnt nicht, dass ich euch so platt und scharf strafe. Ich habe es mit der Wahrheit getan, Gott zu Ehren und dem Leser zum Guten, wie ich ohne alles Ansehen der Person die ganze Welt tue; auf dass ihr die Klarheit Christi recht kennen lernen, eure hässlichen, stinkenden Schwären fühlen und sehen, euch mit des Herrn Medizin heilen lassen, rechtschaffene Buße tun und ewig selig werden sollt.

Dem gnädigen, barmherzigen Gott und Vater zur Erleuchtung eurer blinden Seelen und Besserung eures sündlichen Lebens durch seinen gebenedeiten, erst- und eingebornen, eigenen, wahren Sohn Christus Jesus, mittels der Verklärung und dem Trieb seines ewigen und heiligen Geistes, zu mehr Gerechtigkeit zu allen Zeiten in seiner Gnade seid hiermit befohlen.

»Öffentliche Strafe ist besser, denn heimliche Liebe. Die Schläge des Liebhabers meinen es recht gut; aber das Küssen des Hassers ist ein Gewäsche.« (Spr 27,5–6)

Menno Simons, den 16. Oktober.