30.7  Unser Grund und Glaube

Unser Grund und Glaube von Christo Jesu, dem Sohne Gottes, samt dessen eigentlichem Inhalt, Frucht, Ende und Verheißung

Unser Grund und Glaube ist, und zwar nach Anweisung der ganzen Schrift in der Kraft und Wahrheit, dass der ganze Christus Jesus, sichtbar und unsichtbar, von innen und außen, sterblich und unsterblich, der erst- und eingeborne, eigene Sohn Gottes ist (Hebr 1,6; Joh 1,14; 3,18; 1Joh 4,9; Röm 8,32), wie ihn die Engel, Johannes der Täufer, die Apostel und die ganze Schrift bekannt haben; dass er ist das unerforschliche, ewige Wort, durch welches alle Dinge geschaffen sind (1Mo 1,1; Ps 33,6; Joh 1,3); in unerforschlicher Weise vom Himmel hergekommen (Joh 3,13; 8,23; 16,28; 1Kor 15,47; Eph 4,10) und durch die Kraft des heiligen Geistes (Mt 1,20) in Maria der keuschen Jungfrau, die einem Manne mit Namen Joseph, vom Hause und Geschlechte Davids, vertraut war (Lk 1,27), über aller Menschen Begriff Mensch geworden ist (Joh 1,14); nach dem gewordenen Fleische in ihr gezeugt, gewachsen und zu seiner Zeit aus ihr geboren ist (Röm 1,3; Gal 4,4); eine einzige, ungeteilte Person, Sohn und Christus, Gottes wahrer, natürlicher, eigener Sohn seiner Herkunft und seines Wesens halber, und Marias übernatürlicher Sohn seiner Empfängnis halber; ich sage übernatürlich, weil dieselbe nicht aus eines Menschen Samen durch Vermengung in natürlicher Weise geschehen ist (Lk 1,31); dem Abraham, Isaak, Jakob, Juda und David verheißen, dass er aus ihrem Geschlechte geboren werden sollte (1Mo 12,3; 18,18; 22,18; 26,4; 28,14; 49,10; 2Sam 7,12), wie auch geschehen ist (Röm 1,3; 9,5; Mt 1,16; Lk 2,4; 3,23; 2Tim 2,8), weshalb, sowie auch seine Mutter, der Frau des Joseph halber (Mt 1,16; Lk 3,23), er in der Schrift Davids gerechtes Gewächs (Jer 23,5; 33,15), eine Rute aus Isai (Jes 11,1), die Frucht von Davids Lenden, durch den buchstäblichen Salomo vorgebildet (2Sam 7,12; 1Kön 5,5; Ps 89,37; Apg 2,30), genannt wird; dass er ist unser wunderbarer Ratgeber, Kraft, starker Gott, Ewig-Vater (Jes 9,5), unser Immanuel (Jes 7,14; 8,8; Mt 1,23), unser Gott (Jes 40,3), der Herr, der unsere Gerechtigkeit ist (Jer 23,6; 33,16), die Weisheit Gottes (Spr 8,12; Bar 3,38), Davids Herr (Ps 110,1), der Herr stark von Kräften (Ps 24,8), der die Erde von Anfang gegründet und die Himmel gemacht hat (Hebr 1,10); unser neuer und geistlicher Salomo auf dem neuen, geistlichen Stuhl und im neuen geistlichen Reich Davids (Jes 9,6; Lk 1,32); Gottes wahrer Sohn, sage ich, seines Vaters halber (Lk 1,32), Abrahams und Davids Sohn seiner Mutter halber, ein einziger, ungeteilter Sohn Gottes und Marias; vom Vater ausgegangen (Joh 16,28), vom Himmel, sage ich noch einmal, hernieder gekommen (Joh 6,32; Eph 4,10), in Maria empfangen (Mt 1,18; Lk 1,31; Joh 1,14), ein wahrer Mensch aus ihr geboren (Lk 2,7; Gal 4,4), uns betrübten Adamskindern in allem gleich (Hebr 2,17), die Sünde ausgenommen (Hebr 5,2), der gehungert und gegessen, gedürstet und getrunken hat, müde geworden ist und ausgeruht hat (Joh 4,6); an Gebärden als ein Mensch erfunden ist (Phil 2,7), der das Gesetz für uns vollbracht hat (Mt 5,17; Röm 8,3; Eph 2,15; Kol 2,14), das verirrte Schaf gesucht hat (Hes 34,15; Mt 18,11), das Reich Gottes gelehrt hat (Mt 4,17), seine Sendung mit unerhörten, großen Zeichen und Wunderwerken befestigt hat (Joh 2,11) und zuletzt den bittern Tod unschuldig für uns Schuldige (da wir noch gottlos und Feinde waren) gestorben ist (Röm 5,8) und uns so mit seinem eigenen (1Joh 1,7) und nicht mit einem fremden Blute erkauft, geheiligt und gereinigt (1Pt 1,19; Hebr 9,12) und mit Gott, seinem Vater, versöhnt (Eph 2,16; Kol 1,22), ja, zu Königen und Priestern gemacht hat (1Pt 2,9; Offb 1,6; 5,10); der von den Banden des Todes entledigt, auferstanden (Mt 28,6; Mk 16,6; Lk 24,6; Joh 20; Eph 1,20; 1Pt 1,21) und wieder zu seinem Vater aufgefahren ist (Mk 16,19; Apg 1,2), wo er zuvor war (Joh 6,62) und welcher so durch das Vergießen seines unschuldigen, roten Blutes (Röm 3,25) unser einziger und ewiger Hoherpriester (Hebr 3,1; 5,1; 6,20; 7,24; 8,1; 9,11; 10,12), Fürbitter (Röm 8,27; Hebr 7,25), Mittler (1Tim 2,5), Fürsprecher (1Joh 2,1) und Versöhner (Hebr 9,14; 12,24) bei Gott, seinem Vater, geworden ist; der unser Herr und Gott ist und welchen wir um seiner unbegreiflich großen Liebe und Wohltat willen nicht weniger in unserer Schwachheit preisen und ihm danken und nicht weniger seinen glorreichen hohen Namen anbeten, fürchten, ehren und ihm dienen sollen, als wir den Vater selbst tun (Joh 5,23).

Wir bekennen und glauben, dass, gleichwie der allmächtige, ewige Vater Adam und Eva durch Christum, sein allmächtiges Wort, aus lauter Gnade und Liebe im Anfang erschaffen hat (1Mo 1,27), er sie auch nach ihrem Falle (1Mo 3,6), samt ihrem ganzen Samen, durch eben dasselbe, durch seine allmächtige Kraft Mensch gewordene Wort aus lauter Gnade und Liebe wieder aufgerichtet und als seine Kinder angenommen hat; auf dass wir Gott für seine Gnade durch sein Wort oder Sohn und nicht durch Adams sündliches Fleisch (wer es auch sei) ewiglich danken und preisen sollen.

Seht mit solch einem Bekenntnisse bleibt die ganze Schrift in diesem Teile ungebrochen, unglossiert und unverändert. Widersprüche, Glossen oder verfälschte Sprüche werden darin nicht gehört, noch gefunden, während man im Bekenntnisse unserer Gegner solche an allen Ecken finden kann.

Der allmächtige, ewige Gott behält seinen Ruhm und seine Ehre allein, sage ich, durch sein Wort oder Sohn. Der Vater bleibt der wahre Vater des ganzen Christus, die Mutter die wahre Mutter und der Sohn der wahre Sohn, beides seines Vaters und seiner Mutter; der von oben ist und nicht von unten, vom Himmel und nicht von der Erde, rein aus dem reinen Gott, ein einziger Sohn und Person, der Gewalthaber und Herr des Himmels und der Erde, der Seligmacher der ganzen Welt, in welchem alle gegenwärtigen und zukünftigen Verheißungen verfasst liegen, beschlossen und erfüllt sind und durch welchen sie auch gegeben und empfangen werden. Seinem anbetungswürdigen, herrlichen und hohen Namen sei Preis in Ewigkeit, Amen.

Alle, welche nun dieses wunderbar hohe Werk der unaussprechlich großen Liebe Gottes in der Wahrheit so glauben können und im Stande sind mit Petrus und der ganzen Schrift Christum Jesum für den wahren Sohn des wahren und lebendigen Gottes zu bekennen, die haben beide, den Vater und den Sohn, sie überwinden die Welt, sie sind in Gott und Gott ist in ihnen, sie sind vom Zorne Gottes befreit und haben das ewige Leben; denn sie erkennen die strenge Gerechtigkeit und den verdienten Zorn, welcher durch Adams Ungehorsam über ihn und alle seine Nachkommen gekommen ist. Sie fürchten deshalb Gott, begraben ihre Sünden und kehren sich ab vom Bösen. Gleichermaßen erkennen sie auch die unaussprechliche Liebe Gottes, welche er uns in Christo Jesu so reichlich erwiesen hat. Sie treten deshalb mit Christo in das neue Leben (Röm 6,4); denn sie glauben an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes (Joh 3,18).

Werte Leser, schaut vor euch; ich warne euch in wahrer, treuer Liebe, denn es gilt euch das ewige Leben oder den ewigen Tod. Wenn ihr nicht ganz blind seid, so müsst ihr gewiss durch diesen großen Betrug, dessen Micron in seinem Berichte sich bedient hat und aus diesen einundzwanzig Verschiedenheiten, fünfundvierzig schriftlosen Bekenntnissen, Auslegungen, ungereimten Glossen, verfälschten und verdrehten Schriftstellen und vierzehn unauflöslichen lästerlichen Widersprüchen, sowie aus dem Grund ihres Bekenntnisses, welches ich euch hier in großer Klarheit ohne alle Falschheit angewiesen habe, lernen und merken, dass ihr ganzer Grund und Glaube mit Hinsicht auf diesen Artikel nichts als eine antichristliche Verführung und der alten Schlange List ist und dass unser Grund und Glaube, um dessentwillen wir leider so viel hören und leiden müssen, der feste, unbewegliche, ja, unüberwindliche Fels und Stein der ewigen Wahrheit ist, welchen die heiligen Apostel und Propheten, samt allen frommen Zeugen Gottes, in der ersten, unverderbten Kirche, ehe der Mensch der Sünde, der diesen Grund nicht leiden kann, wie man in 1Joh 2,22; 4,3; 2Joh 7 sieht, in Gottes Tempel trat und sich hineinsetzte, so mit uns bekannt haben.

Nicht eine einzige Schriftstelle wird von uns gebrochen oder verfälscht; nicht eine Glosse wird gemacht; nicht ein einziger Widerspruch kann daraus gefolgert werden; was wir dem Leser vorlegen, ist helle, klare Schrift und Schriftgrund, wie ihr mit euren Händen greifen und mit euren Augen sehen mögt.

— Auslassung im Originaltext —