29.4  Bekenntnis wie die Prediger gesinnt sein müssen

An den edlen und hochgelehrten Herrn Johann a Lasco, Erzbischof zu Emden in Ostfriesland, und auch an seine Mitbrüder; wie die Prediger des göttlichen Wortes und die Gemeinden Christi nach dem Zeugnisse der Schrift gesinnt und beschaffen sein müssen. Meine lieben Herren, Freunde und Brüder, gleichwie ich euch den innerlichen Grund meines Glaubens und Fühlens betreffs der sehr tröstlichen Menschwerdung unseres lieben Herrn Jesu Christi eurem freundlichen Verlangen gemäß entdeckt und eröffnet habe, obwohl ich solches, wie schon gesagt, vor der einfachen Gemeinde so gründlich und tief nicht lehre, will ich euch weiter mit kurzen Worten meinen Grund und mein Vornehmen anweisen, nämlich wie beide, die Lehrer und die Gemeinde, die mit Recht Christen heißen können, vor Gott und der ganzen Welt inwendig und auswendig gesinnt und beschaffen sein müssen nach Anweisung der Schrift, so viel wir durch Gottes Gnade aus des Herrn Wort begreifen und verstehen können. Dennoch will ich nicht so weitläufig über diese Sache handeln, auf dass ich euch mit meinem langen Schreiben nicht ermüde oder lästig falle.

Erstens sage ich, dass in Betreff der Prediger die Worte:

»Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch,« (Joh 20,21)

ewiglich und unveränderlich in Gottes Gemeinde bleiben, nämlich: Alle wahren Lehrer und Prediger werden von Christo Jesu gesandt, gleichwie Christus Jesus von seinem Vater gesandt ist. Wir müssen daher recht in Betracht nehmen, wer dieser Christus Jesus gewesen ist und wie und was er gelehrt hat, als der Vater ihn gesandt hat. Er ist ohne Zweifel der Sohn und das Ebenbild Gottes, der Lehrer der Gerechtigkeit, der nichts als die rechte Wahrheit gelehrt und bezeugt hat (Joh 18,37), nämlich das Wort seines Vaters (Joh 7,16). Er hat es gelehrt mit großer Gewalt des Geistes und ist aus unauslöschlicher feuriger Liebe durch den heiligen Geist zum Dienste aller Menschen gedrungen und getrieben worden. Zudem war er das brennende und hellscheinende Licht der Welt (Joh 1,9; 3,19; 8,12; 12,35), das rechte Vorbild aller Tugenden, der mit aufrichtigem Herzen sagen konnte:

»Lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig!« (Mt 11,29)

Ferner:

»Ein Beispiel habe ich euch gegeben.« (Joh 13,15)

Und darum rühmte er durch das wahre Zeugnis seines heiligen Geistes, indem er sagte:

»Ich bin der gute Hirte.« (Joh 10,11)

Dieser Christus Jesus, der Bischof aller Bischöfe und Hirt aller Hirten, der in allem, wozu er von seinem himmlischen Vater gesandt worden ist, treu gewesen ist (Hebr 3,2), sendet keine andern Bischöfe, Lehrer, Hirten und Arbeiter in seinen Weinberg zu seinen Hausgenossen, Kindern und Schafen, um für diese zu sorgen, sie zu weiden und ihnen vorzustehen, als diejenigen, welche ein Leib, Geist und Seele mit ihm sind, gleichwie er eins ist mit seinem Vater (Joh 17,11); die durch das göttliche Wort, welches Christus ist, so in Christum und in seine liebliche himmlische Natur umgekehrt und verändert sind, dass er in Wahrheit von ihnen zeugen kann: Siehe, dies sind die Kinder, welche mir Gott gegeben hat (Hebr 2,13), wer euch hört, hört mich, gleichwie der Vater von Christo bezeugt hat, indem er sprach:

»Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!« (Mt 17,5)

Ferner, die Christo gleichförmig, Glieder seines heiligen Leibes und voll von der Liebe Gottes und ihrer lieben Brüder sind; die mit Christo Jesu, ihrem Bischof, nichts suchen, als nur den ewigen Gewinn, die Ehre, den Ruhm und den Preis Gottes und die gründliche Bekehrung, Besserung und ewige Seligkeit derjenigen, die ihrer brüderlichen Obsorge von Gott und seiner Gemeinde anvertraut und anbefohlen sind. Ja, er sendet solche, die an Lehre und Leben unsträflich sind, vom heiligen Geiste getrieben werden und mit Christo Jesu herzlich seufzen und weinen über diejenigen, welche die gnädige Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkennen; die sich aus ganzem Grund ihrer Seele mit den Engeln Gottes über die Bekehrung von Sündern freuen; die nach aller Menschen Seligkeit dürsten, gleichwie eine hungrige Seele nach Brot hungert; die sich so an ihres Herrn Wort und Wahrheit kehren, dass sie nicht einen Buchstaben anders lehren oder gebrauchen dürfen, als Christus Jesus selbst gelehrt, gebraucht und befohlen hat, nämlich das reine, unverfälschte, biblische Wort im rechten Sinn und Verstande Christi und seiner Apostel; welche die sakramentlichen Zeichen gleichförmig dem Evangelium Christi gebrauchen, nämlich die Taufe der Gläubigen und nicht der unmündigen Kinder und das Abendmahl in beiden Gestalten in einer Gemeinde, die Fleisch ist von Christi Fleisch und Gebein von Christi Gebein und deren Glieder auswendig unsträflich und inwendig ein Herz, Geist, Seele und Leib in Christo Jesu sind. Ja, er sendet solche, deren Lehre ein durchätzendes Salz und deren Leben ein scheinendes Licht ist (Mt 5,13–14); die geduldig, liebreich, mild, langmütig, barmherzig, gastfrei, nicht geizig oder eigensüchtig, nicht begierig nach schändlichem Gewinn, nicht aufgeblasen, nicht gehässig, nicht blutig, nicht haderhaftig sind, die in gutem Geruche stehen bei denen, die draußen sind, die ihr eigenes Haus wohl regieren und ein wohlgesinntes Weib haben, wenn sie die Gabe der Reinigkeit und gehorsame Kinder, ja, in allen Dingen Keuschheit, Nüchternheit, Unsträflichkeit, Gottes Geist, Furcht und Liebe haben – in allem so beschaffen sind, dass sie mit aufrichtigem Herzen mit Paulus zu den ihnen anvertrauten Schafen sagen können: Seid unsere Nachfolger, gleichwie wir Christi, und wandelt als Brüder, gleichwie ihr uns habt zum Vorbilde, als Männer, Engel, Heilige und Diener Gottes, und gehet unsträflich voran im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit (1Tim 3; Tit 1; 1Kor 10,34; Phil 3,17; 1Tim 4,12).

Seht, meine Teuersten, so müssen die Lehrer beschaffen sein, die des Herrn Gemeinde bedienen sollen, auf dass sie von den Halsstarrigen und Widerspenstigen nicht hören müssen: Warum lehrt ihr andere und lehrt euch selbst nicht? Sie können auch sonst nicht zu Gottes Preis lehren, denn das Amt des neuen Testaments ist ein Amt des Geistes und nicht des Buchstabens (2Kor 3,6). Darum erwählt Christus Jesus keine Geizigen, Trunkenbolde, Eitle etc. zu seinen Ackersleuten, Weingärtnern, Haushaltern, Bauleuten und Knechten, damit diese das Reich Gottes, welches geistlich ist, mit reinem Herzen lehren, die Schafe Christi weiden mögen, nicht gezwungen, sondern williglich; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrunde; nicht als die über das Volk herrschen, sondern als Vorbilder der Herde (1Pt 5,2–3); nicht um eine gewisse Besoldung dienend, wie eure Lehrer tun, sondern nur um den Gewinn der Seelen, welche Jesus Christus so teuer mit seinem Blute erkauft hat. Sie vertrauen Gott, der sie durch seine Gnade erschaffen, erlöst, wiedergeboren und in seinen Dienst geschickt hat, von ganzem Herzen die Sorge für ihre zeitliche Notdurft an und ernähren sich durch des Herrn Gnade mit allem Fleiße aus ihrem eigenen oder gemieteten Acker oder von ihrem Handwerk und arbeiten mit ihren Händen, so viel ihnen möglich ist, auf dass sie das freie Wort Gottes, das ihnen umsonst gegeben worden ist, nicht verkaufen oder vermieten und so nicht von schändlichem Gewinn, Raub und Diebstahl leben. Vor diesem hüten sich alle wahren und frommen Diener Christi. Alles aber, wozu ihre geziemende Vorsicht, Arbeit und Fleiß nicht ausreicht, wird ihnen ohne Zweifel nicht von den unbekehrbaren Heiden, Trunkenbolden, Wucherern, Hurenjägern und dergleichen, sondern von den gewonnenen Brüdern, die den Herrn fürchten und welchen sie geistliche Dinge säen, schon zugeschickt und besorgt werden (1Kor 9; 1Tim 5,18); denn solche Lehrer sind die dreschenden Ochsen, denen man das Maul nicht verbinden soll; sie sind zweifacher Ehre wert und sind diejenigen, denen man mitteilen soll von allen seinen Gütern (1Kor 9,9; 1Tim 5,18; Gal 6,6). Dieses sind diejenigen, die nach des Herrn eigener Verordnung vom Evangelium leben mögen, gleichwie unter dem Gesetze die Priester vom Altare lebten. Dieses sind die rechten Arbeiter, die ihres Lohnes wert sind, wie Christus sagt. Solche Lehrer soll man anerkennen, ehren, in Liebe unterstützen und um ihres Werkes willen Frieden mit ihnen haben, wie Paulus lehrt:

»denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen.« (Hebr 13,17)

Seht, meine liebsten Herren, Freunde und Brüder, so hat Gott, der barmherzige Vater, seinen gebenedeiten Sohn, der nach seinem Ebenbilde geartet und ihm in allem gleich gesinnt ist, nämlich Christum Jesum, ausgesandt. Christus Jesus hat solche ausgesandt, die ein Geist, ein Leib und eine Seele mit ihm waren, ohne Stab, Tasche und Schuhe, mit einem Kleid, ohne Geld, Gold und Silber, das ist ohne alle Sorge und Habsucht. Die Apostel haben in allen Städten und Plätzen, wo sie vorher Gemeinden gebärt hatten, solche Bischöfe und Lehrer, die sowohl in der Lehre als im Leben unsträflich waren, ordiniert und haben von bestimmten Jahrgehalten, Benefizien oder Einkünften nicht das Geringste verlauten lassen, denn sie sind Männer Gottes, Knechte Christi und voll der Liebe Gottes und ihrer lieben Brüder gewesen und haben aus lauter Liebe durch einen treibenden, dringenden Geist gearbeitet, gelehrt, gesucht, geweidet und gewacht und zwar nicht nur in der Synagoge eine Stunde zwei oder drei Mal in der Woche, sondern zu allen Zeiten und auf allen Plätzen, in Synagogen, Straßen, Häusern, auf Bergen und Feldern.

Und gleichwie sie die Erkenntnis des Reiches Gottes, Wahrheit, Liebe und Geist umsonst von Gott empfangen hatten, so waren auch sie wiederum bereit, solches ihren bedürftigen Brüdern nach all ihrem Vermögen auszuteilen und zu lehren; was aber die zeitliche Sorge und Notdurft anbetraf, so wurde die geborene Gemeinde genugsam durch die Liebe mit Gottes Geist und Wort in ihrem Herzen ermahnt und gedrungen, solchen treuen Dienern Christi und wachsamen Hütern ihrer Seelen in allen fleischlichen Dingen nach Nöten zu dienen, zu helfen und für sie zu sorgen in allem, das sie nicht vermochten. O Brüder, flieht den Geiz!

Diese Lehrer sind ferner nicht von sich selbst umhergegangen und haben ihre Dienste angeboten, wie diese tun, sondern sie sind von Gott gerufen und gedrungen worden, wie Aaron, Jeremia, Jesaja, Sacharja, Paulus und solche mehr (Jer 1,5; Jes 1,2; 2Chr 24,19–20); die andern sind von einer unsträflichen Gemeinde aus der Gemeinde Christi geboren, durch Losen und Erwählen, wie Matthias (Apg 1,26). Als sie dann gerufen waren, wurden sie in ihrem Geiste gedrungen, ihre armen Schwesternund Brüder nach all ihrem Vermögen mit Gottes heiligem Worte zu lehren, zu ermahnen, zu trösten, zu strafen und ihnen in allen notwendigen Sachen zu dienen und vorzustehen. Wenn sie dann so gerufen waren und in sich selbst einen dringenden Geist und eine erweckte Liebe fühlten, wie oben gesagt worden ist, so haben sie ihr Amt redlich und mit aller Sorgfalt und allem Fleiß bedient und Tag und Nacht über die ewige Seligkeit der ihnen anvertrauten Schafe gewacht, haben sich mit Fleiß in des Herrn Weinberg begeben, das Volk Gottes mit des Herrn Rute regiert, nicht gezweifelt, nicht geschmeichelt, sondern in einem guten Gewissen den Großen gestraft wie den Kleinen, den Reichen wie den Armen, den Gelehrten wie den Ungelehrten, das Wort in ihren Gemeinden heilsam und unverfälscht verkündigt und gelehrt zu allen Zeiten und auf allen Plätzen, nach dem Maße des Glaubens und Geistes, welches Gott einem jeglichen von ihnen durch seine väterliche Gnade zugeteilt und gegeben hatte. Meine Liebsten, entschuldigt euch doch nicht mit diesem, dass nicht alle welche sich, sogar zu Pauli Zeit, Lehrer der Gemeinde Christi gerühmt haben, aufrichtig, fromm und in der Liebe geschickt gewesen sind, wie aus Phil 1,15; 2,21; 3,2 offenbar hervorgeht. Ich sage euch fürwahr, sie haben sich gerühmt, sind es aber in Wahrheit vor Gott nicht gewesen, denn was für Früchte solche hervorgebracht haben und mit was für Augen Paulus dieselben angesehen hat, ist euch nicht verborgen. Auch wisst ihr wohl, dass es nicht Gottes Absicht, Wille und Gebrauch gewesen ist und auch in Ewigkeit nie sein wird, die arme verirrte Welt durch Trunkenbolde, Hurenjäger, Geizige, Götzendiener, Schriftverächter, Gefräßige, Hoffärtige, Diebe, Blutgierige, Eitle, Feinde des Kreuzes Christi, solche, denen der Bauch ihr Gott ist oder durch diejenigen, welche durch das Wort Gottes schon verdammt sind, oder durch fleischliche und irdisch gesinnte Menschen mit seinem heiligen Worte zu lehren oder zur Buße zu bekehren; sondern nur durch die wahrhaft wiedergebornen, christlichen, unsträflichen Männer, die, getrieben durch des Herrn Geist und gedrungen durch die Liebe, Gott aus dem Innersten ihrer Seele gesucht und gefürchtet haben, gleichwie Christus dreimal zu Petrus sagte: Petrus, hast du mich lieb? Ja, Herr, sprach Petrus, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Wohl, Petrus, sagte Christus, so weide meine Lämmer (Joh 21,15,17).

Ach, meine Teuersten, seht wohl zu, was für ein Geist euch treibt, was für eine Liebe euch dringt, was für eine Gemeinde euch ruft und was für Dinge ihr sucht – folgt doch den Guten und nicht den Bösen. Ich sage euch in Christo Jesu, meine Seele ist um euretwillen sehr zerschlagen und betrübt. Ich bitte euch, liebe Brüder, nehmt es doch zum Besten auf: Ich muss als Freund euch sagen, was ich in meinem Herzen denke. So viel ich aus meinem vergangenen Handel und aus euren offenbaren Früchten merken und verstehen kann, werdet ihr alle miteinander, keinen von euch Lehrern in euren Gemeinden ausgenommen, von eurem Fleisch und Bauch getrieben und seid darum allesamt Mietlinge und keine Hirten (Joh 10,12) oder zum Besten doch nur solche Hirten, welche die Wolle, die Milch und das Fleisch suchen und für des Herrn Schafe nicht sorgen (Hes 34,3); denn wo die fetteste Pfründe ist, da sind die besten Schafe. Ja, Brüder, bedenkt wohl, was euch dafür von des Herrn Propheten so manchmal gedroht wird. Ja, wie mancher wird unter euch gefunden, fürchte ich, der um ein Lehmhäuschen oder Kämmerchen, um drei, vier, sechs oder zehn Gulden sich nicht scheut, von einem Platz zum andern zu ziehen, gerade als ob sie nicht alle mit einem Schatz und gleich teuer erkauft und erlöst wären. Ach, Brüder, erkennt ihr, dass dies wahr ist, so urteilt selbst, was ihr sucht und wenn ihr es schon nicht mit dem Munde bekennen wollt, weil Stolz oder Halsstarrigkeit euch davon abhält, so kann es doch keinem Verständigen verheimlicht oder geleugnet werden. Es ist lange genug mit Gott gespottet worden, Brüder bekehrt euch.

Gleichwie die Lehrer selbst bauchdienerisch, geizig, begierig nach schändlichem Gewinn und auf irdische Dinge bedacht sind, wie Paulus sagt, ich schweige von ihrer Prahlerei, Trägheit, Eitelkeit, Trunkenheit, ihrem Neid, Hass, ihrer Bitterkeit etc., ebenso sind diejenigen, die von ihnen gelehrt und gebärt werden, gesinnt, wie man vor Augen sehen kann, so dass ein solch schändliches Leben sowohl unter den Lehrern als unter den Gemeinden gefunden wird, dass sich alle Himmel davor entsetzen und schämen müssen; denn ihre Habsucht, Unkeuschheit, Hoffart, Prahlerei, Gefräßigkeit, Trunkenheit, ihr Hass, Neid, ihre Hurerei, Ehebrecherei, ihr Blutdurst, Wucher, Lug und Betrug, ihre Eitelkeit und sonstigen Schändlichkeiten kennen weder Maß noch Ziel. Auch werden von ihnen offenbare Fechtschulen, Spiel-, Huren- und Saufhäuser unterhalten. Denn wie die Lehrer, so sind auch ihre Lehre, Sakramente und Gemeinden, wie man sagt: »Wie der Papst, so ist auch das Evangelium und alles.« Fürwahr, ich sage euch, ob ihr es denn glauben wollt oder nicht, Christus Jesus sendet keine solche geizigen, eigensüchtigen und fleischlichen Lehrer und kennt auch keine solche eigensinnige, fleischliche und sträfliche Gemeinde; sondern diejenigen, welche von Christo Jesu gesandt werden, haben Christi Geist, kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden, auf dass sie nicht den andern predigen und selbst verwerflich erfunden werden (1Kor 9,27); sie suchen nur den Preis Gottes und die Seligkeit ihrer lieben Brüder; sie schlagen allen Gewinn, Geschenke und Gaben aus, solange sie noch etwas eigenes haben, wovon sie leben können; sie ehren keine Personen um des Gewinns willen, leben unsträflich, lehren das Wort heilsam und gebrauchen die Sakramente nach dem Befehl des Herrn, schließen alle unbekehrbaren und abfälligen Schwestern und Brüder aus, verkündigen wiederum Gnade denjenigen, welche sich bekehren und tragen eine ewige und beständige Sorge für diejenigen, die ihrem Fleiße von des Herrn Gemeinde anvertraut und anbefohlen sind.

Weil ihr denn keine solchen seid, wie die Schrift verlangt, sondern bis jetzt noch gänzlich im Widerspruch mit der rechten Lehre steht, euer Leben zudem sträflich ist, wie vor Augen liegt, so ermahne ich euch mit allem Ernst und brüderlicher Liebe, dass ihr doch erst selbst rechte Christen sein wollt, ehe ihr Christum andern einprägt und lehrt. Mögen wir uns selbst recht prüfen, auf dass wir unsere Gebrechen kennen lernen und, indem wir dieselben kennen, ihnen absterben mögen; denn vor Gott gelten weder schöne Worte noch der äußere Schein. Meine Brüder, ich muss euch die rechte Wahrheit sagen, die euch vielleicht sehr gallig und bitter ist, nämlich, dass bei euch Lehrern weder Geist noch Kraft, noch rechtes Vertrauen auf Christum, noch Furcht Gottes, noch Liebe der Brüder gefunden wird, sondern ein nur aus leeren Worten bestehendes Rufen und das nur um einen ausbedungenen Lohn, sowie nicht der geringste Beweis christlicher Früchte. Darum ist auch all euer Rufen nichts anderes, als auf den Strand zu säen und Wind zu mähen; denn das reine Wort Gottes und die Lehre des heiligen Geistes will und kann nicht von Dienern, die unrein und fleischlich sind, recht gelehrt werden; dies müssen ohne Zweifel alle Verständigen zugeben.

Da ihr denn sowohl in Lehre als Leben sträflich seid; eure Lehre, die um zeitlichen Lohn gedungen wird, im Geist ohne Frucht ist und bleibt; keine unsträfliche Gemeinde durch euch gebärt wird und die Zeichen des Wortes durch euch missbraucht werden, so geht offenbar hervor, dass ihr die rechten Gesandten Gottes nicht seid, sondern dass ihr von euch selbst lauft und nicht vom Geist, sondern von eurem Fleisch getrieben werdet (Phil 3,19; Röm 16,18); dass ihr nicht die gründliche Seligkeit der Gemeinden, sondern vielmehr den zeitlichen Nutzen und die Einkünfte sucht und das mit solcher Begierde, dass ihr euch nicht schämt, die Renten und Benefizien, die vor alten Zeiten durch erdichtete Worte und betrüglichen Handel, wie Petrus sagt (2Pt 2,3), ja, durch eitel Diebstahl und Räuberei den rechtmäßigen Erben entwendet worden sind, als Besoldung oder Lohn für euer Predigtamt zu empfangen.

So verkauft ihr erstens das teure und freie Wort Gottes, das uns umsonst, aus Gnade, von Gott gegeben worden ist und zweitens wird es euch mit Gestohlenem und Geraubtem bezahlt. Hier liegt mehr verborgen, als ich aufdecken will. Wer vom Diebstahl und vom Raub lebt, ist unzweifelhaft ein Dieb und ein Räuber. Seht doch die Sache christlich und gründlich an; seht, greift und fühlt doch euren merkbaren Irrtum, eure Untauglichkeit und euren offenbaren Geiz. Ich spreche hier von allen euren Predigern, da sie allesamt solchen Gewinn genießen.

So überaus abscheulich ist euer Lehren und sind eure Benefizien, Pensionen und Einkünfte in meinen Augen, dass ich, Brüder, ich lüge nicht, viel lieber geköpft, verbrannt, ersäuft oder mit vier Pferden in vier Stücke zerrissen werden wollte, ehe ich solche Benefizien, Pensionen oder Einkünfte für mein Lehren besitzen oder genießen würde. Ja, als die eigenen Einkünfte der Prediger aufgekommen sind, da hat sich ohne Zweifel eine sehr gefährliche und verderbliche Pestilenz in die Kirche Christi geschlichen, welche sie so verkehrt und verschlungen hat, dass leider kaum einer oder nur sehr wenige übrig geblieben sind, die den Odem Christi in sich bewahrt haben. Dies müsst ihr gewiss alle miteinander zugeben. Wie ist es sonst gekommen, denn dadurch, dass die Prediger mehr dem zeitlichen Gewinn ihres eigenen Bauches als dem ewigen Gewinn der Seelen Christi nachgejagt haben. Wenn ihr aber freiwillig den ungeziemenden Gewinn eurer Vorgänger empfangt und genießt, ja, was noch mehr ist, denselben mit allem Fleiß sucht und begehrt, sagt, wie wollt ihr euch doch hierin verteidigen und sagen, dass ihr nicht nach schändlichem Gewinn begierig seid und dass ihr die Person nicht um des schändlichen Gewinns willen ehrt? Ach Brüder, ich wollte, dass ihr recht aufwachen und eure Sache wohl bedenken würdet und dass ihr alle gleich mit uns in dieser Sache gesinnt wärt, denn es würde sowohl Gottes Preis und Wahrheit, als auch euren armen Seelen sehr nützlich und gut sein, wenn wir das edle Gotteswort, das Wort der ewigen Seligkeit und himmlischen Gnade, das weder durch Werke verdient, noch mit Geld bezahlt werden kann, gleichwie wir es aus lauter Gnade umsonst von Gott empfangen haben, auch wiederum nach dem Maße, in welchem wir es von Gott empfangen haben, umsonst austeilen und nur aus brüderlicher Liebe den hungrigen Gewissen lehren und mitteilen würden. Gott würde uns ohne Zweifel nicht verlassen, sondern uns in allem Notwendigen väterlich versorgen und beistehen. Allein dies will bei euch noch nicht der Fall sein, da es euch noch so sehr am Glauben und an der Liebe fehlt.

Weil ihr denn noch alle miteinander bis an die Ohren im ungeziemenden Gewinn steckt, noch gänzlich irdisch und fleischlich gesinnt und durch die Kraft der neuen Geburt Fleisch und Blut noch nicht abgestorben seid, Christum Jesum nicht in allen seinen Worten empfangt und daher in der Lehre nicht heilsam, im Gebrauch der Zeichen nicht mit Gottes Wort in Übereinstimmung und in der Lehre sträflich seid, wie vor Augen liegt und keine Kraft, keine Frucht des Geistes, keine wahre Gottesfurcht und keine brüderliche Liebe bei euch gefunden und gesehen wird, ihr vielmehr das Lehren und Leben der frommen Heiligen und Kinder Gottes, die um des Zeugnisses ihres in Gottes Wort befestigten Gewissens willen aus dem Lande und von den Leuten geflohen und um desselben Zeugnisses Willen zu Wasser, Feuer und Schwert bereit sind, je nachdem es Gott gefällt, verketzert, scheltet, lästert und beschimpft, überdies eure Lehre ganz kraftlos und ohne Frucht und die Gemeinde, welche ihr gebärt, in allem irdisch, fleischlich und in den dargelegten Früchten ganz im Widerspruch mit dem heiligen Worte des Herrn ist, darum sagen wir noch einmal, dass ihr nicht die rechten Gesandten Jesu Christi seid. Erzürnt euch nicht, meine Liebsten.

Dies ist, wie schon gesagt, die einzige Ursache, warum wir euer Predigen nicht hören, noch demselben beiwohnen wollen und euer Abendmahl nicht gebrauchen. Denn wir begehren nie und nimmer in eure Kirche zu treten und ein Leib mit euch zu werden, bis zu der Zeit, dass bei euch gefunden werden wahre Buße und Reue, eine freie christliche Lehre, welche nicht gedungen noch gekauft, sondern nur vom heiligen Geiste durch wahre brüderliche Liebe getrieben wird, ein rechter Gebrauch der sakramentlichen Zeichen, nach dem Befehl, der Lehre und dem Gebrauch Christi und seiner Apostel und ein unsträfliches, in der reinen Furcht und Liebe des Herrn geführtes Leben. Tun wir es eher oder anders, so wissen wir fürwahr, dass wir gegen Gott und sein gebenedeites Wort sündigen, wovor uns der gütige und barmherzige Gott behüten möge. Denn es geziemt sich gewiss nicht vor Gott, dass wir uns unter eine Lehre, Ermahnung und Gemeinde begeben, deren Glieder erstens in der Lehre irren und zweitens mit ihrem Leben nicht im Mindesten beweisen, dass sie die rechten wiedergeborenen Kinder oder die echte und wahre Gemeinde Jesu Christi sind; aber es geziemt sich für euch, meine Liebsten, weil ihr die unsträfliche Lehre und das Leben Jesu Christi nicht habt, von eurer Lehre und eurem Leben auszugehen, allen fleischlichen Lüsten und dem Eigenwillen gute Nacht zu sagen, das Reich Gottes mit reinem Herzen zu suchen und mit uns nach all eurem Vermögen in den vollen Gehorsam unseres lieben Herrn Jesu Christi einzutreten, wenn ihr anders nicht mutwillig irren wollt; auf dass wir also zusammen, ihr mit uns und wir mit euch, eine heilige, christliche Kirche, eine unsträfliche Gemeinde, gottesfürchtig, heilig, rein, Gott gehorsam, allen Menschen zum Dienste, kräftig in der Wahrheit, scheinend in der Gerechtigkeit, dem Fleische tot, dem Geiste lebendig, ja, überall und in allem christlich, himmlisch und unsträflich in Christo Jesu werden mögen.

Empfangt doch mein ermahnendes Bekenntnis mit gutem Herzen und fasst solche meiner Worte als rein, unsträflich und dergleichen nicht in einem allzu beschränktem Verstande auf, denn sie sind von Christo Jesu selbst und von seinen heiligen Aposteln zu des Herrn Gemeinde ermahnt und gesprochen worden (Joh 13,10; Phil 2,15). Denkt nicht, meine Liebsten, dass ich uns für so rein und unsträflich halte, als ob wir ohne Sünde wären – keineswegs, werte Brüder, denn ich weiß sehr wohl, dass der heilige Johannes lehrt:

»So wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.« (1Joh 1,8)

Und Jakobus:

»Denn wir fehlen alle mannigfaltig.« (Jak 3,2)

Ja, liebe Brüder, ich finde mit Paulus die Lust zur Sünde stündlich noch so stark in meinem Fleische, dass ich oft ruchlos denke, unbedacht spreche und unbesonnen tue, das, was ich nicht will (Röm 7,19).

Allein die hässlichen, groben, schändlichen Sünden und Ärgernisse, wie Hurerei, Ehebruch, Hass, Neid, Vollsaufen, Prunken, Prahlen, Fluchen, Schwören, Würfeln, Spielen, ungebührlichen Gewinn, Missbrauch der Verordnungen Christi, Betrügen usw. hasse ich fürwahr aus ganzem Grund meiner Seele und dieselben werden und können auch durch des Herrn Gnade nie und nimmer von wahren, gottesfürchtigen Christen gebraucht und getrieben werden, weil sie dieselben hassen und ihnen von Herzen widerstreben; denn der Geist, der in ihnen ist, ist ein tödlicher Feind aller Gottlosigkeit, Bosheit und Sünde. Doch mit allem diesem finden wir oft, dass wir von Adam geboren sind. Außerdem sucht, jagt und hungert ihr Geist und Gemüt nach aller Wahrheit, Gerechtigkeit, dem Willen und den Geboten Gottes, obwohl in großer Schwachheit, da sie durch die schwere Last des sündigen Fleisches im Werke, in der Frucht und im Vollbringen sehr gehindert werden. Dennoch, weil der gute Geist Gottes in ihnen ruht und wohnt, so lassen sie nicht davon ab, tapfer gegen ihr hinderndes Fleisch zu streiten, denn das Leben der rechten Christen ist nichts als ein ewiger Streit auf der Erde. Wer dann ritterlich streitet und überwindet, wird mit weißen Kleidern gekleidet und mit dem himmlischen Brote und der Frucht des Lebens gespeist werden (Offb 2,17). Seht hier, meine Teuersten, weil denn ihr und eure Gemeinde nicht einmal zu diesem siegreichen Streite gekommen seid (ich urteile, wie ich höre und selber aus den Früchten erkenne), sondern der Welt, dem Fleisch und dem Teufel ohne jegliches Bedenken dient und zu Willen seid, so halten wir dafür nach dem Zeugnisse der ganzen Schrift, dass ihr gänzlich ohne Nutzen und mit großem Unrechte euch des Namens, der Gnade, Erlösung, Verdienste, des Todes, Blutes und der Verheißungen Christi rühmt, da ihr sein Wort und durch das Wort seinen Glauben, Geist, seine Furcht und Liebe nicht habt und folglich demselben nicht folgt.

Darum bitte ich euch durch die Barmherzigkeit des Herrn, seht doch einmal gründlich und recht ein, was für Lehrer ihr seid, was für ein Geist euch treibt, was für eine Liebe euch bekümmert, mit welchem Vornehmen und Grund ihr lehrt, was für Früchte ihr schafft, was für Ordnung ihr gebraucht und was für eine Gemeinde ihr lehrt und beaufsichtigt. Urteilt aber über alle Dinge mit einem göttlichen Urteil, ohne eigene Ehre, Fleisch und Parteisucht. Ich zweifle nicht, dass wenn ihr einmal recht unterscheidet, es euch nicht wundern wird, dass wir eure Lehre nicht hören, eure Sakramente nicht gebrauchen und uns bis zum Tode weigern, Glieder eurer Gemeinde und Genossen eurer Kirche zu sein; denn es ist und bleibt unwidersprechlich ewig und unveränderlich, dass, gleichwie Christus Jesus eins mit dem Vater und vom Vater gesandt ist, ebenso auch alle Lehrer, die von Christo Jesu gesandt sein wollen, eins mit Christo Jesu sein müssen. Diese Gesandten, welche eins mit Christo sind, nämlich im Geist, in der Liebe und im Leben, lehren das was ihnen von Christo befohlen ist, nämlich Buße und Reue und das friedensreiche Evangelium der Gnade, welches er selber vom Vater empfangen und in der Welt gelehrt hat. Alle, welche dies hören, glauben, bewahren und in rechter Furcht vollbringen, die sind die Gemeinde Christi, die rechtgläubige christliche Kirche, der Leib und die Braut Christi, des Herrn Arche, Berg und Lustgarten, das Haus, Volk, die Stadt und der Tempel Gottes, die geistliche Eva, Fleisch von Christi Fleisch und Gebein von Christi Gebein, Kinder Gottes, das auserwählte Geschlecht, der geistliche Same Abrahams, Kinder der Verheißung, Sprossen und Zweige der Gerechtigkeit, Schafe der himmlischen Weide, Könige und Priester, ein heiliges, gewonnenes Volk, das Gottes Eigentum ist, dazu erwählt, dass sie verkündigen sollen die Tugenden dessen, der sie berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht (Kol 1,18; 1Kor 12,27; Hebr 12,22; Mt 5,14; 2Kor 6,16; Eph 5,30; Röm 9,8; Jes 61,3; Ps 95,7; 79,13; Offb 1,6; 1Pt 2,9). Alle diejenigen aber, welche Christi Geist, Liebe und Leben nicht haben, noch von ganzem Herzen suchen und begehren, haben keinen Teil an dem herrlichen dargestellten Jerusalem Gottes, d. i. in Christi Gemeinde, seien sie denn Lehrer oder Jünger, Fürsten oder Untertanen, Männer oder Weiber; zudem haben sie weder Gebet noch Gott, weder Christentum noch Verheißung, weder Vergebung der Sünden noch irgendeinen gewissen Trost aus der Schrift auf das ewige Leben, solange sie sich nicht von ganzem Herzen bekehren, Gottes Wort empfangen und in rechter Furcht vollbringen, wie Christus selbst sagt:

»Wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet.« (Joh 3,18)

Meine werten Brüder, sucht nun hiergegen, wo und was ihr wollt: Dieser Grund wird ewig stehen und nie verändert werden; auch werden diese Worte Pauli nimmermehr gebrochen werden:

»Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.« (Röm 8,9)

Und wo der Geist ist, da blicken auch die Früchte des Geistes hervor; denn es kann gar nicht fehlen, dass der Geist, der im Menschen ist, sowohl der böse als der gute, sich leicht durch seine Früchte offenbar machen wird; dies ist unzweifelhaft und wahrhaftig (Mt 7,17).

Nun zum Letzten, meine Liebsten, wollt ihr eine wahre Christengemeinde sein, die sich in Wahrheit des Herrn Gnade, Wort, Geist und Blutes zu rühmen begehrt, so sondert zuerst aus alle eure Prediger, die von dem unreinen Geiste und Fleische getrieben werden und darum nicht in der Gemeinde Christi sind, nämlich, die nach schändlichem Gewinn begierig sind, wie oben gesagt worden ist; ferner alle eure Trunkenbolde, Haderer, Schmeichler, Prahler, Neidische, Geizige, denn alle diese bezeugen mit ihren offenbaren Früchten, dass sie Christi Geist nicht haben. Haben sie aber Christi Geist nicht, wie sollen dann diese armen, elenden Menschen den Geist, die Kraft und Meinung Gottes, das Wort der Gnade und des ewigen Lebens, welches sie selbst weder haben noch kennen, andern lehren und einprägen können? Ja, Brüder, es ist unmöglich, dass ich lehren kann, was ich nicht weiß und wie soll ich im Hause des Herrn dienen können, solange ich selber draußen bin. Urteilt selbst.

Zweitens reinigt auch eure Gemeinde. Schließt mit Gottes Wort aus alle Hurenjäger und Huren, Trunkenbolde, Lästerer, Flucher, Schwörer, die schändlich und unordentlich wandeln, die Geizigen, Hoffärtigen, Götzendiener, Gott Ungehorsamen, Ehebrecher und dergleichen; auf dass ihr werden mögt eine heilige, christliche Kirche, die nicht habe einen Flecken oder Runzel und die da sei wie eine Stadt, gebaut auf einen hohen Berg (Mt 18; 1Kor 5,5; Röm 1,29–31; 2Th 3,14; 1Kor 6,9–10; Gal 5,19–21; Eph 5,5,27).

Wenn aber solches in der Wahrheit bei euch gefunden und gesehen wird und zudem eine christliche, freie Lehre, ein ordentlicher Gebrauch der Sakramente Christi, nicht nach dem Gutdünken der Menschen oder Gelehrten, sondern nach der rechten Lehre Christi und seiner Apostel, sowie Furcht und Liebe Gottes und ein unsträflicher Wandel, wie Gottes Wort anweist, so werdet ihr uns stets zu euren Brüdern haben, denn solche suchen wir. Bleibt es aber mit euch nach wie zuvor, so sage ich unverhohlen: Besser gestorben, als in eure Lehre, Sakramente, Leben und Kirche eingetreten, wie oben gesagt worden ist.

Meine Brüder, hier hilft es nichts, die Pharisäer auf Moses Stuhl anzuführen (Mt 23,3); noch zu sagen, dass Herodes die Weisen aus dem Osten (an den rechten Platz) geschickt habe; auch nicht, was einige sagen: Wenn schon der Teufel Gottes Wort predigte, warum man es denn nicht hören sollte? Christus Jesus hat die Pharisäer, die Diener des Buchstabens, nicht gesandt, um das Wort des Geistes und Lebens zu predigen. Herodes hat den Weisen nicht mit gutem Herzen Auskunft gegeben und der Teufel hat Gott auch nicht aus ganzem Herzen und Meinen seinen Preis gegeben. Auch will er das Lob des Teufels nicht, gleichwie Christus sagte:

»Verstumme, und fahre aus von ihm.« (Lk 4,35)

Es ist darum unnütz, solche Ausreden zu gebrauchen, weil uns Gott durch seine barmherzige Gnade die Augen des Verstandes zum Teil geöffnet hat, so dass wir im Grund erkennen, dass der geistliche Dienst des neuen Testaments durch niemand anderes, als durch Diener des Geistes, durch die Kraft des heiligen Geistes und in der Liebe verrichtet werden kann; denn es ist und bleibt ein Dienst des Geistes und nicht des Buchstabens (2Kor 3,6). Hiervon genug.

Kurz, geht von euch selbst aus, steht eurem Gott bereit; sucht nur Gottes Ehre und Preis und die ewige Seligkeit eurer Brüder; hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit Gottes (Mt 5,6); glaubt und empfangt Christum Jesum recht in seinem gebenedeiten Worte und ihr werdet ohne allen Zweifel den rechten Weg, die klare Wahrheit und das ewige Leben zu Gottes Ehre und euer aller Seligkeit wohl begreifen und erkennen. Das gönne uns Gott der gute und barmherzige Vater, Amen.

Da ich nun, meine werten Brüder, den schändlichen Gewinn der Prediger in diesem meinem ermahnenden Bekenntnis durch Gottes Wort mit Fleiß gerügt habe, zweifle ich nicht, da es etliche geben wird, die mir in dieser Sache nicht brüderlich, sondern bitterlich widersprechen und sagen werden: Lieber Menno, du sollst uns nicht binden in dem, was Christus Jesus uns selbst freigestellt hat, da du doch selbst aus Paulo angeführt hast, dass diejenigen, welche das Evangelium bedienen, auch vom Evangelium leben mögen. Sage, warum suchst du nun zu binden, was frei ist? Denjenigen, welche mir auf diese Weise begegnen, antworte ich erstens, indem ich sie frage, ob die Lehrer, welchen diese Freiheit durch das Evangelium von Christo zugesagt ist, von Christo Jesu ausgesandt werden? Gewiss müssen sie sagen: Ja. Dann sage ich weiter: Da diejenigen, welchen diese Freiheit durch Christum gegeben ist, von Christo Jesu gesandt werden, so haben die, welche von sich selbst laufen und nicht von Christo Jesu gesandt werden, diese Freiheit durch Christum Jesum gewiss nicht.

Zweitens frage ich, ob diese Lehrer, welchen diese Freiheit durch die Schrift gegeben ist, nicht Männer des Geistes, der Liebe und der beständigen Wahrheit gewesen sind und sein müssen? Sie müssen ohne Zweifel antworten: Ja. Dann sage ich wiederum: Da es denn Männer des Geistes, der Liebe und Wahrheit sind, welchen dieses Vorrecht oder diese Freiheit durch das Evangelium gegönnt wird, so können diejenigen, welche nicht durch den Geist, der Liebe und Wahrheit dienen und lehren, diese gestattete Freiheit gewiss nicht gebrauchen oder sich zueignen, da sie nicht die Lehrer sind, welchen solches durch Gottes Wort zugesagt und gegeben ist.

Drittens frage ich, ob die Lehrer, welche von Christo Jesu gesandt sind und diese Freiheit nach der Schrift Zulassung gebrauchen mögen, nachdem sie berufen worden sind oder ihr Amt empfangen haben, ein schändliches Leben geführt haben und, wenn sie ein solches führten und vor Gott und seiner Gemeinde verdorben waren, ob sie dann auch noch länger Lehrer in der unsträflichen Kirche des Herrn geblieben sind? Sie müssen ohne Zweifel sagen: Nein. Dann sage ich wiederum: Wenn es denn nein ist, was es in Wahrheit ist, so können diejenigen, deren Leben und Wandel in der Kirche Christi ebenso rein und nützlich ist, wie ein faules, stinkendes Aas am Wege oder mitten auf der Straße, wie Trunkenbolde, Ehebrecher, Hurenjäger, Geizige, Lästerer, Flucher, Schwörer, Hoffärtige, Prahler, Neidische, der christlichen Wahrheit Ungünstige und Feindliche, Träge, Schläfrige, Haderer, Fechter, gewiss keine Lehrer in der Gemeinde des Herrn sein; denn wenn das Salz verdorben ist, sagt Christus Jesus, ist es hinfort zu nichts nütze, denn dass man es wegwerfe und mit Füßen trete (Mt 5,13). Und wenn die Gemeinde unsträflich sein muss, ohne Runzel und Flecken, wie viel mehr denn die Lehrer, gleichwie Christus Jesus selber lehrt mit den Worten: Ihr seid das Licht der Welt; ihr seid das Salz der Erde. Da denn diese vorgenannten fleischlichen Lehrer von Christi eigener Verordnung und seinem Wort des christlichen Lehramtes gänzlich entsetzt sind, weil sie in der Lehre ganz und gar unnütz und wegen ihres offenbaren Unglaubens und ihrer Unordentlichkeit auch nicht in Christi Gemeinde sind, so können die Genannten diese Freiheit gewiss nicht gebrauchen; denn Christus Jesus hat keine unordentlichen, trägen, leckern, betrunkenen, schändlichen, lügenhaften, prunksüchtigen, gefräßigen, geizigen und fleischlichen Buben, sondern aufrichtige, fromme, geistliche, liebreiche, wahrhaftige, unsträfliche und von Gott gesandte Lehrer verheißen und gegeben (Röm 10,15; Jes 52,7; 62,6).

Viertens frage ich, ob die Männer Gottes, die von ihm gesandten Propheten, Apostel und Lehrer für einen gewissen zeitlichen Lohn gedungen oder gekauft worden sind, das freie Wort der Gnade zu verkündigen und zu lehren? Ich weiß wohl, dass die Antwort nein sein muss, denn sie haben nicht anders gelehrt, denn gedrungen durch den Geist und die Liebe. Wiederum sage ich: Weil denn diese eure Lehrer für einen gewissen Lohn oder versprochene Einkünfte zum Predigen gedungen oder gekauft werden und nicht anders predigen, als ausbedungen ist, so müssen sie gewiss selbst bekennen, dass sie Mietlinge und keine gesandten Lehrer sind; denn sie lehren nicht gedrungen durch den Geist und die Liebe, sondern nur, wie Bileam, angelockt und gezogen durch den verheißenen Lohn, die Benefizien und Einkünfte. Wer dies leugnet, gibt noch weniger zu, dass die Sonne am Tage scheint.

Fünftens frage ich, ob die von Gott gesandten Lehrer und Männer des Geistes, der Liebe und Wahrheit, welche sowohl in der Lehre als im Leben hervorgeleuchtet hat, von einem bestimmten Lohn, von Benefizien oder Renten, oder ob sie von dem liebreichen Dienst und der Unterstützung der getreuen Brüder in demjenigen, welches sie selbst nicht vermochten, gelebt haben (1Kor 9,12; Röm 15,27)? Sie müssen gewiss bekennen: Von den Brüdern und nicht von bestimmten Benefizien, Pensionen oder Einkünften. Wiederum sage ich: Solches lehre und begehre ich von ganzem Herzen. Dies ist also mein kurzer Beschluss und meine christliche Ermahnung an alle Prediger und Lehrer, nämlich: Meine Brüder, erniedrigt euch und werdet zuerst unsträfliche Jünger, auf dass ihr nachher berufene Lehrer werden mögt. Prüft euren Geist, eure Liebe und euer Leben recht, ehe ihr anfangt, zu weiden und zu lehren. Lauft nicht von euch selbst, sondern wartet, bis ihr von des Herrn, ich sage von des Herrn, Gemeinde gerufen und vom Geist Gottes und einer treibenden Liebe gedrungen werdet (2Mo 18,21; Apg 1,21; 6,3; Joh 21,17; 1Pt 5,2).

Wenn solches geschieht, Brüder, so weidet mit Eifer, predigt und lehrt mit Tapferkeit, werft von euch allen ungebührlichen Gewinn, Raub und Diebstahl, mietet Äcker, melkt Kühe, betreibt ein geziemendes Handwerk; wenn es möglich ist, arbeitet mit euren Händen, wie Paulus getan hat (1Kor 9,12; 2Th 3,8) und alles, was euch noch am Notwendigen gebricht, wird euch ohne Zweifel von den wahren und frommen Brüdern durch Gottes Gnade mitgeteilt werden – versteht, nicht im Überfluss, sondern nur was notwendig ist.

Dies ist die Freiheit, welche das heilige Evangelium den unsträflichen Predigern, die von Christo Jesu gesandt werden, gönnt und weiter keine. Solche Prediger aber, die von sich selbst laufen, irdisch und fleischlich gesinnt und sträflich in Lehre und Leben sind, welchen der Bauch ihr Gott ist und die ihres trägen, gefräßigen, gemächlichen und arbeitsscheuen Fleisches wegen wie gedungene Knechte um einen bestimmten Lohn nach der Welt Behagen lehren und dienen, kennt die Schrift nicht. Darum sage ich ein für alle Mal von ihnen: Wenn es nicht besser mit ihnen sein kann noch will, sondern sie allezeit denken und in ihrem Herzen sagen wollen: Es irre, wer und wie viel er wolle; das macht uns nichts aus; wenn nur für unseren Bauch gesorgt wird, so lasse ich sie in den Händen desjenigen, der sie und uns alle mit seinem allerheiligsten Worte nach seinem göttlichen Wohlgefallen richten wird.

Männer, Brüder, ihr, die mit einem gesunden Urteile begabt seid, weigert euch nicht, eurem Fleische den Abschied zu geben und in allem dem höchsten Gott zu leben.