28.2  Eine wehmütige und christliche Entschuldigung

Zum Ersten beschuldigen sie uns und geben vor, dass wir Münsterische seien und warnen alle Menschen, sich vor uns zu hüten und ein Beispiel an denen von Münster zu nehmen.

Antwort: Diejenigen sehr zu strafen und zu richten, die bereits von Gott und den Menschen gestraft und gerichtet sind, tun wir nicht gerne; da wir aber von unserer Widerpartei ohne alle Wahrheit so hart damit angefochten und beschuldigt werden, so wollen wir zu unser aller Rechtfertigung dennoch so viel dazu sagen, dass wir die münsterische Lehre, ihren Handel und Wandel, nämlich in Bezug auf König, Schwert, Aufruhr, Wiedervergeltung, Rache, Vielweiberei und das äußerliche Reich Christi auf Erden für ein neues Judentum, eine verführerische Irrlehre und ein Gräuel halten, der von Christi Geist, Wort und Vorbild weit verschieden ist. Seht, in Christo Jesu, wir lügen nicht.

Zudem kann ich meinen Fuß unverzagt und furchtlos darbieten, wissend, dass mich niemand unter dem ganzen Himmel mit der Wahrheit überzeugen wird, dass ich denen von Münster je in meinem Leben in den vorgenannten Artikeln beigestimmt habe. Denn ich habe dieselben von Anfang an bis jetzt mit allem Fleiß und Ernste bekämpft, beides, heimlich und öffentlich, mit Mund und Schrift und solches schon mehr als siebzehn Jahre, solange ich des Herrn Wort erkannt und seinen heiligen Namen nach meinen schwachen Kräften gewusst und gesucht habe.

Auch habe ich nach meiner kleinen Gabe einen jeglichen auf alle Weise und zu jeder Zeit vor ihren Irrtümern und Gräueln treulich gewarnt, gleichwie ich wünsche, dass meiner Seele geschehen möchte. Ferner habe ich in dieser Zeit, durch des Herrn Gnade, Hilfe und Kraft, mehrere von ihnen mit des Herrn Wort wieder auf den rechten Weg gewiesen und gebracht.

Münster habe ich meinen Lebtag nicht gesehen und bin niemals in der münsterischen Gemeinschaft gewesen. Ich hoffe auch durch des Herrn Gnade, mit solchen (im Falle es noch etliche geben sollte) weder zu essen noch zu trinken, wie die Schrift mich lehrt, es sei denn, dass sie ihren Gräuel von Herzen bekennen, rechtschaffene und wahre Früchte der Buße tun und der Wahrheit und dem Evangelium in rechter Weise nachkommen (1Kor 5,11; Röm 16,17).

Seht, meine guten Leser, dies ist meine Meinung und mein Bekenntnis bezüglich der Münsterischen, wie auch das Bekenntnis aller derjenigen, welche unter uns als Brüder und Schwestern anerkannt und die wegen der falschen Lehre, der unreinen Kindertaufe und des Abendmahls der Prediger mit solch einem Übermaß von Elend, Druck und Bangigkeit heimgesucht werden und ihren eigenen Grund hinsichtlich der Taufe, des Abendmahls und der reinen Lehre mit einem demütigen Bekenntnis und einem frommen unsträflichen Leben bis in den Tod bezeugen und verteidigen. Alle diejenigen aber, welche, wie die von Münster, das Kreuz Christi von sich stoßen, des Herrn Wort den Rücken und die Fersen bieten, sich der weltlichen Liebe, obwohl unter einem guten Scheine, wiederum zuwenden, dem falschen Gottesdienst wieder Raum geben und Gemeinschaft damit haben, in aller Prahlerei und Hoffart wandeln, sich vollsaufen und wiederum den breiten Weg betreten und gehen, kennen wir, und wären sie schon getauft, nicht als unsere Mitgenossen und Brüder, noch sind sie solche, weil sie nicht in des Herrn Wort bleiben (Ps 1,6).

Seht, meine guten Leser, dies ist die Wahrheit und wird auch in Ewigkeit so befunden werden. Die Gelehrten mögen schelten und die Sache anders hinstellen, so viel sie nur Lust haben; sie sollen aber dennoch wissen, dass, obwohl sie jetzt in Ehren sind und ihr Wort auf Erden gilt, wie der Psalmist sagt, wir zuletzt vor einem Richter erscheinen werden, welcher nicht nach falschen Anklagen, nicht nach dem Augenschein, nicht nach Gunst, Partei oder Ansehen der Person, sondern nach Wahrheit richten wird.

Wollen sie aber die Einwendung machen, dass wir deshalb mit den Münsterischen eine Gemeinde und Leib gerechnet werden müssen, weil wir mit derselben Taufe äußerlich getauft worden sind, so antworten wir: Wenn die äußerliche Taufe so viel vermag, dass sie alle zu einer Gemeinde und Leib macht und den einen unter des andern Ungerechtigkeit, Bosheit und Verderbnis beschließen kann, bloß weil beide äußerlich mit einerlei Taufe getauft worden sind, so mögen unsere Gegner wohl in Acht nehmen, was für eine Gemeinde und Leib sie haben, da es klar und für jedermann ersichtlich ist, dass auch Eidbrüchige, Totschläger, Straßenräuber, Mörder, Diebe, Zauberer und solcher mehr gleiche Taufe mit ihnen empfangen haben. Sind wir denn Münsterische nur um der Taufe willen, so müssen sie gewiss Eidbrecher, Totschläger, Straßenräuber, Mörder, Diebe und Schelme sein, da sie ja einerlei Taufe mit diesen empfangen haben. Dies kann nicht geleugnet werden, sondern ist unwiderleglich.

Ach nein! Die Schrift sagt nicht, dass wir durch irgendein äußerliches Zeichen, wie z. B. Wasser, sondern durch einen Geist in einen Leib getauft worden sind (1Kor 12,13). Der Prophet sagt: »Der Sohn soll nicht tragen die Missetat des Vaters,« sondern

»welche Seele sündigt, die soll sterben.« (Hes 18,20)

Paulus sagt: Ein jeglicher wird seine eigene Last und Missetat tragen. Und sollten sie hierauf sagen und einwenden, dass die Missetäter von der Obrigkeit nach der Bestimmung und Ordnung des Gesetzes mit dem Schwerte gestraft werden, so antworten wir, dass auch wir nach der Verordnung und Einsetzung Gottes mit dem Schwerte des Geistes richten und töten, indem wir nämlich alle, welche sich von der Wahrheit abkehren, es sei durch unreine, falsche Lehre oder durch ein mutwilliges, fleischliches Leben, von uns absondern, wie gesagt worden ist.

Kurz, wir bekennen und bezeugen hiermit vor Gott, vor euch und vor der ganzen Welt, dass wir die erwähnten münsterischen Irrtümer und die Gräuel und bösen Sekten der ganzen Welt, welche des Herrn Geist, Wort, Verordnung und Befehl widerstreiten, aus dem Innersten unserer Seele hassen und vor Gott in Christo Jesu nichts anderes suchen oder wünschen, als dass wir die ganze Welt, welche im Argen liegt, auf den rechten Weg weisen und bringen; durch des Herrn Wort, Hilfe und Kraft viele Seelen aus dem Reiche des Teufels erlösen, gewinnen und zu Christo bringen; ein frommes, demütiges und gottseliges Leben in Christo Jesu führen und seinen großen und bedeutungswürdigen hohen Namen ewiglich loben und ihm danken mögen. Denn wir glauben und bekennen fest und wahrhaftig, dass alle falsche Lehre, Abgötterei, Gottlosigkeit und Sünde aus dem Teufel sind und dass der Lohn derselben der ewige Tod ist. Darum arbeiten wir mit allem Fleiß und Ernst und möchten, dies weiß der allmächtige Herr, so gerne fromm sein und Gott fürchten, obwohl wir armen und elenden Menschen deswegen so jämmerlich beängstigt, so kläglich beschimpft, verleumdet, gescholten und an so vielen Orten so traurig gemordet werden.

Zum Zweiten geben sie vor, dass wir der Obrigkeit nicht gehorsam seien.

Antwort: Dass diese gegen uns erhobene Beschuldigung falsch ist, bezeugen unsere Schriften, die wir vor vielen Jahren durch den Druck veröffentlicht haben, zum Überfluss. Wir bekennen öffentlich und aus vollem Munde und haben auch immer so getan, seit wir nach der geringen Gabe, die wir empfangen haben, des Herrn Wort bedient haben, dass das Amt der Obrigkeit von Gott verordnet ist und haben wir derselben auch stets Gehorsam geleistet, wenn es nicht gegen Gott und sein Wort gewesen ist. Dieses wünschen wir auch die ganze Zeit unseres Lebens zu tun, denn wir sind nicht so grob und ungehobelt, dass wir nicht einmal wissen, was uns des Herrn Wort in dieser Hinsicht lehrt und auferlegt (Röm 13; Tit 3,1; 1Pt 2,13). Wir geben Zoll und Zins wie uns Christus gelehrt und auch selber getan hat (Mt 17,27). Für die kaiserliche Majestät, für Könige, Herren und Fürsten, und für alle, die zu hohen Ämtern erwählt und berufen sind, beten wir und ehren und fürchten dieselben (1Tim 2,2). Dennoch schreien und rufen sie, dass wir der Obrigkeit nicht gehorchen wollen, auf dass sie dadurch die Herzen der Gewaltigen aufregen und dieselben desto mehr zu Ungnade, Zorn und Bitterkeit gegen uns erwecken mögen und auf dass das blutige Schwert, welches durch ihr Drängen an manchen Orten so erbarmungslos in uns gesteckt wird, nimmer von uns abgekehrt werde, wie man sehen kann.

Da sie denn die Obrigkeit mit solchen offenbaren und groben Lügen beständig in Unruhe versetzen und überdies zu allem, was die Obrigkeit gebietet und tut, Ja und Amen sagen, es stimme mit der Schrift überein oder nicht und so durch ihre kitzelnde und süße Lehre derselben Seelen ins Verderben und in Schaden führen und bringen, da sie nicht ihre Seligkeit, sondern ihren eigenen Nutzen und die Gunst und Gaben derselben suchen und begehren, so dringt uns die Liebe (seht vor Gott, es ist die Wahrheit), allen, die hohen Standes sind und vielleicht zum Teil gerne recht handeln möchten, wenn sie nur wüssten wie und einen Ananias hätten, der ihnen das Rechte zeigte, mit aller Ehrerbietung demütig aus der Schrift auszuweisen (weil es ihnen von ihren Predigern verschwiegen und gestohlen wird), was ihnen in des Herrn Wort befohlen ist, wie sie gesinnt sein sollen und wie sie das Amt, zu welchem sie berufen sind, rechtschaffen ausführen und des Herrn Preis und Lob fördern sollen.

So spricht Mose:

»Und wenn er (der König) nun sitzen wird auf dem Stuhl seines Königreichs, soll er dies andere Gesetz von den Priestern, den Leviten nehmen und auf ein Buch schreiben lassen. Das soll bei ihm sein und soll darinnen lesen sein Leben lang, auf dass er lerne fürchten den Herrn, seinen Gott, dass er halte alle Worte dieses Gesetzes und diese Rechte, dass er danach tue.« (5Mo 17,18–19)

(Merkt doch mit allem Fleiße lieben Herren: es heißt: dass er danach tue.)

»Er soll sein Herz nicht erheben über seine Brüder und soll nicht weichen von dem Gebot, weder zur Rechten, noch zur Linken.« (5Mo 17,20)

»Allein, dass er nicht viele Rosse halte. Er soll auch nicht viele Weiber nehmen, […] und soll auch nicht viel Silber und Gold sammeln.« (5Mo 17,16–17)

In Bezug auf die Richter spricht Jethro so zu Mose:

»Siehe dich aber um unter allem Volk nach redlichen Leuten, die Gott fürchten wahrhaftig und dem Geiz feind sind; die setze über sie.« (2Mo 18,21)

Mose sagt:

»Und gebot euren Richtern zu derselben Zeit und sprach: Verhört eure Brüder und richtet recht zwischen jedermann und seinem Bruder und dem Fremdling. Keine Person sollt ihr im Gericht ansehen; sondern sollt den Kleinen hören wie den Großen und vor niemandes Person euch scheuen. Denn das Gerichtamt ist Gottes.« (5Mo 1,16–17)

So sprach auch Josaphat, der König von Juda, zu den Richtern: »Seht zu, was ihr tut; denn ihr haltet das Gericht nicht den Menschen, sondern dem Herrn; und er ist mit euch im Gericht.« O welch inhaltschweres Wort!

»Darum lasst die Furcht des Herrn bei euch sein und hütet euch und tut es; denn bei dem Herrn, unserm Gott, ist kein Unrecht, noch Ansehen der Person, noch Annehmen des Geschenks.« (2Chr 19,6–7)

So spricht auch Paulus: »Die Gewaltigen sind nicht wegen den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten.« (Merkt wohl auf, ihr Diener dieses Amtes!)

»Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von derselbigen haben. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zu gut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe, über den, der Böses tut.« (Röm 13,3–4)

Seht, liebe Herren und Richter, wenn ihr die angeführten Schriftstellen wohl zu Herzen nehmen und darüber fleißig nachdenken wollt, so werdet ihr merken, dass euer Amt nicht euer, sondern Gottes Amt und Dienst ist. Ihr solltet darum eure Knie vor seiner Majestät beugen, seinen großen und anbetungswürdigen Namen fürchten, das euch auferlegte Amt auf rechte und redliche Weise verwalten und nicht so keck mit eurer irdischen und vergänglichen Gewalt Christo, dem Fürsten aller Fürsten, in sein Reich, Gebiet und seine Gerichtsbarkeit greifen und mit euren eisernen Schwertern richten, was dem ewigen Gerichte des allerhöchsten Gottes allein zu richten zukommt, als da sind Glaube und Glaubenssachen, wie auch Luther und andere im Anfang geschrieben, später aber, als sie zu größerem Ansehen gelangt sind, dieses allesamt vergessen haben. Merkt doch, liebe Herren, wie sehr Mose, Josua, David, Hiskia, Josia, Serubbabel in der Schrift gelobt werden, weil sie den Herrn so von Herzen gefürchtet und sein Gebot, seinen Rat, sein Wort und sein Werk so ernstlich und treulich bedient haben.

Wenn ihr aber euer Herz über alle Berge erhebt und auf keinerlei Weise hören wollt, was euch des Herrn Mund gebietet, sondern nur das, was euer Fleisch ratet und dichtet, wenn ihr nicht bekennen wollt, dass ihr des Herrn Amtsleute und Diener seid und Land und Leute von ihm empfangen habt, so werdet ihr der Strafe desjenigen nicht entgehen, welcher euch zu solchen hohen Macht- und Befehlshabern, Häuptern und Regenten gemacht hat (Lk 1,51–52).

Merkt doch, meine Lieben, und lasst es euch gesagt sein, dass bei ihm Krösus und Irus in gleicher Würde und gleichem Ansehen stehen. Fürchtet darum euren Gott aus ganzer Seele, von ganzem Herzen und aus allen euren Kräften; sucht in der Schrift (Joh 5,39) und denkt einmal darüber nach, wie der große Herr den Thron großmächtiger, hochberühmter Könige und Herren, wie z. B. des Pharao, Nebukadnezar, Sanherib, Antiochus, Saul, Jerobeam, Ahab wegen ihrer Tyrannei, Grausamkeit, Hoffart, ihrer Laster, ihres Ungehorsams und ihrer Abgötterei in seinem grimmigen Zorn ohne Barmherzigkeit umgestürzt und ganz und gar vernichtet hat, wie man solches in der Schrift auf alle Weise offenbar lesen kann (Dan 4,14,32).

Zweitens mögt ihr aus diesen Schriftstellen lernen, dass ihr von Gott verordnet, berufen und erwählt seid, die Bösen zu strafen und die Guten zu beschirmen, in Streitsachen recht zu richten, den Witwen und Waisen und dem armen, gehassten Fremdling und Pilgrim Recht zu tun, sie vor Gewalt und Bedrückung in Schutz zu nehmen und Städte und Länder mit guter Staatswissenschaft, welche nicht gegen Gott und sein Wort streitet, mit gutem Frieden und Ruhe und zum Nutzen des gemeinen Volkes wohl zu regieren. Ferner sollt ihr Gottes heiliges Wort, durch welches die Seele lebt, seinen Namen und seine Ehre von ganzem Herzen suchen, lieb haben und in schriftmäßiger Billigkeit, ohne Blutvergießen und Aufruhr, fördern, verteidigen, unterstützen und beschirmen, so viel euch nur möglich ist.

Seht, liebe Herren und Richter, dies ist das eigentliche Amt, zu welchem ihr berufen seid. Ob ihr diesem in rechter Weise und in Frömmigkeit nachkommt, darüber mögt ihr etwas weiter nachdenken. Es kommt mir mit dem heiligen Jeremia vor, dass ihr alle zusammen das Joch zerbrochen und die Bande zerrissen habt, da ihr das teure, werte Wort, das ihr in reiner Gottesfurcht billigermaßen einführen solltet, als einen verbannten Gräuel, ja, als eine giftige Schlange hasst und ausstoßt. Die offenbaren falschen Lehrer und Propheten, welche die ganze Welt verführen und die man laut Gottes Wort meiden und scheuen soll, werden bei euch in großen Ehren und Würden gehalten; die armen, elenden Schafe hingegen, welche in ihrer Schwachheit den Herrn so gern und von ganzem Herzen fürchten und niemanden auf Erden ein böses Wort sagen oder zuwünschen, werden, weil sie nicht gegen Gottes Wort handeln dürfen, sondern ein frommes und bußfertiges Leben führen, nach Anweisung der Schrift Gottes Sakramente recht gebrauchen und vor aller falschen Lehre, allen Sekten und allem gottlosen Wesen tödlich beben und erschrecken, aus Städten und Ländern verwiesen und an vielen Orten zu Wasser, Feuer und Schwert verurteilt; ihre Güter werden dem Fiskus (Staatsschatz) übergeben und ihre unschuldigen Kinder, welche laut des prophetischen Wortes ihres Vaters Schuld nicht tragen sollten (d. h. wenn der Vater Schuld hätte, wie sie vorgeben), stößt man ohne Gnade nackt und bloß zur Tür hinaus und dieselben müssen also das, was ihre frommen Eltern mit saurer, schwerer und großer Arbeit erworben haben, solchen unbarmherzigen, geizigen und blutdürstigen Räubern in den Händen lassen.

O ihr lieben Herren und Richter! Heißt dies die Guten beschirmen und die Bösen strafen, in Streitsachen recht richten und den Witwen, Waisen und Fremdlingen Recht tun, wie die Schrift lehrt und euer Beruf und Amt mit sich bringt? Über dieses wollen wir euch selbst das Urteil fällen lassen. Ach nein, liebe Herren, nein! Betrachtet die Sache wohl; das Spiel ist ganz und gar umgekehrt: Es heißt jetzt, die Guten strafen und die Gottlosen beschützen. Denn man sieht täglich, dass es so zugeht, wie die Propheten überall klagen (Jes 1,23; Jer 2,31; Hes 2,3). Eidbrüchige, Wucherer, Gotteslästerer, Lügner, Betrüger, Huren, Buben sind in keiner Gefahr und Not des Todes (Ps 73,5), aber diejenigen, welche den Herrn lieben und fürchten, müssen jedermanns Raub sein. Der Prophet sagt:

»Seht, die Fürsten in Israel, ein jeglicher ist mächtig bei dir, Blut zu vergießen. Vater und Mutter verachten sie, den Fremdlingen tun sie Gewalt und Unrecht, die Witwen und Waisen schinden sie.« (Hes 22,6–7; Mal 3,5; Sach 5,3; Hos 4,2)

Lest die Schriften der Propheten und merkt mit Fleiß darauf und ihr werdet finden, welche tödlichen Drohungen die heiligen und treuen Gottesmänner manchmal solcher Übel und Notstände wegen ausgesprochen haben.

Und ob ihr schon diese unsere Ermahnung von geringem Werte achtet, so ist dennoch das, was wir hier anweisen, die feste, sichere Wahrheit, was ihr gewiss in eurem Herzen zugestehen müsst. Denn es ist offenbar und klar vor Augen und kann nicht geleugnet werden, dass in unsern Niederlanden die unzüchtigen, untauglichen und unnützen Menschen, die man Pastoren, Seelsorger, Herren und Lehrer nennt und welche zum Teil die eine Frau und Jungfrau nach der andern haben und schänden, vor der ganzen Welt in allerlei Mutwillen, Gottlosigkeit und offenbaren Abgötterei leben, Tag und Nacht in der schrecklichsten Trunkenheit leben und nicht einen einzigen Buchstaben von Gott und Gottes Wort recht erkennen, viele fromme, gottesfürchtige Leute, die vor Gott und seinen Engeln nichts anderes suchen, als ein rechtschaffenes, aufrichtiges und unsträfliches Leben, wie des Herrn Wort es anweist, zu führen, durch ihren schändlichen Verrat um Land, Ehre, Gut und Blut bringen, während sie selbst, nämlich die Verräter, in Freiheit und Frieden leben.

Da denn die Waage (der Gerechtigkeit) so sehr nach der einen Seite schnellt, ihr aber von Gott berufen seid, ohne jegliches Ansehen der Person recht zu richten und alle elenden, bekümmerten Fremdlinge und Frommen aus der Hand des Unterdrückers zu erlösen, so bitten wir euch allesamt demütig, als unsere lieben Herren und Obrigkeiten, um desjenigen willen, der euch zu diesem hohen Amt und Dienst erwählt und berufen hat, dass ihr doch solchen grausamen und feindseligen Menschen, welche nach der Aussage Petri zu nichts anderm geboren sind, als um zu verderben und zu würgen (2Pt 2,12) und die uns stets und auf alle Weise, beides, heimlich und öffentlich, so verächtlich machen, dass man uns infolge ihres bittern Lärmens und falschen Anklagens weder hören noch sehen mag, doch nicht glauben wollt, solange sie uns nicht in unserem Beisein mit der Wahrheit dessen überführen, welches sie zum so großen Schaden und zur Schande so vieler frommen und gottesfürchtigen Kinder Tag für Tag so frech und unverschämt von ihrem Stuhl der Pestilenz und Spötterei vor allen Menschen ausrufen und hören lassen. Liebe Herren! Fürchtet doch Gott von Herzen, glaubt seinem wahrhaftigen Wort und handelt recht; dies bitten wir euch um Jesu willen.

Drittens lernt und merkt ihr auch aus den erwähnten Schriftstellen, dass, ob ihr schon zu Mächtigen und Gewaltigen auf Erden berufen seid, ihr dennoch nicht nach eurem Mutwillen fortfahren dürft, sondern euren Herrn und Gott als euren Schöpfer, Erlöser und Seligmacher von Herzen liebhaben und ihn als euer Haupt, euren König, Fürsten und Richter fürchten und ihm gehorchen, euch stets seines Wortes befleißigen, euch nicht über eure Untertanen und Brüder erheben und aufblasen und euer Lebtag nicht von des Herrn Wegen und Geboten weichen sollt, wie gesagt worden ist. Fortan, liebe Herren, gebt doch mit Fleiß und Ernst wohl Acht, dass ihr, da ihr euch rühmt, Christen zu sein, auch in der Tat und Wahrheit Christen sein mögt. Wasser, Brot, Wein und der Name machen keinen Christen; sondern diejenigen, welche aus Gott geboren, göttlicher Art und Natur und wie Christus gesinnt sind; von des Herrn Geist getrieben werden; ihr böses, verdorbenes Fleisch täglich kreuzigen; nach dem Geist und nicht nach dem Fleische wandeln; nichts über Gottes Wort lieben; ihren Nächsten lieben wie sich selbst; ein unsträfliches, abgestorbenes, demütiges und frommes Leben führen; gerne in den Fußstapfen Christi wandeln und bekehrte, veränderte, neue Menschen und Kreaturen in Christo sind, rühmt Gottes Wort als Christen (Joh 1,13; 2Pt 1,4; Phil 2,5; Röm 8,14; Gal 5,24; Röm 8,1; Mt 10,37; 7,12; Phil 1; 2; 3; 4; Mt 16,24; 1Pt 2,21).

Liebe Herren, nehmt dies zu Herzen; von hoffärtigen, fleischlichen, eidbrüchigen, hurerischen, trunksüchtigen, prahlerischen, ungerechten, abgöttischen und blutdürstigen Christen wird in der biblischen Schrift nichts gefunden, als dass ihr Teil ein ewiges Heulen, Zähneknirschen, Finsternis, Feuer, Hölle, Tod und Teufel sein wird. Ihr Teil wird sein in dem feurigen Pfuhl, der mit Pech und Schwefel brennen wird (Offb 21,8; Mt 8,12; Röm 1; 1Kor 6; Gal 5; Eph 5; 2Th 1).

Liebe Herren, seht euch vor und lasst euch nicht länger verführen; denn bei Gott ist kein Ansehen der Person (Röm 2,11), dies lehrt die ganze Schrift. Hier heißt es entweder ewig mit allen Engeln leben in des Himmels Thron oder ewig mit allen Teufeln sterben in der Hölle Grund. Denn alles muss nach Christi Geist, Beispiel und Wort gerichtet werden. Wer in Christo ist, der ist eine neue Kreatur (2Kor 5,17). Wer da sagt, dass er in Christo bleibt (sei er dann Kaiser oder König), der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat (1Joh 2,6).

Liebe Herren, dies ist Gottes Wort, dies ist das Kleinod und das vorgesteckte Ziel, dem ihr und wir nachjagen müssen. Wer sich nicht nach diesem Ziel richtet und demselben nachjagt, kann kein Christ sein. Prüft daher eure Lehrer wohl und merkt fleißig und mit Ernst darauf, ob sie euch auf diesen engen Weg weisen. Ich vermute, dass sie euch lauter Frieden predigen, euch die Kissen und Ohrpfühle sanft aufschütteln und bereiten und euch wegen eurer höfischen und königlichen Schlösser, Gebräuche und Manieren, wie Tanzen, Springen, Liebeln, Stechen, Brechen, Würfeln, Spielen, Täuschen, Prassen und Saufen nicht sehr hart strafen; kurz, dass ihr die Wand baut und sie dieselbe mit losem Kalk tünchen, wie die Schrift klagt (Hes 13,10).

Wir aber, meine lieben Herren, tun nicht so, sondern weisen und lehren euch den rechten Weg, welchen ihr wandeln müsst, wenn ihr selig werden wollt. Wir weisen euch nicht auf den Papst oder auf Luther, nicht auf Augustinus oder Hieronymus, sondern mit der ganzen Schrift auf Christum Jesum, dass ihr ihn mit Fleiß hören, ihm von ganzen Herzen glauben und treulich nachfolgen sollt. Denn er ist der von Gott verheißene Prophet, der von Gott gesandte Lehrer, das Licht der Welt, der wahre Hirte unserer Seelen und ein jeder, der ihn hört, an ihn glaubt und ihm nachfolgt, hat das ewige Leben (5Mo 18,18; Joh 1,12; 8,12; 10; 3,36).

Er ruft zu Kaiser, König und jedermann:

»Es sei denn, dass ihr euch umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.« (Mt 18,3)

Wer mir nachfolgen oder ein wahrer Christ sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir (Mt 16,24). Wer irgendetwas lieber hat, denn mich, der kann nicht mein Jünger sein (Lk 14,26) und ist meiner nicht wert (Mt 10,37). Und dergleichen Sprüche mehr.

Wacht auf, meine Herren, und lernt ihn kennen: Er war der Sohn des allerhöchsten Gottes, der Herr aller Herren und der König aller Könige, Gottes ewiges Wort, ewige Weisheit und Kraft. Was er aber für Pracht, gemächliche Tage und Wollust hier auf Erden gehabt hat, lehrt uns die Schrift wohl.

Bei seiner Geburt war kein Raum für ihn in der Herberge (Lk 2,7). Während seines Predigtamtes hatte er nichts, wo er sein Haupt hinlegen konnte (Lk 9,58). Sein Einzug in Jerusalem war nicht mit viel Pferden, Trabanten und Reitern, sondern auf einer geringen Eselin (Mt 21,7). Bei seinem Sterben hatte er weder Wasser noch Wein, womit er sein Herz hätte laben können (Mt 27). Warum geschah dies? Dass wir ein bloßes, wollüstiges Leben führen sollten? O nein! Es geschah darum, sagt Petrus, dass wir der Sünde absterben und der Gerechtigkeit leben sollten (1Pt 4,2; Röm 6,7; 2Tim 2,11; Kol 3,5).

Seht, ihr lieben Herren, dies ist der Hofgebrauch, welchen der himmlische Fürst Christus Jesus seinem ganzen Hofgesinde, nämlich allen Christen hier auf Erden, hinterlassen und gelehrt hat. O schmaler Weg und enge Pforte, wie wenige gibt es, welche dich finden und wie viel wenigere noch, welche dich wandeln (Mt 7,14)!

Dies schreibe und ermahne ich darum, dass die Fürsten, Regenten und Herren Acht geben und merken mögen, dass sie von ihren Predigern jämmerlich betrogen werden, indem diese solche sanften und süße Dinge predigen und einen so breiten Weg lehren, obwohl des Herrn Mund uns einen so schmalen Weg weist. Ich bitte darum alle Herren, Fürsten, Könige und Richter, wer und wo ihr auch sein mögt, sehr demütig um des roten und teuren Blutes unseres Herrn Jesu Christi, womit ihr besprengt seid, willen, dass ihr es mir armem, elendem und verachtetem Manne doch zum Besten halten wollt, dass ich meine herzensgründliche Liebe so treulich an euch bewiesen habe. Ich möchte so gerne das Allerbeste an euren armen Seelen sehen (Ps 141,5; Spr 27,5). Meine Ermahnung ist allgemein und ich nenne keine Namen. Wer schuldig ist, der bessere sich und wer unschuldig ist, der hüte sich. Gott ist mein Zeuge, dass ich nichts anderes begehre, denn dass ihr alle zusammen in der Kraft und Tat sein mögt, was ihr von jedermann gepriesen werdet, nämlich edle Herren und christliche Obrigkeiten und dass ihr zwischen uns und unsern Gegnern – den Gelehrten – unparteiisch stehen wollt, gleichwie eurem Amte geziemt, auf dass doch einmal die verführerischen und zauberischen Lügen untergehen und die unverfälschte Wahrheit, welche so viele hundert Jahre außer Landes und verbannt gewesen ist, wiederum an ihre Stelle kommen möge. Ihr lieben Herren: Gottes Wort ist die Wahrheit; habt sie lieb, umhalst und küsst sie; denn ihre Reichtümer sind unermesslich, ihre Schönheit wunderbar, ihre Frucht köstlich und ihre Wahrheit das ewige Leben (Joh 17).

Drittens sagen sie, dass wir Aufrührer seien und Städte und Länder einnehmen würden, wenn wir nur die Macht dazu hätten.

Antwort: Diese Prophezeiung ist falsch und wird in Ewigkeit falsch befunden werden. Auch wird durch des Herrn Gnade eine Prüfung derselben lehren, dass diejenigen, welche solches prophezeien, laut Moses Wort nicht aus Gott sind (5Mo 18,22). Fasse recht, treuer Leser, was ich schreibe und meine.

Die Schrift lehrt uns, dass es zwei entgegengesetzte Fürsten gibt und auch zwei entgegengesetzte Reiche. Der eine Fürst ist der Fürst des Friedens und der andere Fürst des Unfriedens. Jeder Fürst hat sein besonderes eigenes Reich und gleich wie der Fürst ist, so ist auch sein Reich.

Der Fürst des Friedens ist Jesus Christus; sein Reich ist das Reich des Friedens; welches ist seine Gemeinde; seine Boten sind die Boten des Friedens und sein Wort ist das Wort des Friedens; sein Leib ist der Leib des Friedens, seine Kinder sind der Same des Friedens und sein Erbe und Lohn ist das Erbe und der Lohn des Friedens (Hebr 7,2; Jes 9,5–6; Lk 1,79; Jes 52,7; Röm 10,15; Joh 14,27; Kol 3,15; Sach 8,12). Kurz, unter diesem König und in diesem Reiche ist alles, was man sieht, hört, tut und erlaubt, Friede.

Da wir denn das friedensreiche Wort, nämlich das trostreiche Evangelium seines Friedens, aus dem lieblichen Munde seiner Friedensboten gehört haben, so haben wir dasselbe durch seine Gnade auch geglaubt und in Frieden angenommen und uns in das Friedensreich des einzigen, ewigen und wahrhaftigen Friedensfürsten, Christi Jesu, begeben und sind so durch die Gabe seines heiligen Geistes mittels des Glaubens dem Leibe seines Friedens einverleibt worden und warten nun fortan mit allen Kindern seines Friedens auf das verheißene Erbe und den Lohn des Friedens.

Nachdem also uns armen und elenden Sündern solch eine überreichlich große Gnade von Gott erschienen ist, dass wir, die vordem kein Volk waren und von keinem Friede wussten, nun zu einem so herrlichen Volke Gottes, ja, zu einer Gemeinde, zu einem Reich, Erbe, Leib und Eigentum des Friedens berufen sind, so begehren wir diesen Frieden nicht zu brechen, sondern durch seine mächtige Kraft, mit welcher er uns zu dieser Gnade und diesem Teil berufen hat, in der erschienen Gnade und in diesem Frieden unveränderlich und ohne Anstoß zu wandeln bis in den Tod (1Pt 2,9).

Zu Petrus wurde gesagt, er solle sein Schwert in die Scheide stecken (Joh 18,10). Allen Christen ist befohlen, ihre Feinde zu lieben, denjenigen Gutes zu tun, welche ihnen Böses tun und zu beten für die, welche uns Leid antun und uns verfolgen, den Mantel hinzugeben, wenn der Rock genommen wird und den andern Backen darzubieten, wenn der eine geschlagen wird (Mt 5). Sagt doch, meine Lieben, wie wird ein Christ mit Rache üben, Aufrühren, Kriegen, Hauen, Schlagen, Würgen, Morden, Plündern, Rauben, Brennen und Städte und Länder einnehmen nach der Schrift bestehen können (Röm 12,19; 1Pt 2,13)?

Der große Herr, der euch und uns erschaffen und das Herz in unsern Leib gesetzt hat, weiß und ihm allein ist es bekannt, dass unsere Herzen und Hände von allem Aufruhr und tödlicher Meuterei rein und frei sind und dieselben sollen durch seine Gnade auch in Ewigkeit frei bleiben, denn wir erkennen wahrhaftig, dass Aufruhr aus dem Fleisch und dem Teufel ist (Gal 5,20; 1Joh 3,8; Offb 21,8; 22,15).

Ach, liebe Leser, unsere Waffen bestehen nicht in Schwertern und Spießen, sondern in Geduld, in Schweigen und Hoffen und in Gottes Wort (Lk 21,19; Jes 30,18; Eph 5,17; Hebr 4,12). Mit diesen müssen wir unsern schweren Kampf durchführen, denn Paulus sagt:

»Die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott […]« (2Kor 10,4)

Mit diesen wollen wir des Teufels Reich bestürmen und nicht nur mit Schwertern, Spießen, Geschütz und Panzern, denn

»er achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz,« (Hi 41,19)

auf dass wir so mit unserm Fürsten, Lehrer und Vorgänger, Christo Jesu, den Vater erwecken mögen wider den Sohn und den Sohn wider den Vater und die stolzen und hochmütigen Herzen, die sich so vermessentlich wider die Erkenntnis Gottes erheben, gefangen nehmen mögen unter den Gehorsam Christi (Mt 10,21; Lk 12,53; 2Kor 10,5).

Seht, meine Leser, solchen Aufruhr suchen und machen wir und nie und nimmer einen Aufruhr des Gutes und Blutes und wären wir auch so zahlreich, als Gras auf dem Felde und der Sand am Meere, welches wohl niemals geschehen wird, da der Glaube nicht jedermanns Ding ist (2Th 3,2). Ach, dass der Weg so schmal ist und die Pforte so enge (Mt 7,14)!

Die wahren Christen wissen von keiner Rache. Man lebe mit ihnen, wie man will, sie fassen ihre Seelen mit Geduld (Lk 21,19). Sie brechen den Frieden nicht und würden sie auch mit Banden, Peinigung, Armut, ja, mit Feuer und Schwert versucht. Sie schreien nicht: »Rache, Rache!«, wie die Welt tut, sondern seufzen und beten mit Christo Jesu:

»Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.« (Lk 23,34; Apg 7,59)

Sie haben nach der Aussage des Propheten ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln gemacht. Sie sitzen unter ihrem Weinstock und Feigenbaum Christus und wissen nichts mehr von Kriegen (Jes 2,4; Mi 4,3–4).

Sie suchen nicht euer Geld, Gut, Verderben oder Blut, sondern die Ehre und den Preis ihres Gottes und die Seligkeit eurer Seelen. Sie sind die Kinder des Friedens, ihre Herzen fließen über mit Frieden, ihr Mund spricht von Frieden und sie wandeln auf dem Wege des Friedens. Sie sind innerlich und äußerlich voll Frieden; sie suchen, wünschen und kennen nichts als Frieden; und stehen bereit, Land, Gut, Leben und alles zu verlassen, um dieses Friedens willen; denn sie sind das Reich, das Volk, die Gemeinde, die Stadt, das Eigentum und der Leib des Friedens, wie gehört worden ist.

Ich armer und elender Mann (deutet es mir, liebe Leser, zum Besten, was ich geschrieben habe) habe jetzt ungefähr siebzehn Jahre lang in meiner Schwachheit des Herrn Wort gefürchtet, meinem Nächsten gedient und unverdrossen (dies weiß derHerr) in so viel Elend, Bangigkeit, Traurigkeit, Schmerz und Mühe seine Schmach und sein Kreuz getragen und hoffe es auch durch seine Gnade mein Lebtag zu tragen und sein heiliges, teures Wort, seinen Willen und seine Verordnungen mit Mund, Schrift, Leben und Tod und mit einem guten Gewissen, so viel in mir ist, zu bezeugen. Und dennoch sollte ich in meinem Herzen ein unruhiger, aufrührerischer, rachgieriger und blutiger Mörder sein! Der Allerhöchste möge seinen armen Diener davor bewahren.

So werden auch in Brabant, Flandern, Friesland und Gelderland die gottesfürchtigen, frommen Herzen wie die unschuldigen Schafe täglich zur Schlachtbank geführt und mit großer, schwerer Tyrannei unmenschlich gemartert. Ihre Herzen sind voll Geist und Kraft; ihr Mund fließt wie die Wasserbäche; ihre Früchte riechen wie die heilige Ölsalbe; ihre Lehre ist kräftig und ihr Leben unsträflich; weder Kaiser noch König, Feuer noch Schwert, Leben noch Tod kann sie abschrecken oder scheiden von des Herrn Wort. Und ihre Herzen sollten noch mit Bitterkeit, Aufruhr, Rache, Raub, Hass und Blut befangen sein? Ach, dann wäre ja viel vergeblich gelitten.

Ach nein, meine Leser, nein! Lernt erkennen, was ein wahrer Christ ist, aus wem er geboren, was seine Art und Natur und sein eigentliches Vornehmen, Suchen und Tun ist; und ihr werdet finden, dass sie keine Aufrührer, Mörder und Räuber sind, wie die Gelehrten schelten, sondern ein gottesfürchtiges, frommes und friedsames Volk, wie die Schrift lehrt.

Der zweite Fürst ist der Fürst der Finsternis, nämlich der Antichrist oder Satan. Dieser ist der Fürst alles Unrechts, Aufruhrs und Blutes. Rasen und Morden ist seine eigentliche Natur, Kunst, Gebrauch, Werk und Weise. Seine Gebote und Lehren, sein Reich, Leib und Gemeinde sind von gleicher Art (Joh 8,44; 1Joh 3). Um dies zu beweisen, braucht man nicht viel Schrift. Sehen und Hören und tägliche Erfahrung und Beobachtung bezeugen die Wahrheit wohl.

Unsere Gegner erdichten und sagen, wir wollen Aufruhr stiften, an welches wir nie gedacht haben. Wir aber behaupten, und das mit der Wahrheit, dass sie und ihre Vorväter mehr als tausend Jahre lang selbst das gewesen sind, zu welchem sie die Frommen stempeln wollen. Man forsche nur in der Geschichte und man wird solches bezeugt finden. Alle, die sich ihrer Schändlichkeit, Ehrlosigkeit und ihrem Tun widersetzen, mussten es teuer bezahlen. Und so ist es noch jetzt.

Denn was sie noch innerhalb weniger Jahre mit Schreiben, Lehren und Rufen zuwege gebracht haben, davon zeugen Städte und Länder. Wie schlau haben sie die Mächtigen und Gewaltigen gegeneinander geführt und zu ihnen gesagt: »Da euch das Schwert verliehen ist, mögt ihr auch des Herrn Wort mit der Faust verteidigen,« bis sie ins Spiel gekommen sind und menschliches Blut wie Wasser vergossen; einander das Herz aus dem Leibe gerissen; zahllose Huren, Buben, Witwen und Waisen gemacht; den armen, unschuldigen Bürger und Häusler aus dem Hause gegessen, ausgeraubt und abgebrannt; Städte und Länder verwüstet, kurz, es so gemacht haben, als ob niemals ein Prophet, Christus, Apostel oder Wort Gottes auf Erden gewesen wäre. Dennoch wollen sie an allen Seiten die heilige christliche Kirche, die Gemeinde und der Leib Christi heißen. Ach lieber Herr! Wie jämmerlich wird mit deinem edlen und teuren Worte Spott getrieben und dein heiliges Werk verhöhnt, gerade als ob dein kräftiges, göttliches Tun in deiner Kirche nichts anderes wäre, als Lesen, Rufen, Wasser, Brot, Wein und Name und damit Aufrühren, Kriegen, Rauben, Morden und alle andern teuflischen Werke freistünden. Merkt auf, liebe Leser, und lernt doch einmal dieses Reich und diesen Leib recht kennen. Denn können sie in dieser Gestalt oder mit diesen Gebräuchen und Handlungen Christi Reich und Leib sein, wie die Gelehrten trösten, so müsste Christi heiliges und herrliches Reich, Kirche, Gemeinde und Leib aus einem unmenschlichen, grausamen, aufrührerischen, blutigen, räuberischen, rasenden, unbarmherzigen und ungerechten Volke bestehen; dies kann nicht bestritten werden. O verdammlicher Irrtum, o finstere Blindheit!

Und noch nicht zufrieden damit, dass sie durch ihre leichtfertige und ruchlose Lehre die ganze Welt in Verderben und Elend stürzen und ihre eignen Glieder, Leib und Mitgenossen so jämmerlich um Land, Leute, Wohlfahrt, Leben, Lehre, Gut, Blut, Leib und Seele bringen, müssen sie sich außerdem auch noch in ihrer Raserei an dem unschuldigen, friedsamen und demütigen Reich und Leib Christi vergreifen, welches doch nicht einen Menschen auf Erden auch nur im Allergeringsten beneidet oder ihm Schaden zufügt. Sie lügen, lästern, schelten, verraten und wüten ohne Aufhören, so dass man mit dem heiligen Petrus sagen muss, dass sie zum Würgen und Verderben geboren sind; denn ihr Herz, ihr Mund und ihre Hände triefen und sind nass von Blut.

O wie recht hat sie der heilige Geist in der Offenbarung abgemalt, wo er spricht:

»Ich sah das Weib trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu.« (Offb 17,6)

Ferner:

»Und das Blut der Propheten und der Heiligen ist in ihr erfunden worden und aller derer, die auf Erden erwürgt sind.« (Offb 18,24)

Also seht ihr, meine guten Leser, dass sie in ihr eignes Schwert fallen, welches sie gegen uns geschärft haben, wie der Prophet sagt. Denn wir können mit freiem Gewissen an den Tag treten (dem Herrn sei ewig Lob und Dank) und mit der Wahrheit behaupten, dass wir von der Zeit unseres Bekenntnisses an bis auf diese Stunde niemandem Kränkung oder Leide zugefügt, niemands Güter begehrt, viel weniger angetastet oder geraubt, niemands Verderben gesucht und niemands Blut weder durch Rat noch durch Tat vergossen haben und durch Gottes Gnade solches auch niemals tun werden. Was aber sie mit ihrem aufrührerischen Schelten, Lügen, Lästern, Schreien, Schreiben und Verraten getan haben und noch tun, wollen wir dem Herrn und seinem Gerichte überlassen.

Der barmherzige und gnädige Herr verleihe euch und ihnen, dass ihr doch einmal kennen lernen mögt, welches Geistes und welches Reiches Kinder ihr seid, was ihr sucht, welchem Fürsten ihr dient, welche Lehre ihr treibt, was für Sakramente ihr gebraucht, was für Früchte ihr hervorbringt, was für ein Leben ihr führt und welchem Reiche, Leibe und welcher Gemeinde ihr einverleibt seid. Dies wünschen wir euch von ganzem Herzen.

Denkt fleißig nach, meine lieben Leser, über diese unsere kurze Belehrung von diesen zwei Fürsten und ihren Reichen und es wird euch durch des Herrn Gnade nicht geringes Verständnis und Licht in die Schrift geben.

Viertens erdichten und sagen einige von ihnen, dass wir unsere Güter gemein haben.

Antwort: Diese Beschuldigung ist falsch und ohne alle Wahrheit. Die Gütergemeinschaft lehren und üben wir nicht; aber wir lehren und bezeugen mit des Herrn Wort, dass alle wahren Christgläubigen eines Leibes Glieder, durch einen Geist zu einem Leibe getauft und eines Brotes teilhaftig sind und einen Gott und einen Herrn haben (1Kor 12,13; 10,17; Eph 4,5–6).

Da sie denn, wie gesagt, eins sind, so ist es christlich und billig, dass sie einander eine göttliche Liebe zutragen und das eine Glied für das andere sorge; denn beide, die Schrift und die Natur, lehren uns so. Die ganze Schrift spricht von Barmherzigkeit und Liebe und ist diese das einzige Zeichen, an welchem man einen wahren Christen erkennen soll, wie ja der Herr sagt:

»Dabei wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger (das ist, dass ihr meine Christen) seid, so ihr Liebe untereinander habt.« (Joh 13,35)

Es ist, lieber Leser, weder Sitte noch Gebrauch, dass ein vernünftiger Mensch die eine Hälfte seines Körpers kleide und speise und die andere in Not und Blöße lasse. Ach nein, ein vernünftiger Mensch trägt Sorge für alle seine Glieder. So muss es auch unter denjenigen zugehen, welche des Herrn Kirche und Leib sind (1Joh 3,17). Alle, die aus Gott geboren, mit des Herrn Geist beschenkt und nach der Schrift zu einem Leibe der Liebe in Christo Jesu berufen sind, stehen durch die Liebe bereit, ihrem Nächsten nicht nur mit Geld und Gut, sondern nach dem Beispiel ihres Herrn und Hauptes, Jesu Christi, dem Evangelium gemäß auch mit Blut und Tod zu dienen. Sie erzeigen Barmherzigkeit und Liebe, so viel ihnen nur möglich ist; sie lassen nicht zu, dass ein Bettler unter ihnen sei; sie nehmen sich der Heiligen Notdurft an; sie nehmen die Elenden auf; sie führen die Fremdlinge in ihre Häuser; sie trösten die Betrübten; sie leihen den Bedürftigen; sie kleiden die Nackten; sie brechen den Hungrigen ihr Brot; sie wenden ihr Angesicht nicht ab von den Armen und entziehen sich ihren gebrechlichen Gliedern und ihrem Fleisch nicht (Röm 12,13; Jes 58,7).

Seht, eine solche Gemeinschaft lehren wir und nicht, dass der eine des andern Land, Sand und Güter einnehmen und besitzen soll, wie wir von vielen gelästert, gescholten und verleumdet werden. Mose sagt:

»Wenn deiner Brüder irgendeiner arm ist, in irgendeiner Stadt in deinem Lande […] so sollst du dein Herz nicht verhärten, noch deine Hand zuhalten gegen deinen armen Bruder.« (5Mo 15,7)

Tobias sagt:

»Teile dein Brot dem Hungrigen mit, und bedecke die Nackenden mit deinen Kleidern.« (Tob 4,16)

Christus sagt:

»Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.« (Lk 6,36)

Und

»Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.« (Mt 5,7)

Paulus sagt:

»Zieht nun an, als die Auserwählten Gottes, Heilige und Geliebte, herzliches Erbarmen […]« (Kol 3,12)

Jakobus sagt:

»Die Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht.« (Jak 2,13; Mt 18,33; 25,35)

Noch einmal: Diese Liebe, Barmherzigkeit und Gemeinschaft lehren und üben wir und haben sie auch, dem Herrn sei ewig Dank, schon siebzehn Jahre in solcher Form und Weise gelehrt und geübt, dass, obwohl unsere Güter uns zum großen Teil geraubt sind und noch täglich geraubt werden, viele fromme, gottesfürchtige Väter und Mütter mit Feuer, Wasser und Schwert umgebracht werden, wir keine sichere Freistätte haben können und zudem noch teure und schwere Zeiten sind, dennoch keine Frommen, noch irgendwelche von Frommen hinterlassene Kinder, die unter uns leben wollen, gebettelt haben (Ps 37,25; 1Kön 17,6).

Wenn dies nicht christlich handeln und Recht tun heißt, so mögen wir wohl das ganze Evangelium unseres Herrn Jesu Christi, seine heiligen Sakramente und den christlichen Namen fahren lassen und sagen, dass das liebreiche und barmherzige Leben aller Heiligen nichts als Phantasien und Träume seien. O nein!

»Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.« (1Joh 4,16)

Dies schreibe ich zur Beschämung unserer Verleumder, welche neidische Bitterkeit so sehr verblendet hat, dass sie sich nicht schämen, auf so unehrliche Weise zu lästern und das Gute so boshaft in Schlechtes umzukehren. Denn weil wir, wie die ganze Schrift, Barmherzigkeit und Liebe lehren und mit unserer sauren, schweißkostenden Arbeit den gottesfürchtigen Armen dienen und sie nicht Hunger und Kummer leiden lassen wollen, so müssen wir hören, dass wir die Güter gemein haben und dass ein jeder sich vor uns hüten solle, weil wir unsere Hände gerne in anderer Leute Kisten und Taschen haben. Und doch wissen sie so gut, dass geschrieben steht:

»Es wird aber ein unbarmherziges Gericht über den gehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat,« (Jak 2,13)

und dass,

»wer seinen Bruder nicht liebt, im Tode bleibt.« (1Joh 3,14)

Auch sehen sie mit ihren Augen, dass wir täglich unsere eigenen Güter, um des Zeugnisses Jesu Christi und unseres Gewissens willen, willig zum Raube geben.

Ach, meine Leser, es würde eurer Seele geraten sein, dass ihr einmal zusähet und eure Prediger mit ganzem Fleiß kennen lerntet; denn was werden sie euch doch für Gutes lehren, da sie keine Barmherzigkeit leiden können? Ist es nicht eine verdrießliche und unerträgliche Heuchelei, dass die armen Leute sich rühmen, Gottes Wort zu haben, die wahre Gemeinde und christliche Kirche zu seinund nicht merken, dass sie das Kennzeichen des wahren Christentums gänzlich verloren haben? Denn obwohl sie in allen Dingen die Fülle haben und so viele ihrer Mitgenossen in größtem Überfluss in Seide und Samt, Gold, Silber und allerlei Pracht und Hoffart einhergehen, ihre Häuser aufs Schönste aufprunken, Kisten und Kasten voll haben und in aller Üppigkeit und Wollust und in gutem Frieden leben, so lassen sie dennoch ihre armen, elenden Mitglieder, obwohl diese ihre Glaubensgenossen sind und einerlei Taufe mit ihnen empfangen haben und eines Brotes teilhaftig sind, bei großen Haufen betteln gehen, einen Teil die schwerste Armut, Hunger und Not leiden und so viele alte, gebrechliche, lahme, blinde und leidende Leute vor den Türen ihr Brot suchen.

Wie, ihr Lehrer? Ja, ihr lieben Lehrer! Wo ist doch die Kraft des Evangeliums, welches ihr predigt? Wo ist die Bedeutung des Abendmahls, welches ihr austeilt? Wo ist die Frucht des Geistes, den ihr empfangen habt? Wo ist die Gerechtigkeit eures Glaubens, welchen ihr so herrlich und schön vor dem armen, dummen und ungeschlachten Volke zu schmücken versteht? Ist es nicht alles Heuchelei was ihr predigt und verteidigen und bewähren wollt? Schämt euch doch eures bequemen Evangeliums, leichtfertigen Predigens und fruchtlosen Brotbrechens, ihr, die in so vielen Jahren mit eurem Evangelium, eurer Lehre und euren Sakramenten nicht einmal so viel habt ausrichten können, dass ihr eure bedürftigen, elenden Glieder von der Straße weg predigen habt können, obwohl die Schrift so offenbar lehrt und spricht:

»Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm?« (1Joh 3,17)

So auch Mose:

»Es soll allerdings kein Bettler unter euch sein.« (5Mo 15,4)

Seht, meine guten Leser, so ist diese ihre Beschuldigung von Grunde auf falsch, gleichwie auch die andern sind. Denn obwohl wir wissen, dass die apostolische Kirche solches (Gütergemeinschaft) im Anfang in Gebrauch gehabt hat, wie man in der Apostelgeschichte sehen kann, so merken wir doch aus ihren Briefen, dass es schon zu ihrer Zeit aufgehört hat und (vielleicht nicht ohne Ursache) nicht länger in Gebrauch gewesen ist.

Nachdem wir es also nicht als einen beständigen Gebrauch bei den Aposteln finden, wie erwähnt ist, so lassen wir es dabei bewenden und haben darum noch nie die Gütergemeinschaft gelehrt oder geübt, sondern ermahnen mit allem Ernst und Fleiß zur Hilfeleistung, Liebe und Barmherzigkeit, wie uns solches in den apostolischen Schriften zum Überfluss gelehrt und bezeugt wird. Seht, in Christo, wir sagen euch die Wahrheit und lügen nicht.

Und wenn wir auch solche Gemeinschaft lehrten und übten, wie uns auf lügenhafte Weise nachgesagt wird, so täten wir nichts anderes, als was die heiligen Apostel, voll des heiligen Geistes, in jener lieben ersten Gemeinde zu Jerusalem im Anfang der christlichen Kirche selbst getan, obwohl später wiederum nachgelassen haben, wie gesagt ist.

Doch die Ursache, warum unsere Gegner solches vorgeben, kann man leicht und bald erraten. Denn da ihre Herzen oft mit Geiz durchtrieben sind, wie Petrus sagt und sie auch wohl wissen, dass der Sinn aller ihrer Jünger nach Augenlust, Geld und Gut steht, denn sie geizen allesamt, Klein und Groß, sagt der Prophet, so wenden sie solches vor, auf dass das teure Evangelium, die reine Wahrheit unseres Herrn Jesu Christi, die nun, Gott sei ewig Preis, an vielen Orten so herrlich hervorbricht, einem jeden ein böser und übler Gestank und Gräuel sein mögen. Seht, solches ist die Kunst und Listigkeit der Schlange.

Hütet euch, meine Leser, dass euch solche Lügensprecher nicht verführen. Adam und Eva haben dem Lügner geglaubt und damit jämmerlich wider ihren Gott gesündigt. Israel ist durch die falschen Propheten elend betrogen worden und was Gutes sie im neuen Testament angerichtet haben und noch anrichten, wird durch ihre offenbaren Taten und Früchte wohl bewiesen.

Fünftens erdichten einige von ihnen, dass wir die Vielweiberei treiben, unsere Frauen gemeinsam gebrauchen und zueinander sagen: »Schwester, mein Geist begehrt dein Fleisch.«

Antwort: Was die Vielweiberei angeht, sagen wir: Die Schrift lehrt uns, dass die Väter vor dem Gesetz zum Teil viele Frauen gehabt haben; doch haben sie nicht einerlei Freiheit gehabt unter dem Gesetz und vor dem Gesetz. Abraham, welcher vor dem Gesetz lebte, hatte seine eigene Schwester zur Frau, wie erselbst vor dem Könige Abimelech bezeugte, indem er sagte:

»Auch ist sie wahrhaftig meine Schwester; denn sie ist meines Vaters Tochter, aber nicht meiner Mutter Tochter.« (1Mo 20,12)

Jakob hatte zwei Schwestern zugleich zur Ehe, Lea und Rahel, die Töchter Labans, des Bruders seiner Mutter (1Mo 29). Diese zwei Freiheiten, nämlich seine eigene Schwester oder zwei Schwestern zugleich zur Ehe zu haben, war Israel hernach im Gesetze so ernstlich verboten (3Mo 18).

Nachdem also nach der Schrift eine jede Zeit ihre besondere Freiheit und ihren eigenen Gebrauch gehabt hat und wir zu dieser Zeit, nämlich im neuen Testament, hinsichtlich der Ehe nicht auf die Freiheit und den Gebrauch der Väter vor dem Gesetze noch auf die Freiheit und den Gebrauch der Väter unter dem Gesetze, sondern auf den Anfang der Schöpfung, das ist auf Adam und Eva, vom Herrn selbst (dem wir von Herzen zu gehorchen begehren) hingewiesen werden, so lehren, gebrauchen und bewilligen wir auch keinen andern Gebrauch, als den, welcher von Anfang an mit Adam und Eva begonnen hat, nämlich ein Mann und eine Frau, wie uns des Herrn Mund befohlen hat (Mt 19,4–6).

Ein Mann, sagen wir, und eine Frau und nicht ein Mann und zwei, drei oder vier Frauen und diese für eine gerechnet, wie uns solches, leider Gott, an vielen Orten ohne alle Wahrheit zur Last gelegt wird. Diese zwei, nämlich dieser eine Mann und diese eine Frau, sind ein Fleisch und dürfen sich nicht voneinander scheiden und eine andere Person heiraten, es sei denn um Ehebruch, wie der Herr selbst sagt (Mt 5,32; Mk 10,12).

Seht, dies denn ist unser eigentlicher Grund in Bezug auf den Ehestand, wie wir hier mit der heiligen Schrift bekennen. Und dies wird auch durch des Herrn Gnade aller frommen Herzen Grund in Ewigkeit bleiben, man möge lügen und lästern so viel man will. Denn wir wissen und erkennen wahrhaftig, dass es also des Herrn Christi ausdrücklicher Befehl, Sinn und sein unveränderliches, klares Wort ist.

Was aber die schändliche Unzucht betrifft, nämlich, dass wir unsere Frauen gemeinsam gebrauchen, so antworten wir mit Salomo, dass man billigerweise solchen unnützen Narren nicht nach ihrer Narrheit antworten soll, auf dass man ihnen nicht gleich werde. Dennoch muss man solches tun, auf dass sie sich nicht dünken lassen, dass sie weise seien und Recht haben (Spr 26,4–5).

Ich schäme mich von Herzen, lieber Leser, dass ich vor frommen, schamhaften Ohren von solchem verfluchten Hurenhandel und solchen Bubenstücken sprechen muss, da sie nicht nur der Schrift, sondern auch aller natürlichen Vernünftigkeit und Ehrbarkeit so sehr widerstreben. Da man uns aber mit diesem nicht nur zu ehrlosen Schälken und Buben macht, sondern auch zu offenbaren Hunden und Schweinen, und es zuweilen den frommen, tugendsamen Herzen, die lieber zehnmal sterben würden (wenn dies möglich wäre), als solches zu tun, ja, nur daran zu denken, von einigen rohen Lästermäulern auf so schamlose Weise ins Angesicht gespien wird, so ist es gewiss billig, dass wir unsere Ehre und unseren guten Namen hier mit klaren Worten auf christliche Weise und mit der Wahrheit zu des Herrn Preis etwas verteidigen und rechtfertigen und diese gottlose Lästerung von uns weisen, so viel uns möglich ist (Spr 22,1).

Wir bezeugen hiermit, jetzt und in Ewigkeit, hier und vor dem Gerichte unseres Gottes, dass wir mit dem Engel der Gemeinde zu Ephesus die Werke der Nikolaiten hassen, welche auch Gott hasst (Offb 2,6). Wir lernen aus des Herrn Mund, dass wer eines andern Weib ansieht, ihrer zu begehren, schon in seinem Herzen die Ehe gebrochen hat; und sagen mit Paulus, dass die Ehebrecher und Frauenschänder das Reich Gottes nicht ererben noch besitzen werden (Mt 5,28; 1Kor 6,9; Gal 5,18; Eph 5,5).

Da wir also so gründlich über solches in der Schrift belehrt werden und wir das, was sie sagt, durch des Herrn Gnade nicht nur glauben, sondern mit der Kraft des göttlichen Wortes auch andern lehren und einprägen und wir uns zudem jeden Tag auf Gefängnis, Bande, Kreuz und Tod gefasst machen, zu dreien, vieren, sechsen und sieben an Pfähle gebunden, erwürgt, verbrannt, ins Wasser gestoßen und ohne alle Barmherzigkeit umgebracht werden, was für elende Menschen müssten doch wir sein, wenn wir noch mit solchen schrecklichen Gräueln und hündischen Schändlichkeiten, vor welchen ein natürlicher Mensch sich entsetzen muss und die in so vielen deutlichen Schriftstellen zum ewigen Tode und unauslöschlichen Höllenfeuer verurteilt sind, umgehen würden! O Lästerung und Schande! Nein, nein, wir hoffen, dass wir durch des Herrn Barmherzigkeit und nach der von uns empfangenen Gabe unsere Leiber und Glieder in unserer Schwachheit dem heiligen Geiste zum Tempel und zur Wohnstätte begeben haben. Auch hoffen wir durch des Herrn Hilfe und Gnade uns unser Lebtag nie wieder mit Huren und Buben (versteht, mit solchen, die sich nicht bekehren) zu versammeln.

Wie aber diese unsere Lästerer und Beschimpfer gesinnt sind, in was sie ihre Leiber und Glieder einverleibt haben und von welchem Geiste sie getrieben werden, wird durch ihre unerträglichen Lügen und Lästerworte genugsam bezeugt. Christus sagt:

»Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über.« (Mt 12,34)

Ein jeder Baum trägt nach seiner Art (Mt 7,17). Wie der Mann ist, so ist auch sein Wort, sagt Seneca. Ja, wenn diese unnützen Menschen Christen wären und nur ein Wörtchen von des Herrn Wort und ein Fünkchen von seinem heiligen Geiste hätten, wie sie sich rühmen, so würden sie sich solche schrecklichen Schändlichkeiten über ihre Nächsten, die, wie sie vor Augen sehen, den Herrn so herzlich suchen und fürchten, nicht einmal einfallen lassen, geschweige denn sie damit verspotten und verleumden.

O ihr groben Schandmäuler (ich meine alle diejenigen, welche an dieser hässlichen Beschimpfung Schuld haben), meint ihr, wir seien ein dummes, unvernünftiges Vieh und allen Verstandes bar? Schämt euch doch ein wenig über euer unmenschliches Lügen und Lästerreden. Wir müssen unschuldig dieses niederträchtige Gerücht und diesen schändlichen Namen tragen, euer aber sind viele, die in diesem Werke stecken. Schreibe ich unrecht, so straft mich.

Es ist gewiss offenbar und kann nicht geleugnet werden, dass viele eurer Glaubensgenossen ihre eigenen Mitglieder jämmerlich in den Dreck stoßen, indem sie mit ihrer durchtriebenen Schalkheit, ihren schönen Worten, Versprechungen und Gaben gar manche junge Maid, die in einer Taufe, einem Glauben, einem Abendmahl, einer Gemeinde und einem Leibe mit ihnen begriffen steht, zur Hure und zu ihrem Fußlumpen machen. Wie manches ehrlichen Mannes Bett wird befleckt und seine Tochter geschändet! Wie manch schändlicher Ehebrecher wird in eurer Bruderschaft gefunden! Wie manches unschuldige Herz wird unter euch betrogen! Wie viele uneheliche Kinder werden unter euch geboren! Ob dies nicht heißt seiner Schwester Fleisch begehren und anderer Frauen mit ihnen gemein haben, wollen wir euch und alle Frommen beurteilen lassen.

Urteilt recht, liebe Leser und bekennt die Wahrheit. Ist eure Gemeinde nicht voll solcher offenbaren Betrüger, Frauenschänder, Eidbrecher, Huren und Buben? Gibt es nicht andre, welche offenbare Hurenhäuser halten? Hört und sieht man nicht der unzüchtigen Weibsbilder Singen, Springen, Trinken, Lärmen und ihre unziemlichen Gebärden in Gassen und Straßen? Wohnen sie nicht in Städten und Ländern öffentlich vor allen Menschen? Ihr müsst ja sagen, denn ihr könnt es nicht leugnen. Und alle diese sind eure Glaubensgenossen, Glieder eures Leibes und Körner eures Brotes. O kraftlose Lehre und Glaube! O fruchtlose Taufe und fruchtloses Abendmahl! O unreiner Leib und Gemeinde!

Seht, meine guten Leser, wenn ihr verständig seid, so müsst ihr bekennen, dass unsere Lästerer selber sind, was sie den Frommen zur Last legen wollen. Hütet euch meine Freunde, dass ihr euch nicht mit solchen verfluchten Lästerzungen an den Gottesfürchtigen vergreift. Wer sich zum Schmähen und Huren wendet, bessert sich sein Lebtage nicht, sagt Sirach. Wenn wir alle Gräuel, die gegen Gottes Wort sind, hassen und dieselben nicht nur mit der Lehre, sondern auch mit unserm Blute strafen, wie man sehen kann, wie viel mehr müssen wir denn nicht diese hassen, welche nicht allein Gottes Wort, sondern auch aller Vernunft widerstreiten! Ach, lieber Herr! So werden sie geschmäht, welche deinen heiligen Namen so herzlich preisen, auf deinen Wegen wandeln und Gut und Blut für dein heiliges Wort dahingeben.

Sechstens erdichten sie und geben vor, dass, wenn einer nach abgelegtem Bekenntnis und empfangener Taufe wieder in seine Sünde fällt, wir ihm alsdann alle Buße und Gnade verweigern.

Antwort: Diese Beschuldigung würde den Mutwilligen wohl eine schöne Ursache sein, die Wahrheit zu verfolgen, wenn sie nur wahr wäre. Sie ist aber von Grund auf falsch, wie auch die andern sind und wird niemals mit der Wahrheit bewiesen werden.

Weil wir denn so verleumdet werden und es vielleicht unter den Frommen und Gottesfürchtigen welche gibt, die in diesen Sachen unerfahren sind, so will ich hier meinen Grund und mein Bekenntnis von der Art und dem Unterschied der Sünden, nämlich welche Vergebung haben und welche nicht, einfach aus des Herrn Wort anweisen und es dem frommen und gottesfürchtigen Leser zur Beurteilung anheimstellen, auf dass er recht fleißig darüber nachdenken möge.

Die Schrift spricht nach meiner Ansicht von vielerlei Arten von Sünden. Die erste Art ist die verdorbene, sündliche Natur, nämlich die Lust oder das Begehren unseres Fleisches, wider das Gesetz Gottes und die ursprüngliche Gerechtigkeit. Diese Lust ist von dem verdorbenen sündlichen Adam mit der Geburt auf alle seine Nachkommen und Kinder vererbt worden und wird nicht mit Unrecht die Erbsünde genannt. Von dieser Sünde spricht David:

»Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeugt und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.« (Ps 51,7)

Der Herr sagte zu Noah:

»Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.« (1Mo 8,21)

Auch Paulus sagt:

»Wir waren auch Kinder des Zorns von Natur, gleichwie auch die andern.« (Eph 2,3)

Ja, meine Leser, da wir alle mit diesem Übel behaftet sind, so hätten wir auch alle im Tode bleiben müssen, wenn uns nicht Christus Jesus mit seiner Gerechtigkeit, seinem Fürbitten und seinem Tod und Blut von Gott, unserm himmlischen Vater, zur Versöhnung geschenkt worden wäre (Röm 5,10). Nun aber wird die Erbsünde um Christi willen nicht zur Sünde gerechnet (Röm 3).

Die Zweite besteht aus den Früchten dieser ersten Sünde und werden diese von den Gelehrten nicht mit Unrecht wirkliche Sünden genannt. Es sind nämlich diese: Ehebruch, Hurerei, Geiz, Prassen, Saufen, Hass, Neid, Lügen, Diebstahl, Mord, Abgötterei usw. Paulus nennt dieselben auch Werke des Fleisches (Gal 5,19) und zwar deshalb, weil sie aus dem Fleische herkommen, welches verdorben und sündlich von Adam geboren wird (Röm 5).

Wo nun diese zwei, nämlich die Erbsünde, die Mutter, und die wirklichen Sünden, die Früchte, miteinander in Kraft und Schwang gehen, da gibt es weder Vergebung noch Verheißung zum Leben, sondern da bleiben Zorn und Tod, es sei denn, dass Buße dafür getan werde, wie die Schrift bezeugt.

Soll nun diese Erbsünde ihre Kraft in uns verlieren und die wirkliche Sünde Vergebung haben, so müssen wir des Herrn Wort glauben, durch den Glauben von Neuem geboren werden und so in der Kraft der neuen Geburt durch rechtschaffene Buße die Erbsünde bekämpfen, der wirklichen Sünde absterben und fromm sein; denn gleichwie die irdische Geburt, die aus Adam ist, unrein und sündlich ist und daher alle Bosheit und Ungerechtigkeit nach des Teufels Willen zum Tode gebärt, ebenso ist hingegen die himmlische Geburt, welche aus Gott ist, rein, klar und gut und gebärt alle Gerechtigkeit und Frömmigkeit nach Gottes Willen zum Leben (Röm 5; Joh 3,5).

Die dritte Art wird gebildet von den menschlichen Schwachheiten, Missgriffen und Fehltritten, die noch täglich bei den Heiligen und Wiedergeborenen befunden werden, nämlich unbedachte Gedanken, unüberlegte Worte ohne Weisheit und unbesonnene, übereilte Handlungen. Obwohl nun diese noch aus den vorgenannten Sünden herkommen, gleichwie die Sünden der Ungläubigen und Unbußfertigen, so sind sie dennoch nicht gleicher Beschaffenheit mit denselben, sondern haben diesen Unterschied: Die Ungläubigen, welche noch unverändert in ihrer ersten Geburt stehen, vollbringen die Sünde mit Lust, Dreistigkeit und ohne Furcht, da sie in der Blindheit ihrer verdorbenen Natur die Hässlichkeit der Sünde nicht erkennen und zudem viele von ihren Sünden nicht für Sünden halten noch halten können, da ihnen die Sünde durch das Gesetz noch nicht offenbar gemacht worden ist, weil sie nicht glauben. Die von oben Wiedergeborenen hingegen fürchten sich vor allen Sünden, denn sie erkennen durch das Gesetz, dass alles, was gegen die ursprüngliche Gerechtigkeit geht, Sünde ist, sei es denn inwendig oder auswendig, klein oder groß. Sie streiten deshalb täglich im Geist und Glauben mit ihrem schwachen Fleische (Röm 7,19) und seufzen, jammern und klagen beständig über ihre Fehltritte, welche sie mit dem heiligen Paulus von ganzem Herzen hassen und nicht darin einwilligen, denn sie erkennen, dass sie gegen die ursprüngliche Gerechtigkeit und Gottes Gesetz und aus dieser Ursache Sünde sind. Sie treten Tag für Tag mit zerknirschtem Herzen vor den Gnadenstuhl und rufen und beten: Heiliger Vater, vergib uns unsere Schulden, wie wir unsern Schuldigern vergeben (Mt 6,12). Sie werden daher wegen solcher Übereilungen, die, obwohl sündlich, dennoch nicht aus Mutwillen und verkehrter Absicht, sondern aus bloßer Unüberlegtheit und Schwachheit geschehen, vom Herrn nicht verstoßen, gleichwie auch Petrus nicht verstoßen wurde, obwohl er den Herrn dreimal verleugnet hatte; denn sie sind unter der Gnade und nicht unter dem Gesetz, wie Paulus sagt; der Same Gottes, der Glaube an Christum Jesum, die Geburt, die aus Gott ist und die Salbung des heiligen Geistes bleiben bei ihnen; sie üben sich in einem beständigen und ewigen Streite; sie kreuzigen ihre Lüste und sterben ihnen ab ihr Leben lang; sie wachen und beten ohne Aufhören und obwohl sie solche arme, gebrechliche Kinder sind, so freuen sie sich in einem sichern Vertrauen der Wohltaten Christi und danken dem Vater für seine Gnade (Röm 6,14; 1Joh 3,9; Eph 6; 2Tim 2; Gal 5; 2Kor 6; 1Pt 5).

Seht, über diese gebrechliche und schwache Natur haben alle Heiligen beständig geklagt und sagt Johannes darüber:

»So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend.« (1Joh 1,8–9; 2Mo 34,7; Hi 15,14; Jes 64,6; Röm 7; Jak 3,2)

Die vierte Art ist, wenn jemand mit der himmlischen Klarheit der ewigen Wahrheit in seinem Herzen erleuchtet ist, die wahre Erkenntnis Christi und seines heiligen Wortes empfangen und die himmlischen Gaben, die Freundlichkeit des Herrn und die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt hat, des heiligen Geistes teilhaftig geworden ist, aus Gott geboren ist etc. und er dann wiederum aus eitel Frevel, Mutwillen und Verkehrtheit gegen sein Herz, Gemüt, Gewissen und die Versicherung des Geistes, die in ihm ist, handelt; alle Erkenntnis und Gnade verachtet; Gottes Geist und Wort aus allen Kräften von sich stößt; den süßen, neuen eingeschenkten Wein ausbricht und ausspeit; alle Wahrheit mit Wissen und Willen hasst, lästert und schilt, es mit den Schriftgelehrten und Pharisäern dem Teufel zuschreibt, obwohl ihm sein Gewissen das gewisse Zeugnis gibt, dass es Gottes Wille, Wort, Kraft und Werk ist und wieder auf den breiten Weg tritt und mit allen Verkehrten in seinem Herzen spricht:

»Ich will nicht so unterworfen sein!« (Jer 2,20)

Was das für eine Art der Sünde sei, darüber will ich des Herrn Wort urteilen lassen: 4Mo 15,30; Mt 12; Mk 3; Lk 12; 1Joh 5; Hebr 6

Meine lieben Leser, versteht mich recht: Ich spreche hier nicht von Übereilungen und wären dieselben auch noch so groß, wie z. B. der Fall Davids (vor welchem der allmächtige, große Herr die Seinen ewiglich bewahren möge), welch letzterer durch die Lust seiner Augen so jämmerlich betrogen wurde und einen so großen Fall tat (2Sam 11); sondern ich rede von denjenigen, welche aus eitel Frevelmut mit allem Mutwillen und Vorsatz den Sohn Gottes mit Füßen treten, das Blut des Testamentes unrein achten und den Geist der Gnade verlästern.

O meine Leser, lieber Leser, sehe dich vor und bedenke, dass geschrieben steht:

»Schrecklich ist es in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.« (Hebr 10,31)

Obwohl aber solche mutwillige Lästerung und Sünde in Israel kein Opfer hatte und die Sünde wider den heiligen Geist keine Vergebung hat, wie Christus spricht, so möchte ich dennoch, so viel in mir ist, alle Gottesfürchtigen bitten und ihnen den Rat geben, dass, wenn jemand nach abgelegtem Bekenntnis und empfangener Taufe wiederum in offenbare Fleischeswerke, in Schändlichkeiten und tödliche Lästerung fallen und darin verstrickt werden sollte, sie sich gleichwohl mit aller Weisheit vorsehen und nicht ein unreifes, vorzeitiges Urteil fällen wollen, denn der Herr, welchem nichts verborgen ist, weiß, wie er gesündigt hat, ob seine Sünde wider den heiligen Geist ist oder nicht. Einen solchen sollen sie aber dem Worte des Herrn gemäß ermahnen. Bekehrt er sich dann wiederum von Herzen, tut eine wahre, rechtschaffene, der Schrift gemäße Buße, empfängt wieder ein zerknirschtes, trauriges und reuiges Herz und zudem ein friedliches, fröhliches und freimütiges Gemüt, so ist es offenbar, dass seine Sünde nicht wider den heiligen Geist gewesen ist; bleibt er hingegen unbekehrbar, fährt nach seinem Mutwillen und seiner Verkehrtheit fort und verachtet Christum und sein Wort bis ans Ende, so beweist er wohl mit der Tat, was für eine Sünde er getan hat und dass sein Ende und Lohn der Tod sein wird (Röm 1; 1Kor 6; Gal 5; Eph 5; 1Joh 3; Offb 21).

Seht, meine guten Leser, wir glauben also, dass alle Sünden, sowohl innerliche als äußerliche, in den Verdiensten und der Kraft des Blutes unseres Herrn ihre Versöhnung haben, wenn wahre Buße dafür getan wird.

Ein jeder sehe sich vor, dass er in der Furcht des Herrn wandle und die Gnade wahrnehme, auf dass er nicht in einen verkehrten Sinn hingegeben werde, des Herrn Gericht und Urteil anheimfalle und ihm die Buße, die vor Gott gilt, von dem Herrn geweigert werde. Christus sagt:

»Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.« (Joh 8,34)

Petrus sagt:

»Von welchem jemand überwunden ist, dessen Knecht ist er geworden.« (2Pt 2,19)

Lässt sich daher jemand von der Sünde überwinden, so muss er ihr Knecht sein. Dies ist unbestreitbar.

Ich denke, dass dieses unser Bekenntnis und auch der Bann oder die Absonderung, welche in der Schrift verfasst liegt und von uns gebraucht wird und mit welcher man die schriftgemäße Beschämung der Abfälligen zu ihrer Bekehrung sucht, wohl bezeugen, dass wir von unserer Widerpartei auch in diesem Punkte verleumdet werden. Ja, wir bezeugen vor dem Herrn und vor euch, dass wir auf Erden nichts lieber suchen, als dass wir einen armen, verirrten Sünder wieder auf den rechten Weg bringen mögen (Lk 15).

Allein dies sagen wir, dass Gottes durch das Evangelium gepredigte Verheißung der ewigen Seligkeit nicht unbekehrbaren Sündern, Heuchlern, Geizigen, Irdischgesinnten, Spöttern und Verkehrten gegeben ist, sondern denjenigen, welche das liebliche Wort unseres Herrn Jesu Christi mit Begierde anhören, wahrhaft glauben, dadurch zu neuen, aus Gott geborenen Menschen werden und dieser schrecklichen, wüsten Welt mit ihrem gottlosen Hochmut, ihrer Pracht, Eitelkeit und Wollust absterben. Sie wollen sich der Schrift rühmen und sich mit derselben trösten; ihr Leben aber steht im Widerspruch mit der Schrift und ist eine offenbare Lästerung und Feindschaft wider Gott. Christus sagt:

»So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger.« (Joh 8,31)

und

»Ihr seid meine Freunde, so ihr tut, was ich euch gebiete.« (Joh 15,14)

Denn die Ranke muss tragen nach des Weinstocks Art.

Siebtens schelten sie, dass wir Landläufer seien und uns heimlich in die Häuser schleichen; dass wir Verführer, neue Mönche und Gleisner seien; dass wir uns rühmen, ohne Sünde zu sein; dass wir Himmelsstürmer und Werkheilige seien und durch unsere eigenen Verdienste und Werke selig werden wollen; dass wir eine gottlose Sekte und Rotte, Kinderseelenmörder, Wiedertäufer, Sakramentschänder und vom Teufel besessen seien.

Antwort: Diese und ähnliche Lästerreden haben auch Christus Jesus, die heiligen Apostel und Propheten und die Heiligen der ersten Kirche manchmal hören müssen, wie schon in der Vorrede gesagt worden ist:

»Haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen, wie viel mehr werden sie seine Hausgenossen so heißen?« (Mt 10,25)

»Der Jünger ist nicht über seinem Meister, noch der Knecht über dem Herrn.« (Mt 10,24)

Dennoch hoffen wir, dass es allen ehrlichen, frommen und verständigen Leuten wohl bekannt ist, dass diese und ähnliche Beschimpfungen und Lästerreden aus bloßem Hass und Neid und ohne alle Wahrheit von unserer Widerpartei über uns ausgestoßen werden, auf dass sie damit den Lauf des Wortes hindern und die Unschuldigen in Leid bringen mögen.

Antwort auf das Lästerwort Landläufer: Landläufer sind Schälke, Bösewichte, träge Buben und Übeltäter, die ihrer Laster halber von einem Land in das andere laufen und an keinem Platze bleiben können. Wir aber sind arme, elende Pilgrime und, nach dem Fleische, betrübte Fremdlinge, die nicht wegen Schändlichkeit und Bosheit, sondern um des Zeugnisses Jesu und unseres Gewissens willen mit unsern armen Frauen und kleinen Kindern, um unser Leben zu retten, vor dem tyrannischen, blutigen Schwerte fliehen und in fremden Ländern mit viel Bangigkeit Schmach- und Scheltworte hören und in Kummer und Not uns ernähren müssen; welche man aber nach der Schrift und natürlicher Billigkeit in aller Liebe empfangen, ihnen dienen, sie trösten und beschützen und nicht so unbarmherzig verstoßen, verderben und beschimpfen sollte, wie man leider allerwärts hören und sehen muss (2Mo 22,20; Jes 58,7; Jer 7,6; Sach 10; Mt 25; Röm 13; 1Pt 4; Hebr 13).

Antwort auf die unmanierliche und ärgerliche Lästerung, dass wir uns heimlich in die Häuser schleichen: Heimlich in die Häuser schleichen sich Diebe und Mörder, die im Verborgenen nach anderer Leute Gut und Blut stehen; sowie auch Eidbrüchige, Ehebrecher und Frauenschänder, die darauf ausgehen, ihres Nächsten Haus zu besudeln; denn solche haben Acht auf das Dunkle, sagt Hiob und sprechen: Mich sieht kein Auge, und brechen so im Finstern zu den Häusern ein (Hi 24,15–16).

Wir aber tun nicht so, sondern, da es durch der Gelehrten Lügen, Schelten und Schreien so weit gekommen ist, dass man leider von des Herrn Wort im Öffentlichen nicht einmal schnaufen darf, obschon es die einzige Speise ist, von welcher unsere Seele leben muss; und da wir aus der Schrift erkennen, dass Mose und das ganze Israel das Osterlamm in der Nacht gegessen haben (2Mo 12), dass Christus den Nikodemus in der Nacht ermahnt hat (Joh 3), dass die Gemeinde in der Nacht zum Gebet versammelt gewesen ist (Apg 12), dass Paulus des Herrn Wort die ganze Nacht hindurch gelehrt hat (Apg 20) und dass die Gemeinden der ersten Kirche, wie die Geschichte meldet, zur Nachtzeit zusammen gekommen sind, um des Herrn Brot zu brechen, so erkennen wir aus diesem, dass man des Herrn Wort und Werk sowohl bei Nacht als bei Tage zu des Herrn Preis treiben muss und kommen daher zuweilen in reiner Gottesfurcht, ohne dass wir jemand hindern oder schaden, dies weiß der Herr, sowohl bei Nacht als bei Tage christlicherweise zusammen, um einander mit des Herrn Wort in aller Gottseligkeit lieblich zu ermahnen, zu lehren, zu strafen und zu trösten, ferner, um zu beten und die Sakramente zu bedienen, wie uns des Herrn Wort dieses lehrt.

Antwort auf das Wort Verführer: Verführer sind diejenigen, welche das unbußfertige, fleischliche Volk Christen nennen, es in seiner Blindheit, seinem Hochmut, seiner Pracht, Prahlerei, Säuferei, Abgötterei mit Wasser, Absolution, Brot, Wein und Werken trösten, des Herrn Wort und Sakramente schändlich verfälschen und die armen, elenden Seelen um einen Bauch voll Brotes, ja, um eine Hand voll Gerste, jämmerlich in den Tod führen (Mi 3,2; Phil 3,19; Hes 13,19; Mi 3,5). Wir aber sind durch des Herrn Gnade an allen diesen Dingen unschuldig. Denn wir lehren Gottes Wort unverfälscht in einem guten Gewissen und ohne jegliches Ansehen der Person. Wir suchen an jedermann die Seligkeit seiner Seele und nicht seine Gunst oder Geschenke. Wir üben des Herrn Taufe und Abendmahl nach Anweisung seines heiligen Wortes und obwohl wir arm, schwach, elend, mit einem schlechten, böswilligen Fleische umgeben und kranke Sünder sind, so möchten wir doch so gerne in unserer Schwachheit recht handeln, fromm sein und unsträflich vor der Welt leben.

Wir begehren also durch des Herrn Gnade und Hilfe mit unserer geringen Gabe das Verfallene wieder aufzurichten, das Unebene schlicht und gerade zu machen, das Verlorene wieder zu suchen, die hohen, stolzen Herzen zu demütigen, die Hungrigen auf die rechte Weide und die Durstigen zu den rechten Wassern zu bringen und die Blinden auf den rechten Weg zu führen, auf dass wir also das teure Evangelium unseres Herrn Jesu Christi in viele Herzen zum Preise unseres Gottes ausbreiten und seinen anbetungswürdigen hohen Namen bekannt machen mögen (Hes 34; 2Kor 10).

Antwort auf die Lästerung neue Mönche: Neue Mönche lassen wir diejenigen sein, welche ehemals in Kirchen und Klöstern gewohnt und Menschengeboten und einem epicuräischen Wohlleben unter dem Scheine eines guten Eifers (welchen sie verlassen haben) gehuldigt haben, nun aber sich einem noch wolllüstigeren, prächtigern und fleischlicheren Leben hingeben, gänzlich ohne jegliche Herzensveränderung im alten Wesen ihrer Sünden bleiben und so die Festigkeit ihres Glaubens, ihrer Hoffnung und Seligkeit von Anfang an auf das Gutdünken, die Meinungen und Glossen der Menschen setzen. Denn dies ist die Weise und der Gebrauch der Mönche, nämlich, den Vorschriften, Geboten und Einsetzungen der Menschen und nicht dem Worte Gottes zu folgen. Sie haben ihre Äbte, Priore und Verwalter und werden nach ihren Gründern und Meistern Augustiner, Franziskaner, Dominikaner, Bernhardiner und Jakobiner genannt.

Doch wir machen es nicht so, sondern hoffen, dass wir durch des Herrn Barmherzigkeit und Gnade Kinder Gottes und Jünger Christi sind. Wir wissen von keinem andern Abte, als demjenigen, welchen alle rechten Christen im Geist und in der Wahrheit anrufen und sagen:

»Abba, lieber Vater.« (Röm 8,15; Gal 4,6)

Unser Oberster und Prior ist Christus Jesus (Kol 1; Eph 1).

Unser Verwalter und Kellermeister, der einem jeden das Seine gibt und austeilt, ist der heilige Geist (1Kor 12,11).

Unser Profess ist das aufrichtige, freimütige und unerschrockene Bekenntnis unseres Glaubens (Mt 10,32–33; Röm 10,9–10).

Unsere Vorschriften und Gesetze sind die ausdrücklichen Gebote unseres Herrn (Mt 19,17).

Unsere Kapuze und unser Mantel ist das Kleid der Gerechtigkeit, mit welchem wir so gerne gekleidet sein möchten (Mt 22,11).

Unser Kloster ist die Versammlung der Heiligen, die Stadt des lebendigen Gottes, das himmlische Jerusalem (Hebr 12,22; Offb 21,2).

Unsere gemächlichen Mönchstage und Wollüste bestehen darin, dass wir uns täglich auf Kerker und Bande, auf Feuer und Wasser gefasst machen und mit unsern Frauen und Kindern in unbekannte Länder gehen müssen, mit Hunger, Kummer, Ungemach, Bangigkeit, Trübsal und Tränen auf den Wangen.

Seht, meine guten Leser, dieses Mönchstum kennen und üben wir und hoffen durch des Herrn Gnade und Kraft unverändert unser Leben lang dabei zu bleiben. O ihr groben Schelter und Beschimpfer!

Antwort auf die Lästerung Gleisner: Gleisner werden in der Schrift diejenigen genannt, welche äußerlich in Worten und Gebärden einen heiligen Schein führen, wie z. B. die Schriftgelehrten und Pharisäer (Mt 23), innerlich aber voll Ungerechtigkeit, Geiz, Hass und Betrug sind, wie dies der Fall ist mit unsern Widersachern, welche sich dünken lassen, dass sie Christen seien, viel von des Herrn Wort zu sprechen wissen, sich des Evangeliums und des christlichen Namens hoch rühmen und vorgeben, dass sie die reine Lehre Christi haben und die heilige christliche Kirche seien, gleichwohl aber Gottes Wort verfälschen, den heilsamen Gebrauch der Sakramente Ketzerei schelten, alle Frommen hassen und in offenbaren Werken des Fleisches wandeln, wie man sehen kann. Ob solche nicht Mitgesellen der Schriftgelehrten und Pharisäer sind, das wollen wir alle Verständigen beurteilen lassen. Dass wir von ihnen Gleisner gescholten werden und dass sie über uns lügen, wir rühmen uns, ohne Sünde zu sein, geschieht deshalb, weil wir mit der ganzen Schrift ein bußfertiges Leben lehren und mit dem heiligen Paulus bezeugen, dass Eidbrüchige, Hurer, Götzendiener, Säufer, Geizhälse, Lügner, Ungerechte das Reich Gottes nicht ererben werden (1Kor 6,10; Gal 5,21; Eph 5,5); dass diejenigen, welche fleischlich gesinnt sind, sterben müssen (Röm 8,13); und mit Johannes, dass diejenigen, welche sündigen (versteht, vorsätzlich oder mutwillig) aus dem Teufel sind (1Joh 3,8); und weil wir uns deshalb in unserer Schwachheit von Herzen vor solchen Werken fürchten, obschon wir so oft, sowohl mündlich als schriftlich mit Mose bekannt haben und auch ewiglich bekennen werden, dass vor Gott niemand der angeborenen (bösen) Natur unschuldig ist (1Mo 6,5; 8,21); mit Jesaja, dass wir allesamt sind wie die Unreinen (Jes 64,5); mit David, dass vor Gott kein Lebendiger gerecht ist (Ps 143,2); mit Paulus, dass in unserm Fleisch nichts Gutes wohnt (Röm 7,18); mit Johannes, dass wenn wir sagen, dass wir ohne Sünden seien, wir uns selbst verführen und die Wahrheit nicht in uns ist (1Joh 1,8) und mit Jakobus, dass wir alle mannigfaltig fehlen (Jak 3,2).

Seht, meine guten Leser, dies ist die Ursache warum die Prediger uns Gleisner nennen und sagen, wir lassen uns dünken, wir seien ohne Sünde. Mit solchen groben Lügen gehen die um, welche sich einbilden, dass sie Gottes Wort lehren.

Antwort auf die Lästerung Himmelsstürmer: Weil wir aus des Herrn Mund lehren, dass wer zum Leben eingehen wolle, die Gebote halten müsse (Mt 19,17; Mk 10,19; Joh 15,10), dass in Christo Jesu weder Beschneidung noch Vorhaut gelten, sondern das Halten der Gebote Gottes (1Kor 7,19) und dass

»das die Liebe zu Gott ist, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer,« (1Joh 5,3)

müssen wir fortan der Prediger Himmelsstürmer und Werkheilige heißen und durch unsere Verdienste selig werden wollen, obschon wir stets bekannt haben und durch Gottes Gnade in Ewigkeit bekennen werden, dass wir durch kein anderes Mittel weder im Himmel noch auf Erden selig werden können, als durch die Verdienste, Fürbitte, den Tod und das Blut Christi, wie oben hinreichend erklärt worden ist (Apg 4,12).

Seht, so wird das Beste von diesen verkehrten Menschen in das Schlimmste umgewandelt. Sie merken nicht, dass die ganze Schrift so offenbar zum Tode verurteilt alle mutwilligen, stolzen Verächter und Übertreter der Gebote Gottes, welche mit der Tat beweisen, dass sie die seligmachende Gnade Gottes nicht erkennen, nicht an Christum Jesum glauben und laut der Schrift in der Verdammnis, im Zorn und Tode bleiben (Joh 3,36); denn wer Unrecht tut, bezeugt mit seinem Werk, wessen Jünger er ist (1Joh 1,6,10).

Antwort auf die verkehrte, bittere Lästerung gottlose Sekte und Rotte: In Betreff der bittern, feindseligen Lästerung, dass wir eine verkehrte, gottlose Sekte und Rotte seien, antworten wir: Könnten wir mit unserer Widerpartei vor einem unparteiischen Gericht, das des göttlichen Wortes kundig wäre, erscheinen, so würden wir wohl leicht von dieser schändlichen Lästerung frei und sie selbst schuldig erfunden werden; denn was sie für eine Rotte sind, bezeugt diese Rede wohl.

»Die Propheten, […] haben sich gerottet (merkt: gerottet) die Seelen zu fressen, wie ein brüllender Löwe, wenn er raubt; sie reißen Gut und Geld zu sich und machen der Witwen viel.« (Hes 22,25)

Alle können in ihrer Sekte Platz finden, wenn sie nur ihre Zeremonien unterhalten und sie selbst für die rechten Prediger und Gesandten anerkennen wollen. Sie mögen leben, wie sie wollen, wenn sie nur nicht in des Henkers Hände und Gewalt fallen. Da ist kein Säufer, Geizhals, Prahler, Frauenschänder, Betrüger, Lügner, Dieb, Räuber, Blutvergießer (versteht, wenn er es im Kriege tut), Flucher oder Schwörer so gottlos, dass er nicht dennoch ein Christ genannt werden muss. Wenn er nur sagt: Es ist mir leid, so wird es seiner Schwachheit und Krankheit zugeschrieben und kann er wegen dem schon ihr Abendmahl genießen; denn er ist aus Gnaden selig geworden, sagen sie, und nicht aus Verdienst. Er bleibt ein Glied ihrer Kirche, obwohl er in allen seinen Früchten ein unbußfertiger, verstockter und gottloser Heide ist – heute wie gestern und gestern wie heute – und obwohl die Schrift so gewaltig bezeugt, dass solche das Reich Gottes nicht besitzen werden (Röm 1,32; 1Kor 6,10), da sie von dem Teufel sind (Joh 8,44; 1Joh 2,11).

O Prediger, Prediger, lernt doch einmal eure eigene Sekte und Rotte recht kennen, dies bitten wir euch um Jesu willen. Ihr rühmt, dass ihr die christliche Kirche seid, allein wir fürchten, dass ihr ein neues Sodom, Ägypten und Babylon seid (2Mo 10,22; Hes 16,49; Offb 17,5). Ach, ach, wir haben so lange Jahre mit euch aus dem gleichen Kelche getrunken und sind im gleichen Geiste mit euch gewandelt; wir haben alle den gleichen Chrisma und die gleiche Salbung mit euch empfangen – wir kennen euch gründlich. Allein wir haben Barmherzigkeit empfangen und haben den eingetrunkenen Gräuel ausgespien und uns willig in die liebliche Gemeinschaft seiner Heiligen begeben – in das Haus, Reich und den Leib Christi – welche die Gottlosigkeit und Sünde von ganzem Herzen hassen und aus allen Kräften die Gerechtigkeit und Gottseligkeit suchen und verlangen. Und obwohl sie von euch und von jedermann eine gottlose Sekte und Rotte gescholten werden, sind sie dennoch friedsam und fröhlich im Geiste und werden in ihrem Gewissen versichert, dass sie die Wahrheit haben und keine verkehrte Sekte und Rotte, sondern des Herrn eigenes, besonderes Volk, Gemeinde und Leib sind (1Kor 12,13; Eph 1,4; Kol 1,18; 1Pt 2,10). O lieber Herr, wie jämmerlich wird doch dein armes Häuflein beständig gelästert (Eph 5,27)!

Antwort auf die hässliche, erlogene Lästerung Kinderseelenmörder: Auch müssen wir von dem armen blinden Volk, welches die Seligkeit seiner Kinder in der Taufe der Prediger sucht, oft hören, dass wir die Seelen unserer Kinder morden; weil wir des Herrn Wort glauben, welches ihnen das Himmelreich aus Gnaden durch die Erwählung Gottes, unseres himmlischen Vaters, im Verdienste Jesu Christi verheißt (Eph 1,7; Apg 20,28; Kol 1,14; 1Pt 1,19; Hebr 9,12), wie der Herr spricht:

»Lasst die Kindlein und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen, denn solcher ist das Himmelreich.« (Mt 19,14; Mk 10,14; Lk 18,16)

, und wir sie deshalb nicht mit der Taufe des Antichristen taufen lassen, da nicht diese, sondern die Verheißung Jesu Christi uns der Seligkeit unserer kleinen Kinder versichern, wenn sie sterben und von hier abscheiden. Lässt sie aber der gute Vater aufwachsen und will ihnen seine Gnade gönnen, so hoffen wir sie in der Unterweisung und Furcht des Herrn aufzuerziehen, so viel uns möglich ist. Wenn sie dann Gottes Wort hören können und dasselbe glauben, so weist die Schrift sie zur Taufe (Mt 28,19; Mk 16,16). Wir wollen aber des Herrn Wort richten lassen, wie diejenigen an den Seelen ihrer Kinder handeln, welche mit den kleinen Kindern von der Geburt an so offenbares Heucheln und so antichristliche Werke treiben; welche den Teufel aus den unschuldigen, einfältigen Gefäßen, die mit dem Blute des Herrn gewaschen sind, bannen; welche dieselben beschwören, salzen, salben, darbringen und auf eines andern Glauben taufen, obwohl von solchem Spott, Mummenschanz und Kinderspiel nicht ein einziges Wort in der Schrift geboten ist; sie trösten die Eltern, dass ihre Kinder damit Christen seien und werden Letztere von der Wiege an in allerlei Blindheit, Pracht, Stolz und Abgötterei auferzogen, so dass sie, wenn sie dann zu ihren Jahren gekommen sind, im göttlichen Worte noch keinen Unterricht haben und ihr Lebtag im Vertrauen auf diese Kindertaufe auf einem krummen und düstern Wege wandeln, ohne Bekenntnis, Glauben und neue Geburt, ja, ohne Geist, Wort und Christum.

Antwort auf das unnütze Scheltwort Wiedertäufer: Ferner müssen wir der Gelehrten Wiedertäufer sein, weil wir auf den Glauben taufen, wie Christus den Seinen solches befohlen und die heiligen Apostel dies gelehrt und geübt haben, und weil wir mit dem würdigen Märtyrer Cyprian, allen afrikanischen Bischöfen und dem nicänischen Konzil die Ketzertaufe, welche die Taufe des Antichristen ist, nicht für eine christliche Taufe halten können. Auch berichtet die Schrift, dass der heilige Paulus etliche, die schon einmal mit der Taufe Johannis, die vom Himmel war, getauft waren (Mt 21,25), noch einmal getauft hat, weil sie von dem heiligen Geiste nichts wussten (Apg 19,5).

Da wir denn nicht anders taufen, als nach dem Befehl Christi und nach der Lehre und dem Gebrauch der heiligen Apostel – nicht mehr tun, als Cyprian samt dem Konzil von Karthago und Nicäa in dieser Sache getan haben (dennoch, wir geben es zu, sind wir nicht einerlei Grund und Meinung mit ihnen) und wir die Taufe an denjenigen erneuern, welche nicht mit einer göttlichen Taufe (wie die Täuflinge des Johannis), sondern mit einer antichristlichen Taufe einmal getauft worden sind und zur Zeit ihrer Taufe keine Sünde hatten (wie die Gemeldeten) und zu allen göttlichen Händeln untauglich waren, wie beides Natur und Schrift lehren, weil sie noch unverständige Kinder waren und wir deshalb der Gelehrten Wiedertäufer sein müssen, so müssen in der Tat auch Christus und seine Apostel, Cyprian und seine Bischöfe, das nicänische Konzil, sowie auch der heilige Apostel Paulus sämtlich Wiedertäufer gewesen sein, dies ist unwidersprechlich.

Antwort auf die blinde Lästerung Sakramentschänder: Weiter werden wir auch noch von einigen Gelehrten Sakramentschänder genannt, weil wir nicht glauben, dass das Brot und der Wein ihres Abendmahls des Herrn wirkliches Fleisch und Blut ist, oder, wie einige es haben wollen, weil wir nicht glauben, dass man im Brot und Wein des Herrn wirkliches Fleisch und Blut genießt oder empfängt; obwohl wir das heilige Abendmahl sowohl mit Furcht und Beben als auch mit Danksagung und Fröhlichkeit nach der Anweisung der Schrift und auch vieler Väter, als da sind: Gregor, Augustin, Chrysostomos, Tertullian, Thrillus, Eusebius u. a., als ein figürliches oder sakramentliches Zeichen unter den Bußfertigen (versteht, so weit als Menschen urteilen können) mit Ehrfurcht gebrauchen und uns in unserer Schwachheit eifrig befleißigen, das heilige, herrliche Geheimnis, nämlich des Herrn Tod, die Liebe, den Frieden und die Einigkeit seiner Gemeinde und die Gemeinschaft seines heiligen Fleisches und Blutes, welche mit diesen erbaulichen Zeichen des Brotes und Weines allen wahren Christen im Gebrauche abgebildet und vorgeführt werden, recht zu betrachten und solchem in der Kraft und Frucht gottselig nachzukommen (Mt 26; Mk 14; Lk 22; 1Kor 10,16). Die armen, blinden Schmäher merken nicht, wie jämmerlich sie selber des Herrn Sakramente schänden, wenn das, was sie gebrauchen, des Herrn Sakramente genannt werden kann, obwohl sie glauben, dass sie damit des Herrn wirkliches Fleisch und Blut austeilen, welches sie aber gleichwohl so gering schätzen, dass sie es offenbaren Trunkenbolden, Geizhälsen, Lügnern, Unbußfertigen mit Wissen und Willen in den Mund stecken, gerade als ob des Herrn Abendmahl sowohl den Unbußfertigen als den Bußfertigen wie ein Bissen Brotes gleich gut zukomme. Ob das nicht Sakramentschänder sind, mögt ihr mit der Schrift erwägen.

Antwort auf die pharisäische Lästerung, dass wir vom Teufel besessen seien: Vom Teufel Besessene lassen wir diejenigen sein, welche des Teufels Wort sprechen und sein Werk treiben, nämlich die Lüge für die Wahrheit lehren, Gott sein Lob und seine Ehre stehlen und die armen Seelen so jämmerlich verführen. Allein wir hoffen durch des Herrn Gnade (dem Herrn sei ewig Dank), dass wir des Teufels Worte und Werke mit vollem Herzen hassen und nach dem Maße, welches wir empfangen, großes Verlangen tragen nach den Worten der ewigen Wahrheit und den lieblichen Früchten des Geistes, welches ein offenbares Zeichen und ein sicherer Beweis ist, dass wir nicht vom Teufel, sondern von des Herrn Geist besessen werden. Denn wenn wir, wie wir gelästert werden, vom Teufel wären, so würden wir wohl auf der breiten Straße bleiben und der Welt Freund sein und würden nicht so unverzagt und freimütig Gut und Blut für des Herrn Wort lassen. Dennoch ist es billig, dass der Jünger nicht über seinem Meister sei; der Hausvater musste ja selber hören, dass er den Teufel hätte (Joh 8,48). Die Pharisäer und Schriftgelehrten müssen ihre Natur beweisen und ihren Geist kundgeben; denn wenn sie mit ihrer torenhaften Weisheit vor des Herrn Torheit, Kraft und Wahrheit (1Kor 1,18) nicht bestehen können, da ja der Belialsgeist vor dem Geiste des Herrn stets weichen und schweigen muss, brechen sie in großen Grimm aus, häufen eine Lüge auf die andere, schelten und erdichten, so viel sie nur können und schreiben es dem Teufel zu, obwohl ihr Gewissen, das soviel als tausend Zeugen ist, sie anklagt und bezeugt, dass es des Herrn Geist, Kraft und Werk ist. Von welchem Geiste solche getrieben werden, melden und bezeugen diese ihre Worte und Werke wohl.

Seht, meine guten Leser, hier habt ihr unsere Antwort auf die vornehmlichsten Lästerreden, mit welchen wir von unseren Verleumdern, Widersachern und Zwistmachern immerfort begrüßt werden. Mit diesen Schändlichkeiten und Beschimpfungen sind ihre Bücher angefüllt und fließen ihnen Herz und Mund über; ja, wir sind mit solchen Farben von ihnen abgemalt worden (der Herr vergebe es ihnen), dass wir vielleicht bei dem großen Haufen, der auf der breiten Straße wandelt, den Ruf eines verkehrten, gottlosen Volkes haben werden, solange die Welt steht. O böse Art! Christus spricht:

»Ihr Otterngezücht, wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid?« (Mt 12,34)

Ich fürchte sehr, dass sie Glieder des schrecklichen Tieres sind, welches aus dem Meere steigt und einem Pardel gleich ist, das Bärenfüße und einen Löwenmund hat und welches sich gegen Gott gekehrt hat, um seinen heiligen Namen und seine Hütte und die im Himmel wohnen zu lästern (Offb 13). Denn was gibt es doch nach der Schrift Heiliges, Gerechtes und Gutes, das sie nicht mit ihren Füßen zertreten, mit ihrem Munde zerreißen und mit ihrer unreinen Zunge als einen gottlosen, verhassten Gräuel lästern und schelten? O lieber Herr, du wollest doch all deine lieben Kinder vor diesem lügenhaften und verführerischen Geschlechte ewiglich bewahren!

Zum Achten und Letzten schreiben sie: »Wohlan, haben sie die Wahrheit, so lasst sie in die Öffentlichkeit kommen.«

Antwort: Hier wollen wir den Leser treulich ermahnt haben, doch wohl in Betracht zu ziehen, aus welchem Grund und welcher Absicht sie uns solches vorwerfen. Die meisten tun es nur aus Neid und Blutdurst, dessen sind wir gewiss. Sie hoffen, dass wenn wir öffentlich anfingen, die Sache bald ein Ende nehmen würde. Die Übrigen in ihrer Einfalt zweifeln vielleicht, ob wir der Schrift in dieser Sache vollständig nachkommen, da Christus und seine Apostel, sowie auch die Propheten, gewöhnlich im Öffentlichen vor dem Volke, zu dem sie gesandt waren, gepredigt haben. Denjenigen, welche es aus Blutdurst tun, antworten wir, dass sie mit den Pharisäern und Schriftgelehrten das unschuldige Blut auf sich geladen haben und mit den Totschlägern gerechnet werden (Mt 23,35; Lk 11,50).

Denjenigen aber, welche es aus Einfalt tun (wenn es einige geben sollte, wie wir hoffen), antworten wir in aller Liebe, dass sie doch die ganze Schrift mit Fleiß durchforschen wollen, ob sie an irgendeiner Stelle finden können, dass sich die Apostel und Propheten freiwillig und unverzagt zum Predigen hingegeben haben, wo sie gewiss wussten, dass sie sterben mussten, gleichwie wir wissen, dass wir unzweifelhaft tun müssten, wenn wir ohne Erlaubnis an den Tag kämen. Nein, nein, sie sind, wenn ich mich recht erinnere, von den Plätzen und Städten, wo, wie sie wussten, man ihnen nach dem Leben trachtete, stets gewichen oder sie haben sich verborgen gehalten wie Jeremia und Baruch taten, als der König Joachim befohlen hatte, dass man sie ergreifen und gefangen nehmen sollte (Jer 36,19).

Sie haben alle den Tod gefürchtet und geflohen, wie herrlich sie auch mit des Herrn Geist begabt waren. Mose rief in großer Angst zum Herrn:

»Wie soll ich mit dem Volke tun? Es fehlt nicht weit, sie werden mich noch steinigen.« (2Mo 17,4)

Jeremia sprach:

»Und nun, mein Herr König, höre mich und laß meine Bitte vor dir gelten und laß mich nicht wieder in Jonathans, des Schreibers, Haus bringen, dass ich nicht sterbe daselbst.« (Jer 37,20)

David floh vor Saul von einem Gebirge auf das andere und von einer Wüste in die andere (1Sam 21; 24; 26).

Uria von Kiriath-Jearim, ein Prophet des Herrn, floh vor dem Schwerte des Königs von Juda nach Ägypten (Jer 26,21).

Der geistliche Mann Gottes, Elia, floh vor dem Drohen Isebels in die Wüste (1Kön 19,4).

Jona wollte aus Furcht vor den Niniviten nach Tarsis fliehen (Jon 1).

Paulus wurde zu Damaskus bei der Nacht in einem Korbe über die Mauer hinunter gelassen, als er wusste, dass ihm Todesschlingen gelegt waren (Apg 9).

Seht, meine guten Leser, so haben die hohen Männer Gottes sich vor dem Tode gefürchtet und sich gewöhnlich nicht dahin begeben, wo sie unbillige Behandlung vermuteten, ehe sie nicht mit einem besonderen Befehl vom Himmel oder durch eine von den Engeln gebrachte Offenbarung dazu aufgefordert und ermahnt waren.

Auf diese Weise ging es zu, dass Elia nach der langen Trockenheit und Hungersnot dem König Ahab erschien (1Kön 18).

So sprachen die Apostel das Wort des Herrn freimütig im Tempel, nachdem sie vom Engel aus dem Gefängnis herausgeführt worden waren (Apg 5,20; 12,7; 16,26).

So predigte Paulus zu Korinth anderthalb Jahre, als der Herr durch ein Gesicht zu ihm gesprochen hatte:

»Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht; denn ich bin mit dir und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.« (Apg 18,9–10)

, und dergleichen mehr. Wir wissen wohl, liebe Leser, dass Gott mächtig ist, die Seinen zu bewahren, wenn es sein Wille ist. Er war es, der die Syrer, welche den Elia fangen wollten, mit Blindheit schlug (2Kön 6,18); den Jona im Walfisch durch das wüste Meer führen ließ und nach Ninive schickte (Jon 2); dem Feuer seine Kraft benahm (Dan 3,27; Hebr 11,34); den Löwen den Rachen zuhielt (Dan 6,22); die Apostel durch der Engel Dienst erlöste (Apg 12,11), welches mit Petrus das zweite Mal war. Es ist der Herrscher, der Herr, der unveränderlich in seiner Kraft und Majestät lebt.

Weil aber solche Werke besondere Wunderwerke und Zeichen Gottes sind, die von ihm nicht an einem jeden bewiesen werden und uns keine Stelle in der ganzen Schrift dahin dringt, dass wir uns irgendwohin begeben müssen, wo wir gewiss wissen, dass der Tod oder ewiges Gefängnis uns erwartet, sondern wir mit klaren und deutlichen Worten ermahnt werden, vor den Tyrannen zu fliehen (Mt 10,23) und die lieben Männer und Diener Gottes, die voll des heiligen Geistes waren, solches wie schon gesagt, auch getan haben, so sagen wir einfach und zwar mit gutem Gewissen, dass wir weder jetzt noch zu irgendeiner andern Zeit auf solche Weise hervortreten werden, es sei denn, man beweise uns mit aufrichtigem, frommen Herzen aus der Schrift (was man, wie wir gewiss wissen, doch nicht tun kann), dass wir solches tun müssen, ehe wir von des Herrn starker Kraft entweder durch das Geheiß eines Engels oder durch ein gewaltiges Treiben des heiligen Geistes, wie die Apostel und Propheten, dazu gedrungen werden, wie gehört worden ist. Wenn aber solches geschehen kann, so stehen wir jetzt und zu allen Zeiten des Herrn Willen bereit, sein heiliges Wort und seine Sakramente in der Öffentlichkeit zu treiben und zu gebrauchen, uns widerfahre dann Freude oder Leid.

Auch ist es dem ehrsamen Leser wohl bekannt, dass wir überall der Gelehrten Aufrührer und Unruhestifter sein müssen, obschon wir in solch lieblicher Stille wandeln und uns gegen jedermann so redlich erzeigen, wie allen verständigen Leuten, die von uns Kenntnis haben, wohl bekannt ist. Wenn wir nun gegen all das feindselige Schelten der Gelehrten, die grausamen Mandate der Gewaltigen und die tolle Raserei des gemeinen Volkes mit des Herrn Wort öffentlich an den Tag kämen, so würden wohl einige ihren Mund aufsperren und rufen: »Aufrührer, Aufrührer!« Obwohl wir, Gott sei Dank, allen Aufruhrs und Blutvergießens unschuldig und frei sind, wie gehört worden ist.

Die andern aber würden, und zwar nicht mit Unrecht, sagen, dass wir uns selbst mit einer ungezähmten Liebe ums Leben brächten, da wir wohl wüssten, was auf allen Plätzen über uns beschlossen wäre, wir aber dennoch mit der offenbaren Lehre an den Tag kämen.

Ferner wolle der verständige Leser in Betracht nehmen, dass ein rechter Lehrer, welcher des Herrn Wort unsträflich predigt, heutigen Tages in keinem Königreich, Land oder Stadt, soweit uns bekannt ist, öffentlich wohnen oder herumgehen kann, d. h. wenn man ihn kennt. Kann er aber nicht herumgehen oder wohnen, wie soll er dann predigen und lehren?

Desgleichen sehen wir mit unsern Augen, dass die einfältigen, unschuldigen Schafe leiden müssen und in den Tod geliefert werden, obwohl sie keine Lehrer sind. Wenn nun die Lehrer, denen man ohnehin alles aufbürden will und die wir mit Christo Jesu über alle Missetäter gehasst werden, sich gleichwohl in dieser unsinnigen, schrecklichen Zeit aller Bosheit und Tyrannei in die Öffentlichkeit begeben wollten, so würde dies die größte Torheit sein, denn zu solcher Handlungsweise rät weder die Vernunft noch die Schrift (Mt 10,23; 2,13, 4,12; Apg 8,1).

Und obwohl wir denn in öffentlichen Versammlungen, wo jedermann hinkommt, nicht lehren, so wird dennoch die Wahrheit nicht verschwiegen, sondern sie wird hier und dort gepredigt, sowohl beim Tag als bei der Nacht, in Stadt und Land, mit Mund und Schrift, mit Leben und Tod; Richter, Henker, Kerker, Bande, Wasser, Feuer, Schwert und Pfahl müssen uns dies bezeugen.

Gleichermaßen werden Flandern, Brabant, Holland, Gelderland etc. am Tage des letzten Gerichtes wohl bekennen müssen, dass ihnen das Wort in großer Kraft gepredigt worden ist; denn sie haben des gepredigten Wortes halber das unschuldige Blut wie Wasser vergossen, ja, es wird an diesen Plätzen so gepredigt, dass wir wohl mit dem heiligen Paulus sagen mögen:

»Ist nun unser Evangelium verdeckt, so ist es in denen, die verloren werden, verdeckt; bei welchen der Gott dieser Welt der Ungläubigen Sinne verblendet hat.« (2Kor 4,3–4; Jes 6,10; Joh 12,40)

Außerdem habe ich ungefähr im Jahre 1545 oder 1546 mich den Predigern von Bonn zu einer öffentlichen Besprechung und Zusammenkunft unter Bischof Hermann von Köln bereit erklärt, wenn man mir sicheres Geleite geben wollte. Dasselbe habe ich zweimal mit reichlicher Schrift denen von Emden und einmal denen von Wesel auf gleiche Bedingungen hin angeboten.

Allein obwohl die von Bonn und auch die von Wesel solches einigen von den Brüdern selbst vorgeschlagen hatten, so wurde es dennoch von denen von Bonn und auch von denen von Emden abgeschlagen, sobald sie spürten, dass ich bereit war darauf einzugehen. Die von Wesel wünschten sogar, dass der Henker mit mir handeln möchte.

Auch habe ich vor vielen Jahren durch den Druck dasselbe öffentlich angeboten, aber nicht erlangt.

Seht, meine guten Leser, so sind wir von Anbeginn unseres Dienstes bereit und willig gewesen, Rechenschaft über unsern Glauben zu geben einem jeden, der es mit guter Treue von uns fordert, sei es denn Obrigkeit oder Bürger, gelehrt oder ungelehrt, reich oder arm, Mann oder Frau und stehen auch noch heutigen Tages zu diesem bereit, soweit es uns möglich ist, denn wir schämen uns des Evangeliums der Herrlichkeit Christi nicht. Will jemand uns hören: Wir sind bereit, zu lehren; will er unsern Grund wissen: Wir verlangen von ganzem Herzen, ihm denselben mit aller Deutlichkeit zu erklären, wenn unsere Schriften ihm nicht genügen. Begehrt jemand, er sei wer er wolle (ausgenommen diejenigen, an welchen man alles, was die Schrift vorschreibt, getan hat und die von uns abgewichen sind), mit aufrichtigem, frommem Herzen, sich in Betreff unseres Glaubens auf christliche und evangelische Weise mit uns zu besprechen, ohne Philosophie, Glossen und Verdrehungen, sondern mit der unverfälschten evangelischen Lehre und Wahrheit, mit Gottes Gebot und Verbot, mit dem Gebrauch, Geist und Vorbild Christi und seiner Jünger und das ohne Schalkheit, Betrug und Arglist, wie Hilarius und Augustinus und andere zu ihrer Zeit mit einigen, welche in der Lehre verdächtig waren, getan haben; so werden wir durch des Herrn Gnade so viel uns möglich ist, diesem, wenn es vor einer ganzen Gemeinde oder vor zwanzig oder dreißig unparteiischen, redlichen Zeugen geschehen kann, nicht ausweichen; denn es ist unsere höchste Lust, die Wahrheit an den Tag zu bringen. Das blutgierige Morden des Antichristen aber muss ausbleiben sage ich, denn es ist aus dem Teufel und ziemt sich für keinen Christen.

Da unsere Gegner denn unsere Lehre und unser Leben bei vielen verdächtig machen, indem sie vorgeben und sagen, warum, wenn wir die Wahrheit haben, wir denn nicht an den Tag kommen, welches sie aus bloßer Rachgier tun, da sie wohl wissen, dass es nicht geschehen kann, weil an allen Plätzen Tyrannen und Blutvergießen sind, so haben sie hiermit unsere gute und deutliche Antwort.

Ferner sage ich: Wenn die Wahrheit bei unsern Gegnern ist und nicht bei uns, wie sie vorgeben, und da es offenbar ist, dass sie mit ihrer Lehre, ihrem Glauben und Leben in aller Freiheit vor der ganzen Welt hinwandeln können (versteht, ein jeder bei seiner eigenen Sekte), wir hingegen alle Tage leiden und sterben müssen, möchten sie uns armen und elenden Menschen doch so viel Liebe und Billigkeit erzeigen und uns von der Obrigkeit, die sie mit ihrem unerträglichen, schweren Schelten und Lügen so jämmerlich gegen uns aufgebracht haben (was sich für keinen redlichen Menschen, geschweige denn einen Christen geziemt), eine gewisse Freiheit auswirken, auf dass wir so in ihrer Gegenwart vor einer vollen Versammlung oder vor zwanzig, dreißig oder vierzig unparteiischen, redlichen Zeugen, wie gesagt worden ist, unsern Grund, unsere Lehre und unsern Glauben, um welcher willen wir so jämmerlich gescholten und verfolgt werden, mit gewissem und wahrem Zeugnisse der heiligen Schrift klar und deutlich vorlegen, hören und richten lassen mögen. Wissen sie dann irgendetwas Rechtes wider unseren Grund, unsere Lehre und unsern Glauben zu entgegnen oder Schrift dagegen aufzubringen, so laß sie sprechen im Namen des Herrn. Die Wahrheit wird die Krone davon tragen. Haben sie aber nichts zu sagen, so lasst sie die Hand auf den Mund legen und stille sein und das, was recht und gut ist, nicht mehr lästern und beschimpfen.

Ja, guter Leser, wenn solches geschehen könnte, so würde manch trauriger Mord unterbleiben, manche elende Seele, die von ihnen in so verdammlicher Blindheit gehalten wird, aus den Stricken der Hölle und des Todes erlöst werden und die edle, herrliche Wahrheit, die jetzt von jedermann so sehr gehasst und verachtet wird, in schöner und köstlicher Würde hervorkommen. Allein so viel Verständigkeit ist bis jetzt noch nicht gefunden worden.

Da wir denn zu keinem christlichen freien Handel mit ihnen kommen können, obwohl wir sie so herzlich darum gebeten haben, wie gesagt worden ist, sie aber dennoch bei den Ungelehrten und Unerfahrenen schreien und rufen: »Haben sie die Wahrheit, warum kommen sie denn nicht an den Tag?«, so mag der verständige Leser überlegen, aus welcher Ursache, Absicht und Gesinnung sie solches rufen, was für Glauben, Liebe, Evangelium und Wahrheit sie haben und von welchem Geiste sie getrieben werden. Wer die Wahrheit hat, wird nimmermehr zu Schanden werden; denn die Wahrheit ist groß und stärker denn Wein, König und Frauen.