28.1  Vorrede

Alles, meine redlichen Leser, was wir aus dem Grund unseres Herzens wünschen (seht vor dem Herrn wir lügen nicht) ist, dass wir doch einmal durch all unser Schreiben, Lehren, unser Leben, unsere Schmach, unser Elend, unser Gut und Blut, so viel Gnade bei den Menschenkindern finden möchten, dass wir uns mit unsern Widersachern vor zehn, zwanzig oder dreißig frommen, verständigen und redlichen Männern, welche den Herrn liebhaben und fürchten und zwischen Gutem und Bösem urteilen können, besprechen oder wenn es nicht öffentlich zu richten wäre, im Geheimen mit ihnen zusammenkommen könnten; und dass man ihrem Schelten, Lügen und Hinterbringen keinen Glauben schenkte, ohne Lehre und Lehrer, Ankläger und Angeklagten mit gleichem Rechte und gleicher Freiheit einander gegenüber zu stellen, wie Gottes Wort, die christliche Liebe und auch der natürliche Sinn und Verstand dies billigerweise lehren und mit sich bringen; auf dass so der Gottlose und Böse in seiner Gottlosigkeit und Bosheit nicht aufrecht erhalten und gestärkt und der Fromme und Gerechte nicht verdammt und unterdrückt werde, Gottes heiliges Wort, bei dem unsere Seele leben muss, an den Tag komme und auf dass die schrecklichen und abscheulichen Lügen ein Ende nehmen und das unbarmherzige, grausame Blutvergießen etwas aufhöre, welches doch, wie Christus selbst sagt, an und für sich nichts anderes als offenbare Früchte und Werke der höllischen Schlange sind und leider unter dem Schein rechten Eifers und der Liebe Gottes von denen, welche sich des Namens, Geistes, Wortes, Todes und Blutes Christi rühmen, gegen alle diejenigen, welche mit Asaph ihre Hände in Unschuld waschen, ohne alle Scheu und Bedenklichkeit so schonungslos angewendet werden. Wir fürchten aber, dass man uns solches nicht gestatten wird. Denn wenn wir beide die Schrift und die Geschichte durchlesen, so finden wir, dass die reine, heilsame Wahrheit von Anfang der Welt an gewöhnlich stets gehasst, verleumdet und verfolgt worden ist, sich meistenteils als ein gottloser, verhasster Gräuel an finstern Orten und bei wenigen verkriechen und verbergen hat müssen und nie ohne schwere Mühe und Todesnot an das Licht hat treten können (Jes 59,14).

Der gute, fromme Jeremia hat, weil er die falsche Lehre und Bosheit der Schriftgelehrten strafte und das dumme, ruchlose und wüste Volk zur Buße ermahnte und ihnen mit zukünftigen Plagen drohte, bei den Schriftgelehrten ein Ketzer und Verführer und bei den Fürsten ein Aufwiegler und Unheilstifter sein müssen. Ungemein viel Elend hat er leiden müssen, obwohl er vom Mutterleibe an von Gott zum Propheten erwählt war und aus des Herrn Munde sprach. Ja, er musste dazu noch hören, dass sie um seinetwillen solche schweren Plagen leiden müssten (Jer 20).

Ahab, jener blutdürstige und abgöttische König, wollte dem frommen und vom Geiste erfüllten Manne aufbürden, dass er derjenige wäre, welcher ganz Israel verführte (1Kön 18,17).

So meinte auch der König Joram, dass Elisa Schuld wäre, dass Samaria große Hungersnot leiden müsste (2Kön 6,31).

Johannes, ein Mann von Gott gesandt, geheiligt im Mutterleibe, der Größte unter allen, die von Weibern geboren sind, ein brennend und scheinend Licht, ein Vorbote und Vorläufer des Herrn, eine rufende Stimme in der Wüste, der zweite und geistliche Elia, war beschuldigt, vom Teufel besessen zu sein und hat zuletzt wegen eines schändlichen, gottlosen Hurenhandels und Ehebruchs, den er mit seiner Lehre strafte, sein Leben lassen müssen (Joh 1,6; Lk 1,15; Mt 11,11; Joh 3,35; Mal 3,1; Mk 1,2; Mt 3,3; 11,4,18; Mk 6).

Auch Jesus Christus, das ewige Licht und Leben selbst, musste Beelzebub heißen, ein Samariter sein und den Teufel haben, ein Aufwiegler, ein Übertreter des Gesetzes, ein Gotteslästerer, ein Fresser und Weinsäufer, der Zöllner und der Sünder Geselle sein und für schlimmer angesehen werden als ein Mörder. Ja, ihm wurde zuletzt für all seine herrlichen Wunderwerke, Wohltaten und die Liebe, die er ihnen erwiesen hat, mit vieler Schmach, mit Anspeien, Lästerungen, Schlägen, mit einem schimpflichen Kleide, einer Dornenkrone, mit Geißeln, Kreuz, Nägeln und Tod gelohnt (Mt 10,25; Joh 8,48; Lk 23,5; Mt 9,3; 11,19).

Wie sie ferner mit Stephanus, Petrus, Paulus, Jakobus umgegangen sind, lehrt uns die Schrift zum Überfluss (Apg 5; 6; 7; 12; 17; 18; 19; 21).

So wurden auch in der Zeit oder im Anfang der ersten Kirchen die Christen von einigen Schweine und Säue, von andren Gottesräuber, welche seine Ehre stehlen, Totschläger, Kindermörder und gräuliche, unkeusche Menschen genannt und beschuldigt mit ihren eigenen Müttern und Schwestern hässliche und unaussprechliche Unkeuschheit zu treiben, in ihrem Gottesdienst Menschenblut zu vergießen, ihre Kinder den Götzen zu eigen zu geben und zu opfern und Aufwiegler zu sein und zwar deshalb, weil sie sich von der Baalspriesterschaft absonderten und hin und wieder Nachts zusammen kamen, wenn Platz und Gelegenheit sich darboten, um des Herrn Abendmahl zu feiern.

Weiter noch nannte man sie Feinde des menschlichen Geschlechtes und unfruchtbare, verdorbene und unnütze Leute und Menschen, weil sie mit den Säufern, Kapaunenessern, Lügnern, Prahlern keine Gemeinschaft halten wollten, sondern in der Furcht und Liebe des Herrn ein nüchternes, gottseliges, demütiges und abgestorbenes Leben führten.

Ferner nannte man sie Feinde Gottes, verzweifelte Bösewichter und Bankbuben, weil sie die schändliche Abgötterei aufgaben, sich in die Verbannung begaben und um des Herrn Zeugnisses, des wahren Gottesdienstes und der Ehre Gottes willen ihr Gut und Blut freiwillig dahingaben.

Seht, so hat die blinde und undankbare Welt immer mit denjenigen gehandelt, welche Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, ja, aus allen ihren Kräften suchten und fürchteten, wie Cyprian in seiner Apologie, Tertullian und andere Geschichtsschreiber anweisen und bezeugen. Denn die Finsternis kann das Licht nicht ertragen, noch die Lüge die Wahrheit. Sirach sagt: »Dem Gottlosen ist Gottes Wort ein Gräuel; denn es ist ein Schatz der Weisheit, der ihm verborgen ist.«Christus sagt:

»Das Licht ist in die Welt gekommen; und die Menschen liebten die Finsternis mehr denn das Licht. Denn ihre Werke waren böse.« (Joh 3,19)

Die Frommen und Gottesfürchtigen sind ihnen beständig eine Beschuldigung, ein Verdruss und eine Marter im Herzen und tun ihnen wehe in ihren Augen. Und daher kommt es, dass die Welt, welche in all ihrem Wesen und Tun, ihrem Götzendienst, ihrem Hochmut, ihrer Pracht, Unzucht und Fleischeslust nicht gestraft oder gehindert sein will, von Anfang an so viele fromme und gottesfürchtige Männer so feindselig gehasst, so jämmerlich verleumdet und so tyrannisch verfolgt und umgebracht hat.

Ach, meine guten Leser, so geht es auch heutigen Tages noch, wie ihr an allen Ecken und Orten sehen könnt. Die ganze Welt ist in allerlei Bosheit versunken und falsche Lehre, Abgötterei, Unglaube, Mutwille, Schande und Laster haben die Oberhand gewonnen; dennoch will oder kann sie nicht gestraft oder ermahnt werden. Sie hassen von ganzem Herzen alle, welche sie aus reiner Liebe, ja, mit ihrem Gut und Blut von ihrem wüsten und ungeordneten Leben und Wesen erlösen, auf den Weg des Friedens führen und ihre Seelen selig machen würden, wenn es möglich wäre.

Die Weisen und Gelehrten, welche die Frommen und Gerechten beständig aufs Härteste geplagt und geängstigt haben, wie in den Bekenntnissen gehört worden ist, häufen und sammeln eine gräuliche Lüge auf die andere, auf dass ihr ungebührlicher und schändlicher Gewinn und falscher Ruhm nicht untergehe oder zunichte werde. Sie geben vor, schreien und schreiben, dass wir Münsterische seien; dass wir der Obrigkeit nicht untertänig sein und Städte und Länder mit Gewalt einnehmen wollen; dass wir unsere Güter und Frauen gemein haben, wie die unvernünftigen Tiere, und zueinander sagen: »Schwester, mein Geist begehrt dein Fleisch.« Weiter noch sagen sie, dass wir uns rühmen ohne Sünde zu sein und durch unsere Verdienste und Werke selig werden wollen und derlei jämmerliche Lügen mehr, auf dass sie alle Menschen, namentlich die Herren, Fürsten und Obrigkeiten, welchen sie (es sei Gott geklagt) aus ihrem goldenen Becher wohl eingeschenkt haben, von der Wahrheit abschrecken und gegen alle Frommen und Gotteskinder erbittern, verstocken und so erhalten mögen. Ja, wer nur recht meisterlich und übermäßig lärmen, schelten, lästern, lügen und die Obrigkeit, welche zum Teil schon billig, günstig, gütig und verständig wäre, wenn sie von dieser ungebärdigen Schlangenbrut nicht so getrieben und geplagt würde, dazu aufhetzen kann, dass sie die unschuldigen Schafe, welche niemand um ein Haar zu schädigen begehren, aber dennoch mit einem an den Hals gebundenen Lügensack voll von allerlei Gräueln und Lastern ohne Barmherzigkeit und Mitleiden, ohne dass man ihnen gestattet, sich zu verantworten, unter dem Läuten der Glocken aus Städten, Ländern und Dörfern in Elend und Angst gestoßen und getrieben werden, den grimmigen Löwen in den offenen Rachen jagen, bis sie von Schweiß, Feuer und Wasser verzehrt werden – ein solcher Prediger, der dieses alles ausrichtet, heißt ein feiner evangelischer Prediger, ein geschickter Lehrer, der die Gelehrsamkeit sozusagen gegessen hat. Nach meiner Meinung gehört ein solcher wohl zu denen, von welchen Christus sagt, dass sie das Mahl ihrer Eltern und Voreltern erfüllen. O Herr, lieber Herr, wie lange noch sollen diese unmenschlichen Tyranneien und großen und wüsten Gräuel dauern?

Da sie denn alle Herren, Fürsten, Regenten und Befehlshaber und das gemeine Volk mit ihrem schrecklichen Mordgeschrei und lästerlichen Lügen dermaßen gegen uns erbittert und verstockt haben, dass wir mit all unserm Bitten, Flehen und Jammern, Unschuld, Tränen, Geduld, Elend, Kreuz, Gut, Blut und Tod nicht einmal so viel Gnade oder Geleite erlangen können, dass wir mit unsern Missgönnern zu einer öffentlichen Besprechung und Zusammenkunft kommen können, obwohl in Übereinstimmung mit ihrem richterlichen Amte und christlichen Namen die Obrigkeit so viel Billigkeit, Einsicht und Verständnis besitzen sollte, zuerst das Suchen beider Parteien von beiden Seiten zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen und sich in unbekannten Sachen nicht so unvorsichtig und unvorbereitet in den Richterstuhl des allerhöchsten Gottes zu setzen und Bluturteile zu fällen; und da wir um solcher offenbaren, groben und plumpen Lügen willen beständig so jämmerlich gescholten und gelästert werden und die Wahrheit von jedermann so verlästert wird, so werden wir durch das göttliche Wort und um unseres Nächsten willen getrieben, unsere Entschuldigung und Verantwortung mit reiner, beständiger und christlicher Wahrheit schriftlich darzulegen, auf dass, da man unsere mündliche Lehre und unser Zeugnis nicht hören will noch kann, weil sie so sehr über uns ergrimmt und erzürnt sind und wir nicht an das Tageslicht treten können, die gottesfürchtigen Gewissen und Herzen, welche nicht gerne mit Wissen und Willen gegen ihren Gott handeln, seien es denn Obrigkeiten oder Bürger, Gelehrte oder Ungelehrte, aus diesem unsern Bekenntnisse, gleichwohl wissen mögen, dass wir, was die vorgenannten Gräuel und Laster betrifft, von unsern Gegnern ohne unsere Schuld und Wissen aufs Jämmerlichste beschimpft und verleumdet werden. Gott möchte ja vielleicht dadurch geben, dass des Herrn Wort und Wahrheit etwas mehr an den Tag käme und die Betrügerei und Scheinheiligkeit der Gelehrten und Pfaffen jedermann klar und offenbar würde.

Ehrsame Leser, wir bitten euch demütig um des Herrn willen, dass ihr doch mit unparteiischem Herzen und Verstande betrachten wollt, warum wir die Prediger so oft erwähnen, sie ermahnen und sie aufmerksam machen und, leider wenig zu ihrer Ehre, von ihnen berichten müssen. Da wir so offenbar erkennen, dass sie diejenigen sind, welche um ihres ungebührlichen, schändlichen Gewinnes und trägen Bauches willen die ganze Welt in ihrem Unglauben, ihrer Abgötterei und ihrem unbußfertigen, fleischlichen Leben so fälschlich trösten und so fest gebunden halten; die reine, klare Wahrheit auf so traurige Weise brechen und mit Füßen treten; die armen Seelen, die so teuer – nicht mit Silber oder vergänglichem Golde, sondern mit des Herrn kostbaren Blute – erkauft sind, so jämmerlich erwürgen, um den Hals bringen und morden; alle Frommen und Gottesfürchtigen mit solchem Neid und Zorn hassen, lästern, verleumden, sie um ihre arme, geringe Habe, um Gut und Blut bringen – was doch so weit von des Herrn Geist, Art und Natur verschieden ist – auf dass sie ungestraft bei ihrem schändlichen und ungebührlichen Gewinn und ihrem wollüstigen, eitlen und fruchtlosen Leben bleiben mögen und da sie sich weder mit Gottes Wort noch durch die Liebe, Duldsamkeit, Frömmigkeit, das Blut und den Tod der Heiligen ermahnen, belehren und warnen lassen, so erfordert die höchste Not, nämlich die Ehre Gottes und die Wohlfahrt und Seligkeit eurer armen Seelen, dass wir solches tun müssen. Der allmächtige und große Herr ist unser Zeuge, dass wir keine andere Absicht damit haben, auf dass diejenigen, welche einer redlichen, billigen und guten Natur sind, aber dieses Geheimnis (Verführung) zur Ungerechtigkeit, wie Paulus es nennt (2Th 2,9), nicht kennen, indem sie noch Fleisch und fleischlich gesinnt, nicht aus Gott geboren sind und von ihren Predigern in diesem Zustande gehalten werden, durch diese klaren und offenen Anweisungen und Belehrungen diese Prediger und Lehrer recht kennen lernen, etwas mehr und tiefer über die Sache nachdenken und endlich dieser hässlichen, schändlichen Verführung satt und müde werden und dass auch alle Herren und Obrigkeiten, welche sich des Namens Christi rühmen und denselben tragen dürfen, wissen mögen, was das für Leute und Lehrer sind, welche uns so jämmerlich beschimpfen und wem sie Glauben schenken und mit ihrem Schwert so treulich Schutz und Beistand angedeihen lassen.