25.7  Von dem Abendmahl der Prediger

Von dem Abendmahl der Prediger hingegen halten und bekennen wir, erstens, dass es ein falsches und abgöttisches Trost- und Friedenszeichen aller derjenigen ist, welche gerne auf dem breiten Wege wandeln wollen – der Unmäßigen, Geizigen, Wucherer, Ehebrecher, Hurenjäger, Lügner, Betrüger, Hoffärtigen, Ungerechten etc. Denn da es ihnen von ihren Predigern so hoch angepriesen und ihnen auch die Vergebung ihrer Sünden darin verkündigt wird, so trösten sie sich und glauben des Herrn Volk zu sein, wenn sie dasselbe genießen. Aber nein! Das Zeichen kann keine Christen machen; denn solange sie sich nicht bekehren und neue, aus Gott geborene Menschen und göttlicher Art werden (Mt 18,3; Joh 3,3,5), sind Taufe und Abendmahl ganz umsonst und würden dieselben auch von Petrus oder Paulus erteilt. Paulus sagt:

»In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.« (Gal 5,6)

, die neue Kreatur (Gal 6,15) und das Halten von Gottes Geboten (1Kor 7,19).

Zweitens bekennen wir, dass es ein offenbares Heuchelwerk ist, obwohl nur wenige dies wissen. Christus hat das Abendmahl zum Gedächtnis seines Todes, zum Zeichen und Beweis des christlichen Friedens und als die Gemeinschaft seines Fleisches und Blutes hinterlassen, wie gesagt worden ist. Die Welt aber hält das Abendmahl nur zum Schein, als ob sie solches glaubte und so gesinnt wäre. Dem ungeachtet sucht sie die Vergebung ihrer Sünden und ihre Seligkeit in der Kindertaufe, in Absolutionen und in Brot und Wein, wie man sehen kann.

Außerdem liefern ihre Früchte den offenbaren Beweis, dass sie der Leib des Friedens nicht sind; denn sie gebrauchen solche Hinterlist und Untreue untereinander in Kaufen und Verkaufen, andere mit Huren und Ehebrechen, mit Lügen und Betrügen, wobei einer den andern um Ehr und guten Namen, um Gut und Blut zu bringen sucht, dass man wohl mit der Wahrheit sagen kann, dass sie den christlichen Frieden, der aus Gott ist, nicht kennen und dass sie nicht in der Gemeinschaft Christi, sondern in der Gemeinschaft desjenigen sind, von welchem Johannes sagt:

»Kindlein, lasst euch von niemand verführen […] Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang.« (1Joh 3,7–8)

Drittens sagen wir, dass es eine sehr schreckliche Lästerung, ein Gräuel und Hurerei, ja, ein neues Kalb (2Mo 32) und ein Maussim (Dan 12) ist. Denn die ruchlose, blinde Welt kann doch mit ihren natürlichen Augen sehen, dass es ein vergängliches, schwaches Gewächs und Frucht der Erde ist, welches sie mit ihren eigenen Händen gepflanzt, geschnitten, geknetet und gebacken haben und das mit dem Gebrauch zur Erde zurückkehrt und von Menschenhänden aufbewahrt werden muss, auf dass das Alter und die Würmer es nicht verzehren. Dennoch muss es noch bei vielen das unvergängliche, teure Fleisch und Blut Christi sein und für den wahren Sohn des lebendigen Gottes angebetet und verehrt werden; welches auch wir und unsere Vorfahren wohl fünfhundert Jahre lang getan haben und das leider in so vielen großen Königreichen, Fürstentümern, Städten und Ländern noch jetzt getan wird, gleichwie in vergangenen Zeiten in Israel viele hundert Jahre lang mit der ehernen Schlange geschah, welche nachher von Hiskia, dem Könige Judas, zertrümmert wurde (2Kön 18,4).

Seht, zu solch groben Götzendienern und Verführern hat leider der Apollyon der Offenbarung (Offb 9,11) die Schriftgelehrten dieser Welt gemacht, dass sie in ihrer eigenen Weisheit durch ihre Lehre und Konzilien ein so ohnmächtiges und irdisches Gewächs zum wahren oder für den wahren Sohn des allmächtigen und ewigen Gottes erhoben haben. Seht, so gänzlich hat die edle Sonne der Gerechtigkeit ihren Glanz verloren und die ägyptische Todesfinsternis das ganze Land bedeckt (Offb 9,2; 2Mo 10,22).

Meine treuen Leser, lernt nun aus dieser unserer Anweisung und unserem Bekenntnis von den Predigern, ihrer Taufe, ihrem Abendmahl und ihrem neidischen Herzen gegen alle Frommen das Geheimnis vom geschmückten Weibe auf dem rosinfarbenen Tiere recht erkennen (Offb 17). Merkt, das Tier, auf welchem das Weib sitzt und es treibt, ist voll Namen der Lästerung; merkt, was des Geistes Sinn ist. Das Weib ist geschmückt mit schönem Zierrat – mit vielen Feiertagen, Kirchen, Glocken, Gesängen, Orgeln, Taufe und Abendmahl. Ihr Becher ist vergoldet, sie rühmt sich mit aller Macht des Wortes Gottes, aber sie ist voll Gräuels und Unsauberkeit ihrer Hurerei, womit sie trunken gemacht hat alle, die auf Erden wohnen. Ihr Name ist an ihre Stirn geschrieben und kann von einem jeden, der geistliche Augen hat, gesehen und gelesen werden. Derselbe lautet: das Geheimnis, die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Gräuel auf Erden. Und obwohl sie so schön geschmückt ist, dass alle Könige mit ihr buhlen, so wird sie dennoch von dem Engel eine Hure genannt, welche so unmenschlicher und wölfischer Natur ist, dass sie trunken ist von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu.

Der heilige Mann Gottes Johannes hat sie im Geiste gesehen und sich darüber sehr verwundert. Ja, meine guten Leser, alle, welche des Weibes schreckliche Gewalt, abgöttischen Schmuck, geistliche Zauberei und Hurerei, unmenschlichen Gräuel, fürchterlichen Blutdurst und Tyrannei recht gewahr werden, mögen sich wohl mit Johannes verwundern. Fürchtet darum Gott und lernt Weisheit. Wir haben sie durch Gottes Gnade von allen Seiten gesehen, ihre Schande in ihrer ganzen Blöße erkannt und euch mit großem Fleiß in treuer Liebe vor ihr gewarnt.