25.6  Von des Herrn heiligem Abendmahl

Gleichermaßen glauben und bekennen wir von des Herrn heiligem Abendmahle, dass dasselbe ein heiliges sakramentliches Zeichen und vom Herrn selbst unter Brot und Wein eingesetzt und den Seinen zu einem Gedächtnis hinterlassen worden ist, welches die Apostel des Herrn Einsetzung gemäß unter den Brüdern gelehrt und gebraucht haben und durch welches man erstens, wie Paulus sagt, des Herrn Tod verkündigen und ferner auch sich erinnern soll, wie er sein heiliges Fleisch zur Vergebung unserer Sünden für uns geopfert und sein teures Blut für uns vergossen hat (Mt 26; Mk 14; Lk 22; 1Kor 11).

Zweitens ist dasselbe ein Zeichen der christlichen Liebe, der Einigkeit und des Friedens in der Gemeinde Christi. Paulus sagt:

»Ein Brot ist es, so sind wir viele ein Leib, dieweil wir alle eines Brotes teilhaftig sind.« (1Kor 10,17)

Denn gleichwie ein Brot aus vielen Körnern besteht, aber dennoch nur ein Brot ist, ebenso sind auch wir viele Glieder aber nur ein Leib in Christo. Und gleichwie die Glieder eines natürlichen Leibes untereinander nicht uneins, sondern in allem einig und friedlich sind, ebenso verhält es sich auch mit allen denjenigen, welche im Geist und Glauben wahre Glieder am Leibe Christi sind. Aus diesem Grunde wurde in vergangenen Zeiten dieses Abendmahl von Tertullian ein Brüder- oder Liebesmahl genannt.

Drittens bezeichnet es die Gemeinschaft des Fleisches und Blutes Christi, wie Paulus sagt:

»Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?« (1Kor 10,16)

Diese Gemeinschaft besteht aber darin, dass Christus uns in seiner großen Liebe angenommen hat und wir seiner teilhaftig geworden sind, wie Paulus sagt:

»Wir sind Christi teilhaftig geworden, so wir anders das angefangene Wesen bis an das Ende festbehalten.« (Hebr 3,14)

Da dasselbe denn ein Zeichen ist, welches Christus uns darum hinterlassen hat, auf dass es uns seinen Tod, die Liebe, den Frieden und die Einigkeit unter den Brüdern und auch die Gemeinschaft seines Fleisches und Blutes abbilde und zu Gemüte führe, wie gesagt worden ist, so kann auch nach der Schrift niemand dieses Abendmahl recht gebrauchen, als derjenige, welcher ein Jünger Christi, Fleisch von Christi Fleisch und Bein von seinem Gebein ist; welcher die Versöhnung seiner Sünden und kein anderes Mittel setzt noch ein anderes Mittel sucht, als allein das Verdienst, Opfer, den Tod und das Blut Christi, welcher in Einigkeit, Liebe und Frieden mit seinen Brüdern wandelt und der gemäß der Schrift ein frommes, unsträfliches Leben in Christo Jesu führt.

Hier habt ihr nun in kurzen Worten das rechte Abendmahl unseres Herrn Jesu Christi mit dem was es abbildet und mit seinem Geheimnisse, welches Abendmahl euch des Herrn Mund in seinem Worte hinterlassen und gelehrt hat. Wollt ihr nun würdige Gäste an des Herrn Tisch sein und sein Brot und seinen Wein recht genießen, so müsst ihr auch seine rechten Jünger sein, d. i. ihr müsst wahre, fromme und gottesfürchtige Christen sein. Prüft euch daher wohl nach der Lehre Pauli (1Kor 11,28), ehe ihr von diesem Brote esst oder von diesem Kelche trinkt, denn vor Gott gilt kein Heucheln. Er hat euch dasselbe nicht darum hinterlassen, dass ihr meinen sollt, er habe Lust zum Brot, Wein oder Essen. O nein! Darum hat er es euch hinterlassen, dass ihr dadurch die Geheimnisse, welche euch durch dieses Zeichen abgebildet und zu Gemüte geführt werden, fleißig wahrnehmen und euch treulich danach richten sollt. Denn es ist nicht das Zeichen, sondern das durch dasselbe Bedeutete, welches, wenn es recht im Herzen erfasst und in den Früchten bewiesen wird, den wahren Christen macht.