25.5  Von der Kindertaufe

Von der Kindertaufe aber halten und bekennen wir, dass sie erstens etwas Selbsterwähltes und menschliche Gerechtigkeit ist, da im ganzen neuen Testament weder von Christo noch von den Aposteln ein einziges Wort über das Taufen von Kindern gesagt oder gelehrt wird.

Zweitens, dass dieselbe eine Verletzung und Verwüstung der Verordnung Christi ist; denn Christus hat befohlen, das Evangelium zu predigen und diejenigen zu taufen, welche daran glauben (Mt 28,19; Mk 16,16).

Hier aber tauft man ohne göttlichen Befehl, ohne Predigen des Wortes, ohne Anhörung, ohne Erkenntnis, ohne Glauben, ohne Buße, ohne neues Leben, ja, ohne Vernunft und Wissen. Dennoch muss es bei den Gelehrten ein heiliges und herrliches Werk, eine christliche Taufe und Sakrament heißen.

Drittens, dass dieselbe ein eitler Trost und Ruhm aller Ungerechten ist. Denn obwohl sie Gottes Wort nicht verstehen, die Wahrheit nicht kennen und ein übermütiges, fleischliches Leben führen, so rühmen sie sich dennoch, getaufte Christen zu sein.

Da denn die Kindertaufe ein so schädlicher Aberglaube ist, des Herrn Taufe gänzlich zu Schanden macht, die arme blinde Welt sich so töricht damit verführen und trösten lässt und zudem so schreckliche Lästerungen, Heuchelei, Beschwörungen, Zauberei und Missbrauch des hohen Namens Gottes bei derselben vorkommen, dass ein gottesfürchtiges Gewissen wohl mit Recht davor erschrickt und bebt, so widerstehen wir darum der Kindertaufe so sehr und bekennen mit offenem Munde, dass sie nicht aus Gott und Gottes Wort, sondern aus dem Antichristen und aus dem Brunnen des Abgrundes hervorgekommen ist.

Luther, in seinem Büchlein über Menschenlehre, schreibt, dass was in göttlichen und Glaubenssachen nicht geboten ist, dadurch verboten ist.

Vom zwölften Kapitel des ersten Buches Mose handelnd, sagt er ferner, dass wir in solchen Dingen nichts tun sollen, für welches wir nicht sichern Grund aus Gottes Wort haben.

Auch schreibt Daniel, dass Gottesdienste ohne Gottes Wort stets Abgötterei ist.

Philippus Melanchthon, in seinem Buch über die Macht der Autorität der Kirche, sagt, dass aller Gottesdienst, welchen Gott nicht durch sein ausdrückliches Wort eingesetzt hat, falsch und unrecht ist, wie viel Glossen man auch darüber machen möge.

Dieses haben Luther und Melanchthon recht nach der Schrift angewiesen, obwohl sie selbst demselben leider nicht nachgekommen sind. Wenn man die Schrift mit Aufmerksamkeit liest, so findet man in aller Klarheit, wie ernstlich und strenge uns Gott geboten hat, keinen Gottesdienst nach unserm eigenen Gutdünken auszurichten, sondern zu tun, wie er uns befohlen hat (5Mo 4,2). Um seiner Eigengerechtigkeit und selbsterwählten Gottesdienste willen ist Israel gar hart vom Herrn heimgesucht und gestraft worden.

Sagt nun nicht, liebe Leser, wie die Unverständigen tun, dass, indem wir unsere Kinder nicht taufen lassen, wir dieselben verdammen. O nein! Die Schrift bindet das Himmelreich nicht an Worte und Wasser, sondern an des Vaters Erwählung und Gnade im Verdienste des Todes und Blutes Christi (Eph 1,4).

Christus hat den Kindern ohne jegliche Taufe das Himmelreich zugesagt (Mt 19,14). Über diese Verheißung freuen wir uns von Herzen und danken dem Herrn für seine Gnade gegen unsere lieben Kinder. Seht euch darum vor und versündigt euch nicht, denn Gottes Erwählung, Gnade, Gunst und das Himmelreich an irgendwelche Worte, Werke, Zeichen oder Elemente zu binden, ist ganz und gar gegen des Herrn Verdienst, Tod, Blut und Wort, ja, es ist offenbare Verführung, ein Gräuel und Abgötterei.