25.2  Von der Rechtfertigung

Es ist aus der Schrift ersichtlich und offenbar, werte Leser, dass unser aller Vater und Mutter, Adam und Eva, im Anfang nach Gottes Bild und Gleichnis, rein, gut, sündlos, gerecht und unverweslich von Gott durch Christum erschaffen wurden, wie die Schrift lehrt (1Mo 1,27; 5,1; 2,7; Apg 17,25; Weish 2,23); und dass sie auch rein und gerecht geblieben sind, solange sie nicht gegen ihres Schöpfers Wort und Gebot sündigten; denn Gott hatte zu ihnen gesagt: »Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen, welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben.« Und so ist es auch geschehen; denn sobald als Adam und Eva, von der Schlange betrogen, von dem verbotenen Baume aßen, wurden sie unrein, ungerecht, verweslich, sündiger Natur, ja, Kinder des Todes und des Teufels und verloren so durch ihren Ungehorsam die Kindschaft Gottes und die Frömmigkeit, in welcher sie geschaffen waren. Sie hätten auch in der Sünde, dem Fluch und der Knechtschaft des Teufels und Todes, samt ihrem ganzen Samen (Röm 5,12), ewig verbleiben müssen, wenn Gott, der barmherzige Vater, der ewig in seiner Liebe lebt, ihnen nicht aufgeholfen und sie getröstet hätte mit der Verheißung Christi, welchen er ihnen als den zukünftigen Überwinder der Schlange verhieß (1Mo 3,15) und um dessentwillen er ihnen gnädig sein, ihre Übertretung vergeben und ihnen Barmherzigkeit und Gunst erweisen wollte, insoweit sie daran glaubten.

Als nun Adam und Eva diese frohe Botschaft der Gnade, dieses Evangelium des Friedens, aus des Herrn Mund hörten, haben sie es mit Freude angenommen, als Gottes untrügliche Wahrheit geglaubt, mit dem Herzen daran gehangen und sich damit als einem sichern Grund der Seligkeit getröstet. So wurden denn Adam und Eva von Gott durch Christum wiederum in Gnaden angenommen, gerechtfertigt und von dem ewigen Tod und Fluch erlöst; denn Gottes Verheißung zufolge glaubten, hofften und erwarteten sie, dass er in den letzten Zeiten als ein Überwinder, Seligmacher und Gnadenmittel zur ewigen Versöhnung erscheinen würde.

Hätten sie aber dieses Mittel verachtet und nicht durch den Glauben angenommen, so würden sie unwidersprechlich ewig des Todes geblieben sein, wie Christus selber bezeugt, indem er sagt: Wer nicht an mich glaubt, der ist schon gerichtet. So auch Johannes der Täufer:

»Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.« (Joh 3,18,36; 6,47; 1Joh 5,10)

Gleichwie Adam und Eva von der höllischen Schlange gebissen, vergiftet und sündlicher Natur geworden sind und den ewigen Tod sterben hätten müssen, wenn Gott sie nicht wiederum durch Christum in Gnade angenommen hätte, wie schon gesagt worden, so sind auch wir, ihre Nachkommen, alle mit einer sündlichen Natur von ihnen geboren, von der Schlange vergiftet, zum Bösen geneigt und so aus eigener angeborener Natur Kinder der Hölle, des Teufels und des ewigen Todes und können auch nicht davon erlöst werden (wir reden von denjenigen, welche zum Verstande und zum Sündigen gekommen sind), es sei denn, dass wir Christum Jesum, das einzige und ewige Gnadenmittel, durch einen wahren und ungeheuchelten Glauben annehmen und so mit den Augen unseres Gewissens auf diese eherne Schlange sehen, welche Gott, unser himmlischer Vater, uns elenden vergifteten Sündern zu einem Zeichen der Seligkeit aufgerichtet hat (4Mo 21,9; Joh 3,14; 8,28). Denn ohne ihn und außer ihm gibt es keine Heilung für unsere Seelen, keine Versöhnung und keinen Frieden, sondern wir haben nur Ungnade, Zorn und den ewigen Tod zu erwarten, wie gesagt worden ist.

Diejenigen aber, welche diesen gepredigten Christum, welcher uns der Lehre Pauli zufolge vom Vater zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung geschenkt ist (1Kor 1,30; Röm 8,32), mit einem wahren Glauben annehmen, sind um Christi willen in Gnade und haben Gott zu einem Vater; denn sie sind nun durch den Glauben aus ihm geboren; er vergibt ihnen alle ihre Sünden; er hat Mitleiden mit ihren menschlichen Fehlern und Schwachheiten; er nimmt den Fluch, den Zorn und den ewigen Tod von ihnen hinweg und nimmt sie an als seine lieben Kinder; er schenkt ihnen Christum Jesum mit allem seinem Verdienst, Fasten, Beten, seinen Tränen, Leiden, Schmerzen, seinem Kreuz, Blut und Tod; dazu gibt er ihnen auch seinen Geist, sein Erbe, sein Reich, seine Herrlichkeit, Freude und Leben, nicht um unsrer Verdienste und Werke willen, sagen wir, sondern aus Gnade, durch Christum Jesum, wie Paulus sagt:

»Aber Gott, der da reich ist von Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebt hat, da wir tot waren in den Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht (denn aus Gnaden seid ihr selig geworden), und hat uns samt ihm auferweckt und samt ihm in das himmlische Wesen versetzt, in Christo Jesu, auf dass er erzeigte in den zukünftigen Zeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte über uns in Christo Jesu. Denn aus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben; und dasselbige nicht aus euch; Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen.« (Eph 2,4–10)

Wir suchen also, guter Leser, unsre Seligkeit nicht in Werken, Worten oder Sakramenten, wie die Gelehrten tun, obwohl sie solches von uns sagen, sondern allein in Christo Jesu und in keinem andern Mittel weder im Himmel noch auf Erden. In diesem Mittel allein freuen wir uns und in keinem andern und hoffen auch durch Gottes Gnade bei diesem zu bleiben bis in den Tod.

Dass wir aber die offenbaren fleischlichen Werke scheuen und uns in unserer armen Schwachheit nach seinem Wort und Gebot zu schicken suchen, tun wir deshalb, weil er uns solches gelehrt und befohlen hat; denn wer nicht nach seiner Lehre wandelt, bezeugt dadurch, dass er weder an ihn glaubt, noch ihn kennt und dass er nicht in der Gemeinschaft der Heiligen ist (Joh 15,7; 1Joh 3,10; 5,10; 2Joh 6).

Alle denn, welche dieses geschenkte Mittel der göttlichen Gnade, Christum Jesum, mit gläubigem Herzen annehmen und in ihrem Innern bewahren, glauben und bekennen, dass durch sein Opfer, seinen Tod und sein Blut ihre Sünden ihnen vergeben sind; dass er ihnen in Ewigkeit nicht zürnen oder sie verdammen wird; dass er sie als liebe Söhne und Töchter annimmt und ihnen das ewige Leben schenkt. Solche empfangen Friede und Freuden in ihrem Geist und danken Gott mit erneuertem Herzen, denn die Kraft des Glaubens rührt und verändert und verwandelt sie in neue Menschen, so dass sie, durch die Gabe und Gnade des heiligen Geistes, in der Kraft der neuen Geburt und nach dem Maß ihres Glaubens, in dem Gehorsam gegen ihren Gott, welcher ihnen eine so reiche Liebe erwiesen hat, wandeln. Sie hüten sich mit allem Fleiß, dass sie nicht durch Mutwillen und Gottlosigkeit Gottes Gunst und Huld verscherzen; denn sie erkennen durch die Schrift, dass Adam und Eva, die erste Welt, Sodom und Gomorra, die Väter in der Wüste um ihrer Sünden willen sehr schwer von Gott gestraft worden sind; dass der Tod der Sünden Sold ist und dass auch Christus Jesus, das unschuldige Lamm Gottes, welches keine Sünde kannte, um unserer Sünden willen so tief erniedrigt und so jämmerlich gemartert worden ist (1Mo 3,6; 19,11; 3Mo 10,1–4; 4Mo 16; Röm 6,23; 1Pt 1,19; Jes 53,10).

Weil sie denn dem Worte des Herrn glauben, welches sagt:

»Fleischlich gesinnt sein ist der Tod […] wo ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen!« (Röm 8,6,13)

– und dass Ehebrecher, Hurer, Trunkenbolde, Geizige, Hoffärtige und Lügner das Reich Gottes nicht ererben werden (1Kor 6,10; Gal 5,21; Eph 5,5; Offb 22,15) und sie zudem glauben, dass Gott wahrhaftig ist und niemand gegen sein Wort selig machen kann, sondern nach seinem Worte richten muss, da er die Wahrheit ist und nicht lügen kann, wie die Schrift bezeugt, so fürchten sie deshalb den Herrn von ganzem Herzen, sterben durch diese Furcht ihrem Fleische ab, kreuzigen ihre Lüste und Begierden und scheuen und meiden mit allem Fleiß die unreinen und gottlosen Werke, welche gegen Gottes Wort sind.

Überdies bekennen sie ihren Glauben an die überschwänglich große Gnade, Gunst und Liebe, welche Gott uns in Christo Jesu erzeigt hat. Und daher kommt es, dass auch sie wiederum ihren Gott lieben, weil er uns zuerst geliebt hat, wie Johannes sagt (1Joh 4,19). Durch diese Liebe stehen sie bereit, seinem heiligen Worte, Willen, seinen Geboten, seinem Rat, seiner Lehre und Verordnung nach der Gabe, die sie empfangen haben, in ihrer Schwachheit nachzukommen. Sie beweisen also mit der Tat, dass sie glauben und dass sie aus Gott geboren und geistlicher Natur sind. Sie führen ein frommes und unsträfliches Leben vor allen Menschen. Sie lassen sich laut des Herrn Befehl taufen, zum Beweis und Zeugnis, dass sie ihre Sünden in Christo Tod begraben (Röm 6,5) und mit ihm in einem neuen Leben wandeln wollen; sie brechen das Brot des Friedens mit ihren lieben Brüdern, zum Beweis und Zeugnis, dass sie eins mit Christo und seiner Gemeinde sind (1Kor 12,13) und kein anderes Gnadenmittel für die Vergebung ihrer Sünden haben noch kennen, weder im Himmel noch auf Erden, als nur das unschuldige Fleisch und Blut unseres Herrn Jesu Christi, welches er einmal, durch seinen ewigen Geist und Gehorsam seinem Vater an dem Stamme des Kreuzes für uns arme Sünder aufgeopfert und vergossen hat. Sie wandeln in aller Liebe und Barmherzigkeit, dienen ihrem Nächsten, kurz, sie richten sich in ihrer Schwachheit nach allen Worten, Geboten, Verordnungen, dem Geist, der Regel, dem Vorbild und Maß Christi, wie die Schrift lehrt; denn sie sind in Christo und Christus ist in ihnen. Sie leben deshalb nicht länger in dem alten Leben der Sünde nach dem ersten irdischen Adam (Schwachheit ausgenommen), sondern in dem neuen Leben der Gerechtigkeit, welches aus dem Glauben kommt, nach dem zweiten und himmlischen Adam, Christo, wie Paulus sagt:

»Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat.« (Gal 2,20)

Und diese Worte spricht Christus:

»Wer mich liebt, der hält meine Gebote.« (Joh 14,15)

Denkt nicht, liebe Leser, dass wir uns hiermit rühmen, vollkommen und ohne Sünde zu sein. Keineswegs. Was mich selbst betrifft, so bekenne ich, dass manchmal mein Gebet mit Sünde und meine Gerechtigkeit mit Ungerechtigkeit vermengt ist; denn durch Gottes Gnade fühle ich wohl, wenn ich nur die Salbung recht wahrnehme und meine elende, schwache Natur Christo und dem Gebot gegenüber halte, was für ein Fleisch ich von Adam ererbt habe. Ja, wenn Gott uns nach unserer Würdigkeit, Gerechtigkeit, unseren Werken und Verdiensten richten wollte und nicht nach seiner großen Güte und Barmherzigkeit, so könnte, dies bekenne ich mit dem heiligen David, kein Mensch vor seinem Gerichte bestehen (Ps 130,3; 143,2; Röm 3,23). Darum muss es auch ferne von uns sein, unsern Trost und Ruhm auf irgendetwas zu setzen, als allein auf die Gnade unseres Gottes durch Christum Jesum; denn er allein ist es und nie und nimmer ein anderer, welcher der wahren, von Gott geforderten Gerechtigkeit vollkommen Genüge getan hat (Röm 8,32; Kol 1,14; Eph 1,7). Auch ist es uns durch des Herrn Gnade wohl bekannt, dass von Anfang an alle Heiligen Gottes stets über ihr verdorbenes Fleisch geklagt haben, wie man an Mose, David, Hiob, Jesaja, Paulus, Jakobus und Johannes deutlich sehen kann. Aber um Christi willen sind wir in Gnaden; um Christi willen werden wir erhört; um Christi willen werden uns unsere Übertretungen und Schwachheiten, welche ohne unsere Einwilligung geschehen, vergeben; denn er steht mit seiner vollkommenen Gerechtigkeit und seinem unschuldigen Blut und Tod zwischen seinem Vater und seinen unvollkommenen Kindern und bittet für alle (Hebr 7,25), die an ihn glauben und durch den Glauben sich des göttlichen Wortes befleißigen, vom Bösen ablassen, dem Guten nachkommen und von ganzem Herzen mit Paulus trachten, das vollkommene Wesen, welches in Christo ist, in voller Kraft zu ergreifen (Phil 3,12).

Merkt nun hier, meine lieben Leser, dass wir nicht glauben noch lehren, dass wir durch unsere Verdienste und Werke selig werden, wie uns unsere Missgönner ohne alle Wahrheit nachsagen, sondern dass dies nur aus Gnade durch Christum Jesum geschieht, wie gesagt ist.

Aus Gnade wurde das menschliche Geschlecht durch Christum geschaffen, als es noch nicht war (1Mo 1,27).

Aus Gnade wurde dasselbe durch Christum wiederum angenommen, als es verloren war (1Mo 3,15; Eph 1,3; Kol 1).

Aus Gnade ist uns Christus von dem Vater gesandt worden (Joh 3,34; Röm 8,3; 1Joh 4,9).

Aus Gnade hat er das verlorene Schaf gesucht (Lk 15,6), Buße und Vergebung der Sünden gelehrt (Mt 4,17; Lk 24,47) und ist den Tod für uns gestorben, als wir noch gottlos und Feinde waren (Röm 5,6).

Aus Gnade ist es uns gegeben, zu glauben (Eph 2,8; Kol 2,12).

Aus Gnade ward uns der heilige Geist gegeben im Namen Jesu (Joh 14,16).

Kurz, aus Gnade wird uns das ewige Leben geschenkt durch Christum Jesum (Röm 6,8).

Seht, meine guten Leser, dies ist denn, was diesen Artikel anbelangt, unser Glaube und Bekenntnis, nämlich, dass wir keine Seligkeit, keine Gnade, keine Versöhnung und keinen Frieden bei dem Vater haben noch haben können, als nur durch Christum Jesum, wie er selber sagt:

»Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.« (Joh 14,6)

Auch sagt Petrus:

»Und ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden, als der Name Jesu.« (Apg 4,12)

Alle, welche diese Gnade in Christo, welche durch das Evangelium gepredigt wird, mit einem festen Glauben ergreifen und mit dem Herzen daran festhalten, werden durch die Kraft des heiligen Geistes und durch ihren Glauben neue Menschen und aus Gott geboren. Sie werden in ihrem Herzen umgekehrt, erneuert und in ein anderes Gemüt verändert, ja, aus Adam in Christum versetzt und wandeln so in jenem neuen Wesen als willige und gehorsame Kinder und in der Gnade, welche ihnen erschienen ist. Denn sie sind erneuert worden, sind geistlich arm, sanftmütig, barmherzig, mitleidig, friedfertig, geduldig, hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit und sind bereit, für die Wahrheit zu leiden (Mt 5,11). Sie streben standhaft mit guten Werken nach dem ewigen Leben; denn sie sind gläubig; sie sind aus Gott geboren; sie sind in Christus und Christus ist in ihnen; sie sind seines Geistes, seiner Art und Natur teilhaftig und leben nach des Herrn Wort durch die Kraft Christi, welche in ihnen ist. Und dieses heißt mit Recht nach der Schrift gläubig sein, Christen sein, in Christo sein und Christus in uns (Hab 2,4; Röm 1,17; Gal 3,11; Hebr 10,38; Joh 3,36).

Alle hingegen, welche diese gepredigte Gnade verachten, Christum Jesum nicht durch den Glauben annehmen, sein heiliges Wort, seinen Willen, seine Gebote und Verordnungen verwerfen, hassen und verfolgen und nach ihrem Mutwillen und den Lüsten des Fleisches leben, gehen verloren. Es hilft ihnen nichts vor dem Herrn, dass sie sich des Glaubens, der neuen Kreatur, der Gnade, des Todes und Blutes Christi rühmen; denn sie glauben nicht, sondern bleiben in ihrer ersten Geburt, das heißt unverändert in ihrer irdischen und verdorbenen Natur, unbußfertig, fleischlich gesinnt, ja, gänzlich ohne Geist, ohne Wort und ohne Christum. Sie sind darum, wie die Schrift bezeugt, Kinder des Todes; denn sie kennen Christum nicht, in welchem das Leben ist, wie Johannes sagt:

»Und das ist das Zeugnis, das Gott von seinem Sohne gezeugt hat: dass uns Gott das ewige Leben hat gegeben, und solches Leben ist in seinem Sohne. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.« ((1Joh 5,11–12))

Seht, meine werten Leser, hier habt ihr unsern Grund und unser Bekenntnis von der Rechtfertigung, wie ihr es hier gelesen habt. Jetzt urteilt selbst, ob die Prediger recht handeln, wenn sie so grob über uns lügen und sagen, dass wir durch unsere eigenen Verdienste und Werke selig werden wollen und dass wir uns rühmen, ohne Sünde zu sein.

Der Herr vergebe es ihnen, dass sie so unverschämte grobe Lügen auf so feindselige Weise aufbringen. Ach, dass diese elenden Menschen es doch einmal zu Herzen nehmen könnten, dass die Verleumder, Ehrabschneider und Lügner von dem Teufel und des Todes würdig sind; dass Gott allen Lügnern feind ist; dass sie keinen Teil an seinem Reiche haben und dass ein lügenhafter Mund die Seele tötet (Joh 8,44; Röm 1,32; Ps 5,7; Offb 21,27; 22,15; Weish 1,11).

Dieses, sage ich, ist unser Grund und wird auch durch Gottes Gnade ewig unser Grund bleiben, denn wir wissen und erkennen wahrhaftig, dass es des Herrn unüberwindliches Wort und Wahrheit ist. Wir bezeugen darum hiermit, vor euch und vor einem jeden, dass wir erstens nicht mit jenen übereinstimmen, welche einen historischen, toten Glauben lehren und einführen, welcher ohne Veränderung, Geist, Kraft und Frucht ist und zweitens auch nicht mit denen, welche durch ihre Verdienste und Werke selig werden wollen. Warum haben wir schon gesagt.

Der barmherzige und gnädige Vater verleihe uns allen durch seinen lieben Sohn, Jesum Christum, die Gabe seines heiligen Geistes, auf dass wir die erwähnte Gnade in und durch Christum von ganzem Herzen glauben und bekennen und darin treu und standhaft bis ans Ende zu Gottes ewigem Preis und seiner Verherrlichung bleiben und wandeln mögen, Amen.