25.1  Vorrede

Die Ursache unseres Schreibens, werte Leser, ist diese: Während vieler Jahrhunderte haben wir und unsere Vorfahren das Licht in der Finsternis, die Wahrheit bei der Lüge, das Leben bei den Toten und den Weg bei den Verführern gesucht. Wir haben umhergeirrt wie Schafe ohne Hirten (4Mo 27,17; Mt 9,36) und es war leider niemand da, uns den Weg des Lebens zu zeigen und uns zu des Herrn Weide zu führen. So gänzlich hatte die verfluchte Lehre des Antichristen, der schändliche Rauch der Verführung, welcher aufsteigt aus dem Brunnen des Abgrunds (Offb 9,2; 14,11), den edlen schönen Glanz des göttlichen Wortes verdunkelt und so schrecklich war das gerechte Urteil Gottes, um der Sünde willen, über diese mutwillige und ruchlose Welt gekommen (Mt 24,24; 2Pt 2,1; Jud 4; 2Tim 3,1; Phil 3,18), dass leider weder wahre Lehre, noch rechte Erkenntnis Gottes und Christi, noch Glaube, noch Taufe, noch Abendmahl, noch göttlich verordneter Bann, noch Liebe, noch Gerechtigkeit unter den Menschen gefunden wurden und auch jetzt noch wenig gefunden werden. Man findet hingegen überall in der Welt falsche Lehre, Heuchler, Verführer, Feinde des Kreuzes Christi, welche ihrem armseligen, schwachen Bauche mit allem Fleiße dienen und mit ihrer kitzelnden Irrlehre denjenigen Frieden verkündigen, welche von keinem Frieden wissen (Jes 57,21) und so der Bösen Hände stärken, dass sich niemand von seiner Bosheit bekehrt, wie der Prophet klagt (Jer 23,22).

Ja, sie haben es mit ihrem Disputieren, Schreiben und Predigen so weit gebracht, dass sie des Herrn ausdrückliche Verordnung hinsichtlich der Taufe, des Abendmahls und des Bannes, welche er mit seinem eigenen Munde befohlen hat und die Apostel in der ganzen Welt gelehrt, gebraucht und bezeugt haben, nicht nur für falsch und ketzerisch richten, sondern auch auf sehr feindselige Weise schelten und verfolgen, wie vor Augen liegt. Sie haben eine neue Taufe eingeführt, welche die Schrift nicht kennt und welche dem Fleische nicht so schwer fällt, als die Taufe Christi; ein neues Abendmahl, welches ein falscher Trost aller Gottlosen ist und einen Bann, welcher nichts anderes ist, als ein Mittel die Frommen auszurotten und keineswegs mit Billigkeit, geschweige denn mit Liebe und Wahrheit, vereinbar ist; denn lautet es nicht zur Stadt oder zum Land hinaus, so heißt es ins Feuer oder ins Wasser; auch wird derselbe an vielen Orten nicht wenig gegen die Gottesfürchtigen gebraucht.

Kurz, sie haben durch ihre leichtfertige Lehre und falschen Sakramente die gemeine Welt so sehr von Gott abgezogen und ihm entfremdet und sie zu solch einem Unglauben und heidnischen Wandel angeleitet, dass sich alle Himmel darüber betrüben und schämen müssen. Sagt mir doch, verständige Leser, wer könnte oder möchte erzählen die verfluchte, gottlose Hoffart, Prahlerei, Ehebrecherei, Hurerei, Abgötterei, die römischen und spanischen Gräuel, die Treulosigkeit, Betrügerei, den Geiz, Wucher, die Ungerechtigkeit, das Prassen, Saufen, Schwelgen, den Hass, Neid, das Morden, Stehlen, Plündern, Rauben, Brennen, Verraten, Blutvergießen, die unziemlichen, unsaubern, schändlichen Worte, das schreckliche Lügen, Schwören, die schändlichen Krankheiten, Leiden, Wunden und die Sakramente, welche in dieser wüsten und ruchlosen Welt gefunden werden? Dennoch wollen sie die Gemeinde Christi sein. Ja, es herrscht überall solche Verwüstung, dass wir wohl mit dem Propheten Hosea bitterlich klagen und sagen mögen, dass weder Gottes Wort, noch Liebe, noch Treue im Lande ist, sondern dass Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen überhand genommen haben und dass eine Blutschuld nach der andern kommt (Hos 4,1–2); mit Jeremia 5,30: »Es steht gräulich und scheußlich im Lande,« mit Johannes:

»Die ganze Welt liegt im Argen.« (1Joh 5,19)

Und in den Worten der Offenbarung:

»Ihre Sünden reichen bis in den Himmel!« (Offb 18,5)

Ach, meine treuen Leser, es ist noch viel ärger, als man sagen oder schreiben kann. Ein jeder Billigdenkende kann dies mit Händen fühlen und greifen.

Weil denn der Glanz der Sonne während so vieler Jahre nicht geschienen hat, Himmel und Erde ganzehern und eisern gewesen sind (5Mo 28,23), die Wasserbecken und Quelladern nicht geflossen sind (5Mo 11,17), der Tau nicht vom Himmel herabgeträufelt ist und die herrlichen Bäume und grünen Felder so gänzlich verwelkt und verdorrt gestanden sind (ich meine es geistlich), der gnädige und große Herr aber in dieser letzten Zeit die reichen Schätze seiner ewigen Liebe, die Fenster des Himmels wiederum öffnet und die Feuchtigkeit seines göttlichen Wortes wiederum herabfallen lässt, so dass die Erde wiederum wie vormals ihre grünen Zweige und Pflanzen der Gerechtigkeit hervorbringt, welche dem Herrn Frucht tragen und seinen hohen, anbetungswürdigen Namen preisen und groß machen, und auch des Herrn heiliges Wort und Sakramente wiederum das Haupt aus der Asche emporheben, wodurch die lästerliche Betrügerei und die Gräuel der Gelehrten an den Tag kommen, so machen sich alle Pforten der Hölle auf und setzen sich zur Wehr und wüten und rasen und zwar mit so reißender Verführung, so lästerlichen Lügen und so blutiger Tyrannei, dass, wenn der starke Gott seine gnädige Kraft nicht bewiese, kein Mensch selig werden würde. Aber die Seinigen wird niemand aus seiner Hand reißen.

In Erwägung denn, dass sie so tödlich gegen die klare Wahrheit streiten, Schaum für Silber herwägen und dazu allerlei Schande, Lästerung, Schalkheit und Schimpf auf uns häufen, wie sie es von Anfang allen gemacht haben, welche den Herrn fürchten, so finden wir uns genötigt und durch unsere Liebe für das göttliche Wort und eure Seelen gedrungen, den untrüglichen göttlichen Grund und die reine feste Wahrheit von der Rechtfertigung, den Predigern, der Taufe, dem Abendmahl und dem Eidschwören, um welcher Artikel willen wir von einem jeden, besonders von den Gelehrten, so tödlich gehasst und so lästerlich verleumdet werden, in bündiger Kürze aus des Herrn Wort offen zu legen, auf dass ihr dadurch erkennen mögt, was uns die heilige Schrift darüber in deutlichen Worten lehrt; und dass ihr urteilen könnt, ob wir elenden Menschen solche unnützen und gottlosen Leute seien, wie die Gelehrten ohne Aufhören so feindselig von uns aussagen und dem Volke vorgeben. Habt ihr denn Ohren zu hören, so hört des Herrn Wort; und seid ihr klug von Herzen, so merkt darauf und folgt der Wahrheit.