21.4  Wie die heiligen Apostel die Taufe geübt haben

Zum Dritten und Letzten finden wir uns aus dieser Ursache veranlasst, die christliche Taufe der Gläubigen so hoch und teuer, nämlich mit unserem Blut, zu verteidigen, weil die heiligen Apostel Gottes niemand getauft haben als nur diejenigen, welche es begehrten, wie Christus es ihnen so ausdrücklich und klar befohlen hatte, indem er sagte:

»Predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.« (Mk 16,15–16)

Diesen Befehl entnahmen die Apostel dem Munde des Herrn und haben das heilige Evangelium, die frohe Botschaft der Gnade, in großer Kraft in der ganzen Welt verkündigt und einer jeden menschlichen Kreatur unter dem Himmel gepredigt (Röm 10; Kol 1). Sie tauften alle diejenigen, welche dieses Evangelium durch den Glauben annahmen und keine anderen, wie an manchen Stellen in den Schriften der Apostel deutlich wahrgenommen und bewiesen wird, von welchen ich dem Leser hier einige anführen und erklären will, wodurch er dann alle die andern leicht fassen und verstehen kann.

Als Philippus durch den Engel des Herrn zu dem Wagen des Kämmerers, welcher aus Mohrenland gekommen war und das Evangelium von Christo Jesu aus dem Propheten Jesaja gelernt hatte, gesandt war, kamen sie an ein Wasser und der Kämmerer sprach:

»Siehe, da ist Wasser, was hindert es, dass ich mich taufen lasse? Philippus aber sprach: Glaubst du von ganzen Herzen, so mag es wohl sein. Er antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist.« (Apg 8,36–37)

Meine auserwählten lieben Brüder! Wäre die ganze weite Welt voll von gelehrten Rednern und hochberühmten Doktoren und reichten diese in ihrem scharfen Verstand und ihrer menschlichen Philosophie bis an die Sterne, so wird uns dennoch durch Gottes Gnade dieses Wort niemals von ihnen entrissen werden, nämlich, dass, wo kein Glaube ist, nach Gottes Verordnung auch keine Taufe gegeben werden darf; oder man muss annehmen, erstens, dass Christus Jesus unrichtig befohlen hat; zweitens, dass die heiligen Apostel unrichtig gelehrt haben; drittens, dass der heilige Philippus hier unrichtig gefragt hat; und viertens, dass dieser Kämmerer besonders und mehr als alle anderen Menschen in dieser Sache beschwert wurde. Nein, guter Leser, nein! Gleichwie Petrus und Paulus samt allen frommen Zeugen Christi ihre Augen stets auf den Befehl des Herrn Jesu Christi gerichtet haben und niemals außer demselben oder gegen denselben gelehrt und gehandelt haben, so hat auch der heilige Philippus, dieser treue Diener Gottes, der mit gleichem Geist gelehrt und gepredigt hat, nicht taufen wollen, ehe dieser berühmte und gewaltige Mann seinen Glauben aus dem Grunde seines Herzens bekannt hatte; denn so hatte Christus Jesus, sein wahrer Meister, unser Erlöser und Seligmacher, ihm befohlen (Mt 28,19; Mk 16,16).

Weil es denn der Gebrauch der heiligen Apostel war, dass die Täuflinge ihren Glauben vor der Taufe bekennen mussten, so frage ich euch, liebe Leser, wie man von den kleinen, unmündigen Kindern vor der Taufe ihren Glauben abverlangen und wer denselben für sie bekennen soll? Will man mich auf die Gevattern oder Paten hinweisen, so antworte ich, dass dieser Gebrauch erst durch Papst Higinius eingeführt worden ist, wie wir schon früher erwähnt haben. Da die Paten denn durch Higinius entstanden sind und die Kindertaufe von der Apostelzeit an gedauert hat, wie Origenes und Augustinus schreiben, was ich auch gern glaube, weil diejenigen, welche Christum nicht recht erkannten, ihre Gerechtigkeit stets im Wirken von Zeremonien gesucht haben, obwohl dies kein göttlicher Befehl noch apostolischer Gebrauch war, wie man besonders aus der heiligen Schrift und ferner auch aus Tertullian, Rufinus und andern offen beweisen kann, so weiß ich wirklich nicht, wer für den Glauben der unmündigen Kinder, die zwischen der Apostelzeit und dem Papst Higinius getauft worden sind, bei der Taufe geantwortet und sich verbürgt hat, indem die Gevattern oder Paten erst durch Higinius, welcher der neunte oder zehnte Papst war, in Schwang gekommen sind und die Kinder, welche vor ihm geboren wurden, weder Lehre noch Sprache, noch Verstand hatten, gerade wie dies bei den Kindern noch heutzutage der Fall ist, was durch ihre Früchte hinreichend bewiesen wird.

Merkt doch einmal, gute Leser, dass alles, was sie mit den Kindern treiben, wie Katechismus, Gevattern, Taufe, Salbung und dergleichen, nichts als offenbare Heuchelei, menschliche Gerechtigkeit, Abgötterei, eigenes Gutdünken und unnütze Phantasien und Pläne sind.

Da nun Christus nicht mehr als eine Taufe befohlen hat, nämlich die Taufe auf den Glauben, und die Apostel auf diese gedrungen und keine andere geübt haben (Eph 4,5), so müssen die Kindertäufer, durch Gottes Wort gedrungen, doch wohl eingestehen, dass die Kindertaufe nicht dem Befehle Christi und der Lehre und dem Gebrauch der heiligen Apostel, sondern der Lehre des Antichristen und dem Gebrauch seiner Prediger entsprungen ist. Ich wiederhole es noch einmal: Die heiligen Apostel haben niemand getauft als nur diejenigen, welche es begehrten oder den allerheiligsten Glauben entweder mit ihrem Mund oder durch ihre Werke bekannt und bewiesen haben, wie z. B. der heilige Petrus getan hat. Denn wiewohl ihm vorher durch ein himmlisches Gesicht genugsam kundgetan worden war, dass er unter die Heiden gehen dürfe um ihnen das Evangelium zu verkündigen, so hat er dennoch den frommen, edlen und gottesfürchtigen Kornelius und dessen Genossen nicht taufen wollen, solange er nicht sah, dass der heilige Geist auf dieselben niedergekommen war und sie mit Zungen redeten und Gott hoch priesen. Als Petrus aber sah, dass sie wahrhaft gläubig waren und dass die göttliche Kraft auf sie niedergekommen war, sprach er:

»Mag auch jemand das Wasser wehren, dass diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn.« (Apg 10,47–48)

Hier, gute Leser, wird euch genugsam gelehrt, dass Petrus nur geboten hat, diejenigen zu taufen, welche den heiligen Geist empfangen hatten, mit Zungen redeten und Gott hoch priesen, welches nur von Gläubigen und nicht von unmündigen Kindern gesagt werden kann. Petri Gebrauch ist daher in Übereinstimmung mit dem Befehl Christi (Mk 16,16) gewesen und darum hat Petrus auch keinen Befehl gegeben, dass man die kleinen, unmündigen Kinder taufen solle, da der heilige Geist sein Werk nicht in ihnen treibt, wie offen zu Tage liegt. Dasselbe kann man auch an einer andern Stelle aus dem heiligen Lukas leicht ersehen, indem dieser sagt:

»Da sie aber Philippi Predigten glaubten von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi, ließen sich taufen beide, Männer und Weiber.« (Apg 8,12)

Merkt wohl, dass von kleinen unmündigen Kindern hier keine Rede ist.

Also hat es auch der heilige Paulus, ein Prediger und Apostel, in Betreff des Glaubens und der Wahrheit gehalten. Er verlangte derartige Vollkommenheit in dem Glauben vor der Taufe, dass er die Taufe des allerheiligsten Johannes des Täufers in den Jüngern zu Ephesus als unnütz und vergeblich betrachtete, weil sie nicht wussten, dass ein heiliger Geist war.

»Er sprach zu ihnen: Worauf seid ihr denn getauft? Sie sprachen: Auf Johannis Taufe. Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und sagte dem Volk, dass sie sollten glauben an den, der nach ihm kommen sollte, das ist an Jesum, dass er Christus sei. Da sie dies hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesu. Und da Paulus die Hände auf sie legte, kam der heilige Geist auf sie und redeten mit Zungen und weissagten. Und aller der Männer waren bei Zwölfen.« (Apg 19,3–7)

Hört nun zu, meine teuersten Leser, denn ich will euch und der ganzen Welt drei Punkte vorlegen, die ihr unparteiisch und nicht anders als mit Gottes Wort beurteilen wollt. Erstens: War diese Taufe des Johannes nicht aus Gott? Ich weiß, was eure Antwort sein wird, nämlich, ja. War aber die Taufe des Johannes aus Gott, wie sie in Wahrheit ist, und hat der heilige Paulus dennoch diese Taufe, welche von oben war, als unzulänglich und unvollkommen in diesen Jüngern betrachtet, weil sie den heiligen Geist nicht kannten und hat er sie darum, nachdem er ihnen Christum gelehrt hat, noch einmal und zwar mit der Taufe Jesu Christi getauft, wie Lukas schreibt, für was müssen wir denn die Taufe der unverständigen Kinder halten, welche aus natürlicher Unfähigkeit das göttliche Wort nicht anhören können und darum weder den Vater, noch Christum, noch den heiligen Geist, noch Wahrheit, noch Lügen, noch Gerechtigkeit, noch Sünden, noch Gutes, noch Böses, noch Recht, noch Unrecht erkennen? Geht daraus nicht deutlich hervor, dass die Kindertaufe unnütz, eitel und fruchtlos ist und ohne Gottes Verordnung vollzogen und empfangen wird? Und wenn wir dieses durch den Glauben aus Gottes Wort erkennen, ist es dann nicht nötig, dass wir getauft werden mit der Taufe Jesu Christi, welche er befohlen und die Paulus an diesen Jüngern vollzogen hat? Tun wir dies nicht, so ist fürwahr, nach der Aussage aller göttlichen Schriften, in uns in alle Ewigkeit weder Glaube, noch neue Geburt, noch Gehorsam, noch Geist und darum auch keine Verheißung, wie wir oben schon so vielfach bewiesen haben.

Lasst die Gelehrten diese unüberwindliche Sprache und Handlung Pauli so schlau wie nur möglich verdrehen, sie werden dennoch niemals im Stande sein, mit Gottes Wort zu leugnen, dass diese Jünger, obwohl sie mit der Taufe des Johannes getauft waren, dennoch, nachdem Paulus sie unterrichtet hatte, wiederum, und zwar mit der Taufe Christi, getauft worden sind, weil sie nicht wussten, dass ein heiliger Geist war – das ist, wenn taufen in Gottes Wort taufen heißen und bleiben soll. Aber meine Brüder, immer wird gegen das Wort des Kreuzes gestritten,

»denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden.« (1Kor 1,18)

Zweitens: Urteilt recht, gute Leser; da Christus Jesus selbst und die heiligen Apostel Petrus, Paulus und Philippus im ganzen neuen Testament keine andere Taufe gelehrt und geübt haben, als die auf das Bekenntnis oder die Dartuung des Glaubens, die ganze Welt hingegen nun eine andere Taufe lehrt und übt, welche weder in Christi Befehl noch auf die Lehre und den Gebrauch der heiligen Apostel gegründet ist, nämlich die Taufe der kleinen, unverständigen Kinder und dieselbe nicht mit Gottes Wort, sondern nur mit dem Gutdünken der Gelehrten, mit dem alten Gebrauche und dem grausamen und blutigen Schwerte lehrt und aufrecht erhält – wem von beiden wir jetzt folgen und gehorchen sollen: Christo Jesu in seiner göttlichen Wahrheit oder der Welt mit ihren gottlosen Lügen? Sagt ihr Christo, so habt ihr wohl geurteilt. Daraus folgt aber, nach dem Fleische, Ungemach, Verlust von Hab und Gut, Fangen, Verbannung, Armut, Wasser, Feuer, Schwert, Rad, Unehre, Kreuz, Leiden und der zeitliche Tod – allein zuletzt das ewige Leben. Sagt ihr aber der Welt, so habt ihr wahrlich schlecht und unrichtig geurteilt, obwohl das Entgegengesetzte dem Fleische nach daraus folgt, nämlich Ehre, Ruhe, Bequemlichkeit, Friede, Freiheit für eine kurze Zeit, das zeitliche Leben und dergleichen vergängliche Vorteile mehr – doch das Ende davon ist der ewige Tod.

Drittens und letztens, fällt ein richtiges Urteil, ob die Verordnung Jesu Christi, die er selbst seiner Gemeinde gegeben hat und welche seine heiligen Apostel aus seinem Munde gelehrt und geübt haben, jemals durch menschliche Weisheit oder Erhabenheit umgekehrt und gebrochen werden kann. Sagt ihr ja, so müsst ihr es mit göttlichen und evangelischen Schriften beweisen oder wir dürfen es nicht glauben. Sagt ihr aber nein, wie es auch nein ist, so müsst ihr bekennen, dass alle diejenigen, ohne Unterschied wer und was sie auch sein mögen und hätten sie sogar in den Zeiten der Apostel gelebt und wären deren Jünger gewesen, welche behaupten, dass die Apostel unmündige Kinder getauft haben, schändlich irren und die Apostel mit hässlichen Lügen beladen, ja, dass sie aus sich selbst reden und nicht aus Gottes Wort. Denn die allerheiligsten Apostel, diese wahren Zeugen der christlichen Wahrheit, haben niemals zwei verschiedene Taufen in dem Wasser gelehrt, noch gegen Christi Befehl und Verordnung und gegen ihre eigne Lehre gehandelt und getauft.

Ach, hätten doch solche weisen, gelehrten, scharfsinnigen und berühmten Männer, wie Origenes, Augustinus, Hieronymus, Laetantius und andere sich mit ihrer Vernunft und Philosophie nicht so weit verstiegen, sondern sich mit der reinen, keuschen und einfachen Lehre Jesu Christi und seiner Apostel begnügt und ihren Scharfsinn und großen Verstand unter Gottes Wort gebeugt, nie würde die himmlische Lehre und unveränderliche Verordnung unseres lieben Herrn Jesu Christi so großen Schaden und Schmach erlitten haben. Besonders ist der große Origenes mit seinem natürlichen Verstand und seiner Philosophie schändlich mit der heiligen Schrift umgegangen, so dass Luther in seinem Buche Servum Arbitrium ihn den unreinsten Ausleger der Schrift nennt. Zudem enthält das lutherische Testament in der Offenbarung die Anmerkung, dass dieser Origenes jener große Stern sei, welcher vom Himmel fiel und brannte wie eine Fackel und dessen Name Wermut ist (Offb 8). Was er darum sei, meine Brüder, sei Gott anheimgestellt. Aber wie schändlich er auch mit Gottes Wort philosophiert hat und wie tief er gefallen ist, so müssen dennoch, weil er in dieser abgöttischen Sache der Kindertaufe der Welt zu gefallen handelt, die heiligen Apostel mit ihrer, ja, sogar Christus mit seiner Lehre zurückstehen. Origenes aber muss als ein zuverlässiger Zeuge in dieser abgöttischen Sache angehört, angenommen und beachtet werden. O gräuliche Blindheit und verderbliche Torheit, nicht zu glauben dem untrüglichen Munde des Herrn Jesu Christi, dem Munde der Wahrheit und den wahrhaftigen und frommen Zeugen, die er gesandt hat, sondern viel lieber zum großen Schaden unserer Seelen denen zu glauben und zu folgen, welche nach unseren Lüsten lehren, obwohl ihre Schriften so klar beweisen, dass sie nur zu oft in der Wahrheit des allmächtigen Gottes gestrauchelt und geirrt haben.

Ich bitte euch darum, meine lieben Brüder in dem Herrn, bei der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr doch die Augen eures Verstandes öffnen wollt, auf dass eure Seelen nicht länger betrogen werden mögen; merkt doch einmal recht, ihr, die ihr euch durch die Schriften der Gelehrten Furcht einjagen lasst, dass alle diese Schreiber, beide, alte und neue, die Gerechtigkeit, welche man doch allein in Christo Jesu suchen sollte, stets in den vollzogenen Zeremonien gesucht haben. Und weil sie ihre Sache nicht auf Gottes Wort gründen können, so haben sie auch nicht einen Weg gewandelt, aus einem Munde gesprochen und mit einer Feder geschrieben. Denn einige haben, wie deutlich aus ihren Schriften hervorgeht, in diesen Zeremonien die Abwaschung der Erbsünde gesucht, andere lehren, dass man die Kinder auf ihren eigenen Glauben taufen soll; andere auf dass sie im Worte Gottes und in seinen Geboten erzogen werden mögen; andere, damit sie dadurch in Gottes Bund aufgenommen werden und noch andere haben dadurch gesucht, die Kinder der Gemeinde einzuverleiben. Seht, gute Leser, so wandelt ein jeder dieser Schreiber seinen eigenen Weg und nicht einen gemeinsamen. Hätten sie nun Gottes Wort für diese Taufe der kleinen, unmündigen Kinder, so würde alles mit einer Feder geschrieben und aus einem Munde gesprochen werden. Aber weil sie Gottes Wort in dieser Sache nicht haben, so folgt ein jeder seiner eigenen Vernunft, in der Hoffnung, unter dem Deckmantel der Schrift seine schädliche Lüge als die nützliche Wahrheit darzutun. Ja, er kitzelt sich selbst so lange mit verdrehten Schriftstellen vor den verdunkelten Augen seines Verstandes, dass er zuletzt nicht mehr einsehen kann, dass er eine verdammliche Lüge für die allergottseligste Wahrheit lehrt, derselben folgt und sie übt.

Weil denn, meine teuersten Kinder, die Gelehrten stets Gerechtigkeit in der Kindertaufe gesucht haben, so werdet ihr leicht begreifen, dass die Kindertäufer durch diesen Umstand entstanden sind und überhand genommen haben. Denn die Kindertaufe ist bei den ersten Vätern kein allgemeiner Gebrauch gewesen, wie aus Tertullian, Rufinus und andern deutlich hervorgeht. Wie es scheint, war es gleich nach dem Ableben der Apostel, vielleicht auch schon bei ihren Lebzeiten, dass man die wahre christliche Taufe, welche nur den Gläubigen zukommt, zu missbrauchen angefangen hat. Gleichwie etliche unter den Korinthern schon zu Pauli Zeiten sich für die Toten taufen ließen (1Kor 15,29), so hat sich auch durch die Lehre und das falsche Gutdünken der unklugen Bischöfe der gräuliche Schlangensinn der Kindertaufe an vielen Orten eingenistet und sich durch Gewohnheit so festgewurzelt, dass dieselbe zuletzt als eine Einsetzung der Apostel von allen Menschen angenommen und geübt worden ist, um der Gerechtigkeit willen, welche alle darin gesucht haben. Hieraus wird euch gewiss deutlich werden, liebe Brüder, dass wie lange auch die Kindertaufe in Gebrauch gewesen ist, sie dennoch nicht aus einem Befehl Christi oder der Lehre und dem Gebrauch der heiligen Apostel entstanden ist und dass sie darum auch abgöttisch, unnütz und vergeblich ist.

Und weil mit der wahren christlichen Taufe solche großen Verheißungen verbunden sind, nämlich die Vergebung der Sünden und andere (Apg 2,38; Mk 16,16; 1Kor 12,13; 1Pt 3,21; Eph 4,5), so wollen die Kindertäufer diese Taufe mit ihren Verheißungen auch auf die kleinen, unmündigen Kinder beziehen, indem sie nicht merken, dass diese Verheißungen nur denjenigen folgen, welche Gottes Wort Gehorsam leisten, weil Christus Jesus dies geboten hat.

Weil denn den kleinen, unmündigen Kindern die Taufe nicht geboten ist, so wird sie auch nicht als Gehorsam von ihnen gefordert; denn wo kein Gebot ist, da ist auch keine Übertretung. Noch einmal: Ist den Kindern von Gott die Taufe nicht geboten und haben sie deshalb bei ihrer Taufe keine Verheißung, so geht gewiss unwiderleglich aus diesem hervor, dass diese Taufe der kleinen unmündigen Kinder abgöttisch, eitel und vergeblich vor Gott ist, wie wir oben gesagt haben; denn Gott der Herr hat nur dann Wohlgefallen an den Zeremonien, wenn sie nach der Anweisung seiner göttlichen und seligen Worte geübt werden.

Allein die kleinen, unschuldigen Kinder, besonders die, welche von christlichen Eltern geboren sind, haben eine eigene Verheißung, welche ihnen ohne irgendwelches Mittel oder Zeremonie, aus lauter milde Gnade, von Gott, durch Jesum Christum, unsern Herrn, gegeben ist, nämlich:

»Lasst die Kindlein zu mir kommen […] denn solcher ist das Himmelreich!« (Mt 19,14)

Diese einzige Verheißung erfreut und beruhigt alle Auserwählten in Betreff ihrer kleinen und unverständigen Kinder, indem sie wohl wissen, dass der Mund unseres lieben Herrn Jesu Christi die Seinen niemals täuscht. Weil er denn den zu ihm gebrachten Kindern solch eine große Barmherzigkeit bewiesen hat, dass er sie in seine heiligen Arme genommen, sie gesegnet, ihnen die Hände aufgelegt und das Himmelreich versprochen hat, ohne etwas anderes mit ihnen zu tun oder für sie zu verordnen, so haben die Eltern in ihren Herzen eine feste, sichere Überzeugung von der Gnade Gottes in Betreff ihrer lieben Kinder – dass sie Kinder des Reichs, der Gnade der Verheißung und des ewigen Lebens sind, durch Christum Jesum, unsern Herrn, dem allein die Ehre zukommt und nicht durch irgendein Zeichen. Durch diese Verheißung werden die Eltern versichert, dass ihre Kinder, solange diese unschuldige und unwissende Kinder sind, rein, heilig, selig und angenehm vor Gott sind, sie seien denn lebendig oder tot. Darum danken sie dem ewigen Vater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, für seine unaussprechliche Gnade gegen ihre Kinder und erziehen sie in der Furcht Gottes, in aller Weisheit, mit Strafen, Lehren und Ermahnen in Gottes Wort und indem sie ihnen mit einem unsträflichen Leben vorangehen, bis sie selbst Gottes Wort hören, glauben und in den Früchten vollbringen können. Dann wird es Zeit für sie sein, ohne Rücksicht wie alt sie sein mögen, die christliche Taufe zu empfangen, welche Christus Jesus, als ein Zeichen des Gehorsams gegen sein heiliges Wort, allen wahren Christen befohlen hat und seine lieben Apostel so gelehrt und geübt haben.

Wenn jene, meine Brüder, nun sagen, dass wir die Kinder der Verheißung und der Gnade Gottes berauben, so merkt ihr doch wohl, dass sie aus Hass und Neid wider uns sprechen und nicht die Wahrheit sagen. Sagt, wer hat wohl den sichersten Grund des Hoffens in Betreff seiner Kinder: Der, welcher seine Hoffnung auf ein äußerliches Zeichen setzt oder der, welcher sie baut auf die Verheißung der Gnade, die durch Christum Jesum zugesagt und gegeben ist? Dennoch muss die evangelische Wahrheit von den Unverständigen und Leichtfertigen stets gelästert und verleumdet werden. Aber der gerechte und unparteiische Richter, das ist Jesus Christus, wird einmal ein gerechtes Urteil zwischen ihnen und uns fällen, obwohl sie es nicht fürchten. Alsdann aber wird es, wie ich nur zu sehr befürchte, von vielen zu spät erkannt werden, dass sie nicht der Wahrheit Jesu Christi, sondern den Lügen des Antichristen geglaubt haben und gefolgt sind. Darum seht euch vor und wacht.

Auch wird uns von den Kindertäufern mit großem Unverstande eingeworfen, dass die Apostel ganze Haushaltungen getauft haben, wie das Haus des Kornelius (Apg 10,48), das Haus des Stephanus (1Kor 1,16), das des Kerkermeisters und das der Lydia, der Purpurkrämerin (Apg 16,15,33), und dass darunter auch kleine Kinder gewesen seien, sagen sie, sei wohl leicht zu vermuten. Mit dem Angeführten beweisen sie, liebe Brüder, obwohl sie es selbst nicht wissen, dass sie keine Schriftstellen anführen können, die besagen, dass man die kleinen, unverständigen Kinder taufen solle. Denn wo man sich nur auf eine Vermutung stützen kann, da gebricht es an einem klaren Beweise für die Haltbarkeit der Sache.

Diesem Einwurf will ich ihnen erstens mit deutlichen Schriftstellen folgenderweise beantworten: Die drei erstgenannten Haushaltungen, nämlich, die des Kornelius, des Stephanus und des Kerkermeisters, waren gläubig. Von dem Hausgesinde des Kornelius steht geschrieben:

»Es war aber ein Mann zu Cäsarea, mit Namen Kornelius, ein Hauptmann von der Schar, die da heißt die Welsche, gottselig und gottesfürchtig, samt seinem ganzen Hause.« (Apg 10,1–2)

Haben sie alle Gott gedient und ihn gefürchtet, wie Lukas schreibt, so sind sie auch nicht ohne Glauben getauft worden, wie im nämlichen Kapitel gelehrt und bewiesen wird, wo Petrus befahl, dass man diejenigen taufen solle, welche den heiligen Geist empfangen hatten, gleichwie sie, mit Zungen redeten und Gott hoch priesen; welches alles Früchte des Glaubens sind, wie jedem Verständigen einleuchten wird.

Auch von dem zweiten Hausgesinde, nämlich dem des Stephanus, wird gesagt:

»Ich ermahne euch aber, liebe Brüder: Ihr kennt das Haus Stephanus, dass sie sind die Erstlinge in Achaja und haben sich selbst verordnet zum Dienste den Heiligen, auf dass auch ihr solchen untertan seid und allen, die mitwirken und arbeiten.« (1Kor 16,15–16)

Noch einmal sage ich euch: Den Heiligen zu dienen ist ein Werk der Gläubigen. Hat nun das Hausgesinde des Stephanus den Heiligen gedient, wie Paulus schreibt, so haben sie auch in ihren Früchten wohl bewiesen, dass sie Glauben hatten.

Von dem Hausgesinde des Kerkermeisters finden wir gemeldet, dass Paulus so sprach zu ihm:

»Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig. Und sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren. Und er nahm sie zu sich in derselbigen Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsobald. Und führte sie in sein Haus und setzte ihnen einen Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er an Gott gläubig geworden war (oder nach Erasmus: hat sich gefreut, dass er mit seinem ganzen Hause an Gott glaubte).« (Apg 16,31–34)

Merkt erstens, liebe Leser, dass sie ihm das Wort verkündeten und allen die in seinem Hause waren und zweitens, dass er sich freute mit seinem ganzen Hause. Das Wort hören ist ein Werk der Verständigen und diese geistliche Freude ist eine Frucht der Gläubigen oder Geistlichen (Gal 5,22). Da sie nun alle das Wort gehört und sich in Gott gefreut haben, folgt daraus ohne Widerspruch, dass die Apostel sie nicht ohne Glauben getauft haben.

Was das vierte Haus, nämlich das der Lydia anbetrifft, sei dies meine Antwort: Weil die Welt ihre Sache mit bloßem Vermuten begründen will, so sagen wir dagegen erstens: Vermuten kann noch keinen Glauben machen und könnte auch bloßes Vermuten, welches keine Gewissheit zu geben vermag, vor Gott bestehen, so würde dennoch das Vermuten mit Hinsicht auf das Hausgesinde der Lydia nicht für, sondern gegen die Welt sein. Der Grund ist dieser: Es ist sowohl in der heiligen Schrift, als auch bei der Welt, bräuchlich, ein Haus nach dem Manne und nicht nach der Frau zu nennen, solange der Mann lebt; denn der Mann ist das Haupt und der Herr seines Weibes und seines Hauses. Da aber hier das Haus nach der Frau genannt und keines Mannes erwähnt wird, so folgt daraus, dass diese zur Zeit unverheiratet war und keinen Mann hatte. War sie denn ohne Mann eine Jungfrau oder Witwe, wie es scheint, so muss sicherlich das Vermuten der Welt zu nichts werden und es ist vielmehr zu vermuten, dass sie gar keine Kinder, oder wenigstens keine unmündigen Kinder, hatte, da sie zu dieser Zeit keinen Mann hatte.

Ferner noch sagen wir in Betreff dieser Schriftstelle: Wäre es auch so, dass diese Lydia kleine, unmündige Kinder gehabt hätte, so würde man dieselben dennoch nicht unter die Getauften des Hauses gerechnet haben. Denn Christus hatte geboten, die Gläubigen zu taufen und die Apostel haben diese Taufe gelehrt und geübt, woraus man nach göttlicher Wahrheit leicht schließen darf, dass die heilige Schrift, wenn sie von gläubigen Getauften oder verführten Hausgesinden spricht, solche meint, die hören und verstehen und daher auch unterrichtet oder verführt werden können, wie auch Paulus an einer andern Stelle beweist, dass manche ganze Häuser verkehrten, indem sie lehrten, das nicht taugt, um schändlichen Gewinns willen (Tit 1,11). Wenn ihr daher die ganzen Häuser oder Hausgesinde auch auf die unverständigen Kinder ausdehnen wollt, ganze Häuser aber verkehrt worden sind, wie Paulus sagt, so muss unwiderleglich daraus folgen, dass auch die unmündigen Kinder durch falsche Lehre verführt wurden. Nein, teuerste Leser, nein. Ein unschuldiges, einfältiges und unwissendes Kind kann man weder lehren, noch verführen, weshalb sie in der Schrift auch nicht zu den Gläubigen Getauften oder den verkehrten Hausgesinden gerechnet werden. Aber die heilige Schrift lehrt und ermahnt, beides, mit Worten und Sakramenten, bloß diejenigen, welche Ohren haben zu hören und Herzen zu verstehen, wie wir oben schon oft gezeigt haben.

Wer noch weitere Auskunft über diese Taufe und die gegen dieselbe erhobenen Einwendungen wünscht, lese unsere ersten über die Taufe veröffentlichten Schriften und es wird ihm durch die Gnade des Herrn aus Gottes Wort klares Licht über die Sache gegeben werden.

Hiermit, meine Brüder, will ich diese Abhandlung über die Taufe in dem Wasser auf folgende Weise beschließen: In Anbetracht, dass Gott, der barmherzige Vater, aus lauter milder Gnade seinen auserwählten, lieben Sohn Jesus Christus in diese elende, verirrte und verblendete Welt gesandt hat, welcher uns seines Vaters heiligen und guten Willen in großer Kraft und Klarheit gelehrt und sein eignes allerheiligstes Fleisch und Blut in seiner großen Liebe für uns geopfert hat und auf welchen uns der ewige Vater, nicht nur in seinen heiligen Propheten, sondern auch von dem hohen Himmel selbst gewiesen hat, indem er sagte:

»Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!« (Mt 17,5)

– so sagen und bezeugen wir, dass wir diesen Christum Jesum hören, und ihm glauben und nachfolgen müssen in allem, was er uns gelehrt und befohlen hat; und dass wir auch seine heiligen Apostel, die von seinem eigenen göttlichen Munde mit dem alleredelsten Worte der Gnade, nämlich dem heiligen Evangelium, ausgesandt worden sind und dasselbe gelehrt haben, hören und ihnen glauben und nachfolgen sollen – oder wir haben weder Gott, noch Verheißung, noch ewiges Leben in Ewigkeit, wie dies das ganze neue Testament durch von jedermann gelesen und ersehen werden kann.

Da Christus Jesus in seinem Befehl so ausdrücklichund unbestreitbar zuerst gesagt hat, dass man das Evangelium predigen solle und hernach, dass wer an dasselbe glaube und getauft werde, selig werden würde (Mk 16,16–17; Mt 28,19; Apg 19,5; 2,38; 10,48; 16,21) und die heiligen Apostel keine andere Taufe als die auf den Glauben gelehrt und gebraucht haben, laut Christi Befehl, wie wir aus Apg 2; 10; 16; 19; Röm 6,4; Kol 2; 1Kor 12,13; Tit 3,5; 1Pt 3,21 mit vielen ausführlichen Gründen bewiesen haben, so erklären wir noch einmal vor euch und vor der ganzen Welt, dass wir, so wahr der Herr lebt, uns nur aus diesen Ursachen in unserm Herzen gedrungen fühlen, durch die heilsame Furcht Gottes gelehrt und durch des Herrn Wort ermahnt, diese christliche Taufe so zu lehren und einmal nach abgelegtem Bekenntnis des Glaubens zu empfangen, zur Vergebung der Sünden, wie vorhin gesagt worden ist (Apg 2,38). So werden wir gereinigt durch das Wasserbad im Wort (Eph 5,26) und durch einen heiligen Geist, der unsere Herzen dazu bewegt, zu einem Leibe getauft (1Kor 12,13), dessen Haupt Christus Jesus ist (Kol 1,18; Eph 1,22). Wir rufen daher Gott zu unserem Zeugen an, dass wir keine andere Taufe kennen als diese, von welcher wir durch des Herrn Gnade so reichlich gelehrt und geschrieben haben.

Hiermit bitte ich euch, o ihr guten Leser und rufe euch zu: Seid nicht jenen Tollen, Blinden und Blutdürstigen gleich, welche alles mit einem neidischen, rebellischen, widerspenstigen und rasenden Herzen beurteilen, ehe sie es richtig gelesen und verstanden haben und alle gute, christliche Lehre und Sitte, bald um der Gewohnheit, bald um des Kreuzes oder um der Geringheit der Person willen, verwerfen. Tut ihr doch nicht desgleichen, sondern beurteilt unsere Schriften, diese und andere, nach des Herrn Geist und seinem heiligen Worte. Dann werdet ihr in großer Klarheit finden, ob wir euch die Wahrheit oder Lügen gelehrt und geschrieben haben; ob wir zwei Taufen lehren oder eine; ob wir eure Seelen selig zu machen oder zu verderben suchen; ob wir den Preis und das Leben des Herrn, oder seine Unehre suchen. Denn ich fühle mich versichert durch die Gnade des Herrn, dass wenn ihr das, was wir euch geschrieben und gelehrt haben mit einem Verlangen nach eurer Seligkeit und mit einem geistlichen Verständnisse durchlest, ihr darin nichts finden werdet, als die Lehre, welche aus Gott ist, den ewigen, himmlischen, wahren und seligmachenden Willen Gottes und den sehr engen, schmalen Weg der Wahrheit, welchen Christus Jesus, in Ewigkeit gelobt, und seine lieben, heiligen Apostel im allerheiligsten Evangelium allen Menschen geschrieben, gelehrt und vorgewandelt haben.

Seht darum wohl zu, ihr durchlauchten, edlen und frommen Herren; seht wohl zu alle ihr Richter und Gerichtspfleger in den Ländern, gegen wen euer grausames, blutiges Schwert geschärft, gezogen und gebraucht wird. Denn ich sage euch in Christo Jesu, dass wir nichts anderes suchen, als was wir euch hier vorgelegt haben, wie ihr doch auch selbst an vielen wahrnehmen müsst, nämlich dass kein falsches, trügerisches Wort aus ihrem Munde gehört wird. Diese aber werden von euch wie elende, harmlose und unschuldige Schlachtschafe in Schwert, Feuer und Wasser getrieben und geführt. Solltet ihr aber die schrecklichen Gräuel der falschen, verdorbenen Sekten vorschützen wollen und sagen, dass ihr der Taufe deshalb mit dem Schwerte widerstehen müsst, damit ihr diesen gottlosen Taten desto besser Einhalt tun könnt, so antworte ich wiederum: Erstens ist die christliche Taufe keine verdorbene Sekte, sondern Gottes Wort; zweitens verursacht die heilige christliche Taufe weder Empörung, noch schändliche Taten; solches tun die falschen Lehrer und Propheten, die sich rühmen, getaufte Christen zu sein, dies aber vor Gott nicht sind; und drittens gibt es unterm ganzen Himmel nichts, vor welchem ich so großen Abscheu und Schrecken empfinde, als vor dem gottlosen Wesen der falschen, verdorbenen Sekten. Nein, nicht einmal vor dem Tode, denn ich weiß wohl, dass alle Menschen einmal sterben müssen (Hebr 9,27), noch vor dem tyrannischen Schwert; denn wenn sie mir meinen Leib genommen haben, haben sie nichts mehr, das sie mir tun können (Mt 10,28; Lk 12,4; Jes 51,7); noch vor Satan, denn er ist von Christus für mich überwunden worden. Wenn aber die gräuliche Lehre der verdorbenen Sekten an mir haftete, so wäre fürwahr alles für mich verloren, denn es würde meiner armen Seele ein ewiges Weh sein. Darum will ich viel lieber den zeitlichen Tod sterben – das weiß der, welcher alles weiß – ehe ich mit solchen essen, trinken, Gemeinschaft halten, sie grüßen oder mit ihnen sprechen würde, wenn ich wüsste, dass sie durch meine Ansprache oder Ermahnung nicht zurecht gebracht und gebessert werden könnten; denn der Umgang mit solchen ist mir in Christi Wort ganz und gar verboten (Mt 7,15; Joh 10,5; Röm 16,17; 1Kor 5,11; 2Th 3,14; Phil 3; 5Mo 13,1–3; Tit 3,10; 2Joh 10). Auch erkenne ich durch des Herrn Gnade mit Gewissheit, dass sie nicht in des Herrn Haus, in der Gemeinde des lebendigen Gottes und im Leibe Jesu Christi sind. Darum sage ich weiter: Wenn ihr in mir oder in meiner Lehre, welche Gottes Wort ist, oder in denjenigen, welche von mir und meinen Mitbrüdern gelehrt werden, Diebstahl, Mord, Eidbruch, Empörung oder andere verderbliche Dinge findet, wie dies in den verdorbenen Sekten gefunden worden ist und noch täglich gefunden wird, so straft uns allesamt, da wir in solchem Falle mit Recht eure Strafe und das Schwert verdient haben. Ich wiederhole es: Wenn wir in göttlichen Sachen Gott ungehorsam sind, so wollen wir gerne mit Gottes Wort unterrichtet werden, da wir seinen allerheiligsten Willen mit Lust suchen und demselben mit Fleiß und Eifer nachjagen. Oder ist es, dass wir in kaiserlichen Sachen dem Kaiser ungehorsam sind in Sachen, wozu er von Gott berufen und verordnet ist, so wollen wir dafür gerne unsere Strafe nach eurem Ermessen empfangen und tragen. Ist es aber, dass wir von ganzem Herzen den Herrn, unsern Gott, suchen und fürchten, was wie ich hoffe, der Fall ist und seiner kaiserlichen Majestät in zeitlichen Sachen gehorsam sind, wie sich laut Gottes Wort gebührt (Mt 22,21; Röm 13,7; 1Pt 2,13; Tit 3,1), müssen aber dennoch um des Herrn Wahrheit willen leiden und verfolgt und mit Kreuz beladen werden, so müssen wir nur bedenken, dass der Knecht nicht besser als sein Herr noch der Jünger über seinem Meister ist, denn

»haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen, wie viel mehr werden sie seine Hausgenossen so heißen?« (Mt 10,25)

Dennoch sollt ihr wissen, ihr lieben, edlen, durchlauchten, frommen Herren und ihr Richter und Gerichtspfleger in den Ländern, dass, so oft solche von euch gefangen, verurteilt und getötet werden, ihr euer tyrannisches Schwert in das gebenedeite Fleisch des Herrn Jesu Christi steckt und dass ihr ihm die Gebeine aus seinem heiligen Leibe brecht; denn jene sind sein Fleisch und Gebein (Eph 5,30). Es sind seine auserwählten lieben Brüder und Schwestern, die mit ihm von oben aus dem gleichen Vater geboren sind (Joh 1,13). Es sind seine herzlich geliebten Kinder, die aus dem Samen seines heiligen Wortes gezeugt sind. Es ist seine heilige, reine und keusche Braut, die er mit inniger Liebe sich zur Gattin genommen hat. Und weshalb? Weil sie sich durch die Kraft ihres Glaubens und getrieben und geführt durch den heiligen Geist von ganzem Herzen in den Dienst unseres lieben Herrn Jesu Christi übergeben haben. Sie leben jetzt nicht mehr nach ihrem eigenen Willen, sondern nur nach dem Willen Gottes und zwar nach der Anweisung seines heiligen, gebenedeiten Wortes. Ja, sie wollen viel lieber alles, was sie unter dem ganzen Himmel empfangen haben, dahingeben und alles dulden, wie Widerwärtigkeit, Lästerung, Schläge, Verfolgung, Bangigkeit, Hunger, Durst, Blöße, Kälte, Hitze, Armut, Gefängnis, Verbannung, Wasser, Feuer, Schwert oder irgendeine andere Todesart, als das Evangelium der Gnade verleugnen, das Bekenntnis ihres Gottes aufgeben und von der Liebe, die da ist in Christo Jesu (Röm 8,35), weichen. Doch die unnützen Lehren und Gebote der Menschen wollen sie nicht.

Darum bitten wir euch, unsere lieben und gnädigen Oberherrn nach dem Fleische, dass ihr, um der Barmherzigkeit Gottes willen, doch einmal in eurem Herzen überdenken wollt, d. h. wenn menschliche Redlichkeit in euch wohnt, in welcher großen Bangigkeit und Beklommenheit wir armen, elenden Menschen uns befinden. Denn weichen wir von Christo Jesu und seinem heiligen Worte, so fallen wir dem Zorn Gottes anheim; halten wir uns aber standhaft an seinem heiligen Worte, so verfallen wir eurem grausamen Schwert. O Herr, wäre es wirklich so, dass diese große Gemeinde deine heilige Kirche, Braut und Leib wäre, wie sie sich rühmen, so könnten wir mit Wahrheit sagen, dass du der Fürst, Bräutigam und das Haupt einer gräulichen Mörderbande wärest, welche mit allem Eifer nach dem unschuldigen Blute derer dürstet, welche Gott von ganzem Herzen suchen, fürchten, lieben und ihm dienen. Denn das blinde, unverständige Volk läuft herum wie eine tolle Kuh, wie der Prophet sagt und sucht nichts anderes, als Gottes Heilige und Kinder auszurotten, zu vertreiben, zu verderben und zu morden. Alle Domherrn, Pfaffen, Mönche und Baalsdiener, die nichts suchen und fürchten, als ihren vollen, gefräßigen und unsaubern Bauch und ihr geiziges, hoffärtiges und prahlerisches Fleisch, tun nichts anderes als schelten, lästern, verketzern, lügen und den Herren allerlei zutragen. Die Richter und Obersten, welche von dem Blute und Schweiß der Elenden zu leben suchen, fangen dieselben und überliefern sie den Händen der Tyrannen, um dadurch in die Gunst der Herren zu kommen und in derselben zu bleiben, wie der Prophet sagt:

»Was der Fürst will, das spricht der Richter, dass er ihm wieder einen Dienst tun soll.« (Mi 7,3)

Die Herren und Gerichtspfleger, welche meistenteils nach nichts anderem als nach dem Lob und der Freundschaft der Fürsten, zu deren Fahne sie geschworen haben, nach Macht und großem Gehalt streben und von einer unersättlichen Habsucht erfüllt sind, diese sind es, welche da peinigen, des Landes verweisen, konfiszieren und töten, wie der Prophet sagt:

»Ihre Fürsten sind unter ihnen brüllende Löwen und ihre Richter Wölfe am Abend, die nichts lassen bis auf den Morgen überbleiben.« (Zeph 3,3)

Und an einer andern Stelle:

»Ihre Fürsten sind darinnen wie die reißenden Wölfe, Blut zu vergießen und Seelen umzubringen, um ihres Geizes willen.« (Hes 22,27)

O wie wahr ist doch die verborgene Offenbarung, welche dem heiligen Johannes gegeben wurde, als er das babylonische Weib trunken sah von dem Blut der Heiligen und der Zeugen Jesu (Offb 17,6)! Seht doch einmal, ihr lieben Herren und Richter in den Ländern, so hat man von Anfang mit allen Gerechten, mit den Propheten, mit Christo Jesu und seinen werten Aposteln und Dienern gehandelt; und so handelt ihr noch heutigen Tages mit allen, die mit reinem Herzen die Wahrheit und das ewige Leben suchen. Dennoch müssen wir uns diesem allem aussetzen; denn für den Fall, dass ihr Gott nicht fürchtet und euer mörderisches Schwert von Christo Jesu und seiner heiligen Gemeinde nicht abwendet, so achten wir es viel besser in die Hände weltlicher Fürsten und Richter, als in die Hände Gottes zu fallen. Ich sage es noch einmal: Seht euch wohl vor, wacht auf und bessert euch, auf dass das elende, unschuldige Blut der rechtschaffenen und frommen Kinder Gottes, welches zum Himmel um Rache schreit, in Ewigkeit nicht mehr in euren Herzen und an euren Händen gefunden werde.

Seht euch darum vor, auch ihr Weisen und Gelehrten und auch ihr, die ihr aus dem gemeinen Volke seid: Solch eine Lehre und solch einen Glauben haben diejenigen, welche ihr täglich als offenbare Toren verlacht und verspottet, mit Ketzer, Verführer und vielen andern schändlichen Namen belegt, sie gerade wie Diebe, Mörder und Missetäter überliefert und in euren Herzen tötet. Doch Gottes Wort wird niemals gebrochen werden (Jes 40,8; 1Pt 1,24). Ach, ihr elenden Menschen, wie weit seid ihr gekommen, dass ihr euch nicht einmal schämt, Jesum Christum, den Gebenedeiten, Tag für Tag so jämmerlich zu verspotten, mit Füßen zu treten und gleich Wölfen seinen allerheiligsten und herrlichen Leib zu zerreißen, obwohl ihr euch seines göttlichen Namens, Wortes, Todes, seiner Gnade, Barmherzigkeit und seines Blutes rühmt. Sagt doch, meine Teuersten, wenn ihr Christi Gemeinde seid, warum seid ihr ihm denn nicht gehorsam? Seid ihr der Leib Christi, warum zerreißt ihr denn seine heiligen Glieder? Seid ihr Gottes Kinder, warum zertretet ihr denn eure eignen Brüder? Seid ihr Diener Christi, warum tut ihr denn nicht, was er euch befohlen hat? Seid ihr die Braut Christi, warum hört ihr denn nicht auf seine heilige Stimme? Seid ihr die wahren Wiedergebornen, wo sind denn eure Früchte? Seid ihr die rechten Jünger Christi, wo ist denn eure Liebe? Seid ihr die wahren Christen, wo ist denn eure christliche Verordnung der Taufe, des Abendmahls, der Diakone, des Bannes und des Lebens, wie sein Wort es befohlen hat? Seid ihr die wahren Getauften Christi, wo ist denn euer Glaube, eure neue Geburt, euer Sündentod, euer unsträfliches Leben, euer gutes Gewissen, euer christlicher Leib, dem ihr eingetauft worden seid, und euer Christus, den ihr angezogen habt? Ach, liebe Brüder, ihr habt fürwahr lange genug geirrt; Christus Jesus will nicht länger als ein Narr von euch begaukelt und verspottet sein. Denn ich sage euch, so wahr der Herr lebt: Solange ihr so irdisch, fleischlich und teuflisch gesinnt seid; solange ihr gegen Gott und sein heiliges Wort streitet; solange ihr ohne jegliche Gottesfurcht nach euren verdammlichen Sekten und Begierden lebt, seid ihr die wahre Kirche Jesu Christi nicht und wenn ihr auch den rechten Gebrauch der Sakramente hättet, von welchem ihr aber noch weit entfernt seid. Meine lieben Brüder, zuerst muss das Innere, das Herz, rein sein und dann das Äußere oder es ist nur Heuchelei in den Augen Gottes. Ich sage es noch einmal: Solange ihr solch ein verfluchtes, gottloses Leben führt, wie ihr jetzt tut, ist Christus Jesus ganz umsonst geboren, gestorben, auferstanden und gen Himmel gefahren; denn er ist kein Herr, Erlöser und Seligmacher mutwilliger, verhärteter, unbekehrbarer und ungehorsamer Sünder, sondern ein Herr, Erlöser und Seligmacher derjenigen, welche sein göttliches Wort mit Freude hören, sich von ganzem Herzen vom Bösen abwenden und ihr ganzes Leben lang ernstlich in seinen heiligen Geboten wandeln.

Gott, der gnädige Vater, der da ewiglich in seiner Barmherzigkeit lebt, gebe euch allen seine wahre Erkenntnis, um die göttliche Wahrheit recht zu begreifen und auch ein Herz, Gemüt und Willen, dasjenige zu vollbringen, was ihr jetzt durch den Glauben aus Gottes Wort erkennt, durch Christum Jesum, unsern lieben Herrn. Ihm sei Ehre, Lob und Preis, Reich, Kraft und Majestät von nun an bis in Ewigkeit. Amen.