21.3  Was die heiligen Apostel von der Taufe gelehrt haben

Ferner werden wir durch die reine, keusche Lehre der heiligen Apostel getrieben, diese christliche Taufe so fleißig zu lehren und zu empfangen, erstens, weil geschrieben steht: Als diejenigen, welche das Wort von Petrus gehört hatten, gerührt waren in ihren Herzen und sagten: »Ihr Männer, Brüder, was sollen wir tun?«, antwortete Petrus und sprach: »Habt Reue über euer erstes Leben und lasse sich ein jeglicher taufen in dem Namen Christi zur Vergebung der Sünden; so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes.« (Apg 2,37–38)

Meine Teuersten, dies müsst ihr jetzt und alle Tage eures Lebens in eurem Herzen bewahren und zwar nicht nur mit Hinsicht auf die hier behandelte Taufe, sondern auch in Betreff aller Lehren, die euch in Zukunft noch vorgetragen werden mögen, damit ihr durch keine falsche Lehre verführt werdet, nämlich, gleichwie die wahren Propheten Gottes, die zwischen Mose und Christo gewesen sind, ihre Lehre stets in Übereinstimmung mit dem Grund und der Lehre Moses verkündet haben, ebenso haben auch die heiligen Apostel ihre Lehre in Übereinstimmung mit dem Grund und der Lehre Christi Jesu verkündet, wie er ihnen befohlen hatte mit den Worten:

»Lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.« (Mt 28,20)

Erwägt darum wohl, was man euch durch des Herrn Gnade aus Gottes Wort lehren wird und ihr werdet aus diesen Worten Petri deutlich ersehen, wie man die Worte Jesu Christi, die er hinsichtlich der neuen Geburt zu Nikodemus sprach, verstehen soll. Er sagte:

»Wahrlich, wahrlich, es sei denn, dass jemand von oben geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen.« (Joh 3,3)

Liebe Brüder, die neue Geburt geschieht aus Gottes Wort (1Pt 1,3; Jak 1,19). Als dieses Wort am Pfingsttage von Petrus in Jerusalem verkündet wurde und die Schaaren dasselbe aus seinem und der andern Apostel Munde vernahmen, ging es ihnen durchs Herz, denn sie nahmen es im Glauben an und sprachen darum auch: »Ihr Männer, Brüder, was sollen wir tun?« Petrus sprach: »Habt Reue über euer erstes Leben, und lasse sich ein jeglicher taufen im Namen Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes.« – gleichwie Christus in seiner ersten Belehrung, die er dem Nikodemus über die Geburt von oben gegeben hat, gesagt hatte:

»Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Himmelreich eingehen.« (Joh 3,3–5)

Seht, meine auserkorenen Brüder, wie übereinstimmend der Meister und die Jünger in ihrer Lehre befunden werden, nämlich: Erstens, die Geburt von oben, durch welche wir Kinder Gottes werden (Joh 1,14; 3,3); zweitens, das Wasser, in welchem der Gehorsam der Kinder Gottes bewiesen wird (Röm 6,17); drittens, die Gemeinschaft des heiligen Geistes, durch welchen wir in unserm Gewissen der Gnade Gottes, der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens versichert werden, durch Christum Jesum, unsern Herrn (Röm 8,16; Gal 4,6; Eph 1,3).

Da uns denn der heilige Petrus, ein Apostel Gottes und ein wahrer von Christo Jesu mit dem Worte des ewigen Lebens ausgesandter und durch den heiligen Geist gelehrter und erleuchteter Zeuge, solches gelehrt und befohlen hat, nämlich, dass wir, da wir glauben, uns laut des Befehles seines Herrn (Mk 16) im Namen Christi zur Vergebung der Sünden taufen lassen sollen, so müssen wir sicherlich diese Taufe empfangen, wie dieselbe uns in der heiligen Schrift befohlen ist, oder wir können weder Vergebung der Sünden noch den heiligen Geist erlangen. Denn wer hat je unter dem ganzen Himmel gegen Gottes Wort Vergebung der Sünden empfangen, da es doch ganz unmöglich ist, dass wir dem lieben Gott die Vergebung der Sünden oder seinen heiligen Geist abzwingen können. Suchen wir also die Vergebung unserer Sünden und Gottes heiligen Geist, so müssen wir gewiss alles vollbringen, was uns Gott, der allmächtige Vater, durch Christum Jesum, seinen lieben Sohn, und durch seine heiligen Aposteln in allen Gewissenssachen gelehrt und befohlen hat.

Was einige ohne heilige Schrift lehren und sagen, nämlich, dass auch die unmündigen Kinder mit einer bösen Art oder sündigen Natur von Adam geboren werden und dass sie darum durch die Taufe von ihrer angebornen Schuld und Sünde gewaschen werden müssen, hat hier keinen Bestand. Dieses zu lehren und zu glauben, meine Brüder, ist zum Ersten eine sehr schreckliche Abgötterei und eine gräuliche Lästerung gegen Christi Blut; denn es gibt weder im Himmel noch auf Erden irgendein anderes Mittel gegen unsere Sünden, seien es denn Erbsünden oder wirkliche, als nur Christi Blut, wie wir in unsern ersten Schriften so oft bewiesen haben (1Pt 1,19; 1Joh 1,7; Kol 1,20; Eph 1,7). Wenn wir nun der Taufe und nicht Christi Blut die Vergebung der Sünden zuschreiben, so gießen wir von der Taufe ein goldenes Kalb und stellen dasselbe an Christi statt. Denn könnten wir durch die Taufe gewaschen oder gereinigt werden, dann müsste Christus mit seinen Verdiensten weichen, es sei denn, wir bekennen, dass es zwei Mittel gegen unsere Sünden gebe, nämlich erstens die Taufe und zweitens Christi Blut. Allein dies ist nicht der Fall und wird es auch in Ewigkeit nicht sein, denn das allerheiligste und kostbarste Blut unseres lieben Herrn Jesu Christi wird und muss immerdar den Preis behalten, wie von allen Propheten und Aposteln überall in der Schrift so deutlich prophezeit und bezeugt worden ist.

Die Gläubigen empfangen die Vergebung ihrer Sünden nicht durch die Taufe, sondern in der Taufe; und zwar geschieht dies auf folgende Weise: Da sie nun dem teuren Evangelium Jesu Christi, das ihnen gepredigt und gelehrt wird, das ist der frohen Gnadenbotschaft – Vergebung der Sünden, Gnade, Friede, Gunst, Barmherzigkeit und das ewige Leben durch Jesum Christum, unsern Herrn – von ganzem Herzen glauben, so werden sie in einen neuen Sinn und ein neues Gemüt verändert, sie gehen aus sich selbst, beweinen bitterlich ihr altes, verdorbenes Leben und achten nun mit allem Eifer auf das Wort des Herrn, der so große Liebe an ihnen bewiesen hat und vollbringen alles, was er ihnen in seinem heiligen Evangelium gelehrt und befohlen hat. Ihr Vertrauen ist fest auf das Wort der Gnade, nämlich die Vergebung ihrer Sünden durch das rote Blut und die Verdienste unseres lieben Herrn Jesu Christi, gerichtet. Sie empfangen darum die heilige Taufe als ein Zeichen des Gehorsams, der aus dem Glauben kommt, zu einem Beweis vor Gott und seiner Gemeinde, dass sie fest an die Vergebung der Sünden durch Christum Jesum glauben, wie es ihnen aus Gottes Wort gepredigt und gelehrt worden ist. Zufolge der lieblichen Verheißung der Gnade ist es aus diesem Grunde, dass sie in der Taufe Vergebung ihrer Sünden empfangen, gleichwie die fleischlichen oder buchstäblichen Israeliten durch ihr Opfern Vergebung der Sünden empfangen haben. Denn würden wir nur die äußerliche Taufe suchen und auf das äußerliche, buchstäbliche Werk unser Vertrauen setzen, blieben aber dabei dennoch in unserm alten verdorbenen Leben, so wäre unsere Taufe fürwahr vergebens, gleichwie das Opfern der gottlosen und fleischlichen Israeliten vergebens war. Wie oft klagte der Herr der Heerscharen durch seine heiligen Propheten, dass er an ihren Opfern kein Gefallen hätte, ja, dass sie nichts als ein schrecklicher Gräuel und ein Ekel vor seinen heiligen Augen wären, weil sie das Gesetz, die Liebe und Gottes Gebote verschmähten und ganz nach ihres Fleisches Lust leben (Jes 66,3–4; 1,21–22; Jer 7).

Auch werden wir in der Taufe nicht derart von der angebornen sündlichen Natur, die in unserm Fleische ist, gewaschen, dass dieselbe gänzlich in uns vernichtet wird, denn sie bleibt auch nach der Taufe in unserm Fleisch. Da aber der barmherzige Vater, von dem alle guten und vollkommenen Gaben herniederfließen, uns den allerheiligsten Glauben aus Gnaden durch sein heiliges Wort gegeben hat, so beweisen wir nun durch den Empfang der Taufe, dass wir wünschen, der angebornen Art der Sünde in unserm Fleische abzusterben und sie zu vernichten, auf dass sie nicht länger in unserm sterblichen Leibe herrschen möge (Röm 6,12). Allein es geschieht nicht selten, dass solche wahren Gläubigen von tödlichen Sünden überwunden werden. Johannes aber sagt:

»Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, denn er ist aus Gott geboren.« (1Joh 3,9; 5,18)

Meine Brüder, ich wiederhole es noch einmal: Gleichwie die Israeliten, wenn sie mit einem reuevollen Herzen opferten, von Gott Vergebung ihrer Sünden empfingen durch die mit ihren Opfern verbundene Verheißung – nicht durch die Opfer, denn dann wäre es Verdienst gewesen, sondern nur durch das Wort der Verheißung, denn es ist Gnade und nicht Verdienst; ebenso empfangen auch wir, wenn wir wahrhaft glauben, Vergebung für unsere Sünden und werden mit der Taufe oder dem Wasserbad durch die Verheißung gewaschen und gereinigt – nicht durch das Wasserbad, denn es ist kein Verdienst, sondern durch die Verheißung, denn es ist Gnade. Diese Verheißung hat der heilige Geist Gottes im Evangelium der Taufe der Gläubigen beigegeben, wie Paulus lehrt mit den Worten:

»Gleichwie auch Christus geliebt hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben, auf dass er sie heiligte und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, auf dass er sie ihm selbst darstellte, eine Gemeinde, die herrlich sei.« (Eph 5,25–27)

Seht, meine Teuersten, hier liegt es klar und deutlich vor uns, dass wir mit dem Wasserbad nicht anders als durch des Herrn Wort gewaschen werden, wie der heilige Apostel in den angeführten Worten uns so deutlich lehrt. Wenn wir denn in Erwägung ziehen, dass die kleinen unmündigen Kinder die Predigt des Evangeliums, da sie dieselbe weder anhören noch verstehen können, nicht haben, durch welche Predigt allein der Glaube erlangt werden kann (Röm 10,17), mit dem allein Gott unsere Herzen reinigt (Apg 15,9) und nicht mit dem äußerlichen Wasser, wie oben gesagt worden ist und da zweitens Gottes ausdrücklicher Befehl und Wort, welches der Taufe Verheißung beifügt, sich nur auf diejenigen bezieht, die mit diesem nämlichen Worte gezeugt und durch den Glauben in ihrem Herzen gereinigt worden sind, so folgt gewiss unwidersprechlich, dass die kleinen Kinder, wenn sie auch unter einer falschen Form und einem trügerischen Schein des göttlichen Wortes getauft werden, deshalb dennoch nicht gereinigt werden, d. h. wenn sie unrein wären, was aber nicht der Fall ist. Warum? Weil sie das Wort der Verheißung nicht in ihrer Taufe haben, so werden sie nicht mit dem Wort oder durch das Wort, sondern in jeder Hinsicht gegen das Wort getauft, denn das Wort verlangt Glauben, die Kinder aber haben keinen Glauben. Ihre Taufe geschieht daher ohne Zweifel aus Gutdünken, ohne Gott und ohne Verheißung, ja, sie ist abgöttisch, unnütz und vergeblich.

Derjenige nun, welcher dennoch hierüber weiter grübeln und Gottes eigener Verordnung und seinem Wort nicht glauben will, der bedenke wohl, was er tue; denn mit dem Taufen der unmündigen Kinder erklärt er seines Herrn Befehl für nichtig, tritt sein rotes Blut mit Füßen, da er in dieser Taufe Gerechtigkeit sucht und führt gegen Gottes unveränderliche Verordnung aus seinem eigenen fleischlichen Vornehmen und Gutdünken eine falsche Taufe ein, die Gott nie und nimmer geboten hat und welche darum auch nicht sein heiliger Wille ist, wie schon erklärt worden ist und weiterhin noch viel ausführlicher erklärt werden soll.

Ferner lehrt uns der Apostel Petrus wie folgt: Gleichwie Noah vormals in der Arche vor den Wassern der Sündflut behalten wurde, so macht uns auch selig die Taufe, nicht die Taufe, mit welcher die Unreinigkeit des Fleisches gewaschen wird, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott oder vor Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi (1Pt 3,20–21).

Durch diese angeführten Worte Petri wird die Taufe der Gläubigen wiederum ganz deutlich bestätigt und die Taufe der kleinen unmündigen Kinder als nichtig erklärt; denn es ist gewiss ganz unmöglich, dass jemand ein gutes Gewissen haben kann, außer diejenigen, welche wahrhaft gläubig und in ihrem Herzen wiedergeboren und umgeändert sind; die nun erkennen das göttliche Wort, das gelehrt wird: Dass Gott, der allmächtige Vater, dessen Feinde wir vorher waren (Röm 5,10), durch Christum Jesum, seinen lieben Sohn, unsern Herrn, wiederum mit uns versöhnt ist und dass ihnen in Ewigkeit weder Hölle noch Teufel, weder vergangene Sünde noch ewiger Tod, noch Gottes Zorn je schaden werden und zwar um der Verdienste unseres lieben Herrn Jesu Christi willen. Solche, die dieses wahrhaft in ihrem Herzen erkennen, empfangen einen frohen und guten Mut und ein fröhliches und gutes Gewissen durch die Auferstehung Jesu Christi; weil er wie Paulus sagt, so glorreich über alle seine Feinde, sichtbare und unsichtbare, zu unserm Nutzen und Besten gesiegt und sich wiederum ins himmlische Wesen zur Rechten seines Vaters gesetzt hat. Solche werden laut Gottes Wort zuerst inwendig mit dem heiligen Geist und mit Feuer getauft und von diesem Geist in ihren Herzen gelehrt und in alle göttliche Wahrheit, göttliche Gerechtigkeit und allen göttlichen Gehorsam und alle evangelischen Früchte und Werke geführt. Sie werden durch dieses Feuer der Liebe innerlich erwärmt, getrieben und angefeuert, weil sie aus Gottes Wort mit Gewissheit in ihrem Herzen erkennen, dass ihnen durch Christum Jesum so unbegreiflich große Gnade – ich wiederhole es: Gnade – widerfahren ist. Sie achten deshalb weder auf Herren noch Fürsten, Weise noch Gelehrte, Konzilien noch langjährige Gewohnheiten und Zeitgebräuche, weder auf Weib noch Kind, Fleisch noch Blut, weder auf Plakate noch irgendwelche andere Drohmittel, weder auf Leben noch Sterben, sondern sie ergreifen mit voller Begierde, ohne den geringsten Verzug und mit Freudigkeit im heiligen Geiste, nicht nur die äußerliche, buchstäbliche Taufe, sondern auch alle Werke der Liebe und Früchte der Gerechtigkeit, welche uns der wahre Mund des Herrn Jesu Christi entweder selbst oder durch seine heiligen Apostel in seinem heiligen Evangelium gelehrt und befohlen hat.

Seht, meine teuersten Brüder, auf diese Weise macht uns die Taufe selig, wie Petrus sagt – nicht die auswendige, buchstäbliche Taufe, sondern die innerliche, geistliche Taufe, die uns durch die Kraft des Glaubens als gehorsame Kinder Gottes zu der auswendigen, buchstäblichen Taufe getrieben und geführt hat. Denn die auswendige, buchstäbliche Taufe ist nichts als der Gehorsam gegen das göttliche Wort, d. h. ein Siegel oder Beweis der Gerechtigkeit, aus welcher der rechte, fruchtbare Glaube kommt. Sie ist also für uns dasselbe, was dem gläubigen und gehorsamen Patriarchen Abraham die buchstäbliche Beschneidung gewesen ist (Röm 4,11).

Weil Christus Jesus befohlen hat, dass man die Gläubigen taufen soll, so ist der heilige Petrus diesem Befehl in seiner Lehre nachgekommen und hat gelehrt, dass die Taufe ein Werk des Glaubens ist, nämlich der Bund eines guten Gewissens vor Gott, welches gute Gewissen aber nur diejenigen, welche gläubig sind, haben können. Da denn nur eine buchstäbliche Taufe in der Schrift gelehrt wird, welche den Bund eines guten Gewissens vor Gott anzeigt und beweist, wie Petrus lehrt, so wird durch diese Worte Petri die Taufe der Kinder gewiss ausgeschlossen, da diese den Bund eines guten Gewissens nicht haben, wie der Gläubige. Es ist daher sehr notwendig, ihr guten Leser, wer ihr auch seid, dass ihr euch mit allem Fleiße hütet, gegen euren Gott zu sündigen; denn alle diejenigen, welche diese Taufe der wahren Gläubigen, die uns von Jesus Christus so nachdrücklich befohlen und von seinen heiligen Aposteln gelehrt, geübt und hinterlassen worden ist, auf so traurige Weise, sei es denn mit ihren Herzen, mit dem Munde oder mit dem Schwerte, bekämpfen, die müssen gewiss bekennen, dass sie bis jetzt weder wahrhaft gläubig, noch wiedergeboren, noch gehorsam, noch innerlich mit dem Geiste und mit Feuer getauft sind. Ich wiederhole es noch einmal: Ein jeder wache und sei ernstlich auf seiner Hut; denn hier geht es nicht um Rock oder Mantel, um Gut oder zeitliches Leben, sondern um seine arme, nackte Seele, die mit einem so kostbaren und edlen Schatz zu solch großem Preise erkauft und erlöst worden ist.

Meine lieben Kinder in dem Herrn, obwohl diese unsere Sache unwidersprechlich in Gottes Wort begründet ist, so schämen einige sich dennoch nicht, auf mancherlei Weise vermessen dagegen zu sprechen, zu schreiben, zu lästern und zur Verfolgung, Ausrottung und zum Blutvergießen zu raten und aufzuhetzen. Einesteils tun sie dies, wie ich vermute, aus Unwissenheit, andernteils aus Parteisucht, einesteils weil sie Feinde des Kreuzes Christi sind und andernteils weil sie jenes liebliche, geistliche Leben, das aus Gott ist, nicht wollen. Solche sagen: »Obwohl die kleinen, unmündigen Kinder den Bund eines guten Gewissens nicht haben, wie die Gläubigen, so darf ihnen deswegen die Taufe doch nicht versagt werden, sondern sie sollen dennoch getauft werden und zwar deshalb, auf dass sie umso besser im Worte Gottes und in seinen Geboten aufgezogen werden mögen.«

Teuerste Brüder, wenn ein abgöttischer, widerspenstiger und ungehorsamer Mensch seine Sache nicht mit Gottes Wort behaupten kann, so weiß er dennoch sein menschliches Vornehmen und seine fleischliche Gerechtigkeit durch seine große Spitzfindigkeit dergestalt herrlich aufzuschmücken und mit einer göttlichen Form und einem heiligen Schein zu verzieren, dass es in den Augen derjenigen, die des Glaubens Natur und Sachen nicht verstehen, als gänzlich recht, gut, geistlich, heilig, göttlich und unsträflich erscheint und dies um so mehr, weil ihr christusloses Herz und fleischliches Gemüt immer geneigt ist, das Vertrauen in äußerliche Werke zu setzen. Ja, durch solche eigene Meinungen und menschliches Gutdünken, da die Mehrzahl ihre ganze Gerechtigkeit in der Übung von Zeremonien und nicht in Christo gesucht haben, wie die unverständigen Lehrer und Bischöfe noch heutzutage tun, ist es nach meiner Ansicht (lehre ich unrichtig, so strafet mich mit Gottes Wort) gekommen, dass man teils schon zur Zeit der Apostel, teils gleich hernach, angefangen hat, die kleinen, unverständigen Kinder zu taufen, allein keineswegs nach Gottes Befehl noch nach der Lehre und Verordnung der heiligen Apostel, wie man bei Tertullian in seinem Buch Corona Militis leicht ersehen kann. Derselbe sagt, dass bei den Alten fast ausschließlich die Erwachsenen mit dem Wasserbad der neuen Geburt getauft worden sind. Versteht mich recht, meine Brüder. Dieser Tertullian lebte hundertundacht, oder, wie andere sagen, hundertundvierzig Jahre nach Christi Geburt. Also schon zur Zeit dieses sehr alten Autors war die wahre evangelische Taufe, die Christus und seine heiligen Apostel befohlen, gelehrt und geübt haben, bei der großen Mehrzahl in Verfall geraten. Er bezeugt klar, dass bei seinen Vorfahren diese Taufe fast ausschließlich den Erwachsenen oder Jährigen erteilt wurde. Sollte es denn auch wahr sein, dass schon vor seiner Zeit, von seinen Voreltern, Kinder getauft wurden, wie es den Anschein hat und wie wir auch gerne zugeben, da er sagt: fast ausschließlich und weil er auch wie die Straßburger Gelehrten schreiben, an einer andern Stelle im nämlichen Buche sagt, dass in dem nämlichen Taufbecken oder Wasserbade beides, Kinder und Erwachsene, getauft worden seien, so ist dennoch die Kindertaufe keine apostolische Verordnung oder Gebrauch und auch kein göttlicher Befehl gewesen; denn hätte Christus Jesus solches befohlen und die Apostel diese Lehre und diesen Gebrauch geführt, dann müssten Tertullians Vorfahren sicherlich nicht nur einige, sondern alle Kinder der wahren Gläubigen getauft haben. Dies kann nicht bestritten werden.

Dass es weder ein göttlicher Befehl noch eine apostolische Verordnung gewesen ist, hat der liebe, alte Vater Alexander, Bischof zu Alexandrien, ein hervorragender Gegner des Arius, wohl gewusst und erkannt, denn obschon es lange nach der Zeit der Apostel war, taufte er dennoch keine Kinder in seiner Gemeinde, wie man bei Rufinus, dem Übersetzer des Eusebius, im zehnten Buche der Kirchengeschichte, Kap. 10, aus dem Kinderspiel des Athanasius deutlich ersehen kann. Darum sagt auch (wie Sebastian Franck schreibt) der sehr gescheite und hochgelehrte Erasmus von Rotterdam, welcher alle lesenswerten Autoren der ganzen Welt gelesen und wohl verstanden hat, dass die alten Kirchenväter zu ihren Zeiten wohl über die Kindertaufe gestritten, aber nicht zu einer Übereinstimmung gelangt seien.

Siehe, guter Leser, da denn die Alten von Anbeginnin dieser Sache nicht einig gewesen sind und auch nicht alle diesen Gebrauch geübt haben, wie aus dem Beispiele der Vorfahren Tertullians und dem Alexanders offenbar hervorgeht und da diejenigen, welche die Kinder tauften, immer Gerechtigkeit darin gesucht haben, wie ihre Schriften uns deutlich zu erkennen geben, so wollen wir unsern Grund nicht auf das Ungewisse, sondern auf das Gewisse, nämlich auf Christi Wort setzen. Wir wollen auch unsere Gerechtigkeit nicht in der äußerlichen Taufe noch in irgendeinem andern Werke suchen, wie der Welt Brauch ist, sondern nur in Christo Jesu, wie die ganze Schrift uns lehrt. Und hiermit wollen wir uns in dieser Sache auf die ganze Welt berufen und es ihrem Urteil anheimstellen, ob sie je in ihrem Leben in Gottes Wort, ich sage in Gottes Wort oder in seinem Evangelium, gelesen oder gehört haben, dass Christus Jesus und seine heiligen Apostel zwei verschiedene Taufen in dem Wasser gelehrt haben, nämlich, dass eine Taufe, die der Tod der Sünde, die Auferstehung zu einem neuen Leben, der Bund eines guten Gewissens vor Gott und das Wasserbad der Wiedergeburt ist (Röm 6,11; Kol 2,12; 1Pt 3,21; Tit 3,5), den Gläubigen gegeben werden sollte, während die andere den kleinen, unmündigen Kindern erteilt werden sollte, welche bei ihnen gar nichts zu bedeuten hätte, als dass man sie äußerlich mit Wasser waschen sollte. Meine Brüder, urteilt recht und betrügt eure Seelen nicht. Es ist uns wohl bekannt, dass unsere Gegner erstens sagen, dass die kleinen Kinder von ihren Erbsünden gewaschen werden und dass deshalb ihre Taufe nicht unnütz und vergeblich sei. Auf dieses antworten wir mit Gottes Wort, dass es eine gräuliche Abgötterei ist, solches zu glauben, denn das kann nur durch Christi Blut, keineswegs aber durch eine äußerliche Taufe geschehen, wie wir oben schon bewiesen haben. Zweitens sagen sie, dass die Kinder dadurch in Gottes Bund aufgenommen werden. Wir antworten aber wiederum, dass dies nicht durch die Taufe, sondern nur durch die gütige Wahl der Gnaden geschieht (Eph 1,6), denn es ist Gnade und nicht Verdienst (Röm 11,6). Drittens sagen sie, dass die Kinder deshalb getauft werden, damit sie umso besser in Gottes Wort und in seinen Geboten erzogen werden mögen. Wiederum antworten wir, dass wir gerne wissen möchten, wo solches in der heiligen Schrift zu finden ist. Gebt uns nun eine ordentliche Antwort, das bitten wir euch, die ihr die Kindertaufe als recht, gut und notwendig aufrecht haltet und uns unserer Taufe halber so jämmerlich lästert und beschimpft; auf dass unsere Seelen nicht länger betrogen werden, sondern dass wir durch Gottes Wort mit Gewissheit wissen mögen, wo man diese Taufe der unmündigen Kinder finden kann; denn wie ernstlich wir auch Tag und Nacht suchen, können wir dennoch nicht mehr als eine Taufe in dem Wasser finden, die Gott wohlgefällig und in seinem Worte enthalten und ausdrücklich erwähnt ist, nämlich, die Taufe auf den Glauben, welche von Christus Jesus befohlen und von seinen heiligen Aposteln gelehrt und geübt worden ist und die zur Vergebung der Sünden erteilt und empfangen wird und zwar auf solche Weise, wie wir oben in den angeführten Worten Petri (Apg 2,38) reichlich bewiesen haben. Doch von dieser andern, d. h. Taufe der unmündigen Kinder, finden wir gewiss nichts.

Weil denn die Kindertaufe nirgends im Worte Gottes geboten oder enthalten ist, so erklären wir vor euch und vor der ganzen Welt, dass wir dieselbe nicht im Geringsten für etwas achten, sondern dass wir sie für gänzlich abgöttisch, eitel und vergeblich halten und zwar nicht nur mit bloßen Worten, sondern auch mit unserm Blute, wie dies schon in manchen Orten Deutschlands bewiesen worden ist. Dies tun wir deshalb, weil die Kindertaufe außer Gottes Wort und Befehl gebraucht, Gerechtigkeit darin gesucht und die wahre Taufe Jesu Christi, das ist die Taufe der Gläubigen, durch dieselbe auf der ganzen Welt, so weit Christi Name genannt wird, von allen Menschen als eine Ketzertaufe verworfen und mit Füßen getreten wird.

Es ist daher, meine Brüder, gewiss nichts als eigenes Gutdünken und menschliche Gerechtigkeit, wenn man ohne göttlichen Befehl lehrt, dass man die Kinder deshalb taufen soll, damit sie in Gottes Wort und in seinen Geboten aufgezogen werden, da wir doch das offenbare Gegenteil von diesem wahrnehmen, nämlich dass, obwohl die Eltern ihre Kinder taufen lassen, sie dieselben dennoch, im Einklang mit ihrer Adamsnatur, von Jugend auf zu allerlei Hoffart, Pomp, Geiz, Eitelkeit, Lügen, Fluchen, Schwören, Tanzen, Singen, Narrengeschwätz, Zügellosigkeit, Durchtriebenheit, Hass, Feindschaft, Rache und zu dem verdammlichen Leben dieser Welt auferziehen, wie alle Heiden, die nie etwas von Gott gewusst, von Anbeginn getan haben.

Sagt einmal, was nützt solchen die Taufe, welche sie empfangen haben? Urteilt, ob es vor den Augen Gottes nicht lauter Narrheit, Betrügerei, Spott und Schande ist. Ja, gewiss. Seid daher auf eurer Hut, denn es kann in Ewigkeit keine größere Heuchelei, Spötterei und Lästerung vor ihm gefunden werden. Da ihr vielleicht in eurem Herzen die Abscheulichkeit, welche in dieser Taufe der kleinen, unmündigen Kinder verborgen liegt, noch nicht recht erkennt, so muss ich euch die Sache in Kürze vorlegen, auf dass ihr desto besser die Lüge von der Wahrheit unterscheiden könnt. Ich werde euch auseinandersetzen, was, wie jedermann sich selbst überzeugen kann, schon seit vielen hundert Jahren als ein täglicher Gebrauch geübt worden ist und leider Gott noch täglich geübt wird.

Erstens sehe ich da vor mir einen über alle Maßen verdorbenen, gottlosen und fleischlichen Buben, welcher aber dem ungeachtet von der Welt Priester, Pastor, Vikar oder Pfründner tituliert wird. Dieser unzüchtige Mensch, voll Hinterlist und Betrug, weiß aber seine fluchwürdige Büberei mit einem so schönen, wohlgefälligen Schein zu umgeben, dass niemand etwas Böses von ihm vermutet; er macht es gerade wie der reißende Wolf, der sich in ein unschuldiges Schaffell hüllt (Mt 7,15). Sein Haupt wird oft geschoren, vielleicht, wie ich vermute, zu einem Beweis, dass er auf gleiche Weise alle Lüste und Begierden seines bösen, sündigen Fleisches mit Gewalt abscheren und vernichten will. Sein Gewand reicht bis auf die Füße hinunter, wie Christus sagt (Lk 20,46), als ob er ein frommes, heiliges und ehrbares Leben führte. Er liest täglich seine Gebete mit gefalteten Händen und unbedecktem Haupte, als ob er feurig im Geiste wäre. Er kniet und opfert Weihrauch vor steinernen und hölzernen Blöcken, die er Petrus, Paulus, Maria und das heilige, würdige Kruzifix des Herrn nennt. Ich sage dies gewiss nicht aus Gehässigkeit, Gott ist mein Zeuge dafür; allein urteilt selber, ob es nicht so ist. Er kauft sich für einen Stüber hundert Brötchen, von welchen er jedes Mal eins hervornimmt. Dieses weiht er dann, wie er sagt, und zwar heimlich bei sich selber, unter Geflüster; er verneigt sich gegen dasselbe, betet es an, kostet es, isst es und glaubt und lehrt, dass es das wahrhaftige Fleisch und Blut unseres lieben Herrn Jesu Christi, des Sohnes des allmächtigen und lebendigen Gottes sei. Dazu muss er in seinem Leben so rein und keusch sein, dass er keine echte oder angetraute Hausfrau haben darf, obwohl die heilige Schrift solches erlaubt; denn der Papst hat es ihm verboten. Alles dieses zusammen samt andern Gräueln soll seiner Lehre zufolge ein heiliger Gottesdienst und der allerheiligste christliche Glaube sein. Solche Früchte bringt dieser unnütze Baum durch den Glauben, welcher in ihm ist, hervor. Wenn seine menschliche Heiligkeit vorschriftsmäßig und mit allem Pomp gewirkt ist, dann zeigt er, was eigentlich in ihm steckt: Er sucht, wo es die angenehmste weibliche Gesellschaft und Wein oder Bier gibt; dann trinkt er, spottet, singt, tanzt, lacht, weint, streitet, fechtet, flucht, schwört, pocht, spielt, freit und hurt, sei es denn mit seiner eigenen Dienstmagd, mit seines Nächsten Tochter oder mit seines Nächsten angetrauter Hausfrau, deren Mann oder Hausherr über Land und Meer gereist oder sonst an einem andern Platze ist, um seiner Hantierung nachzugehen und sein Brot zu erwerben.

So leben nun beide, der Bube und die Hure, in schändlichem Ehebruch und Hurerei miteinander, bis die Sache, der natürlichen Folgen wegen, nicht länger verheimlicht werden kann. Ist es nun bei seiner Magd oder bei seines Nächsten Tochter geschehen, so muss das Kind auf die Reise gehen (versteht, was ich schreibe) oder dem Küster, dem Nachbar oder des Nachbars Sohn zugeschrieben und gegeben werden. Ist es aber bei seines Nächsten Hausfrau geschehen, so muss der unechte Vater, der von der Schande, Hurerei und dem Betruge seiner ungetreuen Gattin nichts weiß, der Vater dieses unehelichen, dem Ehebruch entsprossenen Kindes sein. O Elend!

Seht, meine Brüder, diese beiden, nämlich die Hure und der Bube, von welchen solche unehelichen Kinder geboren werden, sind in ihrer Kindheit auch getauft worden und behaupten darum Christen zu sein. Sie rühmen sich von Jesu Christo und seinem roten Blute. Was für Christen sie aber sind und was für einen Glauben sie haben, kann man aus ihren Früchten deutlich erkennen.

Ich erzähle euch dieses, ihr guten Leser, auf dass ihr erstens wissen mögt, was für christliche Eltern es sind und was für einen Glauben sie haben, von welchen solche Kinder geboren werden, die man dessen ungeachtet zur Taufe trägt, auf den Glauben ihrer feinen Eltern tauft und deshalb Christen nennt. O gräuliche Spötterei!

Zweitens finde ich an manchen Orten, ja, auf der ganzen Welt, viel eitle und unverbesserliche Verführer, verheiratete und unverheiratete, adelige nach der Welt hoffärtigem Sinne, reiche, dem Mittelstand angehörige und arme, sie seien dann, wer sie wollen, die in Prasserei, Eitelkeit, Trunkenheit, Unsauberkeit, ja, in allerlei Hurerei und Ehebruch leben, wie ihre ungebührlichen Lüste und teuflischen Begierden es ihnen eingeben. Obschon sie getauftsind, so entehren sie dennoch eine Jungfrau nach der andern. Und wenn sie dann solches nach ihrem Mutwillen zustande gebracht und solche einfachen, nichtsahnenden Herzen, die ja auch von Adam stammen und durch schöne gleisnerische Worte und Verführungskünste gar leicht betrogen werden, durch ihre verfluchte, unkeusche Handlungsweise mit Schande bedeckt haben, so muss dies ihnen bei denjenigen, die gleicher Hantierung mit ihnen sind und im gleichen Schiffe fahren, noch zur großen Ehre gereichen, wie der Prophet lehrt. Dem ungeachtet werden die Kinder, die von solchen Frauenschändern, Hurern und solchen ehrlosen Weibern außer Gottes Verordnung geboren werden, von ihnen zur Taufe getragen, damit sie Christen heißen mögen. Solche Kinder wachsen dann auf in und zu gleichen Früchten wie ihre christuslosen, ehebrecherischen und hurerischen Eltern, in und von welchen sie durch eine verfluchte Hurerei empfangen und geboren worden sind. O ihr Ungläubigen!

Drittens finde ich, dass in der Regel sowohl Männer als Weiber, die sich diesem ganz ergeben haben, seien es dann Edle oder Unedle, Reiche oder Arme, Bürger oder Bauern und von was immer für einem Beruf oder Stande, die sämtlich in ihrer Kindheit getauft worden sind und um der Taufe willen Christen genannt werden, ein so sündhaftes Leben führen, dass man sich nicht genug darüber verwundern kann. Ihre Hoffart, Unsauberkeit, Habsucht, ihr Betrügen in Kaufen und Verkaufen, ihr Zanken und Hassen, ihre Ungerechtigkeit, ihre Unbarmherzigkeit gegen den Mietling und den Armen, ihr Fluchen, ihr Lügen und Schwören, ihr Pomp, ihr Prassen und Saufen, ihre Eitelkeit und Narrheit, ihr Blutdurst, ihre Grausamkeit und Hartherzigkeit, ihr Weinsaufen, ihre Heuchelei und Tyrannei, ihre Übertretungen, ihre Abgötterei und Bosheit kennen weder Maß noch Ziel. Und wenn auch einige gefunden werden, die sich nicht aller dieser Schändlichkeiten schuldig machen, weil sie zum Teil rechtschaffener Natur sind, so müsst ihr dennoch zugeben, dass unter tausend nicht einer gefunden wird, der von ganzem Herzen in Gottes Geboten zu wandeln und nach seinem gebenedeiten Willen zu leben sucht. Obwohl sie nicht einmal nach dem rechten Wege zum ewigen Leben fragen, auf dass sie selig werden möchten, müssen sie dennoch die wahre christliche Kirche heißen und bleiben. So hat Gott, der gerechte Richter, denjenigen, die sein heiliges Wort von sich stoßen und ihr eigenes Gutdünken zum Götzen erheben, den Verstand und die natürliche Weisheit verdunkelt.

Wie heidnisch auch Vater und Mutter leben mögen, so müssen dennoch die kleinen, unverständigen Kinder, die von ihm geboren werden, aus eigenem Gutdünken und ohne Gottes Wort und Befehl angeblasen, beschworen, gesegnet, mit Speichel bestrichen, gesalbt, bekreuzt und getauft werden. Wenn dieses nach ihrer Väter oder Eltern Brauch, obwohl offenbar gegen Gottes Wort, geschehen ist, so werden sie fortan, sie mögen noch so gottlos, viehisch und teuflisch leben, gläubige Christenmenschen genannt und in allen Angelegenheiten ihrer Kirche als gute und taugliche Glieder zugelassen und aufgenommen.

O Herr und Vater, wie weit, wie leicht und wie angenehm dem Fleische nach ist doch der Eingang in diesen elenden, fleischlichen Kirchen. In ihnen findet ein jeder Platz, wer, wie und was er auch sein möge, wenn er nur von einem zauberischen Götzendiener vor dem Taufsteine beschworen und in demselben gewaschen und getauft worden ist. Aber wie wunderbar schmal, o Herr, ist dein Weg und wie enge das Pförtlein, welches in deine arme und heilige Kirche führt; ja, so enge, dass an seinen Pfosten hängen bleiben müssen Gold und Gut, Fleisch und Blut und alle Lüste und Begierden derjenigen, welche von ganzem Herzen durch dieses Pförtlein einzugehen suchen, um durch deine milde Gnade ewiglich in deiner heiligen Kirche oder Gemeinde zu ruhen und zu bleiben.

Seht, gute Leser, dies habe ich euch erstens aus keinem andern Grunde in dieser Weise vorgestellt, als dass ihr umso besser erkennen und verstehen mögt, was für Christen diejenigen sind, welche die Taufe in ihrer Kindheit empfangen haben und nun ihre Kinder auf gleiche Weise taufen lassen; was für einen Glauben sie haben und was für ein Leben sie führen, auf dass doch einmal die wahre göttliche Erkenntnis in euch wachsen und ihr durch Gottes Wort recht begreifen mögt, wie gräulich in der Taufe der unmündigen Kinder gegen den allmächtigen Gott geheuchelt und gespottet wird und dass es keine andere fruchtbare und vor Gott wohlgefällige Taufe gibt, als die, welche nach dem Befehle Christi erteilt und empfangen wird (Mk 16,16), nämlich die Taufe auf den Glauben, wie oben schon wiederholt gesagt und erklärt worden ist.

Zweitens muss ich euch gleichermaßen vorstellen, wie unendlich weit der Gebrauch von Gevattern oder Paten, wie man sie nennt, die das Kind auf den Taufstein heben und für seinen Glauben verantwortlich sein müssen, von Christi Geist, Befehlund Wort verschieden ist, auf dass durch diese Vorstellungen alle Falschheit, aller Unglaube, Missbrauch und satanischer Betrug offenbar werden und untergehen, hingegen alle Wahrheit, aller Glaube, rechter Gebrauch und göttlicher Wille in den Herzen aller Gottesfürchtigen aufkeimen und erkannt werden möge.

Da es denn von Christo befohlen war, dass die Täuflinge zuerst glauben müssten (Mk 16,16), ehe sie getauft werden konnten (Apg 8,37), und die Welt wohl wusste, dass kleine, unverständige oder unmündige Kinder keinen Glauben haben, dieselben aber dennoch getauft haben wollte, wie ja die menschliche Gerechtigkeit von jeher Gottes Gerechtigkeit als ganz nutzlos, unvollkommen und töricht angesehen, beschimpft, verfolgt, verachtet und von sich gestoßen hat, so hat der neunte oder zehnte Papst, namens Higinius, aus eigenem Gutdünken und ohne Gottes Wort, zu diesem Zwecke ein feines Mittelchen erdacht und eingeführt, mit welchem die ganze Welt bis jetzt wohl zufrieden gewesen ist. Durch dieses Mittel haben sie dann ihre Kinder getauft. Eine Ausnahme machten hierin einige, die Gott mehr fürchteten und deshalb schärfer und tiefer in Gottes Wort sahen, weshalb man aber auch die meisten von ihnen als Ketzer oder Unchristen ausgestoßen, verworfen und ausgerottet hat.

Das Mittel war dies: Man sollte aus der Gemeinde sogenannte Gevattern oder Paten wählen, die das zu taufende Kind auf den Taufstein heben und für den Glauben des Kindes Sorge tragen und verantwortlich sein sollten.

Teuerster Leser, es ist wohl wahr, dass diese Sache einen schönen Schein und ein gutes Aussehen hat; allein nach Christi Geist und Sinn ist es nicht und zwar darum, weil der Gebrauch der Paten offenbar eine menschliche Einsetzung ist, wie die Geschichte uns so klar berichtet. Ich kann mich daher nicht genug darüber wundern, dass alle jene überländischen und östlichen Gelehrten diese Paten oder Gevattern noch gebrauchen, da sie doch so tapfer und fleißig gegen alle Menschensatzungen und -lehren geschrieben, gelehrt und gestritten haben. Es wird gewiss nirgendwo in Gottes Wort etwas von Paten gelehrt oder gesprochen, sondern überall, wo in der Schrift von der Taufe gehandelt wird, wird deutlich gesagt, dass die Täuflinge für sich selbst glauben (ihren Glauben), mit dem Munde oder mit den Werken bekennen und die Taufe so als Gottes Befehl suchen und verlangen müssen (Mk 16,16; Apg 2,38; 8,36–37; 10,48; 16,33–34 und noch andere Stellen).

Zweitens, wenn der Gebrauch der Paten auch Gottes Wort oder Christi Befehl wäre, was bei Weitem nicht der Fall ist, o wie weit herum, mit welcher Sorgfalt und welchem Fleiße, müsste man alsdann in Städten und Ländern suchen, ehe man einen finden würde, der zu solchem Amte tauglich wäre. Denn wie wird doch der eine Blinde den andern führen? Wie wird der eine Tor den andern weise machen? Wie wird der eine Arme für den andern Bürge werden? Versteht, was ich euch schreibe. Ebenso kann auch der eine Ungläubige nicht für den Glauben eines andern Bürgschaft leisten,

»denn ein jeglicher wird seine Last tragen.« (Gal 6,5)

Er kann ihn auch keinen Glauben lehren noch um Glauben für ihn bitten, solange er selbst den wahren christlichen Glauben noch nicht hat; denn was ich einen andern lehren will, das muss ich zuerst selbst recht verstehen und das Gebet muss ein Gebet des Glaubens sein (Jak 5,15), im Geiste und in der Wahrheit (Joh 4,24).

Da nun der Ungläubige nicht für den Glauben eines andern Bürge werden, noch ihn den Glauben lehren, noch Glauben für ihn erbeten kann, so müsste man, wenn auch der Gebrauch der Paten durch Gott verordnet wäre, was, wie schon gesagt, nicht der Fall ist, dennoch gewiss zugeben, dass dieser Gebrauch der Paten bei der Taufe der kleinen unmündigen Kinder gänzlich eitel, unnütz und vergeblich ist. Denn was für ein Glaube in solchen Paten gefunden wird, das will ich einen jeden verständigen Christen selbst beurteilen lassen.

Ich weiß wohl, dass ein jeder mich fragen wird, ob es denn keine rechtgläubigen Paten gebe, die mit gutem Gewissen die kleinen, unmündigen Kinder zur Taufe heben können. Darauf antworte ich kurz und klar: Nein. Denn fürs Erste ist es menschliche Gerechtigkeit, gegen Gottes Wort und außer Christi Verordnung und kann darum auch nicht mit gutem Gewissen gebraucht werden. Zweitens sage ich: Ich weiß wohl, dass es hin und wieder Paten gibt, die ehrbaren und tugendhaften Lebens sind; dass sie aber rechtgläubig sind, das weiß ich wahrlich nicht; denn wären sie rechtgläubig, so könnten sie sicherlich nie und nimmer solche gräuliche Schändlichkeit mit den kleinen Kindern treiben und so außer Christi Wort handeln, da ja inder ganzen apostolischen Schrift nicht ein einziges Wort zu finden ist, welches uns im Geringsten solches lehrt und gebietet. Ich will schweigen von der Unsauberkeit, Habsucht, Hoffart, Unwissenheit in göttlichen Sachen, Abgötterei, Torheit, Eitelkeit, Widerspenstigkeit gegen Gott und sein gebenedeites Wort und von dem verfluchten fleischlichen Leben derer, die meistens von den Eltern zu diesem Amte gerufen und gebeten werden, damit ja der Glaube und die Früchte sowohl der Eltern als der Paten, auf welche die Kinder getauft werden und durch welche sie hernach einen eigenen Glauben erlangen sollen, in allem übereinstimmen mögen. Haben wir es ja nicht schon oft mit unsern eigenen Augen gesehen, dass der eine Wollüstling den andern, der eine Trunkenbold den andern, der eine Hoffärtige den andern ruft, wodurch sie mit der offenbaren Tat beweisen, dass dieser Gebrauch nicht aus Gott, sondern Seelenbetrug, teuflische List, menschliche Gerechtigkeit, Gotteslästerung, Spötterei, Verwüstung der Verordnung Christi, ja, in jeder Beziehung gegen Gott und gegen sein heiliges, gebenedeites Wort ist.

Seht, meine werten Brüder, in solch einen unsaubern, höhnischen Missbrauch und schändlichen Handel hat man die himmlische Lehre und die teure Verordnung unseres lieben Herrn Jesu Christi im Verlaufe der Zeit durch Schlauheit umgekehrt. Herr und Vater aller Gnade, mache doch einmal diesem schrecklichen und gräulichen Fallstrick und an unsern Seelen verübten Betruge ein Ende, Amen.

Drittens, gleichwie wir euch erstens den Glauben und das Leben der Eltern und zweitens den Befehl, den Glauben und das Leben der Paten vorgestellt haben, so wollen wir euch nun auseinandersetzen, was für Leute das sind, welche das Amt führen, die kleinen unwissenden Kinder zu taufen und Christenmenschen aus ihnen zu machen. Zu diesem Zwecke will ich dich, treuer Leser, auf deinen eigenen Pastor, Vikar, Pfründner oder Kaplan, wie sie genannt werden, ja, auf alle Pfaffen, die in deinem Umkreise sind, hinweisen, damit du sie mit Gottes Wort recht prüfen mögest, ob es unter dem ganzen Haufen, so viel ihrer auch sein mögen, einen, ich sage einen, gebe, der von einer unsträflichen, christlichen Kirche berufen ist, vom heiligen Geiste getrieben wird und sowohl in Lehre als Leben unsträflich ist. Ach Bruder, nicht einen, nicht einen einzelnen kannst du finden, wie weit du auch reisen und wie fleißig du auch suchen magst; denn ihrer aller Berufung ist aus dem Drachen und aus dem Tier. Sie werden durch nichts anderes zu diesem Amte getrieben, als durch ihr träges, gefräßiges, habsüchtiges, hochmütiges und bauchliebendes Fleisch. Ihre Lehre ist bei den meisten nichts als Verführung und Betrug, ihr Gottesdienst ist durchweg Abgötterei, geistliche Zauberei aus der Tiefe des Abgrunds und eine Ursache der Vergießung unschuldigen Blutes etc. Zudem ist ihr tägliches Leben so schändlich, unrein, sodomitisch, ehebrecherisch, hurerisch, wollüstig, gefräßig, habsüchtig, prahlerisch, neidisch, unbarmherzig, verräterisch, ehrgeizig, blind, gottlos, schrecklich und gräulich, dass alle rechtschaffenen Menschen, alle Engel Gottes und alle Himmel sich davor entsetzen und schämen müssen. Sagt, gute Leser, ist es nicht so? Habt ihr je in eurem Leben größere Hoffart, Habsucht, Gefräßigkeit, Hurerei und Ehebruch, Gehässigkeit, Heuchelei, Schuftigkeit und Schändlichkeit, als unter ihnen ist, gefunden? Ich weiß wohl, dass sie nicht alle gleich unzüchtig und schändlich in ihrem täglichen Leben sind; allein es gibt dennoch nicht einen einzigen unter ihnen, wie schön auch sein Leben äußerlich erscheinen mag, dessen Sendung, Drohen, Gottesdienst und ganzes Leben nicht aus dem Fleische und dem Teufel und gegen Gott und sein gebenedeites Wort sind.

Meine werten, lieben Brüder, ich habe dies gewiss nicht mit böser Absicht noch aus Hass geschrieben, das weiß er, der alle Dinge kennt. Doch beurteilt alles selber mit Gottes Wort und einem redlichen natürlichen Verstand, da ihr es ja täglich mit euren eigenen Augen sehen könnt und es wird euch ohne Zweifel klar werden, dass ich euch nichts als die reine Wahrheit, und zwar aus Liebe zu eurer Seligkeit, aufgedeckt und vorgeführt habe. Sprecht, habe ich übel daran getan, dass ich euch die heimlichen und gefährlichen Anschläge eines Diebes oder Mörders entdeckt und vorhergesagt habe? Reißt doch einmal die verfluchte gräuliche Blindheit aus euren Augen und seht auf eures Herrn Wahrheit. Grabt allen Unglauben aus euren verdunkelten Herzen und glaubt Gottes Wort. Der heilige Apostel Paulus sagt:

»Ihr sollt nichts mit ihnen zu schaffen haben; nämlich, so jemand ist, der sich lässt einen Bruder nennen und ist ein Hurer oder ein Geiziger oder ein Abgöttischer oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber; mit dem selbigen sollt ihr auch nicht essen.« (1Kor 5,11; 2Th 3,6,14; 1Mo 43,32; Jer 16,8; Dan 1,8)

Dies dient zum Beweis, dass, obwohl solche sich den Namen Brüder oder Christen beilegen, sie dennoch ihres schändlichen Lebens wegen nicht in der Gemeinde Jesu Christi sind; denn Christi Gemeinde ist heilig, rein und unsträflich. An einer andern Stelle lehrt er, dass die Erwähnten das Reich Gottes nicht ererben werden (1Kor 6,10; Gal 5,21; Eph 5,5). Sind sie aber nicht in der Gemeinde Christi und werden sie das Reich Gottes nicht ererben, was Göttliches oder Christliches, sagt doch, kann alsdann im Hause des Herrn, d. h. in Christi Gemeinde, von ihnen verrichtet oder geübt werden? Obwohl man nach Pauli Lehre ihres Unglaubens und abscheulichen, höllischen und tierischen Lebens wegen nichts mit ihnen zu schaffen haben, noch mit ihnen essen soll und ihnen die Seligkeit nicht verheißen ist, so ist dennoch die Welt so durch sie verblendet und Gott entfremdet, dass sie dieselben als ihre rechten Hirten, Lehrer und Seelsorger ansehen, ehren und annehmen – als solche, welche von Gott die Macht haben, nach Gutdünken zu schalten und zu walten – obgleich sie dies fälschlich unter dem Deckmantel Christi und unter dem Namen der heiligen christlichen Kirche tun, wie sie es nennen. O Blindheit!

Diese sind es, o ihr Leute, denen es noch heutigen Tages anvertraut und überlassen ist, die ganze Welt mit falscher Lehre zu verführen und die kleinen, unmündigen Kinder ohne Gottes Wort oder Befehl ohne den geringsten Nutzen anzureden, zu beschwören und mit Wasser zu taufen, obwohl das allerheiligste Evangelium Jesu Christi solches so deutlich und ernstlich verbietet und straft.

Wie diese geistlichen Väter und Lehrer, so sind auch die Kinder, die von ihnen geboren werden, d. h. diejenigen, welche sie lehren und taufen. Dass dies so ist, beweisen sie durch ihre offenbaren Früchte.

Seht, meine Brüder, durch nichts anderes als durch diese erwähnten Lehrer und Kindertäufer ist die Kirche Christi in solche Heuchelei, Schande, Spötterei, Betrügerei, Abfall, Büberei und in ein so überaus unreines Hurenhaus verwandelt worden. O Jammer über Jammer.

So haben wir euch denn erstens die Eltern mit ihrem Unglauben und fleischlichen Leben, von welchen die Kinder geboren werden, vor Augen geführt; zweitens, die päpstlichen Paten mit ihrem Missbrauch, Unglauben und ihren bösen Früchten, welche die Kinder zur Taufe heben und sich für ihren Glauben verantwortlich machen; und drittens auch die Lehrer oder Täufer mit ihrer Sendung, Berufung, Lehre, Abgötterei, Unglauben und ihren gottlosen Werken, welche die Kinder taufen und sie von ihren Erbsünden, wie sie es nennen, reinigen und waschen. Alle drei aber, nämlich Eltern, Paten und Täufer, empfinden oder schmecken selbst weder Erkenntnis noch Glauben, weder Wahrheit, Liebe, Gottesfurcht, Evangelium, christliche Früchte, Gehorsam, Vergebung der Sünden, Seelenfrieden, Gebet, Verheißung, Gott, Christum, Geist noch ewiges Leben in ihrem Herzen und sind nur ihrem Rühmen und dem Namen nach Christen. Diese unterfangen sich in aller Keckheit, ein Kind, das eben aus der Mutter Leibe geboren wurde, das weder gehen noch stehen, weder hören noch sprechen, weder denken noch begreifen kann, welches durch Verstandesmangel den unvernünftigen Tieren in fast jeder Hinsicht gleich ist und weder Gutes noch Böses unterscheiden kann, ohne Wort und ohne Glauben zu einem Christen zu machen und zwar durch nichts anderes als mit Bekreuzen, Anblasen, Salz, Öl, Chrisma, brennenden Kerzen, Tüchern, unnützen Fragen und Antworten, Segnen, Beschwören, Taufen, Opfern und anderen solchen Gräueln. Ist dann diese prahlerische, abgötterische Heuchelei an den kleinen Kindern geschehen, dann sind es Christen, wie auch die Weiber, nachdem das Werk vollbracht, zur Wöchnerin sagen: »Einen Heiden haben wir von dir empfangen und einen Christen geben wir in deine Hände zurück.« Darauf wird der Tisch gedeckt, Speise und Trank sind schon bereit, die Nachbarn und Freunde werden eingeladen und die Eltern sind mit ihrem getauften Kinde sehr wohl zufrieden. Von dieser Stunde an wird das Kind auferzogen in allerlei Narrheit, Unglauben, Eitelkeit, Sünde, Schande, Torheit, Abgötterei und in allen Fleischeswerken und Teufelsfrüchten, so dass in Ewigkeit keine Erkenntnis, kein Glaube, keine Liebe und Furcht Gottes, keine evangelische Wahrheit und Sitte in ihm aufwachen und bleiben kann. Sollte aber dennoch etwas Christliches an ihm hängen bleiben, so müsste es vieles leiden und Christi Kreuz tragen. Ich sage es noch einmal: Da es nun getauft ist, so kann es fortan tun, was es will, es bleibt dennoch ein Christ. Seht, mein lieben Brüder, das ist heutzutage die heilige Kirche, wie sie sich rühmen. Auf erwähnte Weise bringt ein Christ den andern hervor und ist die ganze Welt voll solcher Christen geworden.

Meine ehrenwerten Leser, versteht doch recht, was ich euch geschrieben habe. Ich habe euch diese Sache deshalb so weitläufig auseinandergesetzt, auf dass ihr gründlich erkennen mögt, was für ein verborgener Fallstrick für die Seelen und welch schrecklicher und abscheulicher Abgott die Taufe der kleinen, unmündigen Kinder vor Gott ist und wie ganz unnütz und abgöttisch die Lehre, dass man die unmündigen Kinder darum taufen solle, damit sie in Gottes Wort und seinen Geboten erzogen werden. So hüllt sich jede Menschenlehre in einen schönen und heiligen Schein, inwendig aber ist es von Grund auf nichts als Heuchelei, Lügen, Verführung, Betrug und tödliches Gift für die Seele.

Diejenigen aber, welche sich nicht auf diese antichristliche Taufe verlassen, sondern die wahre, christliche Taufe, die von Christo Jesu befohlen und von seinen heiligen Aposteln gelehrt und geübt worden ist, suchen, tragen Sorge für die Seligkeit ihrer Kinder und erziehen sie deshalb in der Furcht Gottes mit Lehren, Ermahnen und Strafen und gehen ihnen selber mit einem unsträflichen Leben voran, auf dass sie, wenn sie zu ihrem Verstande gekommen sind, selbst das allerheiligste Evangelium Jesu Christi hören, glauben und annehmen und auch die heilige, christliche Taufe empfangen mögen, wie er dieselbe sowohl selbst als durch seine heiligen Apostel allen Gläubigen und Heiligen Gottes an vielen Stellen des neuen Testamentes gelehrt hat.

Drittens lehrt uns auch der heilige Paulus, indem er sagt:

»Wisst ihr nicht, dass alle, die wir in Jesum Christum getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten, durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.« (Röm 6,3–4)

Hier wird wiederum die Taufe der Gläubigen mit aller Kraft bestätigt und die Ungültigkeit der Kindertaufe mit gleicher Kraft bewiesen. Denn gleichwie Christus Jesus befohlen hat, dass man die Gläubigen taufen solle, so geht auch klar hervor aus den angeführten Worten Pauli, dass die Taufe für uns eine Bedeutung hat, die sich nur auf die Gläubigen beziehen kann, nämlich, dass sie ein Tod der Sünden, ein Begraben des alten Lebens und die Auferstehung zu einem neuen Leben ist.

Weil denn die Taufe von Paulus ein Tod der Sünden und die Auferstehung zu einem neuen Leben genannt wird, so müssen sie gewiss zugeben, dass niemand seinen hässlichen, schändlichen Lüsten und Begierden, seinem unziemlichen, fleischlichen, gottlosen Leben absterben und dasselbe begraben und dass auch niemand zu einem frommen, unsträflichen und gottseligen Leben auferstehen kann, als nur diejenigen, welche als gehorsame und liebe Kinder Gottes durch des Herrn Wort erbaut, gelehrt und erneuert werden. Der Apostel nennt an einer andern Stelle diesen geistlichen Tod und dieses Begraben werden, dieses Auferstehen, welches durch die heilige Taufe bewiesen wird, eine Beschneidung, welche in dem Geist geschieht, indem er sagt:

»In welchem (Christo) ihr auch beschnitten seid, mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi; in dem, dass ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe, in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt, welcher ihn auferweckt hat von den Toten.« (Kol 2,11–12)

Da also offenbar hervorgeht, dass nur die Gläubigen ihren Sünden absterben und dieselben begraben und durch die Kraft des Glaubens mit Christo zu jenem gottseligen, neuen Leben eingehen und auferstehen können, und dass die kleinen, unmündigen Kinder dies nicht tun noch tun können, weil sie nicht jenen Glauben haben, durch welchen Gott solches in den Seinigen wirkt, so müssen sie gewiss zugeben, ob sie denn wollen oder nicht, dass die Taufe der unmündigen Kinder in dem Befehl des Herrn Jesu Christi und in der uns hinterlassenen, apostolischen Lehre nicht gelehrt wird oder begriffen ist.

Man mag immerhin sagen, dass die andern Apostel auch Schriften hinterlassen haben, welche Papst Gelasius aber ausgemustert habe und dass vielleicht die Taufe der unmündigen Kinder in diesen erwähnt und enthalten gewesensei. Liebe Leser, da unsere Gegner ihre Sache auf die ausgemusterten Schriften der Apostel gründen, aber dennoch keine Gewissheit durch dieselben haben, sondern nur vermuten, dass vielleicht die Taufe der kleinen, unmündigen Kinder darin enthalten gewesen sei, so antworten wir erstens in aller Bescheidenheit mit folgenden Worten: Da sie sich auf Schriften der Apostel, die wir nicht haben, berufen, so begehren wir von ihnen zu wissen, was diese Apostel in diesen Schriften hinsichtlich der Kindertaufe gelehrt und befohlen haben.

Zweitens, indem sie ihre Sache mit ungewissen Schriften, welche sie nicht haben, sondern nur vermuten, dass es solche gegeben hat, zu behaupten suchen, so beweisen sie damit, dass sie dieselbe nicht mit den apostolischen Schriften, die wir zur jetzigen Zeit haben, beweisen können.

Drittens sagen wir, dass wir das Werk des Herrn, nämlich die heilige Taufe, nicht auf eine bloße Vermutung oder ein vielleicht hin, sondern dem Gewissen nach lehren, verrichten und erteilen müssen.

Viertens sagen wir, dass die Apostel sämtlich durch einen Geist geschrieben, gelehrt und gepredigt haben. Wenn ihr nun bedenkt, dass Christus Jesus die Taufe auf den Glauben befohlen hat (Mk 16,16) und dass Petrus, Paulus und Philippus dem oben angeführten Befehle Christi gefolgt sind, die Taufe der Gläubigen und nicht die der unmündigen Kinder gelehrt und geübt haben, so könnt ihr euch leicht vorstellen, dass die andern Apostel, deren Schriften wir nicht haben, dieselbe nicht anders gelehrt und geübt haben und hätten sie auch sechshundert Bücher geschrieben und veröffentlicht. Denn wäre die Kindertaufe eine Einsetzung der Apostel gewesen, so müsste dies aus ihren Schriften hervorgehen. Dann würde auch Tertullian, der nicht lange nach der Apostel Zeit gelebt hat, keineswegs geschrieben haben, dass bei seinen Vorfahren in der Regel die Erwachsenen getauft wurden, wie schon früher erwähnt worden ist. Auch würde dann Alexander, der Bischof von Alexandrien, die Kinder seiner Gemeinde wohl getauft haben und die Alten hätten gewiss nicht darüber gestritten, da doch von jeher die Gottesfürchtigen ihre Sache mit der heiligen Schrift ausführen und nicht von derselben abweichen haben wollen; denn wer, der Gott fürchtet, würde begehren oder es wagen, sich einer Einsetzung oder einem Gebrauche der Apostel entgegenzustellen, denselben zu verachten oder auf irgendeine Weise dawider zu reden? Doch diejenigen, welche Christum nicht recht erkannt haben, sondern ihr Vertrauen auf die äußerliche Zeremonie gesetzt und ihre Gerechtigkeit darin gesucht haben, die haben in der Welt überhand genommen und es ist deshalb nicht nötig geworden, die Kindertaufe durch eine päpstliche Bulle oder ein Konzil zu bestätigen, da dieselbe allmählich von sich selbst bei allen Geschlechtern, Völkern und Zungen eingerissen und in vollen Schwang gekommen ist; denn die ganze Gemeinde ist schon bald nach dem Ableben der Apostel durch die Lehre der unverständigen Bischöfe von dem Vertrauen auf Jesum Christum auf das Vertrauen auf äußerliche Werke herabgekommen, wie wir mit unsern eigenen Augen deutlich wahrnehmen können.

Ferner, meine Brüder: Wie deutlich auch die Stelle Pauli in Röm 6 sich auf die Gläubigen bezieht, wie ein jeder sehen kann, so haben dennoch die Gelehrten dieser fruchtlosen Welt diese Worte so verkehrt und ausgelegt, als ob die Kindertaufe damit bestätigt und bewiesen werden könnte. Sie sagen, dass man die unmündigen Kinder darum taufen solle, damit sie des Todes Christi Jesu und seines heiligen Blutes teilhaftig werden und später, wenn sie zu Einsicht und Verstand gekommen sind, ihren Sünden absterben und Gottes Gerechtigkeit dienen und leben mögen.

Meine lieben Kinder in Christo Jesu, wenn man Gottes einfache Wahrheit und seinen Willen und das allerheiligste und glorreichste Evangelium unseres lieben Herrn Jesu Christi nach eigenem Gutdünken und fleischlichem Vornehmen verstümmeln, ziehen, beugen und brechen dürfte, so wüsste ich fürwahr nicht einen einzigen Gräuel oder falschen Gottesdienst, welchen man nicht mit leichter Mühe durch solche Schriftverdrehung vor den Augen der Unverständigen herrlich schminken und schmücken könnte. Nein, meine Teuersten, nein! Das ewige, kräftige und seligmachende Gotteswort muss nach der rechten Meinung des heiligen Geistes und im rechten göttlichen Sinne gelehrt, ausgelegt und begriffen werden. Sie aber taufen, ehe das durch die Taufe Bedeutete, nämlich der Glaube, in uns gefunden wird, welches auf die nämliche Weise gehandelt ist, als wenn man die Pferde hinter den Wagen spannen würde, säen, ehe man gepflügt hat, bauen, ehe man Holz hat oder zusiegeln wollte, ehe der Brief geschrieben ist. Sagt doch, würde nicht jedermann diese Dinge als Heuchelei und Torheit verlachen und verspotten? Ja, freilich. Darum hat auch Gottes heiliger Geist in diesen Worten Pauli nicht auf unbestimmte Weise auch dieKinder eingeschlossen. Sie haben aber dennoch Teil an Christi Tod und Blut und zwar durch die milde Verheißung, welche ihnen von Gott aus Gnade durch Christum Jesum, unsern Herrn, gegeben worden ist und nicht durch die Taufe (Lk 18,16). Diese Worte Pauli aber hat er von denjenigen gelehrt und gesprochen, die in ihrer Taufe durch die neue Geburt von oben und durch ihren fruchtbaren, wirksamen Glauben ihrem alten, sündigen Leben abgestorben sind und dasselbe begraben haben, gleichwie Christus Jesus einmal in seinem Fleische gestorben und begraben worden ist. Denn wer mit Christus so gestorben ist, ist schon gerechtfertigt von den Sünden und ist mit Christo Jesu siegreich aus der Sünde Gewalt auferstanden, zu des Herrn Preis und zu einem neuen, rechten, gottseligen und unsträflichen Leben, welches aber durch kein anderes Mittel geschieht als durch Gottes Wort, welches von ihm durch den Glauben angenommen und erkannt wird, wie schon einmal aus dem Kolosserbrief angeführt worden ist, nämlich:

»In welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi; in dem, dass ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe, in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt.« (Kol 2,11–12)

Ach, liebe Brüder, öffnet doch die Augen eures Herzens und Verstandes und seid fleißig auf eurer Hut, denn wer nicht mutwillig gegen Gott oder sein heiliges Wort streiten will, der braucht in diesen klaren Worten Pauli gewiss nicht zu irren oder zu straucheln. Heinrich Bullinger und andere haben zwar durch diese Stelle im Kolosserbriefe mit der israelitischen Beschneidung die Taufe der kleinen, unverständigen Kinder dartun wollen und gelehrt, allein ohne Grund und heilige Schrift, doch nicht ohne gräuliches Lästern und Schelten.

Was für einen Grund sie dafür haben, weiß ich wahrlich nicht, es sei denn deshalb, weil der heilige Paulus die beiden, nämlich die geistliche Beschneidung und die Taufe der Gläubigen oder wahren Christen, so nahe nebeneinander gestellt und so eng miteinander verbunden hat.

Ach Herr, immer wird dein göttliches und gesegnetes Wort zur Beschützung und Verteidigung aller falschen Lehre, Ketzerei und falschen Gebräuche missbraucht, so dass die Bibel wohl mit Recht von einigen ein Ketzerbuch geheißen wird. Allein wie hart sie auch widerstreiten und wie schlau sie auch lügen und philosophieren mögen, so wird Gottes ewige Wahrheit in seinen auserwählten Kindern, welche dieselbe von ganzem Herzen suchen und begehren, dennoch den Sieg davon tragen.

Ich sage es noch einmal, dass ich mich von Herzen schäme, dass ich auch nur ein einziges Wort gegen solche gelehrten Männer sprechen oder schreiben soll. Doch was ist sonst zu tun? Ich darf mir gewiss die ewige Wahrheit Gottes, welche zum ewigen Leben führt und mir von Christo Jesu, unserem Herrn, und von seinen heiligen Aposteln mit so großer Deutlichkeit gelehrt und befohlen worden ist, von jenen Gelehrten nicht stehlen oder rauben lassen, denn es leuchtet mir wahrlich nicht ein, dass man diesen gelehrten Männern mehr Gehör geben und folgen soll, als Christo und seinen heiligen Aposteln. Will man nun sagen, dass jene weise seien, so antworte ich: Christus Jesus ist der Allerweiseste; oder dass sie fromm seien, so antworte ich: Christus Jesus ist der Allerfrömmste; oder dass sie in vielen Zungen und mancherlei Sprachen sehr bewandert seien, so antworte ich, dass der Geist des Herrn Jesu Christi an keine Zungen und Künste gebunden ist. Gewiss muss daher die allerheiligste und unüberwindliche Wahrheit Gottes nicht nur gegen jene, sondern auch gegen alle Pforten der Hölle, nach dem Maße der Gnade, Barmherzigkeit und Erkenntnis, das Gott uns geschenkt hat und mit seinem allerheiligsten Worte, von uns beschützt und verteidigt werden.

Deshalb werde ich die angeführte Schriftstelle Kol 2,11–12, womit jene ihre Sache zu bewähren suchen, allen meinen Lesern vor Augen stellen und sie mit demütigem Herzen bitten, dass sie doch unparteiisch urteilen wollen, ob man in dieser oder irgendeiner andern Stelle der göttlichen Schrift finde, dass die Beschneidung des israelitischen Volkes ein Sinnbild auf die Taufe der kleinen, unverständigen Kinder gewesen sei. Es ist ja ganz unbestreitbar, dass Paulus in dieser Stelle und auch in Röm 2,29 die buchstäbliche Beschneidung als ein Vorbild auf die geistliche Beschneidung gedeutet und gelehrt hat und keineswegs auf die Taufe der unverständigen Kinder. Diese geistliche Beschneidung kann von niemand anderem als von den Gläubigen gebraucht werden, wie man deutlich aus der sinnbildlichen, buchstäblichen Handlung erkennen kann. Denn die äußerliche oder buchstäbliche Beschneidung musste geschehen mit steinernen Messern und an dem Gliede der Geburten (Jos 5,2; 1Mo 17,23). Dieser inwendige oder geistliche Stein ist Christus Jesus (1Kor 10,4), und das Messer, womit die Gläubigen beschnitten werden, ist sein heiliges Wort (Jer 4,4). Versteht es wohl, meine Brüder. Wollen wir mit dem gläubigen, beschnittenen Abraham im Bunde Gottes bleiben, in welchen wir alle miteinander, Jung und Alt, Männer und Weiber, aus Gnade aufgenommen sind durch Christum Jesum, nicht aber durch irgendwelche Zeremonien, so muss unsere irdische und fleischliche Geburt, welche aus dem irdischen und fleischlichen Adam ist, mit diesem steinernen Messer, nämlich mit Christo Jesu und seinem heiligen Worte, beschnitten werden. Prüft darum die angeführten Worte Pauli in Kol 2,11–12 und urteilt, ob sie von den Gläubigen und Verständigen oder von den kleinen und unverständigen Kindern gesprochen sind. Sagt, wer ist es, der mit der Beschneidung Christi in seinem Herzen beschnitten ist? Ist es nicht der Gläubige? Wer ist es, der durch die Beschneidung Christi den Leib der Sünde abgelegt hat? Ist es nicht der Gläubige? Wer ist es, der durch die Taufe mit Christus begraben ist? Ist es nicht der Gläubige? Wer ist es, der durch den Glauben, welchen Gott wirkt, zu einem neuen Leben auferstanden ist? Ich sage es noch einmal: Ist es nicht der Gläubige? Ja, es sind diejenigen, die Gottes Wort hören und an dasselbe glauben und nie und nimmer die unmündigen Kinder.

Da denn, gute Leser, die Kindertäufer ihre Sache mit der Beschneidung und Verheißung Abrahams zu bewähren suchen, so merkt und erwägt wohl, auf was für eine unpassende Weise sie dieses hereinziehen; hingegen aber auch, was man euch in wenigen Worten mit der Wahrheit der Schrift vorlegen und lehren wird.

Erstens sind wir alle, wie schon gesagt, nicht durch irgendwelche Zeremonien, sondern aus Gnade in Gottes Bund aufgenommen und diese Verheißung ist uns allen aus Gnade gegeben, das heißt, wenn wir sie annehmen durch den Glauben und nach dem Willen des Gebers wandeln, gleichwie Abraham aus Gnade von Gott mitten aus den Völkern aufgenommen und mit der Gnadenverheißung erfreut wurde. Denn er nahm diese durch den Glauben an und wandelte nach dem Willen dessen, der ihn aufgenommen hatte, wie die Schrift sagt:

»Abraham glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.« (1Mo 15,6; Röm 4,3; Gal 3,6; Jak 2,23)

Allen solchen, welche so von Gott mit Abraham in den Bund des Friedens aus Gnade aufgenommen sind, hat Gott zur Prüfung ihres Glaubens seine Zeremonien und buchstäblichen Zeichen gegeben; nicht, dass sie dadurch gerechtfertigt werden sollten, denn wäre dieses in den Zeichen gelegen, so würde Gnade nicht Gnade sein (Röm 11,6), sondern auf dass sie durch den Glauben gerechte Kinder Gottes, Kinder der Verheißung und teilhaftig seines Bundes würden, welches sie durch ihren Gehorsam den Geboten Gottes gegenüber beweisen sollten, der sie aus Gnade berufen, aufgenommen und mit seiner Verheißung getröstet hat. Denn diejenigen, welche Gott gehorsam sind, sind seine Freunde (Joh 15).

Seht, meine Brüder, dies ist ein Grund, warum Gott seine Zeremonien verordnet hat, wie das in Abraham deutlich bewiesen wird. Denn Abraham war schon in Gottes Bund, ehe er beschnitten war, wie Paulus beweist, dass ihm sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wurde, noch ehe er beschnitten war. Und weil er in Gottes Bund und gerecht durch den Glauben war, so hat ihm Gott die Beschneidung befohlen, welche in sich selbst betrachtet ein unnützes und verächtliches Werk ist, wie vor Augen liegt. Erstens war es an sich selbst ganz unnütz, denn es brachte dem Nächsten keinen Nutzen; und zweitens verächtlich, denn es geschah am verächtlichsten Teile des ganzen Körpers. Es ist deshalb geboten worden, auf dass der gläubige Vater Abraham sich selbst verleugnen und nicht nach seinem eignen, sondern nach dem Willen dessen, der ihn aus Gnade angenommen und aus den Völkern erwählt hatte, leben und mit diesem an und für sich selbst unnützen und verächtlichen, jedoch von Gott gebotenen Werke seinen unsichtbaren Glauben besiegeln, d. h. zeigen sollte, dass derselbe aufrichtig, wahrhaft und fruchtbar vor Gott war (1Mo 17,12; Röm 4,12). Warum die Zeremonien ferner noch geboten waren, werden wir bei einer andern Gelegenheit lehren, wenn es Gott gefällig ist.

Seht, gute Leser, auf diese Weise war Abraham beschnitten und auf diese Weise werden wir getauft; denn so ist es von Gott befohlen. Wer sich nun widersetzt und der Stimme des Herrn hinsichtlich der gebotenen Zeremonien nicht gehorsam ist, sondern das Werk seiner Nutzlosigkeit und Geringfügigkeit halber verachtet, indem er nicht bedenkt, dass es von Gott befohlen ist, stößt sich selbst durch seinen Ungehorsam aus dem lieblichen Bund der Gnade. Auch besiegelt er dadurch seinen Glauben nicht als fruchtbar und lebendig, sondern beweist, dass derselbe unfruchtbar und tot vor Gott ist; denn er hört nicht auf seines Herrn Stimme und lebt nicht nach derselben, sondern verwirft und verachtet sie als kraftlos, eitel und unnütz.

Lernt daher und merkt, dass wir nicht durch das äußerliche Zeichen, sondern nur aus Gnade und durch Jesum Christum in Gottes Bund aufgenommen werden. Und weil wir aus Gnade in Gottes Bund sind, so hat er uns seine Zeichen hinterlassen und befohlen, dass man sie an denjenigen vollziehen solle, für welche er sie verordnet hat, nämlich an den Gläubigen. Denn könnten wir durch irgendwelche Zeichen oder Zeremonien in den Bund Gottes kommen, so wären die Verdienste Christi eitel und so hätte auch die Gnade aufgehört. Nein, Brüder, nein! Abraham war schon auserwählt, von Gott aufgenommen und durch den Glauben gerecht gemacht, ehe er beschnitten war. Und weil er gläubig und durch den Glauben gerecht war, so ist ihm die Beschneidung von Gott befohlen worden, auf dass er damit seinen Glauben besiegeln sollte. Und obwohl Abraham mit seinem ganzen aus Isaak geborenen Samen und auch andere zu diesem Bund Gottes gehörten, sowohl die Weiber, als die Männer, und die Verheißung sich auf beide Geschlechter, d. h. auf Männer und Weiber, bezog, war es dennoch nicht befohlen, dass die Mädchen, sondern dass die Knaben beschnitten werden sollten.

Merkt wohl, liebe Leser: Hätten sie den Bund Gottes durch das Zeichen und nicht aus Gnade empfangen, so müssten die Mädchen ausgeschlossen und ohne Verheißung geblieben sein. Doch nein! Es ist aus Gnade geschehen, ist noch Gnade und wird in alle Ewigkeit Gnade bleiben.

Wären sie aber des Herrn Wort ungehorsam gewesen, hätten sie nämlich ihre Knäblein nicht am verordneten Tage beschnitten oder anders getan, als von Gott befohlen war, nämlich auch ihre Mädchen beschneiden lassen, so würden sie für ihren Ungehorsam die Strafe in ihren Kindern tragen haben müssen (1Mo 17,14), von dem Bund ausgeschlossen worden sein und seine milde Verheißung der Gnade nicht empfangen haben. Denn Gott, der allmächtige Vater, dessen Stimme, Willen und Gebot alle Geschöpfe, die im Himmel und auf Erden sind, Gehorsam schulden, will, dass man die Zeremonien, die er geboten hat, so gebrauche, wie es ihm gefällt und wie er dieselben befohlen hat; denn darum hat er sie verordnet. Auch haben wir, wenn wir dieselben nicht oder anders üben, unseres Ungehorsams wegen weder Bund noch Verheißung. Dies ist der wahre schriftmäßige Sinn von Abrahams Bund, Beschneidung und Verheißung. Ein jeder, der euch anders lehrt, betrügt eure Seele; denn er führt euch zu Verdiensten und Werken und nicht zu Christo Jesu, durch welchen allein jetzt und allezeit der ewige Bund des Friedens und die Gnadenverheißung von Gott gegeben werden und empfangen werden müssen.

Ach Brüder, Brüder! Wie lange wollt ihr euch dem heiligen Geiste widersetzen? Gebt doch einmal Gottes Wort die ihm gebührende Ehre und merkt wohl, dass die kleinen unverständigen Kinder in ihrer Taufe nicht mit Christo begraben werden und auch nicht zu einem neuen Leben auferstehen. Denn wären sie in ihrer Taufe recht gestorben und begraben, dann wäre die Sünde dermaßen in ihnen vernichtet, dass dieselbe ihren Geist nie wieder verheeren und unterdrücken würde. Da aber die Sünde nach ihrer Taufe, wenn ihr Verstand sich in ihnen zu entwickeln beginnt, so kräftig, so lebendig, so gewaltig, ja, in voller Blüte in ihnen gefunden wird, wie vor Augen liegt, so müssen die Kindertäufer gewiss zugeben, dass sie die Kinder lebendig begraben, welches nicht sein sollte, oder dass sie alle miteinander ohne Glauben und darum außer der Verordnung Christi, unnütz und vergeblich taufen. Darum lernt doch einmal, liebe Leser, dass die Taufe der kleinen, unverständigen Kinder nicht aus, durch oder von Gott sein kann. Wer aber die durch Jesum Christum an ihm bewiesene Wohltat des Vaters recht erkennt und in rechter wahrer Liebe zu Gott auf seinen eigenen Glauben getauft wird, der ist, laut Christi, Petri, Pauli und Philippi Lehre, inwendig in seinem Herzen beschnitten, wie Paulus lehrt; der ist mit Christo Jesu begraben, seinen Sünden gestorben und durch seinen wirksamen Glauben mit Christo Jesu zu einem neuen Leben auferstanden (Röm 6,4; Kol 2,12).

Hier machen aber die Kindertäufer noch einen betrügerischen Einwand, indem sie sagen, dass in den angeführten Worten Pauli die Taufe der kleinen unmündigen Kinder nicht verboten werde und darum auch nicht unrecht sei. Hierauf antworten wir durch die Frage: Ist die Kindertaufe hier oder in irgendeiner anderen Schriftstelle geboten? Sie müssen der Wahrheit die Ehre geben und sagen: Nein. Ist sie aber nicht von Gott befohlen, so ist sie gewiss nicht Gottes Verordnung und hat darum auch keine Verheißung. Noch einmal: Ist sie nicht von Gott befohlen, so ist sie nicht Gottes Verordnung; ist sie nicht Gottes Verordnung, so hat sie keine Verheißung; und hat sie keine Verheißung, so ist sie ohne Zweifel gänzlich unnütz und vergeblich.

Zweitens fragen wir sie: Wo in Gottes Wort ist es ausdrücklich verboten, Glocken zu taufen? Sie müssen die Wahrheit gestehen und sagen: Nirgendwo.

Weil es denn nirgendwo ausdrücklich verboten ist, Glocken zu taufen, ist darum das Taufen der Glocken gut und recht? Keineswegs.

Drittens. Es war Israel nicht verboten, ihre Mädchen zu beschneiden: Hätten sie aber deshalb wohl gehandelt, wenn sie ihre Mädchen beschnitten hätten? Das sei ferne! Denn weil die Schrift befahl, dass sie die Knaben beschneiden sollten, so haben sie es als von Gott verboten betrachtet, ihre Mädchen zu beschneiden.

So lehrt uns denn Jesus Christus, dass man die Gläubigen taufen soll und kommt die Wirkung der Taufe nur den Gläubigen zu, wie man bei Petrus und Paulus so deutlich erkennen kann. Wir halten darum die Taufe der kleinen, unmündigen Kinder als hinreichend verboten, weil sie den Glauben und die Wirkung der Taufe, welche aus dem Glauben kommt und folgen muss, nicht haben.

Noch einmal sage ich: Im Falle die Kindertäufer behaupten wollen, dass in den angeführten Worten Pauli die Taufe der kleinen, unmündigen Kinder nicht verboten werde und darum recht sei, so muss ich wiederum Folgendes darauf antworten: Es ist in der heiligen Schrift nicht ausdrücklich verboten, Weihwasser, Kerzen, Palmzweige, Kelche und Kleider einzusegnen, wie man es nennt, Messe zu lesen und dergleichen mehr; dennoch bekennen wir nachdrücklich, dass solches böse ist. Erstens, weil man sein Vertrauen darauf setzt und zweitens, weil es außer Gottes Verordnung geschieht. Denn er hat uns auch nicht ein einziges Wort in Betreff all dieser Dinge geboten; es gibt aber keine Verordnung, in der sein heiliges, gebenedeites Wort nicht entweder im Geist oder buchstäblich enthalten oder ausgedrückt ist.

Weil Christus denn die Taufe auf den Glauben befohlen hat (Mk 16,16), die Apostel dieselbe so gelehrt und gebraucht haben und die Bedeutung oder Wirkung der Taufe (Röm 6,3; Kol 2,12; Tit 3; Gal 3,27; 1Kor 12,13; 1Pt 3,21) nur auf die Gläubigen gedeutet und verstanden werden kann, so ist es uns ohne Zweifel durch diese Gott wohlgefällige Verordnung genugsam verboten, kleine, unmündige Kinder zu taufen, da sie den Glauben und die Wirkung oder Bedeutung der Taufe nicht haben – ungeachtet die Taufe der kleinen, unmündigen Kinder sogleich nach dem Hingang der Apostel, ja, vielleicht noch zu deren Lebzeiten bei einigen in Schwung gekommen und so schon manches Jahrhundert geübt worden ist; denn die Länge der Zeit kann nicht gegen Gottes Wort aufkommen, wie wir den Frommen und Gottesfürchtigen schon früher genugsam gezeigt und gelehrt haben.

Viertens sagt auch der heilige Apostel Paulus:

»Da aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unsers Heilandes; nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig, durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes.« (Tit 3,4–5)

Wenn wir, meine teuersten Brüder, diese Worte Pauli mit geistlichen Augen recht und gründlich betrachten und mit der heiligen Schrift vergleichen, so werden die Kindertäufer, gedrungen durch Gottes Wort, doch endlich bekennen müssen, dass die christliche Taufe, welche von Gott befohlen ist, nur den Gläubigen zukommt, laut Christi Befehl in Mk 16,16 und nicht denjenigen, welche, nach dem Gesetz der Natur, noch nicht hören, sprechen und verstehen können, wie die kleinen Kinder; denn es ist ein Wasserbad der neuen Geburt, wie uns der heilige Paulus in diesen Worten gelehrt und bezeugt hat.

Nachdem, meine ehrenwerten und guten Brüder, die heilige, christliche Taufe ein Wasserbad der neuen Geburt ist, wie Paulus uns lehrt, so kann niemand damit nach Gottes Willen und Wohlgefallen gewaschen werden, als nur diejenigen, welche durch Gottes Wort wiedergeboren und erneuert sind; denn wir werden nicht wiedergeboren, weil wir getauft sind, wie aus den kleinen, unwissenden Kindern, die bereits getauft sind, deutlich hervorgeht; sondern darum werden wir getauft, weil wir durch den Glauben aus Gottes Wort wiedergeboren sind, indem die neue Geburt nicht aus der Taufe, sondern die Taufe aus der neuen Geburt folgt. Dies kann gewiss von keinem vernünftigen Menschen mit Gottes Wort bestritten oder widerlegt werden.

Darum müssen alle Gelehrten, wie gelehrt sie auch sein mögen, vor diesen Worten Pauli beschämt dastehen, dass sie das einfältige Volk so schändlich lehren und ihm weismachen, dass die kleinen, unmündigen Kinder in ihrer Taufe wiedergeboren werden. Dieses zu lehren und zu glauben, liebe Leser, ist fürwahr lauter Verführung und Betrug. Denn werden die Kinder wiedergeboren, wie die Gelehrten sagen, so muss ihr ganzer Wandel nichts als Demut, Duldsamkeit, Barmherzigkeit, reine und keusche Liebe, wahrhaftiger Glaube, sichere Erkenntnis, gewisse Hoffnung, Gehorsam gegen Gott, geistliche Freude, inwendiger Friede und ein unsträfliches Leben sein; denn dies sind die wahren und natürlichen Früchte der neuen und himmlischen Geburt. Was für Früchte aber in unsern kleinen, unmündigen Kindern sind, mag ein jeder kluge Leser mit seiner eigenen Erfahrung ermessen.

Was denkt ihr doch, meine Teuersten, glaubt ihr, dass die neue Geburt nichts anderes sei, als was die elende Welt bis jetzt gemeint hat, nämlich, ein Eintauchen in das Wasser oder das bloße Sagen: »Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes?« Nein, werte Brüder, nein! Die neue Geburt ist fürwahr weder Wasser noch Worte, sondern eine himmlische, lebendige und bewegende Kraft Gottes, inwendig in unseren Herzen, welche von Gott ausgeht und durch die Predigt des göttlichen Wortes, wenn wir dasselbe durch den Glauben annehmen, unsere Herzen rührt, erneuert, durchschneidet und verändert, bis wir aus Unglauben in Glauben, aus Ungerechtigkeit in Gerechtigkeit, aus Bösem in Gutes, aus Fleischlichkeit in Geistlichkeit, aus dem Irdischen in das Himmlische, ja, aus der bösen Natur Adams in die gute Natur und Art Jesu Christi versetzt werden. Von solchen hat Paulus die angeführten Worte gesprochen.

Seht, diejenigen, welche so gesinnt sind, das sind die wahren, wiedergeborenen Kinder Gottes und die lieben Brüder und Schwestern Jesu Christi, die mit ihm von oben aus einem Vater geboren sind, nämlich von Gott (Joh 1,13; Hebr 2,11). Und diesen Wiedergebornen allein hat er die heilige christliche Taufe als ein Siegel ihres Glaubens gelehrt, befohlen und hinterlassen (Mt 28,19; Mk 16,16), durch welche sie Vergebung ihrer Sünden empfangen (Apg 2,38) und nicht den kleinen unmündigen Kindern, wie eben so vielfach mit Gottes Wort bewiesen worden ist. Darum lehrt uns der heilige Apostel Paulus an dieser Stelle, dass Gott die Wiedergeborenen selig macht durch das Wasserbad der neuen Geburt. Die Ursache ist diese: Weil sie durch Gottes Wort wiedergeboren sind, so sind sie durch die Kraft ihrer neuen Geburt von sich selbst ausgegangen und haben sich mit vollem Gehorsam nach allem geschickt, was Gott, der allmächtige Vater, in seinem heiligen Worte, durch seinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn, und durch alle seine wahren Diener und Sendboten allen auserwählten Gotteskindern gelehrt und befohlen hat.

Darum, ich sage es noch einmal, gehört die Taufe, durch welche Gott uns selig macht, den Gläubigen oder Wiedergeborenen, wie Paulus sagt. Letzteres geschieht auf diese Weise: Erstens muss da sein die Lehre des heiligen Evangeliums Jesu Christi (Mt 28,19; Mk 16,15); zweitens das Anhören der Predigt des Wortes Gottes (Röm 10,17); drittens der diesem Anhören entspringende Glaube (Röm 10,17); viertens muss aus dem Glauben die neue Geburt folgen; fünftens, aus dieser neuen Geburt die Taufe (Tit 3,5), die unsern Gehorsam dem Worte Gottes gegenüber beweist und zuletzt folgt die Verheißung. Denn wenn wir nicht mutwillig gegen den heiligen Geist streiten und Gottes Gnade gewaltsam von uns stoßen wollen, so ist es unmöglich, dass ein wahrer Glaube ohne neue Geburt, diese ohne Gehorsam und der Gehorsam ohne Verheißung sein kann. Denn die ewige Wahrheit, Jesus Christus, der Gebenedeite, wird uns in seinem heiligen Worte nie und nimmer fehlen oder betrügen. Er ist es aber, der uns so gelehrt hat, nämlich, zuerst das heilige Evangelium zu lehren, was er mit diesen Worten tat: »Geht hin […] und predigt das Evangelium aller Kreatur.« Daraus folgt der Glaube: Wer da glaubt. Aus dem Glauben folgt die Taufe: Und getauft wird. Und hierauf gibt er seine Verheißung: Wird selig werden. (Mk 16,16)

Weil die Verordnung Jesu Christi so lautet und das eine aus dem andern folgt, so hat Paulus uns hier gelehrt wie Gott uns selig macht durch das Wasserbad der neuen Geburt und durch die Erneuerung des heiligen Geistes. Denn wäre es möglich, dass ein wahrer Glaube und der Gehorsam des Glaubens voneinander getrennt werden könnten, wie vielleicht der Fall sein kann bei solchen, die den heiligen Geist betrüben und gegenihn sündigen und hätten wir einen solchen wahren und erkennenden Glauben, der aber nicht mit Gehorsam verbunden wäre, so würde uns unser Glaube nichts nützen; denn ein solcher Glaube hat keine Verheißung, weil er ungehorsam und deshalb unnütz und tot vor Gott ist (Jak 2). Einem jeden aber, der dennoch in seinem Eigendünkel und ohne die heilige Schrift behaupten will, dass bei den kleinen, unverständigen Kindern die neue Geburt stattfinde und zwar darum, weil sie getauft seien, obschon es klar zu Tage liegt, dass in diesen Getauften samt und sonders keine Früchte sind, antworte ich erstens, dass er nicht weiß, was die neue Geburt ist und zweitens, dass er das mit gleichem Rechte von getauften Glocken sagen kann. Denn für beide, nämlich für Kinder und für Glocken, wird in Gottes Wort der nämliche Befehl und in beiden der nämliche Glaube und die nämliche Früchte gefunden; in beiden nach ihrer besondern Art und Natur.

Ach Herr, wann wird dieser schreckliche und gräuliche Irrtum einmal ein Ende nehmen? Wann werden diejenigen, welche jetzt Christen genannt werden, wahre Christen sein? Ja, wann wird der gebenedeite Mund unseres Herrn Jesu Christi in seinem heiligen Worte als weise, wahrhaftig und vollkommen erkannt und aufgenommen werden? Ich fürchte wohl nie, denn stets wird falsche Lehre, Unglaube und eignes Gutdünken von diesen elenden und fleischlichen Menschen weit über die untrügliche Lehre Jesu Christi und seiner Apostel geehrt und geliebt. Dennoch sagen wir euch in Christo Jesu: Lasst sie die kleinen, unmündigen Kinder taufen, so lange sie wollen; lasst sie auch dieses lehren, so lange und so eifrig sie wollen und lasst sie obendrein ihre Lehre mit verdrehten Schriftstellen, Herbeiziehung aller Gelehrten und Hinweisung auf altgewohnte Gebräuche noch so beharrlich behaupten. Es ist dennoch alles eitel, unnütz und gegen Gott. Denn es ist in alle Ewigkeit nicht möglich, die Wiedergeburt in Kindern, die weder hören noch verstehen können, mit Gottes Wort erfolgreich zu behaupten.

Darum, meine lieben und auserwählten Brüder, lasst sie immerhin über uns rufen und uns Ketzer schelten; lasst sie alle Doktoren, Gelehrten und berühmten Männer, die seit vielen hundert Jahren gelebt haben anführen; lasst sie sich damit trösten, dass es ein uralter Gebrauch ist, der noch aus apostolischen Zeiten herrührt – wo keine neue Geburt ist, da kann auch nie eine wahre Taufe nach dem Befehl Christi erteilt werden; denn diese Taufe ist ein Wasserbad der neuen Geburt (Tit 3), welche niemand erfahren kann, als die Gläubigen, wie wir dies zuvor jedem Leser deutlich gemacht haben.

Darum ermahne ich alle meine lieben Leser in dem Herrn, dass sie doch nicht auf die hochfahrende Philosophie der Gelehrten, noch auf den langen Gebrauch der Zeiten, sondern nur auf das deutliche und unverfälschte Wort Gottes sehen mögen. Dann werden sie in aller Wahrheit aus jenen Worten Pauli und andern Stellen finden, dass nach Christi Befehl die christliche Taufe niemand erteilt werden darf, als denjenigen, die aus Gnade durch Gottes Wort gläubig geworden und wiedergeboren sind. Denn solange die Taufe kleinen, unmündigen Kindern erteilt wird, ist sie kein Wasserbad der neuen Geburt. Die neue Geburt kommt, wie schon oft gesagt worden ist, aus Gottes Wort, welches die Kinder, ihres Verstandesmangels wegen, weder hören noch verstehen können, weshalb sie auch nicht wiedergeboren werden, solange sie Kinder sind. Alles, was der Vater nicht gepflanzt hat, wird durch Gottes Wort aus den Herzen der wahren Gläubigen ausgereutet werden (Mt 15,13). Gottes Wort aber wird in Ewigkeit bleiben (1Pt 1). Und nach diesem, nämlich nach dem Maßstab des göttlichen Wortes, soll und muss ein jeder fromme Christ den Bau seines Glaubens anlegen und ausführen, wenn sein Werk vor Gott angenehm und wirksam sein soll; und nicht nach seinem eigenen Gutdünken und Vorhaben; denn Gott, der Allmächtige, der alles regiert durch das Wort seiner Kraft, will durch keine Menschenlehre und -gebote geehrt sein (Mt 15,9; Mk 7,7; Kol 2,22; Jer 29,8).

Fünftens belehrt uns der heilige Paulus mit folgenden Worten:

»Ihr seid alle Gottes Kinder, durch den Glauben an Christo Jesu. Denn wie viele eurer getauft sind, die haben Christum angezogen.« (Gal 3,26–27; Röm 6,4)

Meine lieben Kinder in Christo Jesu! Es ist euch gewiss wohl bekannt, dass die ganze Welt in ihrem blinden und unverständigen Unglauben bis jetzt stets in ihrem Herzen mit äußerlichen Werken und Zeremonien gehurt hat und noch hurt. Ihr aber sollt solches nicht tun. Ihr sollt wissen und verstehen, dass die Gerechtigkeit, welche vor Gott gilt und immer gelten wird, nicht in Zeremonien undWerken, sondern nur in einem aufrichtigen, frommen und fruchtbaren Glauben und in nichts anderem liegt und das auf folgende Weise: Der Glaube, welcher aus Gottes Wort geboren wird, kann nicht ohne Früchte sein, außer in denjenigen, welche den heiligen Geist betrüben, wie oben erklärt worden ist. Der Glaube schickt sich stets zu allerlei Gerechtigkeit; er begibt sich freiwillig in allen Gehorsam und vollbringt mit Lust und Eifer nicht nur das Werk der Taufe, sondern auch alle Worte und Werke, die uns Gott, der gnädige Vater, durch seinen gebenedeiten Sohn in dem heiligen Evangelium mit so großer Klarheit gelehrt und befohlen hat.

Darum ist der rechte und wahrhaftige Glaube die volle Gerechtigkeit (Röm 3; 5). Der Glaube ist die wahre Gebärmutter, welche alle christlichen Tugenden trägt und birgt. Darum wird auch in Gottes Wort alles, wie Gerechtigkeit, Segen, Seligkeit und das ewige Leben, dem Glauben zugeschrieben und nicht den Werken (Röm 3,22; 5,1; Gal 3,12; Mk 16,16; Joh 3,36; 17,3). Wenn aber solches von ihm den Werken zugeschrieben wird, so geschieht dies dennoch nicht der Werke, sondern des Glaubens willen, welcher uns zu solchen Werken antreibt, weil sie von Gott befohlen sind. Darum sollt ihr wissen, gute Leser, dass, wenn den Zeremonien in Gottes Wort eine Verheißung beigefügt wird, wie den israelitischen Opfern unter dem Gesetz und der Taufe im Evangelium, solches nicht der Zeremonien, sondern des Glaubens willen geschieht, welcher mit Gehorsam und Liebe nicht nur die gebotenen Zeremonien, sondern alles, was Gott befohlen hat, vollbringt, wie wir zuvor gesagt haben.

Aus dieser Ursache hat denn auch der heilige Paulus die Galater gelehrt, dass sie durch ihren Glauben und nicht durch ihre Taufe Gottes Kinder geworden waren. Er sagt: »Denn ihr seid alle Gottes Kinder, durch den Glauben an Christo Jesu.« Und weiter, weil sie Gottes Kinder waren durch den Glauben, so haben sie ihres Vaters Wort Gehorsam erwiesen und darum sagt Paulus zu ihnen: »Denn wie viele eurer getauft sind, die haben Christum angezogen.« Die Hauptsache liegt also in dem Glauben und nicht in den Werken. Aber dieser gottselige und fruchtbare Glaube, in welchem alles begriffen ist und den ihr habt, ist mit seinen wahren christlichen Früchten bei vielen unter euch unbekannt. Darum suchen sie stets ihre Gerechtigkeit in äußerlichen Werken, ja, in den so unnützen Werken des menschlichen Gutdünkens, welche von Gott nicht befohlen wurden, wie man mit der Kindertaufe so viel hundert Jahre getan hat. Wenn ihr lest, was wir oben von den Eltern, den Paten und den Täufern geschrieben haben, so werdet ihr bekennen müssen, dass die ganze Welt durch die Kindertaufe in ein falsches Vertrauen geführt, Gott entfremdet und in allen christlichen Sachen verrückt und verblendet worden ist. Und auf dass ihre falschen Behauptungen wenigstens einen schönen, heiligen und göttlichen Schein haben mögen, so wird Gottes Wort mit aller Gewalt nach ihren Ansichten gebeugt und gequetscht, wie sie hier zu Genüge dartun. Denn mit diesen Worten Pauli und anderen verdrehten Schriftstellen haben sie viele Jahre lang das arme, unwissende und einfältige Volk schändlich für einen Narren gehalten und betrogen, indem sie lehren, dass die kleinen, unmündigen und unverständigen Kinder in der Taufe Christum anziehen. Durch diese Lehre beweisen sie offenbar, dass, gleichwie sie nicht wissen, was die neue Geburt ist, es ihnen auch unbekannt ist, was unter dem Ausdruck Christum anziehen zu verstehen ist.

Dies, liebste Brüder, ist das natürliche Wesen aller Ketzereien, nämlich, mitten aus der heiligen Schrift ein Stück herauszureißen, um damit ihre Ansichten zu bewähren, ohne zu merken, was einer solchen Stelle vorhergeht oder folgt, wodurch allein man den rechten Sinn fassen kann, wie sie in der angeführten Stelle so deutlich bewiesen haben. Die angeführten Worte: »Denn wie viele eurer getauft sind, die haben Christum angezogen,« haben unsere Gegner zu einem Deckmantel für die Kindertaufe gebraucht. Was aber vorhergeht, nämlich: »Denn ihr seid alle Gottes Kinder, durch den Glauben an Christo Jesu,« woraus alles folgen muss, wie wir oben dargetan haben, haben sie nicht beobachtet. Sie suchen deshalb Gerechtigkeit und Verdienst durch äußerliche Werke und nicht durch den Glauben an Jesum Christum.

Da sie ferner nicht mit Christo bekleidet sind und ihn nicht angezogen haben, weder aktiv noch passiv, und sie seine himmlische und geistliche Natur, seinen Geist und Sinn niemals geschmeckt haben, weil sie fleischlich gesinnt sind, so verstehen sie auch nicht, sie mögen schreiben und lehren soviel sie wollen, was es bedeutet, Christum anzuziehen; ich sage es noch einmal, es sei aktiv oder passiv.

Um daher alle Widersprecher aus Gottes Wort vollends zu überweisen und auf dass auch wir selbst in diesen Worten nicht straucheln oder irren mögen, so will ich alle meine Leser auf den heiligen Paulushinweisen. Dieser wird uns in aller Klarheit lehren, wer diejenigen sind, welche Christum anziehen und was für Früchte sie hervorbringen, aus welchen man erkennen kann, dass sie Christum angezogen haben. Paulus sagt:

»So aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.« (Röm 8,10; 6,5)

Wie behänd auch, guter Leser, die Schriftgelehrten und Kindertäufer unter einem falschen Schein des göttlichen Wortes Einwendungen zu machen verstehen, so kann doch niemand leugnen, dass Christus in denjenigen, welche ihn angezogen haben, ist oder wohnt. Weil denn die wahren Täuflinge Christum Jesum anziehen, so ist Christus in ihnen; und ist Christus in ihnen, so ist der Leib tot für die Sünde und hat der Geist das Leben in der Rechtfertigung. Da sich denn die Sache so verhält, so berufe ich mich, in Betreff dieses Handels, noch einmal auf alle rechtschaffenen und vernünftigen Menschen und wünsche ihr unparteiisches Urteil, ob dieses in den wahrhaft Gläubigen oder in kleinen, unverständigen Kindern gefunden wird. Sagen sie: In den Gläubigen, so haben sie recht geurteilt, denn Christus Jesus wohnt in den Herzen der Gläubigen (Eph 3,17). Sagen sie aber: In den kleinen Kindern, so stelle ich die Frage, wodurch man solches wissen könne, indem in diesen Kindern der Tod der Sünde und das Leben des Geistes nicht bewiesen oder gefunden werden können. Denn sie sind allesamt von Jugend auf, solange sie nicht an Gottes Wort glauben, wenn sie auch getauft sind, nicht nur zum Bösen geneigt, sondern auch gänzlich unter der Herrschaft desselben, wie uns das tägliche Leben aller der Getauften dieser Welt augenfällig beweist.

Ich ziehe daher aus diesen Worten Pauli folgenden Schluss: Wenn die Kindertäufer in dieser Sache auf ihrer unschriftmäßigen Meinung beharren, d. h. bekräftigen und glauben, dass die kleinen, unmündigen Kinder in ihrer Taufe Christum anziehen, so müssen sie auch, von Gottes Wort gedrungen, eingestehen, dass Christus Jesus ungläubig, stolz, ehrgeizig, neidisch, eitel, trunksüchtig, hurerisch, ehebrecherisch, widerspenstig und Gottes Wort ungehorsam sei, denn wer Christum Jesum angezogen hat, lebt fortan selber nicht mehr, sondern Christus Jesus lebt in ihm (Gal 3,27; Röm 6,4). Haben sie denn, wie sie sagen, in ihrer Taufe Christum angezogen, was nach Pauli Lehre bedingt, dass Christus in ihnen lebt und sein Werk in ihnen treibt, und werden dennoch allerlei fleischliche und gottlose Werke an ihnen gefunden, so folgt unwiderstehlich daraus, dass sie Christum Jesum nicht angezogen haben, da er sein Werk nicht in ihnen treibt. Oder sie müssen zugeben, dass Christus in ihnen eitel und unnütz ist oder dass die Vorerwähnten verdammlichen Werke durch den angezogenen Christus in ihnen entstehen. Aber nein, wahrlich nein! Christus kann nicht ohne seine Früchte sein. In ihm, der den demütigen, geduldigen, barmherzigen, lieben, friedsamen, nüchternen, keuschen und gehorsamen Christus angezogen hat, werden die erwähnten unnützen, verdammlichen Werke nicht gefunden; denn wer Christum angezogen hat, ist seinen Sünden gestorben und lebt der Gerechtigkeit (Röm 8); er wird von dem heiligen Geist geleitet; er ist mit Christo Jesu von oben aus Gott, dem Vater, geboren und lebt deshalb nach seines Vaters Willen und kann nicht sündigen, denn er ist von Gott geboren (1Joh 3,9; 5,18).

Da alle diejenigen, welche ohne Glauben getauft sind, gerade das Gegenteil in ihrem Leben ausdrücken und nicht die Natur und Tugend Christi, welchen sie in ihrer Taufe angezogen haben, wie sie fälschlich rühmen, bekunden, sondern überall die Natur und Untugend des Fleisches und des Widersachers, nämlich des Satans erkennen lassen, so geht gewiss klar daraus hervor, dass sie nicht Christum vom Himmel, sondern den Teufel aus der Hölle angezogen haben. Denn es ist dieser, welcher sie führt und treibt, wie vor Augen liegt, da doch ihr ganzes Sinnen und die äußerlichen Werke die angebornen und natürlichen Früchte des Fleisches und des Satans sind, welche überall in der Welt von allen Menschen in allen Ständen, Ämtern, Verhältnissen und Sekten hervorgebracht werden.

Ihr wisst sicherlich, liebe Leser, dass ein jeder Baum Früchte nach seiner eignen Art hervorbringt und dass man den Baum an seinen Früchten erkennen muss (Mt 7,20; 12,33). Darum kann es nicht anders sein, denn wo Christus Jesus ist, da müssen auch die guten Früchte zum ewigen Leben sein. Wo aber der Teufel ist, da sind auch die bösen Früchte zum ewigen Tode. In dem, welcher Christum Jesum angezogen hat, hat der Teufel keinen Platz. Hingegen wo der Teufel ist, da hat Christus Jesus keinen Platz. Der eine muss dem andern weichen; denn es sind zwei so entgegengesetzte und verschiedene Fürsten, dass es unmöglich ist, dass sie zusammen in einem Herzen wohnen oder in eines Menschen Gewissen aufgenommen werden und Raum finden können (Mt 6,24; Kol 2,13; 3,7; Eph 2,2).

Darum ermahne ich alle gottesfürchtigen Christen in dem Herrn, dass sie doch die angeführten Worte Pauli in ihren Herzen wohl überlegen und mit der rechten, göttlichen Wahrheit fassen mögen; dann werden sie finden, dass Paulus diese Worte in Übereinstimmung mit dem Befehle Christi (Mk 16,16) gesprochen hat. Denn nur die Rechtgläubigen ziehen in ihrer Taufe Christum Jesum an und zeigen dies durch die rechten Früchte; keineswegs aber die kleinen, unverständigen Kinder, wie wir hier und auch in unsern ersten Schriften hinlänglich bewiesen haben.

Teuerste Brüder in dem Herrn! Lasst die Kindertäufer, zu ihrer eigenen Verdammnis, solche deutlichen Schriftstellen schimpflich verspotten und auf schlaue Weise verdrehen, soviel sie wollen; es wird dennoch jene Stelle ewig von ihnen unverletzt bleiben, so vollkommen und kräftig, dass alle miteinander sich hart daran stoßen, vor derselben beschämt dastehen und mit ihren gekünstelten Glossen zurückweichen müssen, wenn sie nur recht prüfen und mit Gottes Wort beurteilen wollen, was es, nach dem Sinne und der Meinung Pauli, sagen will, Christum Jesum anziehen, es sei denn aktiv oder passiv; denn wer nicht mit der aktiven Meinung zufrieden ist, obwohl diese Worte zufolge der Übersetzung des Erasmus von Paulus in einem aktiven Sinne gesprochen sind, der füge die passive Meinung aus dem 13. Kapitel des Römerbriefes hinzu und es wird ihm schon klar werden, dass in dieser Sache kein Unterschied zwischen aktiv und passiv ist. Doch was nützt es? Wenn die Gelehrten nichts haben, womit sie die Wahrheit entstellen und verdunkeln können, so muss dieselbe durch fremde Sprachen, falsche Auslegung, Lügen und hochfliegende, philosophische Worte dem Unwissenden und Einfältigen verfälscht und verdreht werden. O wie treffend und wahr ist der Verweis, welchen Jesus den Schriftgelehrten gab, indem er sagte:

»Wehe euch Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr kommt nicht hinein, und die hinein wollen, lasst ihr nicht hinein gehen.« (Mt 23,13)

Sechstens lehrt uns der heilige Paulus:

»Denn wir sind, durch einen Geist, alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind alle zu einem Geiste getränkt.« (1Kor 12,13)

Mit diesen Worten Pauli wird die christliche Taufe der Gläubigen noch einmal ganz klar gelehrt und bekräftigt; hingegen die antichristliche Taufe der kleinen, unverständigen Kinder verworfen. Weil nun Gott, der barmherzige Vater, überall, durch seinen lieben Sohn, Jesum Christum, in seinem heiligen Evangelium uns nur auf den Glauben und die neue Geburt hinweist und weil allein die Gläubigen oder Wiedergeborenen recht und wohl vor Gott handeln und eifrig seinen heiligen Willen zu tun suchen, nach der Gnade, welche in ihnen ist, so behaupten wir fest, dass man auf keine andere Weise zu dieser gottseligen Gabe des Glaubens und der neuen Geburt geführt werden kann, als durch Gottes Wort und seinen heiligen Geist. Umsonst, fürwahr, ist alles äußerliche Schreiben, Lesen, Rufen und Lehren, wenn nicht Gottes heiliger Geist, dieser wahre Lehrmeister aller Gerechtigkeit, die Herzen der Jünger oder der Zuhörer durch das einzige von Gott zu diesem Zwecke gegebene und zubereitete Mittel, nämlich durch sein Wort, rührt, durchschneidet und bekehrt.

Da wir denn durch einen Geist zu einem Leibe getauft sind, nach der Lehre Pauli, und derselbige Geist dazu die Herzen zuerst durch Gottes Wort umwandeln und bewegen muss, so folgt gewiss ohne Widerspruch, dass sie niemals gottselig bekehrt und bewegt worden sind.

Alle denn, welche das allerheiligste Evangelium Jesu Christi hören, mit dem Herzen an dasselbe glauben und innerlich von dem heiligen Geiste erweckt, gezogen und gerührt werden, aus was immer für Nationen, Zungen und Namen sie auch sein mögen, seien es Friesen oder Holländer, Deutsche oder Welsche, Juden oder Heiden, Männer oder Weiber – alle werden miteinander durch diesen bewegenden Geist zu einem heiligen geistlichen Leibe getauft, welches Haupt Christus Jesus ist, nämlich der Gemeinde (Kol 1,18). Und so hat Paulus in dieser Stelle gelehrt, in Übereinstimmung mit dem BefehleChristi (Mk 16,16).

Da denn, meine lieben Leser, diejenigen getauft werden sollen, welche durch den Glauben erweckt und durch den heiligen Geist gedrungen werden, so will ich euch wiederum zu bedenken geben, wer diejenigen sind, welche von diesem Geiste getrieben und geleitet werden, ob es die Gläubigen oder die unwissenden Kinder sind? Sagt ihr: Die Gläubigen, so antwortet ihr wohl. Denn die Gläubigen sterben ihrem Fleische und Geblüte, den Lüsten und Begierden; sie ziehen aus den alten Menschen mit allen seinen Werken (Kol 3,5; Eph 4,22); sie suchen Christum Jesum mit reinem Herzen; sie bringen hervor die lieblichen Früchte des Geistes, welcher in ihnen ist und beweisen von innen und außen, in ihrem ganzen Wandel und Leben, dass sie durch diesen heiligen Geist gelehrt, geführt und getrieben werden (Gal 5,18; Röm 8,14). Sagt ihr hingegen: Die kleinen Kinder, so frage ich euch: Wo sind denn ihre geistlichen Früchte, da doch an Kindern nichts anderes als kindische Dinge wahrgenommen werden, wie wir oben gesagt haben? Dennoch müssen sie getauft werden und Christen heißen, ohne Lehre, ohne Glauben, ohne Befehl. Hieraus folgt, dass in allen Getauften dieser Welt nichts gefunden wird als gräuliche Blindheit, Abgötterei, Scheinheiligkeit, böse Gedanken, unnütze Worte, Raserei wider die Wahrheit, Ungehorsam, Gotteslästerung, Gauklerei und ein schrecklich fleischliches Leben gegen Gott und sein heiliges, gebenedeites Wort.

Ich weiß wohl, liebe Brüder, dass die kleinen Kinder den lebendigen Odem haben, nämlich den Geist, durch welchen sie leben, welchen Gott dem Adam und allem Fleisch einblies, auf dass sie leben sollten (1Mo 2,7). Aber den Geist, welcher gerecht macht oder erneuert, haben sie nicht. Denn wäre dieser in ihnen, so würde er sich sicherlich durch seine Früchte offenbaren, indem es doch unmöglich ist, dass der heilige Geist Gottes, welcher selbst kräftig, lebendig und fruchtbar ist und durch welchen alle wahren Christen gerechtfertigt, gelehrt, geführt und getrieben werden, jemals in denen, in welchen er wohnt, träge, schläfrig oder ohne seine Früchte sein kann.

Lasst die Kindertäufer diesem allem widersprechen, wenn es ihnen gefällt, sie seien noch so alt, so gelehrt und so berühmt, es wird dennoch niemals mit Gottes Wort bewiesen werden, dass der heilige Geist Gottes je träge, unnütz oder ohne Früchte sein kann. Ich weiß wohl, dass jemand, wenn er auch Gottes Geist hat, dennoch fallen und straucheln kann, wie z. B. der Hochmut, Ehebruch und Totschlag Davids, die Heuchelei Petri, der Streit zwischen Paulus und Barnabas beweisen; aber in solchen wird dies niemals lange dauern, sondern sie werden sofort, entweder von außen durch die liebliche Ermahnung der Brüder oder innerlich durch den Geist zur Besserung bewogen und geführt; denn es ist unmöglich, dass solche, in denen der Geist der Liebe und Gottesfurcht wohnt, sich irgendeiner schändlichen Bosheit oder Übertretung für eine lange Zeit ergeben. Haben nun die getauften Kinder den heiligen Geist, wie die Kindertäufer behaupten, so muss man gewiss zugeben, dass es ein toter, unfruchtbarer und kraftloser Geist ist, welcher weder Glauben noch Liebe, noch Gottesfurcht, noch Gehorsam, noch irgendwelche evangelische und göttliche Gerechtigkeit in diesen Kindern zu gebären vermag.

Weil sie denn nach eignem Gutdünken und aus eigner Gerechtigkeit, gegen alle Schriftwahrheit, die Taufe der kleinen, unverständigen Kinder gelehrt und verfochten haben, so suchen sie dies mit einer falschen Auslegung des göttlichen Wortes zu beschönigen, auf dass der hurerische und zauberische Wein im goldenen Becher des babylonischen Weibes (Offb 17,4) als ein guter und angenehmer Trank mit großer Begierde getrunken werden möge. Deshalb sagen sie, dass man die kleinen, unverständigen Kinder darum taufen soll, auf dass sie in Gottes Wort und seinen Geboten auferzogen werden mögen; und weil sie dadurch von ihrer Erbsünde gewaschen, in den Tod Christi begraben und wiedergeboren werden und Christum Jesum anziehen. Ja, sie behaupten, dass dieselben durch diese Taufe dem Leibe Christi einverleibt und so des heiligen Geistes teilhaftig werden. Eine solche Lehre ist aber fürwahr nichts anderes als offenbare Verführung, Lügen, Schriftverdrehung und satanischer Betrug. Denn überall beweisen in den Getauften dieser Welt ihre Früchte das gerade Gegenteil bis ans Ende ihres Lebens, wie ein jeder verständige Christ mit eignen Auge sehen kann.

Teuerste Brüder in dem Herrn! Gebt doch niemals solchen schändlichen und gräulichen Lügen Raum in euren Herzen, sondern prüft alle Dinge nicht anders als mit Gottes Wort, auf dass ihr alle evangelische Wahrheit gründlich erkennen mögt. Denn die Taufe der kleinen, unmündigen, unverständigen Kinder mit solchen herrlichen Schriftstellen und hohen Tugenden zu schmücken, welches bloß der Taufe der Gläubigen und nicht der Kindertaufe zukommt, wie wir oben bewiesen haben, ist ebenso vernünftiggehandelt, als einen Affen in Seide oder Purpur zu kleiden, wie das Sprichwort der Gelehrten es hat, nämlich: Simia semper manet simia, etiamsi induatur purpurio, das heißt: Ein Affe bleibt ein Affe und wenn er auch in Purpur gekleidet wird. Also wird auch die Kindertaufe ein abscheulicher Gestank und ein Gräuel vor Gott bleiben, wie herrlich sie auch von den Gelehrten mit gebrochenen Schriftstellen aufgeschmückt werde. Ein kleines, unmündiges, unverständiges Kind wird, solange es ein Kind ist, unwissend, einfältig, kindisch gesinnt bleiben und wenn es auch sechshundertmal getauft und die Gültigkeit solcher Taufe mit sechshundert verdrehten Schriftstellen noch schlauer bewiesen würde. Denn es liegt allen Vernünftigen vor Augen, dass in solchen Kindern weder Lehre, noch Glauben, noch Geist, noch Früchte, noch Gottes Befehl gefunden werden, so dass in Ewigkeit keine äußerliche Taufe stattfinden kann; das ist, wenn wir glauben, dass Gottes Wort wahrhaftig ist und wahrhaftig bleiben wird, wie wir dies schon in unsern ersten Schriften über die Taufe und auch in dieser gegenwärtigen überflüssig bewiesen haben.

Ach, ihr guten Leser! Wäre der bittere, ätzende Kalksspeichel der falschen Lehre und des langen Gebrauchs nicht so sehr in die Augen eurer Gewissen gespritzt, ihr würdet gewiss leicht einsehen, dass die Glieder dieser großen Gemeinde alle miteinander in ihren jungen Tagen durch das Amt eines unreinen und antichristlichen Geistes nicht in den reinen, keuschen, gottdienenden und unsträflichen Leib Christi, sondern vielmehr in den hurerischen, abgöttischen und in jeder Hinsicht sträflichen Leib des Antichristen eingefügt und getauft worden sind.

Denn wäre es der Fall, dass sie in den allerheiligsten Leib Christi fruchtbar eingetauft wären, wie sie so vermessen rühmen, so müssten sie sicherlich durch ihre Werke beweisen, dass sie nützliche, dienliche und fruchtbare Glieder des Leibes, dem sie eingetauft wurden, sind. Denn es liegt vor unseren Augen, dass kein Glied am menschlichen Leibe umsonst geschaffen ist. Wie klein und unansehnlich dasselbe auch sein mag, so ist es doch in seiner Art und Bestimmung dem ganzen Leibe, dem es eingefügt und angepasst ist, nützlich. Wie nützlich aber die Erwähnten dem getauften Leibe Jesu Christi sind, wird von denjenigen, die vom Geiste gelehrt sind, wohl gemerkt.

Aus diesem folgt gewiss unwidersprechlich, dass wenn jene der Leib Christi sind, wie sie sich rühmen, und Christus das Haupt seines Leibes oder seiner Gemeinde ist, er ein Haupt der Ungläubigen, Geizigen, Meineidigen, Spieler, Trunkenbolde, Hurenjäger, Ehebrecher, Sodomiten, Diebe, Mörder, Götzendiener, Ungehorsamen, Blutdürstigen, Verräter, Tyrannen, Hochmütigen, ja, aller Spitzbuben, Huren und Buben sein muss. Denn wer ist da in der ganzen Gemeinde derer, welche in ihrer Kindheit getauft worden sind, der aufrichtig und unsträflich wandelt in allen Geboten unseres lieben Herrn Jesu Christi und nicht in einem oder in vielen der erwähnten Punkte oder in andern innerlich oder äußerlich vor Gott schuldig befunden wird? Aber nein, guter Leser, nein. Der allerheiligste und herrliche Leib Christi ist von diesem grausamen, gottlosen, widerspenstigen, ungehorsamen, fleischlichen, blutigen und abgöttischen Leibe unendlich verschieden.

Urteilt darum recht in euren eigenen Herzen, meine liebsten Brüder, nach diesen und andern Schriftgründen, was für ein Leib jene, die doch so offenbare Übertreter, Gottesverächter und mutwillige Sünder sind, sein müssen; durch wessen Lehre, Befehl und Gebrauch, ja, durch welchen Geist sie in diesen gräulichen Leib eingefügt und eingetauft worden sind und noch täglich eingetauft werden – zu einem Leibe, welcher weder evangelische Lehre, noch Glauben, noch christliche Taufe, noch christliches Abendmahl, noch christliches Leben hat und folglich auch in Ewigkeit weder Gott, noch Gebot, noch Verheißung, noch ewiges Leben, sondern überall falsche Lehre, falschen Glauben, falsche Sakramente, falsche Verheißungen, ungöttliches Leben und ewigen Tod hat. O Herr! Du wolltest doch alle deine lieben Kinder vor diesem gräulichen und blutigen Leibe behüten!

Im Leibe Christi hingegen ist dem Worte Gottes zufolge ein rechtes und ordentliches Wesen, nämlich rechte Lehre, rechter Glaube, rechte Taufe, rechtes Abendmahl, rechte Liebe, rechtes Leben, rechter Gottesdienst, rechter Bann und darum auch Gnade, Gunst, Barmherzigkeit, Vergebung der Sünden, Gebet, Gottes Verheißung und das ewige Leben. Seht, meine Brüder, wo diese gefunden werden, da ist der rechte Leib Jesu Christi, dessen Haupt Christus Jesus ist (Eph 4,15). Das sind die rechten Brüder Jesu Christi, welche mit ihm von oben aus dem Vater geboren sind (Joh 1; Hebr 2); der geistliche Berg Zion, welcher in Ewigkeit nicht bewegt wird; das geistliche Haus Israel, welches durch Christum Jesum, unsern einzigen König, nach dem Geist, mit dem unverkürzten Zepter seines göttlichen Wortes in großer Weisheit regiert wird; das geistliche Jerusalem, in welches der große König Christus Jesus den herrlichen, königlichen Stuhl seiner Ehre gesetzt hat; der geistliche Tempel des Herrn, in welchem sein heiliger Name von ganzem Herzen gepriesen und geopfert wird; die geistliche Bundeslade mit dem himmlischen Brote, der grünenden Rute und den steinernen Tafeln, über welchen der Gnadenstuhl Jesu Christi, des Gebenedeiten, unter den zwei, ihre Flügel ausbreitenden Cherubim seiner Testamente, nach seiner Verheißung gefunden wird, ja, die liebe Braut Jesu Christi, Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Gebein (Eph 5,30), welche er in seine Kammer geführt und mit dem Mund seines ewigen Friedens geküsst hat (Hl 1,4). Darum kann niemand ein nützliches Glied dieses allerheiligsten, herrlichsten und reinsten Leibes Christi sein, welcher nicht gläubig, wiedergeboren, bekehrt, verändert, erneuert, liebevoll, milde, langmütig, gehorsam, barmherzig, keusch, nüchtern, demütig, duldsam, friedfertig, unsträflich, gerecht, standhaft in Christo Jesu, ja, mit ihm aufrichtig, himmlisch und geistlich gesinnt ist; denn es ist unmöglich, nach Laut der ganzen Schrift, dass Christus Jesus ein Haupt oder Fürst derjenigen sein will oder kann, welche ihm nicht gleichförmig sind, das ist solcher, die ihn nicht von ganzem Herzen suchen, hören, ihm glauben und dienen, sondern vielmehr ihn mit Füßen treten, lästern und von sich stoßen.

Diejenigen aber, welche Gottes Wort hören und an dasselbe glauben, werden durch den heiligen Geist, welcher sie gelehrt, gezogen und erleuchtet hat, auf ihren eigenen Glauben, in den Leib Christi eingetauft (1Kor 12,13), nach seinem Befehl in Mk 16,16, denn diese sind wiedergeboren aus Gottes Wort (1Pt 1,3), sie begraben ihre Sünden und erstehen mit Christo zu einem neuen Leben (Röm 6,5), sie haben ein gutes Gewissen (1Pt 3,21), sie empfangen Vergebung ihrer Sünden (Apg 2,38) und ziehen Christum Jesum an (Gal 3,27). Solche werden wahre Glieder des allerheiligsten Leibes Christi und zeigen sich fruchtbar, nützlich und dienstlich nach all ihrem Vermögen. Über solchen sind die liebenden Augen des Herrn, der himmlische Segen und das barmherzige Gemüt, die Vorsehung und Fürsorge des ewigen Vaters, weil sie von ganzem Herzen und Sinn von sich selbst ausgegangen sind und sich gehorsam in den Willen Gottes ergeben haben, um nach dem Willen desjenigen zu leben, welcher sie aus Gnaden berufen hat, nämlich Jesus Christus.

Weil denn die kleinen unverständigen Kinder nicht so gesinnt sind, lieber Leser, der heilige Geist Gottes in ihnen sein Werk nicht hat oder beweist und sie auch nicht im Leibe Christi nützlich sein können, welches sich gehört, was allen Verständigen in voller Klarheit vor Augen liegt, so darf man dieselben nicht mit Wasser taufen; denn ohne Gottes dringenden Geist sollte niemand getauft werden, wie wir den frommen Kindern Gottes mit vielen Gründen aus Gottes Wort klar bewiesen haben.

Ich schließe daher mit folgendem klaren Bescheide in Betreff der Taufe in dem Wasser. Da Christus Jesus, der wahre vom Vater gesandte Lehrer, uns befohlen hat, die Gläubigen zu taufen (Mk 16,16) und die lieben heiligen Apostel in den oben angeführten Schriftstellen über die Bedeutung der Taufe ausdrücklich gelehrt haben, das letztere niemandem zukommt, noch zukommen kann, als nur den Gläubigen; und da die Kindertaufe nicht eine solche Taufe ist, indem die Kinder den Glauben und seine Früchte – die rechte Bedeutung der Taufe – nicht haben, wie vor Augen liegt, so fühlen wir uns deshalb noch einmal durch die Not gedrungen, die christliche Taufe der Gläubigen mit des Herrn Wort eifrig zu lehren, dieselbe durch den Glauben und die Liebe Gottes zu empfangen und sie als Zeugen Jesu Christi vor Herren und Fürsten, ja, vor der ganzen Welt zur Ehre des Herrn, mit Leben und Tod zu verteidigen.