19.1  Vorrede

Menno Simons wünscht allen seinen Brüdern und Schwestern im Herrn Gnade und Frieden; einen ungebrochenen, reinen und festen Glauben; ungefärbte brüderliche Liebe; eine gewisse und lebendige Hoffnung; ein Gott wohlgefälliges, unsträfliches Wandeln, Bekenntnis und Leben, von Gott unserem himmlischen Vater, durch seinen lieben Sohn Christum Jesum, in der Kraft seines heiligen Geistes, Amen.

Wir wissen, werte Brüder und Schwestern in Christo Jesu, dass wir von der ganzen Welt, um des Zeugnisses Christi und unserer Gewissen willen, zu Wasser, Feuer und Schwert verurteilt sind und aller Welt Schauspiel, Auswurf und Fäulnis sein müssen. Wir wissen und bekennen auch, dass der wahre Friedefürst, der gesegnete Christus Jesus, uns durch das Wort seines Friedens in das Haus des Friedens aufgenommen und verlangt hat und den Seinigen ein herrliches Kennzeichen, an welchem man sie als seine Jünger erkennen soll, hinterlassen hat, nämlich die Liebe (Joh 15,12; Kol 3,14). Daher ist es gewiss christlich und billig, dass wir armen und verstoßenen Kreuzträger durch das vollkommene Band einer reinen Liebe miteinander verbunden sind und als Glieder eines Leibes aneinander hangen, denn wir sind zu einem Leibe getauft und zu einem Geiste getränkt (1Kor 12,13). Aber jetzt sehen wir mit unsern Augen, wie der Fürst der Finsternis, der von Anfang ein Mörder gewesen ist, diesen Frieden in Gottes Haus mit aller Gewalt zu zerstören, dieses Band zu zerreißen und das teure Evangelium unseres Herrn Jesu Christi, unser Kreuz und Bekenntnis und die ganze christliche Gemeinde bei vielen zu einem hässlichen Gestank und Gräuel zu machen und völlig zu vertilgen sucht.

Weil uns denn seine listigen Anschläge so wohl bekannt sind, ist es gewiss mehr als Zeit, in jeder Hinsicht aufzuwachen und Buße zu tun, in seiner christlichen Liebe jeder des andern Wohl zu suchen, dem Gefallenen aufzuhelfen, das Kranke nach all unseren Kräften mit dem Öle des göttlichen Wortes zu heilen und gesund zu machen; denn die christliche Liebe ist während der letzten vier Jahre durch viel schädliches Gezänk und Disputieren über die unerforschlichen Tiefen der Gottheit Christi und des heiligen Geistes, wie auch über Engel und Teufel, den Bann etc. bei vielen sehr schwach und matt geworden, wie dies immer zu gehen pflegt, wo solches Disputieren im Schwange geht. Der Herr rechne es denen, die es dem Banne zur Last gelegt haben, nicht zur Sünde an. Weil ich denn solches vor meinen Augen sehe und auch selbst von mehreren nicht wenig mit dieser Sache beschwert worden bin, solches Disputieren, Gezänke und Streiten aber von Natur aus stets gehasst habe, da ich in fünfzehn Jahren wohl erfahren habe, was für Nutzen es bringt und den Frieden und die Einigkeit, welche Gottes Wort gemäß sind, mehr als mein Leben liebe, so ist mein Herz dieser Sache halber sehr, ja, unbeschreiblich betrübt und bekümmert (ich hoffe, dass ich nicht lüge), so dass ich so gerne, wäre es auch mit meinem Blute, alle bekümmerten Gewissen heilen und in Gott zurecht bringen möchte; denn ich habe auf Erden nichts lieber und suche vor Gott nichts anderes als die Ehre meines Herrn Jesu Christi und die ewige Seligkeit meiner lieben Brüder. Darum habe ich mich beflissen und zwar mit großer Beschwernis für mein armes, krankes Fleisch und euch mein innerstes, aus Gottes untrüglichem Wort gründlich verfasstes Glaubensbekenntnis von dem ewigen, dreieinigen Gott, Vater, Sohn und heiligem Geist euch zum Dienste übersandt. Nach diesem Glaubensbekenntnis will ich mit gewissem, versicherten Gewissen vor meinem Gott leben, sterben und am jüngsten Tage, durch seine Gnade, vor ihm erscheinen. Ich hoffe auch, dass es ein Mittel sein möge den edlen, wünschenswerten Frieden und die Einigkeit in Christo vielen lieb und wert zu machen und der nun getrübten Liebe wieder zu ihrem alten Platz zu verhelfen. Brüder, man hat lange genug disputiert, lange genug gehadert, lange genug über einander geklagt und geseufzt. Ich denke, es ist jetzt wohl Zeit, allen Friedensstörern den Rücken zu kehren und den schriftmäßigen Frieden und die Einigkeit von ganzem Herzen zu suchen und denselben nachzujagen. Außer Christo aber wünsche ich keinen Frieden. Ich bitte und ersuche alle meine lieben Brüder und Schwestern in dem Herrn, bei allem, bei dem man bitten kann, dass ihr doch dieses mein ermahnendes Bekenntnis ohne jegliche Parteisucht, Bitterkeit und Frevelmut und mit gottesfürchtigem, reinen Herzen lesen, hören und verstehen wollt, gleichwie ich dasselbe mit reinem Herzen, als vor Gott in Jesu Christo, ohne jegliche Parteisucht, Bitterkeit und Frevelmut geschrieben habe. Ich zweifle nicht, dass, wenn ihr dieses tut (Brüder, ich meine die Streitsüchtigen und Bekümmerten), Unfriede, Hader und Zwietracht weit von des Herrn Friedensberg weichen, Friede, Liebe und Einigkeit hingegen wiederum ihren Einzug halten werden. Von Herzen wünsche ich, dass es so gelesen und zu Herzen genommen werden möge, dass der allmächtige, ewige Vater mit seinem gesegneten Sohn Christus Jesus und dem heiligen Geist in ihrem wahren, göttlichen Wesen unangetastet bleiben und die bekümmerten, trauernden und wankelmütigen Herzen, Rettung, Trost und Kraft finden mögen. Der liebe Vater schenke uns seine Gnade, Amen.