13.9  Der Gelehrten Bekenntnis von Christus

Dass das ewige Wort, die zweite Person in der Gottheit, Gottes ewiger Sohn ist, unsere menschliche Natur von unserem Fleische angenommen habe, ja, dass der ganze Mensch Christus, der für uns aufgeopfert und gestorben ist, des Weibes, Abrahams und Davids natürlicher Samen sei; des Weibes Samen – sagen sie – nach Gottes Verordnung in 1Mo 1. Mit diesem Weibessamen, nämlich, der Maria Fleisch und Blut, habe die erwähnte, göttliche Person, das ewige Wort, der ewige Sohn sich vereinigt und sei so eine Person und Christus geworden; oder dass der ganze Mensch Christus Jesus mit Leib und Seele die natürliche Frucht von der Maria Fleisch und Blut gewesen sei, worin das ewige Wort gewohnt habe und dass der Mensch Jesus Christus gestorben, das Wort in seiner Gestalt aber ganz und gar unverletzt geblieben sei.

Antwort: Es scheint mir mehr als ein Wunder zu sein, dass die Gelehrten niemals aufhören uns fortwährend mit ihren unmanierlichen Scheltworten zu lästern und uns bei den Blutdürstigen mehr und mehr in Jammer und Not zu bringen, obschon wir den ewig festen Grund der heiligen Apostel und Propheten, ja, auch Christi eigene gebenedeiten Worte und Zeugnisse mit unwidersprechlicher Kraft und Klarheit auf unserer Seite haben, während sie weder von Schrift noch von Natur ein rechtes Verständnis besitzen, wie man sehen wird. Denn dass alle diese folgenden, unleidlichen Widersprüche und schrecklichen Irrtümer aus ihrem Bekenntnis folgen, ist klarer als der helle Tag.

Erstens: Ein geflickter oder geteilter Christus, von welchem die eine Hälfte himmlisch und die andere irdisch gewesen sein muss, wie auch einige ohne Scham zu sagen wagen, die Persönlichkeit Christus sei aus zwei Hauptteilen, nämlich Gott und Mensch, bestanden.

Zweitens: Ein unreiner und sündiger Christus; denn die Verteidigung sagt: Christus ist keines anderen Fleisches teilhaftig geworden, als dessen der Sünde, auf dass er versucht werde und dem Tode unterworfen sei. An einer andern Stelle wirdvon Christus gesagt: War Christus heilig, warum wurde er denn um der Sünde willen in des Vaters Gericht verurteilt? Dieses gleicht jener Aussage des Gellius aufs Haar, dass Gottes Gerechtigkeit uns ohne Lösegeld nicht ungestraft lassen könnte.

Wie könnte man, meine lieben Leser, auf eine abscheulichere und lästerlichere Weise von der allerheiligsten Menschheit Christi, ja, von dem Sohne des allmächtigen und ewigen Gottes reden, als sie hier getan haben? Wäre Christi Fleisch von unserem sündigen und todesschuldigen Fleische gewesen, und er so von seinem eigenen Fleische versucht worden, so müsste die Sünde, von welcher er versucht wurde, in seinem Fleische gewohnt haben und er würde nicht aus Gnaden, sondern weil er es schuldig war, gestorben sein. Dies ist zu klar, um geleugnet werden zu können. Es kann auch nicht anders sein, wenn man lehrt, dass sein Fleisch von Adams sündigem und todesschuldigem Fleische war.

Wiederum: Ist sein heiliges und teures Fleisch solch ein Lösegeld gewesen, wie Gellius lästert, wie konnte denn der Gerechtigkeit Gottes dadurch nach Gottes heiligem Willen Genüge geleistet werden? Ob dies nicht mit Recht heiße, uns einen unreinen und sündigen Christus predigen und uns unseres heiligsten Heilandes und Messias berauben – welches sie uns gerne aufbürden möchten – will ich allen verständigen und redlichen Leuten nach der Schrift zur Beurteilung überlassen.

Drittens: Zwei Personen in Christo, nämlich, die eine die zweite Person in der Gottheit und die andere der Mensch von dem Fleische der Maria, in welcher menschlichen Person die göttliche Person gewohnt hat.

Dieser Irrtum wird nicht allein von uns, sondern auch von Luther nachdrücklich bekämpft; denn er sagt: »Hütet euch! Hütet euch vor der Allöosis; sie ist des Teufels Maske und schafft am Ende solch einen Christus, nach welchem ich nicht gerne ein Christ sein möchte, nämlich, einen Christus, der fernerhin nicht mehr ist und mit seinem Leben und Leiden nicht mehr ausrichtet, als irgendein anderer, gewöhnlicher Heiliger. Wenn ich daher glaube, dass er nur in seiner menschlichen Natur für mich gelitten hat, so ist dieser Christus ein schlechter Heiland für mich und braucht wohl selber einen Heiland.«

Kurz, es ist nicht auszusprechen, was der Teufel mit dieser Allöosis im Sinne hat. Wir sagen, Gott ist Mensch und Mensch ist Gott. Wir rufen über sie, dass sie die Person Christi zerteilen, als wären es zwei Personen.

Wenn die Allöosis daher bestehen soll, wie Zwingli es haben will, so muss Christus zwei Personen sein, eine göttliche und eine menschliche. Dies behauptet er. Seht, meine Leser, was für einen Christus sie uns lehren und vortragen!

Viertens: Zwei Söhne in Christo, von welchen der erste Gottes Sohn ohne Mutter und der zweite Marias Sohn ohne Vater gewesen sein muss; in welchen Sohn der Maria Gottes Sohn, wie sie sagen, sich einverleibt und mit welchem er sich zu einer Person vereinigt hat. Hört doch, was für wunderbare Sachen sie vorbringen!

Fünftens: In solchem Falle würde Christus Jesus auch nicht Gottes erst- und eingeborner, sondern dritter Sohn in der Ordnung gewesen sein, der nicht von Gott geboren, sondern von ihm geschaffen gewesen wäre. Er würde demnach, wie Pomer sagt, von Gott zum Sohne angenommen worden sein, welches auch die Ketzerei der Bonosianer oder Monosoliten ist. Er würde, sage ich, der Dritte in der Ordnung sein; denn der Erste ist das Wort, der Zweite der erste Adam (Lk 3,38) und der Dritte würde der vom Fleisch der Maria geborene Mensch sein, da dieser von Gott zum Sohn angenommen sein soll, wie gehört worden ist.

Sechstens: So sind wir alsdann nicht durch Gottes ein- und erstgebornen Sohn, sondern durch den aus Adams sündigem und unreinem Fleische geschaffenen Sohn der Maria erlöst; welches auch der Verteidiger und seine Nachfolger öffentlich wider alle Schrift zu bekennen wagen, indem sie sagen, dass die in Adams Lenden enthaltene Natur, welche die Sünde eingeführt, auch nach Gottes Gerechtigkeit dieselbe wiederum wegnehmen und für dieselbe genugtun habe müssen.

Siebtens: Wenn wir, wie jene behaupten, durch Adams Fleisch erlöst wurden, so geziemt es uns, dass wir nicht bloß dem Vater durch sein Wort, sondern auch dem Fleische Adams, worin die Erlösung geschehen, dafür danken. Dies wird jeder Verständige zugeben.

Achtens: Wenn der Mensch Christus eine aus Adams Fleisch geschaffene Kreatur wäre und wir durch diese Kreatur erlöst wurden, wie die Gelehrten behaupten, so muss, da Gott durch den Propheten spricht, dass er seine Ehre keinem andern geben wird und es doch offenbar ist, dass wir unsern Erlöser Christus nicht weniger ehren als den Vater (Joh 5,23), eins von beiden daraus folgen: Entweder dass Gott nicht recht durch seinen Propheten gesprochen hat oder dass sie alle Götzendiener gewesen sind, weil sie einer aus Adams Fleisch geschaffenen Kreatur göttliche Ehre und Dienst erweisen, welches in der Schrift so strenge verboten und von Gott so oft gestraft worden ist. Seht, meine Leser, solch ein ungereimter, unreiner und zusammengeflickter Christus ist es, welchen die Gelehrten euch leider in ihren vielen philosophischen Reden und verdrehten Schriften lehren und vortragen – ein Christus, der aus zwei Personen und aus zwei Söhnen besteht, von welchen die eine Person und Sohn in der anderen gewohnt und wiederum die eine Person und Sohn gelitten und die andere nicht gelitten hat. Und der eine, der gelitten hat, soll nicht Gottes, sondern der Sohn der Maria gewesen sein. Dies, denke ich, kann man wohl mit Recht heißen, den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen und einen fremden Christus predigen, den die Schrift niemals gekannt hat.

Ach, mein Leser, meine lieben Leser, wie jämmerlich hat uns doch die List der alten Schlange, durch der Gelehrten Vernünfteln, dieses edlen, hohen und teuren Heilandes beraubt und uns auf eine unreine, sündige, irdische, fleischliche Kreatur hingewiesen, obwohl der heilige Geist so offenbar bezeugt, dass Gottes Wort Fleisch geworden ist (Joh 1); dass jenes Mensch gewordene Wort unser Immanuel (Mt 1,23) und unser Gott ist, der Herr, der uns gerecht macht (Jer 23,6); der Erstgeborene und der Eingeborene (Hebr 1,6; Joh 1); Gottes eigener Sohn (Röm 8), der vom Himmel hernieder gekommen ist (Joh 3,13); das lebendige Brot von oben, welches nicht seine unsichtbare Gottheit, wie die Gelehrten sagen, sondern sein sichtbares Fleisch war, wie er selbst sagt (Joh 6,51); von dem Vater ausgegangen (Joh 16,30); der Erste und der Letzte (Offb 1,11); der, als er in seiner göttlichen Gestalt war, sich erniedrigte und nicht eines gewaltigen Kaisers oder Königs, sondern die Gestalt eines armen Knechtes annahm, uns Menschen gleich wurde, an Gebärden als ein Mensch erfunden wurde, seinem Vater gehorsam war bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz (Phil 2,6–8); wahrer Gott und Mensch, Mensch und Gott, Gott von Gott vor allen Zeiten und in Gott Gottes ewiges Wort; der in der Fülle der Zeit, nach der den Vätern gegebenen Verheißung, in der reinen Jungfrau Maria, die aus Abrahams leiblichem und natürlichem Samen und mit einem Manne aus dem Geschlechte Davids, Joseph genannt, auf welchen die Evangelisten das Geschlechtsregister herableiten, verlobt war, ein dem Elend und Leiden unterworfener und sterblicher Mensch geworden ist; nicht zusammengesetzt noch geteilt, wie die Gelehrten sagen, sondern eine einzige Person und Sohn Gottes; rein und unbefleckt, seines Vaters Samen und Wort (Lk 1); durch Gottes heiligen Geist in Maria gepflanzt und durch den Glauben von ihr empfangen; in ihrem jungfräulichen Leibe genährt und als die Zeit erfüllt war (Gal 4,4), wie Isaak von Sarah und Johannes von Elisabeth, nach der Verheißung von ihr geboren wurde; dem Gesetz gehorsam, das Licht der Welt, ein Prediger der Gnade, ein Vorbild der Gerechtigkeit; und der zuletzt, nicht für eigene, denn er kannte keine, sondern für unsere Sünden unschuldig zum Tode verurteilt, ans Kreuz geschlagen, gestorben, begraben worden, wiederum auferstanden und gen Himmel zu seinem Vater gefahren ist, von wo er gekommen war; wo er unser einziger und ewiger Mittler, Fürbitter, Sühnopfer und Hohepriester bei Gott seinem Vater geworden ist (1Tim 2,5; 1Joh 2,2; Röm 8; Hebr 7). Und so behält der allmächtige und ewige Gott, unser barmherziger, himmlischer Vater, nur durch diesen seinen Christum, unsern ewigen Heiland, seinen ein- und erstgebornen Sohn und ewiges Wort, unsern Herrn, das Lob und die Ehre in Ewigkeit und nicht durch Adams unreines und sündiges Fleisch, wie die Gelehrten vorgeben.

Jetzt urteilt, meine Leser, welches von diesen beiden Bekenntnissen wohl die meiste Kraft und den besten Grund in der Schrift hat und in welchem Gottes höchste Liebe und Christi größte Ehre gefunden wird: Das, welches sagt, dass Gott einen Menschen aus Adams Samen oder Fleisch angenommen hat, wie die Gelehrten sagen oder das, welches sagt, dass er sein ewiges Wort, Kraft, Weisheit, ja, menschlicher Weise gesprochen, das Herz aus seinem Leibe für uns in den Tod gegeben hat, wie die ganze Schrift uns lehrt.

O welch teures Wort:

»Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab.« (Joh 3,16)

So auch:

»Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt.« (1Joh 4,9)

Johannes schreibt:

»Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt hat seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden.« (1Joh 4,10)

Merkt hier, dass er seinen Sohn und nicht einen Menschen von Adams Fleisch, der keinen Vater hatte, gesandt hat.

»Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont …« (Röm 8,32)

, und solcher deutlichen Aussprüche gibt es noch mehr.

— Hier folgt in der Originalausgabe eine Verhandlung über die Empfängnis Christi in der Jungfrau Maria, welche die Herausgeber auszulassen sich veranlasst gefühlt haben.

Siebtens beschuldigt er uns und sagt: »Ihre Kirche stammt, zweitens, auch nicht aus Abrahams Zeiten her und kann deshalb die wahre Kirche nicht sein. Dieses wird dadurch bewiesen, dass sie den Kindlein der Kirche die Versieglung des ewigen Bundes, welche von Abrahams Zeiten an in der Kirche eingeführt und gebraucht worden ist, wider Gottes Willen verweigern.«

Antwort: Abraham erhielt von Gott den Befehl, dass er sein Vaterland, seine Freundschaft und seines Vaters Haus verlassen und in ein Land ziehen sollte, welches der Herr ihm zeigen würde. Und Abraham glaubte Gott und zog aus, wie der Herr ihm befohlen hatte (1Mo 12,4–6).

Noch einmal erhielt er einen Befehl von dem Herrn, nämlich, dass er seinen eingebornen Sohn, der aus der Freien geboren war und den er lieb hatte, ihm zu einem Brandopfer heiligen sollte. Abraham glaubte Gott und war gehorsam und bereit, zu tun was er ihm befohlen hatte (1Mo 22,10).

Auch wurde ihm befohlen, dass er sich selbst, seinen Sohn Ismael (Isaak war noch nicht geboren), alles Männliche unter seinem Gesinde und auch alle achttägigen Knäblein nach ihm beschneiden sollte. Abraham glaubte Gott und tat, was der Herr ihm befohlen hatte (1Mo 17).

Seht, so hat Abraham seinem Gott geglaubt, sage ich, und es ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden (1Mo 15,6; Röm 4,3; Gal 3,6; Jak 2,23). Auf dieselbe Weise hat Gott auch zu uns im neuen Testament, nicht bloß durch Engel und Propheten, wie es mit Abraham und den Vätern geschah, sondern auch durch seinen eigenen Sohn gesprochen. Dieser Sohn hat befohlen, dass man das Evangelium allen Völkern (Mk 16,15), Heiden, sowohl als Juden, predigen und diejenigen, welche an dasselbe glauben, taufen solle, gleich wie Abraham den Befehl erhielt, dass er alles, was männlich wäre, beschneiden sollte.

Diesen Befehl haben wir aus Christi eigenem Munde empfangen und glauben darum, gleichwie Abraham zu seiner Zeit geglaubt hat. Wir glauben es, sage ich, und wir tun es; wir lehren die Verständigen und taufen die Gläubigen; nicht aus Ungehorsam wie Gellius uns lästert, sondern aus Gehorsam, da Christus, Gottes eigner Sohn, uns solches in unverkennbaren Worten befohlen hat.

Merkt, werte Leser, dass der Herr Christus seinem Vater dankte, indem er sprach:

»Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, dass du allein wahrer Gott bist und den du gesandt hast, Jesum Christum erkennen.« (Joh 17,3)

An einer andern Stelle sagt er:

»So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger.« (Joh 8,31)

Merkt hier, dass er sagt, so ihr bleiben werdet an meiner Rede. Und nun da der liebe, barmherzige Vater in seiner großen Güte uns diese herrliche Erkenntnis und tiefe, wundervolle Verborgenheit seines lieben Sohnes geoffenbart und uns dazu durch seinen Geist solch eine Frucht geschenkt hat, dass wir mit Wissen und Willen auch nicht ein Haarbreit von seinem heiligen Worte, Verordnung und Befehl abweichen dürfen, wie unser schwerer Jammer, Elend, unsere Trübsale und unser Gut und Blut an vielen Orten vor der ganzen Welt bezeugen und kundtun, so können wir dennoch, nach Gellius und der Gelehrten Urteil, leider weder eine gläubige Kirche noch wahre Jünger Christi sein, wie ihr sehen könnt.

Seht, so ist das gerechte Urteil des allmächtigen und großen Gottes über die Weisen und Schriftgelehrten dieser Welt gekommen, dass sie die deutlichen Zeichen, an welchen man Christi wahre Jünger und Kirche kennen wird und kennen muss, für solch einen Gräuel und Irrtum halten, dass diejenigen, welche diese Zeichen aus Gnade von Oben empfangen haben, von ihnen nicht als Christen anerkannt werden, wie gesagt worden ist.

Achtens beschuldigt er uns und sagt: »Sie müssen eingestehen, dass ihre Kirche bloß sechzehn oder siebzehn Jahre alt ist; sie hat nämlich angefangen, als Menno Simons anfing zu predigen; denn zu den Münsterischen, Amsterdamischen und Altklosterischen, unter welchen Menno Simons einen Bruder verloren hat, wollen sie ganz und gar nicht gezählt werden, damit sie nicht Aufrührer oder Aufrührersamen gescholten werden.«

Antwort: Wir weisen auf Christum Jesum, unseren einzigen und ewigen Propheten (5Mo 18,15; Apg 7,37) und Heiland, vom Vater gesandt, welcher der einzige und wahre Eckstein in Zion (Jes 28,16; 1Pt 2,7), der wahre Lehrer, Gesetzgeber, Gebieter, Fürbitter und das Haupt seiner Gemeinde ist, mit allen seinen Engeln, Aposteln und Propheten, durch welche er vormals gesprochen und auf seinen Geist, Wort, Ordnung, Gebot, Verbot, Gebrauch und Vorbild. Kann uns Gellius oder jemand anders auf der ganzen Welt, er sei gelehrt oder ungelehrt, mit göttlicher Wahrheit überzeugen, dass wir etwas wider sein Wort und Verordnung lehren oder aufrechthalten, so begehre ich meinesteils aus dem Innersten meiner Seele, vom Unrechte abzustehen und dem, was recht ist, nachzukommen; denn ich möchte gerne selig werden. Dies ist ihm bekannt, der mich erkauft hat. Können sie dies aber nicht mit der Wahrheit tun, sondern sind sie bloß imstande unter dem Schein der Wahrheit die Wahrheit aus feindlichem Herzen zu lästern und zu schelten, wie alle Verkehrten tun, und müssen sie uns das Zeugnis, das wir besitzen, ungeschwächt behalten lassen, so beweist dies hinreichend, dass unsere so sehr gehasste, verachtete und kleine Kirche die wahre prophetische, apostolische und christliche Kirche ist, welche mit den ersten Gerechten, die nach Gottes Willen wandelten, begonnen hat und nicht erst mit mir, wie Gellius aus unlautern Beweggründen leider erdichtet und vorgibt.

Zweitens sage ich: Da er uns die Irrtümer und Aufstände der Münsterischen einmal um das andere vorwirft, an denen wir vor Gott und Menschen unschuldig sind und auch noch immer gewesen sind, so möchte ich ihn ernstlich bitten, dass er doch einmal seine kindertäuferische Gemeinde, deren Haupt und Lehrer er ist, recht betrachte, welche schrecklichen Aufstände sie sich schon seit vielen Jahren untereinander zu Schulden haben kommen lassen; wie sie durch ihre verfluchten, gottlosen Kriege Länder und Leute ins Elend gebracht, der Menschen Blut vergossen und ihre Seelen zu Tausenden dem Höllenfürst zugeschickt und ihn auf seinem Altar zum Opfer gebracht haben, an welchem leider die Gelehrten mit ihren aufrührerischen Schriften, die Pfaffen, Mönche und Prediger die Hauptursache sind, wie dies vielen redlichen Leuten klarer als der helle Tag ist.

Drittens sage ich, dass er mir das Vergehen meines armen Bruders, welcher jetzt nicht mehr der Menschen Strafe, die er einmal im Fleische gelitten hat, sondern seines Gottes Urteil allein vorbehalten ist, hier auf so rohe Weise vorwirft, gerade als ob er des großen Neides und der Bitterkeit seines Gemütes nicht mehr Herr wäre; womit er jedoch niemand im Geringsten bessern oder zur Gerechtigkeit anleiten kann, geschieht, wie mich dünkt, vielleicht aus einer der beiden folgenden Ursachen: Entweder will er mich dadurch bei dem Leser verdächtigen, als ob ich einst mit meinem Bruder den gleichen Ansichten gehuldigt habe oder er will einen Flecken auf meinen Ruf bringen.

Hat er es aus der ersten Ursache getan, nämlich um mich zu verdächtigen, so sind alle, die mich früher im Papsttum und auch später bis auf diese Stunde gehört haben, samt meinen öffentlichen Schriften meine Zeugen, dass er mich mit Unrecht beargwöhnt und verdächtigt, da ich solches niemals gedacht, noch viel weniger gelehrt habe.

Hat er es aber aus der anderen Ursache getan, nämlich um einen Flecken auf meinen guten Namen zu werfen, so möge er wissen, dass weder ich und die Meinigen ihm und den Seinigen unser Lebtag je ein Haar gekrümmt haben und dass auch mein armer Bruder, den er mir so feindselig zu einem Gegenstand des Vorwurfs macht, nicht mehr gefehlt hat, als dass er seinen Glauben irrtümlicherweise mit der Faust verteidigen und der Gewalt mit Gewalt begegnen wollte, gleichwie alle Gelehrten, Prediger, Pfaffen, Mönche und die ganze Welt zu tun pflegen. Dass er mir dies auf so boshafte Weise vorwirft habe ich mir wahrscheinlich mit meiner treuen Liebe und Gottes Wort zugezogen, da ich ihm und allen Predigern die gottselige, reine Wahrheit aus wohlmeinendem Herzen vorgetragen und fleißig zum Beten ermahnt habe. Wie daher diese bittere Rede, die nimmermehr aus einem guten Herzen kommen kann, beides, mit Ehrenhaftigkeit und Gottesfurcht vereinbar sei, mögen alle redlichen und wohlgesinnten Leute nach der Schrift und Anstand beurteilen. Der liebe Herr gebe, dass er sein unreines, fleischliches Herz, aus welchem diese unverdiente, schändliche Rede hervorging, recht kennen lernen, es reinigen und wahre Buße tun möge. Dieses ist die einzige und höchste Rache und Strafe, die ich suche.

Neuntens beschuldigt er uns und sagt, dass wir nicht beweisen können, dass die Kindertaufe ein antichristlicher Gräuel sei, noch aus der Antichristen Ordnung zeigen können, wer der Einsetzer sei. »Es kann auch nicht bestritten werden,« sagt er, »dass lange vor der Gewalt des Antichristen, welche zu Augustins Zeit noch unbekannt oder nur unbedeutend war, ja, von den Zeiten der Apostel her, die Kindertaufe bestanden hat.«

Antwort: Wir lehren und gebrauchen solch eine Taufe, als Christus, Gottes eigner Sohn, uns befohlen und seine treuen Zeugen und Apostel deutlich gelehrt und durch den Gebrauch hinterlassen haben, nämlich die Taufe der Gläubigen (Mt 28,19; Mk 16,16; Apg 2,38; 8,36; 10,48; 16,33; 19,5; Röm 6,3; Kol 2,12; 1Kor 12,13; Tit 3,5; 1Pt 3,21). Wer eine andere lehren und gebrauchen will, muss mit der Schrift beweisen, wo sie in des Herrn Wort befohlen ist. Ist er aber nicht imstande, dies zu tun, was ihm auch niemals möglich sein wird, so ist dadurch schon bewiesen, dass sie, wie schön sie auch verziert werde, nicht Christi, sondern die Taufe des Antichristen ist. Dies ist zu klar, um bestritten zu werden.

Seine Behauptung aber, dass die Gewalt des Antichristen zur Zeit des Augustinus noch unbekannt oder nur unbedeutend gewesen sei, ist keiner Beantwortung wert. Wer Lust hat, lese die Geschichte und wenn er dieselbe recht versteht, wird er ganz klar finden, dass der Antichrist zur Zeit des Augustinus in vollen Ehren gehalten wurde und durch seine Lehre die Gewissen der Menschen beherrscht hat.

Zehntens beschuldigt er uns und sagt: »Wenn sie die wahren Sendboten wären, welche die Kirche Christi von so gräulichen, antichristlichen Irrtümern reinigen und erlösen sollten, so würden sie keine abgetrennte Sekte sein; denn die Propheten samt allen treuen Knechten Gottes, durch welche Gott oftmals seine Kirche gereinigt hat, haben sich nicht von der Kirche getrennt, um für sich selbst eine neue zu stiften, sondern sind in der Kirche geblieben und haben ihr mit Leib- und Lebensgefahr all ihre treue Arbeit gewidmet.«

Antwort: Wo und wie Gellius auch suchen mag, er weiß immer etwas zu finden, das er lästern kann. Ich sage es noch einmal, ja, zum dritten Mal, wir weisen auf Christum Jesum, mit allen seinen Propheten, Aposteln, seinem Geist, Wort, Verordnung und Leben. Kann er uns überzeugen, dass wir in irgendeinem Punkte gegen diese handeln (sein Schelten und Lästern ficht uns nicht an), oder mit diesem nicht übereinstimmen und in unserer Schwachheit nicht mit ihnen eins sind, so werde ich mit ihm sagen, dass wir eine abgetrennte Sekte sind. Ist er aber nicht imstande, dies zu tun, wie er auch nie im Stande sein wird, und schilt er uns dennoch eine abgetrennte Sekte, so beweist er dadurch, dass er nicht besser über Christi Gemeinde zu urteilen versteht, als Tertullus vor Felix und die Juden zu Rom vor Paulus (Apg 24).

Weiter sage ich: Kann er uns beweisen, dass die getreuen Propheten sich am Kälberdienst Jerobeams, am Dienste Baals oder den Gräueln Israels, die sie mit so großem Eifer straften, beteiligt haben und so mit denen, welche dem Gesetz ungehorsam waren, eins geblieben sind; oder dass die heiligen Apostel die Pharisäer und Schriftgelehrten, samt allen Widerspenstigen, in die Gemeinschaft ihrer Kirche aufgenommen haben, so hat er Ursache, uns zu strafen und auf solche Weise zu schreiben. Haben sie es aber nicht getan, welches die Wahrheit ist, sondern die eingeschlichenen Gräuel, durch Gottes reines Wort und Verordnung und in der Kraft des Geistes, mit Gefahr ihres Lebens gestraft, so muss er gewiss selber eingestehen, dass er uns hier ohne Ursache beschuldigt, weil wir nichts anderes tun, als, nach dem Beispiel der heiligen Apostel und Propheten, alle falsche Lehre, Ungerechtigkeit und Gräuel mit der reinen, apostolischen Lehre, Geist, Verordnung und dem Wort unseres Herrn Jesu Christi, ohne welches keine wahre, christliche Kirche sein kann, strafen, das Unrecht meiden und allen nach der heilsamen, christlichen Wahrheit hungernden Gewissen dieselbe durch Wort und Schrift, mit Gut und Blut, mit Leben und Tod in aller Treue und Liebe unverfälscht lehren und verkündigen.

Zum Letzten sage ich: Da er uns denn eine abgetrennte Sekte schilt, weil wir nicht eins mit ihnen sind, so möchte ich fragen, warum er und die Seinigen sich denn von der päpstlichen und lutherischen Kirche getrennt haben? Sagt er: Um der Gräuel willen, die unter ihnen sind, so antworte ich, dass unsere Trennung aus derselben Ursache geschehen ist; weil sie den Sohn des wahren und lebendigen Gottes verleugnen und uns auf eine irdische Kreatur, Adams unreinem und sündigem Fleische entsprossen, hinweisen, dass dieselbe unser Heiland sei und zudem die Verordnungen der Taufe, des Abendmahls und der Absonderung gar nicht nach Gottes Befehl halten. Denn mit denjenigen die ihre Versöhnung und Seligkeit in Adams sündiges Fleisch setzen, Gottes Zeugnis von seinem Sohn verwerfen und seine Verordnungen verachten, begehren wir nie und nimmer eine Kirche zu sein, ohne Rücksicht ob es uns Lieb oder Leid bringe, das sei Gott anheimgestellt. Mit solchen aber suchen wir eine Gemeinde, Kirche und Leib zu sein, welche Gott das Lob durch sein Wort geben, den ganzen Christus als Gottes ein- und erstgebornen Sohn anerkennen und unveränderlich in seiner heiligen Verordnung, Vorbild, Geist und Wort beharren. Wer verstehen kann, der verstehe was des Herrn Wort lehrt.

Elftens beschuldigt er uns und sagt: »Es folgt, dass die Berufung ihrer Lehre unrecht und der ganze Handel und Wandel ihrer Kirche nicht zur Seligkeit förderlich ist, sondern nur zum Verderben und zur Verwüstung der wahren Kirche dienen kann; und dass sie darum nicht als unschuldige Christen, sondern als solche, die in ein fremdes Amt greifen, leiden (hier weist er auf 1Pt 4,15), ausgenommen, dass sie um einer solchen Sache willen leiden, an welcher sie Zweifel hegen müssen und für welche von Anfang an niemals ein Märtyrer gelitten hat.«

Antwort: Gleichwie der Geist Christi und der unverfälschten, reinen Liebe alles, was gut und göttlich ist, auch gut und göttlich deutet, so deutet der Geist des Antichristen und bittern Eifers alles, was gut und göttlich ist, unrecht und ungöttlich. Denn obwohl wir mit Gut und Blut bezeugen, dass wir mit Wissen und Willen auch nicht ein Haarbreit von Gottes Wort und Vorbild abweichen dürfen, sondern uns, so vielen der Herr seine Gnade gibt, in allem nach der Apostel Lehre und Gebrauch richten; unser armes, schwaches Leben in der Furcht unseres Gottes gerne nach der Schrift führen und Gottes Lob und die Seligkeit unseres Nächsten selbst mit Verlust von Gut und Blut suchen wollen, so wagt er dennoch zu schreiben, dass die Berufung unserer Lehrer unrecht, unser Handel und Wandel zur Seligkeit nicht förderlich und dass wir alles Verderben und alle Verwüstung anrichten, ja, dass wir nicht als wahre Christen, sondern als Übeltäter, die in ein fremdes Amt greifen, leiden. Seht, so wird alles, was löblich und gut ist, den Gottesfürchtigen stets zum Ärgsten und zur Schande gedeutet.

Ach, meine Leser, meine lieben Leser, würde die arme, irregeführte Welt diese unsere so sehr gehasste und verachtete Lehre, welche aber nicht unsere, sondern des Herrn Christi ist, mit rechtschaffenem Herzen annehmen und gehorsam und treulich befolgen, so würden sie bald ihre tödlichen Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen (Jes 2,4; Mi 4,3), ihre Tore und Mauern schleifen und ihre Henker abdanken. Denn alle, die unsere Lehre in der Kraft annehmen, werden durch Gottes Gnade niemand auf der ganzen Welt, auch nicht ihrem größten und grausamsten Feinde, etwas Böses wünschen, viel weniger noch ihm durch die Tat ein Leid oder Unrecht zufügen; denn sie sind Kinder des Allerhöchsten, welche das Gute von Herzen lieben und das Böse in ihrer Schwachheit meiden und hassen. Dennoch müssen wir von ihm hören, dass wir verdienterweise leiden, wie gehört worden ist.

Was aber seine Worte, dass wir um einer solchen Sache willen leiden, an welcher wir selbst Zweifel hegen müssen und für welche vom Anfang an niemals ein Märtyrer gelitten hat, anbetrifft, möge er wissen, dass, wenn wir an unserem Glauben zweifelten, wir denselben nicht so deutlich wie es jetzt geschieht mit unserm Gut und Blut besiegeln würden. Ein Haus, das auf den Sand gebaut wäre, würde den furchtbaren Wassergüssen und Stürmen, die uns täglich erproben, nicht Stand halten (Mt 7).

Auch leiden wir nicht um einer ungewissen Sache willen, wie er vorgibt, sondern um des Namens unseres Herrn Jesu Christi, um seines heiligen und teuren Wortes und Verordnung, um der reinen und wahren Erkenntnis Gottes und Christi, um des Gehorsams gegen die Schrift willen – für das, wofür von Anfang an alle gelitten haben, welche nach Gottes Willen recht gelitten haben, wie man in der Geschichte und in der heiligen Schrift überall sehen und erkennen kann.

Zum Zwölften beschuldigt er uns und sagt: »Ihre Behauptung, dass sie die Kirche und Jakob seien, ist falsch, weil sie die wahre Kirche Christi durch mancherlei Irrtümer, die sie täglich aus dem Abgrund der Hölle hervorbringen und wiederum erneuern, verunreinigen, die rechten Schafe Christi zerstreuen, sich auf unrechtmäßige Weise mit der Heiligkeit derKirche brüsten, Trennungen und Zank über die Glaubensartikel anstiften, fleischlich sind, im Geheimen herumschleichen und predigen und mit den Ältesten der Kirche nicht übereinstimmen, wie vorhin gesagt worden ist.«

Antwort: Wenn der Geist der Wahrheit hier der Schreiber gewesen wäre, so würde er den Fall ganz anders dargestellt und das, dessen sie uns beschuldigen, auf unsere Widersacher bezogen haben. Sie halten noch mehrere schwere Irrlehren, die vormals durch den Antichristen aus dem Abgrund der Hölle hervorgebracht worden sind (ich bediene mich seiner eigenen Worte) mit Lehre und Gewalt aufrecht, richten deshalb Trübsal und Elend unter den Gottesfürchtigen an und bringen an mehreren Orten manches fromme Kind in Not und Tod; sie verfälschen die Wahrheit, predigen die Lügen, sind fleischlich gesinnt und leugnen in der Kraft und Wahrheit, dass der Mensch Jesus Christus Gottes ein- und erstgeborner Sohn sei. Wir hingegen mit unserm kleinen und verachteten Häuflein meiden und verlassen alle antichristlichen Irrlehren und Gräuel und bauen die Kirche Christi und stellen sie wiederum auf das rechte Fundament; wir bringen die offenbare Wahrheit durch Wort und Schrift, mit Leben und Tod gegen die ganze Welt bei vielen an den Tag; wir bekennen, dass der ganze Christus Gottes wahrer ein- und erstgeborner Sohn ist, wie der Engel, der zu Maria sprach, Johannes der Täufer, Petrus, Martha und der Vater vom hohen Himmel selbst getan haben und wir gebrauchen seine Verordnungen bezüglich der Taufe, des Abendmahls und der Absonderung auf rechte Weise, wie alle getan haben, welche jemals Gott recht gekannt und nach seinem Willen gewandelt haben.

Seht, meine Leser, dies sind die größten und wichtigsten Beschuldigungen, die er wider uns vorzubringen weiß; dass dieselben teils lose Erdichtungen, teils falsche Auslegungen, Argwohn, lügenhafte Verleumdungen und parteiische Nachreden sind, wodurch er den Lauf der göttlichen Wahrheit hemmt, die Lügen im Schwange erhält, die Gottesfürchtigen beleidigt und die Unbußfertigen in ihrem gemächlichen Leben tröstet, wird durch diese unsere Beantwortung mehr als genügsam bewiesen.

Zum Letzten sagt er von uns: »Dass ihre Lehrer und Propheten keine Lehrer und Propheten Gottes sind, hat die Erfahrung gelehrt und dass sie Gottes Volk nicht sind, habe ich wohl schon mehr als genug bewiesen. Hieraus können wir deutlich ersehen, dass unsere Obrigkeit recht daran tut, dass sie sie in ihrem bösen Lauf nicht fortfahren lässt, sondern ihnen mit aller Kraft wehrt. Wir könnten aus pastoraler und väterlicher Treue und Sorge für die Kirche Christi, damit dieselbe nicht gänzlich verwüstet werde, schon härter gegen sie reden und beschließen – allein dann müssten wir ja ihre Verfolger und Bluthunde sein.«

Antwort: Jeremia, Micha, Elia, Christus Jesus und Paulus konnten bei den Verkehrten nicht die wahren Propheten und Diener Gottes sein und so geht es auch uns. Der große Herr aber wird zu seiner Zeit schon offenbar machen, wer seine treuen Propheten und Diener sind und wer nicht.

Auf seine Behauptung, dass wir nicht Gottes Volk seien, antworten wir mit Paulus (1Kor 4,3), dass es uns ein Geringes ist, dass wir von Menschen gerichtet werden, zumal von solchen Menschen, die so offenbar wider Gottes Verordnung, Willen und Wort handeln, wie dies an Gellius hier in seiner Schrift deutlich gespürt wird. Ja, gute Leser, würden Gellius und die Prediger seiner Gattung uns für das rechte Volk anerkennen, so würden sie damit von sich selbst bezeugen, dass sie außer demselben sind, welches ein ehrgeiziger und fleischlicher Mensch, der seinen eigenen Namen und Ruhm sucht, schwerlich oder niemals tun wird.

Auf seine weitere Bemerkung, dass die Obrigkeit recht daran tut uns in unserem Lauf (den er böse nennt) zu hemmen, antworte ich: Je länger er schreibt, desto ungeschickter und ärger treibt er es und desto mehr gibt sich seine Blindheit kund. Ist er ein durch Gottes Geist berufener Prediger, so zeige er uns ein einziges Wort im ganzen neuen Testament, dass Christus oder die Apostel jemals die wahre Kirche Gottes vor dem Anlauf der Bösen, wie er uns leider immer schilt, durch die Hilfe der Obrigkeit gerettet und beschützt haben.

Nein! Christus Jesus mit seinem kräftigen Wort und heiligen Geist ist der Retter und Beschirmer seiner Kirche, niemals aber ein Kaiser, König oder irgendeine weltliche Obrigkeit. Das Reich des Geistes muss mit dem Schwert des Geistes aufrechterhalten und beschützt werden und nicht mit dem Schwert des Fleisches. Dies ist nach der Lehre und dem Beispiel Christi und der Apostel klarer, als dass man es bestreiten könnte.

Ferner sage ich: Wenn die Obrigkeiten Christum und seine Kirche recht kennen würden, so würden sie nach meinem Dafürhalten lieber den Tod wählen, ehe sie mit ihrer weltlichen Macht und demSchwerte in die Sachen des Geistes, die nicht der Gewalt der Menschen, sondern dem Gerichte des allmächtigen und großen Gottes vorbehalten sind, eingreifen würden. Jetzt aber werden sie von ihren Seelsorgern gelehrt und angeeifert, dass sie einen jeden, der ihrer Lehre nicht gehorsam ist, ausschreiben, fangen und um Leib und Leben bringen sollen, wie dies leider in vielen Orten und Ländern tatsächlich wahrgenommen werden kann.

Kurz, meine Leser, wenn der Herr in seiner großen Liebe für uns nicht die Herzen einiger Obrigkeiten milder stimmte, sondern diese nach den parteiischen Aufhetzungen und Blutpredigten ihrer Gelehrten handeln würden, so könnte kein Gottesfürchtiger am Leben bleiben. Aber nun werden doch noch etliche gefunden, welche, des Schreibens und Schreiens aller Gelehrten ungeachtet, die Elenden dulden und ihnen eine Zeitlang Barmherzigkeit erweisen, wofür wir Gott den Allerhöchsten ewig loben und preisen und auch solchen gütigen und freundlichen Regenten in aller Liebe Dank sagen.

Auf seine Bemerkung aber, dass man aus väterlicher und pastoraler Sorge und Treue wohl etwas härter gegen uns beschließen könnte, ist dies meine Antwort: Wenn er mit Christo, welcher aller wahren Hirten Fürst und Oberhaupt ist, durch die rechte Tür eingetreten wäre und den lieblichen Geist, die Art und Natur Christi in seinem Herzen geschmeckt hätte (1Pt 2,3; Ps 34,9), so würde er an solche Blutbeschlüsse nicht einmal denken, viel weniger darüber schreiben oder sie in Anregung bringen dürfen. Von diesem bin ich fest überzeugt; denn der Geist Christi ist nicht von solcher Art.

Merkt hier, meine Leser, dass er nicht frei heraus schreibt, dass es der Obrigkeit erlaubt sei, uns mit dem Schwert zu erstechen, geschieht deshalb, weil er kein Bluthund oder Verfolger heißen will. Dennoch gibt er soviel zu verstehen, dass wenn die Obrigkeit solches täte, er es für ein gutes und löbliches Werk ansehen würde. Wer nicht ganz ohne Verstand ist, versteht wohl, was in diesem Falle sein Vorgeben und Grund ist. O Lehre des Blutes!

O dass er die Bedeutung jener Worte ermessen könnte, da der Herr spricht:

»Ihr seid von dem Vater dem Teufel und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Derselbige ist ein Mörder von Anfang an.« (Joh 8,44)

Denn weil er durch solche Schriften den Blutgierigen freien Mut macht und ich selbst kürzlich aus seinem eigenen Munde gehört habe, dass man einen um seines Glaubens willen (versteht, er meint, was sie Ketzerei nennen) schon verfolgen und töten dürfe, so hat er damit das unschuldige Blut auf seine Seele geladen – ich sage unschuldiges Blut, denn weder er, noch jemand anders auf dem ganzen Erdboden, ist, Gott sei Dank, imstande, uns in Wahrheit zu überzeugen, dass wir gegen Christum und sein Wort handeln oder streiten oder sonst etwas tun, was uns der Strafe und des Schwertes der Obrigkeit würdig macht.

Weiter möge er auch wissen, dass diese seine Blutlehre nicht allein wider Christum, Gottes eignen Sohn und seinen Diener Paulus, sondern auch wider Luthers Büchlein De sublimiori mundi potestate, dazu wider Hieronymus, Augustinus, Theophilaetus, Anselmus, Remigius und andere mehr ist, welche ganz darin übereinstimmen, dass man die Ketzer nicht töten, sondern ermahnen und überzeugen und, im Falle sie nach solcher Ermahnung sich nicht bekehren, von der Kirchengemeinschaft ausschließen und nach des Herrn Wort meiden soll.

Am Ende möchte dieser Stein, den er in die Höhe geworfen hat, auf sein eigenes Haupt zurückfallen; denn was für eine größere und schrecklichere Ketzerei, Verführung und Gotteslästerung kann es wohl geben, als zu sagen, dass Christi reines und heiliges Fleisch ein Lösegeld gewesen sei, uns Christi Verordnung und der Apostel deutliche Lehre von der Taufe so jämmerlich zu verfälschen, keine Absonderung nach des Herrn Wort zu gebrauchen, die Gottesfürchtigen zu lästern und die Unbußfertigen und Fleischlichen mit verdrehten Schriftstellen zu trösten und zu verteidigen, wie er in dieser Schrift von Anfang bis Ende unausgesetzt getan hat?

Wenn man daher solche Beschlüsse über einen Bösen in der Lehre oder dem Glauben fassen sollte, wie er vorgibt, so müsste man mit ihm den Anfang machen, weil er ein Verfechter solcher großer Irrtümer ist, wie man aus diesen unsern beiderseitigen Schriften, wenn man dieselben miteinander vergleicht, deutlich ersehen kann.

Der barmherzige, liebe Herr gebe ihm und allen unsern Widersachern klare Augen, auf dass sie den rechten Grund der Wahrheit sehen, offene Herzen, damit sie dieselben recht verstehen und ein williges,freies und neues Gemüt, damit sie dieselbe in der Kraft glauben und ihr in der Tat nachkommen. Amen.