13.7  Von der Gemeinde

Zum Ersten eine lehrreiche Vergleichung, durch welche man die Kirche Christi von der Kirche des Antichristen unterscheiden kann

Gellius klagt, dass wir Gottes Gemeinde zerspalten, die Kirche verlassen und teuflische Sekten und Rotten seien und rühmt hingegen, dass sie eine ewig bleibende Kirche sammeln. Es ist daher meines Erachtens erstens notwendig, eine kurz gefasste, erklärende Vergleichung aus der Schrift darüber auszustellen, auf dass der gottesfürchtige Leser aus dem Unterschied sehen möge, welche und was die Kirche Christi und welche und was die Kirche des Antichristen ist; seit wann beide bestanden haben; von wannen sie gekommen sind; wer sie geboren hat; wodurch sie geboren wurden; wozu sie geboren wurden; welch eine Natur jede für sich hat; welche Früchte sie hervorbringen und an welchen Zeichen man sie erkennen möge – auf dass er nicht von den Predigern betrogen werde und die Kirche Christi eine Sekte und Rotte schelte und hingegen die Kirche des Antichristen für die Kirche Christi halte.

Erstens denn, muss bemerkt werden, dass die Gemeinde Gottes oder Kirche Christi eine Versammlung der Gottesfürchtigen und eine Gemeinschaft der Heiligen ist (wie auch das nicänische Glaubensbekenntnis erklärt), die schon vom Anfang mit festem Vertrauen an den verheißenen Weibessamen, welches der verheißene Prophet, Heiland, Held, König, Fürst, Immanuel und Christus ist, geglaubt haben und daran glauben werden bis ans Ende; die sein Wort mit aufrichtigen, frommen Herzen annehmen, seinem Beispiel folgen, durch seinen Geist getrieben werden und auf seine Verheißungen hoffen, wie die Schrift lehrt (1Mo 3,15; 49,10; 5Mo 18,18; Jer 23,5; 33,15; Jes 7,14; 9,6). Diese Gottesfürchtigen werden jetzt gemeiniglich Christen oder Christi Kirche genannt, weil sie aus Christi Wort durch den Glauben durch seinen Geist geboren, Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Gebein sind (Eph 5,30), gleich wie Jakobs Kinder, ihrer fleischlichen Geburt wegen, das Haus Jakobs oder Israels genannt werden (Röm 9,7–9).

Hingegen muss jetzt bemerkt werden, dass die Kirche des Antichristen eine Versammlung der Gottlosen, eine Gemeinschaft der Unbußfertigen ist, welche den vorerwähnten Samen Christum in seinem Worte verstoßen und seinem Willen sich widersetzen; sie werden deshalb die Gemeinde oder Kirche des Antichristen genannt, weil sie durch die List und das Treiben des Antichristen (welcher der rechte Widersacher Christi ist, wiewohl unter einem Schein des Wortes und Namens Christi, doch gegen dessen Geist, Wort, Beispiel und Verordnung) lehrt, glaubt, lebt und handelt und einen fremden Gottesdienst stiftet und zurichtet.

Zweitens muss man bekennen, dass die Gemeinde der Gottesfürchtigen, obwohl sie vom Anfang gewesen ist, doch nicht überall die nämlichen Verordnungen gehabt hat und auch nicht überall in der Schrift mit demselben Namen bezeichnet wird. Denn vor dem Auszug aus Ägypten hatten sie kein geschriebenes Gesetz; dennoch haben sie den großen und mächtigen Gott gefürchtet, ihm treu gedient, Brandopfer geopfert und in seinen Wegen gewandelt, wie man an Abel, Noah, Abraham, Isaak, Jakob und andern mehr sehen kann und sie wurden zu jener Zeit in der Schrift Söhne Gottes genannt (1Mo 6,2). Nachher empfing Abraham einen Befehl, dass er sich selbst sowie sein Hausgesinde und nach ihm die achttägigen Knäblein beschneiden sollte (1Mo 17,10). Ungefähr vierhundert Jahre später gab Mose das Gesetz und von jener Zeit an wurden sie gewöhnlich das Volk Gottes oder das Haus Jakob oder Israel genannt (Jer 33,14). Zuletzt ist Christus Jesus, unser und aller Welt Heiland, auf den die ganze Schrift hinweist, erschienen. Alle, die ihn hören, an sein Wort glauben und seinen Fußstapfen nachfolgen, werden nun Christen oder Christi Kirche genannt, wie schon vernommen worden ist (Mt 17,5).

Obwohl denn ein jedes Zeitalter seine besonderen Verordnungen und Gebräuche gehabt hat und die Gemeinde mit verschiedenen Namen bezeichnet wurde, wie gesagt worden ist, so sind doch alle miteinander, während des Gesetzes, vor dem Gesetz und nach dem Gesetz, die in reiner Gottesfurcht, ohne Heuchelei, nach Gottes Wort und Willen gewandelt und auf Christum gehofft haben und so bis ans Ende hoffen und wandeln werden, eine Gemeinde, eine Kirche und ein Leib gewesen und werden es auch ewig bleiben, da sie alle durch Christum selig gemacht, von Gott angenommen und mit dem Geist seiner Gnade beschenkt worden sind.

Gleichermaßen muss man bemerken, dass die Gemeinde der Gottlosen, welche die wahre Kirche des Antichristen ist, mit den ersten Gottlosen, die von dem Geist des Teufels, der ein Beneider alles Guten ist, getrieben wurden, angefangen hat und dass dies auch bis ans Ende so bleiben wird. Denn die Widerkirche hat vom Anfang an gewöhnlich mit der Kirche Christi Seite bei Seite gestanden und die meisten Glieder gezählt. Bis auf die Sündflut werden diese in der Schrift die Kinder der Menschen genannt (1Mo 6,2; Joh 8,44). Von der Sündflut an bis auf die Beschneidung Abrahams hießen sie Heiden und nach der Beschneidung Heiden oder Unbeschnittene (1Mo 17,11; Eph 2,11; Röm 15,9).

Sie haben den wahren und lebendigen Gott nicht recht gekannt, sondern haben der Menschen Händewerk, hölzerne, steinerne, silberne und goldene Götzen wie auch Drachen, Schlangen, Ochsen, Feuer, Sonne, Mond etc. angebetet und ihnen gedient, bis die Apostel das Evangelium durch die ganze Welt gepredigt und Christo eine Gemeinde gesammelt haben (Mt 28,19; Mk 16,15; Röm 10,17; Kol 1,23). Der Antichrist hat aber diese Gemeinde im Verlaufe der Zeit wiederum so verwüstet, dass der größte Teil davon, obwohl sie sich noch zum Schein nach Christi Namen nennen, zu offenbaren Heiden und Götzendienern geworden ist; denn sie beugen ihre Knie vor Stöcken und Böcken und rufen des Werkmeisters Kunst um Hilfe an. Die anderen, das heißt die Bessergesinnten, setzen ihren Trost und ihre Seligkeit in die Ausübung von Zeremonien, in Wasser, Brot, Wein und Absolutionen, so dass man gewiss sagen muss, dass sie die Gemeinde der Unbußfertigen und die Kirche des Antichristen sind.

Drittens muss man bemerken, dass die christliche Kirche aus Gott ist, wie Paulus sagt:

»Da sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt und die da geheiligt werden.« (Hebr 2,11)

Denn gleichwie Christus Jesus, welcher der wahre Heiligmacher ist, aus Gott, ja, Gottes ein- und erstgeborner Sohn ist, so sind auch alle diejenigen, die mit treuem Herzen an sein Wort glauben und mit seinem Geist getränkt werden, aus Gott, wie Johannes sagt:

»Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.« (Joh 1,12–13)

Und wiederum:

»Wer lieb hat, der ist von Gott geboren und erkennt Gott.« (1Joh 4,7)

Hiergegen muss man bemerken, dass die Kirche des Antichristen aus dem Bösen ist, wie der Herr zu den Pharisäern sprach:

»Ihr habt den Teufel zum Vater und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Derselbige ist ein Mörder von Anfang an und ist nicht bestanden in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselbigen.« (Joh 8,44)

»Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an.« (1Joh 3,8)

Merkt hier, meine Leser, dass der Geist der Wahrheit in diesen Worten über alle Lügner, Blutvergießer, Geizigen, Eidbrüchigen, Hurenjäger, Trunkenbolde, Prahler, Götzendiener und über alle Ungerechten das Urteil gesprochen hat, nämlich, dass sie aus dem Teufel, das ist, dass sie des Teufels Gemeinde sind. Dennoch rühmen sie sich, dass sie Christi Kirche seien, wie auch die Pharisäer sich rühmten, Abrahams Kinder und Samen zu sein (Joh 8,39,44).

Viertens muss man bemerken, dass die Kirche Christi von rechtschaffenen gottesfürchtigen Predigern und Christen, welche durch Christi Geist getrieben werden, geboren wird – aus solchen, die, gleich Mose, Samuel, Jesaja, Jeremia, Petrus, Paulus, Johannes in Lehre und Leben unsträflich sind; die aus reiner und treuer Liebe ihren Nächsten suchen und ohne Heuchelei mit Paulus sagen können:

»Seid meine Nachfolger, gleichwie ich Christi!« (1Kor 11,1)

; die des Herrn Wort in des Geistes Kraft recht predigen; als klare Lichter einem jeden vorleuchten und mit allen Kräften darnach streben, dass sie mit dem ihnen verliehenen Pfunde wuchern und zu des Herrn Schätzen vielen Gewinn bringen mögen (Phil 2,15; Mt 5,16; Lk 19,13). Denn es war Gottes Weise und Gebrauch von Anbeginn, die Lehre der Buße durch fromme und unsträfliche Diener verkündigen zu lassen, wie dies in der Abhandlung über die Berufung der Prediger zum Überfluss vernommen worden ist.

Hiergegen muss bemerkt werden, dass die Kirche des Antichristen von treulosen Predigern geboren wird – Hirten die vom Geiste des Antichristen getrieben werden; die mit Korah, Dathan und Abiram Ansehen bei dem Volk (4Mo 16,1); mit Bileam ungerechten Gewinn (4Mo 22–24); und mit den Propheten Isebels die feinen Tafeln suchen (1Kön 18,19); die mit Hananja zum Volke sprechen, was dasselbe gerne hört (Jer 28,11); mit den falschen Propheten nur Frieden predigen (Jer 8,8; 23,14; Hes 13,16; 22,28); die ihr Herz auf irdische Dinge setzen und nichts als die Welt, Bequemlichkeit, Ehre, Bauch und Gewinn suchen (Phil 3,19; Röm 16,17).

Ach, meine Leser, wie in unseren Zeiten die größten und am höchsten geachteten Prediger, deren Namen weit gerühmt werden, den armen, nackten und gekreuzigten Christum Jesum in ihrem Evangelium gepredigt und der Menschen Seelen gesucht haben, sieht man leider wohl an der verfluchten, gottlosen Pracht ihrer Häuser und den eitlen merkwürdigen Zierarten, Ketten, Ringen, Seide und Samt ihrer Frauen und Kinder. Dennoch aber müssen sie evangelische Theologen und Diener des heiligen Wortes heißen. O wehe diesem bequemen und fleischlichen Evangelium!

Fünftens muss man bemerken, dass die Kirche Christi durch Christi Geist und Wort geboren wird; denn gleichwie ein ehrliches Weib keine echten Kinder gebären kann, als nur aus dem ehelichen Samen ihres Mannes, so kann auch die Braut Christi, nämlich die Kirche, keine wahren Christen gebären, als nur aus dem ehelichen Samen Christi, das ist aus dem unverfälschten, reinen Wort, das durch den heiligen Geist gepredigt und in dem Herzen des Zuhörers recht aufgenommen wird. Paulus sagt:

»Ich habe euch gezeugt in Christo Jesu durch das Evangelium.« (1Kor 4,15)

Und Jakobus:

»Er hat uns gezeugt nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit.« (Jak 1,18)

Lest auch Röm 10,17 und 1Pt 1,23.

Die Kirche des Antichristen hingegen wird aus dem Geist des Irrtums und einer verführerischen Lehre geboren. Paulus spricht:

»Der Geist aber sagt deutlich, dass in den letzten Zeiten werden etliche vom Glauben abfallen und anhangen den verführerischen Geistern und Lehren der Dämonen durch die, welche in Heuchelei Lügenredner sind.« (1Tim 4,1–2)

Ja, meine Leser, was anderes hat die Kirche Christi zuerst niedergerissen und die des Antichristen wiederum aufgerichtet, als die unreine und falsche Lehre der Gelehrten, die vielen streitigen Konzilien, Dekrete, Statuten, Lehren und Gebote der Menschen? Was ist es, das noch heutigen Tages die deutschen Länder verführt und verblendet und dieselben in ihrem gottlosen Wesen festhält, als die leichtfertige Lehre der Prediger, die unselige Kindertaufe, das schriftwidrige, abgöttische Abendmahl und dass der Verordnung des Herrn und seiner Apostel hinsichtlich der Absonderung nicht schriftgemäß nachgekommen wird? Die Propheten klagten überall, dass Israel den Lügenpredigern seine Ohren zuwandte (Jes 30,10; Jer 8,8; 14,14; 23,16; Hes 13,7).

Christus Jesus und seine Apostel warnen uns treulich an vielen Stellen, dass wir vor falschen Lehrern auf unserer Hut sein sollen; denn sie verführen euch, sagt Christus (Mt 24,4); Paulus sagt:

»Solche dienen nicht dem Herrn Jesu Christo, sondern ihrem Bauch!« (Röm 16,18)

Und Petrus:

»Sie verheißen ihnen Freiheit, so sie selber Knechte des Verderbens sind.« (2Pt 2,19)

Judas sagt:

»Sie ziehen die Gnade unseres Gottes auf Mutwillen.« (Jud 4)

Sie sind Antichristen, sagt Johannes (1Joh 2,18). O meine Leser, denkt dem, was ich schreibe, doch recht fleißig nach.

Sechstens muss man bemerken, dass die Kirche Christi dazu geboren wurde, dass sie den Herrn hören, Gott von ganzem Herzen fürchten, lieben, ihm dienen, ihn loben, ehren und ihm danken soll, wie Mose sagt:

»Nun Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir, denn dass du den Herrn deinen Gott fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und liebst ihn und dienst dem Herrn, deinem Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele und dass du die Gebote des Herrn haltest und seine Rechte?« (5Mo 10,12–13; 6,2; Jos 22,5)

Und wiederum:

»Ihr sollt dem Herrn eurem Gott folgen und ihn fürchten und seine Gebote halten und seiner Stimme gehorchen und ihm dienen und ihm anhangen.« (5Mo 13,5)

Petrus sagt:

»Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Tugenden dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.« (1Pt 2,9)

Seht, dazu ist die Kirche Christi geboren, dass sie seine große Wunderkraft und seine allmächtige Majestät, seine unauslöschliche Liebe und seinen anbetungswürdigen, hohen und heiligen Namen ewig loben und preisen solle.

Die Kirche des Antichristen aber verachtet, hasst und höhnt Gott, wie der Prophet sagt:

»Sie übertreten den Bund, wie Adam; darinnen verachten sie mich.« (Hos 6,7)

Ja, alle, die des Herrn Willen, Wort, Rat, Ermahnung, Züchtigung, Gnade und Liebe verwerfen, hassen ihn und wollen nicht, dass er über sie herrsche (Lk 19,14); vollbringen nicht seinen, sondern ihren eigenen Willen (Jer 44,16); sprechen in ihren Herzen:

»Hebe dich von uns, wir wollen von deinen Wegen nichts wissen. Wer ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollten?« (Hi 21,14–15)

Seht, auf so freche Weise verachten sie den allmächtigen, ewigen Gott, der aller Welt Schöpfer, Heiland und Herr ist. Gebe der liebe Herr ihnen Augen, damit sie ihre großen Fehler sehen und Herzen, damit sie dieselben recht verstehen können; dies wünsche ich ihnen aus ganzer Seele. Amen.

Siebtens muss man bemerken, dass die Kirche Christi, in ihrer Schwachheit, eine gleiche Natur und Gesinnung hat wie Christus; denn Paulus sagt:

»Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur.« (2Kor 5,17)

Er wird von seinem Geist getrieben (Röm 8,14) und erkennt durch den selbigen Geist, dass er in Gott bleibt und Gott in ihm (1Joh 3,24); er ist der göttlichen Natur teilhaftig (2Pt 1,4). Ja, meine Leser, die wahre Kirche hasst, was Christus hasst und liebt, was Christus liebt; denn sie ist seine Braut, Fleisch von seinem Fleisch und zu seinem Geiste getränkt (1Joh 4,12; Eph 5,30; 1Kor 12,13; Phil 2,5; Jak 1,18; Gal 4,19). Sie kann deshalb nicht anders, als wie Christus gesinnt sein; denn sie ist aus seinem Wort geboren und bleibt in ihm und er in ihr, über ihr und durch sie (Joh 15,4–7; Eph 4,6; Röm 11,36; 1Joh 4,13).

Stellt ihr nun die Kirche des Antichristen gegenüber und ihr werdet finden, dass ihre Natur der Natur ihres Vaters, von dem sie geboren ward, gleich ist, nämlich hoffärtig, neidisch, mordsüchtig, lügenhaft, ungehorsam, großdünkend, irdisch und fleischlich gesinnt, eigennützig, geizig, stolz, aufgeblasen, prahlerisch, verschwenderisch, unrein, in allem gegen Christum. Denn alles, was Christus verbietet, das tun sie und was er gebietet, das verachten sie; was er hasst, das lieben sie und was er liebt, das hassen sie. Und dennoch unterwinden sie sich zu rühmen, dass sie eine ewig bleibende Kirche versammeln, wie gehört worden ist. Wer Ohren hat, der höre, ob es nicht die Wahrheit ist, was ich schreibe.

Achtens muss man bemerken, dass die Kirche Christi auch Christi Früchte hervorbringt, wie er sagt:

»Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.« (Joh 15,5)

Ein jeder Baum trägt Frucht nach seiner Art. Alle, die aus Gott geboren und einer göttlichen Gesinnung sind, fürchten, lieben, dienen und loben Gott von Herzen; sie sind in ihrem Wandel unsträflich, sie lehren, ermahnen, strafen, unterstützen und trösten ihren Nächsten auf brüderliche Weise; sie sterben ihrem Fleisch und ihren Lüsten täglich ab; sie richten ihre Wege nach des Herrn Wort und klagen beständig, dass sie solche arme, schwache und gebrechliche Sünder seien (Mt 7,17; Joh 3,5; Phil 2,15; Gal 5,24).

Sie streben immer danach, des Herrn Tod gleichförmig zu werden (Eph 5,14), auf dass sie aus dem Tode ihrer Sünden auferstehen (Röm 13,11) und jenes vollkommene Wesen, welches in Christo ist, erreichen möchten. Nicht, meine Leser, als ob sie es schon ergriffen hätten oder schon vollkommen wären, keineswegs; aber sie jagen mit Paulus ihm nach, ob sie es auch ergreifen möchten, nachdem sie von Christo ergriffen sind (Phil 3,12). Hingegen messt nun ab, was die Früchte der Kirche des Antichristen sind. Ihre Prediger lehren falsch, verführen auf kühne und freche Weise und leben in Trägheit und Wohlleben. Die Oberherren betragen sich, als ob sie bloß zum Kriegen, Aufruhr stiften, Würgen, Morden, zum Verwüsten von Städten und Ländern, zum Prahlen, Prassen, Saufen und allerlei Wollust auf der Welt wären. Ja, viele treiben es so weit, dass sie leider, nach des Propheten Wort, mit mehr Recht brüllende Löwen und Wölfe am Abend (Zef 3,3), als menschliche Wesen und redliche Menschen (geschweige denn Christen) genannt werden könnten. Das gemeine Volk säuft und prasst, flucht und schwört, rafft und scharrt, lügt und betrügt. Kurz, es wird überall so gelebt, als ob Gott ein Fabler und sein Wort eine Fabel wäre. Seht, das sind die Früchte derjenigen, die so unverschämt sich rühmen dürfen, Christi Kirche zu sein. Ach, wollte Gott, dass sie sehen könnten, was Christus Jesus, nach dessen Namen sie sich nennen und seine heiligen Apostel ihnen gelehrt und was für ein Beispiel sie hinterlassen haben, dann könnte ihnen noch einmal geholfen werden!

Jetzt aber ist es nichts als ein Spielen mit dem Buchstaben, ein Nennen und Rühmen, aber der Geist, das Werk, die Kraft und Frucht sind leider nicht da.

Die Zeichen, an welchen man beide Kirchen erkennen soll

Wiewohl ich glaube, lieber Leser, dass man aus der vorhergehenden Vergleichung den Unterschied zwischen den beiden Kirchen deutlich erfassen kann, will ich dennoch, zur noch weiteren Erklärung, die folgenden Zeichen in ganz kurzer Weise anführen, wodurch man die beiden Kirchen voneinander unterscheiden kann, auf dass die Wahrheit, um so gründlicher bewiesen, mit voller Kraft an den Tag komme.

Das erste Zeichen, woran man Christi Kirche erkennen kann, ist die unverfälschte Lehre seines heiligen und göttlichen Wortes. Israel wurde von Gott befohlen, dass sie sich an die Lehre des Gesetzes halten und nicht davon weichen sollten, weder zur Rechten noch zur Linken (5Mo 5,32). Jesaja ermahnte sie, dass sie sich nach dem Gesetz und dessen Zeugnis richten sollen oder sie sollten die Morgenröte nicht haben (Jes 8,20). Christus gebot seinen Jüngern: »Geht hin in alle Welt, und predigt das Evangelium aller Kreatur, und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.« Die Propheten bezeugen überall, dass sie Gottes Wort redeten. »So spricht der Herr der Heerscharen,« sagen sie. Ferner: »Das spricht der Mund des Herrn,« und auch: »Das spricht der Herr, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat,« und solcher Zeugnisse mehr. So sagt auch Paulus:

»So auch […] ein Engel vom Himmel euch würde ein Evangelium predigen, anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht.« (Gal 1,8)

Kurz, wo Christi Kirche ist, da wird auch sein Wort wahr und rein gepredigt.

Wo aber des Antichristen Kirche gefunden wird, da verfälscht man Gottes Wort, weist uns auf einen befleckten und irdischen Christum und auf fremde Mittel zur Seligkeit, welche die Schrift nicht kennt. Da lehrt man einen geräumigen, breiten Weg, da schmeichelt man den Großen, da verkehrt man die Wahrheit in die Lüge, da predigt man sanfte Dinge, die das arme, unverständige Volk gerne haben und hören will. Kurz, da tröstet man sie in ihrem Unglück, dass sie es nur gering achten sollen und sagen: »Friede! Friede!« Und ist doch nicht Friede! (Jer 8,11) Sie verheißen den Unbußfertigen das Leben, obwohl die Schrift sagt, dass sie das Reich Gottes nicht ererben werden (1Kor 6,9; Gal 5,21; Eph 5,5).

Das zweite Zeichen besteht in dem rechten und schriftmäßigen Gebrauch der Sakramente Christi, nämlich, dass man diejenigen tauft, die durch den Glauben aus Gott geboren sind; die aufrichtig Buße tun; die ihre Sünden in Christi Tod begraben und mit ihm zu einem neuen Leben auferstehen; die an der Vorhaut ihres Herzens mit der Beschneidung Christi, die ohne Hände geschieht, beschnitten sind; die Christum antun und ein gutes Gewissen haben (Joh 3,5; Apg 2,38; Tit 3,5; Röm 6,4; Kol 3,11; 1Pet 3,21). Weiter, dass man das heilige Abendmahl den Bußfertigen spendet, die Fleisch von Christi Fleisch sind, welche die Gnade, Versöhnung und Vergebung ihrer Sünden nur in des Herrn Verdienst, Tod und Blut suchen (Eph 1,7); die in Liebe, Friede und Einigkeit mit ihren Brüdern wandeln; die in aller Wahrheit und Gerechtigkeit von des Herrn Geist getrieben werden und mit all ihren Früchten beweisen, dass sie Christi Kirche und Volk sind.

Wo man aber ohne Christi Befehl und Wort tauft, wie jene tun, die nicht nur ohne Glauben, sondern auch ohne alle Redlichkeit und Vernunft taufen; wo man die Kraft und Vorstellung der Taufe, nämlich den Tod der Sünden, das neue Leben, die Beschneidung des Herzens, nicht allein nicht behauptet, sondern auch, sobald man zu seinen Jahren kommt, von ganzem Herzen hasst; und wo man das Brot und den Wein den Geizigen, Prahlern und Unbußfertigen spendet, die Seligkeit in gewöhnlichen Elementen, Worten und Zeremonien sucht und in Widerspruch mit aller Liebe wandelt – dass da die Kirche des Antichristen ist, müssen mir alle Verständigen einräumen. Denn es ist offenbar, dass sie Christum, Gottes Sohn, mit seinem Wort und seinen Verordnungen verstoßen und ihre eigenen Verordnungen und Werke dafür einführen und zu einem Gräuel und Abgott aufrichten.

Das dritte Zeichen ist der Gehorsam gegen das heilige Wort oder jenes christliche, fromme Leben, das aus Gott ist. Der Herr sagt:

»Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!« (3Mo 19,2)

Christus sagt:

»Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen.« (Mt 5,16)

Paulus sagt:

»Seid ohne Tadel und lauter und Gottes Kinder, unsträflich mitten unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlecht, unter welchem ihr scheint, als Lichter in der Welt!« (Phil 2,15)

Johannes sagt:

»Wer da sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat.« (1Joh 2,6)

Doch wie heilig die Kirche des Antichristen ist, wie ihr Licht leuchtet, wie unschuldig und rein sie wandeln und wie ihr Leben mit Christi Leben übereinstimmt, kann leider allenthalben aus ihren Worten und Werken deutlich gespürt werden.

Das vierte Zeichen ist die herzensgründliche und unverfälschte Liebe zum Nächsten, wie Christus sagt:

»Dabei wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.« (Joh 13,35)

Ja, meine Leser, wo man die wahre, brüderliche Liebe ohne Heuchelei mit ihren Früchten findet, da findet man die Kirche Christi. Johannes sagt:

»Wer lieb hat, der ist von Gott geboren und erkennt Gott; denn Gott ist die Liebe.« (1Joh 4,7–8)

Wo man aber die brüderliche Liebe ausstößt; wo man sich gegenseitig hasst, verleumdet, haut und schlägt; wo ein jeder nur das Seine sucht; wo man sich der Untreue und des Betrugs bedient; wo jeder dem andern Böses zu wünscht, flucht, schwört und schilt; wo man seines Nächsten Mägde, Töchter und Weiber schändet, einander um Ehre, Wohlfahrt, Gut und Blut bringt und allerlei Mutwillen, Gräuel und Frevel gegeneinander anstiftet, wie man dies leider allerorts sehen kann – ob da nicht die Kirche des Antichristen ist, mögen alle Verständigen mit der Schrift beurteilen und erwägen.

Das fünfte Zeichen ist, dass man Christi Namen, Willen, Wort und Verordnung gegen aller Welt Grausamkeit, Tyrannei, Aufruhr, Feuer, Schwert und Gewalt freimütig bekennt und dies bis ans Ende verteidigt. Christus sagt:

»Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater.« (Mt 10,32)

»Wer sich aber mein und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch des Menschen Sohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters, mit den heiligen Engeln.« (Mk 8,38)

Auch Paulus sagt:

»Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig.« (Röm 10,10)

Wo man aber mit den Papisten papistisch, mit den Lutheranern lutherisch, mit den Interimistischen interimistisch ist; wo man bald abbricht, bald wieder hinzusetzt; wo man heuchelt, wie es die Obrigkeit wünscht und haben will – was das für eine Kirche sei, mögen diejenigen beurteilen, welche durch die Wahrheit erleuchtet und von des Herrn Geist gelehrt sind.

Das sechste Zeichen ist das drückende Kreuz Christi, das um seines Zeugnisses und Wortes Willen getragen wird. Christus sagt zu den Seinen:

»Ihr müsst gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.« (Mt 24,9)

Paulus sagt:

»Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, müssen Verfolgung leiden.« (2Tim 3,12)

Sirach sagt:

»Mein Kind, willst du Gottes Diener sein, so schicke dich zur Anfechtung. Halte fest und leide dich und wanke nicht, wenn man dich davon lockt. Halte dich an Gott und weiche nicht, auf dass du immer stärker werdest. Alles, was dir widerfährt, das leide und sei geduldig in allerlei Trübsal. Denn gleichwie das Gold durchs Feuer, so werden die, die Gott gefallen, durchs Feuer der Trübsal bewährt.« (Sir 2,1–5)

Lest auch: Mt 5,10; 10,22; 16,24; Mk 13,13; Lk 6,22; Joh 16,2; Apg 14,19; 2Tim 2; Hebr 11,37; 12,2.

Dass dieses Kreuz ein wahres Zeichen der Kirche Christi ist, hat vormals nicht nur die Schrift, sondern auch das Beispiel Jesu Christi, der heiligen Apostel und Propheten, der ersten und unverfälschten Kirche und auch das der gottesfürchtigen und getreuen Kinder, besonders hier in unseren Niederlanden und in unsern Zeiten wohl bewiesen (Joh 15,20).

Hiergegen ist das gottlose, heidnische Lügen, Hassen, Beneiden, Schelten und Lästern über die Frommen und, wie dies an einigen Orten geschieht, das unbarmherzige Fangen, Bannen, Berauben und das zum Wasser, Feuer, Schwert und Scheiterhaufen Verurteilen ein offenbares Zeichen der Kirche des Antichristen; denn Johannes sah, dass das geschmückte babylonische Weib trunken war vom Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu (Offb 17,6). Er sah ebenfalls, dass dem Tier, das aus dem Meer aufstieg, ein Mund gegeben ward, um große Dinge zu reden, Gott und seinen heiligen Namen zu lästern und auch seine Hütte oder Gemeinde und die im Himmel wohnen. Auch ward ihm Macht gegeben, mit den Heiligen zu streiten und sie zu überwinden (Offb 13,5–7). Ja, mein Leser, das ist der antichristlichen Kirche eigentliches Werk und Weise, diejenigen, die sie mit ihrem goldenen Gräuelbecher nicht bezaubern kann, zu hassen, zu verfolgen und mit dem Schwert zu vertilgen (Offb 17,4). Ach Herr, o lieber Herr! Gönne doch deinem armen, kleinen Häuflein, dass der wütende Drache sie nicht gänzlich verschlinge, sondern dass wir, durch deine Gnade, mit dem Schwert deines Mundes in der Geduld überwinden (Offb 12,4) und einen ewig bleibenden Samen hinterlassen mögen, der deine Gebote halten, deine Zeugnisse bewahren und deinen großmächtigen, hohen Namen ewiglich preisen wird. Amen. Lieber Herr, Amen!

Hiermit will ich die Lehre von der Kirche abkürzen und die Sache mit den nachfolgenden Fragen und Antworten beschließen, welches ich hoffe, durch Gottes Gnade dem fleißigen Leser viel Frucht und große Klarheit bringen wird:

Frage: Was ist Christi Kirche?
Antwort: Eine Gemeinde der Heiligen.
F: Mit wem hat sie angefangen?
A: Mit Adam und Eva.
F: Aus wem ist sie?
A: Aus Gott, durch Christum.
F: Was für Diener gebären sie?
A: Solche, die in Lehre und Leben unsträflich sind.
F: Wodurch gebären sie dieselbe?
A: Durch Gottes Geist und Wort.
F: Wozu gebären sie dieselbe?
A: Dass sie Gott dienen, danken und preisen soll.
F: Wie ist sie gesinnt?
A: In ihrer Schwachheit wie Christus.
F: Was für Früchte bringt sie hervor?
A: Die des Herrn Wort angemessen sind.
F: Was ist die Kirche des Antichristen?
A: Eine Gemeinde der Ungerechten.
F: Mit wem hat sie angefangen?
A: Mit den ersten Gottlosen.
F: Aus wem ist sie?
A: Aus dem Bösen, durch den Antichristen.
F: Was für Diener gebären sie?
A: Die in Lehre und Leben sträflich sind.
F: Wodurch gebären sie dieselbe?
A: Durch die Lehre und den Geist des Antichristen.
F: Wozu gebären sie dieselbe?
A: Dass sie Gott gering achten, verlassen und hassen soll.
F: Wie ist sie gesinnt?
A: Irdisch, fleischlich und teuflisch.
F: Was für Früchte bringt sie hervor?
A: Die dem Evangelium zuwider sind.

Die wahren Zeichen, an welchen man Christi Kirche erkennen soll:

  1. Eine unverfälschte, reine Lehre (5Mo 4,5; 5; 12,1; Mt 28,20; Mk 16,15; Joh 8,51; Gal 1).
  2. Ein schriftmäßiger Gebrauch der sakramentlichen Zeichen (Mt 28,19; Mk 16; Röm 6,4; Kol 2,12; 1Kor 12,13; Tit 3,5; 1Pt 3; Mt 26,26; Mk 14,22; Lk 22,19; 1Kor 11,24–25).
  3. Gehorsam gegen das Wort (Mt 7; Lk 11,28; Joh 7,18; 15,10; Jak 1,22; 1Pt 1,22).
  4. Eine ungeheuchelte brüderliche Liebe (Joh 13,34; Röm 13,8; 1Kor 13,1; 1Joh 3,18; 4,7–8).
  5. Ein freimütiges Bekenntnis Gottes und Christi (Mt 10,32; Mk 8,29; Röm 10,9; 1Tim 6,13).
  6. Druck und Trübsal um des Herrn Wortes willen (Mt 5,10; 10,39; 16,24; 24,9; Lk 6,28; Joh 15,20; 2Tim 2,9; 3,12; 1Pt 1,6; 3,14; 4,13; 5,10; 1Joh 3,13).

Die wahren Zeichen, an welchen man die Kirche des Antichristen erkennen soll:

  1. Eine leichtfertige, gemächliche, falsche Lehre (Mt 7,16; 15,9; 16,4; Röm 16,26; 1Tim 4; 2Tim 2,16–17).
  2. Ein schriftwidriger Gebrauch der sakramentlichen Zeichen, wie die Kindertaufe und das Abendmahl der Unbußfertigen (1Kor 11,19–20).
  3. Ungehorsam gegen das Wort (Spr 1; Tit 1,15–16; Mt 7,26; 25,26).
  4. Verachtung des Nächsten (1Joh 3,15).
  5. Heuchelei und Verleugnung des Namens Gottes und Christi (Mt 10,33; Mk 8,38; Lk 9,26).
  6. Tyrannei und Frevel wider die Gottesfürchtigen (Joh 15,20; 16; Offb 12,13; 14).

Seht, meine Leser, hier habt ihr nun eine gründliche Anweisung von diesen zweierlei Kirchen, was sie sind, aus wem, von woher sie kommen, wie sie gesinnt sind, was für Früchte sie hervorbringen und an welchen Zeichen man sie erkennen kann. Demjenigen, der nicht mit Vorbedacht irren will, ist hier ein guter und ebener Weg angewiesen. Wollt ihr daher ein wahres Glied in der Kirche Christi sein, so müsst ihr aus Gottes Wort geboren und christlich gesinnt sein; Christi Früchte bringen, nach seinem Wort, Verordnung und Befehl wandeln, eurem Fleisch und der Welt absterben, in der Furcht eures Gottes ein unsträfliches Leben führen, euren Nächsten von Herzen liebhaben und ihm dienen, Christi Namen und Preis bekennen und um des Wortes Gottes und seines Zeugnisses willen zu allerlei Elend, Trübsal und Druck bereit stehen (Joh 3,3; 1Pt 1,23; Phil 2,15; Joh 15,4; Röm 8,14; Gal 5,24; Mk 8,35; Lk 9,20).

Wenn ihr euch dessen aber weigert und unverändert in eurer ersten Geburt bleibt, ein unbußfertiges, leichtes Leben führt, des Herrn Wort und Verordnung beiseite setzt, mit der Welt heuchelt und das Kreuz von euch stoßt, so könnt ihr kein Glied in Christi Kirche sein – oder Gottes Wahrheit müsste fehlbar und falsch sein. Denn was die ganze Schrift überall lehrt und predigt, ist Glaube, Liebe, Gottesfurcht, Buße, Gehorsam, Absterbung des Fleisches, Selbstverleugnung, eine neue Kreatur und das Kreuz (Mk 1,15; Lk 13,24; Röm 6,8; Gal 6,1). Fürchtet darum euren Gott von Herzen, übt Selbstverleugnung, untersucht die Schrift, folgt der Wahrheit und seht euch wohl vor, dass ihr nicht, um dieses kurzen, augenblicklichen Lebens und seiner Wollust willen, eure arme, elende Seele betrügt und dieselbe ins ewige Verderben stürzt (Mt 16,25; Mk 8,36).

Da wir nun unsere Erklärung und Unterweisung hinsichtlich des Unterschieds zwischen diesen beiden Gemeinden oder Kirchen nach der Schrift dargelegt haben, will ich mich jetzt zu den Beweisgründen kehren, durch welche er zu beweisen sucht, dass seine Kirche die wahre christliche, die unsrige hingegen eine Sekte und Rotte sei. Ich hoffe mit dem Worte meines Herrn seine Argumente in ziemlicher Kürze so zu widerlegen, dass der unparteiische Leser klar und deutlich sehen muss, dass er mit allen Kräften danach strebt, Gottes heilsames und reines Wort samt seiner heiligen Kirche zu unterdrücken und die Lügen der verführerischen Schlange samt ihrer Kirche zu entschuldigen und zu verteidigen, so viel dies nur möglich ist.

Erstens schreibt er, dass die Heiligen in Korinth und in den Gemeinden von Galatien, die Paulus wegen ihrer gräulichen Sünden straft, dessen ungeachtet von ihren Bischöfen und Pastoren Gottes Wort gehört und die Sakramente empfangen haben.

Antwort: Wenn Gellius und die Prediger in Lehre und Leben mit der Schrift übereinstimmen, die Sakramente auf rechte Weise spendeten und ihre Kirche von der Welt absonderten, so könnte man vom Anhören der Prediger reden. Solange aber die Prediger Verführer bleiben, ihre Sakramente in Widerspruch mit Gottes Wort gebrauchen; solange ihre Jünger der Welt angehören und sie weder Bann noch Strafe nach der Schrift üben, ist es meines Erachtens kaum notwendig, viel davon zu reden, denn es ist offenbar, dass sie außer Christo und Christi Wort sind.

Versteht die Sache wohl, meine Leser! Paulus hat das unrechte Wesen in den erwähnten Gemeinden nicht geduldet, wie die Prediger tun heutigen Tages, sondern er hat sie darum hart gestraft, die Gehorsamen auf die Absonderung gewiesen und besonders denen von Korinth mit ernsten Worten gedroht, falls sie sich bei seiner Ankunft nicht gebessert hätten (2Kor 13,2).

Dies sollte billiger Weise auch Gellius tun; und er sollte keineswegs das arme, ruchlose Volk damit trösten, dass auch andere Leute vor ihnen Unrecht getan haben; denn dies heißt mit Recht, sich mit anderer Leute Beispiel entschuldigen, wie Sirach sagt. Es kann auch seiner Sache in keiner Hinsicht nützen; denn diese Gemeinden waren erstlich recht gebaut und erst später wurden einige unter ihnen von den falschen Propheten und Sektenstiftern berückt und auf Abwege geführt (Jud 19; 2Pt 3,3; 1Kor 5,6,11). Einige, wie es scheint, gaben sich wiederum einem gemächlichen, fleischlichen Leben hin, wie es gewöhnlich mit denen der Fall ist, welche der Wahrheit den Rücken kehren und Lust zu neuer Lehre, Zank und Streit haben oder bekommen, wie ich aus der Erfahrung leider schon seit mehreren Jahren nur allzu viel gelernt habe (1Kor 1,11; Gal 5,12).

Paulus schilt die Ruhestörer in Korinth Streitstifter, Sekten oder Sektenmacher und die von Galatien Verführer und er wünscht und befiehlt ernstlich, dass man dieselben von den Gemeinden absondere, auf dass nicht der ganze Teig von diesem Sauerteig versäuert werde (1Kor 5,6; Gal 5,9).

Da die erwähnten Gemeinden denn erstlich recht gebaut waren und später durch die Sektierer und Fleischlichen, die sich in dieselben eingeschlichen hatten, in Zwiespalt gebracht wurden, wie vernommen worden ist und sie von Paulus ernstlich bestraft wurden, weil solche Aufrührer und Streitstifter zum öffentlichen Ärgernis geduldet wurden, so kann dem Gellius hiermit gewiss nicht geholfen werden, da er und die Seinigen noch nie die rechten Prediger und ihre Gemeinden, die niemals von der Welt abgesondert wurden, noch nie die wahre Gemeinde Christi gewesen sind, wie gehört worden ist.

Zweitens schreibt er, dass Zacharias, Elisabeth, Joseph, Maria, Simeon und Anna, mit noch einigen andern Heiligen, in der Gemeinde des jüdischen Volkes, unter welchem die Mörder Christi waren, Gottes Wort gehört haben und dass auch die Jünger der Propheten in den Gemeinden, unter welchen die Mörder der Propheten waren, keine Scheidung gemacht haben.

Antwort: Es ist hier aus den eigenen Worten des Gellius offenbar, dass die jüdische Synagoge, obschon viel Fromme, wie Zacharias, Elisabeth etc., zu derselben gehörten, doch nicht die christliche oder apostolische Kirche war und die Verordnungen Christi und seiner heiligen Apostel weder hatte noch gebrauchte. Denn man wird niemals beweisen können, dass in der apostolischen Kirche, solange sie apostolisch blieb, Verfolger und Mörder der Gottesfürchtigen gefunden oder in derselben geduldet worden sind, wie dies zu jener Zeit in der jüdischen Synagoge der Fall war. Hier denn hat er sich selbst geantwortet und der Sache das Urteil gesprochen; denn er rühmt nicht, dass seine Kirche die jüdische Synagoge, in welcher solche Gräuel gefunden wurden, sondern die Gemeinde Christi sei, die niemals solches gedacht, viel weniger noch getan hat.

Und wiederum: Dass solche großen Gebrechen und Unanständigkeiten in der erwähnten Gemeinde gefunden wurden, sollte für uns keine Ursache sein, ihnen in dieser Hinsicht zu folgen; sondern es sollte uns eine Anweisung sein, wie wir nach der Lehre Pauli uns gegen solche, die stets unter den Gottesfürchtigen sich erheben, verhalten müssen; und dass wir, um solcher Leute willen, an Gottes Verheißung nicht zweifeln sollten, als wären wir Christi Kirche und Volk nicht; denn wir werden dadurch belehrt, dass in der Gemeinde Christi, die immer von ihrem Widersacher in die Ferse gestochen wird (1Mo 3,15), Ärgernisse, Lästerungen und Sekten entstehen müssen (Mt 18,7); dass aber solche, sobald es nötig ist, nach gebührender Ermahnung (Mt 18,15) von ihr abgesondert werden müssen, falls sie sich nicht bekehren. Dadurch bezeugt sie öffentlich, dass sie von solchen Verführungen und Ärgernissen vor Gott und den Menschen schuldlos dasteht, dass aber die weltlichen Gemeinden dieses nicht tun. Diese dulden solche Leute und halten sie noch für Glieder ihrer Kirche, welches offenbar wider Gottes Wort und Befehl, wider die Verordnung des heiligen Geistes und wider der heiligen Apostel Beispiele und Gebrauch ist. Und dieses tun sie, obwohl sie wohl wissen, dass ihres Herrn Verordnung und Befehl solches nicht dulden kann. Dennoch tun sie es vorsätzlich und mutwillig und können daher, solange sie so handeln und wandeln, Christi wahre Kirche und Gemeinde nicht sein – oder Gottes ausdrückliches, klares Wort müsste gänzlich fehlbar und falsch sein. O meine Leser, bedenkt die Wichtigkeit dieser Sache wohl.

Seine Worte aber, dass die Jünger der Propheten in den Gemeinden, in welchen die Mörder der Propheten waren, keine Scheidung gemacht haben, kann ich in keinem andern Sinne verstehen, als dass er dadurch behaupten will, dass ihre Kirche, obgleich die Bösen und Gottlosen haufenweise in derselbigen gefunden und so offenbar gegen alle evangelische Schrift und Gebrauch der apostolischen Kirche von ihnen geduldet werden, dennoch Christi Kirche bleibt und sein muss. Ach nein, meine Leser, hütet euch, es kann nicht so sein. Sind die Übertreter und mutwilligen Verächter des heiligen Wortes der Gemeinde unbekannt, so ist sie unschuldig. Wenn sie aber der Gemeinde bekannt sind und diese sie, nach geziemender Vermahnung, nicht ausschließt, sondern sie, nachdem der wahre Sachverhalt bekannt ist, mit Wissen und Willen in ihrer Religionsgemeinschaft duldet, kann sie, nach meinem geringen Verstande, Christi Kirche nicht sein; denn sie sündigt mit Vorbedacht, bleibt nicht in Christi Lehre, verachtet Gottes Wort und Verordnung, weil sie das Kreuz Christi zum Lob Gottes und zum Dienst ihres Nächsten nicht tragen, noch der Menschen Ungunst auf sich laden will; sie macht sich fremder Sünde teilhaftig und kann deshalb, nach dem Zeugnisse Johannis, nicht Gott in Kraft und Wahrheit besitzen (2Joh 1,1; 1Tim 5,22; 5Mo 17,2; Mt 18,15).

Drittens schreibt er: Dass sie sichtbar und vor unseren Augen die Gemeinde Gottes und Christi ist, welche öffentliche Versammlungen hält, das Wort hört, annimmt und predigt, die Sakramente mit öffentlichem Bekenntnisse und Anrufung des heiligen, göttlichen Namens austeilt und gebraucht und die ärgerlichen, groben Missetäter und hartnäckigen Sünder bannt.

Antwort: Wenn das die Kirche Christi ausmacht, dass man öffentliche Versammlungen hält (obwohl mit allerlei Eitelkeit, Pracht und Pomp); dass man nach der Welt Weise predigt, die Kinder tauft, mit den Unbußfertigen das Brot bricht, einen Schein des Betens führt und Diebe und Mörder mit dem Schwerte vertilgt, so müssen auch alle Papisten samt allen Arianern, Mönchen etc. Christi Kirche gewesen sein; denn auch alle diese haben solches öffentlich getan. Dies leidet keinen Widerspruch. Nein, dem ist nicht so. Wo aber die Versammlung in Christi Name geschieht, wo man das Wort unverfälscht predigt, es sei heimlich oder öffentlich; wo die Taufe und das Abendmahl nach des Herrn Verordnung gespendet werden; wo man nicht nur die großen Missetäter, die auch durch des Kaisers Bann gebannt werden, sondern auch die Säufer, Hurer und Hurenjäger, Geizigen und Wucherer, nach der Apostel Lehre und Beispiel von der Gemeinschaft der Gottesfürchtigen ausschließt (1Kor 5,11) – seht, das ist die sichtbare Kirche, von der uns die Schrift Zeugnis gibt.

Viertens schreibt er, dass sie vor Menschenaugen, die nicht ins Herz sehen können, unsichtbar und allein vor Gottes Augen und Gericht die wahre Kirche Gottes und Christi ist, welche in der äußerlichen oder sichtbaren Kirche, das ist in der Zahl der Berufenen, gefunden wird, weil Gott durch die Predigt seines heiligen Evangeliums und den Gebrauch seiner heiligen Sakramente mit Kraft darin wirkt und fast immer viele zum ewigen Leben wiedergebärt, welche bloß von ihm, der die Seinigen kennt und allein in das Menschenherz sieht, gekannt werden und die wahre Braut Christi sind.

Antwort: Ich bekenne, dass dieses teilweise richtig ist, doch mit dieser Voraussetzung, dass die sichtbare Kirche in welcher die unsichtbare (wie er sie nennt) eingeschlossen sein sollte, in der Lehre, den Sakramenten und Verordnungen heilsam und auch im Leben, so viel die Menschen (die nur nach dem Äußerlichen richten) sehen können, unsträflich sein soll. Da es denn mehr als klar ist, dass Gellius samt allen Predigern seiner Gattung überall sträflich ist, da es offenbar ist, dass sie Gottes Wort verfälschen, die Sakramente missbrauchen, der Welt huldigen, die Gottesfürchtigen schelten, ihre Kirche nicht von der Welt absondern und es keinen unter allen ihren Jüngern gibt, der sie für solche offenbaren Übertretungen und Missbräuche straft, sondern ein jeder mit ihrer Lehre und ihren Sakramenten wohl zufrieden ist, ihnen folgt und sie aufrecht hält und alle miteinander heucheln, auf dem breiten Weg wandeln, das Kreuz Christi hassen und andern dasselbe auflegen – so kann ich keineswegs einräumen, dass solch eine unsichtbare Kirche unter ihnen bestehe und zwar aus folgender Ursache: Ich weiß für gewiss, dass die wahre Kirche Christi, wo dieselbe gefunden wird, sich unfehlbar unter diesem argen und verkehrten Geschlecht durch Wort und Werk offenbart; denn sie kann ebenso wenig verborgen sein als eine Stadt auf einem hohen Berg oder ein Licht auf dem Leuchter (Mt 5,14; Phil 2,15).

Fünftens schreibt er, dass die Gemeinde zu Rom, Korinth, Ephesus etc. und auch die Fremdlinge hier und dort, in Ponto, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, von Paulus und Petrus die Heiligen und Auserwählten genannt werden. Denn die Kirche, schreibt er, nimmt ihren Namen von dem besten Teil, dass sie Gottes oder Christi Kirche, heilig, rein, unsträflich etc. heißt.

Antwort: Denkt nicht, meine guten Leser, dass alle, die zu Rom, Korinth, Ephesus, in Pontus, Galatien, Kappadozien (Röm 1,7; 1Kor 1,2; Eph 1,1; 1Pet 1,1) wohnten, von Petrus und Paulus Christi Kirche genannt wurden, wie alle die in Meißen, Thüringen und den deutschen Ländern wohnen, von den Predigern Christi Kirche genannt werden. Keineswegs. Sie meinten das kleine Häuflein, das aus dem Wort der göttlichen Kraft geboren, sich von der Welt abgesondert und durch ein öffentliches Bekenntnis willig Christo und seinem Bunde ergeben hatte. Es ist gerade als wenn ich schreiben sollte: Den auserwählten Kindern und Heiligen Gottes zu Antwerpen, Genf, Leeuwarden und den Fremdlingen hier und dort in den deutschen Ländern. Nicht dass ich damit alle diejenigen meinte die zu Antwerpen, Genf, Leeuwarden und in den deutschen Ländern sind oder wohnen – keineswegs; denn es wohnen dort auch jene, welche die Auserwählten Gottes nicht wenig verfolgen; sondern ich meine diejenigen, die Christum Jesum durch einen wahren Glauben annehmen und seinem heiligen Worte gehorsam sind.

Seht, meine Leser, wenn die Prediger auf dieselbe Weise ihre Kirchen von der Welt absonderten, Gottes Wort unverfälscht predigten, die Sakramente recht und nach der Schrift gebrauchten, mit ihren Gemeinden nach einem frommen, christlichen Leben strebten, so könnte er, in Einklang mit Schrift und Wahrheit, sich rühmen, dass die Auserwählten, die er, wie mir scheint, die unsichtbare Kirche nennt, in ihrer sichtbaren Kirche begriffen seien, wie er vorgibt.

Zum Sechsten schreibt er: »Im Falle sie nun sagen wollen, eure Kirche ist nicht gläubig, heilig und unsträflich, so berufe ich mich erstens auf die Gemeinde des jüdischen Volkes, woraus wir lernen können, dass sie zur Zeit Elias, Jeremias, Daniels, der Propheten, Johannes des Täufers, Christi und der Apostel nicht alle heilig gewesen sind, von welchem uns die Schriften der Propheten und Apostel reichlich Beweise geben; dass sie aber dennoch, obwohl der größere Teil, beides, des Volks und der Regenten, gottlos waren, Gottes und Christi Kirche gewesen und um einiger Frommen willen, zu denen Gott seine Propheten sandte, so genannt wurden.«

Antwort: Wenn die Prediger, wie Elia, Jeremia und die Propheten, ihr Amt recht bedienten und einige unter ihnen gefunden würden, die des Herrn Wort recht nachfolgten, wie dies zu der Zeit der Propheten geschah, dann könnte Gellius damit geholfen werden. Nun aber sind sie nicht Elia, Jeremia, noch Daniel, auch nicht die Lehrer, die von Christi Geist getrieben werden, sondern gleich jenen Propheten und Lehrern, die von Jeremia an vielen Stellen seiner Schriften gestraft, die von Elia vertilgt wurden und vor denen wir von Christus und seinen Aposteln überall in der Schrift treulich gewarnt werden, dass wir sie nicht hören sollen (Jer 23,27,30; 1Kön 18,40; Mt 7,15; Röm 16,17; 1Tim 6,20).

Ferner sage ich: Israel ist das buchstäbliche Volk gewesen und hatte um der Väter willen und seiner fleischlichen Geburt halber Verheißung empfangen. Das Gesetz ward ihnen gegeben, damit sie Gott dienen und in seinen Geboten wandeln sollten. Und obwohl sie dieses Gesetz übertraten und nicht taten, was Gott ihnen zu tun befohlen hatte, so sind sie dennoch das buchstäbliche Volk geblieben. Gott, seines Bundes, den er mit Abraham, Isaak und Jakob gemacht hatte, eingedenk, erweckte seine treuen Diener, die Propheten, und sandte dieselben manchmal zu ihnen. Diese haben sie dann aus des Herrn Mund ernstlich gestraft, sie wiederum auf das Gesetz gewiesen und ihnen furchtlos mit Plagen für ihre Sünden gedroht. Mit uns aber verhält es sich nicht so; denn wir sind nicht das buchstäbliche Geschlecht, das aus den Lenden Abrahams und Isaaks entsprang, sondern wir sind durch den Geist aus Gottes Wort geboren (Joh 1,13). Wenn wir aber diese Geburt, die aus Gott ist, verlassen, nicht in Christi Wort bleiben und wiederum den breiten Weg betreten, so bleiben wir nicht länger Christi Kirche und Geschlecht (2Joh 9; 2Pt 2,10).

Seht, meine Leser, da es denn offenbar ist, dass Gellius samt den Predigern seiner Gattung und auch ihre Gemeinden niemals das geistliche Geschlecht gewesen sind, da sie nicht, wie augenscheinlich ist, aus Gott in der Wahrheit geboren, sondern irdisch und fleischlich gesinnt sind, nach den Lüsten ihres Fleisches wandeln, nicht durch die rechte Türe eingegangen sind, eine unreine Lehre verkünden und fremde Sakramente gebrauchen, wodurch, wie vernommen worden, man Christo keine bleibende Kirche versammeln kann und da sie zudem noch wider Christi Geist, Wort und Willen streiten, ja, ihn hassen und ihm feind sind, wie können sie in diesem Fall mit Israel verglichen werden, die der Väter halber jenes Geschlecht und Kirche waren, diese hingegen niemals Christi Geschlecht und Kirche im Geist gewesen sind, wie gesagt worden ist?

Zum Letzten sage ich: Die ganze Schrift, beides, des alten und neuen Testaments, weist uns immer auf Christum Jesum, dass wir ihn hören sollen (Mt 17,5; Mk 9,7). Wenn einer solches nicht tut, so wird es an ihm heimgesucht werden; darum fasst es zu Herzen. Ich habe schon früher gesagt, dass, wiewohl alle Gottesfürchtigen von Anbeginn eine Gemeinde, Kirche und Leib gewesen sind, dennoch jede Zeit ihre eigene Lehre, Verordnungen und Gottesdienst gehabt hat. Mose gab das Gesetz und Israel musste ihm gehorchen, bis der verheißene Christus kam. Nun aber wird man auf seinen Geist, sein Wort und seine Verordnung hingewiesen. Kann man uns nun aus seinem Wort beweisen, dass sein Geist offenbare Trunkenbolde, Geizige, Prahler, Frauenschänder, Lästerer, Tyrannen und Mörder (versteht, die keine Buße taten) in der Gemeinschaft der apostolischen Kirche geduldet und offenbare Verführer und Weltlinge zu Bischöfen und Hirten verordnet hat, so will ich zugeben, dass sie Christi Kirche sind. Können sie es aber nicht tun – und sie werden es niemals können – so müssen sie gewiss bekennen, dass ihre Kirche, da sie solcher Leute voll und aber voll ist, nicht Christi Kirche, wie sie rühmen, sondern ein mutwilliges, widerspenstiges und ungehorsames Volk, ja, die Kirche des Antichristen und Welt ist und dass alle ihre Vorgebungen in diesem Stück im Grunde nichts als offenbare Verführung, Lügen und Betrug sind. Merkt, meine Leser, ich bezeuge euch in Christo: Glaubt es, wenn ihr wollt; es ist die Wahrheit, was ich schreibe.

Zum Siebten schreibt er: »Zweitens berufe ich mich auf die Gemeinde der Korinther, welche Paulus erstens wegen ihrer Uneinigkeit straft, indem er sagt:

›Und ich, liebe Brüder, konnte nicht mit euch reden, als mit Geistlichen, sondern als mit Fleischlichen.‹ (1Kor 3,1)

«

Antwort: Ich habe schon zuvor bemerkt, dass diese Gemeinde durch Paulus recht gelehrt und für Christum gewonnen war. Später aber ward sie durch die Weltweisen, welche die Lehre des Kreuzes gering achteten, und durch die falschen Apostel angefochten, wodurch Trennungen entstanden, worüber Paulus sie strafte und brüderlich unterwies, indem er sie ernstlich zur Absonderung des Unbußfertigen und Fleischlichen ermahnt. Denn so lehrt uns der Schrift Befehl und Verordnung, nämlich, dass man solche zuerst ermahnen und dann, im Falle sie sich nicht bekehren, kraft gleichen Befehls von der Gemeinde ausschließen soll. Was Gellius, der samt den Seinigen noch nie von der Welt abgesondert und Christi rechte Kirche war, dadurch beweisen kann, mögt ihr beurteilen. Ja, alles, was er, guter Mann, tut, besteht darin, dass er seine Kreuzflüchtigkeit und offenbaren Ungehorsam an den Tag bringt und die großen und schweren Übertretungen seiner Jünger, wie schrecklich diese auch sein mögen, durch das Beispiel anderer Leute zu entschuldigen und zu verteidigen sucht.

Zum Achten schreibt er: »Drittens berufe ich mich auf die Gleichnisse Christi, Johannes des Täufers und Pauli. Christus vergleicht die Kirche mit einem Acker, auf welchem mit dem guten Weizen auch das Unkraut zur Ernte heranwächst. Ferner vergleicht er dieselbe mit einem Netze, womit gute und schlechte Fische gefangen werden; mit zehn Jungfrauen, von denen fünf töricht und fünf weise sind; und mit einer königlichen Hochzeit, zu welcher die Guten und die Bösen zusammen gebracht werden und einer vom König gefunden wird, der kein hochzeitliches Kleid an hat.«

Antwort: Christus selbst legt diese erste Parabel aus wie folgt:

»Des Menschen Sohn ist es, der da guten Samen sät. Der Acker ist die Welt (Merkt recht, dass Christus sagt, dass der Acker die Welt ist und nicht die Kirche, wie Gellius vorgibt). Der gute Samen sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der sie sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel.« (Mt 13,37–39)

Versteht es recht, meine Leser! Christus, des Menschen Sohn, sät seinen Samen, das ist Gottes Wort, durch seinen Geist in der Welt und alle, die dasselbe hören und dasselbe glauben und nach demselben handeln, werden hier die Kinder des Reichs genannt. Ebenso sät aber auch der Widersacher sein Unkraut und falsche Lehre in der Welt und alle die ihm zuhören und nachfolgen, werden hier die Kinder der Bosheit genannt. So stehen hier denn der Weizen und das Unkraut auf einem Acker, nämlich der Welt. Nun will aber der Hausvater nicht, dass man das Unkraut vor der Zeit ausjäte, das ist, er will nicht, dass man es durch den Tod vertilge, sondern dass man es bis zur Ernte heranwachsen lasse, auf dass man nicht, statt des Unkrauts, den Weizen ausraufen möge (Mt 13,29–30).

Ach, meine Leser, könnten doch die Prediger dieses Gleichnis recht verstehen und ihren Gott fürchten, wie es sich gebührt, so würden sie nicht so feindselig über uns Elende, die leider überall von ihnen Unkraut, Wiedertäufer, Rotten und Sekten gescholten werden, rufen: »Hinweg mit den Ketzern!«, wenngleich wir auch Ketzer wären, was Gott verhüte! Ach, es ist so edler Weizen den sie ausreuten! Aber was hilft es? Der Satan muss Aufruhr stiften und morden, denn dies ist seine Natur und Beschäftigung, wie die Schrift lehrt (1Mo 3,4; Joh 8,38,44).

Einige von den andern Gleichnissen, wie das von dem Netze mit den guten und schlechten Fischen, das von den weisen und törichten Jungfrauen mit ihren Lampen, das von der königlichen Hochzeit mit den Gästen und das von der Dreschtenne mit dem Weizen und der Spreu, obwohl sie vom Herrn mit Hinsicht auf die Kirche gesprochen wurden, wurden dennoch nicht zu dem Zwecke gesprochen, dass die Kirche offenkundige Übertreter, Säufer, Prasser, Frauenschänder, Geizige, Räuber, Spieler, Betrüger und Wucherer mit Wissen und Willen in ihrer Gemeinschaft haben und dulden soll. Denn wäre dies der Fall, so müssten Christus und Paulus sich in der Lehre gegenüber stehen; denn Paulus sagt, dass man solche meiden und scheuen soll (2Th 3,6). Mit diesen Gleichnissen will aber gesagt werden, dass viele scheinbar als Christen sich mit den Christen vermengen und das Wort und die Sakramente annehmen werden, obwohl sie in der Kraft und in dem Geist keine Christen, sondern Heuchler vor ihrem Gott sind (Ps 1,5). Dies sind diejenigen, welche hier mit den schlechten Fischen, welche die Engel am Tage Christi wegwerfen werden; mit den törichten Jungfrauen, die kein Öl in ihren Lampen haben; mit dem Gast ohne Hochzeitskleid und mit der Spreu verglichen werden. Denn sie nehmen den Schein an, dass sie Gott und Christum suchen; sie empfangen die Taufe und das Abendmahl und führen äußerlich einen guten Schein – doch der Glaube, die Buße, wahre Furcht und Liebe Gottes, Geist, Kraft, Frucht, Werke und Tat sind nicht vorhanden.

Was aber die Gleichnisse von den zweierlei Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–16) und von den Eingeladenen zum großen Abendmahl (Lk 14,16) anbelangt, möge der Leser wissen, dass sie einen anderen Sinn haben und sich der Auffassung von Gellius nicht fügen. Wer die Wahrheit liebt, möge sie nachlesen und ihre wahre Bedeutung mit der heiligen Schrift recht erwägen. Was weiter die Gefäße zu Unehren, hier auch von ihm angeführt, betrifft, so will ich Paulus Ausleger seiner eigenen Worte sein lassen, denn er sagt:

»So nun jemand sich reinigt von solchen Leuten, der wird ein geheiligtes Gefäß sein, zu den Ehren, dem Hausherrn nützlich und zu allem guten Werk bereitet.« (2Tim 2,21)

Seht, werte Leser, hier mögt ihr nun erkennen, auf wie jämmerliche Weise er des Herrn Wort verdreht, auf dass er ja beweisen möge, dass sie, obwohl sie die offenbaren Übertreter mit Wissen und Willen und wider alle Schrift in ihrer Kirchengemeinschaft zulassen, dennoch Christi Kirche zu heißen berechtigt sind. Doch die feuerflammenden Augen des Herrn, die alles durchstrahlen, lassen sich durch solche verblümte, schöne Redensarten nicht verblenden.

Zum Neunten schreibt er: »Ist denn die Kirche mit diesem Übel geplagt, dass sie, wie etliche dieser Gleichnisse lehren, bis an den jüngsten Tag die Bösen leiden muss; ja, dass sie niemals so glücklich gewesen ist, wie fleißig sie sich auch des Bannes bedient hat, dass nicht einige Gottlose und Heuchler in ihr gefunden wurden, so tun sie unrecht und sündigen schwer, wenn sie sagen, dass wir keine Gemeinde Gottes lehren, halten oder haben, wie die Patriarchen, Propheten, Mose und indem sie unsere Gemeinde, die durch unseren treuen Dienst und nach dem Beispiel aller Sendboten Gottes auf das rechte Fundament gegründet und auf den auserwählten Eckstein, mit täglicher Zunahme, gewiesen und gebaut wird, um der Bösen willen fälschlich als eine ungläubige, unheilige und sträfliche, ganz gegen alle Schrift hinstellen; und somit nicht nur uns allein, sondern auch alle Kirchen des deutschen Volkes, ja, der ganzen christlichen Welt, die keine andere Gestalt haben können, ausgenommen ihre Kirche, die heilig, rein, unsträflich, ohne Fleck und Runzel sein soll – ihres schrecklichen Bannes halber.«

Antwort: Wenn er mit seinen Worten, dass die Kirche mit diesem Übel geplagt sei, dass sie das Übel leiden müsse, sagen wollte, dass die wahre Kirche überall die Feindschaft der Bösen, Aufruhr, Gewalt und Tyrannei dulden und es auch zulassen muss, dass die Gottlosen gottlos handeln, so hätte er nicht unrecht geschrieben. Weil es aber seine Meinung ist, dass, gleich wie die Kirche stets Heuchler unter sich hat, sie daher auch Böse, das heißt offenbare Verächter und Übertreter, haben muss, so ist es offenbar gegen Gottes Wort geschrieben, denn Paulus sagt:

»Tut von euch selbst hinaus (d. h. sondert von der Gemeinschaft eurer Kirche ab), wer da böse ist!« (1Kor 5,13)

Ferner schreibt er, dass wir uns schwer versündigen, wenn wir sagen, dass sie keine Gemeinde Gottes haben und dabei noch rühmt, dass sie ihre Gemeinde auf den rechten Eckstein bauen. Auf dieses antworte ich: Dieser sein Ruhm ist falsch. Denn dass sie ihre Kirche nicht auf den rechten Eckstein bauen, wird durch ihre leichtfertige Lehre, falschen Sakramente, ihr ruchloses Leben und diese seine unanständigen, wüsten Schriften leider mehr als genügend bewiesen.

Da es denn offenbar ist, dass sie allenthalben fehlen, das Wort Gottes verfälschen, die Sakramente missbrauchen, keine Absonderung halten und beide, Lehrer und Zuhörer, meistenteils auf verkehrten Wegen wandeln, so mögt ihr, meine Leser, urteilen, ob wir uns dadurch versündigen, dass wir in reiner und treuer Liebe sie zum Besten ermahnen und ihnen mit schlichtem, frommen Herzen bezeugen, dass sie auf diese Weise keine Gemeinde Gottes sind noch sein können. Wir wissen wahrhaftig, dass, wo keine reine Lehre, keine reinen Sakramente, kein frommes, christliches Leben, keine wahre brüderliche Liebe und kein wahres Bekenntnis gefunden werden, auch keine christliche Kirche sein kann, wie man sich auch rühmen möge.

Weiter beklagt er sich, dass wir nicht bloß sie, sondern auch alle Kirchen des deutschen Volkes, ja, die ganze christliche Welt als ungläubig, unheilig, etc. hinstellen und verdammen. Hier möge der Leser wissen, dass wir niemand verdammen, sondern das wird derjenige tun, dem es vom Vater gegeben ist, Christus Jesus (Joh 5). Dieses müssen wir dennoch sagen, denn wir können es nicht verschweigen, sondern lehren es mit Wort und Schrift, dass alle diejenigen, die nicht aus Gott und Gottes Wort geboren werden, nicht vom Geiste Christi getrieben und nicht in seine Natur verändert werden, Christi Kirche und Gemeinde nicht sein können, was für einen herrlichen und heiligen Schein und Namen sie auch führen mögen. Hier gilt weder Kaiser noch König, Doktor noch Lizenziat, Papst noch Luther; alle die in Christi Kirche sein wollen, müssen in Christo sein, wie Christus gesinnt sein (Phil 2,5) und wandeln wie Christus gewandelt hat (1Joh 2,6) oder Christus Jesus, Johannes, Paulus und die ganze Schrift müssten lügenhaft und falsch sein. Dies ist klarer, als dass es widerlegt werden könnte.

Da er uns denn beschuldigt, dass wir alle Kirchen des deutschen Volkes und der ganzen christlichen Welt, wie er sie nennt, verdammen, so antworte ich darauf mit kurzen, deutlichen Worten wie folgt: Wenn die deutschen Kirchen und die erwähnte Welt aus Gott geboren und wie Christus gesinnt wären und wandelten, wie er gewandelt hat, so würde die Beschuldigung des Gellius gerecht sein, weil wir sie nicht als rechte Gemeinden anerkennen. Weil sie aber mit der Tat beweisen, dass sie außer Christo sind, wider Christi Wort und Willen handeln und wandeln und ihre Gesinnung gänzlich irdisch und fleischlich ist, so werden sie nicht von Menschen, sondern von des Herrn Wort verurteilt, wie Christus sagt:

»Das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am jüngsten Tag.« (Joh 12,48)

Wenn er weiter sagt, dass die erwähnten Kirchen keine andere Gestalt haben noch haben können, so spricht er dadurch selbst aus, dass sie weder Christi Kirche haben, noch dieselbe sind; denn Christus will, dass seine Kirche sein Wort, Verordnung und Befehl haben, halten und befolgen soll ohne Rücksicht ob dies dem Fleische lieb oder zuwider sei (Mt 28,19–20; Joh 8,31).

Seht meine Leser, da es denn mehr als klar ist, dass die Schrift, beides, durch Lehre und Beispiel, zum Überfluss Anweisung gibt, dass man offenbare Übertreter von der Kirchengemeinschaft ausschließen soll, und die Prediger, um des Kreuzes willen, das leicht dadurch für sie entstehen könnte, dieses vernachlässigen, die Menschen mehr fürchten als Gott und mehr ihrem Bauche frönen, als Gottes Ehre suchen, so geben sie durch ihre offenkundigen Werke Zeugnis, dass sie Christi Braut und Schafe nicht sind; denn sie hören weder seine Stimme, noch folgen sie seiner Lehre und seinem Befehl (Joh 10,26).

Auf seine weitere Bemerkung, dass wir unsere Kirche, des grausamen Bannes halber, für heilig, rein und unsträflich halten, antworte ich ganz einfach: Wir rühmen uns nichts, als der Gnade unseres Gottes durch Christum Jesum; unsere Schwachheit ist groß, unser Straucheln mannigfaltig und wir fühlen mit Paulus, dass in unserem Fleische nichts Gutes wohnt (Röm 7,18). Dennoch jagen alle wahren Glieder der Kirche Christi danach, dass sie das unsträfliche, heilige Wesen, welches in Christo ist, ergreifen mögen (Phil 3,12); sie richten ihre Wege nach des Herrn Wort; sie befolgen seinen Befehl und Verordnung und sondern diejenigen ab, welche die Schrift absondert – welches er leider einen schrecklichen Bann nennt. O Herr!

Ach Gott! So gering wird das edle, werte Wort von diesem unbedachten Mann geachtet. Denn mit dieser seiner widerlichen und ungesalzenen Lästerung macht er nicht bloß uns, sondern auch den Sohn des allmächtigen und lebendigen Gottes, den Geist der ewigen Weisheit, der diesen Bann befohlen hat, dazu alle Apostel und auch die ganze erste Kirche, welche ihn so ernstlich gelehrt und so eifrig gebraucht haben, zu Toren; denn wenn die Verordnung eine Torheit ist, so müssen auch derjenige, der sie eingeführt hat, und alle die sie lehren und gebrauchen, Toren sein. Dies kann nicht geleugnet werden.

Merkt, meine Leser, ob dies nicht heiße, Gottes Wort und Willen hassen, sein Gebot verachten und Lästerungen wider den Allerhöchsten reden (Offb 13,6), mögt ihr mit der Schrift in der Furcht eures Gottes beurteilen. Ach, meine Leser, wacht doch auf und seht recht zu, auf dass ihr eure Prediger einmal recht kennen mögt, welches Geistes Kinder sie sind.

Zum Zehnten schreibt er: »Also müssen sie in einen verkehrten Sinn übergeben werden, die vor der Zeit und ganz und gar ohne Urteil richten und mehr aus geistlichem Hochmut und falschem Wahn der Heiligkeit, als aus rechtschaffener Heiligkeit die Kirche verlassen, wofür sie keine andere Ursache haben, als dass sie auf pharisäische Weise, durch Verachtung der andern, sich selbst rechtfertigen wollen.«

Antwort: Wenn ich alle seine Scheltworte und falschen Beschuldigungen ganz genau beantworten wollte, so würde dies dem Leser, fürchte ich, zu lange werden. Dennoch will ich so viel dazu sagen, dass, wenn es mir gestattet wäre, mit Gellius öffentlich vor dem Volke zu sprechen, ich nicht zweifle, dass viele, durch Gottes Gnade, bald einsehen würden, dass nicht wir, sondern sie selber in einen verkehrten Sinn übergeben sind und dass sie es sind, die uns ohne alle Rücksicht vor der Zeit verurteilen, aus falschem Hochmut außer Christi Kirche bleiben und uns nicht bloß, wie die Pharisäer, verachten, sondern auch an vielen Orten um Leib, Leben, Gut und Blut bringen, wie man sehen kann. Aber wir müssen dulden und leiden und uns mit diesem Spruche trösten:

»Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles wider euch, wenn sie darin lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnt werden. Denn so haben sie auch verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.« (Mt 5,11–12; Lk 6,22)

Zum Elften schreibt er: »Sie werden uns vielleicht antworten und sagen, dass wir, wenn wir behaupten Christi Kirche zu sein, die Wahrheit jener Worte Christi: ›Und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen,‹ an uns beweisen sollen und zeigen, wo dann unsere Kirche jemals unüberwältigt von Teufel, Antichristus und Sekten bestanden habe?« Weiter schreibt er: »Da die Kirche, die an keinen bestimmten Ort gebunden, sondern über die ganze Welt zerstreut ist, diesen Glaubensartikel hat: ›Ich glaube an eine heilige, christliche Kirche und an die Gemeinschaft der Heiligen,‹ und sie diesen Artikel bis an der Welt Ende behalten muss, so zwingt uns solches, zu bekennen, dass Gott, wahrhaftig in seinen Verheißungen, seine Kirche bewahrt und zu allen Zeiten bewahrt hat, wiewohl die alte Schlange, der Teufel aus der Hölle, sie durch die Lüste des Fleisches und die Pracht der Welt verführt oder durch mancherlei Sekten und Rotten oder die Gewaltigen der Welt sie bekämpft, verfolgt und verrückt, bis sie, nachlässig in ihren Pflichten, schläfrig im Gebet, Gottes Willen nicht achtend und undankbar für sein Wort oder abtrünnig von Christo erfunden wird und Gott so schwer erzürnt, dass er das Licht seines Wortes hinwegnimmt und sie in große Irrtümer fallen lässt, die gewöhnlich Abgötterei, Meineid, Hurerei und andere Unreinigkeiten, Sünden und Schanden im Gefolge haben, so dass die Kirche in solchen Fällen beinahe verwüstet, vertilgt und vernichtet wird und nur noch mit Mühe ihren Namen behalten kann.«

Antwort: Hier muss ich den getreuen Leser ernstlich ermahnen, doch wohl zu merken, wie die Worte des Gellius lauten, welche ich hier ausführlich wiedergegeben habe. Er selbst gesteht ein, dass sie von dem Teufel durch fleischliche Lüste, durch die Pracht der Welt, durch Sekten, Rotten und die Gewaltigen der Welt verführt und verrückt, nachlässig in ihren Pflichten, schläfrig, unachtsam, undankbar und von Christo abtrünnig geworden sei, Gott erzürnt habe und dadurch in allerlei Bosheit und Sünden gefallen sei. Dennoch will er behaupten, dass sie Christi Kirche geblieben sei, gerade als ob die Kirche sich von Geschlecht zu Geschlecht forterben könnte und nicht in Glauben, Geist und Kraft bestünde. Unangebrachtere und plumpere Reden sind mir noch nicht vorgekommen, wie man hören kann. Nehmt darum, was ich schreibe, wohl zu Herzen und lasst euch dies eine gewisse Regel sein, nämlich dass wo Christi Geist, Wort, Sakramente und Leben gefunden werden, auch jener nicänische Glaubensartikel, Ichglaube an eine heilige, christliche Kirche, an die Gemeinschaft der Heiligen, Berücksichtigung findet; dass aber, wo man Christi Geist, Wort, Sakramente und Leben nicht findet, sondern der Geist, die Lehre, Sakramente und das Leben des Antichristen beachtet werden, nicht Christi sondern des Antichristen Kirche gefunden wird, ob man auch tausendmal rühmte: »Ich glaube an eine heilige, christliche Kirche.« Denn außer Christi Geist oder wider Christi Geist, Wort, Sakramente und Leben kann in Ewigkeit keine christliche Kirche sein, man drehe die Sache, wie man wolle. Denn jenes Wort steht unbeweglich:

»Wer übertritt und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat keinen Gott.« (2Joh 9)

Zum Zwölften schreibt er: »Da Gott einen ewigen Bund mit seiner Kirche in Gnaden gemacht und ihr die Verheißung gegeben hat, dass die Pforten der Hölle sie nicht gänzlich überwältigen sollen, obwohl diese Trennungen verursachen und sie schwächen mögen, so bewahrt er zu allen Zeiten einen Schatten der evangelischen Lehre und seiner Sakramente, auf welche die Kirche sich stützen muss und behält auch immer einige Glieder auf dem rechten Fundament, die mitten unter den Disteln und Dornen, Wölfen, Bären und Löwen aufwachsen und wie in einem schrecklichen Sturm vom Schiffbruch, gleich Noah in der Sündflut, gerettet und von großen Wassern erlöst werden.«

Antwort: Wo man sich nach Christi Geist, Wort, Sakramenten, Verordnungen, Gebot, Verbot, Gebrauch und Vorbild richtet, da findet man die heilige, christliche Kirche, wie gehört worden ist und hat die Verheißung, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen sollen. Denn obschon sie wie eine Rose unter den Dornen wächst, wie er schreibt und sich mitten unter den Wölfen, Bären und Löwen aufhält, einem von heftigen Winden und Wellen getriebenen Schiffe gleich ist und viel Kummer leiden muss, so kann sie doch nicht niedergeworfen, das ist, sie kann nicht von Christo abgewendet werden (versteht, ich meine die wahre christliche Kirche), denn sie ist auf einen Felsen gebaut (Mt 7,24).

Dass dieses die Wahrheit ist, lehrt uns die Schrift überall und mit vielen Beispielen; und wir haben es auch nicht wenig in unseren Zeiten mit Kraft empfunden. Denn wie gräulich die Löwen, Bären und Wölfe mit ihren schrecklichen Mandaten mit Fangen, Peinigen und Umbringen schon seit mehreren Jahren gebrüllt, gewütet und zerrissen haben und die Wogen sich manchmal bis zu den Wolken des Himmels auftürmten, so konnten die Verfolger dennoch den einfachen, frommen Kindern die geoffenbarte Wahrheit nicht entreißen. Wie scharf auch die Disteln und Dornen stechen mögen, so wächst dennoch diese edle, schöne Rose von Tag zu Tag (dem Herrn sei ewig Lob dafür) und nimmt in ihrer Tugend und Kraft munter zu, wodurch es vielen redlichen Leuten offenbar wird, dass Gottes Verheißung über seine Kirche fest steht und dass es des Allerhöchsten herrliches Wunderwerk und große Macht ist; denn weder Elend noch Schmerzen, weder Leben noch Tod können sie scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist (Röm 8,39).

Und dennoch bildet dieser unbedachte Mann sich ein, dass sie die wahre christliche Kirche seien und merkt nicht, dass die erwähnten Disteln, Dornen, Wölfe, Bären und Löwen, von welchen die wahre Kirche oft gelitten hat und täglich leidet, Glieder derselben Kirche sind, von welcher er behauptet, dass sie die wahre Kirche Christi gewesen ist und solches jetzt noch sei; da sie schon seit mehreren Jahrhunderten alle einerlei Sakramente gebraucht haben und unabgesondert, als Kinder der Gnade gegrüßt, in die Gemeinschaft derselbigen Kirche aufgenommen und darin behalten worden sind.

Dazu tröstet er das arme Volk damit, dass der Herr in allen Zeiten einen Schatten der evangelischen Lehre und seiner Sakramente bewahrt habe, worauf die Kirche sich stützen könnte, als ob Gott an einem toten Schatten des falschen Predigens und der Kindertaufe ein Wohlgefallen gehabt hätte und die Kirche Christi, Gottes und des Lammes Braut, sich auf eine unreine, verfälschte Lehre und schriftwidrige Sakramente stützen und Bestand haben könnte. Ach, lieber Herr! Wie lange noch werden diese groben Irrtümer fortdauern? Wer diese greifbaren Verführungen nicht sehen kann, muss entweder ein übermäßig verstocktes und verkehrtes Herz haben oder ein sehr unverständiger und ungeschickter Mensch sein, das muss ich immerhin sagen.

Zum Dreizehnten bringt er zwei Argumente vor, wodurch er zu beweisen vermeint, dass ihre Kirche die allgemeine Kirche sei (wie er sie nennt), mit welcher Gott so gehandelt habe. Er schreibt erstens: »Es ist nach der Prophezeiungdes Apostels Paulus, in dieser Kirche, dass der Antichrist gesessen hat, wo er sich als Gott eingesetzt und über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, erhoben hat (2Th 2,4). Diese muss darum die wahre Kirche sein, die Gottes Verheißung hat, obwohl sie auf gräuliche Weise verunreinigt und jämmerlich vom rechten Weg abgebracht worden ist. In unserer Kirche hat der Antichrist gesessen, sich als Gott eingesetzt und über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, erhoben. Darum ist unsere Kirche die wahre Kirche und der Tempel Gottes, worauf seine Verheißung ruht.« Dieses Argument beweist er mit folgenden Worten: »Der Vordersatz ist wahr, denn Paulus nennt die Kirche, in welche der Antichrist sich setzen würde, den Tempel Gottes. Der Nachsatz ist auch zu klar, um geleugnet zu werden und erhellt aus der Prophezeiung Pauli und der Erfahrung – denn in den Kirchen, wo man die Kinder tauft, hat er Macht und Gewalt samt allen andern gräulichen Tyranneien ausgeübt und allen Gottesdienst mit Füßen getreten. Sind nun Vorder- und Nachsatz wahr, so folgt, dass auch die Folgerung wahr sein muss und es beweist den Wiedertäufern offenbar, in welch schrecklichem Zustand sie sich befinden, weil sie von uns ausgegangen sind.«

Antwort: Hier will ich auch meinen Syllogismus ausstellen, der so lautet: Wo die wahre Religion, von der Schrift gefordert, unter die Füße getreten wird, da befindet sich Christi Kirche nicht. Der Antichrist hat in der Kirche, von welcher Gellius spricht, die wahre Religion, welche die Schrift fordert, unter die Füße getreten, wie Gellius selbst bezeugt. Folglich ist die erwähnte Kirche, auf welche er sich beruft, nicht Christi Kirche. Dass mein Vordersatz wahr ist, lehrt die ganze Schrift; denn Mose sagt:

»Und wer seine Worte (er meint Christi Worte) nicht hören wird, von dem wird Gott es fordern.« (5Mo 18,19)

Christus sagt:

»Wenn ihr bleiben werdet (versteht wohl, er sagt bleiben) an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger.« (Joh 8,31)

Paulus sagt:

»So […] ein Engel vom Himmel euch würde ein Evangelium predigen, anders denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht.« (Gal 1,8)

Auch Johannes sagt:

»Wer übertritt und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat keinen Gott.« (2Joh 9)

Mein Nachsatz wird von Gellius selbst als wahr anerkannt, denn er sagt, dass der Antichrist die Religion und den Gottesdienst unter seine Füße getreten hat, wie gehört worden ist.

Da denn mein Vordersatz mit der ganzen Schrift bewiesen werden kann und mein Nachsatz von Gellius selbst als wahr anerkannt wird, so muss man auch meine Folgerung gelten lassen, nämlich, dass die Kirche, auf welche er sich beruft, Christi Kirche nicht gewesen ist; da sie nicht Christi Wort, sondern ein fremdes Evangelium angenommen haben und nicht in der reinen Lehre Christi und seiner heiligen Apostel geblieben sind, weshalb sie auch Gott nicht in Kraft besitzen noch Christi Jünger sein können – oder die angeführten Schriftstellen müssten falsch sein (Joh 9,31).

Was den Vordersatz des Gellius anbelangt, so wird der heilige Paulus selbst mit klaren Worten bezeugen, dass er falsch ist; denn er sagt:

»Der Tag des Herrn kommt nicht, es sei denn, dass zuvor der Abfall komme und geoffenbart werde der Mensch der Sünde.« (2Th 2,3)

Hier lehrt Paulus deutlich, dass der Abfall vom Glauben kommen würde, wie dies auch geschehen ist. Da Paulus denn durch den Geist Gottes so offenbar bezeugt, dass der Abfall noch vor des Herrn Tag kommen werde und auch angibt, durch wen er kommen werde, nämlich durch den Menschen der Sünde und es handgreiflich ist, dass dieser Mensch der Sünde sich in Gottes Tempel (2Kor 6,16), das ist in die Gewissen und Herzen der Menschen oder, wenn ihr lieber wollt, an Gottes Statt in der erwähnten Kirche gestellt und dieselbe ganz und gar verwüstet und sie von Gottes Lehre und Verordnung zu seiner eigenen Lehre und Verordnung, auf betrügliche Weise und unter dem Namen Christi, übergebracht hat, so möge der aufmerksame Leser urteilen, ob diese Kirche, die so gänzlich von ihm eingenommen, überwältigt und verwüstet ist, noch länger Gottes Tempel genannt werden kann. Urteilt er nein, so hat er recht und nach der Schrift geurteilt. Andernfalls müssten ja viele Schriftstellen fehlbar und falsch sein; und es würde notwendigerweise folgen, dass Gott und der Teufel, Christus und der Antichrist zusammen in einem Tempel gesessen und eine Kirche regiert hätten. Sagt er aber ja, so antworte ich wiederum, dass Luther und alle seine Gelehrten alsdann nicht recht gehandelt haben durch ihre Lehre und Veränderung so viel Unruhe, Jammer und Elend in die Welt zu bringen, weil, nach den Worten des Gellius, die alte Kirche doch Christi Kirche geblieben wäre, obwohl der Antichrist die Religion und den rechten Gottesdienst gänzlich vertilgt und unter die Füße getreten hatte. Denkt fleißig nach, meine Leser, ob es nicht die Wahrheit ist, was ich schreibe.

In seinem Nachsatz spricht er sich selbst das Urteil; denn er schreibt, dass der Antichrist in ihrer Kirche, welche die Kinder tauft, gesessen, sich als Gott eingesetzt und die Religion und den rechten Gottesdienst unter die Füße getreten hat. Auch bekennt er, wo er von der Absonderung handelt, dass die Papisten keine Christen sind; denn er sagt, dass solche, die sich von uns zurückziehen, lieber wieder Papisten als Christen würden. Merkt fleißig, gute Leser, was ich schreibe. Da es denn offenbar ist, dass der römische Antichrist ihre Kirche so viele Jahre in Frieden beherrscht, sie alle mit seinem Gräuelbecher trunken gemacht (Offb 18,3), den rechten und wahren Gottesdienst ausgerottet und seine eigenen lästerlichen Schandtaten an dessen Platz gestellt hat und er selbst bekennt, dass die Papisten keine Christen seien, so geht gewiss daraus hervor, dass ihre Kirche nicht die allgemeine Kirche und Tempel Gottes, auf welcher die Verheißung Gottes ruht, wie er sagt, gewesen ist; denn es ist doch ganz unmöglich, nicht Christi, sondern Jünger des Antichristen, dennoch aber Christi Kirche und Tempel zu sein.

Urteilt nun, ob die Frommen, welche er Wiedertäufer nennt, so übel daran tun, dass sie sich von allen antichristlichen Gräueln und falschen, verdammten Sekten und Kirchen ferne halten und ob sie darum in einer so schrecklichen Lage sind, wie er seufzend klagt, weil sie sich dem einigen und ewigen Heiland Christo Jesu, in aller Untertänigkeit ergeben und in ihrer Schwachheit gerne allen Kirchen und Gemeinden der Welt zum Vorbild des Gehorsams und der Tugend dienen möchten.

Sein zweites Argument ist dies: »In und bei allen Gemeinden, bei denen die Lehre und der Glaube auf Jesum Christum gerichtet und noch nicht gänzlich in Verfall geraten sind, wo Christus und sein Evangelium noch nicht gänzlich verworfen und gelästert werden und der Gebrauch der heiligen Sakramente noch nicht ganz in den Staub getreten wird oder aufgehört hat, wie dies unter den Mohammedanern geschieht, da bleibt auch noch der Name der heiligen Kirche. In und bei unserer Gemeinde, welche die Kindertaufe als eine apostolische Verordnung besitzt, ist die Lehre von und der Glaube an Jesum Christum, wie diese von den Aposteln kommen, noch nicht gänzlich in Verfall geraten gewesen, wie unter den Türken, obwohl sie durch den Antichrist schrecklich verfälscht und geschwächt worden sind. Darum behält unsere Gemeinde den Namen der Kirche und findet man in unserer Gemeinde wahre Glieder der Kirche.«

Antwort: Wenn sein Vordersatz nach der Schrift bündig und recht wäre, so müsste es auch bündig und recht sein, wenn jemand sagt: Die Liebe und der Glaube waren unter den Arianern, Circumcellionern, Münsterischen und anderen Sekten niemals in gänzlichen Verfall geraten; das Evangelium wurde nicht gänzlich verworfen und gelästert und die Sakramente wurden niemals gänzlich in den Staub getreten. Darum bleibt bei den Arianern, Circumcellionern und Münsterischen der Name der Kirche und gibt es in ihren Gemeinden wahre Glieder der Kirche. In solchem Fall werden auch wir mit großer Unbilligkeit von ihm teuflische Sekten, Rotten und abtrünnige Wiedertäufer gescholten; denn wir lieben das Evangelium und die Sakramente unseres Herrn Jesu Christi solchermaßen, dass wir täglich dafür Gut und Blut opfern, wie ihr sehen könnt.

Sagt er dann, dass die erwähnten Sekten nicht nach der Schrift gehandelt und gelehrt haben und sie darum nicht in der Gemeinschaft der christlichen Kirche gewesen sind, so verurteilt er sich selbst umso mehr. Denn die Papistische Kirche, auf welche er sich beruft, hat solches auch nicht getan; hätte diese recht gelehrt und gehandelt, so würde es sehr unbillig von ihm sein, sie zu schelten und zu sagen,dass sie keine Christen seien, wie gehört worden ist.

Mit seinen Worten, da bleibt noch der Name der heiligen Kirche, bezeugt er offenbar, dass seine Behauptung gänzlich ohne Grund und Schrift ist; denn er beruft sich nicht auf die unverfälschte, reine Lehre, nicht auf den heilsamen Gebrauch der Sakramente noch auf das fromme, christliche Leben, welche in der Kirche Christi immer gefunden werden müssen, sondern ganz einfach auf den Namen der heiligen Kirche, als ob der bloße Name, ohne Christi Geist, Wort, Sakramente, Glauben und Gehorsam, die Kirche in Gott bewahren und an seine Verheißung binden könnten. Nein, mein Leser, nein! Ich weiß – sagt der Erste und Letzte – die Lästerung von denen, die da sagen, sie sind Juden und sind es nicht, sondern sind des Satans Schule (Offb 2,9). Wenn der Name allein die wahre Kirche ausmachte, so müssten auch alle aufrührerischen, wütenden Tyrannen, alle Feinde der christlichen Wahrheit, alle Mörder, Meineidigen, Huren und Hurenjäger, Geizigen, Prahler und Ungerechten, die sich nach Christi Namen nennen lassen Glieder der Kirche Christi sein. Dieses kann niemand bestreiten.

Was aber seinen Nachsatz anbetrifft, so sage ich darauf erstens: Durch seine Worte, dass ihre Kirche die Kindertaufe als eine apostolische Verordnung besitzt, beladet er die heiligen Apostel, die aufrichtigen und frommen Zeugen der ewigen Wahrheit mit offenbaren Lügen; denn er wird es in Ewigkeit auch nicht mit einem einzigen Buchstaben aus der Schrift beweisen können, dass sie die Kindertaufe gelehrt oder an irgendeinem Orte geübt haben, wie vorhin überflüssig gehört worden ist.

Zweitens sage ich: Dieselbige Kirche, auf welche er sich beruft, ist nicht nur, wie er sagt, verfälscht und geschwächt gewesen, sondern hatte sich auch so sehr von Gott entfremdet, dass sie hölzerne, steinerne, goldene und silberne Götzen und dazu Brot und Wein angebetet und diesen göttliche Ehre erwiesen hat, wie man dies seit vielen Jahren leider in allen Tempeln und Gotteshäusern Europas öffentlich gesehen hat und jetzt noch in vielen großen Königreichen, Städten und Ländern täglich sehen kann. Dennoch behauptet Gellius, dass Christi Kirche bei ihnen gewesen sei. Ungereimtere Reden habe ich bei meinem Leben selten gehört. Darum, meine lieben Leser, nehmt euch in Acht vor den schönen Worten der Gelehrten; denn sie verführen euch. Hört aber ihn an, der da spricht:

»Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!« (Joh 8,12)

– und ihr werdet in Ewigkeit nicht betrogen werden.

Versteht recht, meine Leser, was ich meine. Ob Gott nicht auch in den erwähnten Kirchen seine Auserwählten gehabt habe, darüber streiten wir nicht, sondern überlassen dies jetzt und für immer in aller Demut dem gnädigen Urteile Gottes, in der Hoffnung, dass er viele Tausende haben möge, die uns, wie dem heiligen Elia, unbekannt sind. Darüber aber kämpfen wir, mit welcherlei Geist, Lehre, Sakramenten, Verordnungen und Leben Christus befohlen hat, dass man ihm eine ewig bleibende Kirche sammeln und auf seinem Wege halten soll.

Seht, meine Leser, diese sind die wichtigsten Argumente, durch welche er beweist, dass ihre Kirche die wahre Kirche sei, nämlich weil sie aus der Papistischen Kirche abstammt und sie ihre Kinder taufen. Hört doch, was für sonderbare Dinge er vorbringt. Es kommt mir vor, dass er alles schreibt, was ihm vor die Feder kommt, wenn es nur geeignet scheint, dem unbedachten Volke ein wenig die Ohren zu kitzeln und es in seinem unbußfertigen, sinnlichen Leben zu trösten. Wären seine angeführten Behauptungen wahr, so könnte es nicht fehlen, dass Christi Kirche die Kirche des Antichristen oder die Kirche des Antichristen auch jetzt noch Christi Kirche sein müsste. In solchem Falle müssten auch Christus und der Antichrist zusammen eine Kirche regiert haben, die Kindertaufe müsste ohne alle Schrift eine apostolische Taufe heißen und der bloße Name Christi Kirche ausmachen. Ich hoffe durch Gottes Gnade, dass niemand mir dies wird nehmen können, er möge die Sache drehen, wie er wolle.