13.6  Von der Exkommunikation, dem Bann oder der Absonderung

Ehe ich anfange, die Entschuldigungen des Gellius, warum sie in ihrer Kirche die Exkommunikation, Bann oder Absonderung nicht haben noch üben, zu beantworten, muss ich zuvor dem gutherzigen Leser in Kürze aus der Schrift zeigen, wie der Bann, unter des Herrn Volk, nicht immer derselben Verordnung und dem nämlichen Gebrauch unterworfen war. Der mosaische Bann war, den Gebannten mit dem Tode zu strafen (5Mo 13; 4Mo 16; 31,17; Jos 7,25). Dieser Bann bestand in Kraft bis zur Zeit der römischen Herrschaft, deren Eintritt eine Veränderung mit sich brachte; denn das Gesetz konnte nun, was die Todesstrafe anbetraf, nicht mehr so gänzlich vollstreckt werden, da die Verhängung der Letzten ein von der Regierung sich vorbehaltenes Recht war. Sie haben aber über diejenigen, welche dem Gesetz ungehorsam waren, den Bann ausgesprochen, das heißt, sie haben sie von ihren Synagogen und Versammlungen ausgeschlossen, ihren täglichen Umgang gemieden und mit ihnen weder gegessen noch getrunken, wie man aus vielen Stellen in den Schriften der Apostel ersehen kann (Mt 9,11; Lk 5,30; 15,2; Mk 2,16; Apg 10,28).

Christus Jesus und seiner heiligen Apostel Lehre und Beispiele weisen uns einstimmig (Mt 18,17; 1Kor 5,11; 2Th 3,6; 3,14) auf diese erwähnte Meidung, Regel und Gebrauch hin und führt dieselbe besonders zweierlei Früchte und Vorteile mit sich, nämlich: Erstens, dass wir nicht durch die Irrlehre der falschen Geister verführt oder durch das eitle Leben der fleischlich Gesinnten angesteckt werden (2Joh 10). Paulus sagt:

»Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? […] Tut von euch selbst hinaus, wer da böse ist!« (1Kor 5,6; 5,13)

Gewiss, meine Leser, wo immer diese Exkommunikation, Bann oder Absonderung ernstlich und mit Eifer gelehrt und in der Furcht Gottes, ohne Ansehen der Person, gehalten wird, da wird ohne Zweifel die Gemeinde Gottes in heilsamer, reiner Lehre, unbefleckt und in einem tadellosen Leben blühen. Wo dieser Gebrauch aber vernachlässigt wird, da findet man nichts als Eitelkeit und weltliches Wesen, wie man dies in allen Gemeinden und Sekten, die außer uns sind, deutlich sehen kann.

Nehmt wahr, meine Leser, dass, solange das buchstäbliche Israel des Herrn Verordnung in dieser Hinsicht befolgte und die Bannwürdigen nach des Herrn Wort recht strafte, die Israeliten rechtschaffen und fromm geblieben sind. Sobald sie aber solches vernachlässigten, ihr Ohr der Lüge öffneten und den falschen Propheten Raum gaben, sind sie von dem Wege des Lebens gewichen und in allerlei Bosheit und Götzendienst verfallen, wie die prophetischen Schriften überall klagen und berichten.

Es ist ebenfalls mit der ersten Kirche nicht anders zugegangen; solange die Hirten und Lehrer auf ein gottseliges und frommes Leben drangen, Taufe und Abendmahl bloß den Bußfertigen spendeten und die Absonderung nach der Schrift aufrecht hielten, sind sie Christi Kirche und Gemeinde geblieben. Sobald sie aber jenes leichte und bequeme Leben suchten und das Kreuz Christi hassten, legten sie auch jene Zuchtrute nieder, predigten dem Volk Frieden, milderten den Bann allmählich und es wurde eine Gemeinde des Antichristen, Babel und Welt aus ihnen, wie man dies leider schon seit vielen Jahrhunderten hat sehen können. Ja, meine Leser, hätten wir in unseren Zeiten uns nicht fleißig dieses von Gott verordneten Mittels bedient, die Unsrigen würden jetzt, um der Bösen willen, aller Welt Schmachwort und Gräuel sein, während sie jetzt, wie ich hoffe, in ihrer Schwachheit, durch Gottes Gnade, vieler Menschen Vorbild und Licht sind, obwohl die böse Welt dieses nicht bekennen will. Um es kurz zu fassen: Wie ein Weinberg ohne Zaun und Graben, oder eine Stadt ohne Mauern und Pforten, so ist eine Gemeinde ohne Absonderung und Bann. Denn der Feind hat in allen solchen Fällen freien Eingang, um sein verdammenswertes Unkraut ungehindert zu säen und zu pflanzen (Mt 23,26,28).

Zweitens, dass der Böse nach gebührender Ermahnung, vermittelst solcher durch die Gottesfürchtigen über ihn ausgesprochenen Exkommunikation, in seinem Gewissen beschämt werde, sich demütige und vor dem Herrn und seiner Gemeinde rechte Buße tun möge. Deshalb übergab Paulus jenen Korinther dem Satan zum Verderben des Fleisches, auf dass der Geist selig werde (merkt wohl) am Tage des Herrn Jesu (1Kor 5,5). So tat er auch mit Hymenäus und Alexander, auf dass sie nicht mehr lästerten (1Tim 1,20). Auch schreibt er in einer andern Stelle:

»So aber jemand nicht gehorsam ist unserm Wort, den zeichnet an durch einen Brief und habt nichts mit ihm zu schaffen, auf dass er schamrot werde. Doch haltet ihn nicht für einen Feind, sondern ermahnt ihn als einen Bruder.« (2Th 3,14–15)

Seht, meine Leser, hier habt ihr es in Kürze beschrieben, von wem, wie und wozu die vorerwähnte Absonderung in des Herrn Kirche und Haus verordnet ist. Jetzt, meine Leser, so ihr Gott fürchtet, urteilt, ob sie nicht ein besonders notwendiges edles Werk einer reinen Liebe ist, von dem Gott der Liebe zum Dienst der Liebe verordnet, obwohl die Unerleuchteten und Widerspenstigen es als etwas Feindliches betrachten, weil dessen Zweck und Frucht darin besteht, dass die Gemeinde in der heilsamen Lehre und in einem unsträflichen Leben verbleibt, und der in Lehre oder Leben Irrende sich bekehren und wiederum zu des Herrn Weide und Herde gelangen möge. Aber wie weit, ja, wie sehr weit, haben sich die Prediger und die Gemeinden dieser Welt von dieser Gott wohlgefälligen Verordnung und diesem sehr notwendigen Gebrauch entfernt.

Als erster Grund, warum die Absonderung in ihrer Kirche nicht angewendet werde, führt er an: Dass die papistischen Gräuel durch Missbrauch diese Verordnung der Kirche und den rechten Gebrauch des Banns so gräulich entstellt haben, dass man denselben nicht so bald wieder einführen werde.

Antwort: Wenn man die Geschichtsschreiber fleißig durchsucht und die Handlungen der Kirchen, die sie berühren, mit der Schrift vergleicht, wird man, glaube ich, nicht finden, dass irgendwo unter dem deutschen Volk eine rechtschaffene Christengemeinde, die in der Lehre, den Sakramenten, Verordnungen und dem Leben ganz tadellos war, bestanden hat, sondern dass sie aus dem päpstlichen Fundament und seinen Gräueln entstanden und dabei viele Jahre geblieben ist.

Da sie denn nicht von den Aposteln auf Christi Grund, sondern von Anfang an vom Papst auf sein Fundament gebaut und in jeder Beziehung seine päpstliche und keineswegs eine christliche Kirche gewesen ist und man auch jetzt noch mit Händen greifen kann, dass es weder Lehrer, noch Gemeinde, noch Leben, noch Sakrament bei derselben gibt, die Christi Verordnung, Lehre und Beispiel gemäß sind, kann er wohl keinen Bann einführen, denn er müsste zuerst sich selbst bannen, da er ein Verfälscher der Schrift und ein Seelenverführer ist; dazu auch die ganze Gemeinde, da ihre Glieder meistens ein unbußfertiges Leben führen und in der Lehre außer Christi Befehl, Verordnung und Wort sind, wie man sehen kann. Erwäge, was ich sage.

»Wer Böses tut, der sieht Gott nicht.« (3Joh 11)

Zweitens schreibt er: »Wir bekennen, dass in vielen Kirchen eine große Nachlässigkeit gefunden wird, welches wir nicht loben können. Diese entsteht an einigen Orten dadurch, dass die Obrigkeit alle Sünden und Übertretungen, die öffentlich geschehen, so pünktlich straft, dass die Pastoren denken, dass ihnen wenig Gelegenheit übrig bleibt, den Bann in Anwendung zu bringen.«

Antwort: Es wäre nach meiner Ansicht wohl einmal Zeit, dass die Prediger nicht länger auf diese Weise mit der Menschen Seelen spielen, sondern frei heraus bekennen, dass sie nicht des Herrn Kirche, sondern ein armes, irrendes, fleischliches Volk und Welt sind; und mit Ernst anfingen erst sich selbst recht zu unterrichten und danach das Wort einer wahren Buße in des Geistes Kraft recht und heilsam zu predigen. Allen, die solches dann mit gläubigem Herzen annähmen und wahre Buße täten, sollten sie die Sakramente, nach Gottes Verordnung, recht spenden. Solche aber, die es auf freventliche Weise verachten, sollten sie mit der Kraft des heiligen Wortes, ohne Rücksicht auf die Person, sei sie reich oder arm, von der Gemeinschaft ihrer Kirche ausschließen. Auf diese Weise würden sie einmal einen rechten Anfang machen, Christo eine Kirche zu sammeln und darin des Herrn Verordnung schriftmäßig auszuüben.

Solange sie aber die unverständigen Kinder taufen und alle ihre Täuflinge für Christen halten, den Unbußfertigen das Brot spenden, alle Geizhälse, Wucherer, Prahler, Prasser, Säufer usw. in die Gemeinschaft ihrer Kirche zulassen, wird die Welt ihre Kirche und ihre Kirche die Welt bleiben. Auf diese Weise mögen sie wohl ihr Lebtag über die Absonderung und die rechte Kirchenordnung ermahnen, aber niemals dieselben recht einführen, noch einführen können, weil es mehr als klar ist, dass alle ihre Lehre und Sakramente nichts als Rauch und Wind, eitel und ohne Kraft sind, da sie nicht die rechten, berufenen Lehrer, ihre Sakramente nicht die rechten Sakramente und ihre Jünger nicht des Herrn Kirche und Volk sind.

Sagt, meine Lieben, wie wird oder kann man ein Haus recht bauen, solange die Zimmerleute, das Holz, Eisen, Stein und Kalk nicht vorhanden sind? Wer einen gesunden Verstand hat, möge nachdenken über das, was ich sage.

Ferner sage ich: Wenn Gellius Christum und sein Wort recht kennen würde, müsste er sich sein Leben lang schämen und zwar aus diesen zwei Gründen:

Erstens, weil er die Pastoren damit entschuldigen will, dass die Obrigkeit die öffentlichen Sünden und Übertretungen straft, gerade als ob ihnen solches wenig notwendig wäre. Aber ich glaube, dass man Hunderte von Pastoren im deutschen Lande finden könnte, die in ihrem Leben noch nie gewusst haben, dass man die Geizigen, Trunkenbolde und Hurenjäger usw. von der Gemeinde ausschließen soll. Ja, was noch mehr sagt, ist, dass die meisten unter ihnen selber mit solchen schändlichen Lastern und fleischlichen Werken über und über behaftet sind.

Da dieses denn klarer denn der helle Tag ist und er diese große Unwissenheit, ja, Unachtsamkeit und Schande noch mit dem Strafen der Obrigkeit verdecken und schmücken will, gerade als ob es nicht notwendig wäre, so tut er, meines Erachtens, nichts anderes, als die Lüge mit Vorbedacht verteidigen und der Wahrheit widerstreben.

Zweitens, weil er sich beklagt, dass die Obrigkeit den Pastoren keine Macht oder Gehör verleihe. Sage, guter Leser, wo hast du jemals in deinem Leben in den apostolischen Schriften gelesen oder gehört, dass Christus oder die Apostel die Hilfe der Obrigkeit gegen diejenigen angerufen haben, welche ihre Lehre nicht hören und ihren Worten nicht gehorsam sein wollten? Ja, meine Leser, ich weiß ganz sicher, dass, wo die Obrigkeit den Bann mit ihrem Schwert üben soll, die rechte Kenntnis, Geist, Wort und Kirche Christi nicht gefunden werden. Ob dies nicht heiße, wie die Papisten, den weltlichen Arm anrufen, d. h. die weltliche Macht zu Hilfe rufen, will ich den freundlichen Leser beurteilen lassen.

Merkt hier auch seine große Heuchelei und wie verderblich er den Großen schmeichelt. Denn wo findet man leider mehr Gottlosigkeit, als unter den Gewaltigen und Großen? Und dennoch wünscht er, dass die Absonderung von ihnen gehandhabt werde, gerade als ob sie Glieder der wahren Kirche Christi und Kinder seiner Gemeinde seien. Er merkt nicht, dass, wenn die Pastoren die Richtschnur des heiligen Wortes recht anlegen würden, die Obrigkeit, nach den Predigern, die Ersten sein würden (im Falle sie sich nicht nach des Herrn Geist, Wort und Beispiel richten wollten), die von der Kirche mit der Schrift abgesondert und aus der Gemeinschaft der Gottesfürchtigen gestoßen werden müssten.

Nachdem er der Obrigkeit so offenbar nach dem Munde spricht und ihnen gegen alle Schrift auf so plumpe Weise schmeichelt, kann ich nicht umhin, alle Fürsten und Obrigkeiten aus reiner, treuer Liebe zu ermahnen und zu warnen, auf dass sie doch einmal einsehen mögen, wie jämmerlich sie von den Predigern betrogen werden. Liebe Herren, gebt doch Acht: Ihr alle rühmt euch, dass ihr Christen seid und Gottes Wort habt – und dennoch ist es offenbar, dass viele Herren und Fürsten täglich in ihren gottlosen Kriegen und Aufständen Menschenblut wie Wasser vergießen, viel unschuldige, elende Menschen berauben, ihnen Haus und Hof verbrennen, betrübte Waisen und arme Kinder machen, Tag und Nacht saufen und prassen und die Gaben Gottes, Wein, Bier, Speise, Kleider usw. übermäßig missbrauchen. All dieses verdient offenbar die Exkommunikation und kann keineswegs nach der Schrift bestehen, wie viele der Gelehrten und Prediger, wie ich vermute, selber sehr gut wissen. Dennoch sehen sie denselben durch die Finger, wie man sagt, verlangen noch ihre Macht, Hilfe und Beistand, treiben ganz und gar Heuchelei mit ihnen, sondern dieselben nicht ab noch strafen sie, wie ruchlos sie es auch treiben mögen; und spenden ihnen Brot und Wein, als ob sie wahre Glieder am Leibe des Herrn und Mitgenossen seiner Kirche wären, wodurch sie dieselben in ihrer Bosheit trösten und bestärken, so dass sie nicht einmal nach des Herrn Furcht und Wegen fragen; denn es ist doch eitel Friede, was auch die Prediger lehren und vorgeben, wie der Prophet klagt (Jer 8,8; Hes 13,22).

Liebe Herren, seht euch vor, sie führen euch den graden Weg zur Hölle – seid darum gewarnt! Ich schreibe euch die Wahrheit in Christo Jesu – sie verführen euch; noch einmal sage ich: Seid gewarnt, sie verführen euch!

Hingegen werden alle, die den Herrn von ganzem Herzen suchen, in ihrer Schwachheit seinem heiligen Worte nachtrachten und gerne ein frommes, gottseliges Leben in der Furcht des Herrn führen möchten, von ihnen auf unverschämte Weise gehasst und gescholten, ja, sie nennen dieselben Teufels-Apostel, abtrünnige Wiedertäufer, Rotten und Sekten weil sie ihre falsche Lehre und falschen Sakramente, ihre Heuchelei und ihr zügelloses Leben mit reinem göttlichen Eifer und brüderlicher Liebe nach der Schrift strafen, sie zum Besten ermahnen, auf Christum und sein Wort hinweisen.

Seht, so schmeicheln sie den Großen und heucheln mit ihnen obwohl diese gemeiniglich auf solch verkehrten Wegen wandeln; und so heftig schelten sie die Unschuldigen, die doch niemand ein Leid getan haben und so gerne ein frommes Leben führen möchten – und dennoch rühmen sie sich, evangelische Prediger zu sein und Gottes Wort zu lehren.

Drittens schreibt er: »Die Verachtung der Kirchendiener ist durch des Teufels Rotten und Sekten fast überall so groß geworden, dass es nur wenige Gemeinden gibt, die sich in Einigkeit des Geistes, welches doch in dieser Sache notwendig ist, ihren Pastoren unterwerfen wollen.«

Antwort: Dass die Verachtung der Prediger so groß geworden ist, ist durch nichts anderes entstanden, als durch ihre eigene, alles überschreitende Bosheit, Verführungen, Geiz, Lästern und Schande, wie der Prophet sagt:

»Ich will den Kot eurer Feiertage euch ins Angesicht werfen und soll an euch kleben bleiben […] Ihr aber seid von dem Wege abgetreten und ärgert viele im Gesetz und habt den Bund Levis gebrochen, spricht der Herr Zebaoth. Darum habe ich auch euch gemacht, dass ihr verachtet und unwert seid vor dem ganzen Volk; weil ihr meine Wege nicht haltet und seht Personen an im Gesetz.« (Mal 2,3,8,9)

Ja, meine Leser, sie haben ihre Sünden so weit ausgedehnt und so mit der Menschen Seelen Handel getrieben, dass der gerechte und große Herr es nicht länger ansehen konnte. In seiner großen Liebe hat er daher gnädiglich den Geist seiner göttlichen Erkenntnis (2Pt 2,20) in das Herz einiger Gottesfürchtigen gesandt und ihnen das aufgeschmückte, babylonische Weib, nämlich die Prediger samt ihren Gemeinden, mit all ihren Hurereien, Gräueln und Blutschulden aufgedeckt und ihre übermenschlich große Schande offenbar gemacht (Offb 17,4). Und diejenigen, welche aus reiner Liebe einen jeden vor dem tödlichen Zaubergeist ihres Bechers, durch Lehre, Leben, Beispiel, Gut und Blut, treulich warnen, womit sie vor dem Herrn nichts anderes suchen, als das Lob ihres Gottes und die Seligkeit ihres Nächsten, heißt er Teuflische Rotten und Sekten. O Herr! O ungezogene Lästerung! O großer Schandfleck!

Ach, mein Leser, mein treuer Leser, könnten wir mit ihnen in die Öffentlichkeit treten, man würde bald sehen, wo die teuflischen Rotten und verkehrten Sekten zu finden sind. Doch was hülfe es? Die Schriftgelehrten und Pharisäer saßen auf hohen Stühlen; Christus hatte aber nichts, wo er sein Haupt hinlegen konnte; dazu musste er noch hören, dass er den Teufel hätte und in Beelzebubs Namen seine Wundertaten wirke.

Ist es nicht eine klägliche Heuchelei, dass dieser unbedachte Mann uns dafür tadeln will, dass unter ihnen der Bann nicht gebraucht werde, da es ja ganz weltbekannt ist, dass die meisten der Prediger solch ein unbedachtsames, blindes und sinnliches Volk sind, dass sie weder Gott noch sein Wort kennen und nichts anderes suchen oder wissen, als wie sie ihren faulen Körper mit Leckerbissen füttern und gute Tage haben können. Was für Christen ihre Gemeinden und Jünger sind, was für Kenntnisse sie besitzen und wie sie Gott fürchten, kann in allen Städten und Landen aus ihren offenbaren Worten und Werken leider nur zu wohl ersehen werden.

Viertens schreibt er: »Es ist der ganzen Gemeinde bekannt (er meint die zu Emden), dass wir schon viele Jahre danach getrachtet haben, den Bann, nach einer christlichen Ordnung, wiederum einzuführen.«

Antwort: Die Welt kennt keinen anderen Bann, als dass, wenn einer es zu bunt macht, der Henker ihn um seiner Übeltat willen mit Schwert, Strang oder Feuer bannt und ihm den Garaus macht; oder dass, wenn einer sich von Herzen zu Gott bekehrt, das alte, verdorbene Leben der Sünde in reiner Furcht ablegt und hingegen das neue Leben einer wahren Bußfertigkeit in seiner Liebe annimmt, sie an einigen Orten, gleich den Papisten, so einen um Ehre, Gut und alles bringen oder des Landes verweisen und so dem Löwen in den gähnenden Rachen jagen.

Dass sie aber die Geizigen, Trunkenbolde, Frauenschänder etc. nach der Schrift meiden und mit ihnen weder essen noch trinken sollten, dieses können sie nicht tun, wissen es auch nicht, weil sie in der Regel noch alle unverändert in ihrem innersten Wesen, irdisch gesinnt und voll Geiz, Pracht, Verschwendung und fleischlicher Lüste sind.

Ich sage darum nochmals, was ich schon vormals gesagt habe: Sie mögen ihr Lebtag auf diese Weise über den Bann ermahnen, aber sie werden denselben niemals nach des Herrn Wort einführen oder einführen können; denn wie wird der eine Geizhals den andern, der eine Trunkenbold den andern und der eine Verführer den andern nach der Schrift recht meiden und von der Gemeinschaft der Kirche absondern, da sie noch alle miteinander irdisch gesinnt sind und außer des Herrn Gemeinschaft, Geist und Wort stehen, wie schon vernommen worden ist?

Fünftens schreibt er: »Das Beispiel der Wiedertäufer schreckt uns ab, weil sie den Bann mit Streit, Hass und unversöhnlichem Zorn gegeneinander anwenden, so dass derselbe bei ihnen mehr zu Teilungen und Zerstreuungen als zur Auferbauung und Versammlung beiträgt.«

Antwort: Verdüsterte Augen, ein verkehrtes Urteil, an die Großen gerichtetes Gewinsel und Geschmeichel, Schelten und Lästern der Frommen, Entschuldigungen der Sünden und das Verdrehen der Schrift sind Dinge, die ich überall bei ihm finde.

Ach, wie klein ist, wie es scheint, bei ihnen die Gottesfurcht! Sucht er doch hier seine Kreuzesflüchtigkeit und seinen Ungehorsam durch anderer Leute Beispiel zu verdecken. Merkt, meine Leser, es ist Gottes Wort, das uns lehren und leiten muss; dass einige Widerspenstige sich über uns erzürnen, können wir nicht ändern. Wir handeln, wie uns des Herrn Wort befohlen hat.

Alle, die sich in den Gehorsam des Wortes begeben und nachher wiederum ärgerlich gegen dasselbe lehren oder leben, können, im Falle sie sich durch brüderliche Unterweisung und Ermahnung nicht lehren und bessern lassen, unsere Brüder und Schwestern nicht sein. Hier gilt uns weder Groß noch Klein, Reich noch Arm, Mann noch Weib, Freundschaft noch Feindschaft. Bei Gott ist kein Ansehen der Person; sie müssen sich alle unter Christi Geist, Wort und Zepter beugen oder sie können unsere Brüder nicht sein (Apg 10,34; Eph 6,9; Kol 3,11; 1Pt 1,17; Jak 2,9).

Da es denn offenbar ist, dass der Geist des Herrn gewöhnlich sich von solchen Menschen zurückzieht, die nach dem breiten Wege lüstern, nach der Freiheit des Fleisches, Geld und Gut begierig sind, unter den Frommen durch ihre Leichtfertigkeit oder Selbstweisheit Ärgernisse stiften und man ihnen deshalb zuletzt, weil doch keine Besserung mehr zu hoffen ist, die Gemeinschaft der Gottesfürchtigen, Hand, Kuss und täglichen Umgang, obwohl mit großer Betrübtheit und unter vielen Tränen, verweigert; sie uns aber deshalb gram werden und ungerne diese Beschämung, die aus keinem andern Beweggrunde als aus reiner Liebe und zu ihrer Besserung ihnen angetan wird, tragen und darum arg schelten und lästern, gleichwie die Prediger tun, weil wir ihre Lehre nicht hören und ihre Sakramente nicht gebrauchen dürfen, so müssen wir es dem Herrn überlassen und können es nicht ändern, dass etliche unter ihnen, ungeachtet aller von uns auf sie verwendeten treuen Ermahnungen, Fleißes, Arbeit und brüderlichen Dienstes, Davidianer und Epikuräer werden, wie er vorgibt. Aber es kann wohl nicht anders sein; der Samen fiel nicht in gutes Erdreich, sondern an den Weg, in das Steinige und unter die Dornen, wie es scheint.

Ich sage es noch einmal: Wir haben den getreuen Dienst unserer brüderlichen Liebe aus der innersten Seele, indem wir ihnen Vorstellungen machten und sie ermahnten, auf sie verwendet; etliche unter ihnen haben wir mehr als ein oder zwei Jahre mit Liebe und Geduld getragen, da wir beständig das Beste von ihnen hofften und haben sie nicht so vorschnell ausgeschlossen, wie er uns vorwirft und ohne alle Wahrheit aufbürdet.

Da wir denn auch in dieser Hinsicht des Herrn Verordnung folgen und vollziehen, so sollte er, falls er Gott fürchtete, uns billiger Weise dafür loben, dass wir Recht tun und weder um Liebe noch um Leid Gottes Gebot hintansetzen, sondern ohne Ansehen der Person nach der Schrift handeln. Er sollte bekennen, dass nicht unser Beispiel, sondern das Kreuz sie abschreckt; denn im Falle sie mit Königen, Herzögen, Herren und Fürsten und auch mit allen ihren Trunkenbolden, Geizhälsen und Prahlern nach der Schrift verfahren würden, so würde bald ein anderes, ja, ein ganz anderes Lied unter ihnen gesungen werden. Dies darf ich mit freiem Herzen sagen und kann es mit der Wahrheit beweisen.

Zum Sechsten schreibt er: »Sollten sie meinen, dass sie durch ihren Bann viel zur Auferbauung gewirkt haben, so mögen sie uns aus etlichen Hunderten, die sie vor und nach gebannt haben, ich sage nicht zehn, sondern bloß fünf anweisen, die sie aus Liebe gebannt und durch brüderliche Ermahnung gebessert oder durch ihren Bann zu einer guten Ordnung zurückgebracht und durch dieses Mittel darin erhalten haben.«

Antwort: Immer sucht er Gelegenheit, Gottes Wort und Werk zu schelten, damit er für seine Kreuzesflüchtigkeit und Heuchelei einen Vorwand habe. Da er denn behauptet, dass die Absonderung unter uns mehr niederbreche als aufbaue, so möge der Leser wissen, dass wir unter uns davon hauptsächlich die folgenden Früchte täglich spüren und gewahr werden:

  1. Dass wir darin Gottes Wort folgen und vollziehen.
  2. Dass wir dadurch alle falsche Lehre, Streit, Zwietracht und jenes ärgerliche Leben, von dem vorhin gesprochen worden ist, von der Gemeinde abwehren und abtun.
  3. Dass die Ungehorsamen dadurch täglich zum Nachdenken, zur Umkehr und Buße ermahnt werden.
  4. Dass wir dadurch bekennen und bezeugen, dass wir mit den Münsterischen und allen anderen aufrührerischen Sekten weder übereinstimmen noch Gemeinschaft haben.
  5. Dass wir dadurch alle Prediger samt ihren Gemeinden ermahnen, dass sie auch in diesem Stück außer Gottes Wort und Verordnung stehen.
  6. Dass die ganze Welt von uns lernen möge, dass man Gottes Rat, Lehre, Verordnung und Befehl aufrecht halten und befolgen muss.

Seht, meine Leser, dies sind die Früchte, welche die rechte Absonderung durch Gottes Gnade täglich bei uns hervorbringt. Von den Predigern aber werden sie leider gering geachtet. Und wenn es auch so wäre, wie er uns vorwirft, dass wenige dadurch bekehrt werden, so müssen sie dennoch alle bekennen, dass sie uns die erwähnten, herrlichen Früchte bringt.

Merkt hier, meine Leser, auf welche Weise man den Verkehrten auch singen mag, so ist es doch niemals recht gesungen. Denn hätten wir dieses Mittel und göttliche Verordnung gering geschätzt, wie die Prediger tun, und einem jeden erlaubt, hierin seinem eigenen Sinn zu folgen, wovor der große Herr uns ewiglich bewahren möge, wie laut würden sie alsdann geschrieen haben, wir seien sämtlich Aufrührer und Arianer; jetzt aber, weil wir sie, nach der Schrift, von der Kirchengemeinschaft absondern, muss es eine zerstreuende Spaltung und ein voreiliger Bann heißen. Seht, so suchen sie überall die Wahrheit zu unterdrücken und die Lüge in Schutz zu nehmen.

Zum Siebten schreibt er: »Es ist doch besser, den Bann gar nicht zu üben, als denselben zur Verwüstung und Trennung der Kirche unrecht anzuwenden.«

Antwort: Im Falle es auch so wäre wie er vorgibt, so sollte er dennoch das Gute, um anderer Leute willen, nicht fahren lassen. Ist der Bann eine Verwüstung und Trennung der Kirche Christi, so haben Christus und seine Apostel uns in dieser Hinsicht nicht wenig betrogen, dass sie uns diese Verordnung so öffentlich sowohl mit Wort als Beispiel in ihren Schriften hinterlassen und gelehrt haben. Doch was hilft es? Wie es mir scheint, kann man in wenigen Worten dies von ihnen sagen: Ausschließen und Bannen wollen sie nicht, da sie gemeiniglich alle von dem Geist des Irrtums getrieben und Glieder am Leib des Antichristen sind.

Zum Achten schreibt er: »Niemand hat uns heutigen Tages in der Wiedereinführung des Bannes größere Hindernisse in den Weg gelegt, als die Wiedertäufer, welche die Auferbauung der Kirche Christi und deren guten Fortgang gestört, die Diener in Verachtung gebracht und viele eifrige Herzen, mit welchen man damit den Anfang gemacht haben würde, von der Kirche abwendig gemacht und in mancherlei Lügen geführt haben.«

Antwort: Hätte ich auch Gellius nicht aus seinen andern Schriften kennen gelernt, so würde mir doch diese seine Entschuldigung hinsichtlich des Bannes deutlich zeigen, was für ein Mann er ist. Ach, lieber Herr! Ist es doch nichts als Heuchelei, Lügen und Betrug, was er hier sagt und vorbringt. Er schreibt, dass wir den Bann verhindern; wenn er aber die Wahrheit recht bekennen wollte, so müsste er sagen, dass sein eigner Unglaube, sein irdisches Gemüt und sein kreuzesflüchtiges Fleisch, wie vorhin gesagt worden ist, ihn daran verhindern und nicht wir. Er schreibt, dass wir die Auferbauung der Kirche Christi gestört haben, obwohl es offenbar ist, dass wir allen Kirchen der ganzen Welt durch Lehre und Leben, mit Gut und Blut, nach dem wahren Gottesdienst und dessen Ordnung den rechten Weg weisen und dass gerade sie diejenigen sind, welche durch ihre leichtfertige Lehre, ihre unreinen Sakramente und ihr eitles Leben ihr Gedeihen hindern, so viel ihnen nur möglich ist.

Er schreibt, dass wir die Diener in Verachtung gebracht haben, weil wir sie in reiner und treuer Liebe strafen und mit Lehre und Leben auf Christi Beispiel, Geist und Wort hinweisen; und doch hat er zuvor selbst bekannt, dass einige unter ihnen besser zu Sauhirten als zu Hirten der Schafe Christi geeignet wären.

Er schreibt, dass wir viele eifrige Herzen, mit welchen sie die Absonderung angefangen haben würden, unter dem Schein der Wahrheit von der Kirche abwendig gemacht und in mancherlei Lügen geführt haben, während die offenbare Tatsache Zeugnis ablegt, dass wir sie nicht der Kirche Christi, sondern der Welt entfremdet haben und sie durch des Herrn Hand und Hilfe in die ewigbleibende Wahrheit führen und einfügen.

Ferner sage ich: Ihre Lehre ist jetzt schon länger als dreißig Jahre in den deutschen Landen gepredigt worden und es gibt ganze Königreiche, Fürstentümer und Städte, in welchen nicht ein einziger Wiedertäufer, wie er sie nennt, zu finden ist. Wer ist denn da derjenige, welcher den Pastoren Hindernisse in den Weg legt und die Anwendung des Bannes verhindert? Mit all ihrem Predigen und Lehren während so vieler Jahre sind sie noch nicht so weit gekommen, dass sie jemals einen Hurenjäger, Trunkenbold, Geizhals etc. gebannt und von der Gemeinschaft ihrer Kirche ausgeschlossen haben. Dennoch schreibt er, dass wir die größten Beschwerden und Hindernisse verursacht haben. Ach, lieber Herr, so müssen die Gottesfürchtigen überall Böses hören, obwohl sie in ihrem Innersten nur Gott suchen und so gerne eine wahre christliche Kirche in Lehre, Sakramenten, Verordnungen und Leben sehen möchten!

Zum Neunten schreibt er: »Aus zweierlei Ursachen haben wir nicht so viel Eile gemacht (er meint, den Bann wiederum einzuführen), als die Wiedertäufer. Erstens, weil unsere Versammlungen öffentlich sind und aus vielen Hunderten bestehen, die man nicht alle persönlich kennen kann, während ihre Versammlungen heimlich gehalten werden und nur wenige Personen zählen. Und zweitens, weil wir keine Sekten stiften, wie jene tun, welches ein Werk des Fleisches ist und den Teufel zum Freunde hat, sondern Christo eine ewig bleibende Kirche aufrichten, welche der Teufel in die Ferse sticht und sie ihrer Güter beraubt.«

Antwort: Oben hat er zum Teil bekannt, dass viele ihrer Zuhörer der Welt angehören. Hier sagt er, dass ihre Versammlungen aus vielen Hunderten bestehen und eine ewig bleibende Kirche versammeln – und doch kommen sie niemals so weit, dass sie ihre Jünger und Kirche von der Welt absondern und in eine göttliche Ordnung bringen können. Die Ursache ist, dass sie selbst der Welt angehören.

Seine Worte aber, dass ihre Versammlungen groß seien und öffentlich gehalten werden, die unsrigen aber klein seien, werde ich so mit des Herrn Wort beantworten:

»Die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführt; und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind ihrer die ihn finden.« (Mt 7,13–14)

Ja, meine Leser, wenn ihr die Schrift lest und genau betrachtet, so werdet ihr finden, dass die Zahl der Auserwählten vom Anfang sehr gering und die Zahl der Ungerechten sehr groß gewesen ist. Das reine, unverfälschte Evangelium Jesu Christi und die rechte Erkenntnis der ewigen Wahrheit ist der Welt niemals so bekannt gewesen, dass man die wahren Gläubigen bei vielen Hunderten oder Tausenden in einem Lande oder einer Stadt gefunden hat. Christus Jesus muss sich mit seiner Wahrheit immer an finsteren Orten bei wenigen aufhalten, während der Antichrist mit seinen Lügen am hellen Tage ungehindert auf der breiten Straße unter vielen Tausenden herumwandeln kann.

Auch schreibt er, dass sie der großen Zahl halber nicht alle kennen können, womit er bezeugt, dass die brüderliche Liebe unter ihnen mager ist; denn wo ist ein christlicher Hirte, der seine Schafe nicht kennt? Und wo ist ein christlicher Bruder, der seinen christlichen Nächsten nicht kennt? Wenn auch die Prediger, in Anbetracht der großen Menge, nicht imstande sein sollten, alle zu kennen, so wäre es doch billig, dass der eine Bruder den andern kennte; dass sie gegenseitig übereinander wachten, einander belehrten, ermahnten, trösteten und straften und einer des andern Seligkeit und Seele suchte. Denn so lehren uns Gottes Wort und Salbung (Mt 18,15; 1Th 6,11; Röm 15,14; 1Joh 2,20). Merkt hier, mein Leser, er schreibt, dass sie nicht alle kennen können, und ich, der meistens in finstern Winkeln sitzt, will sie ihm bei großen Haufen anweisen.

Er durchwandle Städte und Länder, die sich des Wortes rühmen; er höre und sehe fleißig zu wie sie die eine Lüge an die andere knüpfen; die eine Gottlosigkeit auf die andere häufen; bei des Herrn heiligem Fleische, Blut, Tod, Wunden und Sakramenten schwören dürfen; mit welch einer Pracht in Kleidern, Hosen, Hemden, Ketten, Schwertern sie einherstolzieren; er besichtige die gottlosen Wirtshäuser, Fechtschulen, Hurenhäuser und Schießplätze, die man in den deutschen Landen in nicht geringer Anzahl antrifft; er gehe an die Höfe der Könige und Fürsten und prüfe allerwärts die Gewohnheiten und das Leben des Adels – und ich glaube, dass er wohl viele Tausende finden wird, welche der Absonderung doppelt und dreifach wert sind. Doch ein irdisches Gemüt und verdorbenes Herz achtet leider nur wenig auf des Herrn Wort und Verordnung.

Auf seine Worte, dass sie keine Sekten stiften, wie wir, nach seiner Behauptung, tun und dass Sektenstiften ein Werk des Fleisches sei, antworte ich, dass ich von Herzen wünsche, dass alle Papisten, Lutheraner, Zwinglianer, Davidianer etc. dies wohl beherzigen könnten; denn von Sekten und Sektenmachern steht geschrieben, dass sie das Reich Gottes nicht ererben werden (Gal 5).

Uns macht es sehr wenig aus, dass wir der Welt Sektenstifter heißen müssen; denn auch in den Zeiten der Apostel hat man die Kinder Gottes so gescholten. Dennoch wünschen wir in unserer schlichten Einfalt hierzu zu sagen, dass wir Christum Jesum, Gottes ewige Weisheit, Wahrheit und Sohn vorstellen; denn er ist derjenige, den diese Sache angeht; auf seine Lehre, Verordnung und Gebrauchberufen wir uns freimütig. Kann uns jemand unter dem ganzen Himmel mit Wahrheit überzeugen, dass wir uns dawider versündigen oder verfehlen, so wollen wir recht gerne zuhören und der Wahrheit gehorchen.

Wenn sie aber dies nicht zu tun im Stande sind, so müssen sie gewiss bekennen, dass wir die apostolische, christliche Kirche und sie selbst hingegen die verführerischen, fleischlichen Sekten sind.

Dass aber bei uns Sekten entstehen und nicht bei ihnen, ist auch ein starker Beweis, dass die Kirche bei uns und nicht bei ihnen ist; denn Paulus sagt:

»Denn es müssen Rotten unter euch sein, auf dass die, die rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden.« (1Kor 11,19)

Johannes sagt:

»Sie sind von uns ausgegangen; aber sie waren nicht von uns.« (1Joh 2,19)

Sagt, meine Lieben, warum sollte der Teufel diejenigen mit Sekten beunruhigen, welche schon Sekten sind und ihm schon angehören? Solche aber, die sich zum Herrn bekehren, sticht er in die Ferse und sucht sie zu verschlingen (1Mo 3,16; 1Pt 5,8).

Zum Zehnten schreibt er: »Wenn sie bloß sagten, dass wir oder die Unsrigen den Bann nicht lehren, so wäre das uns und vielen Lehren der Kirchen zu nahe gesprochen und diese möchten dadurch bald zu Schanden werden. Was sie aber sagen vom Haben, Halten oder Gebrauchen, das wird gelten müssen.«

Antwort: Es wäre meines Erachtens wohl gut, dass er nicht über diese Angelegenheiten spotten, sondern des Herrn Wort etwas besser wahrnehmen möchte. Vor Gott gilt das bloße mündliche Lehren nach dem Buchstaben nicht, sondern das Tun und Wirken in Kraft und Wahrheit hat Geltung vor ihm. Sollten sie aber sagen, dass dies eine Störung anrichten würde, so antworte ich wiederum: Was für Seelsorger und Hirten solche sind, die aus Furcht, eine Störung in der Welt zu verursachen, Gottes Willen und Wort beiseite setzen, will ich jedem Verständigen mit der Schrift zu bedenken geben (Mt 10).

Zum Letzten schreibt er: »Und wenn wir es auch gelten ließen, dass dieser Fehler sich in allen unseren Kirchen findet, wiewohl in vielen Kirchen das Gegenteil gefunden wird, wie z. B. in der deutschen Kirche zu London in England, wo einer gebannt worden ist und hier zu Emden, wo der Bann auch nicht ganz vernachlässigt wird, würde darum die Kirche, um dieses Fehlers willen, ihren Namen verlieren und fernerhin, wie jene sagen, keine Kirche Christi mehr sein, dann müsste wahrlich unser Leib, mit welchem die Kirche verglichen wird, um eines einzigen Geschwüres oder einzigen Wunde willen, den Namen des Leibes verlieren.«

Antwort: Dies heißt mit Recht, wie es mir scheint:

»Wir haben die Lügen zu unserer Zuflucht gemacht!« (Jes 28,15)

Denn er sagt, in vielen Kirchen werde das Gegenteil gefunden; er ist aber nicht im Stande, in so vielen großen Königreichen, Fürstentümern, Städten und Ländern mehr als ein Beispiel anzuführen, dass einer gebannt worden ist, nämlich zu London in England. Eine lächerlichere Rede habe ich meiner Lebtag nicht gehört. Wie offenbar lässt doch der große Herr ihre Weisheit zu Torheit und ihren Scharfsinn zu Narrheit werden und doch versteht es die blinde, unwissende Welt nicht.

Meine Leser, denkt doch nach, ob diese nicht die Spötter sind, von denen Petrus und Judas geweissagt haben (2Pt 3,3; Jud 8). Das ganze deutsche Volk, ja, alle Länder sind so voll von allerlei Gottlosigkeit, Gräueln und Bosheit, dass man sich darüber entsetzen und schämen muss.

Ja, der Gottesfürchtigen, die den Herrn fürchten, gibt es so wenige, wie der Trauben eines Weinberges, den man fleißig abgelesen hat und worin wenig Trauben, die man pflücken und essen kann, übrig geblieben sind, wie der Prophet sagt (Mi 7,1–2). Unter so vielen Hunderttausenden weist er einen an, der zu London gebannt worden sein sollte, damit es ja heißen möge, dass sie den Bann üben und sie für ihren großen Ungehorsam einen Vorwand haben.

Es kommt mir vor, dass sie es immer ungeschickter treiben, so dass die ganze Welt es fassen und verstehen muss, dass es mit ihnen im Grunde nichts als eitel Heuchelei, Lügen und Betrug ist. Ach, lieber Herr, wie lange werden doch diese großen Spöttereien dauern!

Auf seine Bemerkung, dass wenn die Kirche um eines Fehlers willen ihren Namen verlieren sollte, auch unser Leib um eines einzigen Geschwüres oder einer Wunde willen den Namen des Leibes verlieren müsste, antworte ich wie folgt: Wenn dies unter ihnen der einzige Fehler wäre, so könnte man hoffen, dass vielleicht einmal eine Besserung eintreten dürfte. Nun aber sind ihre Fehler und Gebrechen so zahlreich und so groß, dass man sie besser mit einem toten Körper, der gänzlich ohne Geist und Leben ist, als mit einem Leibe, der wie er sagt, bloß eine Wunde oder Geschwür hat, vergleichen kann.

Ich glaube, dass man hier die List der Füchse, die Gottes Weinberg verderben (welches er in seiner Schrift gerne auf uns deuten möchte), sehr deutlich spüren kann (Ps 80,14). Denn wie listig sie vor der Macht der Wahrheit von einem Schlupfwinkel in den andern fliehen um nicht gefangen zu werden, geht leider aus dieser nichtigen, hinsichtlich des Bannes vorgewendeten Entschuldigung nur zu deutlich hervor.