13.5  Vom Abendmahl

Viel von des Herrn Abendmahl hier zu schreiben, werden wir der Kürze halber unterlassen, da wir doch schon früher unseren Grund und Glauben, mit Hinsicht auf diese Sache, in vielen deutlichen Schriften bekannt gegeben haben. Wer an der Wahrheit Lust hat, möge dieselben suchen und in der Furcht seines Gottes darüber nachdenken.

Dennoch wollen wir den gottesfürchtigen Leser, zu unserer Verantwortung gegen Gellius, in unserer Einfachheit so viel ermahnen, dass er doch wohl merke, was da geschrieben steht, nämlich:

»Denn ein Brot ist es; so sind wir viele ein Leib, da wir alle eines Brotes teilhaftig sind.« (1Kor 10,17)

Da wir denn aus der Schrift lernen, dass das heilige Abendmahl nicht der Welt, sondern der Gemeinde Gottes von dem Herrn hinterlassen worden ist, als ein Zeichen, Zeugnis und Beweis, dass wir alle, die wir eines Brotes genießen, auch Glieder eines Leibes, nämlich des Leibes Christi sind und wir jetzt mit unseren Augen sehen und mit unseren Händen tasten können, dass beide – die, welche das weltliche Abendmahl ausreichen und die, welche dasselbe genießen – keine wahren Glieder am Leibe des Herrn sind, weil die, welche es austeilen, insgesamt Mietlinge, Diebe der Ehre Gottes und Mörder unserer Seelen sind, welche durch ihre eitlen Verheißungen, durch Philosophie und erdichtete Worte, das unbedachte ruchlose Volk bei seiner mannigfaltigen Ungerechtigkeit, Blindheit und dem fleischlichen, gemächlichen Leben erhalten, die ganze Welt irreführen und alle Gottesfürchtigen, die sich von dem Bösen abwenden, nach des Herrn Wort leben und stets von des Herrn Brot essen, hassen, schelten, belügen und mit Fangen und Bannen bis in den Tod beleidigen; und da auch die, welche das Abendmahl genießen, in der Regel ein unbußfertiges, mutwilliges und eitles Volk, ja, die Welt sind, die des Herrn Geist, Wort und Bekenntnis nicht nur wenig achten, sondern auch größtenteils augenscheinlich mit Füßen treten, so ist dies die Ursache, dass wir uns ihres Abendmahls enthalten, denn die durch Gottes Wort erweckte, herzensgründliche Furcht unserer Gewissen erlaubt uns nicht mit solchen Spendern und Genießern Gemeinschaft zu haben, damit wir nicht ihrer verführerischen Handlungen und schauderhaften Missbräuche teilhaftig werden und am Tage Christi gleichen Lohn mit ihnen empfangen.

Die vielen Ermahnungen, deren er sich hier rühmt, sind im Grunde nichts als ein eitles Geschwätz, welches ganz ohne Kraft ist; denn wie könnte er und die Prediger seiner Gattung, Christum auf rechte Weise predigen und andere Leute recht ermahnen, da sie doch selbst mit allerlei Verblendung, Ungerechtigkeit und Schande vom Haupt bis zu den Füßen behaftet sind? Billig wäre es für sie, der Worte Sirachs zu gedenken und zuerst selbst recht zu lernen, da es noch so viele unnütze Leute unter ihnen gibt, dass sie sich eher zu Sauhirten denn der Schafe Christi (wie er schreibt) schicken würden und er selbst nicht nur ein Verfälscher der Schrift, ein Verführer der Seelen, sondern auch ein frevelhafter, lästerlicher, verleumderischer und unbarmherziger Mensch ist, wie man aus dieser seiner Schrift deutlich sehen kann.

Er schreibt dann, dass sie den Leuten erstens vor Augen stellen, wie die Genießer des Abendmahls in der Lehre des Gesetzes und besonders des heiligen Evangeliums gegründet sein müssen.

Antwort: Wo das Gesetz auf rechte Weise gepredigt und durch den Glauben im Herzen des Zuhörers wohl verstanden wird, so dass er seine Art, Natur und Kraft recht beweist, da findet man ein zerschlagenes Gemüt, ein reuiges demütiges Herz, ein Gewissen, das vor dem Worte seines Gottes erschrickt und bebt und die wahre Gottesfurcht, welche die Sünde dämpft, ihr abstirbt und sie austreibt, wie Sirach sagt (5Mo 6; Röm 3,20; 7,7; Gal 3,10; Hebr 7,18). Denn dies ist das eigentliche Werk und der Zweck des Gesetzes, dass es uns den Willen Gottes recht vor Augen stellt, unsere Sünden bloß legt, uns mit des Herrn Zorn und Strafe droht, uns den Tod ankündigt und uns von sich auf Christum hinweist, damit wir dadurch in unserm Herzen vor Gottes Angesicht zerknirscht werden, den Sünden absterben und die einzige und ewige Arznei unserer Seele, Christum Jesum, ernstlich suchen und finden mögen.

Ebenso findet man da, wo das Evangelium mit reinem Eifer nach Gottes Wohlgefallen unsträflich in der Kraft des Geistes gepredigt wird, so dass es mit seiner Schärfe und Gewalt des Zuhörers Herz durchdringt, ein bekehrtes, verändertes und neues Gemüt, welches seinem Gott für seine unaussprechliche, große Liebe, die er uns elenden Sündern in Jesu Christo bewiesen hat, mit großer Freude dankt und durch die Kraft eines wahren Glaubens und der neuen Geburt, willig und ungezwungen jenes neue Leben antritt.

Wenn Gellius auf diese Weise seinen Jüngern oder Zuhörern und auch sich selbst mit dem Hammer des Gesetzes an ihr Innerstes klopfte und sie mit den Feuerstrahlen des heiligen Evangeliums zu einem solchen göttlichen Eifer entflammte, dass sie durch eine wahre Buße ihrem unreinen, feindseligen Herzen, ihrer heidnischen Pracht und Prahlerei in Häusern, Kleidern, Gold, Silber, ihrer großen Verschwendung, Habsucht, Prasserei und ihren Trinkgelagen entsagen und mit Christo in jenes neue, demütige Leben der Gerechtigkeit eintreten würden, dann möchte ich wohl zugeben, dass, was er hier von dem Abendmahl geschrieben hat, zum größten Teil nicht ganz und gar übel lautet. Jetzt aber tut er nichts anderes, als die Armen mit einem leeren Beutel trösten, das Hemd über den Rock anziehen und den Wagen vor die Pferde spannen. Denn die Zeichen des neuen Testaments sind in sich selbst ganz und gar kraftlos, eitel und ohne Nutzen, wenn das bezeichnete Wesen, nämlich jenes bußfertige, neue Leben nicht darin ist, wie schon früher hinsichtlich der Taufe gesagt worden ist.

Ferner schreibt er, dass sie zum Zweiten und auch zum Dritten darauf dringen, dass es nicht genug sei, die Lehre erfasst zu haben, sie im Herzen zu tragen und zu bewahren, sondern dass sie dieselbe auch öffentlich bekennen und derselben, selbst mit Leib- und Lebensgefahr, nachleben müssen; dass sie sich für Kreuz und Anfechtung waffnen und diese mit Geduld und Gehorsam annehmen und ihrem Bräutigam nachfolgen müssen; denn der Teufel könne solch ein Bekenntnis nicht leiden, sondern hasse und verfolge solche Bekenner auf schwere Weise.

Antwort: Kaiphas sprach zu den Pharisäern und Schriftgelehrten:

»Es ist uns besser, ein Mensch sterbe für das Volk, denn dass das ganze Volk verderbe!« (Joh 11,50)

Was er hier sagte, lautete richtig. Sein blutdürstiges,grausames Herz merkte aber nicht, dass gerade er derjenige war, welcher den König der Ehren durch bitteren Hass in den Tod zu bringen suchte (1Kor 2,8).

Dass auch Gellius und die Prediger seiner Gattung zuweilen von einem frommen Leben aus der Schrift reden und vom Kreuze ermahnen, dem widersprechen wir nicht; wie sie aber die wahre Gerechtigkeit, die aus der rechten Lehre ihren Ursprung nimmt, lieben und deren Bekenner loben, kann leider aus ihrem groben, verleumderischen Schreiben und Schreien wohl ersehen werden.

Da er nun, wie schon erwähnt, schreibt, dass er sie auf solche Weise ermahne und es dennoch offenbar ist, dass er die rechte und wahre Gerechtigkeit, Kraft, Furcht und Gehorsam, die aus einer rechten Predigt fließen, nicht nur hasst, sondern ihnen auch, wie ich fürchte, an einigen Stellen in seinen abscheulichen Schriften das Kreuz auflegt, so möge der gottesfürchtige und fromme Leser bedenken, ob er in dieser Hinsicht nicht den Pharisäern und Schriftgelehrten gleicht, welche, obwohl sie das Gesetz nach dem Buchstaben lehrten, dennoch seine Gerechtigkeit so hassten, dass sie den durch das Gesetz verheißenen Jesum Christum, den Vollender, durch ihren neidischen Rat und mit der Tat an das Kreuz und in den Tod brachten (Apg 3,15).

Versteht wohl, meine Leser, was ich schreibe. Das äußerliche Lehren, Hören, Taufen und Abendmahlhalten, wenn es zum Schein geschieht, hat vor Gott keinen Wert; vor ihm gelten nur das Lehren und Glauben, das Glauben und Tun, das äußerliche Taufen und Abendmahlhalten nach dem Buchstaben und das inwendige im Geist und in der Wahrheit. Seht, das ist, was Gottes Wort und Verordnung uns lehren.

Solange darum solche unbußfertigen und fleischlichen Leute die Spender und solche unnütze Prahler, Geizige und Wucherer, Fresser und Säufer die Genießer sind, solange ist es nicht das rechte Abendmahl des Herrn, das sie verabreichen und genießen; denn außer Christi Kirche, welche eine Versammlung der Bußfertigen ist, gibt es weder Taufe noch Abendmahl; es ist dann bloß eine Mahlzeit der Unbußfertigen, eine Stütze der Ungerechten und ein zauberischer Schein, wie hoch und herrlich es auch mit vielen Ermahnungen vor der Menschen Ohren ausgeschmückt und gepriesen werde. Noch einmal sage ich, versteht recht, was ich schreibe: Ohne wahre Buße haben weder Wasser, Brot, Wein, noch Zeremonien vor Christo Geltung und seien sie auch schon von den Aposteln selber gespendet worden; sondern in ihm und vor ihm gelten eine neue Kreatur, ein bekehrtes, verändertes, zerschlagenes Herz, eine herzgründliche Furcht und Liebe Gottes, eine ungeheuchelte Liebe zu unserm Nächsten und ein der Sünde abgestorbenes, demütiges, nüchternes und friedsames Leben, nach dem Wort und Beispiel des Herrn. Wo solch ein neues Wesen gefunden wird, seht, da wird recht getauft, da wird das rechte Abendmahl gehalten. Aber das äußerliche Taufen und Abendmahlhalten vor den Menschen, ich sage es noch einmal, welches bloß nach dem Buchstaben und zum Schein und nicht auch inwendig vor Gott, im Geist und in der Wahrheit geschieht, ist nichts anderes, als einem Schatten nachjagen, Gottes Werk zum Schein nachahmen, ja, Heuchler und Betrüger sein.

Ist es nicht eine beklagenswerte Verblendung, dass diese irregeführten, armen Leute so viel auf das sichtbare Zeichen halten und nicht merken, dass sie das unsichtbare, bezeichnete Wesen des Herzens, welches durch das sichtbare Zeichen abgebildet wird, weshalb es in der Schrift befohlen ist, von Herzen hassen und demselben feind sind, als ob Gott ein besonderes Wohlgefallen an den Elementen Wasser, Brot und Wein und nicht viel mehr an dem, was damit bezeichnet, abgebildet und das Herz gelegt wird, hätte.

O nein, meine Leser, nein, man kann Gott mit Wasser, Brot und Wein weder dienen noch wohl gefallen, denn seine Hand hat das alles geschaffen (Ps 102,26). Taufe und Abendmahl sind deshalb in des Herrn Haus verordnet, damit wir dadurch unseren Glauben und Gehorsam dartun. Dass wir in einer fortwährenden, ewigen Buße wandeln (Röm 6,4; Kol 2,12) und seiner unaussprechlich großen Liebe und Wohltaten gedenken wollen; dass wir uns dadurch erinnern sollen (Mt 26,26), dass er sein unbeflecktes, reines Fleisch für uns geopfert und aus seiner heißen, ewigen Liebe für uns sein teures, rotes Blut als eine Versöhnung für unser aller Seelen vergossen hat; dass wir in der Einigkeit des Geistes ewiglich mit ihm wandeln und seinen Fußstapfen folgen, uns untereinander als Glieder eines Leibes lieben, helfen, trösten, strafen, tragen, ermahnen, unterstützen und dienen und uns in aller Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit, als neugeborne Kinder Gottes, bis in den Tod, unsträflich vor der ganzen Welt beweisen werden.

Seht, meine Leser, zu diesem Zwecke sind uns die Zeichen des neuen Testaments hinterlassen worden. Wenn Gellius und die Prediger mit solchem Herz und Gemüt ihr Abendmahl hielten, wenn sie und ihre Jünger in der Wirkung, dem Bezeichneten, der Frucht, dem Geist, der Kraft (obwohl in der Schwachheit) so erfunden würden, wie das vorstellende Zeichen lehrt und mit sich bringt, dann würden wir durch des Herrn Gnade einander bald näher kommen und über dieses Zeichen und Gebrauch wenig Streit mehr haben. Doch solange sie den breiten Weg lehren und wandeln, die Kindertaufe üben und verteidigen und die Taufe der Gläubigen schelten und lästern, ihre Jünger und ihre Gemeinden nicht von der Welt absondern und solange sie in Lehre und Leben nicht unsträflich sind, solange können wir in der Lehre und Sakramenten unmöglich eins mit ihnen sein, ob uns dann deshalb Lieb oder Leid widerfahre, dies sei dem Herrn anheimgestellt. Denn wir sind fest überzeugt, dass wir des Herrn unüberwindlich starke Wahrheit, sie aber die verdammenswerte schwache Lüge haben.

Erwägt hier, meine treuen Leser, was ich schreibe; dass wir uns von der Lehre und den Sakramenten der Prediger fern halten, geschieht hauptsächlich aus zweierlei Gründen; erstens darum, weil wir aus der Schrift und auch aus den Taten erkennen und in unsern Herzen durch den Geist versichert sind, dass sie keine Hirten, sondern Verführer sind. Die ganze Schrift lehrt uns, dass wir solche Prediger nicht hören, sondern meiden sollen (Jer 23,2; Mt 7,15–16; Joh 10,5; Röm 16,17; Phil 3,19; 2Tim 3,6). Denn so wir uns vor den fleischlichen Dieben, Mördern und Wölfen fürchten, wie viel mehr müssen wir uns denn vor denjenigen fürchten, die unsere armen Seelen so jämmerlich zerreißen, uns im Verderben erhalten, uns des Anblicks der Klarheit Christi berauben und uns um einen Bissen Brotes ohne das geringste Bedenken jener schrecklichen, unauslöslichen Finsternis der ewigen Höllenqualen zuführen. Ich bitte euch um Gottes willen, liebe Leser, haltet mir dies zu Gute. Seht, ich bezeuge vor Gott, dass es die Wahrheit ist, was ich schreibe.

Die zweite Ursache ist, dass wir durch solch eine Meidung euch und einem jeden mit der offenbaren Tat bezeugen mögen, dass ihr außer Christi Geist, Wort, Reich und Kirche seid; dass ihr auf unrechten Wegen wandelt und euch von euren Predigern jämmerlich verführen lasst, auf dass ihr noch beizeiten aufwachen, der Lüge entsagen, der Wahrheit nachtrachten und ewig selig werden mögt.

Seid ihr daher einer redlichen Gesinnung, so betrachtet recht wohl was wir in diesem suchen und erstreben und denkt nicht, wir seien so ganz und gar unseres Verstandes beraubt, dass wir aus Streit und Parteisucht diesen engen Weg wandeln. Ach, wie gerne möchten wir unseres armen, schwachen Fleisches, unserer Frauen und kleinen Kinder, unseres Lebens, Gutes und Blutes schonen und mit der Welt in Frieden leben, wenn uns die Liebe für die Ehre Gottes und die ewige Seligkeit eurer und unserer Seelen nicht drängten. Jetzt aber müssen wir, aus den erwähnten zwei Ursachen und um jener unverfälschten Liebe willen, alles zum Raub dahingeben und, wenn es die Not erfordert, sogar das Leben lassen. Denn die Wahrheit verteidigen kommt einem in der Regel teuer zu stehen und eine herzgründliche und treue Liebe wird meistens mit einer Dornenkrone belohnt. O Herr!

Letztens schreibt er: »Hieraus mag ein jeder frommer Christ leicht verstehen, wie ungerecht es ist, dass diese Leute, die uns der Zwietracht, des Zornes und der Feindschaft beschuldigen und selbst untereinander über diese Glaubensartikel zanken und Zwietracht, Feindschaft, Hader und Zorn sähen, ja, die unsere Lehre niemals gründlich untersucht und kaum je die Weise, auf welche wir das Abendmahl halten, gesehen haben, uns des Abendmahls wegen strafen und die Versammlungen der Gemeinde Christi verlassen.«

Antwort: Hierauf antworte ich erstens so: Die Ungerechtigkeit, die uns von Christi Reich, Kirche, Leib und Abendmahl ausschließt, liegt nicht allein in Zwietracht, Zorn und Feindschaft, sondern auch in allen andern Werken und Früchten des Fleisches, Pracht, Pomp, Geiz, Prasserei, Säuferei.

Obwohl denn, wie er schreibt, bei einigen unter ihnen Feindschaft und Zorn zum Teil besänftigt werden wenn sie diesen Gebrauch halten, so bleiben dennoch alle jene anderen großen Sünden und Ungerechtigkeiten ungebüßt, wie man dies aus ihren offenbaren Früchten allenthalben deutlich erkennen kann. Auch die offenbaren Heiden machen Frieden miteinander, wenn sie uneins sind oder gezankt haben; dennoch sind sie darum nicht die rechten Körner an des Herrn Brot, noch die rechten Glieder am Leibe des Herrn. Wer ein vernünftiges Herz hat, überlege wohl was ich schreibe.

Zweitens sage ich: Seine Beschuldigung, dass Zwietracht, Zorn und Feindschaft unter uns bestehen, kann er nimmer mit der Wahrheit aufrecht halten.

Denn gleichwie er und seine Mitgenossen unsere christliche Lehre, Glauben, Sakramente und Wandel vor einem jeglichen beschuldigen, Trübsal und Mühe anrichten, wir aber ihnen, durch Gottes Gnade, nicht mit Zorn und Feindschaft, sondern in aller Geduld mit Christi Geist und Wort begegnen; sie lehren, strafen und ermahnen, Wahrheit durch Wahrheit aufrecht halten und aus dem Innersten unserer Seele, ja, mit Blut und Tod den rechten Weg bezeugen und anweisen (weshalb sie über uns nicht wenig erbittert sind), so geschieht es zuweilen, dass welche unter uns aufstehen (wie dies schon zur Zeit der apostolischen Kirche geschah), die lieber ihrer Vernunft, als der Schrift folgen; sich dem breiten Weg wieder zuwenden; nach Ansehen und einem großen Namen streben und schriftwidrige Sachen vorbringen (1Tim 3,6). Solchen machen wir Vorstellungen, ermahnen und strafen sie und verfahren mit ihnen nach Anweisung der Schrift, in aller Liebe und Schicklichkeit (Tit 3,10), wie wir hoffen. Lassen sie dann von ihrer Lehre ab und streben nach Frieden, so danken wir dem Herrn dafür. Wenn sie aber diese brüderlichen Ermahnungen und Liebe verachten, hartnäckig bei ihrem Vorhaben verharren, Zank und Zwietracht stiften, dann können sie nicht länger unsere Mitgenossen und Brüder sein, bis sie ihre Schuld bekennen und in Frieden zu des Herrn Volk zurückkehren.

Ob nun dies heiße Feindschaft und Zorn betreffs der Glaubensartikel säen oder ob es nicht vielmehr alle Unreinigkeit von des Herrn Haus abwehren genannt werden sollte, möge der verständige Leser mit Vernunft und Schrift beurteilen.

Drittens sage ich: Dass wir ihre Lehre nicht gehört und den beim Abendmahl von ihnen eingehaltenen Gebrauch nicht gesehen haben, wie er klagt, hat darin seinen Grund, weil wir aus den offenbaren Früchten erkennen und schon seit Jahren erkannt haben, dass ihre Lehre eitel und ohne Kraft und ihre Sakramente nicht dem Wort gemäß sind. Denn wes Geistes Kinder sowohl diese Prediger als ihre Zuhörer sind, kann man am besten erstens bei den Predigern an diesen seinen unehrlichen Verleumdungen und dieser bitteren, lügenhaften, gehässigen und aufrührerischen Schrift erkennen; und zweitens, bei ihren Jüngern an ihrer abscheulich großen Kleiderpracht, der hoffärtigen Bauart und Verzierung ihrer Häuser und dem ausschweifenden, fleischlichen Leben. Was nützt es denn, dass sie sich schön vor tun und herrlich und schön geschmückte Reden halten, da sie doch das Werk der Schrift und der heiligen Sakramente, deren Früchte und Kraft durch die Tat verleugnen, ja, dieselben verfolgen und ihnen feind sind? Wenn ich nicht die Wahrheit schreibe, so straft mich.

Viertens sage ich, Gellius beschuldigt uns, dass wir die Gemeinde Christi verlassen. Darauf erwidere ich aber, dass wir, nach Gottes Wort und Verordnung und nach dem Beispiele der heiligen Apostel, die Welt mit ihren falschen Propheten verlassen und durch des Herrn Geist und Gnade die Gemeinde Christi aus ihren Schlingen befreien, getreulich warnen und nach Laut des heiligen Wortes in unsrer Schwachheit bauen und aufrichten (Jes 52,11; 2Kor 6,17; Apg 2,40; Offb 18,4). Was will doch dieser arme, unbedachte Mann viel von der Gemeinde Christi reden und rühmen, ist diese ihnen doch ganz und gar unbekannt! Ich bin dazu erbötig, dass man mir eine freie Besprechung mit den Predigern zustande bringe, sei es denn heimlich in Gegenwart von Zeugen oder öffentlich vor einer vollen Versammlung; und wenn ich dann nicht beweisen und mit der Kraft der Wahrheit aufrecht halten kann, dass jene Prediger allesamt Verführer und nicht Hirten sind und dass ihre Prahler, Hochmütigen, Geizhälse, Wucherer, Flucher und Lästerer (Röm 1,29) der Welt und nicht Christo angehören, so will ich angesichts der ganzen Welt mit offenem Munde bekennen, dass wir nicht nur die Gemeinde Christi verlassen, sondern dieselbe auch jämmerlich zerreißen und manches fromme Herz in schweren Jammer, Kummer und Not bringen.

Kann ich es aber in voller Kraft behaupten, warum müssen wir dennoch so viel Übles hören? Es wäre gewiss mehr als Zeit für jene Prediger, von ihrer Verführung abzulassen und mit ihren Jüngern, wer, wie und wo sie auch sein mögen, aufzuwachen, vor Gottes Zorn und Strafe zu beben, Buße zu tun, sich nach des Herrn Geist, Wort und Beispiel zu richten und eine rechtschaffene, christliche Gemeinde nach der Schrift aufzurichten oder ihren geborgten Namen und ihrem mächtigen Ruhme als evangelischer Lehrer, treue Hirten, Seelsorger, Prediger des heiligen Wortes, welche Namen sie ohnehin nur zur Unehre Gottes und zum Verderben ihres Nächsten zum Schein führen, zu entsagen.

Seht, meine Leser, ich schreibe die Wahrheit und lüge nicht. Ich suche vor meinem Gott nichts anderes, als Gellius, samt allen Predigern, in allen Ländern, wo sie auch sein mögen, durch meines Herrn Geist und Wort in Christo Jesu zu gewinnen, oder, von ihnen überwunden, angesichts der ganzen Welt schamrot als ein öffentlicher Betrüger dazustehen. Sind sie nun einer christlichen Gesinnung, Prediger des heiligen Wortes und, wie sie vorgeben, nach einer göttlichen Einigkeit begierig, so werden sie meinen Wunsch erfüllen, nämlich mir frei eine Unterredung gewähren, auf dass einmal beider Parteien Gründe und Behauptungen recht gehört werden und so die seligmachende, reine Wahrheit Christi hervortreten und die verdammungswerte Lüge des Antichristen zugrunde gehen möge.

Wenn sie mir dies aber verweigern, wie sie es mir vor dem schon zweimal verweigert haben, und dennoch in ihrem lästerlichen Verleumden und ihrem Schelten verharren (wie solches zuvor geschehen ist) und das arme, unerfahrene Volk mit vielen falschen Klagen angehen, wie er jetzt hier tut, nämlich dass wir die Gemeinde Christi verlassen, irregeführte Leute seien, Gutes für Böses schelten, was können wir dann mehr tun, als sie dem Herrn und seinem Gericht übergeben, uns, wie bisher, willig unter das Kreuz fügen, unsere Seelen in Geduld fassen und so viel als möglich die Gutherzigen ermahnen, dass sie doch wohl Obacht geben, was für Prediger und Seelsorger sie haben; wie viel Gewalt und Unrecht sie uns Armen und Elenden antun; auf welch freche Weise sie die Wahrheit verwerfen und die Lüge in Schutz nehmen, indem wir aus dem Grunde unserer Seele solch eine christliche, freie Schriftunterredung, zum Lobe des allmächtigen Gottes und seiner ewigen Wahrheit und zur Erquickung aller bedrückten und bekümmerten Seelen, in aller Demut und Liebe von ihnen verlangen und sie uns dennoch solches verweigern und uns dazu noch in vielen Schmähschriften und -briefen, ohne alle Rücksicht, Grund und Wahrheit, vor der ganzen Welt beschuldigen und so manches unschuldige, fromme Kind um Land, Ehre, Leib und Gut bringen, wie man dies leider in unseren Niederlanden an vielen Plätzen so deutlich sehen kann.