13.1  Vorrede

Paulus sagt in seinem Schreiben an Timotheus:

»Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen werden gräuliche Zeiten kommen; denn es werden Menschen sein, die viel von sich selbst halten, geizig, ruhmredig, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, ungeistlich, störrig, unversöhnlich, Schänder, unkeusch, wild, ungütig, Verräter, Frevler, aufgeblasen, die mehr lieben Wollust, denn Gott; die da haben den Schein eines gottseligen Wesens; aber seine Kraft verleugnen sie.« (2Tim 3,1–5)

Ferner schreibt er:

»So bezeuge ich nun vor Gott und dem Herrn Jesus Christus, der da zukünftig ist, zu richten die Lebendigen und die Toten, mit seiner Erscheinung und mit seinem Reich: predige das Wort, halte an, es sei zu rechter Zeit oder zur Unzeit; strafe, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht leiden werden, sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nachdem ihnen die Ohren jucken; und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich zu den Fabeln kehren.« (2Tim 4,1–4)

Desgleichen spricht Daniel: »Es wird eine solche trübselige Zeit sein, als sie nicht gewesen ist, seit dass Leute gewesen sind!« (Dan 12,1)

Ehrsamer Leser! Wenn ihr mit Sorgfalt auf das Suchen, Lehren und Leben der Prediger dieser Zeit und auf das ruchlose Wesen des gemeinen Volks merkt, so werdet ihr mit klaren Augen sehen, dass die Lehrer, von denen Paulus hier spricht, in großen Haufen und die betrübten, gräulichen Zeiten jetzt da sind. O meine Leser, nehmt wahr; es ist solch eine Zeit, dass wenn das versunkene Sodom noch in seinem vorigen Stand stünde, es für gerecht und fromm geachtet werden müsste im Vergleich mit dieser gegenwärtigen argen Welt. Dennoch ist es durch Gottes gerechte Strafe und grimmigen Zorn in den Abgrund der Hölle verstoßen und trägt des ewigen Feuers Pein (Jud 7; 2Pt 2,6).

Der Prophet sagt:

»Siehe, das war deiner Schwester Sodom Missetat: Hoffart und alles wohlauf und guter Friede, den sie und ihre Töchter hatten; aber dem Armen und Durstigen halfen sie nicht; sondern waren stolz und taten Gräuel vor mir; darum ich sie auch weggetan habe.« (Hes 16,49–50)

Aber nun wird leider allenthalben so gelebt, als wäre man zu nichts als Gottlosigkeit und Wollust geboren und als ob man Gott für einen Träumer und sein Wort für eine Fabel achtete. Sagt, ihr Lieben, ist es nicht so? Meine guten Leser, ist es nicht so? Wer ist, der Gott von Herzen fürchtet oder der nach der rechten Wahrheit fragt? Es ist doch allenthalben eitel Ungerechtigkeit, Abgötterei, Verführung und Gottesverachtung, wo man sich hinwenden mag. Und das alles muss noch mit Christi heiligem Namen, Wort, Tod und Blut, dazu mit menschlicher Schwachheit, um Ärgernisse zu vermeiden (wie man vorgibt) und mit einer falschen Freiheit verblümt werden. O Herr! Gerade als ob Christus ein Heiland aller Unbußfertigen und ein Versöhner der verkehrten Sünder sei! Nein, mein Leser, nein! Ein jeder hüte sich. »Denn wenn ihr gemäß dem Fleisch lebt, so müßt ihr sterben!« sagt Paulus (Röm 8,13).

Weil es denn allenthalben so ganz und gar verderbt ist, dass die ganze Welt nichts als ein zwiefaches Sodom, ja, ein offenbar verwirrtes Babel und ägyptische Finsternis (Offb 18), unter dem Schein und Namen der christlichen Kirche geworden ist und der barmherzige große Herr nun in dieser letzten Zeit voll Ungerechtigkeit das edle werte Wort seiner göttlichen Gnade wiederum als ein helles Licht aus der Finsternis in reinem christlichen Verstande etlichen zur Gerechtigkeit scheinen lässt, womit er in seiner ewigen Liebe sich noch vor seinem großen und dunklen Tag, durch die Offenbarung seines heiligen Worts und Erleuchtung seines ewigen Geistes, eine gehorsame und willige Kirche versammelt und aus der Versammlung des Antichristen, durch eine wahre Buße und einen tugendsamen Wandel (obwohl in der Schwachheit), unter dem Kreuze Christi, vermittelst eines heilsamen Gebrauchs der sakramentlichen Zeichen nach der Anordnung Christi und seiner Apostel und durch ein freimütiges, aufrichtiges Bekenntnis in Bezeugung des Blutes, sich zu einem eigenen, besonderen Volk aussondert; darum geschieht es, dass alle Pforten der Hölle sich bewegen und so wüten, dass ein wahrer Christ leider wenig Ruhe auf Erden finden kann, wie es offenbar ist.

Die Obrigkeiten bannen und verfolgen, schleppen in Gefängnisse und Bande, peinigen, berauben und bringen viele Gottesfürchtige an etlichen Orten jämmerlich um ihre Wohlfahrt, Ehre, Gut und Blut.

Das ungeschlachte, ruchlose Volk schilt uns immerfort Wiedertäufer, häuft eine grobe Lüge auf die andere und zeigt mit Fingern auf uns, gleich als ob unsere Handlungen derart wären, dass Feuer und Schwert für unsere Leiber eine allzu milde Strafe und das ewige Höllenfeuer unsern Seelen eine allzu geringe Vergeltung wäre.

Die Prediger und Gelehrten rufen laut und schreiben feindlich, schelten und lästern sehr, wie der Prophet spricht (Ps 73,8). Und obwohl wir es mit so vielen schweren Trübsalen bezeugen, dass wir in unserer Schwachheit den Herrn von Herzen zu fürchten begehren und mit allen Menschen gerne Frieden hätten, so schelten sie doch gleichwohl über alle Maßen unbescheiden; bewegen Herren und Obrigkeiten, Städte und Länder an allen Orten; geben vor, wir seien gottlose Sekten und Wiedertäufer; wir verführen das Volk, unterstehen uns Aufruhr zu stiften, Meuterei anzurichten und was solche aufrührerischen, falschen Erdichtungen und Lästerreden mehr sind; auf dass sie so das edle Wort Gottes, das Wort der wahren Buße, das freudenreiche Evangelium der Gnade, den wahren kräftigen Glauben an Christum Jesum, das fromme unsträfliche Leben, von der Schrift gefordert, das glorreiche, herrliche Reich Christi und seine Gerechtigkeit (damit ihre Sache und Untreue vor der Welt nicht offenbar werde) in dem Grund ausrotten oder verdunkeln und mit Unrecht aufhalten, wie an der Frucht und Tat offenbar ist und hingegen das verderbliche Reich des Antichristen, das Reich dieser Welt, bei seinem argen unbußfertigen Wesen, seiner offenbaren Abgötterei und seinem fleischlichen, gemächlichen Leben, in Einigkeit der Ungerechtigkeit, nach dem Begehren der alten Schlange, einträchtig behalten und vor der Wahrheit unbeschämt bis ans Ende leben mögen (Eph 2,3).

Seht, so treibt der Fürst der Finsternis, der in der Luft herrscht, sein Werk in den Kindern des Unglaubens und des Ungehorsams, wie Paulus spricht und wie man auch leider hier an diesem Gellius Faber spürt, wenn man sein Schreiben, Lästern, Schelten, seine bittern, höhnischen Worte, seine erdichteten Beschuldigungen, sein eitles Rühmen und gewaltiges Schriftverdrehen wohl vornimmt und mit des Herrn Geist und Wort recht richtet.

Da es denn vielen Tausenden ehrlichen und redlichen Leuten (wie ich vermute) wohl bekannt ist, dass wir auf dieser Erde nichts anderes suchen, als dass wir mit Verleugnung unserer selbst und seinem Worte gehorsam, gerne nach unserm schwachen Vermögen in den Fußstapfen Christi wandeln (Mt 16,25; Lk 9,44), das ausgelöschte Licht der Wahrheit gerne wieder anstecken, viele Menschen zur Gerechtigkeit weisen und unsre Seelen durch des Herrn Hilfe und Gnade (so viel an uns ist) selig behalten und erretten wollen, aus welchem Grunde wir Armen allenthalben solche maßlose Trübsal, Elend, Not, Kreuz und Verfolgung tragen müssen und dessen ungeachtet dieser Gellius, der in solchem Fall billig unser Beistand und Vater sein sollte, weil er sich einen Diener des heiligen Worts rühmt, unsere harten Versuchungen, schweren Nöte und den unverdienten Hass und die Bitterkeit gegen uns mit seinen unschriftmäßigen Argumenten und Einwürfen gegen unsern Grund und Lehre, von ihm aufgebracht, mit seinen verdeckten parteiischen Klagereden an die Obrigkeit und mit seinen unreinen Lästerworten noch immer schwerer und schwerer macht und nicht absteht, diese seine Schrift zur Unehre Gottes und seines heiligen Wortes, zur Schmach und Beschimpfung aller Frommen, zur Bestätigung seiner schweren Verdammnis und zur Verführung der Einfältigen jedermann im Druck öffentlich vorzulegen – so kann und wird kein Wohlgesinnter es mir für übel deuten, dass ich die Ehre meines Gottes, die Seligkeit meiner Brüder, den Grund meines Glaubens und den Preis meines Herrn Christi, in dessen Dienst ich mich durch seine gnädige Berufung, nach seinem göttlichen Willen, unwürdig begeben habe, durch öffentliche Verantwortung mit meines Herrn Geist und Wort, so viel mir möglich ist, behaupte und verteidige. Hoffe es auch durch Gottes gnädige Hilfe mit so vielen deutlichen Reden und Schriften, mit so großer Kraft und Klarheit zu tun, dass nicht allein die rechten Gottesgelehrten, sondern auch alle redlichen und unparteiischen Leser und Zuhörer durch Gottes Gnade die volle Überzeugung erlangen sollen, dass er und Prediger seiner Art die verführerischen Lügen und wir durch des Herrn Gnade den festen Grund der Wahrheit haben.

So bitte ich denn alle meine Leser, Freunde und Feinde demütig und ermahne sie treulich, diese meine abgedrungene Beantwortung und Verteidigung nicht mit parteiischem, verkehrtem Sinn, nicht schläfrig und verdrossen, sondern mit offenen Augen des Herzens aufmerksam zu lesen, fleißig zu untersuchen und nach der Schrift zu beurteilen. Dies geht uns alle gleichviel an; es betrifft die Ehre Gottes und Christi und die Seligkeitunsrer armen Seelen. Es lasse sich niemand dünken, dass er davon ausgenommen sei. Es gibt nur einen Weg und eine Pforte, die zum Leben einführen und diese sind schmal und eng (Mt 7,13). Desgleichen gibt es auch nur eine Lehre. Wollen wir mit Christus in das Reich seiner Herrlichkeit eingehen, so müssen wir alle durch diese enge Pforte und auf diesem schmalen Wege passieren und seinen Worten gehorsam sein; dessen sei ein jeglicher eingedenk (Mt 16,25; Joh 15).

Da es nun offenbar ist, dass Gellius und alle Gelehrten ihre Lehre, Sakramente etc. meistenteils auf Menschenweisheit, gebrochener Schrift, Gutdünken und Meinungen gründen und wir die unsern auf Gottes Wort; er mit den Seinen auf dem breiten Weg wandelt, die Unsern auf dem schmalen; er nicht verfolgt wird, aber mit dieser seiner Schrift verfolgt; wir hingegen verfolgt werden und nicht verfolgen, so müssen ja alle Billigdenkenden zugeben, dass die Wahrheit und die Gemeinde nicht bei ihnen, sondern bei uns sei; denn durch Gottes Wort und das Vorbild aller Frommen wird unfehlbar dargetan, dass, wo die wahre Gemeinde Christi ist, auch eine heilsame Lehre, wahre Sakramente, eine unverfälschte Liebe, ein frommes, gottseliges Leben und eine Absonderung der Unbußfertigen und Verkehrten etc. nach des Herrn Wort sind und sein müssen, wie man in der folgenden Beantwortung durch des Herrn Gnade in großer Klarheit hören und sehen wird.

Daher will ich alle Frommen um Gottes willen ersuchen, mich mit ihren inbrünstigen Gebeten zu dem Allerhöchsten zu unterstützen, damit er mich Geringen und Unvermögenden, sowie auch meine lieben Mitbrüder und getreuen Mithelfer, beschenken wolle, dass wir mit Kraft einer reinen Lehre und eines frommen Wandels aller Widersprecher Mund verstopfen und dem Haus unseres Gottes, zur Ehre seines großen Namens, in reinem göttlichen Eifer und christlicher Liebe bis ans Ende vorstehen mögen. Demselbigen sei Preis und ewiges Reich. Amen.