12.1  Erster Brief

Worin er allen zu Amsterdam und in der Gegend wohnenden Brüdern und Schwestern abrät den päpstlichen Gottesdienst zu besuchen, da sie dort nicht die hungrigen Seelen mit dem Brot des göttlichen Wortes speisen, sondern mit dem Sauerteig menschlicher Lehre.

Meine Geliebten in Christo Jesu, mein Herz und Gemüt ist eurethalben sehr bekümmert, weil ich in Erfahrung gebracht habe, dass ihr Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit habt und dass es so wenige gibt, die das Brot des göttlichen Worts recht an die hungrigen Gewissen austeilen; dass es so wenige Hirten gibt, welche die Schafe Christi recht weiden und so wenige Steinhauer sind um die lebendigen Steine im Tempel des Herrn recht einzufügen; so wenige Wächter, welche die Stadt, das neue Jerusalem, recht bewachen und die Trompete blasen; dass so wenige der Väter sind, um die Kinder Gottes zu zeugen und so wenige um diese erzeugten zu pflegen und mit Nahrung zu versorgen, sondern dass in Allem das Gegenteil stattfindet. Denn diejenigen, welche rechtlich dem Amte vorstehen, verleugnen nicht das Brot noch die Kinder, denen es zukommt. Hätten sie das Brot, von welchem die Seele lebt, so würden nicht so viele Kinder verschmachten während sie das Brot (versteht, das Brot welches zur Leibesnahrung erforderlich ist) einmal oder zweimal wöchentlich austeilen. Da sie denn dem Volke Basiliskeneier geben, so merkt was der Prophet darüber sagt:

»Isst man von ihren Eiern, so soll man sterben!« (Jes 59,5)

»Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; es ist nicht wie das Manna, das eure Väter gegessen haben, und sind gestorben; wer dieses Brot isst, der wird leben in Ewigkeit!« (Joh 6,58 SLT)

Wiederum, was die Hirten anbelangt, die sich für Hirten Christi ausgeben, so hüten sie die Schafe zu ihrem eigenen Nutzen, wie Hes 34,8 sagt; denn ihr seht wie wenig sie sich um die Schafe kümmern; es gilt ihnen gleich, ob sie Weide haben oder nicht; wenn sie nur die Wolle und Milch haben, so sind sie zufriedengestellt. Sie geben sich für Hirten aus, sind aber Verführer; denn sie sind sehr verschieden von den Hirten, über die wir in Jeremia lesen, nämlich Hirten nach seinem eigenen Herzen, die der heilige Geist gesandt hat; denn jene haben nicht die Liebe Christi, wie Petrus sie hatte, aus welchem Grunde auch Christus ihnen nicht befohlen hat seine Lämmer zu weiden; ward ihnen aber nicht befohlen solches zu tun, d. h. sind sie nicht gesandt, wie können sie dann predigen, da sie nicht göttliche Hirten sind, welche die Schafe in die grünen Weiden des göttlichen Wortes leiten, sondern die Schafe verschmachten lassen. Sie sind die Hirten nicht, welche sie zu den klaren Wassern führen, sondern sie führen sie zu den Pfützen, die sie mit ihren Füßen klar gemacht haben, nämlich mit ihren Auslegungen und ihrem Gutdünken.

Sie geben sich auch für Bauleute aus, die des Herrn Haus errichten; sie fügten niemals in ihrem Leben einen Stein dem Hause des Herrn bei, nämlich einen von den lebendigen Steinen, aus denen ein geistliches Gebäude erbaut worden ist, welches Gebäude die Gemeinde Gottes ist (Hebr 3,6). Denn sobald zwei oder drei Steine sich zusammen finden und durch den Mörtel der Liebe verbunden werden, so sind sie auch schon ernstlich bemüht dieselben niederzubrechen und zu verwüsten, wie ihr in allen Ländern und Städten wahrnehmen könnt. O wie ganz verschieden sind sie von denjenigen, über die Paulus sagt:

»Ihr seid Gottes Ackerwerk und Gottes Bau, wir sind Gottes Mitarbeiter,« (1Kor 3,9)

nämlich solche, die des Herrn Haus seinem Wort gemäß bauen sollten.

Da sie nun keine Bauleute sind, so müssen sie diejenigen sein, welche niederreißen. Auch geben sie vor Arbeiter zu sein, die des Herrn Weinberg bewahren. Wie sie ihn vor den Füchsen und allen wilden Tieren bewahren, das stelle ich der Beurteilung eines jeglichen Christen anheim. Wie sie den dem Herrn des Weingartens gebührenden Nutzen für sich selbst suchten, wie sie ihm seine Rente oder Ehre gegeben haben, das weiß der Herr des Weingartens. Auch ist ihm wohl bewusst, wie sie seine Kinder aus keinem andern Grunde schlagen, vertreiben, töten, berauben und des Landes verweisen, als dass dieselben ihnen nicht beistimmen wollen, ja, nicht beistimmen dürfen, da deutlich zu merken ist, dass sie nicht die rechten Bauleute des Herrn sind, sondern Verwüster (Mt 21,35).

Dennoch aber geben sie vor, Wächter zu sein. Wenn sie Wächter sind, so sind sie blinde Wächter und stumme Hunde, die nicht bellen können (Jes 56,10). Hosea, der Prophet, zeigt uns die Ursache ihres Wachens und wie sie die Posaune blasen (Hos 4). Wie weit weichen sie von des Herrn Wort ab, welches sagt:

»Du Menschenkind, ich habe dich zum Wächter gesetzt.« (Hes 3,17)

»Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk ihr Übertreten!« (Jes 58,1)

Auch wollen sie die Wächter sein, welche die Kinder Gottes zeugen oder hervorbringen und sie mit Nahrung versorgen. Wie aber können sie Kinder zeugen, da sie niemals im geistlichen Sinne befruchtet worden sind. Wie weit verschieden sind sie von den Vätern, bezüglich derer Paulus sagt:

»Ihr habt nicht viele Väter, denn ich habe euch erzeugt in Christo Jesu durch das Evangelium.« (1Kor 4,15)

»Meine lieben Kinder, welche ich abermal mit Ängsten gebäre, bis dass Christus in euch Gestalt gewinne.« (Gal 4,19)

Bemerkt hier welches der wahren Kinder rechte Väter sind. Dann zeigt mir ein Kind, dass sie gezeugt haben, das heißt ein aus Gott und durch das Evangelium geborenes Kind. Auch sagt Paulus:

»Milch habe ich euch zu trinken gegeben,« (1Kor 3,2)

»gleichwie eine Amme ihrer Kinder pflegt.« (1Th 2,7)

Seht, meine herzlich lieben Brüder und Schwestern in Christo Jesu, ihr werdet jetzt merken, dass ihr nicht viele Verabreicher oder Austeiler des süßen Brotes habt, sondern dass es Sauerteig ist, was sie euch geben; dass sie nicht die Hirten sind, welche Christi Schafe weiden, sondern Wölfe, die sie zerreißen; dass sie nicht Bauleute sind, die den Tempel des Herrn errichten, sondern Verwüster, die das Gebaute niederreißen; dass sie nicht Ackerleute sind, die des Herrn Weinberg bewahren und ihm seine Rente geben, sondern falsche Arbeiter, welche des Herrn Diener schlagen, steinigen, peinigen und töten, wie ihr leider mit euren Augen sehen könnt. Sie sind nicht die Wächter, welche über die Stadt Jerusalem wachen und sie vor dem Feinde warnen, sondern sie selbst verraten die Bürger und töten sie; sie sind keine Väter und Ammen, sondern sie töten das, was geboren und auferzogen ward, gleichwie Pharao, der König von Ägypten, alle wahren Israeliten tötete, deren er habhaft werden konnte. Darum ist es notwendig sich von ihnen zu trennen und sie zu meiden, gleichwie wir lesen in Matthäus:

»Hütet euch vor den falschen Propheten!« (Mt 7,15)

Und Paulus sagt:

»Seht zu, dass euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen, und nicht nach Christo!« (Kol 2,8)

Die Gemeinde Christi ist die Braut Christi und er will nicht, dass seine Braut von einem andern als dem unvergänglichen Samen empfange (1Pt 1,23), wie Paulus sagt:

»Ich habe euch vertraut einem Manne, dass ich eine reine Jungfrau Christo zubrächte.« (2Kor 11,2)

Ja, so rein wollte Paulus die Braut oder Gemeinde haben, dass so irgendwelche darunter wären, die Spaltungen oder Ärgernisse verursachten, der Lehre zuwider, die sie gelernt hatten, sie gemieden werden sollten. Ja, sollten sie etwa Trunkenbolde, Geizige, Unkeusche, Abgöttische oder Hoffärtige in der Gemeinde finden, so sollten die Gemeindeglieder sie meiden und nicht mit ihnen essen (1Kor 5,11). Wie können solche dann wohl zum Predigen zugelassen werden? Denn so sie ein anderes Evangelium gepredigt hätten als das, welches ihnen gepredigt wurde, mussten sie verflucht sein (Gal 1,8).

Zu den Philippern sagt Paulus:

»Seht auf die Hunde, seht auf die bösen Arbeiter, seht auf die Zerschneidung!« (Phil 3,2)

Und ferner:

»Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde; denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich euch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi sind, welcher Ende ist die Verdammnis, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer die irdisch gesinnt sind.« (Phil 3,17–19)

Merkt, auf was für Leute er Bezug hat.

Da nun der Apostel die Braut so rein haben wollte, dass kein Zwiespalt gestattet war, dass Trunkene, Räuber, Abgöttische oder solche, die eine andere Lehre verbreiteten als er lehrte, nicht zu dulden waren und Christus selbst zu der Gemeinde spricht:

»Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe; an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!« (Mt 7,15)

Darum will ich alle verständigen Christen erwägen lassen, was diejenigen tun, die da sagen, dass es ihnen frei stehe zu handeln, wie sie handeln. Sollen wir, die wir vorgeben den Ruhm Gottes zu fördern, freistellen, dass man dorthin gehe, wo Gottes Name gelästert und seine Ordnung gebrochen wird? Es wurde Aaron befohlen, dass er das Priesteramt versehen sollte; und als Dathan und Abiram dasselbe Amt bedienen wollten, öffnete die Erde ihren Mund und verschlang sie (4Mo 16,32). Warum trug sich solches zu, wenn sie nur taten was ihnen freistand? Diese Söhne Aarons, Nadab und Abihu, brachten fremdes Feuer vor den Herrn; stand ihnen solches nun frei, warum wurden sie dann verbrannt (3Mo 10,1–3)?

Lest wie die Anbeter des Kalbes, die Murrenden und die Hurer alle ihre Strafe empfingen (2Mo 32; 4Mo 21,5–6; 25,8–9). Und dann der Mann Gottes zu Bethel, wie frei stand es ihm, als Gott ihm angesagt hatte, dass er an dem Orte weder Brot essen noch Wasser trinken sollte und er trotzdem, infolge der Lügen des alten Propheten, aß und trank dem empfangenen Befehl Gottes zuwider? Es war ihm in dem Maße frei, dass er dafür sterben musste (1Kö 13).

Es gibt viele auf diesen Punkt bezügliche Schriftstellen, die ich der Kürze halber schon nicht berühren will. Aber mein Wunsch ist, dass ein jeder Christ so handeln möchte, wie Christus uns lehrt, indem er sagt:

»Sucht in der Schrift […]« (Joh 5,39)

Die Thessalonicher forschten täglich in der Schrift (Apg 17,11).

Wenn ihr in der Schrift forscht, so werdet ihr daraus lernen, dass, wollt ihr Glieder an dem heiligen Leibe Christi sein, ihr dem Haupt folgen und gehorsam sein müsst (Joh 3,36; 2Th 1,8).

Befiehlt er euch nun, dass ihr vor falschen Propheten euch hüten sollt, steht es euch dann frei in dieser Hinsicht nach eigenem Ermessen zu handeln? Wenn der Kaiser einen Befehl ergehen ließe und demselben von den Untertanen nicht Folge geleistet würde, weil sie die Freiheit der Wahl zu haben glauben – was für Beamte würdet ihr sein, wolltet ihr in solchem Fall die Untertanen ungestraft lassen!

Nun hat der oberste Kaiser (Christus) einen Befehl ergehen lassen, welchen er mit seinem Blute besiegelt hat und in welchem enthalten ist: dass wir von neuem geboren werden müssen, Buße tun, uns selbst verleugnen, das Kreuz auf uns nehmen, an Christum glauben, auf unsern Glauben getauft werden im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und seinen Befehlen gehorchen (Mt 28,20); dass wir dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist; dass wir Gott lieben sollen von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt und unsern Nächsten wie uns selbst; nicht uns selbst zu leben, sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist; dass wir uns vor den falschen Propheten vorsehen und allen bösen Schein meiden sollen (Mt 22,21; 7,15; 1Th 5,22).

Nun sagt, meine Geliebten, welche von diesen Anforderungen steht uns frei zu erfüllen oder zu unterlassen? Steht es uns frei von neuem geboren zu werden oder nicht? Steht es uns frei, uns selbst zu verleugnen, an Christum zu glauben oder nicht? Uns taufen zu lassen, dem Kaiser zu geben was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist, uns vor falschen Propheten zu hüten und allen bösen Schein zu meiden oder nicht? Steht uns dieses alles frei, so drängt sich uns die Frage auf, warum denn der Herr Jesus am Schluss sagt:

»Und lehrt sie halten alles was ich euch befohlen habe!« (Mt 28,20)

Da er dies nun befohlen hat, so will er auch darin Gehorsam sehen. Das aber, welches frei steht, ist weder geboten noch verboten, gleichwie Paulus mit Bezug auf das Essen von Speisen und das Halten gewisser Tage sagt (Röm 14,6). Dennoch befiehlt er, den Brüdern nicht durch eine Freiheit hierin anstößig zu sein.

Wenn ihr, meine lieben Kinder, nun bekennt, dass Christus Jesus der Sohn in seinem Hause ist, so lasst ihn für weise genug gelten, dasselbe zu regieren; denn er hat dieses Haus mit seinem Blut erkauft und die Gefangenen erlöst. Etliche hat er zu Hirten und Lehrern gesetzt und Paulus unterrichtet uns, wie dieselben gesinnt sein sollten. Wenn ihr nun zu den päpstlichen Lehrern geht, von denen ihr im Voraus wisst, dass sie nicht von Christo gesandt und daher unfruchtbar sind, seid ihr dann der Stimme des Herrn gehorsam? O nein! (Eph 4,11; 1Tim 3; Röm 10,15)

Da nun der heilige Geist auf diejenigen weist, die unsträflich sind, ihr aber zu denen geht, welche sträflich sind, in der Lehre sowohl wie auch im Leben, und da Christus befohlen hat, uns vor solchen vorzusehen, ihr jedoch hingeht um sie anzuhören, indem ihr sprecht es steht uns frei – so richtet dann selbst ob ihr Kinder Gottes seid oder nicht. Und wenn ihr sagt: Es steht mir frei, so frage ich euch: Wer gab euch diese Freiheit? Paulus sagt:

»Ihr seid nicht euer selbst, denn ihr seid teuer erkauft; darum so preist Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes.« (1Kor 6,19)

Aus welcher Quelle könnt ihr dann wohl diese Freiheit geschöpft haben?

Christus Jesus hat auch seiner Gemeinde befohlen, die Gläubigen auf ihren Glauben zu taufen. Wenn ich nun aber nicht glaube und mich nicht in Übereinstimmung mit Gottes Wort taufen lasse, lasse aber meine kleinen Kinder ohne Gottes Wort taufen, bin ich dann der Stimme des Herrn gehorsam? Kann ich dann auf die den Gläubigen gegebene Verheißung hoffen?

Christus hinterließ seiner Gemeinde das heilige Abendmahl, Brot und Wein, zum Gedächtnis seines Todes; dasselbe ist jetzt in eine römische Krämerei umgewandelt. Ist einem Christen nun gestattet das irrtümliche, päpstliche Tagesmahl zu halten und des Herrn Abendmahl zu vernachlässigen? Das beurteilt selbst indem ihr die Worte beherzigt, welche Paulus spricht, nämlich:

»Ihr könnt nicht zugleich teilhaftig sein des Herrn Tisches und der Teufel Tische!« (1Kor 10,21)

Da wir nicht an beiden teilnehmen können, so müssen wir den einen oder den andern vernachlässigen. Seid also vorsichtig.

Seht nun, meine lieben Kinder, ich habe auch hier einige Unterweisungen gegeben, nach dem Maß meiner geringen, mir von Gott geschenkten Gabe. Richtet, ob es einer rechtschaffenen Ehefrau wohl frei steht, bei einem andern Mann zu sein, wäre es auch nur einmal des Jahres. Gleichermaßen dürft ihr, wenn ihr die Braut des Lammes seid, von niemand anders empfangen als von Christo und seinem heiligen Wort. Seid ihr der Leib Christi, dann müsst ihr auch Christi Geist haben; seid ihr durch den Geist in den Leib getauft, dann müsst ihr dem Haupte (Christo) auch gehorsam sein. Befindet ihr euch in der Stadt, dem neuen Jerusalem, wo die Bürger alle in Einigkeit leben, so müsst ihr dem König der Stadt, nämlich Christo, gehorsam sein. Seid ihr die Reben, so müsst ihr auch dem Weinstock gleiche Früchte tragen. Seid ihr des Herrn Weinberg, dann hütet euch vor den Füchsen. Seid ihr der Tempel des Herrn, so müsst ihr eurem Hohenpriester unterworfen sein. Seid ihr die Arche des Bundes, dann müssen die mit dem Finger Gottes geschriebenen Bundestafeln, nämlich Gottes Gebote, in euer Herz gegraben sein, damit alle Menschen lesen mögen, dass ihr ein Brief Christi seid (2Kor 3,2–3).

Ach, geliebte Kinder, so der Herr gäbe, dass wir mündlich miteinander sprechen könnten, dürften wir hoffen, mit des Herrn Gnade, euch über alle Punkte zufrieden zu stellen. Darum trennt euch von Babel, ihr, die ihr den Herrn fürchtet und begebt euch nach Jerusalem; lasst euch nicht durch solche leichtfertigen und gefährlichen Worte verstricken, wie »es steht mir frei.« Dem Säufer steht frei, übermäßig zu trinken; dem professionierten Spieler, zu spielen; dem Hurer, sich seinen Lüsten hinzugeben, trotzdem aber ist es Sünde; gleichermaßen steht auch uns frei, falsche Lehre anzuhören oder junge Kinder taufen zu lassen, nichtsdestoweniger ist es aber unschriftmäßig und deshalb eine Sünde.

Hiermit will ich meine lieben Kinder dem Herrn anempfehlen. Möge das reiche Wort seiner Gnade euch mit seiner reinen Erkenntnis erleuchten und möge Gott euch Herzen verleihen die seinen Willen tun in allen Dingen, damit der verfallene Tempel wiederum auf seinen rechten Grund gebaut werde und wir das Ende des Glaubens erlangen mögen, nämlich der Seelen Seligkeit, Amen. Menno Simons