7.1  Vorrede

Gnade und Friede und ein offenes Verständnis des Herzens, ein beständiges Gemüt in allen Versuchungen, wünsche ich, Menno Simons, allen wahrhaftigen Kindern Gottes von ganzer Seele, von Gott unserm himmlischen Vater, durch seinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn, in der Kraft seines heiligen Geistes und zu unser aller Besserung und Seligkeit, Amen.

Allerliebste Brüder und Schwestern in dem Herrn! Nachdem der allbarmherzige Gott und Vater durch seine unergründliche Gnade und Güte in diesen letzten Zeiten alles Unglaubens, aller Gräuel, Sünden und Abgötterei, ja, in dieser schrecklichen, mutwilligen, ruchlosen, verkehrten und blutgierigen Welt, seinen gesegneten, einzigen und ewigen Sohn Jesum Christum, der so viele hundert Jahre unbekannt gewesen ist, nun wiederum etlichen vor die Augen ihres Gewissens geführt hat; und das Buch der göttlichen Erkenntnis und der ewigen Wahrheit, das so manche hundert Jahre verschlossen gewesen ist, wiederum geöffnet hat; nachdem etliche Tote, die nicht nur nach dem Fleisch vier Tage, wie Lazarus, sondern wohl zwanzig oder dreißig Jahre, ja, all ihr Leben lang nach dem Geist in allen Sünden und gottlosen Wesen verstorben waren, aus dem faulen, stinkenden Grab ihres Unglaubens und ihrer Ungerechtigkeit auferweckt und in das neue, unsträfliche Leben berufen hat, und da er durch die Predigt seines heilsamen Wortes, in der Kraft seines heiligen Geistes, immer noch die armen, elenden, verderbten, hungrigen Schafe aus den Händen der treulosen Hirten und aus den Klauen der reißenden Wölfe zu rufen fortfährt; da er sie aus der dürren, unfruchtbaren Weide menschlicher Lehren und Gebote auf die grünen, fetten Weiden des Berges Israel führt und sie unter die beschirmende Hand ihres einzigen und ewigen Hirten Jesu Christi stellt, der sie mit seinem roten, kostbaren Blute zu seinem Eigentum gereinigt und erkauft hat – darum wüten gegen ihn alle Pforten der Hölle. Herodes und die ganze Stadt sind äußerst entrüstet, da sie von den Weisen, welche von Gott gelehrt sind, erfahren, dass der König der Juden geboren sei. Der große Drache, die alte, sich krümmende Schlange, die aus dem Himmel gestoßen und deren Haupt und Macht durch den verheißenen Weibessamen zerbrochen ist, ward von dem Blut des Lammes überwunden und ist in Zorn entzündet des Wortes seines Zeugnisses halber. Sie weiß wohl, dass ihre Zeit kurz ist und treibt ihr Werk und Tyrannei durch ihre Kinder und Diener des Unglaubens mit großem Grimm und Zorn wider alle diejenigen, die mit des Lammes Blut besprengt sind. Hannas und Kaiphas, mit allen Schriftgelehrten, ratschlagen um Christi Tod; Judas, mit allen falschen Aposteln und Lehrern, verraten und überliefern ihn. Herodes mit allen Herren und Fürsten verschmähen und spotten ihn; das gemeine Volk ruft: Kreuzige, kreuzige! Pilatus und alle, denen das Amt des Schwerts befohlen ist, verurteilen ihn zum Pfahl, Feuer, Schwert und Wasser; die Diener fangen, speien, geißeln, krönen und töten ihn; Centurio öffnet seine Seiten; die andern verspotten, lästern und schelten ihn. Wer ist doch, der das arme, unschuldige, friedsame, wehrlose Lämmlein nicht mit dem Herzen, Mund oder der Hand verfolgt, mordet und schändet? Ja, in dem gottlosen Kain hat die blutgierige, mörderische Tyrannei ihren Ursprung genommen und ihre Kunst, Art, Frucht und Natur an dem frommen und gottesfürchtigen Abel meisterlich bewiesen.

Gleichwie denn das Lamm und seine auserwählten Glieder von Anfang an durch die Bosheit der Kreaturen der überwundenen Schlange belogen, verfolgt und getötet sind; und da diese Verfolgung (nach Inhalt der Schrift) auch nicht aufhören wird, solange gerechte und ungerechte Menschen auf der Erde sind; und da endlich, besonders in unsern Zeiten, das Kreuz Christi überall (wie es zur Zeit unsrer Vorfahren geschah) allen gottesfürchtigen Kindern, die aus dem kräftigen Samen des heiligen Worts an dem inwendigen Menschen wiedergeboren sind, auferlegt worden ist, so kann ich nicht unterlassen, meine lieben Brüder und Schwestern ein wenig mit des Herrn Wort zu ermahnen, in Bezug auf das Kreuz und die Verfolgung der Heiligen, von welchen die Schrift solch reichliche Beweise gibt und welche auch unsre Vorväter, sowohl des alten als des neuen Testaments, auch viele fromme Zeugen zu unserer Zeit mannigfaltig zu erdulden hatten. Dieses tue ich, damit sie furchtlos und tapfer, nach dem Beispiel unsrer Vorfahren, den begonnenen Kampf fortsetzen mögen in aller Beständigkeit, Geduld, Stärke und Tapferkeit und allem Mut mittels der Kraft ihres Glaubens in Christo Jesu; und damit sie die verheißene Krone empfangen mögen. Dazu verleihe uns der Vater aller guten und vollkommenen Gaben, durch seinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn, seine reiche Gnade in der Kraft seines heiligen Geistes, Amen.