4.16  Dem Leser unsern Gruß zuvor

Geliebter Leser, hier hast du nun meinen Grund und meine Lehre vom Glauben, mit seiner eignen, rechten, natürlichen Kraft, Wirkung, Art und seinen Früchten. Ich bitte euch daher alle, so ihr Christum und eure Seligkeit lieb habt, beugt euren verkehrten Sinn; erzürnt und erbittert euch nicht, so ihr etwas findet, dass dem Gebrauch unserer Vorväter, langen Gewohnheiten oder dem philosophischen Schreiben und Sprechen der Gelehrten zuwider sein sollte; sondern prüft es zuvor ernstlich und untersucht es wohl mit dem eigenen Worte Christi und seiner heiligen Apostel und mit ihrem Geist, Leben und Vorbild und seht ob es nicht der rechte Inhalt, Grund, Sinn und Meinung der ganzen Schrift ist; bejahenden Falls müsst ihr den unschriftmäßigen Gebrauch und die verführerischen Eingebungen der Gelehrten fahren lassen und euch allein an des Herrn Wort halten, wollt ihr die ewige Seligkeit erlangen. Laß darum dein Herz unparteiisch und dein Urteil aufrichtig und nach der Wahrheit sein; denn der allmächtige Gott und Herr, vor dem sich alle Knie beugen und den alle Zungen bekennen müssen, will und kann keinem Gelehrten noch langen Gebrauch oder alten Gewohnheiten weichen, denn er ist der Herr und wir seine Knechte. Wir müssen ihm folgen, nicht er uns. Ach Leser, beherzige dieses wohl!

Gleichermaßen auch, so ihr findet, dass wir mit unserer Lehre recht zu Werke gehen, keines Menschen Hoheit ansehen, weder die Tyrannen fürchten noch den Gelehrten weichen, sondern einen jeglichen, ohne Ansehen der Person, mit des Herrn heiligem Geist, Wort, Vorbildung und Ordnung, in rechter, reiner Liebe treulich lehren, ermahnen und strafen, darin sie nicht recht tun; so bitte ich noch einmal, dass ihr das nicht einem fleischlichen Stolz, sondern einer wohlmeinenden Freimütigkeit und christlichen Einfachheit zuschreiben wollt. Ich möchte gerne, dass ihr alle recht wandeln und selig werden möchtet, weshalb ich leider nicht wenig Trübsal leiden muss. Weigere mich darum nicht, euer und aller Welt Tor und Narr zu sein, so ich nur viele in Christo klug machen und mit des Herrn heiligem Geist und starkem Wort zu der Weisheit der Heiligen bringen könnte, weiß auch wohl, dass Christus mit allen seinen Aposteln und Propheten eine solche Torheit getrieben und einen gleichen Sinn mit mir hierin gehabt hat.

Strafe ich, so strafen sie noch vielmehr; drohe ich mit des Herrn Zorn und Urteil, so tun sie solches noch mehr. Waren sie aus dem Grunde fleischlich oder stolz? Das sei ferne. Ja, meine Leser, wäre nicht der dunkle, finstere Rauch der Ohrenprediger, die verfluchte, falsche Lehre der schrecklichen, gräulichen Heuschrecken aus dem Pfuhl des Abgrunds so aufgestiegen, sondern wäre die ernstliche Strafe, die rechte, reine Lehre, der schriftmäßige Gebrauch der heiligen Sakramente und die Absonderung der Unbußfertigen, ohne alles Ansehen der Person, in der Welt geblieben, so würde die schöne, klare Sonne ihren lieblichen Schein nimmermehr verloren, noch die Gemeinde in einen solchen betrübten, tödlichen Abfall geraten sein; achte es darum mit Paulus gering in dieser Sache von Menschen gerichtet zu werden; denn ich weiß, dass ich es gut meine, recht tue und nichts als mit der Wahrheit strafe, auf dass sie sich bekehren mögen.

Das wahrhaftige, himmlische Licht, Christus Jesus, ewig gesegnet, erleuchte alle dunklen, finsteren Herzen mit dem klaren und hellen Schein seines heiligen Geistes und seiner Wahrheit, damit sie in ungefärbtem, reinem Glauben die unendliche Klarheit Christi schauen mögen, zum Preis und zur Ehre seines großen Namens und zur Seligkeit vieler Menschen, Amen.