2.3  Ein Bericht der harten Verfolgungen Menno Simons

Nebst einer Beschreibung des Platzes, in welchem er zuletzt das Evangelium gepredigt hat und wo er gestorben und begraben ist

Diese Worte, so oft durch die rücksichtslose Bosheit der Welt bestätigt, bewähren sich besonders am Beispiel unseres Autoren Menno Simons. Denn nachdem seine Gegner ihn auf mancherlei Weise verfolgt und überall nach ihm gesucht hatten, erließen dieselben, damit ihre Absicht um so sicherer erreicht werde, einen Befehl, darin besagt wurde, dass wenn jemand Menno Simons oder irgendeinen seiner Nachfolger beherbergen oder auf irgendeine Weise verbergen sollte, derselbe mit dem Tod bestraft werden würde; welcher Befehl im Jahre A. D. 1539 in Kraft gesetzt wurde indem Tjaert Reyndertz, ein Landmann in der Nähe von Harlingen ansässig (Prov. Friesland, Niederl.), welcher, weil er Menno Simons in seiner großen Gefahr und Bedrängnis verbarg, einige Tage darauf nach Leeuwarden (in derselben Provinz) genommen wurde, wo man ihn als einen gottlosen Verbrecher ans Rad flocht, wiewohl sogar seine Feinde zugaben, dass er ein frommer Mann sei.

Außerdem wurde im Jahre A. D. 1543 durch ganz Westfriesland ein anderes Dekret erlassen, laut welchem Verbrechern, sogar Mördern, Vergebung ihrer Missetaten, die Gnade des Kaisers, die Freiheit des Landes und außerdem einhundert Karlsgulden zugesichert wurden für die Überlieferung des Menno Simons in die Hand des Henkers; und damit ihr Zweck desto eher erreicht werde, schlugen sie eine Beschreibung seiner Person, Kleidung und Statur mit Angabe seines Namens an die Kirchentüren, so dass Menno nicht einmal eine Strohhütte finden konnte, in welcher er mit seiner Frau und seinen kleinen Kindern sich einige Zeit ausruhen konnte. Er selbst erzählt, dass im Jahre 1546 in einem Orte, dessen Bewohner sich noch rühmten evangelische Christen zu sein, vier Wohnhäuser auf einmal konfisziert wurden, weil der Eigentümer eines derselben auf kurze Zeit an Mennos Frau und kleine Kinder vermietet hatte, wiewohl die Nachbarn davon keine Kenntnis hatten. Diese harte Verfolgung zwang Menno nach einem zwischen Hamburg und Lübeck gelegenen Orte zu gehen, welcher sechs und eine halbe oder sieben Meilen von Hamburg, drei Meilen von Lübeck und beinahe eine Meile von Oldesloe entfernt lag und welcher früher ein Eichenwald gewesen war, jetzt aber offenes Feld ist und gewöhnlich Heide genannt wird. Diese Strecke gehört dem Edelmann und bildete einen Teil der Güter von Vriesenburg; welcher Edelmann zu jener Zeit ein sehr grausamer Mann war und aus diesem Grunde allgemein gefürchtet und gemieden wurde. Da er jedoch eine beträchtliche Zeit seiner Jugend in den Niederlanden zugebracht hatte und oftmals Zeuge des Todes der Märtyrer gewesen war, so war er gegen solche sehr mitleidig und kannte auch ihre Lehren. Er gab ihnen unter der Hand Freiheit dort zu wohnen und gewährte ihnen tätige und treue Hilfe, obgleich ihm durch des Königs Befehl geboten wurde, denselben auf seinen Gütern keine Wohnstätte zu geben. Demzufolge kündigte er ihnen durch einen seiner Diener an, dass sie zur Vermeidung der Strafe vor Sonnenuntergang aufbrechen müssten; aber er sandte später einen zuverlässigen Diener um ihnen die Ursache dieser Ankündigung zu erklären und ihnen mitzuteilen, dass sich die Männer eine oder zwei Wochen lang verbergen sollten. Während dieser Zeit gelang es ihm die Aufregung durch einen der Hofbeamten zu beschwichtigen. Nach diesem strömten die Flüchtlinge von allen Seiten hierher, bis sich schon eine kleine Gemeinde bildete, die in verhältnismäßiger Ruhe lebte. Für diesen Schutz hatte jede Familie jährlich einen Reichstaler zu zahlen und waren frei von anderen Abgaben. Es darf wohl als eine besondere Schickung der Vorsehung Gottes angesehen werden, dass die Flüchtlinge von einem sehr grausamen Mann, der von allen, die in der Nähe wohnten, gefürchtet war, Schutz und Unterstützung erhalten sollten. Aus diesem Grund erachtete es Menno denn auch für ratsam, wie bereits gesagt, sich zu diesem Ort zu begeben.

Menno Simons starb etwa dreißig Jahre nachdem er die Römische Kirche verlassen hatte. Während dieses Zeitraumes lehrte und verkündigte er das Evangelium gesäubert von der römischen Abgötterei und ihrem Aberglauben. Seine letzte Ermahnung gab er auf seinem Sterbebett als schon die Hand des Todes auf ihm zu ruhen schien und zeugte von seinem unauslöschlichen Eifer. Er erholte sich jedoch teilweise und befand sich mehrere Tage besser, aber am Jahrestag seines Austritts aus dem Papsttum verschlimmerte sich sein Zustand, obgleich er gute Pflege hatte und des nächsten Tages, Freitag, den 13. Januar 1561, entschlief er sanft in Jesu, im sechs und sechzigsten Lebensjahre und wurde in seinem eigenen Garten begraben, eine Gewohnheit welche, zufolge Hoolbecks Mitteilungen, schon bei den ersten Christen während ihrer Verfolgung durch die Heiden stattfand.

Bemerkung 1: Obgleich T. J. van der Braght in seinem blutigen Schauplatz oder Märtyrer-Spiegel und andere schreiben, dass Menno Simons am 13. Januar des Jahres 1559 starb, sind wir doch geneigt zu glauben, dass er in 1561 gestorben ist und zwar aus den folgenden Gründen: Die alte Biographie Menno Simons’ erwähnt 1561 als das Jahr seines Todes, welche Angabe wir für richtig halten; auch schrieb er am 23. Januar 1559 ein Traktat (siehe seine Antwort an Zylis und Lemmeke in diesem Buch) und sandte dasselbe an die deutschen Lehrer Zylis und Lemmeke. Wäre er nun schon am 13. Januar 1559 gestorben, so müsste er das Traktat zehn Tage nach seinem Tod geschrieben haben.

Bemerkung 2: Der Leser sollte wissen, dass, obgleich einige alte Biographen das Jahr 1505 als das seiner Geburt angeben, wir doch 1496 sagen wollen; denn Der blutige Schauplatz oder Märtyrer-Spiegel, Der Untergang der Tyrannei und Jährliche Geschichten erwähnen einstimmig, dass er in seinem sechs und sechzigsten Jahre starb. Wenn Menno somit in 1561 starb, so müsste er folglich in 1496 geboren worden sein oder er starb nicht in seinem sechsundsechzigsten, sondern in seinem sechsundfünfzigsten Lebensjahr.