4.10  Von dem Glauben des frommen Königs Josia

Josia, ein recht frommer König in allen seinen Werken, tat was dem Herrn wohlgefiel und wandelte in allen Wegen seines Vaters Davids und wich davon nicht ab, weder zur Rechten noch zur Linken. Und da er noch ein Kind war, begann er seines Vaters Davids Gott zu suchen und in dem achtzehnten Jahr seines Alters sandte er seinen Schreiber Saphan zu Hilkia, dem Hohepriester, Geld zu geben denjenigen, die an dem Haus des Herrn arbeiten. Und Hilkia sprach zu Saphan: Ich habe das Gesetzbuch in des Herrn Haus gefunden; Hilkia gab es Saphan und Saphan brachte es dem König.

Da nun der König alle die Worte hörte, die in dem Buch standen, zerriss er seine Kleider, als einer der vor seinem Gott erschrak. Er glaubte seines Herrn Wort und fürchtete den zukünftigen Zorn, der im gefundenen Buch gedroht ward. Er sandte sogleich Hilkia, Ahikam, Achbor, Saphan und Asiam ab mit den Worten:

»Geht hin, und fragt den Herrn für mich, für das Volk und für ganz Juda, um die Worte dieses Buchs, das gefunden ist; denn es ist ein großer Grimm des Herrn, der über uns entbrannt ist, darum, dass unsere Väter nicht gehorcht haben den Worten dieses Buchs, dass sie täten alles was darin geschrieben ist!« (2Kön 22,13)

Und sie gingen zu einer Prophetin, Hulda genannt, einem Weib Salums, und fragten, gleichwie Josia ihnen befohlen hatte. Die Frau antwortete:

»So spricht der Herr, der Gott Israels: Sagt dem Mann, der zu mir gesandt hat: So spricht der Herr: ›Siehe, ich will Unglück über diese Städte und ihre Einwohner bringen, alle Worte des Gesetzes, die der König von Juda hat lassen lesen; darum, dass sie mich verlassen und andern Göttern geräuchert haben, dass sie mich erzürnten mit allen Werken ihrer Hände: Darum wird mein Grimm sich wider diese Städte anzünden, und nicht ausgelöscht werden.‹ Aber dem König von Juda, der euch gesandt hat, den Herrn zu fragen, sollt ihr so sagen: So spricht der Herr, der Gott Israels: ›Darum dass dein Herz erweicht ist über den Worten, die du gehört hast, und hast dich gedemütigt vor dem Herrn, da du hörtest, was ich geredet habe wider diese Städte und ihre Einwohner, dass sie sollen eine Verwüstung und Fluch sein, und hast deine Kleider zerrissen, und hast geweint vor mir; so habe ich es auch erhört, spricht der Herr. Darum will ich dich zu deinen Vätern sammeln, dass du mit Frieden in dein Grab versammelt werdest, und deine Augen nicht sehen alles das Unglück, das ich über diese Städte bringen will.‹ Und sie sagten es dem König wieder.« (2Kön 22,15–20)

Und da nun der König diese Worte hörte,

»sandte er hin, und es versammelten sich zu ihm alle Ältesten in Juda und Jerusalem. Und der König ging hinaus ins Haus des Herrn, und alle Männer von Juda, und alle Einwohner zu Jerusalem mit ihm, Priester und Propheten, und alles Volk, beide Klein und Groß; und man las vor ihren Ohren alle Worte des Buchs vom Bunde, das im Hause des Herrn gefunden war. Und der König trat an eine Säule und machte einen Bund vor dem Herrn, dass sie sollten wandeln dem Herrn nach und halten seine Gebote, Zeugnisse, Rechte, von ganzem Herzen und von ganzer Seele, dass sie ausrichteten die Worte dieses Bundes, die geschrieben standen in diesem Buch. Und alles Volk trat in den Bund.« (2Kön 23,1–3)

Und Josia veranlasste, dass alle die, welche in Israel gefunden waren, dem Herrn dienten und sie wichen nicht von ihm, solange Josia lebte.

Hier merke, lieber Leser, was für einen Glauben Josia hatte und welches die Früchte desselben waren. Er hörte des Herrn Wort und glaubte es; er zerriss seine Kleider, fragte den Herrn und erneuerte den Bund, wie gehört ist. Und weil er beachtete was Gott in dem Buch befohlen hatte, nämlich dass sie nicht tun sollten, wie es sie gut dünkte und sollten auch keinen fremden Göttern, noch den Gräueln der Kanaaniter und der andern Heiden, die von ihnen vertrieben waren, nachfolgen; sondern sie sollten dem Herrn allein dienen und ihm anhangen, alle die Gebote, Sitten und Gerechtigkeit halten, die er ihnen auferlegte. Stark in dem Herrn, fasste er mit männlichem Gemüt den Entschluss, in allen seinen Vorhaben tapfer zu handeln, denn er glaubte und vertraute seinem Gott aus allen seinen Kräften und mit ernstlichem Eifer riss er alles nieder, was seine Vorväter und Könige aus eigener Meinung und Wahl als einen heiligen Gottesdienst eingeführt und errichtet hatten.

All das Geschirr Baals brach er zu Stücken; er zerstörte alle Wälder, Höhen und Altäre in dem Land Juda und Samaria; er entweihte das Tophet in dem Tal der Kinder Hinnon; er verderbte die Pferde der Sonnen und ihre Wagen verbrannte er mit Feuer. Er verderbte den Altar zu Bethel, nachdem er die abgöttischen Priester und die Gebeine der Verstorbenen darauf geopfert hatte, gleichwie der Mann Gottes aus Juda in betreff dieses Altars ehedem geweissagt und angekündigt hatte. Er rottete alles aus, was neben oder wider Gottes Gesetz eingeführt und geübt ward. Er hielt des Herrn Passah, wie es in dem Buch des Bundes vorgeschrieben war und zwar so herrlich, wie dasselbe noch niemals von einem Richter oder König gehalten worden war.

»Auch fegte Josia aus alle Wahrsager, Zeichendeuter, Bilder und Götzen, und alle Gräuel, die im Lande Juda und zu Jerusalem ersehen wurden; auf dass er aufrichtete die Worte des Gesetzes, die geschrieben standen im Buch das Hilkia, der Priester, fand im Hause des Herrn. Seinesgleichen war vor ihm kein König gewesen, der so von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften sich zum Herrn bekehrte, nach allem Gesetz Mose; und nach ihm kam seinesgleichen nicht auf.« (2Kön 23,24–25)

Hört nun zu, o ihr großmächtigen Fürsten und Könige und ihr alle, die ihr euch dünken lasst, dass ihr gläubige Herren und christliche Fürsten seid; an euch ist diese meine Vermahnung! Wohnt in euch irgendwelche Gottesfurcht? Irgendwelche Liebe für Christus und sein gesegnetes Wort? Oder ist noch irgendwelche natürliche Aufrichtigkeit bei euch zu finden, die ein Verständnis hat? Falls ja, so erkennt doch, dass ihr keine Götter vom Himmel, sondern arme, sterbliche Menschen von Adams unreinem, sträflichem Fleisch und Samen seid. Demütigt euch unter die gewaltige und allmächtige Hand Gottes und vergleicht doch diesen Josia mit seinem Glauben und dessen Früchten einmal mit eurem Glauben und seinen Früchten, auf dass ihr daraus erkennen lernen mögt, wie weit ihr noch von Christi Geist und Leben verschieden seid und dass ihr nichts als einen eitlen Namen führt.

All das Geschirr Baals, brach er zu Stücken; er zerstörte alle Wälder, bewies seinen gereiften Verstand und Sinn in allen seinen Werken. Aber ihr, meine lieben Herren, fürchtet weder Gott noch den Teufel. Der verdammte Unglaube ist eure Mutter und Belials Ungerechtigkeit eure Schwester. In göttlichen Sachen bleibt ihr blind, taub, stumm, ja unverständig wie die dummen Kinder, Zeit eures ganzen Lebens.

Acht Jahre war Josia alt, da er König ward, und im achten Jahre seines Reichs begann er den Gott seines Vaters zu suchen. Aber euer Suchen von der Wiege an, ist nichts denn lauter Pracht und Übermut, stolze Hoffart des Herzens, Wollust, Reiten, Jagen und Fechten; euer Reich und eure Landmark auszubreiten, euer Gold und eure Schätze zu vermehren, Krieg zu führen, Aufruhr zu machen, Schätze zu sammeln, Wuchern, die Armen und Elenden zu betrüben, einer über den andern zu herrschen und in aller Freiheit des Fleisches nach vollen Lüsten zu leben, so viel als in euch ist; die offenbare Tat gibt Zeugnis, dass ich die Wahrheit schreibe.

Josia begann in dem zwölften Jahre seiner Regierung Jerusalem und Juda zu reinigen von den Höhen, Wäldern, Abgöttern und gegossenen Bildern, aber ihr baut sie in allen Städten und Dörfern, an Straßen und Wegen, auf allen hohen Bergen und in allen tiefen Gründen. Und wer euch darüber mit Christi Geist und Wort ermahnen will, der muss euer und aller Welt Ketzer sein und die Kelter der Trübsal treten.

Josia trug Sorge für das Haus des Herrn und bestellte Arbeiter, die daran bauten und die er bezahlte. Aber ihr seid diejenigen, die Christi Haus und Wohnstätte, die er mit seinem Geist geheiligt, mit seinem Blut gereinigt und mit seines Vaters Wort, Ordnung und Sakrament geziert hat, nämlich seine Gemeinde, abbrecht und mit euren ungöttlichen grimmigen Mandaten, eurer Tyrannei und mit dem Schwert verhindert, dass sie nicht wieder nach der apostolischen Klarheit aufgerichtet und in Lehre, Sakrament und Leben nach Christi und seines heiligen Wortes Richtschnur angelegt und vollendet werden soll.

Josia rottete alle Zeichendeuter und Wahrsager aus. Er opferte die abgöttischen Priester auf ihren abgöttischen Altären und verbrannte die toten Gebeine, etc. Aber die Gebeine des Mannes Gottes aus Juda und des Propheten aus Samaria verbrannte er nicht. Ihr seid aber diejenigen, die alle falschen Propheten und verführerischen Pfaffen als Hirten der Herde Christi und Versorger eurer Seelen erwählt und lieb habt, die größtenteils nichts anderes sind als offenbare Trunkenbolde, Wüstlinge und Götzendiener, voll aller Ungerechtigkeit, geizigen Herzens, Fröner ihrer Bäuche, stumme Hunde, Diebe der Ehre Gottes, Mörder der armen, elenden Seelen, blinde Wächter. Sie haben an euren Höfen den Vorzug und nehmen den höchsten Sitz an euren Tischen ein. Sie werden mit hohen Namen und großen Titeln geehrt und von einem jeglichen Doktoren, Herren und Meister geheißen. Ihr beschenkt sie mit schönen Häusern, großen Renten und Gütern, denn ihr sagt: Wer dem Evangelium dient, muss auch von dem Evangelium leben; wiewohl sie anders nichts tun, als dass sie euch die Pfühle und Kissen sanft unterlegen und nach dem Jucken eurer Ohren predigen. Aber die aufrichtigen frommen Lehrer und getreuen Knechte Christi, die eure und aller Welt Seligkeit von ganzem Herzen suchen, Christum recht predigen, seine Sakramente und Ordnung recht gebrauchen, euch und allen Menschen auf den rechten Weg führen und in einem frommen, unsträflichen Leben vorwandeln, die werden ohne alle Barmherzigkeit oder christliche Bescheidenheit von euch verfolgt, zum Feuer und Wasser verurteilt und müssen aller Welt Spott und Schande tragen.

Josia machte einen Bund mit dem Herrn, auch mit allen Ältesten, Priestern, Propheten und dem Volk im Allgemeinen, dass sie dem Herrn dienen sollten ihr Leben lang etc. Ihr aber habt euren Bund mit dem Antichristen gemacht, auch mit allen euren Predigern, Pfaffen, Mönchen, Richtern und Regenten, dass man den verkehrten, breiten Weg des Fleisches wandeln und Menschengebote, Lehre und Einsetzung als den rechten Gottesdienst lehren, halten und folgen soll; Christi Volk, Lehre, Gebote, Geist, Taufe, Abendmahl, Leben und Absonderung gönnt und gebt ihr keinen Platz und wer wider eure Gräuel handelt oder redet, dem wird sein Leben genommen oder sein Gut geraubt.

Josia hörte seines Herrn Wort und zerknirschte sein Herz. Er zerriss seine Kleider und weinte vor dem Herrn; fürchtete den zukünftigen Zorn, weil sie und ihre Vorfahren Gottes Wort verworfen hatten; aber ihr, o meine lieben Herren, seid so verhärtet und verblendet durch den verfluchten Unglauben, so gebunden durch eure Sünden und Fleischeslust und von den falschen Propheten bezaubert, dass man eure unbußfertigen, verhärteten Herzen nicht im mindesten bewegen kann, weder durch das drohende Gesetz des Herrn, noch durch Vorstellung seines grimmigen Zorns und schrecklichen Gerichts; weder durch die verschlingenden Flammen des höllischen Feuers, noch den ewigen Tod, auch nicht durch das friedliche Evangelium der Gnade; weder durch das teure Blut Christi, noch das fromme, unsträfliche Leben aller Heiligen, welche mit ihrem einfachen ja und nein täglich vor euren Augen als unschuldige Schafe ermordet werden und zwar ihres Glaubens und ihrer Frömmigkeit halber. Es wäre wohl Zeit, dass ihr aufwacht und einmal merkt, dass ihr und wir, mit unsern Vorvätern, Gottes gerechte Strafe und gerechten Zorn, mit unsern abscheulichen, fleischlichen Sünden und mannigfaltiger Abgötterei, so reichlich verdient und nach der Schrift so manchmal auf uns geladen haben. Der barmherzige Herr gönne euch Augen, dass ihr sehen mögt.

Josia bekehrte sich zum Herrn von ganzem Herzen und ganzer Seele und aus allen seinen Kräften, aber ihr unterwindet euch, den Gott, der euch geschaffen hat, stolz zu verachten; den Herrn, der euch erkauft hat, zu verleugnen und ihr kehrt euch zu den stummen Abgöttern, zu hölzernen, steinernen, goldenen und silbernen Bildern; zu Wasser, Brot und Wein; zu den unnützen Lehren und Geboten der Menschen, ja, zu offenbaren Gräueln und zur Abgötterei und merkt nicht, dass geschrieben steht:

»Der Abgöttischen Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt.« (Offb 21,8)

Seht, liebe Herren, dass dies Vorerwähnte alles miteinander die Wahrheit ist, kann ich mit eurem hoffärtigen, hurerischen, fleischlichen Leben, mit allen den verderbten, verbannten und geplünderten Ländern und Städten, dazu auch mit der überaus großen Zahl der Kirchen, Klöster, Pfaffen, Mönche, Metten, Vespern und allen andern falschen Gottesdiensten genügend beweisen. Überdies, wenn wir mit Pest, Hungersnot, Krieg oder mit vielen andern gefährlichen Krankheiten und Plagen von dem Herrn, unserer zahllosen Sünden halber, heimgesucht werden, so sind eure größten und einzigen Mittel um den Zorn Gottes zu versöhnen und das angezündete Feuer des Grimmes wieder auszulöschen, die abgöttischen Messen, Prozessionen, wie ihr sie nennt, die Totengebeine, Bilder, Kreuze und Fahnen. Sie, nämlich die Papisten, tragen diese unsinnigen Gräuel umher und folgen denselben mit unbedeckten Häuptern, gefalteten Händen, brennenden Lichtern etc. Darum wendet ihr auch nicht den strafenden Zorn ab, sondern entzündet ihn mehr und mehr, denn der Herr will seine Ehre nicht den Werken menschlichen Gutdünkens geben, auch nicht irgendeiner Kreatur auf Erden, und er anerkennt solche Messen, Prozessionen, Kreuze, Bilder und Gräuel nicht, hat sie auch niemals gebilligt, wie der Prophet sagt.

Liebe Herren, bessert euch. Das Gesetzbuch Christi ist ganz und gar bei euch verloren. Christus und seine Wahrheit, Sakramente, sein Geist und Leben habt ihr noch nie erkannt, noch weniger gehabt; fremden Göttern dient ihr; Antichristi Lehre, Sakramente, Ordnung und Gebote hört, übt und folgt ihr; ein unreines, gottloses, fleischliches Leben führt ihr. O Herren, habt Acht darauf! Eure Sünden sind bis zum Himmel aufgestiegen.

Und wiewohl es (Gott bessers) so wenig bei euch geachtet wird, ist doch gleichwohl dies Buch Christi nun durch Gottes Gnade bei etlichen wieder gefunden. Die reine, unverfälschte Wahrheit ist durch das reine unvermengte Evangelium an den Tag gekommen und wird täglich vor euren Ohren gelesen und vor euren Augen erläutert durch den guten, tugendhaften Lebenswandel, das offene Bekenntnis und hauptsächlich durch vieles Gut und Blut der Heiligen; und doch bleiben eure Herzen so steinern und verstockt, dass man sie weder durch Gnade noch durch Zorn, weder durch Verheißungennoch durch Drohungen umwandeln noch bewegen kann, wie bereits bemerkt. Seht, so ist die Blindheit Sodoms, die Finsternis Ägyptens und die Verhärtung Pharaos durch Gottes gerechtes Urteil über unsere elenden Könige, Fürsten, Herren und Regenten gekommen.

Liebe Herren, wacht auf! Und schickt euch, die Posaune wird geblasen, rüstet euch! Eure tödlichen Krankheiten und fressenden faulen Wunden werden euch gewiesen; lasst euch helfen, rate ich euch; ihr habt weder Christum noch Christi Wort; euer Streit ist wider das Lamm und seine Auserwählten; eure Wege sind in Finsternis und führen zu der Hölle Abgrund; des Herrn Zorn ist über euch und euer Land ergangen, denn euer Leben ist fleischlicher und ärger, als man es ersinnen und beschreiben kann.

Ach meine liebe Herren! Bessert euch; tut doch einmal Buße die vor Gott bestehen kann; reinigt eure Herzen und Hände vor dem Herrn; lasst eure Hoffart in Demut und eure wollüstige, eitle Fröhlichkeit in Traurigkeit verändert werden; zerreißt eure verstockten Herzen und nicht eure Kleider; hört und sucht Christum und nicht Antichrist; Christi Geist, Lehre, Sakramente, Ordnung, Gebote, Verbote und unbetrüglichem Vorbild folgt allein nach und nicht der unnützen eitlen Lehre und den Geboten der Menschen, denn sie verderben und bessern nicht.

Legt von euch alle Ärgernisse, Gräuel und Abgötterei, Messen, Altäre, Kindertaufe, das abgöttische Brot oder Abendmahl (ich meine, wie es von der Welt gebraucht wird), Bilder, Beichten, die unzüchtige, sodomitische Unreinigkeit der Papistischen Priester und Mönche; vertilgt und rottet alle verfluchten heidnischen Schanden aus, wie Hurenhäuser, Spielhäuser und offenbare Häuser des Trunkes, samt den abgöttischen Tempeln, Höhen, Wäldern, Kirchen und Klöstern, welche von unsern Vorfahren in bedeutender Anzahl gebaut wurden und zwar im Widerspruch mit der Schrift durch Blindheit und Unwissenheit.

Aller verführerischen Lehre und falschen Sekten, groß und klein, die wider Christi Geist, Ordnung, Wort und Leben sind, helft uns widerstreben; nicht durch Gewalt, Tyrannei oder Schwert, wie leider euer Gebrauch ist, sondern durch Christi Geist, mit Lehren, Ermahnen und dergleichen tugendsamen Diensten und lieblichen Mitteln mehr, auf dass sie sich vom Bösen abkehren, Christum hören und ihm allein folgen mögen.

Gestattet allen getreuen Boten und Dienern Gottes, dass sie Christum recht nach der Schrift lehren; desgleichen seine Sakramente und Ordnung gebrauchen mögen; ein bußfertiges, unsträfliches Leben führen und Christo so durch Gottes Geist und Gnade eine herrliche Gemeinde recht nach der Schrift sammeln und eine unbefleckte, keusche Jungfrau ihm zuführen und gewinnen mögen. Noch einmal sage ich, bessert euch; ihr habt bereits zu lang geirrt, zu lang mit Gott gespottet, zu lang den Antichristen für Christus angebetet, zu lang den verkehrten breiten Weg des Todes gewandelt. Wacht auf! Es ist noch heute; seht, das rechte Gesetzbuch, Christi heilsames, reines Evangelium ist gefunden, das mit des Antichrists Gräueln so viele hundert Jahre verdeckt gewesen ist.

Hört und lest es fleißig, glaubt und haltet es treulich, es ist unsers Herrn und Gottes Wort, das uns Christus Jesus, des allmächtigen ewigen Vaters erstgeborner und eingeborner, einiger Sohn, aus dem Himmel gebracht und mit seinem wahrhaften Mund gelehrt hat. Unter seinen gerechten Zepter beugt euch, ihn fürchtet, ihn liebt, ihm dient, ehrt und folgt aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus allen euren Kräften, gleichwie dieser fromme, getreue Josia getan hat. Denn unser Herr und Gott ist ein Herr über alle Herren und ein Gott aller Götter, mächtig und schrecklich, der keine Person achtet und kein Geschenk nimmt.

Ja, liebe Herren, könnt ihr euch so von Herzen bekehren, euch so von Herzen verändern und euch vor eurem Gott demütigen; euch selbst so verleugnen; Christus und seine Gerechtigkeit so suchen und nachfolgen; Welt und Fleisch mit allen seinen unreinen Lüsten so verachten, gleichwie erklärt ist, so werdet ihr rechte geistliche Könige und Priester sein, eure Seelen im Frieden besitzen, Sieg über alle schädlichen Feinde unserer Seelen gewinnen, in Gnaden leben und in Gnaden sterben; und so in Wahrheit, ohne alle Heuchelei, christliche Könige und gläubige Fürsten genannt werden. Das Zeugnis Petri, welches er allen Christen gegeben hat (ich sage allen Christen), ist wahrhaftig:

»Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk.« (1Pt 2,9)

Wenn ihr euch aber dies zu tun weigert und bleibt, was ihr gegenwärtig seid; wenn ihr vergängliche, zeitliche Ergötzlichkeit und Herrlichkeit vorzieht, so möchte ich wohl, dass ihr darüber nachdächtet, was Sirach sagt:

»Warum überhebt sich der Mensch aus Staub und Asche, dessen Leib schon zu Lebzeiten verwest? Ein wenig Krankheit bringt den Arzt in Erregung: Heute König, morgen tot!« (Sir 10,9–10)

Ja, was sind sie alle, die von Adams Samen herkommen, als Staub und Asche; ein rauschender Wind; ein verschwindender Rauch; ein armes, elendes, sterbliches Fleisch; eine Speise der Würmer, ja, Menschen und nicht Gott. Ach Herren, seid gewarnt, wacht auf und bessert euch! Gott ist der Herr, der euch richten wird. Noch einmal seid gewarnt.

Siehe, mein guter Leser, hier sind dir nun etliche Beispiele eines wahren Glaubens, wie Noah und Abraham vor dem Gesetz und auch etliche, wie Mose, Josua, Kaleb und Josia, in dem Gesetz, aus der Schrift vorgestellt, aus welchem du lernen kannst, wie einfach, recht und schlicht, unverfälscht, freimütig und gehorsam, ja voll allerlei Tugend und Früchte, ein rechter wahrer Glaube von Anfang gewesen ist, wie man auch an Abel, Henoch, Isaak, Jakob, Joseph, Jephtah, Baruch, Gideon, Simson, Rahab, Samuel, David, Hesekiel, Elia, Elisa und andern mehr sehen kann.

Nun will ich dir auch durch Gottes Gnade etliche Beispiele aus dem neuen Testament vorführen, welche aufs Deutlichste lehren, welch eine überaus große Kraft, Frucht, Geist, Leben und Nachdruck ein rechter, wahrer, evangelischer, christlicher Glaube seiner wahren Natur nach in sich begreift. Auf dass ihr euch nicht durch eine falsche Meinung dieser ungläubigen, dummen Welt gleichstellt, die ihre fruchtlose tote Meinung und historische Erkenntnis von Christus für einen aufrichtigen, evangelischen Glauben ausgibt und erachtet.