4.1  Von dem rechten, christlichen Glauben

Allen auserwählten Kindern Gottes, unseren lieben Brüdern und Schwestern in Christus Jesus, wünschen wir Mehrung des Glaubens, Gnade und Friede, geistliche Freude, die vollkommene Gerechtigkeit und das ewige Leben, von Gott unserem himmlischen Vater, durch Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, welcher uns geliebt hat und uns gewaschen hat von unseren Sünden in seinem Blut; ihm sei Lob, Ehre und Preis, Reich, Kraft und Majestät von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

Auserwählte, liebe Kinder, Brüder und Schwestern in Christus Jesus, wiewohl wir, o Gott, so ernstlich von dieser unverständigen, blinden Welt verhindert werden das rechte Evangelium unseres Herrn und Seligmachers Christi vor jedermann mündlich zu lehren und obgleich die rachsüchtige, blutige Tyrannei, durch unsere unnützen, bösen Pfaffen und Prediger hervorgerufen, so zügellos wider Christus und sein Wort angewandt wird (denn diese armen Kinder suchen und lieben die Schlacken mehr als das Gold, die Spreu mehr als den Weizen, die Lügen mehr als die Wahrheit und die Finsternis mehr als das Licht), so soll dennoch Gottes ewige, unüberwindliche Wahrheit, die allezeit durch den heiligen Geist in den rechten Kindern Gottes triumphiert, ihre Krone tragen, ungeachtet dass sie von der überwundenen Schlange und ihrem Samen, den stolzen Verächtern, Lügnern und Blutvergießern, so boshaft in ihre Ferse gebissen wird, dass sie nur kümmerlich in dem Gehorsam ihres Herrn Christi gehen oder stehen kann. All dieses Wütens aber ungeachtet, muss dieser neidische, blutige Same und diese Schlange mit zertretenem Haupt und ohne Kraft unter ihrer Gewalt bleiben; denn durch die Macht des Geistes und die evangelische Wahrheit in Christus Jesus ist sie gänzlich überwunden und zertreten.

Da nun diese alte krumme Schlange, die von Anfang an wider Gott stolz, hochmütig und lügenhaft und ein grimmiger Mörder war, unter Christi und seiner Gemeinde Füße gelegt worden ist und es leiden und sehen muss, wie ihr lügenhafter Same durch die offenbarte Wahrheit vertilgt und zertreten wird, so knirscht sie mit ihren giftigen Zähnen vor grimmigem Zorn und bläst aus dem lügenhaften Munde ihrer Propheten und Prediger den verdammlichen, höllischen Atem gräulicher Ketzerei. Ja, sie gießt und speit aus die schrecklichen Wasserströme ihrer Tyrannei durch der Welt Oberherren und Gewaltige, nach der herrlichen Frau, die da schwanger geht mit des Herrn Wort, in der Hoffnung, sie mit ihrem Samen auszurotten und zu verderben. Aber Gott sei ewig gepriesen, der sie vor dem roten Drachen bewahrt und für sie einen Ort in der Wüste bereitet hat.

Wenngleich ich, der angeführten Ursachen halber, euch nicht mündlich lehren kann, so will ich euch doch gleichwohl, so lange als der Herr es mir zulässt und ich lebe, schriftlich stets mit der kleinen Gabe dienen, die mir der gnädige Vater durch seinen Sohn Christus aus den überfließenden Schätzen seiner himmlischen Reichtümer gegeben hat. Nicht (sage ich mit dem heiligen Paulus) mit herrlichen Worten menschlicher Weisheit, denn ich habe und kenne sie nicht. Ich lasse sie diejenigen suchen, die danach begierig sind. Mein Ruhm ist wiederum mit Paulus, Christus zu erkennen und dass der für uns gekreuzigt ist; denn diese Erkenntnis ist das ewige Leben. Darum kann uns auch Gott mit keiner besseren Weisheit begaben als mit dieser, wiewohl sie eine so abscheuliche Torheit bei der Welt ist; denn sie übertrifft alles Gold und Silber, alle Perlen und Edelsteine; es gibt nichts unter dem Himmel das man mit ihr vergleichen kann; ihre Wege sind liebliche Wege und ihr Pfad ist der Pfad des Friedens; sie ist ein Baum des Lebens allen denjenigen, die sie annehmen; und selig sind die, die sie bewahren.

Ja, liebe Brüder, ein jeder, der in dieser Weisheit (denn sie allein ist die Weisheit der Heiligen) recht von Gott gelehrt ist, der mag sich, um der Gnade willen die ihm gegeben ist, über alle Doktoren, Theologen, Juristen, Redner und Poeten mit Recht für begabt erachten, könnte er gleich weder schreiben noch sprechen und wäre er der hilfloseste Mensch auf Erden. Aber alle die, welche in dieser Weisheit von Gott nicht gelehrt sind, ob sie schon herrlich wären als Salomo, siegreich als Alexander, reich als Krösus, stark als Herkules, gelehrt als Plato, subtil als Aristoteles, wohlredend als Demosthenes und Cicero und in so vielen Zungen erfahren als Mitridates, ja so gründlich und tief erfahren, dass ihresgleichen niemals gewesen wäre, sind sie doch Toren in des Herrn Augen; das muss man erkennen und zugestehen.

Mit dieser Weisheit denn, sage ich, so viel mir der gütige Vater, der der rechte Geber aller guten und vollkommenen Gaben ist, durch Christus seinen Sohn gegeben hat, begehre ich nicht allein unseren Brüdern und Schwestern, sondern auch aller Welt von ganzem Herzen zu dienen, auf dass alle hungrigen und durstigen Seelen, die gerne nach des Herrn Willen leben wollten und die er zu seiner Ehre geschaffen und mit dem Blut seines Sohnes erkauft hat, mit dieser himmlischen Weisheit zu seinem Preis, von oben möchten angetan und gesättigt werden und den allmächtigen Gott durch seinen Sohn und sein Wort in ihrem Geist recht erkennen lernen, der da spricht:

»Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, noch ein Reicher seines Reichtums, sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er mich wisse und kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir.« (Jer 9,23–24)

Ach meine lieben Kinder, die ihr mit des Herrn Wort durch den Geist geboren seid, denkt einmal recht in euren Herzen nach, wie unbegreiflich groß die himmlische Güte und Gnade ist, die uns durch Christus erschienen und von dem Vater gegeben ist; dass er uns betrübte Sünder in unserer allergräulichsten Blindheit, in welcher wir weder Gott noch Christus erkannten, fremd vom Leben das aus Gott ist und Kinder des Zorns und des ewigen Todes waren, das Wort des Friedens nicht erkannten und wie die Schafe irrten, die von keinem Hirten wissen, mit dieser herrlichen, gottseligen Gabe seiner Weisheit, so barmherzig begabt hat, dass er uns den köstlichen teuren Schatz (die rechte wahre Erkenntnis zu dem Reich Gottes), der so tief in dem Acker begraben liegt, durch seinen Geist hat finden lassen und hat uns das Geheimnis seines wohlgefälligen Willens und den rechten, wiedergebärenden Verstand seines heiligen Evangeliums offenbart, den man in keiner hohen Schule lernen, mit keiner Gabe kaufen, aus keinen fernen Landen holen und mit keinem Gut, noch mit Werken verdienen kann; dass er uns die rechte seligmachende Wahrheit durch den Schlüssel seines Worts und Geistes eröffnet und sie vor Kaisern, Königen, Herren, Fürsten, Weisen und Gelehrten der ganzen Welt verschlossen hat; dass er uns von der Macht der Finsternis erlöst und in das Reich seines lieben Sohnes nach seinem guten Willen und Wohlgefallen geführt hat; ja, dass er uns zu Königen und Priestern gemacht hat; dass wir ein auserwähltes, heiliges Volk sein sollen, ein Volk das ihm in der Liebe dienen und sein eigen sein soll; dass wir seine Kraft und Tugenden verkündigen sollen, dieweil er uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat, wie Petrus sagt. O große Gnade und Liebe!

Allerliebste Brüder, erfreut euch in dem Herrn allezeit. Noch einmal sage ich mit Paulus, erfreut euch, dass der allergroßmächtigste Kaiser, Christus Jesus, der alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat, eine solche Gnade an euch bewiesen hat, dass er euch arme, ungeachtete Kinder (die hier aller Welt Spott, Schmach und Schande sein müssen) zu so hohen Ehren berufen hat, dass er euch zu Königen und Priestern geheiligt hat. Zu Königen sage ich, die mit dem Öl der Gnade, durch den heiligen Geist gesalbt sind, gekrönt mit der Krone der Ehren, angetan mit dem Schmuck und der Zierde der Gerechtigkeit und regiert durch Christus euren Kaiser; nicht mit den Waffen des Todes, als mit Büchsen, Spießen, Schwertern, Pferden, Reitern und Knechten, gleichwie die Könige dieser Welt tun, sondern mit dem unüberwindlichen ewigen Zepter der Kraft Gottes, nämlich mit dem durchschneidenden scharfen Schwert des heiligen Wortes, welches vermittelst eures unüberwindlichen Glaubens siegreich triumphieren wird über Gold, Silber, Städte, Land, Herren, Fürsten, Fleisch, Blut, Fahnen, Banner, Schwert, Stöcke, Wasser, Feuer, Hunger, Durst, Blöße, Hölle, Sünde, Gesetz, Furcht, Teufel und Tod und euch im Leben und Tod vollständig von allen euren Feinden, sichtbaren und unsichtbaren, befreien wird, die euch durch der alten Schlange Rat und Samen das verheißene Reich gern entwenden, ja, stehlen und rauben möchten. Der geistlichen Könige Herrschaft und Regiment ist geistlich und darum können sie auch von keiner Tyrannei, falschen Lehre noch bösen Lüsten tödlich verwundet noch überwunden werden; denn sie vermögen alles durch Christus, der sie stärkt, der auch ihr Helfer und Erlöser, ihr Schild und das Schwert ihres Ruhmes ist.

Auch seid ihr Priester von Gott geheiligt, nicht mit dem auswendigen Öl Aarons und seiner Söhne, auch nicht mit dem vergänglichen Blut der Ochsen und Schafe oder mit herrlichen Kleidern von Gold, Seiden und Edelsteinen, wie das Gesetz erforderte; sondern mit dem Öl des heiligen Geistes, mit dem Blut Christi gesalbt, besprengt und geziert und angetan mit dem Kleide der Gerechtigkeit; dazu von Gott verordnet und berufen, nicht die Geschöpfe und Tiere alle Tage mit einem eisernen Messer zu töten und dieselben dann in einem äußerlichen steinernen Tempel, auf einem gemachten Altar zu opfern, wie Mose den Priestern im Gesetz geboten hatte, sondern dass ihr mit dem Messer des heiligen Wortes all euer Leben lang Menschen töten sollt (versteht geistlich), samt eurem eigenen, widerspenstigen Fleisch und Blut, das ist, dass ihr euch und sie mit des Herrn Geist und Wort so lehren und züchtigen sollt, dass ihr und sie eurer Ungerechtigkeit und allen bösen Lüsten absterbt, sie dämpft und vernichtet und so in der geistlichen Hütte oder dem Tempel opfert, der nicht von diesem Bau ist, nämlich in des Herrn Gemeinde, auf dem einzigen und ewigen Altar unserer Versöhnung, Christus Jesus.

Außerdem seid ihr auch nicht solche Priester, die aus eigenerwählter Gerechtigkeit Brot und Wein für die Sünde und Übertretung des gemeinen Volkes und für die Seelen der Verstorbenen opfern; dürft auch keine Messen singen oder lesen, noch die goldenen, silbernen, hölzernen, steinernen Bilder anbeten oder denselben dienen, räuchern oder opfern, gleichwie die armen, dummen Pfaffen dieser Welt tun; sondern ihr seid heilige Priester, die ihre eigenen Leiber alle Tage reinigen, heiligen und in der Zeit der Not zu einem süßen Geruch für des Herrn Wahrheit freiwillig aufopfern zusammen mit ihren heißen Gebeten und ihrer fröhlichen Danksagung aus einem gläubigen, bekehrten, reinen Herzen, denn solche Opfer gefallen Ihm.

Ach, wollte Gott, dass alle, die sich Priester nennen lassen, in solche Priester verwandelt werden könnten, denn o wie viel unschuldiges Blut würde unvergossen bleiben, wie herrlich würde die Wahrheit ausgebreitet werden und was für eine edle und christliche Welt würde dies sein.

Sagt, liebe Brüder, wer könnte diese Gnade vollkommen begreifen oder diese Wohltaten recht erzählen? Noch einmal sage ich: wir irrten vormals alle wie die verlorenen Schafe, die keinen Hirten haben; wir wandelten nach den bösen Lüsten unseres verkehrten Fleisches, gleichwie sie alle tun, die den Weg des Vaters nicht erkennen; wir waren ungläubig und in allen göttlichen Sachen ganz blind und unverständig, voller Striemen und Eiterbeulen von der Fußsohle an bis aufs Haupt und waren von Natur Kinder des Zorns, wie die anderen. Aber der Herr sei gepriesen, nun sind wir gewaschen, nun sind wir geheiligt, nun sind wir gerechtfertigt durch den Namen unseres Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes (1Kor 6,11). Kurz, wir sind bekehrt zu dem rechten Hirten und Bewahrer unsrer Seelen, Christus, der uns nun weidet in der fetten Weide seiner Wahrheit, uns speist mit dem Brot seines Worts, uns nährt mit dem Baum des Lebens und uns labt mit dem Wasser seines Geistes. Wer kann diese Gnade begreifen oder erzählen?

Außerdem bestrafte er uns nicht, als wir noch gottlos und Feinde waren, gleich den sündigen Engeln oder der ersten, verderbten Welt oder gleich Sodom und Gomorra, noch gleich den Anbetern des Kalbes, noch den Versuchern, noch den Aufrührern, noch den Ehebrechern, noch gleich denen, die in der Wüste wider sein Wort und seinen Willen handelten; denn diese alle hat er vertilgt; sondern hat uns durch seine große Barmherzigkeit erhalten, mit seiner rechten Hand geführt, durch seine Güte gezogen, mit seinem Wort erneuert, durch seinen heiligen Geist gezeugt und mit dem hellen, klaren Licht seiner Wahrheit umleuchtet; dass wir durch seine Gnade, Welt, Fleisch, Teufel und allem abgesagt und uns auf den Weg des Friedens unter das sanfte Joch seines Evangeliums willig begeben haben. Ich meine, das mag wohl Gnade genannt werden.

Allerliebste Kinder, nehmt wahr. Hat nun der gute Vater so wunderbar nach seiner großen Barmherzigkeit mit uns gehandelt und hat er seine große Liebe ohne unseren Verdienst so gnädig an uns bewiesen, so ist es auch recht, ja, natürlich und billig, dass wir solchen guten Herrn und barmherzigen Vater aus allen unsern Kräften wiederum lieb haben, fürchten, preisen, ehren, ihm dienen und nach all unserem schwachen Vermögen ihm gehorsam sein sollten.

Er hat nun solche unaussprechlich große Liebe und Gnade an uns armen Sündern bewiesen, wie bemerkt, eine Liebe und Gnade, die mit den blinden Augen und dem schwachen Verstand des Fleisches nimmermehr recht gesehen oder verstanden werden kann, sondern die man allein mit dem inneren Auge des Gemüts und mittels der Salbung des heiligen Geistes zu sehen und zu verstehen vermag; das heißt, mit einem aufrichtigen, sicheren, festen, vertrauenden, durchgreifenden, ungefärbten und reinen Glauben, wie die Schrift lehrt.

Da nun, wie gesagt, ein solcher ungefärbter Glaube gefordert wird und da wir deutlich in des Herrn Wort finden, dass alle Werke des wahren Christentums, wie Wiedergeburt, wahre Buße, Absterben der Sünden, neuer Wandel, Gerechtigkeit, Gehorsam, Seligkeit und das ewige Leben auf einen aufrichtigen, tätigen Glauben gegründet sind, in Übereinstimmung mit der Schrift, wie man an vielen Stellen derselben lesen kann, so habe ich mir durch des Herrn Gnade vorgenommen, allen Liebhabern der ewigen Wahrheit, mit göttlichem Zeugnis, aus des Herrn Wort zu erklären, welches der rechte Glaube ist, der vor Gott gilt und in der Schrift Verheißung hat; nämlich, der Nachdruck, Kraft und Werke hat und mit Christi Evangelium und der Apostel Lehre gleichförmig ist. Auf dass alle die, so diese unsere Schriften sehen, lesen oder hören, gründlich und recht erkennen mögen, dass der ungeschickte, fruchtlose Glaube dieser Welt unnütz, eitel und tot, ja, auch vor Gott ewig verbannt und verdammt ist; denn seine Früchte sind eitle Heuchelei, Menschengebote, Abgötterei und ein falscher Gottesdienst. Er wiedergebiert niemand, ist irdisch und fleischlich gesinnt, er hasst und verfolgt alle Wahrheit; denn dieser Glaube kennt weder Christus noch Christi Worte, wie man überall zu genüge sehen kann. Gottes Wort aber kennt anders keinen Glauben, als der da Kraft und Frucht hat, die Herzen wiedergebiert, umkehrt und erneuert, wie die Schriftsagt:

»Der Gerechte wird seines Glaubens leben.« (Röm 1,17)

Es ist vergebens sich des Glaubens zu rühmen, wo nicht die gottseligen, neuen Früchte und Werke des Glaubens da sind.

Ich ermahne darum alle meine gottesfürchtigen Leser in dem Herrn und bitte sie alle miteinander, dass sie diese Wahrheiten in das Innerste ihrer Seelen eindrücken und in die Tafeln ihrer Herzen schreiben wollen, nämlich, dass unser allerheiligster christlicher Glaube keine tote und veraltete Meinung ist, gleichwie die gemeine Welt denkt; auch keine wohlklingende Ruhmrede, gleichwie man bei den großen und freien Sekten findet; sondern er ist eine wirkende Gabe und Kraft Gottes, eine lebendige, himmlische Berufung in einem erschlossenen, offenen Herzen oder Gewissen, welches das ganze Wort Gottes mit Sicherheit glaubt, ergreift, erkennt (das drohende Gesetz sowohl als das tröstende Evangelium), wodurch das Herz durch den heiligen Geist mit einer besonderen wiedergebärenden, erneuernden und lebendig machenden Kraft durchschnitten und bewegt wird und gebiert so zum Ersten die Furcht Gottes; dann erkennt er des Herrn Urteil und Zorn über alle Übertretung und Sünde, die wider seinen Willen und sein Wort geschehen; er erschrickt, fürchtet und entsetzt sich vor seinem Gott, und darf darum nichts tun, raten oder bewilligen, was er durchs Wort im Geist erkennt, das Gott der gerechte Richter in seiner Seele hasst und in seinem heiligen Wort verboten hat.

Dieser Glaube erzeugt auch in unserem Herzen die Liebe zu Gott; denn aus den geistig recht verstandenen Zeugnissen der heiligen Schrift anerkennt er die unergründlich großen Reichtümer der Gnade, die der barmherzige, gütige Vater durch seinen Sohn Christus uns verliehen hat. Darum liebt er auch wiederum seinen liebenden Gott, erweckt durch die bewiesenen Wohltaten vorgenannter Gnade; und wird so durch die wirkende Kraft seiner Liebe (entsprossen aus einem solchen ungeheuchelten Glauben) freiwillig zum Gehorsam aller Gebote Gottes getrieben, gleichwie Christus sagt:

»So mich jemand lieb hat, der wird mein Wort halten.« (Joh 14,23)

Siehe, das ist der Glaube, von welchem die folgenden Blätter dieses Teiles handeln werden. Es ist der einzige Glaube, welcher in der Schrift die Verheißung der Seligkeit und des ewigen Lebens hat, durch Jesus Christus, Gottes einzigen und erstgeborenen Sohn. Ihm sei Preis, Ehre, Lob, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

Wir finden, dass wenn jemand ein gutes Haus oder einen hohen, Bestand haltenden Turm bauen will, er zuerst einen festen Grund legt, um die Schwere des oberen Baues zu tragen und damit das mit so großen Unkosten angefangene Werk nicht umfalle und in Schande liegen bleibe. So muss es mit allen wahrhaften Christen auch zugehen; sie müssen ebenfalls einen gewissen und festen Grund haben in ihren Herzen, dass sie in dem Bau ihres Glaubens trotz aller überfallenden Sturmwinde, Platzregen und Wasserfluten, von welchen sie oftmals heimgesucht werden sollen, ungehindert und fest stehen bleiben und ihr angefangenes Werk und Bau durch des Herrn Hilfe recht ausführen mögen, auf dass sie nicht, zur ewigen Schande und zum Schaden ihrer armen Seelen, wieder von der rechten Bahn weichen. Paulus sagt:

»Wer aber weichen wird, an dem wird meine Seele keinen Gefallen haben.« (Hebr 10,38)

Getreue Brüder, merkt wohl! Dieser edle, einzige und wohlgeschickte Eckstein, dieser Grund und dieses Fundament in Zion, uns vom Vater dazu bereitet, auf welchen wir das ganze Gebäude unsers Glaubens bauen müssen, ist Jesus Christus. Alle, die auf diesen Grund recht gebaut sind, werden vom Feuer der Trübsal nicht verzehrt werden; denn sie sind lebendige Steine an des Herrn Tempel; sie werden dem edlen Gold, Silber und köstlichen Gestein verglichen und können von den Pforten der Hölle, wie falschen Lehren, Fleisch, Blut, Welt, Sünde, Teufel, Wasser, Feuer, Schwert oder irgendeinem anderen Mittel, ewiglich nicht umgestoßen werden, wie schwer und groß auch die Versuchung sei; denn sie sind auf Christus gegründet, im Glauben befestigt und so durch den heiligen Geist im Wort versichert, dass alle grimmigen, blutigen Neros, die unter dem weiten Himmel sind, mit aller ihrer gräulichen Tyrannei sie nicht abwenden mögen von der reinen, heilsamen Lehre Christi und von dem unsträflichen, frommen Leben, das aus Gott ist, wie man denn seit zwanzig Jahren an vielen Orten genugsam gesehen hat; denn sie sind so unbeweglich wie der Berg Zion, als feste Pfeiler, streitbare Ritter und als fromme, tapfere Zeugen Christi, sie haben bis zum Tode gekämpft und kämpfen noch täglich für des Herrn Wort und Wahrheit, wofür Gott ewig gepriesen werde. Ich rede von denen, die des Herrn Geist und Wort haben.

Ja, dieser Stein liegt fest in ihren Herzen und ist durch den Glauben so in ihnen versiegelt, dass sie auch in ihrer allerhöchsten Not weder auf Vater noch Mutter, weder auf Frau noch Kind, weder auf Geld noch Gut, weder auf Leben noch Tod achten, denn sie werden durch die Ermahnung Gottes so in ihren Herzen getrieben, weil Christus sagt:

»Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.« (Mt 10,32–33)

, dass sie auch nicht ein lügenhaftes Wort reden dürfen, um dadurch aus den Händen der Blutgierigen und der Gefahr des Todes befreit zu werden, wie man sehen mag.

Aber ich fürchte gar sehr, und so wird es in der Tat gefunden, dass der größere Teil aller derjenigen, welche diese armen, unschuldigen Schafe als verfluchte Ketzer bezeichnen, sie verraten, fangen und verbannen, sie um Leib und Gut bringen, sich nicht schämen oder vor ihrem Gott fürchten (der alle bösen Lügner hasst), um eines Stübers halben, ja für nein und nein für ja zu gebrauchen und sich dennoch Christi zu rühmen und sich nach seinem Namen zu nennen. Sind sie nun so lügenhaft und untreu in kleinen Dingen, was werden sie dann wohl in großen tun, wenn es Leib und Gut gilt, gleichwie es gegenwärtig der Fall ist?

Ach Leser, denke darüber nach. Wohnte nun die alte, krumme Schlange mit ihrer Betrügerei, Falschheit und ihren Lügen in der Christen Herzen, gleichwie in den ihrer Verfolger, so würden ihre Güter unbeschädigt und ihr Blut unvergossen bleiben. Auch würden sie die Wahrheit nicht allein verschweigen, sondern auch mit allen Teufelskindern hassen und ihr feind sein. Alle, die aus der Wahrheit geboren sind, hassen die Lügen; wiederum alle, die aus den Lügen geboren sind, hassen die Wahrheit. Hassen sie aber die Wahrheit, wie sollten sie dann die Wahrheit reden? Insonderheit wenn es Leib und Gut gilt. Wollen unsere Regenten und Richter dieses Unterschieds gewiss sein, so mögen sie irgendwelche ihrer Übeltäter, die des Todes schuldig sind, nach ihren Rechten einmal vor Gericht stellen und sie bezüglich der gegen sie erhobenen Anklage einem Verhör unterwerfen (aber ohne dabei Peinigung anzuwenden) und was gilts! Sie werden die Missetat, darum sie sterben müssen, nicht so billig bekennen, als diese unschuldigen Kinder ihren Glauben (ihre Missetat) bekennen. Ja, was noch mehr ist, lasst eure berühmten Mönche auf ihre Profession und Kappen und eure bewährtesten Pfaffen auf ihre Gezeiten und Messen einmal einer so strengen Glaubensprobe unterworfen werden wie diese, und wir würden sehen, wo dann alle ihre Professionen und Kappen, Gezeiten und Messen bleiben würden. Aber man sagt im gemeinen Sprichwort, der Wolf wird wohl seinen Pelz durch den Wald bringen, aber das arme Schaf muss seine Haut lassen.

Da denn, sage ich, diese Schafe aus der Wahrheit geboren sind und Christus mit seiner Wahrheit und seinem Geist in ihrem Herzen wohnt, so wird man auch in ihrem ganzen Leben und Sterben nichts anderes als die rechte, schlichte Wahrheit Christi finden, wodurch sie zu der Gerechtigkeit geboren und in ihren Herzen umgewandelt und verändert sind; dennoch ist es offenbar, wie fromm und unsträflich sie auch leben, dass unsere lügenhaften, ehebrecherischen, hurerischen, abgöttischen, trunkenen Pfaffen und Mönche (die Gott öffentlich seinen Preis stehlen und die Seelen freventlich ermorden, die Christus Jesus mit seinem teuren Blut erkauft hat) sie vor der ganzen Welt belügen, verraten und an Pfosten und Pfähle bringen und das aus keiner anderen Ursache, als dass sie durch die geoffenbarte Wahrheit, durch den in ihren Herzen wohnenden Glauben und den Geist und die Furcht des Herrn getrieben werden ihre mit Sauerteig vermengte, eitle, falsche Lehre und abgöttischen Sakramente zu verlassen und von ganzem Herzen nach dem Willen Gottes zu leben. O Herr, so lebt und geht man mit denen um, die dich von ganzem Herzen suchen und fürchten.

Sagt, liebe Herren, wann wird dieser grausame, schändliche, mörderische, blutige Same mit seiner jüdischen Verräterei von euch beschränkt und gemaßregelt werden? Wann wollt ihr seinen verführerischen Lügen den Rücken kehren und euren Blick auf Christi Wahrheit richten? Wann soll euer tödliches, grimmiges und rachgieriges Schwert vom unschuldigen Blut abgewischt und einmal wieder in seine Scheide gesteckt werden? Wann wollt ihr Gott mehr gehorchen und fürchten, als ihr Herren und Fürsten fürchtet und gehorcht? Wann soll des Antichristen Gräuel aus euren Herzen ausgerottet und Christi Lehre dagegen eingepflanzt werden? Wann wollt ihr euch einmal mit dem frommen, unsträflichen Leben zufrieden stellen und mit dem Blute der unschuldigen Heiligen sättigen lassen? Wann soll Christus Jesus mit seinem Wort, Geist und Leben, durch den Glauben in euch empfangen und in wirkender Tat von euch geboren werden? Ich fürchte wohl nimmermehr. Denn euer Herz ist irdisch und fleischlich gesinnt und die Augen eures Gemüts sind so verdunkelt, dass ihr die Welt viel lieber habt, als den Himmel; die Lügen lieber, als die Wahrheit; die Sünde lieber, als die Gerechtigkeit und die Ehre und den Preis der Menschen lieber, als die Ehre und den Preis Gottes.

Ja, liebe Herren, was soll man viel sagen? Es steht mit euch gleich wie mit den Pfaffen und Predigern, welche, Kraft der Unterweisungen der Schrift einen Teil der Wahrheit erkannt haben; da sie indessen ihren sich vor dem Kreuze fürchtenden Leib mehr lieben als Gott, so lehren und predigen sie nur das, was mit den Beschlüssen und Mandaten der Fürsten im Einklang steht, damit sie ja nicht den Unwillen der Welt auf sich ziehen und dadurch ihrer weltlichen Ehre und ihres gemächlichen Leben verlustig werden. Solches, meine liebe Herren, ist auch bei euch der Fall. Denn obgleich viele von euch der Pfaffen und Prediger Lehren, Zeremonien, Gottesdienst und Leben als lügenhaft, verführerisch, abgöttisch, falsch und fleischlich erkennen und auf der anderen Seite wahrnehmen, dass die unseren des Herrn Lehren und Zeremonien sind und mit der Schrift übereinstimmen, so muss dennoch, damit ihr des Kaisers Freundschaft und eure fetten Renten behalten mögt (hier meine ich euch, die ihr an dem Blut schuldig seid), Christus Jesus mit seinen unschuldigen Lämmern, wenn die Mandaten solches besagen, ohne alle Barmherzigkeit als Anführer aller Schurken und Diebe, welche aller Pein und Schande wert sind, von euch gefangen genommen, verbannt, beraubt und zum Tode verurteilt werden. Und es muss dann heißen: Des Kaisers Mandate richten euch, nicht wir.

Liebe Herren, seht euch vor; die Stunde rückt nahe heran, dass der allmächtige, große und schreckliche Gott, der unparteiische, gerechte Richter, unser aller Sachen urteilen und richten wird; alsdann werdet ihr zu spät sehen, wen ihr verfolgt und wen ihr durchstochen habt. Darum wacht auf in der Zeit, fürchtet Gott, denkt stets an ihn, bessert euch, während es noch heute heißt.

Ich bitte dich, mein Leser, lass dich nicht verdrießen, dass ich so weit abschweifte; es geschah aber nicht ohne Ursache. Jetzt wollen wir jedoch in des Herrn Namen mit der Sache, die wir uns vorgenommen haben, fortfahren und dieselbe soweit behandeln und lehren, als der barmherzige Vater uns dazu Gnade und Hilfe schenken wird, damit wir allen gottesfürchtigen Herzen und Gewissen, so die Wahrheit von Herzen suchen, den rechten Unterschied zwischen dem Glauben und Unglauben, zwischen den Früchten des Glaubens und den Früchten des Unglaubens bescheiden erklären mögen und sie in dem rechten, christlichen Glauben aufwachsen mögen, bis dass sie der gütige Vater nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft an dem inwendigen Menschen durch seinen Geist stark mache und Christus durch den Glauben in ihren Herzen wohne; dass sie durch die Liebe gewurzelt und gegründet werden mögen; dass sie mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge, die Tiefe und die Höhe sei, auf dass sie erkennen die überfließend große Liebe der Erkenntnis Jesu Christi und so erfüllt werden mit aller Fülle Gottes. Und außerdem, dass sie wissen mögen, wie alles, was die Schriftgelehrten bezüglich unseres Glaubens, sowie auch aller andern Sachen, wie Schwert, Aufruhr, Polygamie, etc. angehend, wider uns lehren und aufbringen, nichts als Hass und eitle Lügen sind. Ich rede von demjenigen, das von uns und unseren lieben Mitbrüdern, allen gutherzigen Gewissen, es sei heimlich oder öffentlich, durch Schriften oder mündliche Ermahnungen vorgetragen und gelehrt wird.

Herzlich liebe Brüder, wenn man die unreine, abscheuliche Lehre vom Glauben, mit allem gräulichen Unglauben und verfinsterten bösen Leben, die aus solchen gräulichen Lehren von Seiten derjenigen, die sich Christen zu sein rühmen, herkommen, mit geistlichen Augen recht einsehen kann, so mag man sich wohl mit recht über ihre große Blindheit und ihren schweren Irrtum verwundern, ja, bis in den Tod betrüben. Denn wie gräulich und anstößig er auch geübt wird, muss er doch gleichwohl der heilige, christliche Glaube genannt werden.