3.13  Beschluss dieses Buches

Seht, liebe Herren, Freunde und Brüder, hier haben wir euch auf das Kürzeste unterbreitet und erklärt, auf welchen Grund, welche Reden und Schriften wir gebaut haben, was wir versuchen und vorhaben und wie wir alle Gräuel, Sekten und Gottlosigkeit der ganzen Welt, sowohl bei den Größten als den Kleinsten, ohne irgendwelches Ansehen der Personen, mit des Herrn Wort strafen und die heilsame, reine Wahrheit einem jeglichen anweisen. Die Gottesfürchtigen mögen es lesen und richten.

Meine Veranlassung und Meinung war aber nicht die, darauf hinzuwirken, dass das Kreuz Christi vermieden werde, keineswegs; denn ich weiß wohl, dass das Lamm mit dem Wolf, die Taube mit dem Geier oder Christus mit Belial niemals in Frieden sein können; die Wahrheit muss gehasst werden; und spräche gleich Christus vom Himmel herab, würden die Menschen dennoch weder Schrift noch Frömmigkeit, weder Christus noch die Apostel, weder Propheten noch Heilige, weder Gut noch Blut höher achten. Alle diejenigen, welche diese hoffärtige, geizige, stolze, abgöttische, blutdürstige Welt mit reinem, aufrichtigem Eifer strafen, ihre Seligkeit und ewige Wohlfahrt von Herzen suchen, müssen hier leiden und bedrängt werden. Ihr müsst von allen Menschen (spricht Christus) gehasst werden um meines Namens willen; durch viele Trübsal müssen wir eingehen in das Reich Gottes. Christus musste desgleichen leiden ehe er in seine Herrlichkeit zurückkehrte.

Darum aber habe ich dies geschrieben, auf dass die edle, klare Wahrheit wieder an den Tag kommen möchte, dieser oder jener dadurch gewonnen, die Blinden auf den rechten Weg gewiesen, die Hungrigen mit dem Brot Gottes gespeist, die Verirrten wieder zu Christus ihrem Hirten gewiesen, die Unwissenden gelehrt, Gottes Reich ausgebreitet und sein heiliger Name groß gemacht und gepriesen würde; und dies alles, bestätigt durch unsere Unschuld, soll allen blutdürstigen Tyrannen, auch allen Verführern, falschen Propheten, allen Verstockten und Unbußfertigen, an dem Tage des Urteils zu einem Zeugnis sein, dass ihnen die Wahrheit verkündigt und erklärt worden ist.

Wollt ihr sie aber nicht hören, so sei eure Sünde auf euch. Gottes Geist, Wort, Grund, Ordnung und Willen habe ich euch nach meiner Gabe verkündigt und die Gerechtigkeit angewiesen. Wer Ohren hat, der höre und wer Verstand hat der mag es verstehen.

Ich bezeuge meinen Seligmacher offenbar; ich bezeuge ihn und heuchle nicht; wenn ihr nicht Buße tut, aus Gott nicht geboren werdet, in eurem Geist, Glauben, Leben und Gottesdienst mit Christus nicht eins werdet, so ist das Urteil eurer Verdammnis schon für eure armen Seelen bereit und über dieselben ausgesprochen.

Alle, die euch anders lehren, als wir euch hier aus Gottes Wort unterwiesen und bezeugt haben, die betrügen euch. Dies ist der schmale Weg, durch welchen wir alle wandeln müssen, um durch die enge Pforte einzugehen, so wir selig werden wollen.

Hier ist weder Kaiser noch König, weder Herzog noch Graf, weder Ritter noch Junker, weder Doktor noch Lizentiat, weder Reich noch Arm, weder Mann noch Frau ausgenommen. Wer sich rühmt dass er ein Christ sei, der muss wandeln, gleich wie Christus wandelte.

»Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.« (Röm 8,9)

»Wer übertritt, und nicht bleibt in der Lehre Christi, der hat keinen Gott.« (2Joh 9)

»Wer Sünde tut, der ist vom Teufel.« (1Joh 3,8)

Hier kann nun weder Taufe noch Abendmahl, weder Beichten noch Absolvieren etwas helfen. Diese und dergleichen Schriften stehen unbeweglich und richten alle diejenigen, die außer Christi Geist und Wort leben und auf irdische, fleischliche Dinge gesinnt sind. Sie können auch weder von Engeln, noch vom Teufel jemals umgestoßen, verkehrt oder geschwächt werden.

Für den Fall aber, dass ihr mit dem widerspenstige Israel sagen wollt: Wir wollen das Wort nicht hören, das du uns in des Herrn Namen predigst, sondern wir wollen tun gleich wie unsere Voreltern, unsere Könige und Fürsten, seit langen Jahren bis auf den heutigen Tag getan haben, so antworte ich mit dem heiligen Jeremia und sage also: Dieweil ihr Lust zu den Lügen habt und solche Gräuel tut, so hat auch der Herr euer böses Wesen zu Herzen genommen und schickt euch eine harte Strafe über die andere; Hunger, Pestilenz, Ungewitter, Jammer, Elend und das verzehrende, rächende Schwert, so dass euer Land zu einer Wüste, zu einem Wunder und Fluch gemacht werde, wie man augenscheinlich an vielen Orten sehen kann; darum dass ihr fremden Gottesdienst verrichtet, den Herrn euern Gott verachtet, sein Wort verwerft, das unschuldige Blut vergießt, nach eurem Mutwillen handelt, wider euren Gott sündigt und in seinen Gesetzen, Ordnungen und Geboten nicht wandelt, trotzdem euch des Herrn Mund es allerorts auferlegt und befohlen hat.

Ferner sage ich, dass, da die unnütze und widerspenstige Welt wider ihren Willen ermahnt und gestraft wird, so werden die Propheten und treuen Diener Gottes größtenteils von den Fürsten und der Obrigkeit als Aufrührer und Anstifter von Meuterei vertilgt und von den Priestern und dem gemeinen Volk als Verführer und Ketzer gerichtet und ermordet. Darum haben wir uns vorbereitet, sowohl zu lehren als auch zu leiden, indem wir vermuten, dass es uns in dieser Hinsicht nicht besser als ihnen ergehen wird; wir aber sagen mit Hesekiel: Wenn nun kommen wird, das da kommen soll, so werdet ihr finden, dass euch die Schrift deutlich und ohne Heuchelei, in klaren, lauteren Worten erklärt und gelehrt wurde.

Der barmherzige, gnädige Vater, durch seinen lieben Sohn Jesus Christus, unseren Herrn, verleihe euch allen miteinander die Gabe und Gnade seines heiligen Geistes, dass ihr diese unsere christliche Arbeit und Dienst der treuen Liebe, mit einem solchen Herzen hören und lesen möchtet, dass ihr der reinen, unverfälschten Wahrheit aus voller Seele nachjagen, sie erkennen, ihr glauben, nachfolgen und ewig selig werden mögt, Amen.

Liebe, edle Herren, gönnt euren armen Dienern, dass wir den Herrn von Herzen fürchten, Gottes Wort predigen und recht tun mögen, darum bitten wir euch um Jesu willen. O Herr, Vater aller Gnaden, öffne doch die Augen aller Blinden, dass sie deinen Weg, dein Wort, deine Wahrheit und deinen Willen sehen und darin mit treuen Herzen wandeln mögen, Amen. Menno Simons.