3.12  Eine christliche und liebreiche Ermahnung

An alle Obrigkeit, auch an die Gelehrten, das Volk im Allgemeinen, an die Sekten und die Braut Christi, die von der Hitze der Sonne nicht wenig an allen Orten verbrannt wird.

3.12.1  An die Obrigkeit

Wir haben in der Vorrede gezeigt, getreuer Leser, aus welcher Ursache oder warum wir diese unsere Schriften veröffentlicht haben, nämlich um der gräulichen Verführung und mannigfachen Gefahr dieser Zeit willen; denn es gibt leider so viele Spaltungen, Gemeinden, Kirchen und Sekten, die sich nach des Herrn Namen nennen lassen, wie Römische oder Päpstliche, Lutherische, Zwinglische, irrende Sekten und die Christen, die man Wiedertäufer schilt. Gleich wie es in vorigen Zeiten bei den Juden, Hasbutäer, Merobaptisten, Essäer, Sadduzäer, Pharisäer gab, wie teils aus der Schrift, teils aus der Geschichte zu ersehen ist. Eine jegliche rühmt sich, die Gemeinde Christi zu sein und des Herrn Wort zu haben, wiewohl sie meistenteils mit des Herrn Geist, Wort und Vorbild nicht allein nicht gleichförmig sind, sondern dieselben böswillig verunglimpfen, beschimpfen und denselben von Herzen feind sind; und es geht gleich wie es von Anfang gegangen ist, dass überall die Frommen von den Gottlosen viel zu leiden haben; gleich wie Abel von Kain, Isaak von Ismael, Jakob von Esau, wiewohl sie von einem gleichen Gott geschaffen sind, einen Ursprung der Natur haben, sich eines gleichen Christus rühmen und an dem Tag des Urteils einen gleichen Richter finden werden. Der Antichrist regiert durch Heuchelei und Lügen mit Gewalt und Schwert, aber Christus mit Geduld durch sein Wort und seinen Geist. Er gebraucht kein anderes Schwert, keine andere Waffe. O Mensch, merke doch auf die unvernünftigen Tiere und lerne Weisheit. Brüllende Löwen, schreckliche Bären und reißende Wölfe halten Frieden, ein jegliches mit seinem Geschlecht; ihr armen, elenden, schwachen Würmlein aber, die ihr nach Gottes eigenem Bild geschaffen und vernünftige Geschöpfe genannt seid, ohne Zähne, Klauen und Hörner und mit einem kranken, schwachen Fleisch, sinnlos, sprachlos und kraftlos geboren, so dass ihr weder gehen noch stehen könnt und ganz von der Mutter Hilfe abhängig seid, was euch lehren sollte, dass ihr Menschen des Friedens und nicht des Streites sein sollt – ihr, wenn ihr zu eurem Verstande und männlichen Jahren kommt, seid so unstet, tyrannisch, rachsüchtig, blutdürstig und unbarmherzig, wie man es sich nicht denken, noch es aussprechen oder beschreiben kann. Eure offenbaren Werke geben diesem Zeugnis und dennoch wollt ihr euch rühmen Christen zu sein. Ach nein, mein getreuer Leser, nein! Christus lehrt: »Den Frieden gebe ich euch; meinen Frieden hinterlasse ich euch.« (Joh 14,27)

»Der Friede Gottes (sagt Paulus) regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid, in einem Leibe, und seid dankbar.« (Kol 3,15)

Jesus spricht:

»Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten!« (Lk 9,56)

Da nun eurer so viele sind, die so unmenschlich mit den Kindern Gottes umgehen, wie man sieht, so haben wir unsere Handlungen, Grund, Glauben und Lehre auf das Kürzeste aus des Herrn Wort verfasst und im Drucke erscheinen lassen, auf dass alle Lästerer, Verleumder und blutigen Verfolger daraus sehen und lernen mögen, was unser eigentliches Vornehmen, Suchen und Tun ist und auf was für einen Grund die Stadt Gottes müsse gebaut werden und welche unter allen diesen vorgenannten Versammlungen oder Kirchen die echte und rechte Kirche Christi sei. Denn gleich wie es nur einen Adam und eine Eva, einen Noah und eine Arche und einen Isaak und eine Rebecca gab, so gibt es nur eine Gemeinde Christi, die der Leib, Tempel, das Haus, die Stadt und die Braut Gottes ist, die nur einerlei Evangelium, Glauben, Taufe, Abendmahl und Gottesdienst hat, nur auf einem Weg wandelt und ein frommes, unsträfliches Leben führt, wie die Schrift lehrt.

Alle die das reine, unvermengte Wort Gottes, den wahren wirkenden Glauben mit des Herrn heiliger Taufe und Abendmahl, in dem Geist und der Kraft nicht haben und auf dem breiten Weg des Fleisches wandeln, die sind Christi Gemeinde und Kirche nicht. Hier gilt weder Name, noch Ruhm; wir müssen in Christus sein und Christus in uns; wir müssen von seinem Geist getrieben werden und sowohl innerlich als äußerlich in seinem heiligen Wort bleiben, oder wir haben keinen Gott.

Es konnte die Kinder Israels nicht selig machen, dass sie von dem frommen Abraham geboren waren, da sie auf Abrahams Wegen nicht wandelten, noch viel weniger uns, dass wir uns nach Christi Namen nennen lassen, so wir seinen Preis nicht von ganzer Seelen suchen und seinen heiligen Willen nicht von Herzen hören, demselben folgen und gehorsam sind.

Es ist allen Frommen wohlbekannt, dass wir und unsere Voreltern so viele hundert Jahre unter der schweren Last und in dem Dienst Ägyptens gewesen sind, dass wir von den falschen Propheten verführt sind, den Inhalt des Gesetzbuches Gottes niemals gehört haben und dass die heilige Stadt samt dem Tempel verwüstet gewesen und unter der Tyrannei und Gewalt Babylons gestanden hat, wie zuvor angemerkt. Der barmherzige Vater aber hatte Mitleid mit dem schweren Elend und Trübsal seines Volkes und erweckte uns den wahren Mose und Serubbabel, Jesus Christus, durch sein Wort und seinen Geist; darum gebührt es sich, o hochberühmte Herren und Fürsten, die ihr euch mit uns eines gleichen Christus, Evangelium und Reiches, ja einer gleichen Erlösung rühmt, dass ihr dem Volk Gottes nicht länger ihre Reise nach dem ewigen, verheißenen Land durch eure Mandate und Gewalt verhindern, sondern dieselbe mehr und mehr durch eure gnädige Bewilligung, begünstigen und fördern wollt; dass ihr das wiedergefundene Buch des Gesetzes Christi, welches so lange Zeit verloren gewesen ist, mit dem edlen, frommen Josia, mit einem zerbrochenen, demütigen Herzen, in reiner Furcht Gottes hört und lest. Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider; denn ihr seid nicht nur von der rechten Bahn abgeleitet, sondern ihr seid dergestalt von den Menschen der Sünde bezaubert, dass ihr die unschuldigen, frommen Herzen verfolgt, die weder euch, noch irgendeinem Menschen auf Erden um ein Haar kränken noch schädlich sind.

Dass ihr doch, gleich dem König Kyrus, die armen,gefangenen Kinder, welche an den Wassern zu Babel weinen, aus dem Lande der Chaldäer befreien möchtet, damit sie wiederum das geistliche Jerusalem, den Altar und Tempel auf ihrer alten statt bauen, das göttliche Priestertum aufrichten und die geistlichen Opfer und Gottesdienste nach Anweisung von Gottes Wort üben und nicht Jünger der babylonischen Gesetze, nämlich der Menschen Lehre und Gebote, sein, sondern Israels Gesetz, Gottes Wort und Gerechtigkeit gehorchen und dienen mögen. Einige von euch, obgleich leider wenige, sind so weit durch Gottes Gnade und Wort belehrt, dass ihr, wie ich hoffe, wohl erkennt, dass weder Gewohnheiten noch Konzilien, weder Gelehrsamkeit noch Schwert oder Mandat das Wort des Allerhöchsten Gottes, das Wort der Wahrheit, das Wort der himmlischen Zeugnisse, das Evangelium des Reichs biegen oder brechen können; denn

»einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.« (1Kor 3,11)

Die Weisheit spricht:

»Kehrt euch zu meiner Strafe! Siehe ich will euch heraus sagen meinen Geist, und euch meine Worte kund tun!« (Spr 1,23)

»Habt Gerechtigkeit lieb, ihr Regenten auf Erden!« (Weish 1,1)

»So lasst euch nun weisen, ihr Könige, und lasst euch züchtigen, ihr Richter auf Erden, dient dem Herrn mit Furcht, und freut euch mit Zittern.« (Ps 2,10–11)

Denn der König, der die Weisheit ehrt, soll ewig regieren.

Darum so untersucht nun diese unsere getreue Anweisung mit demütigem Herzen, in der Furcht Gottes und beurteilt sie mit Christi eigenem Geist und Wort, so viel als in euch ist; vergleicht sie mit der Lehre und dem Leben der Apostel, mit der Frömmigkeit, Liebe, dem Gebrauch, der Handlung, dem Elend, Kreuz und Leiden der ersten Kirchen; ich hoffe, durch Gottes Gnade, ihr werdet vollständig begreifen, dass unsere Lehre die untrügliche Lehre und der Grund der Schrift ist. Man lese dieses unser Fundamentbuch mitsamt den anderen Büchern, die ihm beigefügt sind; als das Buch vom Glauben und seiner Kraft; von der Wiedergeburt oder neuen Kreatur; von dem Kreuz, Leiden und der Verfolgung der Heiligen; von der Exkommunikation; Bann oder Ausschließung, mit mehr anderen Büchern, die von Zeit zu Zeit herausgegeben wurden und ihr werdet durch Gottes Gnade finden, dass diese Lehre das unverfälschte Evangelium ist, das der Herr mit seinem eigenen Mund gelehrt und seine heiligen Apostel durch die ganze Welt gepredigt und in Kraft des Geistes mit Tod und Leben bezeugt haben. Unsere Lehre ist keine neue Lehre, wie euch die Prediger ohne alle Wahrheit glauben machen wollen, sondern es ist die alte Lehre, die vor fünfzehnhundert Jahren in der Kirche Christi gelehrt und geübt worden ist und wodurch die Gemeinde geboren ist, geboren wird und geboren werden soll, bis ans Ende.

O ihr hochberühmten Herren und Fürsten, kehrt euch zu der Wahrheit Gottes und empfangt Strafe, Zucht und Weisheit; denn durch Weisheit regieren die Könige und die Ratsherren setzen dadurch das Recht und merkt doch, wie fern euer Geist, Glaube und Leben von des Herrn Geist, Wort und Leben unterschieden ist.

Meint ihr, liebe Herren, dass ihr nur dazu geboren seid um zu prunken und zu prahlen und ein eitles, fleischliches Leben zu führen? Dass ihr in eurem Mutwillen und verderblichen Lüsten fortfahren mögt gerade wie es euch beliebt und dabei doch Christen sein könnt? Ach nein,

»Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.« (Röm 8,9)

Salomo spricht: »Ein Gottloser, der über ein armes Volk regiert, der ist wie ein grimmiger Löwe und wie ein gieriger Bär; und wenn ein Fürst ohne Verstand ist, so geschieht viel Unrecht.« Dasselbe hat auch der Poet erkannt, da er spricht Quicquid delirant reges, plectuntur Achivi. Das ist: Was die Könige durch Torheit anrichten, das muss das Volk bezahlen oder entgelten; aber ein weiser König zerstreut die Gottlosen.

Darum, liebe Herren, nehmt euer Tun wahr! Das, wozu ihr berufen seid, dass ihr in reiner Gottesfurcht die offenbaren Übeltäter mit aller Billigkeit und christlichen Einsicht züchtigen und strafen sollt, als da sind Diebe, Mörder, Sodomiten, Ehebrecher, Frauenschänder, Totschläger, Gewalttreiber, Hurer, Zauberer, Straßenschänder, Räuber; dass ihr Recht und Gerechtigkeit haltet und die Unterdrückten aus des Gewaltigen Hand erlöst; dass ihr den offenbaren Verführern, welche die armen, elenden Seelen zu Hunderttausenden so jämmerlich ins Verderben führen, mit redlichen Mitteln (versteht ohne Tyrannei und Blutvergießen) wehren sollt, mögen sie nun Pfaffen, Mönche, Prädikanten, Getaufte oder Ungetaufte sein; auf dass sie die allmächtige Majestät Gottes, unseren alleinigen und ewigen Seligmacher Christus Jesus und den heiligen Geist mit dem Wort der Gnade nicht mehr so verkleinern, noch den leichtfertigen Missbrauch und die Abgötterei, in einem Schein der Wahrheit, einführen, wie es bisher so vielfältig geschehen ist; auf dass ihr dadurch das Reich Gottes ohne alle Gewalt, ohne alles Blut oder Schwert, sondern lediglich durch eure gnädige Bewilligung oder Zulassung, euren weisen Rat und durch das Beispiel eines frommen, unsträflichen Lebens, in aller Liebe und mit Ernst ausbreiten und demselben vorstehen mögt.

Seht, liebe Herren, dies ist euer Beruf und Pflicht eures Amtes, herrscht nicht so grausam über die Kinder Gottes und über des Herrn Wort, wie so viele von euch tun, so dass es eine Gewohnheit geworden ist.

Solche Fürsten waren Mose und Josua, David, Hiskia, Josaphat, Josia, Serubbabel; sie führten den ihnen anbefohlenen Dienst redlich aus, schickten sich nach Gottes Wort, regierten ihre Untertanen mit einer ernstlichen Sorge, befolgten des Herrn Befehl, schafften die falschen Propheten und Baalspriester mit ihren Altären, Höfen und Abgöttern ab, erhielten treulich ihr Volk und Land nach des Herrn Ordnung, Gesetz und rechten Gottesdienst, wie solche durch Mose befohlen; denn die Furcht Gottes war in ihrem Herzen und das Gesetzbuch in ihren Händen, nach welchem sie sich hielten und das Volk richteten; sie waren allezeit des Herrn, ihres Gottes, eingedenk, der sie zu solchen hohen Potentaten und Regenten über sein Volk gesetzt hatte.

Sie fürchteten Gott von Herzen, priesen seinen Namen und erniedrigten sich vor ihm mit allen Kräften gleich wie David tat, als er mit einem leinenen Leibrock umgürtet, vor des Herrn Arche tanzte, ja dass er auch von seiner Hausfrau Michal verachtet wurde; aber er sprach: Ich will vor dem Herrn spielen, der mich erwählt hat und will noch geringer werden in meinen Augen.

O ihr hochberühmten, edlen Herren, glaubt doch Christi Wort, fürchtet Gottes Zorn, habt lieb die Gerechtigkeit, tut Witwen und Waisen recht, urteilt recht zwischen Mann und Mann, fürchtet niemandes Hoheit, verachtet niemandes Kleinheit, hasst allen Geiz, straft mit Einsicht, lasst Gottes Wort in der Freiheit lehren, verhindert niemand in der Wahrheit zu wandeln, beugt euch unter dessen Zepter, der euch zu diesem hohen Dienst berufen hat, so soll euer Thron fest bleiben.

Da nun das Zepter Christi ein gerechtes Zepter ist und einen jeglichen ohne irgendwelches Ansehen der Person lehrt, urteilt und straft, muss ich Armer und Ungelehrter meine Blödigkeit zurücksetzen und in der Liebe kühn werden, durch welche ich eure armen Seelen gern erlösen möchte, aus welcher Ursache ich mit Samuel den Saul, mit Abija den Jerobeam, mit Elia den Ahab, mit Jesaja den Hiskia und mit Nathan und Gad den David ihrer Missetaten und Übertretung wegen strafen muss, um dadurch meines Herrn Geist, Wort und Willen zu verkündigen. Wer weiß ob nicht jemand sein wird, der seines armen Dieners Treue und Liebe merkt, seine wohlmeinende Stimme und christliche Vermahnung hört und dadurch von seinem gottlosen und bösen Weg weicht, gleich wie etliche von den vorgenannten Königen das strafende Wort aus dem Mund der Propheten mit Furcht zur Besserung gehört und demütig angenommen haben.

Und sollte es geschehen, dass mein treuer Dienst und aufrichtige Liebe mit dem Tode belohnt würden, wie ich Grund zu vermuten habe, da ein hoffärtiges, stolzes Fleisch nicht gestraft werden mag, sondern immer seiner üblen Natur folgt, so kann mir doch gleichwohl nichts ärgeres widerfahren, als dem frommen Jesaja von Manasse; Zacharias von Joas; Uria von Joakim; dem Abimelech mit den anderen Priestern von Saul; Johannes von Herodes; Christus von Pilatus und von den Schriftgelehrten; und den Aposteln mit allen frommen Zeugen von der ganzen Welt geschehen ist.

Ich achte mein Leben nicht besser noch teurer als die lieben Männer Gottes das ihre geachtet haben.Mir kann auch nicht mehr denn ein vergängliches, sterbliches Fleisch genommen werden, welches doch einmal, ob ich schon Methusalems Alter erreichte, sterben und wieder zu Erde werden muss. Nicht ein Haar kann von meinem Haupt fallen, ohne den Willen meines himmlischen Vaters; verliere ich dann mein Leben um Christi und seines Zeugnisses willen und um der treuen Liebe zu meinem Nächsten, so weiß ich gewiss, dass ich es werde behalten in das ewige Leben. Ich kann daher die Wahrheit nicht verbergen, sondern muss sie meinen lieben Herren in reiner Furcht Gottes, ohne alle Heuchelei, bezeugen und offenbaren.

Liebe, edle Herren, lernt doch euch selbst einmal recht erkennen, woher ihr gekommen seid, was ihr seid und was ihr werden sollt. Ihr seid alle miteinander, einer wie der andere, er sei Kaiser oder König mit uns Armen und Ungeachteten aus einem Samen entsprossen und in diese betrübte Welt gekommen und seid nichts anderes als ein verschwindender Rauch, ein verfallendes Fleisch, eine verwelkende Blume, gleich Erde und Asche, wie wir alle sind. Heute seid ihr Könige und triumphiert in großen und hohen Ehren, morgen liegt ihr danieder und müsst den Schlangen und Würmern Speise sein.

Ach Herren, meine lieben Herren, erniedrigt euch; gerecht ist der, der eure Sache prüfen und stark ist er, der euch richten wird, sein Name heißt herrschender Herr; er ist der allmächtige, heilige, schreckliche, hochzupreisende und wundertätige Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat und alle Hoheit, Kraft und Gewalt in der Hand seiner Stärke beschlossen hat, ihn lernt erkennen, ihn lernt fürchten. Wacht auf, seht euch vor; es dauert nicht lange, so werdet ihr hören:

»Tu Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein!« (Lk 16,2)

Darum so hört diejenigen nicht, die da großes Einkommen und das faule Leben suchen; sie betrügen euch; sie lehren euch nach eures Herzens Lust; sie schmeicheln euch um des schändlichen Gewinns willen, sie predigen euch arge Betrügereien aus ihres Herzens Gutdünken und nicht aus dem Mund des Herrn; sie mästen ihren Leib und führen gute Tage von der Fettigkeit eurer armen Seelen (liebe Herren, versteht wohl was ich meine), wiewohl sie sich des Evangeliums höchlich rühmen; sondern hört diejenigen, die dem wankenden Rohr nicht gleich sind, die mit Elia und Johannes vor der Wüste des Elends nicht erschrecken, die alle Tage leiden um der Wahrheit willen, die Gold und Holz gleichlieb haben, die Preis und Schmach, Reichtum und Armut, Leben und Tod, sowie alle irdischen Dinge gleich erachten, die allein die Ehre Christi und die Seligkeit ihrer lieben Brüder suchen und nichts anderes predigen als das reine unverfälschte Wort Gottes und zwar mit Geist, Kraft und Werk, wie es von Christus befohlen und von seinen heiligen Aposteln durch die ganze Welt verkündigt und gelehrt ist.

Ich sage noch einmal, hört, folgt und glaubt nicht der Menge der Gelehrten, die sich Doktoren, Herren und Meister nennen lassen, denn sie sind nach Fleisch und Blut gesinnt, sondern sucht und folgt denen, die aller Welt Schauspiel, Kehricht und Fluch sein müssen, denn unter diesen werdet ihr Christi Geist, Wahrheit, Kraft, Werk und Leben finden. Ihr werdet auch durch Gottes Gnade bald wahrnehmen, dass ihr mit euren Lehren, eurem Geist, Glauben, Abendmahl, Leben und Tun, eurer Taufe und Gemeinde, weit außerhalb Christi Geist, Lehre, Gebot, Verbot, Ordnung und Gebrauch seid.

Sagt, o ihr Könige und Richter in dem Land: Wo ist doch euer Glaube und eure Liebe, mit ihrer frommen Art? Wo ist die Furcht eures Gottes? Euer Licht und Leuchte? Euer demütiges, abgestorbenes Herz? Und euer unsträfliches, gottseliges Leben, das aus Gott ist? Ist es nicht alles lauter Welt und Fleisch, was ihr sucht und treibt? Man findet ja meistenteils in euren Häusern und Höfen nichts anders als prunkenden Überfluss kostbarer Kleider, Stolz und Übermut des Herzens und Unersättlichkeit in Geiz, Hass und Neid, Hinterreden, Verraten, Hurerei, Frauenschänden, Spielen, Fressen, Saufen, Tanzen, Fluchen, Schwören, Stechen, Brechen. Dies ist euer ritterlicher Gebrauch und Hofleben während eures ganzen Lebens und ihr bedenkt nicht einmal, durch was für Elend, Trübsal, Demut, Liebe und Gerechtigkeit, der Herr aller Herren und der König aller Könige den Weg vor euch gewandelt hat, was er die Menschenkinder lehrte und welch ein Vorbild und Beispiel er ihnen gelassen hat. Der Elenden Betrübnis und Jammer erreicht nicht eure Ohren; der Armen Schweiß baut eure Häuser; der Unschuldigen Blut rötet eure Hände; ihr empfangt Geschenke und Gaben, damit ihr die Gerechtigkeit biegt und haltet Rat wider den Herrn und seinen Gesalbten. Die Propheten Isebels und die Priester Baals, Lustprediger und Schmeichler, sind bei euch in großen Würden, sitzen auf sanften Kissen und leben wohl. Aber die euch mit Micha das Unglück und die rechte Wahrheit predigen, müssen Kerker und Banden erwarten und werden des Todes und aller Schande wert erachtet; ja, so weit ist es gekommen (gebe Gott eine bessere Zeit), dass wenn wir vier oder fünf, zehn oder zwanzig in des Herrn Namen versammelt sind um von des Herrn Wort zu sprechen und des Herrn Werk zu treiben, die Christus in ihrer Mitte haben, Gott von Herzen fürchten und ein frommes, unsträfliches Leben führen vor der ganzen Welt, sie gewärtig sein müssen, falls man sie ergreift und deswegen anklagt, vom Feuer und Schwert verzehrt oder in die Tiefe des Wassers versenkt zu werden.

Diejenigen aber, welche in Belials Namen versammelt sind, die Versammlung aller Bosheit, die Sodom und Gomorra weit in der Ruchlosigkeit übertreffen, wo Mann mit Mann und Frau mit Frau unmenschliche Dinge treiben, wie in Spanien, Italien und in den Klöstern geschieht, nämlich: Die offenbaren Hurenhäuser, Spielhäuser, Fechtschulen, die verfluchten, trunkenen Herbergen und die darin in offenbarer Schande leben und so schändlich wider Gottes Wort handeln, leben in aller Freiheit und im Frieden.

Ich schweige noch von den öffentlichen Versammlungen aller Abgötterei, wo der hochgelobte, teure Name Gottes so jämmerlich gelästert, das Blut Christi verachtet, der heilige Geist betrübt, die Wahrheit geschändet, die Lügen gepriesen, die armen Seelen verführt und das blinde, dumme Volk nicht allein zum Wasser, Brot, Wein und den Messen gewiesen wird, sondern auch zu den stummen Abgöttern wie Holz, Stein, wie man an vielen Orten leider sehen mag.

Ach, meine liebe Herren, was macht ihr? Wo ist doch das Schwert der Gerechtigkeit, welches, wie ihr euch rühmt, euch übergeben wurde? Ihr müsst ja bekennen, dass ihr dasselbe in seiner Scheide stecken lasst und das Schwert der Ungerechtigkeit an dessen statt gezogen habt. Ja, liebe Herren, es geht so zu, dass die Propheten wohl mit Recht schreiben und rufen mögen:

»Deine Fürsten sind Abtrünnige und Diebsgesellen, sie nehmen alle gern Geschenke, und trachten nach Gaben; dem Waisen schaffen sie nicht Recht, und der Witwen Sache kommt nicht vor sie. Darum spricht der Herrscher, der Herr der Heerscharen, der Mächtige in Israel: O weh! Ich werde mich trösten durch meine Feinde, und mich rächen durch meine Feinde.« (Jes 1,23–24)

»Siehe, die Fürsten in Israel, ein jeglicher ist mächtig bei dir, Blut zu vergießen. Vater und Mutter verachten sie, den Fremdlingen tun sie Gewalt und Unrecht, die Witwen und Waisen schänden sie.« (Hes 22,6–7)

Sie sind gleich den reißenden Wölfen um Blut zu vergießen und Seelen zu vernichten ihres Geizes wegen.

»Siehe, ich schlage meine Hände zusammen über den Geiz, den du treibst, und über das Blut, so in dir vergossen ist.« (Hes 22,13)

»Wehe denen, die Schaden zu tun trachten, und gehen mit bösen Tücken um auf ihrem Lager, dass sie es früh, wenn es licht wird, vollbringen, weil sie die Macht haben. Sie reißen zu sich Äcker und nehmen Häuser, welche sie gelüstet; also treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause, und mit eines jeden Erbe. Darum spricht der Herr also: Siehe, ich gedenke über dies Geschlecht Böses, aus dem ihr euren Hals nicht ziehen, und nicht so stolz daher gehen sollt; denn es soll eine böse Zeit sein.« (Mi 2,1–3)

»Höret doch, ihr Häupter in dem Haus Jakobs, und ihr Fürsten in dem Haus Israels, ihr sollt es billig sein, die das Recht wüssten, aber ihr hasst das Gute und liebt das Arge. Ihr zieht ihnen die Haut ab, und das Fleisch von ihren Beinen, und fresst das Fleisch meines Volks und wenn ihr ihnen die Haut abgezogen habt, zerbrecht ihr ihnen auch die Beine, und zerlegt es wie in einen Topf, und wie Fleisch in einen Kessel. Darum, wenn ihr nun zu dem Herrn schreien werdet, wird er euch nicht erhören, sondern wird sein Angesicht vor euch verbergen, zu derselben Zeit, wie ihr mit eurem bösen Wesen verdient habt.« (Mi 3,1–4)

»Wehe der scheußlichen, unflätigen, tyrannischen Stadt! Sie will nicht gehorchen, noch sich züchtigen lassen; sie will auf den Herrn nicht trauen, noch sich zu ihrem Gott halten. Ihre Fürsten sind unter ihnen brüllende Löwen, und ihre Richter Wölfe am Abend, die nichts lassen bis auf den Morgen überbleiben. Ihre Propheten sind leichtfertig, und Verächter; ihre Priester entweihen das Heiligtum, und deuten das Gesetz freventlich. Aber der Herr, der unter ihnen ist, lehrt wohl recht und lehrt kein Arges; aber die bösen Leute wollen sich nicht schämen lernen. Darum will ich diese Leute ausrotten, ihre Schlösser verwüsten, und ihre Gassen so leer machen, dass niemand drauf gehen soll.« (Zeph 3,1–6)

Eurer gibt es wenig, ja ich fürchte kaum einen, der den Herrn von Herzen sucht, fürchtet, liebt oder dient; darum wird auch der Zorn Gottes wie Wasser über euch ausgeschüttet werden und das Schwert der Rache über euch kommen, wie man an vielen Orten täglich sehen mag.

Der weise Mann spricht:

»Euch ist die Obrigkeit gegeben vom Herrn und die Gewalt vom Höchsten, welcher wird fragen wie ihr handelt und forschen was ihr ordnet. Denn ihr seid seines Reiches Amtleute; aber ihr führt euer Amt nicht fein und haltet kein Recht und tut nicht nach dem, das der Herr verordnet hat. Er wird gar gräulich und kurz über euch kommen und es wird gar ein scharfes Gericht gehen über die Oberherren. Denn den Geringen widerfährt Gnade; aber die Gewaltigen werden gewaltig gestraft werden. Denn der, so aller Herr ist, wird keines Person fürchten, noch die Macht scheuen; er hat beide die Kleinen und Großen gemacht und sorgt für alle gleich. Über die Mächtigen aber wird ein starkes Gericht gehalten werden.« (Weish 6,3–8)

Darum, liebe Herren, seht euch vor mit aller Weisheit, damit ihr euer hohes und gefährliches Amt recht nach dem Willen Gottes verwalten mögt; denn ich fürchte, dass viele von euch bisher dieser Sache sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben, woher es denn kommt, dass sich der Antichrist mit seiner Ungerechtigkeit erhebt und Christus mit seiner Gerechtigkeit verstoßen wird; nehmt doch einmal dasjenige zu Herzen, was geschrieben steht:

»Seid fern von falschen Sachen; den Unschuldigen und Gerechten sollst du nicht erwürgen, denn ich lass den Gottlosen nicht recht haben, spricht der Herr.« (2Mo 23,7)

Hier weiß ich wohl, dass wir von Münster König, Reich, Polygamie, Schwert, Dieberei, Mord und dergleichen Gräuel und Schande mehr hören müssen, welche, wie ihr allezeit sagt, aus der Taufe folgen und verfolgt so unter solchem Vorwand alles, was des Herrn Mund befohlen und die heiligen Apostel gelehrt und geübt haben und ihr führt etliche der aufrührerischen Sekten und Rotten an, damit der Gelehrten stürmische Anklage und euer Blutvergießen gutgeheißen werden möge.

Nein, meine lieben Herren, nein, es wird euch nicht befreien können an dem Tag der Gerechtigkeit Gottes. Ich sage euch die Wahrheit in Christus; nehmt die recht getauften Jünger Christi wahr, die mit dem Geist und Feuer von innen und mit dem Wasser von außen, nach Inhalt von Gottes Wort getauft sind, dieselben kennen keine Waffen als allein Geduld, Hoffen, Schweigen und Gottes Wort.

»Die Waffen unserer Ritterschaft (sagt Paulus) sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, zu zerstören die Befestigungen; damit wir zerstören die Anschläge und alle Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alle Vernunft unter dem Gehorsam Christi.« (2Kor 10,4–5)

Unsere Waffen sind nicht Waffen womit man Städte und Länder verwüstet, Mauern und Tore zerbricht und das menschliche Blut wie Wasser vergießt, sondern es sind Waffen mit denen man das Reich des Teufels zerstört, das gottlose Wesen in den Gewissen der Menschen vernichtet und die steinharten Herzen zerknirscht, welche noch nie von dem himmlischen Tau des heiligen Worts besprengt worden sind. Wir haben und kennen auch keine anderen Waffen, das weiß der Herr, und sollten wir gleich in tausend Stücke zerrissen werden; und obschon so viele falsche Zeugen wider uns aufstünden, als Gras auf dem Felde und Sand am Meer ist.

Noch einmal: Unsere Burg ist Christus; unsere Gegenwehr Geduld; unser Schwert ist Gottes Wort und unser Sieg ist der freimütige, feste, ungefärbte Glaube an Christus Jesus. Eisen, Metall, Spieß und Schwerter lassen wir denjenigen, die leider Menschen und Säueblut in gleichem Wert achten. Wer verständig ist, der urteile was ich meine.

Wir bekennen wohl, liebe Herren, dass etliche von den falschen Propheten äußerlich dem Scheine nach mit derselben Taufe als wir getauft worden sind, gleichwie auch Diebe, Mörder, Straßenräuber, Zauberer und dergleichen, mit euch getauft sind; sie waren aber von den unseren nicht, denn wären sie von uns gewesen, wie Johannes sagt, so wären sie wohl bei uns geblieben.

»Falsche Christi und falsche Propheten werden aufstehen spricht Christus und große Zeichen und Wunder tun, dass verführt werden in den Irrtum (wo es möglich wäre) auch die Auserwählten; siehe, ich habe es euch zuvor gesagt.« (Mt 24,24–25)

Diese Warnung Christi erging nicht an die gottlosen, verstockten Sünder; denn diese sind bereits im Netze der Ungerechtigkeit verstrickt, sondern wurde denjenigen gegeben, die zerbrochenen Herzens sind und bereitwillige Seelen haben, damit sie den Geist erkennen lernen und sich nicht in den Irrtum führen lassen;

»denn der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe, und sucht, welchen er verschlinge.« (1Pt 5,8)

Des Teufels List und Schlauheit, der sich mit der Klarheit eines Engels schmücken kann, sind etlichen nicht bekannt, darum haben so viele gestrauchelt, sich geirrt und sind von dem Verführer leider auf den falschen Weg geleitet worden. Solches aber geschah nicht durch die Taufe; denn das Wasser, als ein Element betrachtet, vermag weder zu lehren noch zu verkehren; es geschah vielmehr durch die falschen Propheten, vor welchen, sage ich, wir durch des Herrn eigenen Mund so treulich gewarnt worden sind.

Liebe Herren, fürchtet Gott und urteilt recht; die Wahrheit Gottes kann nimmermehr um des Teufels Lügen willen eine Verführung und ein Irrtum werden. Ach nein, Gottes Wort bleibt in Ewigkeit.

Sollten die frommen Engel um Luzifers Hoffart ungerecht verurteilt und mit seiner Strafe gestraft werden; oder sollten die unschuldigen Apostel um Judas willen alle Verräter heißen? Keineswegs; ein jeglicher muss seine eigene Sünde tragen.

»Der Sohn soll nicht tragen die Missetat des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Missetat des Sohnes. Welche Seele sündigt, die soll sterben.« (Hes 18,20)

Könnten wir der Lehre Christi und seiner Apostel einen Vorwurf machen, dass der Vater der Lügen, im Namen Christi, den Gebrauch der Beschneidung als zur Seligkeit erforderlich, wieder ins Leben gerufen hat? Dass die Toten am jüngsten Tag nicht auferstehen sollen? Dass Philetus und Hymenäus behaupten, dass die Auferstehung der Toten schon geschehen wäre?

Dass etliche vorgaben, dass der große Tag des Herrn vor der Tür wäre? Was konnten die Apostel dafür, dass die Nikolaiten ihre Weiber gemeinsam hielten, wie Eusebius erzählt? Dass die Ebioniten die Gottheit Christi verleugneten und lehrten, dass Christus erst in der Maria seinen Anfang genommen hätte? Und dass die Korinther den Begriff hatten, dass die Welt durch die Engel gemacht wäre; dass Christus nichts mehr als ein Mensch wäre und noch nicht auferstanden sei, sondern mit uns in zukünftiger Zeit erst auferstehen und danach noch tausend Jahr mit den Seinen im Fleische regieren würde?

Alle diese Sekten erhoben sich zu der Apostel Zeit, aber dennoch ist das Evangelium Christi, das wahrhaftige Evangelium und die Lehre der Apostel, die rechte Lehre geblieben.

Die Schrift lehrt, dass man solche Sektenmacher und ketzerischen Menschen scheuen und meiden soll; wir hoffen auch demselben in gutwilligem Gehorsam nachzufolgen, alle Tage unseres Lebens.

Darum, meine lieben Herren, fällt in dieser Sache ein unparteiisches und vernünftiges Urteil gleich wie vor Gott, der euch an seinem großen Tage richten wird; darum bitten wir euch um Jesu willen. Denn wir suchen hier auf Erden nichts, das weiß der Herr, als den rechten Grund der Wahrheit, den Preis Christi, einem dem Worte gehorsamen Wandel und das mit einem guten Gewissen, gleich wie wir mit Schriften, Worten, Gut, Blut, Leben und Tod vor der ganzen Welt bezeugen und offenbar machen.

Wir schreiben euch die Wahrheit in Christus und lügen nicht, wenn wir sagen, dass wir keinen König nach dem Geist anerkennen und lehren, weder oben im Himmel noch unten auf Erden, als allein den einigen, ewigen und wahrhaftigen König, den geistlichen David Christus Jesus, der allein Herr aller Herren, ein König aller Könige ist.

Und so jemand ist, der sich im Reich und der Herrschaft Christi als König aufwirft, gleichwie Johann von Leiden zu Münster getan hat, so wird derselbe mit Adonija (1Kön 1) der Strafe nicht entgehen, denn der wahrhaftige Salomo, Christus Jesus, muss allein das Reich behalten und ewiglich auf Davids Stuhl sitzen. Aber nach dem Fleisch lehren und ermahnen wir, dem Kaiser, König, den Herren und Fürsten, ja, aller Obrigkeit gebührenden Gehorsam zu leisten in allen zeitlichen Erlassen und polizeilichen Anordnungen, so weit dieselben nicht wider Gottes Wort sind (Röm 13,1–3).

Wir lehren und bekennen auch, dass wir von keinem anderen Schwerte, keinem Aufruhr in Christi Reich und Kirche wissen, als von dem scharfen Schwert des Geistes, Gottes Wort, wie wir in allen unseren Schriften genügend erklärt haben, welches schärfer und durchdringender ist als ein zweischneidiges Schwert und aus des Herrn Mund kommt (Offb 1; 2; 19), damit wir aufrührerisch machen den Vater wider den Sohn und den Sohn wider seinen Vater, die Mutter wider ihre Tochter und die Tochter wider ihre Mutter und die Schwiegertochter wider ihre Schwiegermutter.

Aber das Schwert der weltlichen Polizei überlassen wir denen, denen es übergeben ist. Ein jeder hüte sich, dass er sich am Schwert nicht vergreife und in des Schwertes Strafe falle (Mt 26,52).

Wir bekennen, lehren und bewilligen keine andere Ehe als die, welche Christus und seine Apostel öffentlich und klar im Neuen Testament gelehrt haben, nämlich ein Mann und eine Frau (Mt 19,4) und dass dieselben nicht geschieden werden sollen, es sei denn des Ehebruchs halber (Mt 5,32), denn die zwei sind ein Fleisch; wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so ist in solchen Fällen der Bruder oder die Schwester nicht gebunden (1Kor 7,15).

Kein Reich kennen, lehren oder suchen wir, als das herrliche Reich Christi, das ewig währen soll, in welchem es keinen Prunk, keine Pracht, kein Gold, Silber, Essen und Trinken gibt, sondern wo Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist ist; mit Christus bekennen wir, dass unser Reich nicht von dieser Welt ist; wir haben nichts in diese Welt gebracht, darum werden wir auch nichts hinaus bringen, wie die Schrift sagt (1Tim 6,7).

Wir wissen von keinem Mord, viel weniger lehren oder gestatten wir denselben, denn wir glauben wahrlich, dass ein Totschläger keinen Teil am Reich Gottes hat (Gal 5,21). Ach liebe Herren, wie sollten wir doch eines einzigen Menschen Blut begehren, da wir selber alle Tage sterben um der Menschen willen? Der Herr, der uns geschaffen hat, weiß, dass wir nichts suchen, als die ganze Welt zu unterweisen und ihr voranzugehen mit der Lehre, dem Leben, Blut und Tode, damit dieselbe nachdenken, aufmerken, aufwachen, Buße tun und selig werden möge, denn das ist der reinen Liebe Art und Natur, für ihre Verfolger zu bitten, Gutes für Böses zu tun, seinen Feind zu lieben, feurige Kohlen auf sein Haupt zu sammeln und die Rache dem anheim zu stellen, der recht richten wird (Röm 12,20).

Wir wissen von keinem Diebstahl, viel weniger lehren oder gestatten wir denselben, sondern wir sind vor Gott und den Menschen bereit, unsere eigenen Güter, unser Gold, Haus, Hof und alles was wir haben, wie wenig es auch sei, dazu unseren sauren Schweiß und unsere Arbeit, den rechten Armen zu ihrer Notdurft von ganzem Herzen mitzuteilen, wie solches des Herrn Geist und Wort und die wahre, brüderliche Liebe uns lehren. Wir wissen auch wohl, dass Diebstahl in der Schrift ausdrücklich verboten ist (Eph 4,28), dass derselben nach den Landesgesetzen mit dem Galgen und, wenn Bekehrung nicht stattfindet, nach Gottes Wort mit dem ewigen Tode bestraft wird.

Der allmächtige, barmherzige Herr wird ohne Zweifel alle frommen, gottesfürchtigen Herzen, die ihn erkennen und in ihm getreulich verharren, vor allen solchen schrecklichen Irrtümern und gottlosen Gräueltaten durch seine väterliche Gnade und Kraft und durch seinen Geist bis ans Ende behüten und unanstößig verbleiben lassen.

Und sollte es der Fall sein, dass einer unter uns übrig geblieben wäre, der Gewalt braucht (welches mir gänzlich unbekannt ist) und etwas tun sollte, das aus dem Teufel wäre, so wisst, meine lieben Herren, dass ein solcher von Anfang an nicht zu uns gehört hat und niemals zu uns gehören wird, es sei denn, dass er sich von Herzen bekehre, wahre Buße tue und eins mit Christi Geist, Lehre und Vorbild werde, wie die Schrift lehrt. Der liebe Herr gebe, dass sie aufwachen und ihre Augen öffnen möchten, damit sie ihre Werke erkennen lernen, ihre Schande sehen und von des Teufels Schlinge los werden, in der die armen, elenden Leute nach seinem Willen so jämmerlich gefangen sind.

Darum, liebe Herren, hütet euch, dass ihr im Richten des Glaubens nicht den Unverständigen und Ruchlosen gleich seid, die ohne irgendwelche Erkenntnis der Sache, gleich den unvernünftigen Tieren, nach ihrem Gutdünken und Mutwillen das Gute verwerfen und das Böse beloben, ja, die verdammen und verfolgen, was sie nicht verstehen. Noch einmal sage ich, seid solchen blutgierigen, wütenden, frevelhaften Menschen nicht gleich, sondern untersucht die Schrift mit Zittern, bittet mit Salomo um Weisheit, seht auf Christi Geist, Wort, Tun und Vorbild und richtet so ein unparteiisches und rechtes Gericht, nach der Wahrheit, wie allen Fürsten und Richtern von Gott in der Schrift auferlegt und befohlen ist, wie schon erwähnt.

Ach, liebe Herren, gebt Acht. Sind unser Glaube, unsere Lehre, Sakramente, unser Handel und Tun nicht aus Gott, wie die Verleumder überall sagen, so sind wir die elendsten unter allen Menschen auf Erden; denn wir würden in solchem Falle auf dieser Welt von jedermann als Verführer, Ketzer, Wiedertäufer, Buben, Fußschemel und als ein Raub angesehen werden, würden Pranger, Galgen, Rad, Schwert, Feuer, Wasser und alles andere Elend erdulden, trotzdem dass unsere armen Seelen dennoch ein Eigentum des Teufels und der Hölle werden müssten, wie ernstlich wir auch immer in unsrer Schwachheit den Herrn suchen und es redlich meinen mögen. Ach nein, meine lieben Herren, nein, Christi Geist, Lehre und Leben werden uns nicht betrügen, denn sein Wort ist die Wahrheit und seine Gebote das ewige Leben. Gottes Verheißungen stehen fest und unbeweglich und werden den Gottesfürchtigen nimmermehr fehlen.

Darum bitten und ermahnen, ja raten und begehren wir, dass ihr doch einmal gegenüberstellen wollt unser Suchen eurem Suchen, unseren Geist eurem Geist, unsere Lehre der Gelehrten Lehre, unseren Wandel eurem Wandel, unsere Armut eurem Reichtum, unsere Schmach eurer Ehrfurcht, unsere Bekümmernis und Trübsal eurer Wollust und üppigem Leben, unsere Geduld eurer Tyrannei und unsere harten Bande, unseren schmählichen Tod eurem unbarmherzigen, wütenden Grimm (ich spreche mit Bezug auf die Schuldigen); sollt ihr dann noch finden, dass eure Lehre, euer Glaube, Leben, Suchen und Tun mit des Herrn Geist, Wort und Leben stimmen und besser als die unsrigen sind, so unterweist uns mit einem väterlichen Geist, wir wollen gerne hören und gehorsam sein, denn der Wahrheit begehren wir nachzukommen bis in den Tod.

Könnt ihr uns aber nicht mit der Schrift verweisen und seht, dass unsere Lehre die beste ist, so wäre es ja ganz heidnisch, ja gottlos und tyrannisch, uns mit Gewalt und Schwert aus dem Leben in den Tod zu treiben und aus dem Himmel in die Hölle zu stürzen, das müsst ihr wohl selbst anerkennen und zugestehen. Aber soviel Überlegung, fürchte ich, wird man uns elendigen Kindern nicht schenken, dass man einmal die Sache auf der Waage des heiligen Worts wöge und sie mit der Richtschnur Christi abmesse. Sondern der Pfaffen Schmähen, Verrat und Aufruhr, zusammen mit euren unbarmherzigen Mandaten, müssen unsere Schrift sein; und eure Henker, Folterknechte und Peinbank, euer Wasser, Pranger, Feuer und Schwert, die wir betrübten Kinder an vielen Orten gewahren und, o Gott, zuletzt mit unserm Gut und Blut bezahlen müssen, unsere Lehrer und Unterweiser. Wie solches sich aber mit Christi Geist, Lehre, Leben und mit der christlichen Anspruchslosigkeit, Liebe und Freundlichkeit verträgt, darüber mögt ihr, meine lieben Herren, ein wenig reiflicher nachdenken. Wir wissen wohl, dass alle Blutprediger, die solches lehren und raten und alle Regenten, die es üben und handhaben Christi Jünger nicht sind; die Stunde eurer Rechenschaft aber, wenn ihr von hinnen müsst, wird euch die Wahrheit lehren. Es geziemt sich nicht, sagt Cyprianus, dass solch löwenähnliche Wut, solch wolfartiger Grimm in eines Christen Herz wohne. Ach wie gut würde es für etliche von euch sein, dass sie nimmer geboren wären; denn sie kümmern sich weder um Gesetz noch Evangelium, weder um Himmel noch um Hölle, weder um Gott noch den Teufel; das böse Fleisch aber folgt seiner üblen Neigung.

Meint ihr, liebe Herren, dass der allmächtige Gott und Herr, der Himmel und Erde mit seiner Hand fasst, der tötet und lebendig macht, der regierende König über alles, der mit dem Wort seiner Stärke alles erschaffen hat, unterhält und vernichtet, das verzehrende Feuer, vor welchem Berge wie Wachs zerschmelzen (Ps 97,5), eurem fleischlichen Sinn und irdischen Gemüt nachgeben und weichen werde? Nein, nein vor ihm gilt der Große nicht mehr als der Geringe, der Reiche nicht mehr als der Arme, der Starke nicht mehr als der Schwache, der Gelehrte nicht mehr wie der Ungelehrte, der Kluge nicht mehr wie der Narr; vor ihm gibt es kein Ansehen der Person; alle, die ihn nicht fürchten und sich nicht nach seinem Rat, Geist, Vorbild und seiner Lehre schicken, mögen sie nun Kaiser oder König, Doktor oder Lizentiat sein, müssen ewiglich seine Strafe tragen und seinem Gericht und Zorn unterworfen sein.

Liebe Herren, fürchtet Gott, handelt recht, lernt Weisheit und Wahrheit, reinigt eure Hände, die von dem Blut der Unschuldigen triefen und denkt darüber nach, wie der gerechte Gott alles Unrecht, allen Frevel und alle Gewalt zu seiner Zeit straft und wie hart er das unschuldige Blut, die Marter und den Tod seiner Heiligen an den mutwilligen und blutgierigen Tyrannen von Anfang bis hierher gerächt hat und bis an das Ende rächen und von ihnen fordern wird.

Der blutdürstige Kain musste sein Leben lang im Lande ein fluchbeladener, obdachloser Flüchtling sein, weil er seinen unschuldigen Bruder Abel so grausam ermordete. Der unbarmherzige, freche Mörder Pharao kam mit seinem ganzen Heer im roten Meer um, weil Gottes gerechtes Gericht über ihn erging, welches er durch seine Unbarmherzigkeit und Tyrannei gegen die Kinder Jakobs, Gottes Volk, verschuldet hatte.

Joas wurde von seinen eigenen Knechten umgebracht, als Rache des unschuldigen Blutes Zacharias, den er zwischen dem Tempel und Altar umbringen ließ (2Kön 12; 2Chr 24,20–22).

Manasse wurde gefangen nach Babel geführt, um seiner Gräuel und Abgötterei willen und um des unschuldigen Blutes willen, mit welchem er Jerusalem erfüllt hatte (2Chr 33,1–3).

Ahab wurde mit einem Pfeil durchschossen und sein Blut von den Hunden bei dem Wasser Samarias aufgeleckt (1Kön 22,34–38) und seine Frau Isebel zum Fenster hinausgeworfen, mit Pferden zertreten und ihr Fleisch von den Hunden gefressen (2Kön 9,33), zur Strafe für ihre ruchlose Tat und des Blutes Nabots, nach des Herrn Wort, welches er durch Elia den Tisbiter redete.

Sanherib musste Jerusalem mit Schande verlassen um der anmaßenden Lästerworte willen, mit welchen er den allerhöchsten Gott gehöhnt hatte. Der Engel des Herrn schlug in seinem Lager 125 000 in einer Nacht und er selbst wurde von seinen eigenen Söhnen mit dem Schwert durchstochen im Tempel seines Abgotts Nisroch (2Kön 19,35–37).

Nebukadnezar wurde seines Hochmuts wegen sieben Zeiten oder Jahre von den Leuten verstoßen; er wurde den unvernünftigen Tieren gleich, wandelte auf dem Felde, aß Gras wie die Ochsen, lag unter des Himmels Tau und wurde nass, bis dass sein Haar wuchs, so groß wie Adlers Federn und seine Nägel, wie Vogels Klauen (Dan 4,32–33).

Belsazar prasste mit seinen Gewaltigen, Hauptleuten, Frauen und Nebenfrauen, sie waren fröhlich, tranken aus den heiligen Geschirren, die Nebukadnezar, sein Vater, aus dem Tempel zu Jerusalem geraubt hatte; und da sie nun in voller Freude und Wonne waren und ihre goldenen, silbernen, kupfernen, eisernen und steinernen Götter priesen, wurde der unbußfertige, verstockte Tyrann in der selbigen Nacht ohne alle Barmherzigkeit von Gott gestraft, dass er auf einmal Land und Leute, Leib und Leben verlor (Dan 5,23–30).

Antiochus, mit dem Zunamen der Edle, ein König und Fürst aller Bosheit und ein Tyrann aller Tyrannen, wurde von Gott mit solcher Plage gestraft, dass noch bei Lebzeiten Maden aus dem verfluchten Leibe wuchsen, dass er mit großen Schmerzen verfaulte, so dass ganze Stücke von seinem Leibe fielen; und stank so übel, dass niemand vor dem Gestank bleiben konnte. Gottes gerechter Zorn erging über den gottlosen Bösewicht und er musste so in unerhörter Pein und Schmerzen sein hoffärtiges, blutgieriges, unrechtschaffenes Leben enden und von der Welt scheiden (2Makk 9,9–12).

Als Herodes, angetan mit Gewändern königlicher Pracht und auf seinem Throne sitzend, infolge seiner Redekunst und Weisheit von dem Volke geschmeichelt wurde, erhob er sich in seinem Herzen wider Gott. Zur selbigen Stunde aber wurde er von des Herrn Engel geschlagen, wurde von den Würmern gefressen und schied, nach dem Schreiben Eusebius’, aus diesem Leben auf eine Weise, dass alle stolzen, hochmütigen Tyrannen sich in dieser Begebenheit gleich wie in einem Spiegel beschauen und vor diesem Bilde erschrecken sollten.

Kurz, wie es Pilatus, Nero, Domitian, Maximinio, Diocletian und allen frevelhaften und blutdürstigen Tyrannen gewöhnlich ergangen ist und was für ein Ende sie genommen haben, die wider Christus und seine Heiligen aufgetreten sind, mag man sowohl in der Schrift als den Historien nachsuchen.

Durch welche Art des Todes und mit welchem Gewissen einige der Blutschuldigen unserer Tage ihr zeitliches Leben beschließen, will ich, gewisser Ursache halber, unerwähnt lassen, und nur soviel sagen, dass weder Kaiser noch Mandat, auf welche sie ihr Leben lang sich beriefen, in der Todesstunde ihnen Frieden oder Trost geben konnten, sondern dass sie oftmals in ihrem Herzen tief betrübt waren und bitterlich über das unschuldige Blut klagten und bekümmert waren, dass sie in des Kaisers Namen vergossen hatten, indem sie sagten: Ach wir armen, elenden Menschen, was sollen wir jetzt tun!

O Gott, was für Rat? Liebe Herren, was für Rat soll euch gegeben werden? Wie wird es mit euren armen Seelen stehen an dem Tage

»an welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen; die Elemente aber vor Hitze schmelzen werden und die Erde und die Werke, die darauf sind, verbrennen werden?« (nach 2Pt 3,10)

Wenn wir alle vor dem Richterstuhl erscheinen und vor den unparteiischen Richter treten müssen? Wenn ein jeglicher den Lohn für seine Werke empfangen wird?

»Der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.« (Ps 121,4)

»Denn noch über eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und nicht verziehen.« (Hebr 10,37)

Darum lasst ab, dem Herrn in seine Augen zu greifen; denn wer seine Heiligen anrührt, der rührt den Apfel seiner Augen an. Habt Mitleid mit euren armen Seelen, welche es mit dem ewigen Tode entgelten müssen, so ihr euch nicht von ganzem Herzen zu Gott bekehrt und von dem Blut seiner Heiligen absteht, die täglich zu ihm rufen:

»Herr, du Heiliger, und Wahrhaftiger, wie lange richtest du, und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?« (Offb 6,10)

Sie rufen (sage ich) und ihr Rufen steigt auf zu den Ohren des Herrn Zebaoth, er wird sein Volk rächen und das Blut seiner Knechte von euren Händen fordern.

Entschuldigt euch nicht damit, ihr lieben Herren und Richter, dass ihr des Kaisers Diener seid; es wird euch nicht befreien können an dem Tage der Rache. Es hat Pilatus nichts geholfen, dass er Christus in des Kaisers Namen kreuzigte. Darum dient dem Kaiser in kaiserlichen Sachen, so weit die Schrift zulässt und es nicht wider Gott und sein Wort verstößt, aber dient Gott in göttlichen Sachen und ihr mögt euch seiner Gnade vertrösten.

Greift nicht in das Recht und Reich Christi, denn er allein ist der Regent der Gewissen und außer ihm gibt es keinen anderen; ihn lasst in dieser Sache euren Kaiser und sein heiliges Wort euer Mandat sein und ihr werdet des Wütens und Mordens bald satt werden. Ihr müsst Gott gehorchen ehe ihr dem Kaiser gehorcht und sein Wort muss euch mehr gelten, als das des Kaisers; wenn nicht, so seid ihr die Richter, von welchen in Micha geschrieben ist:

»Sie lauern alle aufs Blut; ein jeglicher jagt den andern, dass er ihn verderbe; und meinen, sie tun wohl daran, wenn sie Böses tun. Was der Fürst will, das spricht der Richter, dass er ihm wieder einen Dienst tun soll. Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen, Schaden zu tun, und drehen es, wie sie wollen. Der Beste unter ihnen ist wie ein Dorn, und der Redlichste wie eine Hecke. Aber wenn der Tag deiner Prediger kommen wird, wenn du heimgesucht sollst werden, da werden sie dann nicht wissen, wo aus!« (Mi 7,2–4)

Darum streitet nicht länger wider das Lamm und seine Auserwählten, es wird euch schwer werden, wider den Stachel zu löcken.

Ihr werdet aber mit allen Verächtern in euren Herzen sprechen: wo bleibt die Verheißung seiner Zukunft? Ach, liebe Herren, nehmt wahr, wir haben derer so viele gekannt, die mit euch in Seide und Samt, mit Gold und Silber geprangt, auf hohen Stühlen gesessen und über das unschuldige Blut gerichtet haben, aber nun sind sie nicht mehr; man fragt nach ihren Stätten und sie sind nicht zu finden.

Der Tag wird wie der Blitz hervorbrechen und ihre Stunde sie überfallen als ein Ungewitter; denkt daran und bessert euch. Wir sehen, dass der Baum knospt, der Sommer vor der Tür ist und unser Erlöser eilt, der alle elenden, betrübten Seelen aus ihrer Not erlösen und allen stolzen Verächtern nach ihrem verdienten Lohn vergelten wird.

»Ja der Tag kommt, und ist nicht fern, wenn der Gerechte stehen wird mit großer Freudigkeit wider die, so ihn geängstigt haben und so seine Arbeit verworfen haben. Wenn die selbigen dann solches sehen, werden sie grausam erschrecken vor solcher Seligkeit, der sie sich nicht versehen hätten; und werden untereinander reden mit Reue und vor Angst des Geistes seufzen: Das ist der, welchen wir etwa für einen Spott hatten, und für ein höhnisch Beispiel. Wir Narren hielten sein Leben für unsinnig, und sein Ende für eine Schande. Wie ist er nun gezählt unter die Kinder Gottes und sein Erbe ist unter den Heiligen? Darum so haben wir des rechten Weges gefehlt und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht geschienen und die Sonne ist uns nicht aufgegangen. Wir sind eitle, unrechte und schädliche Wege gegangen und haben gewandelt wüste Unwege; aber des Herrn Weg haben wir nicht gewusst. Was hilft uns nun die Pracht? Was bringt uns nun der Reichtum samt dem Hochmut? Es ist alles dahin gefahren, wie ein Schatten und wie ein Geschrei, das vorüber fährt.« (Weish 5,1–9)

Dann wird das schreckliche, unerträgliche Gericht ergehen über alle die, die Gott nicht kennen und dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind; sie

»werden Pein leiden, das ewige Verderben, von dem Angesicht des Herrn, und von seiner herrlichen Macht; wenn er kommen wird, dass er herrlich erscheine mit seinen Heiligen, und wunderbar mit allen Gläubigen.« (2Th 1,9–10)

; und werden hören:

»Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!« (Mt 25,41)

Alsdann wird euer Lachen in Weinen, eure Freude in Schmerzen, euer herrliches, zeitliches Leben in den ewigen Tod, eure Wollust in ein ewiges Weh, euer Hochmut in Staub und Würmer, eure Gewalt in Leiden, eure Pracht in Gestank verändert und eure frevelhafte, grimmige und unbarmherzige Tyrannei, mit dem unauslöschlichen, höllischen Feuer bestraft werden.

Meine lieben Herren, bei ihm wird nichts verborgen noch vergessen bleiben. Er ist der Richter, der die Herzen und Nieren durchsucht; der die Höhe des Himmels und die Tiefe des Abgrunds und die Länge der Erde kennt, der nicht allein die bösen Werke und unnützen Worte, sondern auch die unreinen, fleischlichen Gedanken strafen und richten wird.

O lieber Herr! O Herr aller Herren! Wo wird man dann den Kaiser und seine Mandaten, die falschen Propheten und ihre betrügliche Lehre finden? Alsdann wird man heulen und weinen und aus geängstigter Seele rufen:

»Ihr Berge fallt auf uns, und ihr Felsen verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Stuhl sitzt, und vor dem Zorn des Lamms!« (Offb 6,16)

Dann und da werdet ihr sehen, dass es nichts als Wind und Lügen waren, worauf ihr euch vertröstet habt.

Liebe Herren, wacht auf, weil es noch heute heißt; rühmt euch nicht, dass ihr aus der Könige und Fürsten Stamm seid und gnädige Herren genannt werdet, es ist doch nichts als Rauch, Staub und Hochmut; sondern rühmt und freut euch, wenn ihr aus Gott geboren werdet, ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk und ein Volk des Eigentums werdet und seine Tugenden verkündigt, der uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat (1Pt 2,9).

Rühmt euch nicht, dass ihr gewaltig auf Erden seid und große Macht habt, sondern rühmt euch dessen, so ihr euer Land in reiner Gottesfurcht, mit Tugend, Weisheit und Gerechtigkeit regiert, zu des Herrn Preis. Rühmt euch nicht, dass ihr Herren und Fürsten, Städte und Länder bezwingen könnt, sondern rühmt euch dessen, so ihr euer irdisches Gemüt bezwingt, eure fleischliche Anfechtung durch Kraft des Glaubens überwindet, dem gottlosen Wesen absterbt und so durch Christus triumphiert und mit allen frommen Kämpfern Gottes dereinst das Reich der Ehre einnehmen und die verheißene Krone von des Herrn Hand empfangen mögt; denn dann seid ihr nicht allein Herren und Könige nach dem Fleisch, sondern ewige, geistliche Könige, die der Prinz und Fürst aller Könige liebt und mit seinem Blut von Sünden gewaschen und zu Königen und Priestern Gottes, seines Vaters, gemacht hat; solche beherrschen und überwinden mit allen Kindern Gottes die Welt, Sünde, falsche Lehre, das Fleisch und Blut, den Tod, Teufel und alle Pforten der Hölle; sie freuen sich nicht, dass ihre Namen in die weltlichen Register der Könige geschrieben sind, sondern sie freuen sich, wenn sie im Himmel im Buche des Lebens verzeichnet sind.

O ihr hochberühmten, edlen Herren und Fürsten, wollt doch diese einfältige, schlichte und doch wahrhaftige Anweisung eures armen Dieners in aller Liebe demütig aufnehmen und nicht verachten, denn ich habe damit eure Hoheiten alle aus gutem Herzen und gründlich zu ermahnen versucht.

Seht nicht auf meine Unscheinbarkeit oder meine geringe Gelehrsamkeit, sondern seht auf Christi Geist, Wort und Vorbild, die ich euch und allen Menschen mit treuem Herzen anempfohlen und gelehrt habe, so gut ich es in meiner Schwachheit vermochte.

Tut rechtschaffene Buße, die vor Gott bestehen kann; klagt und weint mit David; bekleidet euch mit Säcken und härenen Hemden; streut Asche auf eure Häupter, erniedrigt euch mit dem König von Ninive; bekennt eure Schuld mit Manasse, sterbt eurem ehrgeizigen Fleische und Hochmut ab; fürchtet euren Herrn und Gott mit allen euren Kräften; richtet in aller Weisheit mit Furcht und Zittern; helft dem Bedrängten und betrübt den Elenden nicht; fördert die Rechtssache der Witwen und Waisen; beschirmt die Guten, bestraft die Bösen nach christlicher Art; steht euren Ämtern, die euch von Gott gegeben sind, wohl vor; trachtet nach dem Reich, welches ewig bestehen wird; und erinnert euch stets, dass ihr, in welchen hohen Ehren ihr auch gehalten werden mögt, nur Pilger und Gäste in einem fremden Land seid.

Hört, glaubt, fürchtet, liebt, dient und folgt eurem Herrn und Heiland Christus Jesus, denn er ist es, vor dem sich alle Knie beugen müssen; er ist das ewige Wort, die ewige Weisheit, Wahrheit und der Sohn Gottes. Sucht seine Ehre und seinen Preis in allen euren Gedanken, Worten und Werken und ihr werdet herrschen in Ewigkeit.

3.12.2  An die Gelehrten

Hier will ich alle Herren und Fürsten, mit aller Obrigkeit und allen Regenten, welche von ihnen gesandt sind, in des Herrn Hand lassen und mich zu euch wenden, o ihr Gelehrten, die ihr euch dünken lasst, dass ihr des Himmels Schlüssel habt und des Volkes Licht und Augen seid; ich will mit euch reden, als mit denen, welcher Seligkeit ich von Herzen suche, dieweil ich mit offenen Augen sehe, dass sowohl ihr selbst als auch eure Jünger freiwillig eure armen Seelen in das ewige Verderben stürzt; obgleich ihr euch nichtsdestoweniger rühmt, dass ihrdie gesandten Lehrer und eure Gemeinden die Gemeinde Christi sind; und will euch alle miteinander, Römische, Lutherische und Zwinglische über den folgenden Artikel aus guter Treue brüderlich ermahnen.

Dass ihr doch erstens merken wollt, wie euer Amt und Dienst nicht aus Gott und Gottes Wort, sondern aus dem Pfuhl des Abgrunds sind; denn es ist offenbar, dass ihr Christi Wort, Ordnung und Gebot lästert und verfolgt und des Antichristen Wort, Ordnung und Gebot lehrt und fördert; dass ihr Gottes Tempel schändet und steinerne Tempel baut und verehrt; die lebendigen Bilder, darin Gottes Geist wohnt, zerbrecht und goldene, silberne und hölzerne Bilder macht und aufputzt; dass ihr das fromme, unsträfliche Leben hasst und das ungeordnete tolle Leben des Fleisches, mit euren leichtfertigen Exempeln bestärkt und ermutigt. Sagt, meine Geliebten, wo ist doch ein Buchstabe von allen euren Handlungen und eurem Gottesdienst, wie Messen, Kindertaufe, Ohrenbeichte in der ganzen Schrift befohlen? Ist es im Grunde nicht alles lauter Verführung, Heuchelei, Gotteslästerung, Gräuel und Abgötterei, was ihr treibt und tut? Woher kommen eure Ämter und euer Dienst? Ich möchte euch in treuer Liebe raten mit Hilfe der Schrift und in reiner Furcht Gottes darüber nachzudenken.

Zum Zweiten bedenkt auch was in diesem eurem Dienst und Amt eigentlich von euch verlangt wird. Ihr und ich haben ehemals in einerlei Beruf, Amt und Dienst gestanden; und ich bekenne frei heraus, dass ich in all meinem Studieren, von meiner Jugend an, im Predigen und Singen, nichts als eitles, faules, gutes Leben, Preis und Gunst der Menschen, ja nichts als Fleisch und Bauch gesucht habe, bis dass mich der gnädige, große Herr durch seinen Geist der Gnade begabt und mein Herzensverständnis öffnete, so dass ich mit dem Prediger Salomo erkannte, wie all mein Suchen, Leben und Tun eitel und das Ende davon nichts als die gewisse Hölle und Tod wären.

Dass ihr aber noch das Erstere sucht, ist zu klar um geleugnet zu werden. Denn wenn es keine Pfründen und Klöster gäbe, so würden sicherlich wenige Prädikanten, Pfaffen und Mönche gefunden werden. Solange es aber an diesen nicht mangelt, wird die Welt stets ihre Verführer und Heuchler haben.

Sagt, ihr Lieben, was ist euer ganzes Suchen und Tun anderes als Welt, Fleisch, sinnlicher Genuss und wollüstiges Leben? Wer könnte euer irdisches Gemüt und fleischliches Leben ergründen und angemessen beschreiben? Etliche von euch prangen in köstlichen Pelzen, in Samt und Seide; andere leben in Saus und Braus und wieder andere geizen und scharren; etliche schänden Jungfrauen und andere beflecken das Bett ihres Nächsten; der anderen Keuschheit ist wie die Keuschheit Sodoms; euer aller Lehre ist verführerisch; eure Sakramente sind zauberisch; eure Frömmigkeit ist meistenteils Gottlosigkeit und euer Gottesdienst ist ein offenbarer Gräuel und eine Abgötterei; eurer etliche fürchten weder Gott noch den Teufel; Gottes Namen lästert ihr; sein heiliges Wort verfälscht ihr; seine Kinder und Diener verfolgt ihr und im Vertrauen auf seine Gnade tut ihr alles Böse; wenn ihr nur ein sorgloses Leben führen und gute Tage haben könnt, so ist alles wohlgetan. Sagt, meine Lieben, ist es nicht so? Werte Männer, ist es nicht so? Dies hauptsächlich ist euer Streben und Verlangen unter Groß und Klein, das müsst ihr selbst zugestehen und anerkennen, denn die Frucht ist vor der ganzen Welt enthüllt und kann länger nicht verborgen bleiben.

Ach Männer, Männer, seht euch vor! Könnte man auf diesem breiten Weg, den ihr lehrt und wandelt, in das ewige Leben eingehen und seine Seele in Gott bewahren, wer würde sich nicht beklagen und sagen, dass die Propheten, Apostel und alle Zeugen Gottes, dazu auch Christus Jesus selbst, nicht klug und weise gehandelt und auch nicht recht gegen uns getan hätten, indem sie in so vieler schweren Angst, im Leiden, Trübsal und Schmerz, in diesem betrübten Jammertal gewandelt und uns elende, schwache Kinder auf einen so engen Weg gewiesen hätten.

Ach nein, meine Geliebten, nein, die Wahrheit wird ewiglich Wahrheit bleiben; wenn ihr euch nicht zu einem besseren und christlicheren Sinn bekehrt, nicht eure Verführungen aufgebt und eurem unnützen Fleisch und geizigen Leben absterbt, nicht Buße tut und in eurem Gemüt den unschuldigen, einfältigen Kindern gleich werdet, so werdet ihr nicht ins Himmelreich eingehen, denn das Trachten des Fleisches ist Tod, spricht Paulus.

Lehrt, sprecht, hofft, rühmt wie und was ihr wollt, verlangt ihr selig zu werden, so müsst ihr auf des Herrn Weg wandeln, sein Wort hören und demselben Gehorsam sein; denn es gibt nichts weder im Himmel noch auf Erden, wodurch ihr selig werden könnt, weder Taufe noch Abendmahl, weder Beredsamkeit noch gelehrter Verstand, weder Konzilien noch lange Gewohnheit, weder Kaiser noch Mandate, noch selbst Christus mit seiner Gnade, seinem Verdienst, Blut und Tod – wenn wir nicht aus Gott geboren sind (versteht es recht, ihr, die ihr Ohren zu hören und Herzen zu verstehen habt!), sein Wort nicht aufrichtig glauben, im Licht wandeln und recht tun, wie Johannes auch sagt:

»Das ist die Verkündigung, die wir von ihm gehört haben, und euch verkündigen, dass Gott Licht ist, und keine Finsternis in ihm ist; so wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und noch in der Finsternis wandeln, so lügen wir, und tun die Wahrheit nicht; so wir aber im Lichte wandeln, gleich wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut seines Sohnes Jesu Christi macht uns rein von allen Sünden.« (1Joh 1,5–7)

O Übertreter, Übertreter, untersucht eure Herzen, nehmt meine Worte wahr und lernt Weisheit, ihr die ihr in Wolllüsten lebt und sicher sitzt, die ihr in euren Herzen sprecht, wir sind es und außer uns ist kein anderer mehr; was wir gebieten dem soll und muss gehorcht werden und was wir reden, muss auf Erden gelten; wir können in der Schrift nicht irren, in dem Rat nicht fehlen und nichts Unrechtes lehren. Ach, ach! Eure hochgerühmte Weisheit führt euch auf den Irrweg und der Stolz eurer Herzen lässt euch straucheln; kehrt um, euer Pfad ist schlüpfrig und euer Weg führt zum Abgrund der Hölle.

Werte Männer, lernt doch einmal erkennen, was Gottes einziger und ewiger Sohn, Christus Jesus, hier auf Erden gesucht, was er gelehrt und welch ein Vorbild er euch nachgelassen hat; sein Suchen war seines Vaters Preis und die Seligkeit unserer armen Seelen; seine Lehre war seines Vaters Wort und sein Vorgang ein gewisser Weg in das Reich Gottes.

»Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war (sagt Paulus) hielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich sein; sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an.« (Phil 2,6–7)

– kam arm und elend in diese betrübte Welt; fand keinen Raum in der Herberge, wo er geboren wurde; hatte während der Zeit seines Dienstes nichts, worauf er sein Haupt legen, noch in seinem Sterben etwas, womit er seinen Durst stillen konnte, wiewohl er derjenige war, durch den der allmächtige, reiche Vater allen geschaffenen Wesen Wohnung, Kleidung, Speise und Trank verleiht, gleich wie Paulus spricht:

»Denn ihr wisst die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, dass ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.« (2Kor 8,9)

Habt ihr nun im geringsten Maße die Furcht Gottes in euren Herzen und wollt nicht eure eigenen Seelen sowohl als die des Volkes mutwillig in den Tod führen, so vergleicht euer Suchen mit dem Suchen Christi, eure Lehre mit der Lehre Christi, euren Geist mit Christi Geist und euer Leben mit Christi Leben; dann werdet ihr in Wahrheit einsehen lernen, ob ihr in Christi Bund seid oder außerhalb desselben, wer euer Gott ist, welchem Herrn ihr dient und welches Geistes und Reiches Kinder ihr seid.

Zum Dritten merkt was für Frucht und Nutzen euer Amt und Dienst hervorbringen und stiften; denn was ist eure Lehre anderes als ein eitles, kraftloses Säen in den Wind, ohne Geist und ohne Macht; was sind eure Sakramente anderes als eine Ermutigung der Unbußfertigen und was ist euer Leben anderes als ein Vorbild aller Bosheit? Wo sind die Geizigen, die ihr mildtätig und die Trunkenen, die ihr zu Nüchternen gemacht habt; wo die Unsauberen, die ihr gereinigt und die Hoffärtigen, die ihr gedemütigt habt? Wie wollt ihr andere lehren, da ihr doch selbst der Lehre bedürft? Wie wollt ihr Christus eine angenehme Gemeinde gebären, da ihr selbst des Antichristen Diener und Belials Kinder seid? Ihr müsst ja bekennen, dass ihr und eure Nachfolger, sowohl hohen als niedrigen Standes, Männer und Frauen, alle tote Leichname seid und Gottes Geist nicht habt; denn zerbrochene Herzen, wahrhaftige Erkenntnis Christi, wahre Liebe, ein rechtes Begehren nach dem Reich Gottes, Absterben der irdischen Dinge, wahrhaftige Demut, Gerechtigkeit, Freundlichkeit, Barmherzigkeit, Keuschheit, Gehorsam, Weisheit, Wahrheit und Frieden, findet man nicht, sondern überall nur Hass, Neid, verstockte, frevelhafte, grimmige Herzen, ein Grauen vor dem göttlichen Worte und eine Verachtung desselben, Lust und Liebe dieser Welt, Hochmut, Stolz, Pracht, Lügen, Schalkheit, Schande, Ehebrechen, Hurerei, Rauben, Brennen, Würgen, Fluchen, Schwören und alle Bosheit.

Seht, ihr dürren Bäume und unachtsamen Hirten, dies sind die Früchte, die ihr hervorbringt und die Schafe, die ihr weidet; dies sind die Gemeinden und Jünger, die ihr mit des Herrn Blut tröstet, denen ihr Gnade und Friede verkündigt, Taufe und Abendmahl austeilt. Schreibe ich unrecht, so straft mich.

O liebe Herren, weil ihr nun alle christliche Tugend und Vernunft, sowie auch das Licht der Schrift verloren habt, so haltet ihr das arme unwissende Volk, ganze Königreiche, Städte und Länder, ja, die ganze weite Welt in aller Gottlosigkeit unter der Gewalt der Hölle gefangen; und solches tut ihr, o Gott! um einen so geringen Lohn, nämlich um eine Hand voll Gerste und um einen Bissen Brotes, wie der Prophet sagt. Ach, dass ich doch Lügen redete und nicht die Wahrheit; aber klar ist der Sonnenschein und noch klarer die Wahrheit, die ich schreibe.

Auch begnügt ihr euch nicht damit, o ihr Männer, die armen, elenden Seelen auf diese Weise so schändlich zu betrügen, sondern ihr müsst auch noch alle diejenigen, welche Gott von Herzen suchen und fürchten, alle Ungerechtigkeit mit Lehre und Leben strafen und die so bereitwillig in Christus wandeln, verunglimpfen, verleumden, belügen, verraten und um Gut und Blut bringen, damit ihr nur bei dem Volke in hohen Ehren stehen, bei eurem Tun unverdächtigt, bei dem ungöttlichen, schändlichen Gewinn ungehindert und in eurem üppigen Leben bis ans Ende bleiben und fortfahren könnt.

Ach, wie richtig zeichnet euch die Weisheit Gottes, die da spricht:

»Wehe euch Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen. Ihr kommt nicht hinein, und die hinein wollen, lasst ihr nicht hinein gehen.« (Mt 23,13)

Was ich denke, das schreibe ich und heuchle nicht. Ich fürchte, werte Männer, dass eurer viele so gottlos sind und an dem schändlichen Gewinn, faulen Leben und der Menschen Preis solchen Gefallen haben, dass sie lieber alle Gottesfürchtigen auf dem Scheiterhaufen sehen, als einen Gulden an ihren Renten verlieren oder ein böses Wort von der Obrigkeit und Welt um der Wahrheit willen hören würden.

O ihr Hurenangesichter, wann wollt ihr euch schämen? Ihr Diamanten, wann wollt ihr erweichen, ihr Mohren, wann wollt ihr weiß gewaschen werden? Ich fürchte nimmermehr; denn wie könnt ihr etwas Gutes tun, dieweil ihr das Böse gelernt und von der Wiege an daran gewöhnt seid?

Auch meine Seele ist eurethalben betrübt und klagt schmerzlich darüber, dass ihr so unglückselig euch irrt und dabei alle eure Schande unter Christi Wort und Namen verbergt, ohne zu merken, o ihr Männer, dass euch überall nichts als Strafe, Zorn, Verdammnis und dunkle Finsternis, der flammende Pfuhl und ewiges Zähneklappern, Heulen, Weinen, Feuer, Wehe und Tod mit allen falschen Propheten in der Schrift verheißen und von des Herrn Geist angedroht ist.

Die Stunde ist nahe, da man hören wird und muss: Gebt Rechenschaft …Ach, sollte uns alsdann gebühren, wenn der Tag da ist, tausend Jahre lang auf brennenden Kohlen und in glühenden Panzern zu gehen, so könnte man dennoch fröhlich und wohlgemut sein; aber nun ist es durch euren Hochmut, Geiz und das augenblickliche Wohlleben vor euren Augen verborgen.

Ich dürfte aber vielleicht von euch auf meinen Backen geschlagen werden und mit Micha von Zedekia hören müssen:

»Durch welchen Weg ist des Herrn Geist von uns gewichen, dass er durch dich redet?« (2Chr 18,23)

O meine Geliebten, fürchtet Gott und versteht die Wahrheit. Ihr weist die armen, sorglosen Seelen auf die Subtilität und Philosophie der Gelehrten, auf die vielen Konzilien, auf kaiserliche Mandate, auf die Lehre und Gebote der Menschen, die nichts als Triebsand sind und das Haus vor dem Ungewitter nicht bewahren können; ich aber tue nicht desgleichen, sondern ich weise euch mit Mose und den Propheten, mit den Aposteln, Engeln und mit dem Vater selbst, auf Christus Jesus, dem alle Kaiser, Könige, Konzilien, Gewohnheiten und Gelehrten weichen müssen, denn sein Wort ist die Wahrheit und seine Gebote das ewige Leben. Ihm müssen sich beugen alle derer Knie, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind; alle die ihn verwerfen, die verwerfen den Vater, der ihn gesandt hat.

Dies lehre ich euch; ich weise euch auf seinen Geist, sein Wort, Leben, Gebot, Verbot, seine Ordnung und seinen Gebrauch als auf ein festes, unbewegliches Fundament in dem Grund Zion gelegt, weise euch auf einen wohlgebahnten und sicheren Weg, der von Gott bereitet ist und nach seinen wahrhaftigen Zusagen alle wirklich Bußfertigen und an Christus Gläubigen in das ewige Leben führen wird.

Liebe Männer, nehmt wahr! Es waren vierhundert falsche Propheten zu den Zeiten Ahabs, des Königs in Israel, die einmütig Glück und Wohlfahrt weissagten und ihm rieten, er solle nur ausziehen und Gott würde die Feinde des Königs in seine Hand geben; aber da war nur ein einziger, Micha, der die rechte Wahrheit redete und das Unglück in des Herrn Namen ankündigte (2Chr 18,6–7).

Es waren auch vierhundert und fünfzig Propheten Baals und vierhundert Propheten der Höhen, die alle von Isebels Tisch aßen; aber da war nur ein einziger, Elia, ein Mann Gottes und ein Prophet des Herrn, der über dem Gesetz seines Gottes eiferte und für des Herrn Preis stritt (1Kön 18).

Joas mit allen Fürsten, Priestern und dem gemeinen Volk, stimmten alle miteinander ein in Betreff ihrer Höhen und ihres falschen Gottesdienstes, welchen sie nach Jojadas, des Hohenpriesters, Tode eingeführt hatten; und da war nur Zacharias allein, der sie ihrer gottlosen Gräuel halber verwies und seines Gottes Zorn und Strafe androhte (2Chr 24).

Gleich wie diese hohen und teuren Männer Gottes, obgleich gering an Zahl, mit ihren großen und herrlichen Gaben die ungehorsamen und abgöttischen Könige, Fürsten, Priester und das gemeine Volk, ohne irgendwelches Ansehen der Person, aus reinem und göttlichem Eifer, in Geistes Kraft gestraft und mit dem Gesetz ihres Gottes treulich ermahnt und darüber Verachtung, Elend, Trübsal, Banden und Tod gelitten haben, wie man in der Schrift und den Historien allenthalben lesen und sehen kann, so auch bezeuge ich hier nach meiner kleinen Gabe und aus gleicher Gesinnung und Ursache die Wahrheit unverhohlen, weil ich deutlich sehe, dass ihr alle miteinander den Herrn und Fürsten heuchelt, der Welt schmeichelt und weil leider niemand ist, der dieses gottlose Leben mit des Herrn Wort verweist und der Menschen Bosheit straft; ich muss auch in dieser Hinsicht vieles hören und ertragen, gleich wie die vorhin Erwähnten, wiewohl ich es aufs Beste meine und solche sichere Gründe habe.

Ach, werte Männer, besinnt euch und denkt der Sache nach. Beherzigt das Ende und betrachtet den Ausgang. Ihr vertraut auf Menschen Erdichtung, wir aber auf Gottes Wort und Wahrheit; ihr auf die Welt, wir auf den Himmel; ihr auf das Gegenwärtige, wir auf das Zukünftige; ihr auf den Kaiser und seine Gewalt, wir auf Christus und seine Verheißung, bis dass wir alle vor ihm erscheinen, der mit den Wolken des Himmels kommen und allem Fleisch vergelten wird; alsdann werdet ihr sehen was ihr gesucht, welches Amt ihr geführt, was für Frucht ihr hervorgebracht, um welchen Lohn ihr gedient, wessen Wort ihr gepredigt, wessen Rat ihr verachtet und wen ihr, o Männer, so feindlich durchstochen habt.

Hiermit, ihr Gelehrten und Prediger, will ich euch dem Herrn befehlen, bitte euch noch um Gottes Willen und zum Besten eurer armen Seelen, diese meine getreue Warnung aus aufrichtiger, christlicher Meinung an euch gerichtet, mit Dank und Liebe anzunehmen, mit verständigem Herzen zu lesen und darüber mit Furcht und Zittern nachzudenken und sie in derselben Gemütsverfassung zu prüfen; und ich bin sicher, ihr werdet darin nichts anderes finden als Teilnahme, Liebe, Ernst und ein gewisses Fundament der ewigen und unüberwindlichen Wahrheit.

Und ob eurer etliche sich dünken ließen, dass ich zu hart strafe, so wisst, dass ich das nicht ohne Anweisung, Rat und Lehre der heiligen Propheten, Christi und der Apostel so getan habe. Ich habe keinen Namen gegeben außer Gottes Wort. Wer unschuldig ist, danke Gott und freue sich; aber wer schuldig ist, der wird nicht von mir, sondern von Gottes Geist und Wort gestraft.

Ach ihr, denen ich ein Freund zu sein wünsche, fürchtet Gott und sein Gericht; bessert euer irdisches, fleischliches Leben, lasst alle eure Verführung, Blindheit, Verleitung und Gräuel fahren, darin ihr bisher verstrickt gewesen seid; sucht aus allen euren Kräften die rechte Wahrheit; bittet Gott um Weisheit; warnt jedermann; handelt und wandelt unsträflich; und ihr werdet alsdann nicht mehr unter der Zahl der Hirten stehen, welche in der Schrift mit so schrecklichen Namen bezeichnet werden; auch werdet ihr dann nicht Ungnade, Strafe und Zorn, sondern Gnade, Barmherzigkeit und das ewige Leben ererben, wie der Prophet sagt:

»Wenn sich der Gottlose bekehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Rechte, und tut recht und wohl, so soll er leben, und nicht sterben; alle seine Übertretungen, die er begangen hat, sollen ihm nicht mehr gedacht werden.« (Hes 18,21–22)

Der barmherzige, liebe Herr schenke euch allen miteinander seine Gnade, Erkenntnis, Weisheit, Wahrheit, sein Licht und seinen Geist, dass ihr von Herzen aufwachen, Buße tun und ewig selig werden mögt, Amen.

3.12.3  An das Volk

Hört, ihr Leute, und versteht, ihr die ihr auf Lügen vertraut und euch rühmt, dass ihr Christen seid; reißt eure Bande in Stücke und lasst euch nicht länger als die gebundenen Esel unter der Last eurer Sünden, von diesen vorgenannten Treibern leiten, denn sie betrügen euch; sie predigen euch nach ihres Herzens Gutdünken und nicht aus dem Munde des Herrn; sie trösten euch in eurem bösen Wesen; sie rufen und verheißen nichts als Gnade und Friede, wiewohl es eitle Ungnade und Strafe ist, wie der Prophet sagt:

»Priester und Propheten lehren einen falschen Gottesdienst, und trösten mein Volk in ihrem Unglück, dass sie es klein achten sollen und sagen: ›Friede, Friede,‹ da doch kein Friede ist.« (Jer 8,10–11)

Sie sind die blinden Führer, die sowohl euch als sich selbst geradezu in die Grube führen; die blinden Wächter, welche über Gottes Stadt keine Wacht halten; Diebe und Mörder, die mit dem Schwert ihrer falschen Lehre eure armen Seelen erwürgen und euch des Herrn Reich und Wort stehlen; geizige Hirten, die eure Wolle, Milch und euer Fleisch suchen und nicht eure Seelen. Kurz, sie sind diejenigen, durch welche das Reich Christi verwüstet und das Reich des Antichristen zu hohen Ehren gelangt und durch die ganze Welt ausgebreitet ist und die euch elenden Kinder in euren wüsten Gräueln und verhärteten, blinden Leben allezeit trösten und bestärken, so dass leider niemand ist, der sich von Herzen zu dem Herrn bekehrt, seine Sünden beklagt und spricht: Was tue ich?

Ach werte Kinder und Brüder, mein Herz in meinem Leib ängstigt und erschreckt mich, wenn ich bedenke, dass so unzählig viele Menschen, so unnütz und vergeblich geboren werden, die des Herrn Zorn, Hand und Strafe (so sie sich nicht bekehren), ewig tragen müssen und nimmermehr Gnade finden sollen.

Liebe Kinder, nehmt wahr, so lehrt euch Christus Jesus:

»Fürwahr ich sage euch, es sei denn, dass ihr euch umkehrt, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!« (Mt 18,3)

O liebe Herren, das redet Gottes ewige Wahrheit, die nicht lügen kann; und wie gottlos ihr armen, dummen Leute lebt und wie fern ihr von der Kinder Unschuld seid, bezeugen und beweisen eure Früchte wohl; denn ihr verachtet Gott und Gottes Wort; ihr hasst alle Gerechtigkeit und Wahrheit; eurer viele leben wie die unvernünftigen Tiere, die anderen rechten, fechten, fluchen, schwören, geizen, scharren, wuchern, lügen, betrügen; es tut einer dem anderen Gewalt und Unrecht, Treue und Frömmigkeit findet man unter euch wenig, Untreue und Verderbtheit leider allerorts; Fressen, Saufen, Spielen, ist bei euch ein Zeitvertreib; Frauen und Mägde schänden heißt buhlen und lieb haben; wer den anderen in allen Dingen übervorteilen und um das Seine bringen kann, den heißt ihr verständig und klug; Riesen seid ihr im Bier- und Helden im Weintrinken. Ungerechtigkeit und Verderben ist in allen euren Wegen; den Armen und Elenden betrübt ihr und lästert den Bekümmerten und Fremdling; ihr denkt und tut nichts als Übles und lauft, wie der Prophet sagt, wie eine tolle Kuh; Hoffart und Pracht nennt ihr einen Landesgebrauch und Sitte. Der eine steht nach des anderen Ehre, Gut und Leben und trachtet, dass er ihn verderbe, wie der Prophet spricht; euer Glaube ist Heuchelei, euer Gottesdienst Abgötterei und euer ganzes Leben ist Welt und Fleisch, wie man sehen kann und dann sprecht ihr, wer in Einfalt wandelt, der wandelt recht, gleich als ob Unwissenheit, Blindheit, Verachtung der Wahrheit und Gottseligkeit, ein frommes, einfältiges und schlichtes Leben wären. Liebe Kinder, schämt euch doch eures garstigen Mutwillens und eurer verdammlichen Torheit.

Meint ihr, dass Christus ein Lügner und sein Wort eine Fabel sei? Ach nein! Sein Richterspruch steht unbeweglich und wird nimmermehr verändert werden; wenn ihr nach dem Hochmut, Geiz, der Wollust, Unkeuschheit und den fleischlichen Lüsten lebt, Christus und seinem Wort nicht glaubt, irdisch gesinnt bleibt, aus Gott nicht geboren werdet, so müsst ihr des ewigen Todes sterben oder der Geist Gottes müsste lügenhaft und falsch sein.

Sagt, ihr Lieben, warum preist ihr doch die Apostel und Propheten, so ihr doch ihre Lehre für Ketzerei und ihr Leben für Raserei verpönt? Und warum lasst ihr euch Christen nennen, so ihr doch Christi Wort und Vorbild mit ganzem Herzen hasst und ihm feind seid? Sprecht ihr, wir sind unverständig, ungelehrt und kennen die Schrift nicht, so antworte ich wiederum, es ist ein klares, verständiges Wort und bedarf keiner Auslegung, nämlich:

»Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.« (nach Mt 22,37–39)

Und wiederum:

»Du sollst dem Hungrigen dein Brot brechen, und den Elenden in dein Haus führen.« (Jes 58,7)

Lebt ihr nach dem Fleisch, so werdet ihr sterben müssen, denn fleischlich gesinnt sein, ist der Tod; die Geizigen, Trunkenen und Hoffärtigen etc. werden Gottes Reich nicht erben. Gott wird die Ehebrecher und Hurer verdammen (Röm 8; 1Kor 6) und nach anderen Schriftstellen. Alle die, welche dergleichen Stellen nicht begreifen, gleichen, das müssen wir sagen, mehr unvernünftigen Tieren denn Menschen, sind eher Böcke als Christen.

Ach meine Kinder, meine lieben Kinder! Betrügt eure eigenen Seelen nicht, sucht Verstand und Weisheit, gleich wie ihr die zeitliche Nahrung sucht, damit ihr großen Reichtum finden mögt, denn das Himmelreich leidet Gewalt. Ringt danach, dass ihr durch die enge Pforte eingeht; bittet, so wird euch gegeben; sucht so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Der allmächtige, große Herr will sich mit keinem bloßen Namen zufrieden lassen, sondern er will einen wahren, fruchtbaren Glauben; eine ungefärbte, eifrige Liebe; ein neues, umgekehrtes, verändertes Herz; eine wahre Demut, Barmherzigkeit, Keuschheit, Geduld, Gerechtigkeit und einen wahren Frieden; er will den ganzen Menschen, sein Herz, seinen Mund und seine Tat. Er, welcher Freude an Gottes Wort hat, spricht von Herzen die Wahrheit, kreuzigt sein Fleisch und ist bereit, wenn es die Not erfordert, sein Gut und Blut für des Herrn Wort hinzugeben.

Seht, liebe Kinder, das ist der Weg, den wir alle wandeln müssen, wenn wir selig werden wollen; darum wacht auf und lernt Weisheit. Hört die mahnende Stimme eures Gottes, tut ihm auf und geht ihm entgegen, auf dass er über euch nicht klage, wie er vor Zeiten durch seine Propheten über das hartnäckige, verstockte Juda und Jerusalem geklagt hat.

»Ich habe Kinder auferzogen und erhöht, und sie sind von mir abgefallen. Ein Ochse kennt seinen Herrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt es nicht, und mein Volk vernimmt es nicht. O wehe des sündigen Volks, des Volks von großer Missetat, des boshaftigen Samens, der schändlichen Kinder, die den Herrn verlassen, den Heiligen in Israel lästern, weichen zurück!« (Jes 1,2–4)

Jeremia sagt:

»Sie laufen alle ihren Lauf, wie ein grimmiger Hengst im Streit; ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit; eine Turteltaube, Kranich und Schwalben merken ihre Zeit, wenn sie wieder kommen sollen, aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen!« (Jer 8,6–7)

Gedenkt, werte Kinder, wie tief Christus Jesus der Juden Widerspenstigkeit und Blindheit zu Herzen nahm, da er sagt:

»Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Kücklein unter ihre Flügel.« (Mt 23,37)

Er weinte und sprach:

»Wenn du es wüsstest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient! Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen.« (Lk 19,42)

»Darum, so legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit; und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist, welches kann eure Seelen selig machen!« (Jak 1,21)

Sucht Gott mit reinem Herzen; tut Buße von ganzer Seele; reinigt euer Inneres dem Herrn; lasst fahren Welt, Fleisch, falsche Lehre und alles was wider Gottes Ehre, Willen und Wort ist; hört, glaubt und folgt dem einzigen und wahrhaftigen Hirten eurer Seelen, Christus Jesus, der euch in so großer Liebe gesucht und um so teuren Schatz erkauft hat und ihr mögt euch dann mit Wahrheit rühmen, dass ihr Gottes Volk und Christi Kirche seid. Dem lieben Herrn und Heiland Christus Jesus sei Preis und ewiges Reich, Amen.

3.12.4  An die verderbten Sekten

Christus spricht:

»Es werden sich erheben falsche Christi, und falsche Propheten, die Zeichen und Wunder tun, dass sie auch die Auserwählten verführten, so es möglich wäre. Ihr aber seht euch vor! Siehe, ich habe es euch alles zuvor gesagt.« (Mk 13,22–23)

Ach ihr abfallenden, verirrenden Kinder! Bemerkt, hättet ihr diese teure Warnung unseres Herrn und Seligmachers Christus wohl zu Herzen genommen und hättet seinen Geist, seine Lehre und sein Leben erkannt und ihn als den wahren, in der Schrift verheißenen Propheten und für den wahrhaftigen und lebendigen Sohn Gottes empfangen, nimmermehr hättet ihr euch so weit von seinem Weg abführen lassen und solchem schrecklichen Irrtum Raum gegeben. Aber, o Herr! Nun fürchte ich, dass etliche von euch in solchem Grade bezaubert sind, dass sie nimmermehr zu ihrem ersten Hirten, Christus, kommen werden; denn, zufolge eines verkehrten und verdunkelten Verständnisses der Schrift, verteidigen sie als recht und gut alle gräulichen Werke der Gottlosigkeit, welche nicht allein gegen Christi Geist, Wort und Willen streiten, sondern auch gegen ehrliche Bescheidenheit, Natur und Vernunft verstoßen.

Ist es nicht ein betrübender Irrtum, dass ihr euch von solchen unnützen Menschen bezaubern und so töricht von einer unreinen Sekte in die andere führen lasst? Zuerst in die von Münster, danach in die von Battenberg, gegenwärtig seid ihr Davidisch; und so geht es von Beelzebub zu Luzifer und von Belial zu Behemoth. Ihr lernt immerfort und kommt doch nimmer zu der rechten Erkenntnis der gewissen Wahrheit; lasst euch mit allen Winden der falschen Lehre umwehen; erwählt euch selbst einen Weg, wie auch alle Pfaffen und Mönche tun und haltet euch nicht an das Haupt Christus, aus welchem der ganze Leib zusammengefügt wird und sein volles Maß und Alter erreicht.

Ich fürchte, dass eure Sünden bestraft werden müssen; denn da ihr irdisch und fleischlich gesinnt seid, so verwerft ihr die reine Erkenntnis Christi, hasst Christi Kreuz; und im Widerspruch mit allen Ermahnungen der Schrift, mit dem Vorbild Christi und seiner Heiligen, ergebt ihr euch der Pracht, dem Übermut, Fressen, Saufen, der Torheit, Heuchelei und dem falschen Gottesdienst dieser hoffärtigen, unwürdigen, eitlen und abgöttischen Welt, welche ihr eigentlich mit einem frommen, demütigen Wandel belehren und ermahnen solltet.

O ihr abfälligen Kinder! Bedenkt wie sehr ihr den heiligen Mose lästert, der euch aus dem Munde Gottes lehrt und spricht:

»Ich will ihnen einen Propheten, gleich wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern, und meine Worte in seinen Mund geben, der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde; und wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen reden wird, von dem will ich es fordern!« (5Mo 18,18–19)

– von Petrus und Stephanus wiederholt (Apg 3,23; 7,37).

Was tut ihr doch mit allen den großen Propheten Gottes wie David, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, welche an so vielen Orten und mit so klarer Sprache uns mittels der Eingebung des heiligen Geistes auf Christus und sein Reich weisen? Sie müssen entweder alle Lügen bezeugen oder eure Propheten müssen Verführer und falsche Lehrer sein. Das ist unwiderlegbar.

Spricht nicht der heilige Paulus:

»Aber so auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen, anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht!« (Gal 1,8)

Dass eure Propheten aber mit ihrem König, Reich, Schwert, ihrer Polygamie nicht mit Paulus und der Apostel Lehre und Evangelium übereinstimmen, müsst ihr alle bekennen und zugeben; woraus dann entschieden folgt, dass sie mit ihrer Lehre und ihrem Wandel verflucht und verbannt sind.

Sagt, meine Geliebten, was denkt ihr von dem offenbarten, unfehlbaren Wort und Zeugnis des allmächtigen Vaters, mit welchem er selbst seinen Sohn bestätigt, indem er spricht:

»Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!« (Mt 17,5)

Den sollt ihr hören; da ihr nun aber seinen Geist, sein Wort und Beispiel verwerft, so folgt und gehorcht ihr denjenigen, die mit ihrem Geiste, Lehre und Wandel aus dem Pfuhl des Abgrunds, ja, die offenbare Antichristen und falsche Propheten sind.

Wisst ihr nicht, dass der Sohn Gottes selbst befohlen hat, dass wir halten sollen alles was er uns geboten hat und er bei uns sein will bis an der Welt Ende? Wollt ihr dann sagen, dass Christi und der Apostel Lehre Stückwerk gewesen sei und dass nun eure Lehrer das vollkommene Wesen lehren und einführen? Ich antworte: dass solches zu lehren und zu glauben die allerschrecklichste Lästerung und die beleidigendste Verkehrung ist, die jemals gegen den Allerhöchsten geäußert worden ist; denn damit bekennt ihr, dass Christus nicht der wahrhaftige Sohn Gottes, der vollkommene Lehrer und das wahrhaftige Vorbild der Gerechtigkeit gewesen ist; ihr verleugnet die ganze Schrift; ihr verwerft die Zeugnisse Mose und aller Propheten, die auf diesen einzigen und wahrhaftigen Christus weisen, wie bereits angezeigt; ihr verachtet des Vaters Wort und verwerft Christus Jesus mit seinem Geist, Wort, Reich und geistlichen Regiment und setzt eure Herzen und Hoffnung auf ein lügenhaftes, sterbliches Fleisch, auf Menschen und auf ein irdisches, vergängliches Wesen, das wie Staub von dem Wind zergehen muss, wie die Schrift lehrt. Ob das nicht eine große Lästerung wider den Allmächtigen ist, mögt ihr in der Furcht des Herrn mit der Schrift reiflicher ermessen.

Sagt, ihr verführten Kinder, wo ist doch ein Buchstabe in der ganzen Lehre Christi und der Apostel (nach welcher Geist, Lehre, Handel und Vorbild die ganze Schrift verstanden werden muss), womit ihr einen von allen euren irrigen Artikeln bewähren und begründen könnt?

Wollt ihr euch nun auf das buchstäbliche Verständnis und Handel Mose und der Propheten berufen, so müsst ihr auch Juden werden, die Beschneidung annehmen, das Land Kanaan buchstäblich besitzen, das jüdische Reich wieder aufrichten, die Stadt und den Tempel bauen, nach dem Gesetz opfern und Gottesdienst pflegen und bekennen, dass Christus, der verheißene Seligmacher, noch nicht gekommen sei, der das buchstäbliche, bildliche Wesen in das neue, geistliche, bleibende Wesen verwandelt und verändert hätte.

Ihr elenden, irrenden Schafe, merkt, ich habe vorhin in meinem Schreiben an die Obrigkeit hervorgehoben, dass das Reich Christi nicht von dieser sichtbaren, sinnlichen, vergänglichen Welt ist, sondern dass es ein ewiges, geistliches und bleibendes Reich ist, wo nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist ist. Kein König regiert dort, als allein der wahrhaftige König von Zion, Christus Jesus. Er ist der König der Gerechtigkeit, der König des Friedens, der König aller Könige, der alle Gewalt hat oben im Himmel und unten auf Erden, vor dem sich alle Knie beugen und alle Zungen preisen müssen; der wahrhaftige König David im Geist, der durch seine Gerechtigkeit, seinen Verdienst und sein rotes Blut das geraubte Schaf aus dem Mund der höllischen Löwen und Bären erlöst, den großen, schrecklichen Goliath erschlagen und dem geistlichen Israel Gottes ein ewiges Heil und ewigen Frieden erworben hat. Weder der König noch seine Diener führen ein anderes Schwert, als das Schwert des Geistes, das Leib und Seele durchschneidet, Gottes Wort, womit er sein Reich gebiert, baut, ausbreitet, regiert und wider alle höllischen Pforten, Anläufe und Gewalt, unter dem drückenden Kreuz, in aller Versuchung und Anfechtung, gnädig behütet und beschirmt und nicht mit Eisen oder Stahl, wie die wilde, rachgierige Welt tut, denn sein Reich und Herrschaft ist Geist und nicht Buchstabe, wie schon dargetan.

Auch ist in diesem Reich und unter diesem König keine andere Ehe gestattet, als die, ein Mann und ein Weib, wie solche im Anfang durch Adam und Eva eingesetzt und in Bezug auf die Christus ferner sagt, dass diese zwei ein Fleisch sind und dass sie sich nicht scheiden sollen, ausgenommen um Ehebruchs (Mt 5,32).

Dieses ist kein Reich, darin man mit Gold, Silber, Perlen, in Seide, Samt und köstlicher Pracht einhergeht, wie die hoffärtige und stolze Welt tut und wie auch eure Führer euch lehren und freigeben unter dem betrüglichen Vorbehalt, dass wenn ihr es nicht mit dem Herzen begehrt und tut, es nicht schaden könne. So könnte auch der Satan seinen Hochmut unschuldig machen und seiner Augen Lust als rein und gut darstellen. Es ist das Reich aller Demut (sage ich), in dem nicht die äußerliche Schmückung des Leibes, sondern die innerliche Schmückung der Seele, mit großem Eifer und Fleiß, mit einem zerbrochenen Herzen und zerschlagenen Gemüt, aus allen Kräften gesucht und begehrt wird.

Hier weiß man auch von keinem Lügen, Essen, Trinken, Heucheln und sich der trunkenen, üppigen, eitlen und abgöttischen Welt gleichstellen, noch vom Ablegen des Kreuzes Christi, gleichwie ihr es tut, sondern es heißt hier mit Herzen und Tat, aufrecht und fromm sein; die Wahrheit von Herzen reden; ein vorsichtiges, nüchternes Leben führen; alle Abgötterei und falsche Lehre von innen und außen scheuen; allen bösen Schein meiden; den wahren Gottesdienst von Herzen üben; in Christi Wort und Ordnung standhaft bleiben; ein unsträfliches Leben vor der ganzen Welt führen und Jesus Christus mit Mund, Werk, Gut und Blut bezeugen, wie es die göttliche Ehre erfordert.

Hier kennt man auch solche Beichte nicht, wie etliche von euch sich anmaßen, sondern hier beichtet man dem reinen und wahrhaftigen Gott allein, vor dem wir gesündigt und unserem Nächsten, wider den wir gefehlt haben.

Hier lehrt und übt man Scham, Zucht und Ehrbarkeit und keine Unzucht, Schande und Unreinheit; ich denke ihr versteht wohl, was ich meine.

Kurz, hier lehrt man Christi Geist, Wort, Willen, Gebot, Verbot, Ordnung, Gebrauch und Vorbild, auf welche die ganze Schrift weist und nicht der falschen Propheten Gutdünken, selbst erdichtete Worte, zauberischen Schein, prächtige Reden, Träume, Gesichte, lügenhafte Wunderwerke, gegen welche uns Gottes Geist in der Schrift allerorts warnt und abrät.

Liebe Kinder, bessert euch. Ein jeder, der euch anders lehrt als hier mit des Herrn Wort bezeugt wird, wäre er gleich im Stande des Meeres Grund auszutrocknen und die Sterne vom Himmel zu schleudern, wäre dennoch verbannt und seine Lehre verführerisch und unrecht; denn es kann in Ewigkeit kein anderer Grund gelegt werden, denn der gelegt ist, Christus Jesus. Er ist der Eckstein und das Fundament in Zion, auf welchen der ganze Bau ineinander gefügt und nach seinem Willen, Geist und Wort wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.

Ach ihr abfälligen Kinder, hört Gottes Wort und schickt euch, denn euer Weg ist in der Finsternis und euer Gang geht zu den Toten. Empfangt die Wahrheit und lernt Weisheit, denn eure Tröster zerstören euch und verderben den Weg, den ihr gehen müsst. Münster und Amsterdam mögen euch wohl eine ewige Ermahnung und Lehre sein.

»Wenn der Prophet (spricht Mose) im Namen des Herrn redet, und wird nichts daraus, und kommt nicht: das ist das Wort, das der Herr nicht geredet hat.« (5Mo 18,22)

O lieber Herr, wie manches unschuldige Herz haben sie betrogen, wie manche arme Seele haben sie verführt, wie große Schande haben sie dem Worte Gottes angetan, welche groben Gräuel haben etliche von euch unter einem guten Schein ausgeübt? Wie haben sie die arme, blinde Obrigkeit, welche leider selbst ohne ein richtiges Verständnis des heiligen Wortes ist, veranlasst sich des unschuldigen Blutes schuldig zu machen.

Ich meine, es wäre nun einmal Zeit, dass ihr zuseht und eure lügenhaften, treulosen und verführerischen Propheten kennen lernt. Es sind die Füchse, die des Herrn Weinberg verderben; es sind eurer Seelen Diebe und Mörder; falsche Propheten, die den Herrn verleugnen, der sie erkauft hat und die euch arme, irrende Schafe auf ihre eigenen, lügenhaften Visionen, Träume und auf das Dünken ihres Herzens weisen und euch wider alle Schrift auf einen falschen und losen Grund führen.

Wie gleich seid ihr denjenigen geworden, von denen Eusebius schreibt, dass sie, wie die Propheten vorhergesagt, nach ihres Herzens Lüsten wandelten, Paulus und das neue Testament verleugneten und ein Buch bei sich führten, welches, wie sie sich rühmten, für sie zu einem Geschenk vom Himmel herabgefallen sei.

So ist es auch mit euch, o ihr Verrückten! (haltet mir es zugute, denn es ist die Wahrheit was ich schreibe). Die Propheten lest ihr nach jüdischem Verstand, die Lehre Christi und der Apostel ist schon vollendet, sagt ihr und gebt vor, es sei nun eine andere Zeit und merkt nicht, dass ihr damit den Sohn Gottes verleugnet, der Schrift widersprecht und euch auf lauter Lügen vertröstet, gleich wie auch das ungehorsame Israel zu seiner Zeit getan hat.

Ach lieber Herr, wie lange soll doch diese schwere Plage währen, wie lange soll des Herrn Name so durch euch gelästert und sein heiliges Wort so durch euch verunglimpft werden? Ist es nicht ein betrübender Irrtum und toller Wahnsinn, dass Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der die ewige Gerechtigkeit hernieder gebracht hat, dazu Himmel und Erde mit dem Blut seines Kreuzes befriedigt hat, mit dem Wort seiner Wahrheit und dem Gebot des ewigen Lebens, aus euren Herzen verbannt wird, die er um einen so teuren Preis erkauft hat und welche billig eine Wohnstatt Christi sein sollten und dass ein armes, sündhaftes Fleisch und ein sterblicher Mensch, aus Adams Samen entsprossen, voll aller Ungerechtigkeit mit seinem Großsprechen, seinem Lügen und seiner offenbaren Verführung dagegen von euch angenommen und an seine Statt gestellt wird?

O, liebe Kinder, was tut ihr? Seid ihr so vollständig bezaubert, dass ihr Verstand, Erkenntnis, ja die Schrift und alles so radikal verloren habt, dass ihr nichts mehr wahrnehmen könnt? Dann möge euch Gott gnädig sein. Gute Kinder, nehmt wahr, nicht ein Buchstabe des Gesetzes Mose durfte verändert werden ehe der neue Mose, Jesus Christus, kam, der durch das Gesetz und die Propheten verheißen war. War nun das Wort des buchstäblichen Gesetzes so kräftig, tätig, fest und zu seiner Zeit unveränderlich, wiewohl nur durch einen Knecht gegeben und mit einem vergänglichen Blute versiegelt, wie viel kräftiger, tätiger, fester und unveränderlicher ist nun das freie Gesetz des Geistes, das durch den Sohn selber gegeben und mit dem Blut des ewigen Bundes befestigt worden ist?

Sie waren alle falsche Propheten, die etwas wider Mose Wort lehrten, denn sie durften nichts davon noch dazu tun, sondern mussten sich allezeit nach dem Gesetz und seinen Zeugnissen richten (5Mo 4,2). So auch sind alle Propheten gegenwärtiger Zeit falsche Propheten, so sie wider Christi Geist, Wort, Gebot, Verbot, Ordnung und Vorbild lehren, sollten sie gleich dem Anschein nach heiliger als Johannes, eifriger als Elia und wundertätiger als Mose sein.

Wenn sie euch überreden, dass der Apostel Lehre Stückwerk gewesen sei und dass sie nun das vollkommene Wesen lehren, so ist das eine Verführung über alle Verführungen, wie schon vorhin bemerkt; denn dadurch wird die Kreatur höher geehrt als der Schöpfer. Paulus hat auch hier auf keine bessere Lehre oder größere Vollkommenheit Bezug, als auf die, welche durch die Lehre der Apostel begründet, nach Gottes untrüglichem Versprechen in ewiger Klarheit bestehen wird und welche wir in der Auferstehung der Gerechten empfangen werden, wenn alle Lehre ein Ende nehmen wird; denn im anderen Falle würde Paulus mit sich selber im Widerspruch stehen und das wahrhaftige Wesen wäre in Christus nicht gefunden.

Wollt ihr denn mit den Schriftgelehrten und Juden sagen, dass Elia noch vor dem großen und schrecklichen Tage kommen wird und so fortwährend auf etwas Neues warten?

So antworte ich euch erstens mit Christi eigenen Worten:

»Alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf Johannes. Und (so ihr es wollt annehmen) er ist Elia, der da soll zukünftig sein.« (Mt 11,13–14)

Zum anderen, wenn Elia auch käme, so dürfte er gleichwohl nicht wider den Grund und die Lehre Christi und der Apostel, sondern müsste in Übereinstimmung mit denselben lehren und predigen, wollte er das Amt eines wahrhaftigen Predigers redlich versehen; denn nach Christi Geist, Wort, Wandel und Vorbild müssen sich alle auf das letzte Urteil vorbereiten, oder die ganze Schrift muss unrecht und falsch sein.

Darum muss eines von beiden folgen: entweder haben wir keinen Elia mehr zu erwarten, indem Johannes der Elia war, welcher kommen sollte; oder wenn noch ein Elia käme, er uns nichts anderes als Christi Grund, Lehre und Wort nach Inhalt der Schrift, vorführen und lehren müsste; denn Christus ist der Mann, der auf Davids Stuhl sitzt und in Jakobs Reich, Haus und Gemeinde regieren soll ewiglich.

So will ich euch hiermit aus Herzensgrund ermahnen, dass ihr doch aller Geister Lehre, Glaube und Handel mit Christi Geist, Lehre und Handel abwiegen und recht prüfen wollt, auf dass ihr nüchtern werden mögt. Alle Geister, die damit übereinkommen, sind aus Gott; die aber dawider sind, sind aus dem, der Adam und sein Geschlecht von Anfang her von Gott abgewendet und durch die Lügen in den Tod geführt hat.

Hört ihr aber nicht und wollt immerfort die Ohren nach der Lüge wenden; mehr der verführerischen Kreatur als dem untrüglichen Schöpfer glauben; eure Füße auf das Schlüpfrige setzen; keine Schrift, Ermahnung noch Gottes Hand und Strafe fürchten und wahrnehmen, sondern alles verachten und als unnütz und eitel beiseite setzen; euch stets mit Lügen, Visionen, Träumen, schönen Schein und falschen Deutungen trösten lassen und so ohne Kreuz auf dem breiten Weg bleiben, so wird der gerechte Herr euch Spötter und Verführer in Haufen zuschicken und ihr werdet durch sein gerechtes Urteil aus einem verderblichen Irrtum in den anderen geraten wie man bereits sehen kann.

Ihr werdet mit Lügen, Geschwätz, Torheit und Heuchelei gesättigt werden, die Frucht eurer Leichtfertigkeit sammeln und zum Letzten mit allen falschen Propheten und lügenhaften Wundertätern hören:

»Weicht alle von mir ihr Übeltäter, ich kenne euer nicht, wo ihr her seid!« (Lk 13,28)

Seid hiermit also ewiglich gewarnt und treulich in Gott ermahnt. Seht euch vor, der Tag naht, tut Buße und bessert euch, Gottes Wort ist die Wahrheit. Ist jemand unter euch, der Gott fürchtet, der denke ihm nach, was ich schreibe, untersuche die Schrift und glaube der Wahrheit; Gott hasst alle Lügner, das ewige Wehe und Zähneklappern wird der Heuchler Teil und Lohn sein.

»Wer übertritt, und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat keinen Gott.« (2Joh 9)

O ihr elenden, bezauberten Kinder, kehrt um! Wenn ihr wüsstet, was es ist, den lebendigen Brunnen, Christus, verlassen und sich selbst trockene Brunnen zu graben, die kein Wasser geben noch halten können (Jer 2), wie bald würdet ihr den falschen Propheten und dem heuchlerischen Leben den Rücken kehren und euch dem wahren Hirten unserer Seelen, Christus, ergeben und seinem sicheren Rat, seiner Lehre, Ermahnung, Ordnung und seinem heiligen Vorbild (wiewohl in Schwachheit) folgen und nachkommen; aber die zauberische Blindheit hat leider den Verstand verdunkelt. Der liebe, barmherzige Herr verleihe euch allen miteinander Augen zu sehen und Herzen zu verstehen, solches wünschen wir euch aus Grund unserer Seelen, Amen.

3.12.5  Des Herrn Braut, Reich, Stadt, Leib, Gemeinde, Gnade und Friede

So spricht der Bräutigam, Christus Jesus, durch Salomo zu seiner Braut, der Gemeinde:

»Stehe auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her, denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin; die Blumen sind hervorkommen in dem Lande, der Lenz ist herbeikommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserm Lande; der Feigenbaum hat Knoten gewonnen, die Weinstöcke haben Augen gewonnen, und geben ihren Geruch. Stehe auf, meine Freundin, und komme, meine Schöne komm her!« (Hl 2,10–13)

Auserwählte, treue Kinder, die ihr mit mir zu gleicher Gnade, zu gleichem Erbteil und Reich berufen seid und nach des Herrn Namen genannt werdet, hört die Stimme eures Bräutigams; o du Braut Gottes, du Freundin des Herrn, stehe auf und ziere dich deinem König und Bräutigam zu Ehren. Wiewohl du rein bist, reinige dich noch mehr, wiewohl du heilig bist, heilige dich noch mehr und wiewohl du rechtschaffen bist, werde noch rechtschaffener. Ziere dich mit dem weißen, seidenen Kleid der Gerechtigkeit, hänge um deinen Hals die goldene Kette aller Frömmigkeit, umgürte dich mit dem schönen Gürtel der brüderlichen Liebe, tue an den Trauring eines wahren Glaubens, vergolde dich mit dem edlen, schönen Gold des göttlichen Wortes, ziere dich mit den Perlen allerlei Tugenden, wasche dich mit dem klaren Wasser der Gnaden und salbe dich mit dem Öl des heiligen Geistes, wasche deine Füße in dem klaren, hellen Fluss des allmächtigen Gottes, lass deinen ganzen Leib sauber und rein sein, denn dein Freund hasst alle Runzeln und Flecken, so wird er Lust an deiner Schönheit haben, dich preisen und sagen:

»Wie schön sind deine Brüste, meine Schwester, liebe Braut! Deine Brüste sind lieblicher denn Wein, und der Geruch deiner Salbe übertrifft alle Würze. Deine Lippen, meine Braut, sind wie triefender Honigseim; Honig und Milch ist unter deiner Zunge.« (nach Hl 4,10–11)

»Erfreue dich, o du Vertraute des Herrn! Denn schön ist dein Vermählter über alle Kinder der Menschen, auserkoren unter viel tausenden, sein Haupt ist das feinste Gold, seine Locken sind kraus, schwarz wie ein Rabe. Seine Augen sind wie Taubenaugen an den Wasserbächen, mit Milch gewaschen und stehen in der Fülle. Seine Backen sind wie die wachsenden Würzgärtlein der Apotheker. Seine Lippen sind wie Rosen, die mit fließenden Myrrhen triefen. Seine Hände sind wie goldene Ringe, voll Türkisse. Sein Leib ist wie rein Elfenbein mit Saphiren geschmückt. Seine Beine sind wie Marmorsäulen, gegründet auf goldenen Füßen. Seine Gestalt ist wie Libanon, auserwählt wie Zedern; seine Kehle ist süß und ganz lieblich.« (nach Hl 5,10–16)

Rufe und sprich:

»Höre, Tochter, schaue darauf, und neige deine Ohren, vergiss deines Volkes und deines Vaters Hauses; so wird der König Lust an deiner Schöne haben.« (Ps 45,11–12)

Tritt hervor, o du Königin, o du wohlbereitete und schönste aller Frauen! Beuge deinen Nacken mit Esther unter seinen gewaltigen Zepter, höre sein Wort und fürchte sein Gericht, erkenne seine große Liebe, denn er hat sich sehr gegen dich erniedrigt.

»Dein Geschlecht und deine Geburt ist aus der Kanaaniter Lande, dein Vater aus den Amoritern, und deine Mutter aus den Hetitern; deine Geburt ist so geschehen: Dein Nabel, da du geboren wurdest, ist nicht verschnitten; so hat man dich auch mit dem Wasser nicht gebadet, dass du sauber würdest, noch mit Salz gerieben, noch in Windeln gewickelt.« (Hes 16,3–4)

– und du lagst in deinem Blut erstickt, siehe, so verachtet war deine Seele, wie der Prophet klagte. Aber er hat sich über dich erbarmt, dir das Leben zugesagt, dich aufgezogen, deine Schande zugedeckt, dich von deiner Unreinheit gesäubert, dein Blut abgewaschen, dich mit Balsam gesalbt, mit geistlichen Kleidern bekleidet, mit Spangen, Ohrringen und einer schönen Krone geziert, dich als seine Braut angenommen und einen ewigen Bund mit dir gemacht; mit Öl, Honig und Semmelmehl hat er dich gespeist, in die Schlafkammer seiner Liebe eingeführt und geküsst mit dem Mund seines Friedens.

Ei wie ein lieblicher, günstiger Bräutigam und gnädiger König ist das, der seine arme, unreine, ungeachtete, ja, unkeusche Dienstdirne zu einer solchen hohen Frau erwählt und zu einer so herrlichen Königin berufen hat und hat sich keine Mühe, Arbeit noch Unkosten verdrießen lassen, bis dass er sie auf die allerschönste, sauberste, würdigste und edelste unter allen Frauen gemacht hat.

Steht auf und eilt, ziert und schmückt euch, lobt und preist den, der euch geschaffen und mit dem Wort der Gnade zu solchen hohen Ehren berufen hat.

»Der Winter und Regen sind vergangen, die Blumen werden gesehen, und die Turteltaube gehört in unserm Lande.« (Hl 2,11–12)

Es gibt nichts mehr, das uns schaden oder hindern kann, denn Hölle, Sünde, Teufel und Tod, dazu Welt, Fleisch, Feuer und Schwert, sind von allen Gotteskindern durch Christus schon überwunden; all ihr Wissen ist Christus Jesus, ihr Suchen ist die reine, apostolische Lehre und das fromme, unsträfliche Leben, das aus Gott ist.

Lob sei dem Allerhöchsten, der die Lügen verstummt, denn die Wahrheit klingt in allen Straßen. Der Antichrist wird zuschanden und Christus steigt auf in hohe Ehren, »ja der unfruchtbare kalte Winter ist verschwunden, und der fruchtbare, lustige Frühling ist herzukommen, die lieblichen, schönen Blumen sprießen an allen Orten, die Turteltaube kirret.« Das heilsame, heilige Wort, das Wort der Buße, das Wort der Gnade und des ewigen Friedens wird mit Mund, Schrift, Leben und Tod bezeugt in vielen Landen.

»Mache dich auf, du Allerschönste, gehe in den Lustgarten und Weinberg deines Freundes, und siehe, die Knospen des Feigenbaums und die Weingärten geben ihren süßen Geruch.« (nach Hl 2,13)

Der Glaube grünt, die Liebe blüht, die Sonne erweicht und die Wahrheit wird verkündigt und bezeugt, die so viele Jahre ohne Frucht gewesen ist; und wiewohl du für kurze Zeit die Hitze der Sonne ertragen musst, so ist dir dennoch wohl bekannt, dass dir das Reich der Ehren in ewiger Freude zugesagt und bereitet ist.

Erfreue dich und wache, schwarz bist du, aber ganz lieblich; du bist als die Hütten Kedar, als die Tapeten Salomo.

»Stehe auf, Nordwind, und komm, Südwind; und wehe durch meinen Garten, dass seine Würze triefen.« (Hl 4,16)

Fürchte dich nicht, du kleine Versammlung, denn es ist des Vaters Wille, dir das Reich zu geben; nicht das vergängliche Reich Assyrien, Medien, Mazedonien oder Rom, sondern das Reich der Heiligen, das Reich des großen Königs, das Reich Davids, das Reich der Gnaden und des ewigen Friedens, das nimmermehr vergehen, sondern ewig bleiben und bestehen wird; darum höre ihn und sei gehorsam, auf dass du nicht mit der hoffärtigen, ungehorsamen Vasti ausgestoßen, sondern mit der frommen und demütigen Esther in ewiger Herrlichkeit vor dem wahren Ahasveros, Christus, leben und ewig bei ihm bleiben magst.

Blicke auf, du Tochter Zion und merke was dir verheißen ist. O Jerusalem, wiewohl du nun als eine Trostlose eine Zeitlang sitzest und allerlei Ungewitter und Hagel tragen musst, so wird doch gleichwohl dein Helfer zu rechter Zeit da sein, der deine Gerechtigkeit gleich dem Morgen hervorbringen und dein Schirm vor Wind und Stürmen sein wird. Denn er, der dich lieb hatte, hat gesagt:

»Siehe, ich will deine Steine wie ein Schmuck legen, und will deinen Grund mit Saphiren legen, und deine Fenster aus Kristallen machen, und deine Kinder gelehrt vom Herrn. Du sollst durch Gerechtigkeit bereitet werden; du wirst ferne sein von Gewalt und Unrecht.« (Jes 54,11–14)

Nimm wahr, deine Mauern sind auf zwölf Fundamenten befestigt, deine Pforten sind von Perlen, die Stadt von lauterem Gold, die Ströme voll lebendigen Wassers fließen von dem Stuhl Gottes und des Lammes bis mitten auf ihre Straßen und der Baum des Lebens auf beiden Seiten und seine Blätter dienen zur Gesundheit der Heiden. Selig und heilig ist der, der einen Anteil an dieser Stadt hat (nach Offb 21–22).

Darum so reinigt euch, ihr, die ihr den Herrn sucht, beschneidet die Vorhaut eures Herzens, denn diese heilige Stadt darf von keinem Unbeschnittenen bewohnt, ihre goldenen Straßen von keinen unreinen Füßen betreten, ihre klaren Wasser von keinem Unreinen getrunken, die Frucht des Lebens von keinem Gottlosen gegessen werden, denn

»draußen sind die Hunde, und die Zauberer, und die Hurer, und die Totschläger, und die Abgöttischen, und alle, die lieb haben und tun die Lügen.« (Offb 22,15)

Seid alle gleich gesinnt mit Christus Jesus; seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens; ihr seid alle ein Tempel, Haus, Berg, Leib, eine Stadt und Gemeinde in Christus Jesus.

Euer Licht setzt auf den Leuchter, eure Stadt baut auf einen hohen Berg; lebt unsträflich, handelt in allen Dingen christlich, fürchtet Gott auf allen euren Wegen, preist ihn in allen euren Werken, denn groß ist die Gnade, die erschienen ist. Beweist euch in allen Dingen als diejenigen, die aus Gott geboren sind; meidet alle falsche Lehre; vergeltet nicht Böses mit Bösem, sondern vergeltet das Böse mit Gutem; bittet ohne Aufhören; in Geduld besitzt eure Seelen; richtet alle eure Gedanken nach Christi Gedanken, eure Worte nach Christi Worten und euer Leben nach Christi Leben, so könnt ihr in Ewigkeit nicht betrogen werden.

Wandelt, wie es eurer Berufung würdig ist, darin ihr berufen seid. Lasst sie tyrannisieren, lästern, schelten und wüten; alle, die den Herrn und sein Wort hassen, die verfolgen nicht euch, sondern Christus Jesus, der sie zu seiner Zeit richten und (so sie sich nicht bekehren) ein gleiches Maß der Vergeltung in ihren Schoß schütten wird (Lk 6,38).

Streitet und kämpft ritterlich, auf dass euch die Krone nicht genommen werde; flieht zu dem Berg der Beschirmung, Christus Jesus. Umgürtet euch mit den Waffen der Gerechtigkeit; bekennt Gottes Wort mit Freimütigkeit; wankt weder noch weicht, Gott ist euer Führer; seid treu bis in den Tod, so werdet ihr die Krone des Lebens ererben.

Wer überwindet, wird mit weißen Kleidern bekleidet und sein Name aus dem Buch des Lebens nicht ausgetilgt werden. Ob wir gleich vor den Augen der Unweisen zu sterben scheinen und unser Abschied für eine Pein gerechnet wird, sind dennoch unsere Seelen in gewisser Hoffnung und im Frieden (Weish 3).

Paulus spricht:

»Das ist ja gewisslich wahr: Sterben wir mit (Christo), so werden wir mitleben; dulden wir, so werden wir mitherrschen; verleugnen wir, so wird Er uns auch verleugnen.« (2Tim 2,11–12)

Darum so fürchtet euren Gott von Herzen; wacht und betet und befehlt dem mit Jeremia eure Sachen, der euch zu seiner lieben Braut, zu seinen Gliedmaßen auserwählt, zu dem Reich seiner Gnaden und zum Erbe seiner Herrlichkeit berufen und mit dem unbefleckten Blut seiner ewigen Liebe erkauft hat, Christus Jesus.

Friede sei mit euch! Der Geist, die Kraft und Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit allen meinen Mithelfern, Glaubensgenossen, Brüdern und Schwestern, bis in das ewige Leben, Amen.