3.11  Entgegnungen Babylons und ihrer Bauleute, samt deren Verantwortung

Lieber Leser, obwohl wir hier einen guten und klaren Unterschied zwischen den rechten und falschen Predigern gezeichnet und erklärt haben, warum wir die Falschen nicht hören dürfen, so dass wir also hoffen, dass die Gottesfürchtigen, die des Herrn Wort für recht erkennen, den Grund und die Wahrheit in vollständigem Maße begreifen werden, so findet man dennoch unter diesen Predigern etliche, die zum Teil wohl erkennen, dass ihre Sache nach der Schrift nicht bestehen kann.

Aber dennoch, weil sie aus Gott nicht geboren sind, Gott nicht fürchten, die Welt und ungebührlichen Gewinn suchen und ihren Bäuchen frönen, so haben sie mancherlei Schriftstellen zusammengelesen, durch welche sie die einfältigen und schlichten Herzen und diejenigen, welche für das Kreuz Christi einen Schrecken haben, überreden, dass man wohl daran tue ihre Lehre anzuhören und ihren Kirchendienst zu genießen; und solches tun sie um bei ihrem sorgenlosen Leben bleiben und sich gute Tage verschaffen zu können.

Erstens sagen sie nun, dass Christus sprach:

»Auf Moses Stuhl sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer; alles was sie euch sagen, das ihr halten sollt, das haltet und tut, nach ihren Werken aber sollt ihr nicht tun.« (Mt 23,2–3)

Hieraus schließen sie, dass gleich wie die Schriftgelehrten und Pharisäer auf Moses Stuhl saßen und gleichwohl etlichen Sauerteig unter den süßen Teig mengten, wovor der Herr seine Jünger warnte, indem er lehrte: »Alles was sie euch sagen, das ihr halten sollt, das haltet und tut.« Da sie nun auch auf Christi Stuhl sitzen, wiewohl ihre Lehre und ihr Wandel nicht gänzlich rein und aufrichtig sei, darum sollte man auf sie hören insoweit als sie das Wort Gottes predigen, nicht aber nach ihren Werkentun.

Hierauf antworte ich zum Ersten und frage sie, ob sie denn mit den Schriftgelehrten und Pharisäern wollen eins sein oder nicht? Sprechen sie ja, so müssen sie selbst Richter sein und zugestehen, dass sie Mitgenossen derer sind, die Christus gekreuzigt, Stephanus gesteinigt, die Apostel gegeißelt, die Heiligen verfolgt haben, kurzum, dass sie diejenigen sind, welche mit ewigem Wehe so oftmals bedroht sind; darum mögen sie auch vor dem Herrn und seinem Gericht mit Recht erschrecken und es fürchten. Sprechen sie aber nein, so können sie mit dieser Schriftstelle nichts beweisen.

Zweitens sage ich, falls sie sich auf diese Stelle stützen wollen als ein quasi argumentum a simili d. h. Argument durch Gleichnisse, sie nicht vergessen dürfen, dass auf Moses Stuhl sitzen heißt, die Gesetze Mose mit seinen Zeremonien recht predigen und pflegen. Solches nun taten die Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie ließen das Gesetz mit seinen Zeremonien unzerbrochen und haben nichts darin verändert, wiewohl sie einigen Aberglauben dabei gebrauchten, wie zu sehen ist (Mt 15,1–9). Denn wenn sie es verändert hätten, so würden sie nicht auf Moses Stuhl gesessen haben.

Gleichwie nun die Schriftgelehrten und Pharisäer auf Moses Stuhl saßen, so müssen auch diese nun beweisen, dass sie Christi Evangelium, Taufe, Abendmahl, Absonderung recht predigen und üben oder aber das Argumentum a simili kann nicht bestehen.

Zum Dritten sage ich: Solange die Schriftgelehrten und Pharisäer auf Moses Stuhl saßen, das Gesetz, welches auf Christus deutete, mit den gesetzlichen Zeremonien lehrten und übten, wie vorhin bemerkt worden ist, solange wies Christus zu jener Zeit das Volk und seine Jünger zu ihnen; denn das Gesetz war nicht vollendet; das vollkommene Opfer, das alle figürlichen Opfer abtun sollte, war noch nicht gebracht; der Vorhang des Tempels noch nicht zerrissen und die Bilder und Schatten waren noch nicht in das neue bleibende Wesen verändert. Nachdem aber alles nach der Schrift ausgerichtet und in Christus neu geworden war, da sandte er nicht die Schriftgelehrten und Pharisäer mit Moses Lehre, sondern seine Jünger mit seiner eigenen Lehre aus, zu denen er sagte:

»Geht hin in alle Welt, und predigt das Evangelium aller Kreatur und lehrt sie halten, alles was ich euch befohlen habe!« (Mk 16,15; Mt 28,20)

Da nun alle Dinge in Christus und durch Christus neu geworden sind, so werden wir – gleich wie das Volk Mose von Christus vor seinem Tode zu denjenigen gewiesen wurde, die Moses Gesetz und Zeremonien recht lehrten – in dem neuen Testament und nach dem Tode Christi, zu denjenigen Predigern gewiesen, welche auf Christi Stuhl sitzen, sein Wort unsträflich lehren und seine Sakramente so gebrauchen, wie die Schrift sie vorschreibt.

Vor denen aber, die Christi Lehre verfälschen, seine Sakramente missbrauchen, das Volk verführen, ein wildes und rohes Leben führen, warnt uns die Schrift überall und gebietet uns, dass wir sie fliehen, meiden und uns von ihnen abwenden sollen, sie nicht in unsere Häuser aufnehmen sollen, denn sie sitzen auf des Antichristen Stuhl und nicht auf dem Stuhl Christi, wie schon vorhin erklärt mit Mt 7,15.

Zweitens berufen sie sich auf die Worte Pauli:

»Den Geist dämpft nicht. Die Weissagung verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet. Meidet allen bösen Schein!« (1Th 5,19–22)

Darauf antwortete ich: Von welchem Geiste und von welcher Prophezeiung Paulus dies gesprochen hat, wird, nach meinem Dünken (1Kor 4,11), von ihm selbst deutlich erklärt. Denn wäre es des Apostels Meinung gewesen, dass wir uns nach Häusern verfügen sollten, in denen offenbare Verführung und öffentlicher Götzendienst ausgeübt werden um dort ihren Geist und ihre Lehre zu prüfen, da wir doch mit Bestimmtheit wissen, dass sie des Herrn Wort und Sakramente verfälschen und dem Fleisch und den Sinnen zu frönen suchen und gänzlich außer Christi Geist und Lehre stehen, so würde Paulus sich widersprochen haben, wenn er sagt, dass wir uns von solchen scheiden und sie meiden und fliehen sollen.

Ach nein, Paulus schrieb dies nicht von Predigern gleich den Pharisäern und Schriftgelehrten oder von den abgöttischen Pfaffen in Ägypten und Babylonien (verstehe wohl was ich sage), sondern er sprach dies mit Bezug auf die Propheten, Hirten und Lehrer in der Gemeinde Christi, dass wir deren Geist nicht dämpfen, ihre Lehre prüfen und das Gute behalten sollen. Falls sie aber etwas lehrten, das mit der Schrift und dem Glauben nicht übereinstimmen sollte, haben wir es zu meiden.

»Denn so jemand Weissagung hat, so sei sie dem Glauben ähnlich.« (Röm 12,7)

Dasselbe lehrt auch Johannes seinen Jüngern indem er sagt:

»Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeglichen Geist, sondern prüft die Geister ob sie von Gott sind!« (1Joh 4,1)

Überdies mag die Stelle »Meidet allen bösen Schein!« als für sich selbst stehend und von dem vorhergehenden als unabhängig betrachtet werden.

Mein guter Leser, wir haben eure Prediger in ihrem Geist und ihrer Lehre so wohl geprüft, dass wir mit gutem Gewissen sagen dürfen, sie sind nicht aus Gott und Gottes Wort, sondern aus dem Pfuhl des Abgrunds, aus dem Drachen und Tier. Sage, lieber Leser, wie kann man die für Lehrer anerkennen, die so mutwillig wider Gottes Wort streiten?

»Was für Gemeinschaft hat doch das Licht mit der Finsternis? Oder wie stimmt Christus mit Belial überein?« (2Kor 6,14–15)

Der größte Teil ihrer Lehren und ihres Tuns ist ja lauter Verführung und Heuchelei. Mein Leser, verkehre diese Worte nicht, denn dass ich die Wahrheit schreibe, kann ich mit ihrer eigenen Lehre, Sakramenten und Leben vor der ganzen Welt bezeugen.

Zum Dritten sagen sie, warum man sie nicht hören wolle, da doch die Weisen aus dem Morgenland Herodes hörten.

Antwort: Diese Anführung erscheint mir so kindisch, dass sie keiner Antwort wert ist. Herodes tat nichts weiter als dass er mittels der von den Schriftgelehrten erhaltenen Auskunft den Weisen die Stadt bezeichnete, in welchen der Juden König geboren sein sollte. Dies tat er aus blutdürstigem Herzen, wie seine spätere Tat beweist. Er schickte sie gen Bethlehem und sprach:

»Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr es findet, so sagt es mir wieder, dass ich auch komme und es anbete!« (Mt 2,8)

Herodes fürchtete, als er erfuhr den Juden sei ein neuer König geboren, dass er sein Reich und seine Herrlichkeit verlieren dürfte, aus diesem Grunde List und Heuchelei gebrauchend, redete er mit den Weisen, während er nach des Kindes Tod begierig war, damit er verhindere, dass dasselbe zum Könige gemacht werde. Als er aber gewahr wurde, dass ihm seine Heuchelei nichts half, wurde er sehr zornig und bewies sein grimmiges, tyrannisches und gottloses Gemüt dadurch, dass er alle unschuldigen, zweijährigen Kinder und die unter diesem Alter waren, erwürgte, in Bethlehem sowohl als in der Umgegend, damit er dadurch auch den geborenen König töte; wie zu sehen ist (Mt 2,16).

Ach mein guter Leser, wie richtig berufen sie sich auf diesen heuchlerischen, lügenhaften, ehrgeizigen und tyrannischen Herodes; denn meistenteils sind sie von gleichem Geist und von gleicher Art. Es ist ihnen so herzlich leid, dass Christus durch sein Wort wiedergeboren ist. Sie sind heuchlerisch wie Herodes; sie lügen und sagen, dass sie es von Herzen meinen und aufrichtig sind, fürchten aber, dass sie, sollte Christi Reich zur Herrschaft gelangen, ihren schändlichen Gewinn und üppiges, träges Leben verlieren würden, gleich wie Herodes fürchtete, dass er um sein Reich kommen würde. Sie verlangen also nach dem Verderben der Frommen, gleich wie Herodes nach dem Blute Christi.

Da sie nun solche offenbare, heuchlerische Lügner sind und irdisch gesinnt, mithin wohl auch auf Blut ausgehen, wie man vielfältig sehen kann; so wollen wir auch in dieser Hinsicht die Weisen zu einem Vorbild nehmen, die durch eine himmlische Eingebung belehrt, nicht wieder zu Herodes kommen; und wollen durch Gottes Gnade seine Eingebungen, seinen Rat, seine Lehre und Ermahnungen treulich wahrnehmen und uns zu denen kehren, die uns Christus in der Kraft erkennen lassen und die Wahrheit nach dem Geiste lehren und bewähren.

Viertens sagen auch etliche: Sollte gleich der Teufel Gottes Wort predigen, warum sollte man ihn dann nicht hören?

Diesen unnützen Lästermäulern will ich zum Ersten antworten, dass es gut wäre, dass sie des Teufels Geist, Art und Natur von Christi Geist, Art und Natur recht unterscheiden lernen möchten, ehe sie solche ungesalzenen, abscheulichen Worte dem armen Volk vorreden.

Der Teufel ist von Anfang ein Lügengeist gewesen, wird es auch unzweifelhaft ewig bleiben; und weil er denn also ein Lügenredner ist und die Lügen seine eigentliche Art, Natur, Weise und seine Werke sind, wie der Herr sagt, wie kann er denn Gottes Wort (das die Wahrheit ist und seiner lügenhaften Art und Natur geradezu entgegen) aus rechter Meinung jemand lehren und anweisen; und ob er schon die Wahrheit recht lehrte und Christus seinen Preis gäbe, so täte er das doch aus falschem Herzen, denn er ist ein Teufel und die Wahrheit ist nicht in ihm.

Er bekannte Christus nach dem Inhalt seiner Worte recht, da er sagt: Du bist Christus, der Heilige Gottes: du bist Christus, der Sohn Gottes. Gleichwohl wollte Christus sein Bekenntnis nicht, sondern strafte ihn und sprach: Schweige und fahre aus von ihm, denn dein Bekenntnis geschieht aus teuflischem Herzen, wie gesagt ist.

Zum anderen sage ich: Wenn jemand des Teufels Stimme hören will, der darf nicht weit laufen, er findet sie leider an allen Orten. Alle die Lügen reden, die reden aus dem Teufel (Joh 8). Im Anfang redete er durch die Schlange; in Israel durch die falschen Propheten und nun redet er durch den Mund seiner Prediger, auf dass er die Welt betrüge und von der rechten Wahrheit abwende, dass sie ja nimmermehr selig werde.

Weil er denn, sage ich, ein Lügengeist, Gegner Gottes, Verfälscher der Schrift und Mörder der Seelen von Anfang gewesen und noch ist und ewig bleiben wird, nichts Gutes lehren noch tragen kann, indem er von Natur unrein, lügenhaft, falsch und allezeit Gottes Feind ist, wollen wir unsere Ohren durch des Herrn Gnade vor solchen lästerlichen Reden verschließen, dem Teufel, nebst allen Lügenpredigern, nach Inhalt von Gottes Wort, unseren Rücken kehren und mit treuem Ernst uns befleißigen, der Schrift gehorsam zu sein, die uns allein auf Christus weist; Christus weist uns auf seine Jünger und seine Jünger wiederum auf solche Lehrer, deren Lehre und Leben unsträflich sind, wie vorhin beregt. Der barmherzige, gnädige Herr wolle alle frommen Herzen vor dem herodischen Geschlecht und vor des Teufels Predigern ewiglich bewahren, Amen.

Zum Fünften sagen auch noch etliche, dass das bloße Gehörgeben frei stehe, wenn wir uns von ihnen nur nicht verführen lassen.

Worauf ich antworte, dass der Leser zum Ersten bemerken muss, wie das Volk Gottes allezeit, seit Abrahams Zeiten, ein abgesondertes Volk gewesen ist und besonders von Mose an seine eigenen besonderen Prediger, Lehrer und Zeremonien, Ordnung und Gottesdienst gehabt hat, wie man überall in den Büchern Moses lesen kann.

Zweitens, dass Israel von Gott den Befehl hatte, sollte ein falscher Prophet unter ihnen aufstehen, derselbe, ob er gleich Zeichen und Wunder täte, dennoch sterben sollte (5Mo 13,4).

Drittens sollte Israel keine Lehre und keinen Gottesdienst von irgendeiner fremden Nation, die um sie her lagen, verbreiten oder annehmen, sondern sollte allein fest an dem Gesetz und seinen Zeugnissen halten.

Viertens, da nun etliche gottlose Könige auftraten wie Jerobeam, Ahab, Manasse und andere mehr, die ihre eigene Gerechtigkeit und Abgötterei mehr als des Herrn Wort und rechten Gottesdienst liebten und der falschen Propheten viele wurden, die das Volk von dem Herrn und seinem Gesetz abwandten, da erweckte Gott gnädig die treuen Propheten Jesaja, Jeremia, etc., um die ungehorsamen, abgöttischen Könige und falschen Propheten aus des Herrn Mund zu strafen und das Volk im Allgemeinen treu gegen sie zu warnen und sie sagten:

»Hört nicht die Worte der Propheten und Prediger, die euch predigen und prophezeien, sie betrügen euch, denn sie predigen nach ihres Herzens Gutdünken und nicht aus dem Mund des Herrn!« (Jer 23,16)

Diese gottgesandten Propheten deuteten alle herrlich auf Christus, sein Reich und seine Herrschaft.

Fünftens, dass Christus, gleich wie Mose, in seinem Reiche, seiner Gemeinde oder Kirche seine eigenen Propheten, Prediger, Lehrer, Zeremonien und Ordnung bestellt und eingeführt hat, welche ewiglich von allen wahren Christen befolgt und beachtet werden müssen.

Sechstens lehren, raten und ermahnen uns die heiligen Apostel überall, dass wir uns in Lehre und Gottesdienst von allen denen scheiden sollen, mögen sie getauft oder ungetauft sein, welche mit Christi Geist, Lehre, Ordnung und Vorbild nicht übereinstimmen.

Siebtens, dass die ganze Welt mit ihren Lehren und Sakramenten, ihrem Geist, Gottesdienst und Leben von Christi Geist, Wort, Sakramenten, Gottesdienst und Vorbild gänzlich verschieden, ja nichts als ein neues Sodom, Ägypten und Babel sei (Offb 11,8).

Achtens, dass alle die, so Gottes Wort erkennen und seines Geistes teilhaftig sind, dazu berufen sind, dass sie als ein Licht in der Finsternis scheinen und vor der Welt recht leuchten sollen; dass sie das gottlose Wesen mit Mund, Werk, Leben und Tod strafen, des Herrn heiligen Namen, Wort und Willen bekennen und mit einem frommen, unsträflichen Leben nach der Schrift beweisen sollen.

Neuntens, dass

»wer einen dieser Geringsten ärgert, die an mich (d. h. Christus) glauben, dem wäre besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist.« (Mt 18,6)

Zehntens, dass man wohl bedenke, warum oder aus welcher Ursache man solche Prediger nicht hören soll. Denn wenn man sie hört und von ihnen gelehrt zu werden begehrt, so sucht man die Wahrheit unter den Lügen und das Leben unter den Toten. Will man aber von ihnen nicht gelehrt werden, sondern nur unsere Freiheit gebrauchen, wie sie das nennen, so muss man bekennen, dass solches Hören, kein Hören, sondern Eitelkeit und Heuchelei ist, womit man Christi Geist, Lehre, Ordnung, Rat, Ermahnung, Gemeinde und Kirche verachtet, des Antichristen verführerische Gräuel, Abgöttereien, Reich und Gemeinde stärkt, sich der Welt im bösen Schein gleichstellt, mit derselben heuchelt, manches gottesfürchtige Kind betrübt und ärgert, Zank unter den Frommen anrichtet und das unschuldige Blut vergebens achtet, welches um der Sache willen an vielen Orten vergossen wird.

Seht, meine Leser, alle die den Herrn fürchten und diese hier auf das Kürzeste beregten zehn Artikel mit des Herrn Geist und Wort recht prüfen, die sollen es dabei allein nicht bewenden lassen, sondern sollen des heiligen Geistes Rat und Ermahnung getreu wahrnehmen, die Welt mit Lehre und Werken strafen, den bösen Schein meiden und unsträflich in des Herrn Haus wandeln.

Aber so viel den falschen Gottesdienst angeht, trösten sich die Leichtfertigen untereinander und sagen so: Man dürfe die Kinder wohl taufen lassen, denn das Kind sei rein, das Wasser sei rein, Waschen und Baden sei auch rein, etc. Auch dürfe man der Prediger Abendmahl wohl genießen, denn obwohl es in abgöttischen Häusern verabreicht werde, hätten doch nun die Christen keinen Abgott mehr, sondern genössen Brot und Wein nur als solche, die doch den Reinen rein sind, denn den Reinen, sagt Paulus, sind alle Dinge rein; weisen auf Naeman, den Hauptmann des Königs in Syrien und auf das Haus Rimon und sagen so: Wir achten der Pfaffen Abgötterei nicht, sondern wir beten den an, der Himmel und Erde gemacht hat.

Ich antworte: Kann man uns irgendeine Schriftstelle anführen, welche besagt, dass Unreinheit, Sünde, Verfälschung der Ordnung Gottes, Abgötterei, Ungehorsam des Wortes und Heuchelei, den Reinen (das heißt den wahren Gläubigen) jemals rein gewesen und frei gestanden haben, so möchte man darüber noch vielleicht etwas nachdenken; wir wissen nun aber, dass dieser Beweis nicht geführt werden kann.

Ach, mein lieber Leser, hätten die lieben Männer Gottes die Schrift so verstanden, wie diese armen Leute tun, hätten die drei jungen Helden sich keineswegs in den Feuerofen werfen lassen. Der alte, ehrliche Eleasar, die gottesfürchtige Susanna, die Mutter mit den sieben Söhnen, die heiligen Propheten, Apostel und frommen Zeugen Gottes hätten ihr Leben wohl bewahrt, wären der schweren Marter und Pein entgangen und hätten gesagt, den Reinen sind alle Dinge rein; liebe Herren wir wollen es gerne tun.

Ach nein, mein guter Leser, nein; das Unreine will von dem Reinen nicht angerührt sein. Rührt nichts an, spricht Gottes Geist durch Jesaja und Paulus, das unrein ist, das heißt, was von der Schrift verboten ist. Was nützt es, dass sich jemand von den Toten reinigen lässt, so er die Toten wieder anrührt? Ist es nicht lauter Torheit, so jemand sein Kleid wäscht und es wieder in den Kot tritt? Die Schrift lehrt offenbar, dass der Gerechte seines Glaubens leben wird und ein guter Baum gute Früchte bringen muss. Wir wissen auch gewiss, dass eine demütige, niedrige Seele nimmermehr mit Gold, Perlen oder köstlichen Kleidern prangen und Pracht treiben werde und dass derjenige, der Gott fürchtet, ehrlich, keusch und nüchtern ist, nicht mit ehrlosen Weibern trinken, reden, singen und tanzen wird; denn die Erkenntnis, Furcht und Liebe Gottes und seines Worts wehren es ihm; und wenn er solches täte, müsste man erkennen, dass sein Licht Finsternis und sein Wandel dem Wort nicht gemäß wäre. So geziemt sich auch nicht, dass diejenigen, die sich des Worts rühmen und der Prediger Verführung, Abgötterei und Gräuel mit der Schrift strafen wollen, sich mit ihrer Lehre, ihren Sakramenten und ihrem falschen Gottesdienst vermengen; denn Sagen ohne Tun, gilt nichts,

»und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern straft sie vielmehr.« (Eph 5,11)

Es ist wohl wahr, den Reinen sind alle Dinge rein, verstehe, die nicht wider Gottes Geist und Wort sind. Denn niemand wird rein in der Schrift genannt, als die sich nach des Herrn Wort und Geist schicken. Alle die mit dem Wort übereinstimmen, denen sind alle zugelassenen, reinen Dinge rein, wie Essen, Trinken, Kleidung, Haus, Hof, Land, Gold, Silber, Frauen, Kinder, Gut, Fisch, Fleisch, Waschen, Schlafen, Reden, Schweigen und alles was uns Gott zur Notdurft geschaffen und geschickt hat; denn weil sie rein sind, so gebrauchen sie auch alle zugelassenen und reinen Dinge rein; nämlich in Gottesfurcht, mit Danksagung und Maß, zum Preis des Herrn und im Dienst des Nächsten; zu welchem Zwecke diese Dinge von Gott dem Menschen zum Gebrauch gegeben wurden.

Aber alles was von Gott verboten ist, wie Heuchelei, sich mit den unfruchtbaren Werken vermengen, sich der Welt gleich stellen, in Überfluss, Pracht und abgöttischer Weise zu wandeln ist den Reinen, das ist den Gläubigen und Gehorsamen Christi, allerdings unrein, auch können von den Reinen nach dem Willen Gottes in Ewigkeit keine Dinge unrein gebraucht werden, denn Gottes Geist und Wort wehrt es ihnen.

Adam waren alle Kräuter, Früchte und Gewächse der Erde von Gott freigelassen, um sich davon zu nähren, ausgenommen den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen; so er davon äße, müsste er des Todes sterben. Alle Früchte und Geschöpfe waren durch Gottes Zulassung dem reinen Adam rein, aber der eine Baum war ihm durch das Verbot Gottes unrein; er aß davon und fiel mit seinem ganzen Samen dem Tode anheim.

Und gleich wie nun alle Dinge den Reinen rein sind und den Frommen zum Besten dienen, so sind auch wiederum den Unreinen alle Dinge unrein und stärken den Bösen zum Bösen; denn weil sie unrein sind, so brauchen sie auch alle Geschöpfe Gottes unrein. Ihr Essen und Trinken geschieht in Unmäßigkeit; ihre Kleidung und ihr Schmuck frönt der Hoffart; ihre Frauen brauchen sie in Geilheit; ihre Kinder ziehen sie auf in Eitelkeit; ihr Gold, Silber, ihre Häuser und Güter besitzen sie mit Gier und es gibt gar nichts, das sie rein nach Gottes Willen brauchen; denn sie sind unrein, fleischlich, dem Wort ungehorsam und auf irdische Dinge gesinnt, wie die Schrift besagt.

Weiter ist es auch eine gräuliche Lästerung und schändliche Verführung, wenn etliche vorgeben und sagen, die äußerliche Abgötterei könne nicht besudeln, wenn sie von dem Herzen nicht gebilligt werde.

Mein guter Leser, wenn solches wahr wäre, so wären solche Sprüche alle vergebens geredet, die da sagen: Flieht von dem Götzendienst und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, meidet allen bösen Schein etc., so hätte auch das Ärgernis des Kreuzes schon aufgehört. Nein, nein, einem rechten, wahren Christen gebührt innerlich und äußerlich fromm zu sein und Gott zu preisen, beides mit Leib und Geist.

Aaron, ein von Gott berufener Hohepriester und ein Vorbild des Herrn Christi, wurde durch die Schwachheit seines Fleisches veranlasst, dem Dringen des Volkes (welches verlangte, dass er ihnen Götter mache sollte, die vor ihnen hergingen) Gehör zu geben und den Götzendienern ein goldenes Kalb zu machen. Aaron diente demselben in seinem Herzen nicht, wohl wissend, dass dies nicht der Gott sei, welcher sie durch das rote Meer geführt hatte, sondern eine aus Gold gemachte Kreatur. Dennoch wurde die Sünde Aaron zugerechnet, denn Mose sprach:

»Was hat dir das Volk getan, dass du eine so große Sünde über sie gebracht hast?« (2Mo 32,21)

Ja, der Herr würde ihn vertilgt haben, hätte nicht Mose für ihn gebeten (5Mo 9,20).

Es wäre sehr zu wünschen, dass alle Sektenstifter und irrenden Geister, deren Abgeneigtheit gegen das Kreuz, deren Trägheit, irdisches Gemüt und Heuchelei sich unter den Schein von Gottes Wort verkleiden, über diese Stelle in der Geschichte Aarons recht nachdenken möchten; ich würde hoffen, dass sie dann ihre Blöße und Schande nicht länger mit Feigenblättern bedecken, sondern sich in den wahrhaftigen Rock von Fellen, nämlich Christus, von Gott bereitet, kleiden würden; denn mit ihrem gottlosen Handel, den sie Freiheit nennen, bestärken und trösten sie das arme, unbedachtsame Volk in ihrem Unglauben und ihrer Abgötterei, betrüben die Frommen bis in den Tod, schwächen und ärgern die armen, wankelmütigen Seelen, von denen geschrieben steht:

»Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre viel besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist!« (Mt 18,6)

Welches aber der Christen Freiheit sei und wie man sie nach Gottes Willen brauchen soll, wird in Röm 14 wohl erklärt.

Sagt, ihr Geliebten, wie dürfen wir das in die christliche Freiheit einschließen, was so offenbar wider viele Stellen der heiligen Schrift geht, wider die brüderliche und allgemeine Liebe und wider die herrlichen Beispiele so vieler frommen Heiligen, wie schon gesagt?

Ach wären sie von Herzen rein, die solche listigen Gründe anführen und hätten sie nichts über Christus und sein Wort lieb, wie bald würden sie erkennen, dass ihre Behauptung wider Gottes Geist und Wort ist. Aber nun fürchte ich, dass sie diejenigen sind, von denen geschrieben steht:

»Es ist eine Art, die sich lässt dünken, dass sie rein sei, und sind doch nicht von ihrem Kot gewaschen.« (Spr 30,12)

Was aber Naeman anbelangt, so muss man die folgenden Schriftstellen ernstlich in Betracht ziehen.

Zum Ersten, dass Naeman kein Jude, noch Judenproselyt, sondern ein Ausländer war, der unter der Lehre, Zeremonien, Ordnung und Gerechtigkeit Israels nicht inbegriffen war; denn obwohl er nicht länger den Abgöttern, sondern dem Herrn dienen und opfern wollte, hatte er doch gleichwohl das jüdische Zeichen, nämlich die Beschneidung, nicht empfangen.

Zum Zweiten, dass er seines Herrn Diener war, auf den der König sich verließ, so seines Herrn Dienst warten musste, wollte auch nicht, wenn der König in dem Hause Rimon opferte, einen anderen als den wahrhaftigen Gott, der ihn gereinigt hatte, anbeten.

Zum Dritten, dass man aus des Propheten Antwort nicht gewiss schließen kann, wie weit er einwilligte oder nicht einwilligte.

Zum Vierten, dass das Haus Rimon mit seinem Gottesdienst und diese unsere Tempel mit ihrem Dienst nicht einerlei sind; denn in dem Haus Rimon wurde Gottes Name, Gesetz, Ordnung und Zeremonien nicht missbraucht, denn sie kannten dieselben nicht. Aber was für Missbräuche, Schande, Hohnsprechen, Gräuel und Gotteslästerung in diesen unseren Tempeln unter Christi Namen getrieben werden, mögen alle Verständigen mit der Schrift ermessen.

Wenn aber jemand spräche: Was kümmert euch der Pfaffen Handel, betet Gott an wie Naeman es tat, so würde das nach unserem Bedünken so lauten: »Siehe, man wird deinen frommen Vater lästern, verspotten, beschimpfen, beleidigen und ihm viel Leid antun; lass solches dich nicht antasten, sondern sei darüber unbekümmert; verhalte dich still, ehre aber doch in deinem Herzen deinen lieben Vater.« Sagt, ihr Lieben, welches vernünftige, redliche Kind könnte es ertragen, seinen lieben Vater so beleidigt zu sehen und stillschweigen?

Da wir nun mit klaren Augen sehen, wie beklagenswert sie in ihren Gräuelhäusern mit unserem ewigen Vater umgehen, der uns so hoch geliebt und auch mit seinem lieben Sohn Jesus Christus so teuer erkauft hat; wie sie seinen heiligen Geist auslöschen, seinen Willen hassen, sein Wort verfälschen, seine Sakramente missbrauchen, seine Ordnung und Gebote verachten, seine Kinder schelten und schänden, die armen Seelen verführen, Christus seinen Gewinn und Preis stehlen; und wollten uns dennoch zu solchen offenbaren Feinden Gottes begeben, mit ihnen heucheln, ihre gottlosen Verführungen und Gräuel anhören, so müssten wir ganz undankbare Kinder sein und keine Liebe haben. Dieses ist unwiderlegbar.

Nein, solches ist der frommen Christen Art nicht, sondern gleich wie Christus sich seiner Gemeinde annimmt, sich ihrer nicht schämt, mit seinem heiligen Geist und Wort sie erleuchtet, in allen ihren Nöten tröstet, in ihrem Leiden stärkt mit Kraft und Weisheit, vor Herren und Fürsten, vor Weisen und Gelehrten und vor der ganzen Welt so begabt, dass alle miteinander vor einem armen niedrigen Christen schweigen und beschämt stehen müssen; ja außerdem sie am jüngsten Tage vor seinem Vater bekennen und ihr das ewige Reich geben will; so erfordert auch wiederum Christi Geist, Art und Liebe von uns, dass wir seine göttliche Ehre, Wort, Willen, Ordnung und Gebot vor den Menschen bekennen und außerdem auch mit den Werken, ja mit Gut, Blut, Leben und Tod bezeugen und nicht so achtlos zu solchen Gräuelhäusern laufen sollen, wo man seinen hohen, anbetungswürdigen Namen jämmerlich schändet und schmäht und wo man auch keine Wahrheit hören, noch irgendwelche Frömmigkeit lernen kann. Denn es ist doch alles lauter Heuchelei was sie lehren, ob sie es schon mit des Herrn Wort verblümen, wie man solches an ihren Früchten offenbar wahrnehmen kann.

Sie laufen alle, spricht der Prophet, beide Lehrer und Zuhörer, wie eine tolle Kuh (Hos 4,16), sie hassen alle die Zucht, Strafe und Unterweisung, leben frech nach ihrem Mutwillen. Gottes Wort wollen sie nicht, weshalb ich fürchte, dass die Rute der Strafe gefasst und das rächende Schwert von dem Herrn gezückt ist, dass bald ein Gottloser den anderen dergestalt beißen wird, dass ihrer viele so voneinander aufgegessen und verzehrt werden, denn das tolle Volk will geschlagen sein (Hos 4).

Zum Fünften muss man merken, dass wir nun im neuen Testament auf Christi Geist, Wort, Rat, Ermahnung und Brauch gewiesen werden; was die uns zulassen, das ist frei, was sie aber verbieten, das ist nicht frei; danach sich zu schicken, gebührt allen wahren Christen und nicht nach solchen dunklen Geschichten und Stellen, aus welchen man keine Überzeugung gewinnen kann und welche das Gegenteil von dem enthalten, was des Herrn Apostel öffentlich gelehrt haben.

Demzufolge möchte ich den aufrichtigen Leser treulich ermahnen, sich doch durch solche Worte nicht verführen zu lassen, sondern sich stets an den unveränderten festen Grund zu halten und dabei zu bleiben, was uns die treuen Zeugen Christi, die heiligen Apostel in ihren Schriften, mit solchen deutlichen und klaren Worten nachgelassen und gelehrt haben; denn jene Betrüger sind lediglich bemüht den Wankelmütigen zu beirren und des Kreuzes Christi ledig zu werden.

Nun aber sagen sie: Wir halten es für besser, zuweilen solches zu tun, damit wir für unsere Frauen und Kinder sorgen und den Armen dienen können, als uns gänzlich von den Predigern abzukehren und unser Gut zu einem Raube zu geben.

Worauf wir antworten, erstens: Das erste Gebot lehrt: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit allen deinen Kräften. Wo nun Gottes Name gelästert und wider sein Wort gehandelt wird, da gehört es sich, dass ihr solches mit einem unsträflichen Wandel und mit Gottes Wort in aller Liebe straft und seinen Preis bewahrt, so viel als in euch ist und bedenkt, was der Herr spricht:

»So jemand zu mir kommt, und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben; der kann nicht mein Jünger sein!« (Lk 14,26)

Zum Zweiten, dass alle die da glauben, dass Gott Himmel und Erde erschaffen hat, Israel vierzig Jahre mit Brot vom Himmel und mit Wasser aus dem Felsen erhalten hat, Elia durch den Raben seine Notdurft zugeschickt, den Vögeln in der Luft, den Fischen in dem Wasser und allem Gewürm auf dem Erdboden seine Speise gibt, auch der Güte, Kraft und Verheißung ihres Herrn Christi sicherlich nicht misstrauen werden, welcher spricht:

»Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so werden euch die andern Dinge alle zufallen.« (Mt 6,33)

Denn ist das Angesicht seiner Gnade in dieser Hinsicht sogar über denen, die ihn verachten, wie viel mehr dann über denen, die ihn fürchten und seine Gebote halten.

Zum Dritten, dass der allmächtige, reiche Gott, der Allvermögende, wohl im Stande ist, die Armen und Elenden ohne alle Abgötterei, Heuchelei und Teufelsdienst zu erhalten, weil er an solchen Opfern und Gaben der Ungerechtigkeit keinen Gefallen hat, wie der Prophet sagt:

»Gehorsam ist besser denn Opfer, und aufmerken ist besser denn das Fett von Widdern; denn Ungehorsam ist eine Zaubereisünde, und Widerstreben ist Abgötterei und Götzendienst!« (1Sam 15,22–23)

Alle, die dann sagen, dass sie solches ihrer Frauen und Kinder und der Armen wegen tun, die sollen wissen, dass sie ihre Frauen und Kinder mehr denn Gott lieb haben, Gottes Arm und Macht verkürzen, dem Herrn lügen und ihre Trägheit, Zurücksetzung des Kreuzes, irdisches Gemüt, Heuchelei und ihren Unglauben mit diesem Vorgeben verdecken und schmücken wollen. Ein jeder hüte sich und fürchte Gott, der da feuerflammende Augen hat, die Himmel und Erde durchsehen und mit schönen Worten nicht verblendet wird.

Ferner geben sie vor, dass sich Paulus nach jüdischer Weise gereinigt habe und dass Timotheus beschnitten war. Dies hat einen andern Verhalt; denn das waren Werke, die Gott geboten hatte, wiewohl sie in Christus aufhörten; welche Paulus auch aus dieser Ursache zu jener Zeit noch bewilligte, auf dass er desto freier das Wort des Herrn den Juden predigen konnte, gleich wie er spricht:

»Ich bin den Juden ein Jude geworden, auf dass ich die Juden gewinne. Denen die unter dem Gesetz sind, bin ich geworden als wäre ich unter dem Gesetz.« (1Kor 9,20)

Weil nun diese Werke ihren Ursprung nicht aus dem Antichrist, sondern aus Gott haben, damit Paulus den schwachen Juden entgegen käme, wie erklärt ist, wie kann man denn damit beweisen, dass falsche Prediger zu hören, des Antichristen Taufe und Abendmahl zu genießen, offenbare Abgötterei und Gotteslästerung mit der Welt zu treiben frei stehen? Denn obgleich die Teilnahme nicht von Herzen kommen mag, hat sie doch mindestens diesen Anschein. Oder man müsste die Werke des Gesetzes, die aus Gott waren, für ebenso unrein und gottlos erachten als die Werke und Gräuel der Finsternis die aus dem Teufel sind und das Ablegen des Kreuzes Christi ebenso hoch preisen als den Eifer Pauli, da er die Juden das Evangelium Christi lehren wollte.

Ach mein getreuer Leser, willst du deine arme Seele nicht verlieren, so lass deinem Christus seine Ehre, suche seinen Preis recht, folge seinem Geist, Rat und Vorbilde, seiner Ermahnung und Lehre nach, so wirst du nimmermehr zuschanden werden; du wirst auch bald finden, dass Pauli Reinigung und Timothei Beschneidung weit von des Antichristen Handel, Gräuel, Abgötterei und Lästerung, hin und wieder, bis auf heute unter Christi Namen getrieben, unterschieden ist. Der barmherzige, liebe Herr gönne euch allen miteinander seine reine Wahrheit zu erkennen und treulich darinnen zu wandeln, Amen.

Zum Letzten sagen sie, dass wir noch in Babel gefangen seien und darum die Werke Babels dem Schein nach wohl tun mögen; zitieren Baruch, welcher spricht:

»Ihr werdet zu Babel sehen, dass man auf den Achseln tragen wird die silbernen, goldenen und hölzernen Götzen, vor welchen sich die Heiden fürchten. Darum seht euch vor, dass ihr ihnen solches nicht nachtut, und den Heiden nicht gleich werdet: Und wenn ihr seht das Volk, das vor und nach geht, die Götzen anbeten; so sprecht in eurem Herzen: Herr, dich soll man anbeten.« (Bar 6,4–5)

Antwort: Hier muss man zum Ersten ein Verständnis haben, was unter der babylonischen Gefangenschaft zu verstehen ist. Als die Israeliten Gott in ihrem eigenen Lande nicht recht dienten, mussten sie, in Übereinstimmung mit der Vorhersagung Mose, als Folge der gerechten und gnädigen Strafe Gottes, unter die heidnischen Nationen zerstreut und unter die Herrschaft Babylons gefangen genommen werden. So geht es auch denen, die sich rühmen, das geistliche Israel zu sein; denn weil sie dem Herrn untreu geworden sind, sein Wort verstoßen und ihre Ohren den Lügenpredigern zugewendet haben, hat auch der babylonische König, Antichrist, überhand wider sie genommen und hat sie ihrer rechten Lehre, Zeremonien und ihres rechten Gottesdienstes beraubt, sie unter seine Gewalt geführt und mit den Stricken seiner Irrtümer und abgöttischen Gräuel in schimpfliche Gefangenschaft genommen.

Diejenigen aber, welche nun wiederum durch des Herrn Geist und Wort erleuchtet sind, dadurch aus Gott geboren werden, dem alten Leben der Sünden absterben, alle menschliche Verführung verlassen, des Herrn heilige Sakramente, Ordnung und Gottesdienst recht gebrauchen sind aus dem geistlichen Babel, das ist von Sünde, Hölle, Tod, Teufel, von der Lehre und den Geboten der Menschen und von aller Abgötterei, von Gräueln und Lastern befreit, wie Paulus sagt:

»So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern noch dem Geist; denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.« (Röm 8,1–2)

Alle die dann sagen, dass sie noch in Babel gefangen liegen, die bezeugen damit, dass sie durch den wahrhaftigen Kyrus, Christus Jesus, noch von ihren Sünden nicht frei gelassen und noch nicht aus Chaldäa gen Jerusalem gekommen sind (Jes 48,20; Esr 1,4).

Zum Zweiten, dass Israel hier nicht befohlen wird, sich den Heiden gleichzustellen, sondern wenn sie sehen, dass sie ihre Abgötter trügen (gleich wie auch wir an den Gräueltagen der päpstlichen Prozessionen sehen können, wiewohl wir nicht in ihren Tempeln sind), so sollten sie Gott allein anbeten und ihm die Ehre geben; denn hätte Gott ihnen befohlen sich den Babyloniern in der Abgötterei in allen Dingen gleich zu stellen und dem Herrn nur allein mit dem Herzen im Verborgenen zu dienen, so hätten Sadrach, Mesach und Abednego nicht recht gehandelt, als sie sich weigerten das große, goldene Bild anzubeten und dadurch sich in Todesgefahr brachten. Ach nein, das große Wunderwerk, welches Gott an ihnen bewies, bezeugt wohl, dass sie recht taten.

Alle die nun lehren, sage ich, dass die Rechtgläubigen aus Babel nicht befreit sind, die verleugnen damit Christi Verdienst, Tod und Blut, den Glauben mit seinen Kräften und den heiligen Geist mit seinen Freiheiten und verachten alles das unschuldige Blut, welches um des freien Zeugnisses der freien Kinder Gottes an vielen Orten vergossen wird.

Ein jeglicher sehe wohl zu, was er glaube und lehre, denn ich fürchte, dass beide der Vergesser und der Verächter in gleicher Strafe stehen werden. Mein guter Leser, untersuche die Schrift recht, so wirst du finden, dass den freien Kindern Gottes hier auf Erden keine Freiheit nach dem Fleisch verheißen ist, wie denn Christus sagt:

»Ihr müsst gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern!« (Mt 4,9)

Wiederum:

»Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir!« (Mt 16,24)

Und ferner:

»Wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran.« (Joh 16,2)

»Alle die gottselig leben wollen in Christo Jesu (spricht Paulus), die müssen Verfolgung leiden.« (2Tim 3,12)

und durch viele Bedrängnisse müssen wir ins Reich Gottes eingehen (Apg 14,22). Denn die Freiheit des Geistes muss durch viel Elend, Trübsal, Verfolgung, Banden, Angst und Tod bewährt werden.

»Der Jünger ist nicht über seinem Meister, noch der Knecht über dem Herrn. Es ist dem Jünger genug, dass er sei wie sein Meister; und der Knecht, wie sein Herr.« (Mt 10,24–25)

Seht, liebe Herren, Freunde und Brüder, hier habt ihr nun die vorzüglichsten Stücke und Hauptartikel eines christlichen Grundes und Fundaments, mit einer klaren Anweisung und Erklärung der antichristlichen Gräuel und babylonischen Händel, wodurch das wahrhaftige, apostolische Fundament durch Längeder Zeit verwüstet und zu Grunde gerichtet worden ist. Wir haben darum das Licht der Finsternis und die Wahrheit den Lügen gegenübergestellt, auf dass dadurch unsere Lehre, unser Suchen, Glauben, Vornehmen und schwaches Tun an den Tag kommen möge.

Und hoffe durch des Herrn Gnade, dass ihr solches bereitwillig aufnehmen werdet, so ihr zur Redlichkeit geneigt seid, diese Blätter mit treuem Herzen lest, euren Gott fürchtet und Christus für das rechte Haupt haltet; dass ihr sehen werdet, wie wir auf den einzigen und ewigen Eckstein gegründet sind, auf dem rechten Weg wandeln, obgleich in Schwachheit; die rechte, klare Wahrheit haben und dass kein anderer Grund oder Weg und keine andere Wahrheit in der Schrift gefunden werden können, die vor Gott Geltung haben, als die, welche wir hier angezeigt und welche wir stets mit so schwerer Trübsal überall bewähren und aufrecht halten.

Ich habe euch allen mit dieser kleinen Gabe gedient, gleich wie ich sie von meinem Gott empfangen habe; wünsche auch dass ich es längere Zeit mit großer und reicher Gnade zu des Herrn Preis tun könnte. Habe auch darum Namen, guten Ruf, Ehre, Ruhe, gute Tage und alles verlassen und mich unter das drückende Kreuz meines Herrn Christi willig begeben, was für mein armes, schwaches Fleisch zuweilen eine harte Prüfung war. Ich suche weder Gold noch Silber, das weiß der Herr, sondern stehe mit dem treuen Mose bereit, Ungemach mit dem Volk Gottes zu leiden und das viel lieber, als die zeitlichen Ergötzungen der Sünden zu genießen. Ich halte auch die Schmach Christi viel höher und werter als alle Schätze Ägyptens; denn ich weiß was die Schrift verheißen hat und es ist meine einzige Freude und Herzenswunsch, dass ich das Reich Gottes ausbreiten, die Wahrheit an den Tag bringen, die Sünden strafen, die Gerechtigkeit lehren, die hungrigen Seelen mit des Herrn Wort speisen, die verirrten Schafe auf den rechten Weg weisen und dem Herrn viele Seelen durch seinen Geist, seine Kraft und Gnade gewinnen möge, wie mich der gelehrt hat, der mich elenden Sünder mit seinem roten Blut erkauft und mit dem Evangelium seiner Gnaden zu diesem Sinn bekehrt hat, nämlich Christus Jesus, dem sei Preis und Ehre und ewiges Reich, Amen.