3.9  Von der Meidung Babylons

Weiter lehren und ermahnen wir aus Gottes Wort, dass alle wahren Kinder Gottes, die nun aus dem unverderblichen, lebendigen Samen des göttlichen Wortes wiedergeboren sind und sich, nach Inhalt der Schrift, von dem abgöttischen Geschlecht abgeschieden und im Gehorsam unter das Joch und Kreuz Christi begeben haben und die zwischen der rechten und falschen Lehre, zwischen Christus und dem Antichristen richten können, alle verführerischen und abgöttischen Prediger in Lehre, Sakrament und Gottesdienst, nach Inhalt der Schrift, meiden müssen, die in der reinen Lehre Christi und in dem schriftgemäßen Gebrauch seiner heiligen Sakramente nicht befunden werden, welcher Lehre, welchem Glauben und Namen oder welcher Sekte sie auch angehören mögen; denn sie haben weder Berufung, Lehre noch Leben gemäß des Herrn Wort, sondern sie sind von dem Antichristen eingesetzt und in seinem Amt und Dienst ausgeschickt worden.

Darum, dass sie nicht nur die reine Lehre Christi und den ordentlichen Gebrauch der heiligen Sakramente der apostolischen Kirche nicht üben noch erkennen, sondern dieselben zu einem Wirrwarr, Gräuel und offenbarer Abgötterei gemacht haben, wie schon gesagt wurde.

Darum, dass sie das schöne köstliche Gold des göttlichen Wortes mit dem leichten Schaum der menschlichen Lehre und den edlen, klaren Wein mit den unreinen Wassern ihrer törichten Weisheit so fälschlich vermengen.

Darum, dass sie die Stadt Gottes, die Stadt der Gerechtigkeit und des ewigen Friedens, das liebliche Jerusalem mit dem heiligen Tempel, das Haus des Gebets, auf solche erbärmliche Weise in Verruf bringen, ihr Schande antun, sie stürmen und gerne ausrotten und verbrennen möchten; ja darin mit ihren geistlichen Wechselbänken, pharisäischen Gesetzen und ihrem Zauberkrame herrschen möchten.

Darum, dass sie, dem Belsazar gleich, in ihrer babylonischen Abgötterei und Trunkenheit, die herrlichen Gefäße und Geschirre des Herrn, die kostbaren Seelen, welche er mit seinem roten Blute geweiht hat und in welchen sonach der rechte Gottesdienst gehalten werden sollte, so bedauernswert missbrauchen und herabwürdigen (Offb 1,5; Dan 5,3).

Darum, dass sie gleich Herodes, Christus, Gottes ewige Weisheit, als einen Toren, in eines Narren Kleid gehüllt, verspotten und seine heiligen Apostel, die Zeugen seiner ewigen Wahrheit, als unnütze Schwätzer und Lügner ausstoßen und verachten.

Kurz, weil sie die Lügen für die Wahrheit, die Finsternis für das Licht, den Tod für das Leben und den Antichristen für Christus dem armen Volk predigen und glauben machen. Darum geziemt es sich nicht, dass die Braut Christi, die allein ihres Bräutigams Stimme zu hören allezeit bereit steht (Joh 3,29), die lieben Kinder Gottes, die ihre Füßen gewaschen und ihre Kleider gereinigt haben in dem Blute des Lammes, die gegründet sind auf das unbewegliche Fundament der Apostel und Propheten, auf den edlen und wohlgeschickten Eckstein, Christus Jesus, wiederum der antichristlichen Lehre und der fremden Stimme hören und ihre Füße und Kleider besudeln und in Lehre, Glauben, Gottesdienst und Leben eins mit denen werden sollten, die mit ihrer Lehre, ihrem Glauben, Gottesdienst und Leben, von der Schrift verurteilt und dem Tode zugeeignet sind.

Dieses lehren wir, nach unserer kleinen Gabe, mit allem Ernst, soviel in uns ist; und das nicht aus Verachtung (wie der Herr weiß), noch aus Eigensinn und hartnäckiger Parteisucht, wie uns die Welt zuschreibt. Ach nein, Gott bewahre alle die Seinen vor Parteisucht; sondern wir tun es aus der reinen Furcht des Herrn, aus großer Not und großem Zwang unseres Gewissens. Denn Gottes dringendes Wort und die herzliche Liebe für eure armen Seelen bewegt uns, wie man durch des Herrn Gnade weiterhin mit mehr Klarheit wahrzunehmen Gelegenheit haben wird.