3.7  Taufe

3.7.1  Von der Taufe

Christus befahl nach seiner Auferstehung seinen Jüngern und sprach:

»Geht hin und lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes, und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe; und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.« (Mt 28,19–20)

Hier haben wir des Herrn Befehl von der Taufe, wann und wie man nach Gottes Ordnung dieselbe vollziehen und empfangen soll, nämlich dass man zum Ersten das Evangelium predigen müsse und dann diejenigen taufen, die daran glauben, gleichwie Christus spricht:

»Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur! Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.« (Mk 16,15–16)

So ist sie von dem Herrn befohlen und verordnet; darum darf auch ewiglich keine andere gelehrt noch gebraucht werden. Gottes Wort bleibt in Ewigkeit. Die kleinen Kinder sind unvernünftig und unbelehrbar, darum kann an ihnen keine Taufe vollzogen werden oder wir müssen des Herrn Ordnung verkehren, seinen hohen Namen missbrauchen und seinem heiligen Wort Gewalt antun. Im neuen Testament sind den unmündigen Kindern keine Zeremonien befohlen, denn es handelt, betreffs der Lehre sowohl als des Sakraments, mit denjenigen die Ohren haben zu hören und ein Herzzu verstehen (Mt 13,16). Gleichwie Christus befohlen und verordnet hat, so haben es auch seine heiligen Apostel gelehrt und geübt, wie man an vielen Orten des Neuen Testaments deutlich merken und verstehen kann. So spricht Petrus:

»Tut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.« (Apg 2,38)

Ferner sagte Philippus zu dem Kämmerer:

»Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl sein!« (Apg 8,37)

Denn der Glaube folgt nicht aus der Taufe, sondern die Taufe folgt aus dem Glauben (Mk 16,16).

So hat Christus die Taufe befohlen und selbst auf die nachfolgende Weise empfangen. Denn da die Zeit gekommen war und die Stunde sich genaht hatte, dass er seinen ihm gewordenen Befehl ausrichten wollte, nämlich das Wort predigen und seines Vaters heiligen Namen bekannt machen, trat er zu Johannes in den Jordan und begehrte von ihm getauft zu sein, auf dass er alle Gerechtigkeit erfüllen möchte. Er bereitete sich vor auf Versuchung, Elend, Kreuz und Tod und übergab sich als ein williges und gehorsames Kind dem Willen seines allmächtigen Vaters, gleich wie er selbst spricht, dass er nicht gekommen sei seinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der ihn gesandt habe (Joh 6,38). Er ist von Johannes getauft, von dem heiligen Geist bezeugt und von seinem Vater als ein angenehmer Sohn anerkannt worden (Mt 3,17; 17,5).

Seht, so lautet Christi Befehl; so ist Christus selbst getauft; so haben es die Apostel gelehrt und gebraucht. Wer will nun wider den Herrn auftreten und sagen, es soll so nicht geschehen? Wer will die Weisheit lehren und darin unterweisen? Wer will die Apostel und Evangelisten Lügen strafen? Es wäre ja ganz ungebührlich, dass ein Kind über seinen Vater und ein Knecht über seinen Meister gebieten und richten sollte; noch viel ungebührlicher ist es aber, wenn die Kreatur über ihren Schöpfer sich erheben will. Nun aber ist offenbar, dass die ganze Welt mit ihren unnützen Lehren und Menschengeboten, mit ihrem antichristlichen Gebrauch und langer Gewohnheit und mit ihrem tyrannischen, mörderischen Schwert über Christus und Christi Wort richtet. Christi Wahrheit muss für eine Lüge, seine Weisheit für Torheit, sein Licht für Finsternis und sein Evangelium für eine falsche und verkehrte Sekte erachtet werden. Mit kurzen Worten, Christus Jesus muss schweigen und leiden.

Nun wird möglicherweise gesagt werden, dass im Anfang des Evangeliums solche Art der Taufe notwendig gewesen sei, da es zu jener Zeit noch keine Gläubigen gab, deren Kinder man hätte taufen können; so aber nun die Eltern gläubig sind, werden auch ihre Kinder getauft, gleichwie Abraham, als er gläubig wurde seine Kinder beschnitt (1Mo 17,23). Ach nein, das folgt nicht daraus; denn wiewohl Abraham Gott glaubte, so wurde doch nicht mehr denn die Hälfte von seinem Samen beschnitten, nämlich die Knäblein und nicht die Mägdlein; gleichwohl war er nichtsdestoweniger der Mägdlein als der Knäblein Vater; wovon man durch Gottes Gnade in den Entgegnungen im weiteren Verlauf weiteres hören und finden soll.

Dass man im Anfang erst das Evangelium predigen musste und so aus dem Hören der Glaube und aus dem Glauben die Taufe folgen musste, ist unwidersprechbar, denn die Schrift lehrt so (Röm 10,17). Dass man aber der Gläubigen Kinder taufen soll, weil Abrahams Kinder beschnitten wurden, kann mit der Schrift nimmermehr bewiesen werden. Wäre dies aber stichhaltig – wie es nicht ist – so würden nach diesem Gebrauch nur wenige Kinder getauft werden, da der Rechtgläubigen Zahl, wie man sehen kann und beklagen muss, nur sehr klein ist.

Es sind nicht alle Christen, die Christen genannt werden. Die aber Christi Geist haben, das sind die rechten Christen; obgleich ich nicht weiß wo man derer viele finden soll. Ja, was können wir weiter sagen? Alle die mit Abel ein angenehmes Opfer bringen; die mit Isaak von dem freien Weibe geboren sind und mit Jakob das Recht der ersten Geburt und den väterlichen Segen empfangen haben, die müssen von dem blutgierigen Kain ermordet, von Ismael verspottet und von Esau gehasst werden, gleichwie man es allerorts hören und sehen muss. Möge Gott eine Besserung bewirken.

Seht, es ist des Herrn Wort und Wille, dass alle diejenigen, die Gottes Wort hören und daran glauben, getauft werden sollen (wie oben bemerkt ist), damit sie dadurch ihre Glaubenskraft bezeugenund erklären, forthin nicht mehr nach ihrem eigenen Willen, sondern nach Gottes Willen leben zu wollen. Dass sie um des Zeugnisses Jesu bereit sind zu verlassen Haus, Gut, Land, Leib und Leben und um dasselbige zu leiden Hunger, Trübsal, Verfolgung, Kreuz und Tod; ja sie begehren das Fleisch mit seinen Lüsten zu begraben und mit Christus aufzuerstehen in einem neuen Leben, gleichwie Paulus sagt:

»Wisst ihr nicht, dass alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters; so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.« (Röm 6,3–4)

Mein lieber Leser, merke auf des Herrn Wort, denn so lehrt der heilige Apostel Paulus, der sein Evangelium nicht von den Menschen, sondern von dem Herrn selbst empfangen hatte, dass gleichwie Christus gestorben und begraben ist, so auch wir unsern Sünden sterben und dieselben mit Christus in die Taufe begraben sollen. Nicht dass uns solches erst nach der Taufe zu tun gebührt, sondern wir müssen das alles zuvor anfangen und getan haben, wie er spricht:

»So wir aber samt ihm gepflanzt worden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein, dieweil wir wissen, dass unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auch dass der sündliche Leib aufhöre, dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde.« (Röm 6,5–7)

; und gleichwie Christus einmal gestorben ist, die Sünde hinweg genommen hat und Gott lebt, so auch sterben die wahren Christen ihren Sünden und leben Gott (Röm 6).

Denkt nicht dass wir lehren, dass die Christen solchermaßen der Sünde absterben, dass sie dieselbe nicht mehr fühlen können. Durchaus nicht, sondern sie sterben derselben insofern, dass sie ihren unreinen Lüsten nicht mehr gehorsam sind, gleichwie Paulus sagt:

»Lasst die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib …« (Röm 6,12)

Und Johannes:

»Der aus Gott geboren ist, sündigt nicht; denn sein Same bleibt in ihm und er kann nicht sündigen, denn er ist aus Gott geboren.« (1Joh 3,9)

Denn gleichwie uns des Herrn Tod nichts gefördert und genutzt haben würde, wenn er nicht auch aus des Todes Gewalt zu seines Vaters Preis auferstanden wäre; denn so würde es uns auch nichts fördern oder nützen, dass wir unsere Sünde in die Taufe begraben, wenn wir nicht mit Christus Jesus aus der Sünden Gewalt, zu des Herrn Preis, in einem neuen Leben auferstehen.

»Denn was Christus gestorben ist, ist er der Sünde einmal gestorben (spricht Paulus), dass er aber lebt, das lebt er Gott. Also auch haltet ihr euch dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und Gott lebt, in Christo Jesu, unserm Herrn.« (Röm 6,10-11)

»Und gleichwie ihr eure Glieder vorhin begeben habt zum Dienst der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zu der andern, also begebt nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden.« (Röm 6,19)

»Denn ihr seid von der Sünde befreit, und seid Knechte der Gerechtigkeit geworden, und habt eure Frucht in der Heiligmachung, das Ende aber derselben ist das ewige Leben.« (Röm 6,22)

Hier merkt, vernünftige Leser, ihr, die ihr begehrt die rechte Wahrheit zu erkennen und eurer Seelen Seligkeit zu suchen, was euch der hohe und heilige Apostel Paulus hier gelehrt hat; denn so ihr glaubt, dass sein Wort, Lehre und Zeugnis recht seien, müsst ihr ohne Zweifel aus diesen seinen Anweisungen und aus noch mehreren andern Stellen seiner Schriften wohl befinden, dass sich die Taufe nicht besser auf die jungen Kinder anwenden lässt, als die Beschneidung auf die israelitischen Mägdlein. Denn uns ist ebenso wenig befohlen, Kinder zu taufen, als Israel befohlen war, die Mägdlein zu beschneiden. Auch ist es unmöglich, dass die unmündigen Kinder der Sünde absterben können, solange sie nicht lebendig in ihnen geworden ist; können auch nicht im neuen Leben auferstehen, solange sie nicht durch den Glauben aus Gott geboren, durch Gottes Geist in der Gerechtigkeit geleitet worden sind. Darum seht euch vor, denn die Absicht bei der Taufe ist, die Sünde zu begraben und mit Christus zu auferstehen in einem neuen Leben, welches doch auf keinerlei Weise bei den jungen, unmündigen Kindern der Fall sein kann. Darum merkt und erforscht wohl, was euch des Herrn Wort über diese Sache lehrt und anweist.

Zum anderen nennt auch Paulus die Taufe ein Wasserbad der Wiedergeburt (Tit 3,5). O Herr! Wie beklagenswert wird doch dein heiliges Wort missbraucht. Ist es nicht ein Jammer über Jammer, dass sie mit diesen klaren Schriftstellen ihre abgöttische, ungereimte Kindertaufe begründen wollen und vorgeben, dass in der Taufe die Kinder wiedergeboren werden, gleich als ob die Wiedergeburt nur ein Eindrücken in das Wasser sei? O nein, die Wiedergeburt ist nicht ein solches Heuchelwerk, sondern sie ist eine Veränderung des innerlichen Wesens, die den Menschen durch Gottes Kraft und Wirkung des Glaubens aus dem Bösen in das Gute, aus dem Fleischlichen in das Geistliche, aus der Ungerechtigkeit in die Gerechtigkeit, aus Adam in Christus umkehrt und versetzt, welches doch auf keinerlei Weise bei den kleinen unmündigen Kindern so geschehen kann; denn die Wiedergeborenen leben aus der Kraft des neuen Wesens; sie kreuzigen ihr Fleisch mit seinen bösen Lüsten; sie ziehen aus den alten Adam mit seinen Werken; sie meiden allen bösen Schein; sie werden gelehrt, regiert und getrieben von dem heiligen Geist (Röm 1,17).

Seht, das ist die rechte neue Geburt mit ihren neuen Früchten, von welcher die Schrift zeugt und kommt her durch den Glauben, aus Gottes Wort ohne welche niemand von denen, die zu ihrem Verstande gekommen sind selig werden kann, gleichwie Christus spricht:

»Wahrlich, wahrlich ich sage dir, es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen.« (Joh 3,3)

Ja, es ist alles umsonst, wenn auch jemand gleich von Petrus, Paulus oder von Christus selbst getauft wäre, aber nicht mit des Herrn Feuer und Geist von oben getauft wird (Mt 3,11; Lk 3,16). Wie Paulus spricht:

»In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut, sondern eine neue Kreatur.« (Gal 5,6; 2Kor 5,17)

Alle die so aus Gott geboren, an dem innerlichen Menschen verändert und erneuert und aus Adam in Christus versetzt sind, die stehen bereit ihres Herrn Wort zu gehorchen und sagen mit dem heiligen Paulus:

»Herr, was willst du dass ich tun soll?« (Apg 9,6)

Solche verleugnen sich selbst mit all ihrer Vernunft. Sie schicken sich nach des Herrn Wort und Ordnung, ohne irgendwelchen Hass und Widerstreiten. Sie lassen sich taufen nach des Herrn Befehl (Mt 28,19). Sie werden und beweisen sich als fruchtbare Reben an dem Weinstock Christi und Mitgenossen in des Herrn Gemeinde (Joh 15,5). Sie empfangen Vergebung ihrer Sünden und die Gabe des heiligen Geistes (Apg 2,38), sie ziehen Christus an und treten in die Arche Noah und sind bewahrt vor der schrecklichen Sündflut des zukünftigen Zornes, der als ein Netz wird fallen über alle, die auf Erden wohnen. Aber dies geschieht nicht allein durch die Kraft des Wassers oder Zeichens, sondern durch die Kraft des göttlichen Wortes, angenommen durch den Glauben; denn wo kein Glauben ist, der durch die Liebe zum Gehorsam wirkt (wir sprechen abermals von denen, die zu ihrem Verstand gekommen sind), da ist auch keine Verheißung.

»Wer an den Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt über ihm.« (Joh 3,36)

Der Herr gebot Mose (2Mo 14), er sollte seine Hand ausstrecken und mit dem Stab auf das Meer schlagen; alsdann würden die Wasser geteilt werden. Mose glaubte des Herrn Wort, streckte aus seine Hand und schlug mit dem Stab, da teilten sich die Wasser und Israel wurde erlöst; aber nicht durch den Stab und das Schlagen, sondern durch die Kraft des göttlichen Worts, von Mose angenommen in einem aufrichtigen und wirkenden Glauben (2Mo 14). Hätte nun Mose Gottes Wort nicht geglaubt und aus Ungehorsam nicht auf das Meer geschlagen, so würde es ohne Zweifel dem furchtsamen, bedrängten Israel nicht wohl ergangen sein. Auch empfing er in der Wüste einen Befehl, dass er eine metallene Schlange aufrichten sollte auf dass Israel, wenn es darauf sähe, von den beißenden Schlangen genesen möchte. Mose glaubte des Herrn Wort und erhöhte eine Schlange; und Israel sah sie an und genas. Solches geschah nicht durch die Kraft der bildlichen Schlange, sondern durch die Kraft des göttlichen Worts, von ihnen angenommen durch den Glauben. Gleichermaßen wird auch der schriftgemäßen Taufe die Seligkeit zugeschrieben (Mk 16,16), Vergebung der Sünden (Apg 2,38), die Anziehung Christi (Gal 3,27), Einverleibung in die Gemeinde (1Kor 12), nicht um des Wassers oder um des erteilten Zeichens willen (sonst würde das Reich Gottes von den Elementen und Zeichen abhängig sein), sondern um der Kraft und Wahrheit der göttlichen Verheißung, welche wir in dem Gehorsam annehmen durch den Glauben. Denn alle die, welche auf Worte, Elemente und Werke vertrauen lehren, die gießen mit Aaron ein goldenes Kalb und lassen das unverständige Volk damit huren und Gräuel tun. Denn in Christus gilt allein der Glaube, der durch die Liebe wirkt (Gal 5,6), die neue Schöpfung (Gal 6,15) und das Halten der Gebote Gottes (1Kor 7,19).

Ihr lieben Herren, Freunde und Brüder, wacht auf und verzieht nicht; gebt dem Allerhöchsten seinen gebührenden Preis und Ehr und merkt auf sein heiliges Wort; denn alle, die behaupten wollen, dass die Taufe den unverständigen Kindern ein Wasserbad der Wiedergeburt sei, die brechen des Herrn Wort; sie widersprechen dem heiligen Geist; machen Christus zu einem Lügner und seine heiligen Apostel zu falschen Zeugen; denn sie lehren, dass die neue Geburt durch Wirkung des Glaubens herkommt, aus Gott (Joh 1,3) und aus Gottes Wort (1Kor 4,15; 1Pt 1,23; Jak 1,18). Dass man dieses Wort nicht solche, die weder zu hören noch zu verstehen vermögen, sondern den Hörenden und Verständigen lehren muss, ist unwidersprechbar.

Dasselbe erklärt auch der heilige Apostel Petrus und spricht:

»Dass uns die Taufe selig macht, nicht die, mit welcher gewaschen werden die Unreinigkeit des Fleisches, sondern die, durch welche sich ein gut Gewissen wohl verantworten kann vor Gott; oder der Bund eines guten Gewissens mit Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi.« (1Pt 3,21)

Hier lehrt uns Petrus, wie uns die inwendige Taufe selig macht, mit welcher der inwendige Mensch gewaschen wird und nicht die auswendige Taufe, mit welcher das Fleisch gewaschen wird; denn diese inwendige Taufe gilt besonders vor Gott (wie oben gesagt ist), aus welcher die auswendige als ein Beweis des Gehorsams, der aus dem Glauben herkommt, folgen muss; denn könnte die auswendige Taufe selig machen ohne die inwendige, so wäre die ganze Schrift, die von dem neuen Menschen redet, unnütz und vergeblich geredet und geschrieben. Das Reich des Himmels stünde gebunden unter dem Element Wasser; das Blut Christi wäre vergebens vergossen und kein Getaufter könnte verloren werden. Nein, nein! Da gilt keine auswendige Taufe, solange wir nicht inwendig erneuert, wiedergeboren und mit dem himmlischen Feuer und dem heiligen Geist von Gott getauft werden. Wenn wir aber die Taufe von oben herab empfangen, dann werden wir durch Gottes Geist und Wort gedrungen in einem guten Gewissen, das wir dadurch erlangen, aufrichtig an die Verdienste des Todes Christi und die Kraft und Frucht seiner Auferstehung zu glauben und uns fortan, dieweil wir nun durch den Glauben und eingegossene Kraft inwendig gewaschen sind, auch durch das auswendige Zeichen des Wasserbundes (allen Gläubigen von Christus auferlegt und befohlen) gehorsam zu verbinden mit dem Herrn, gleichwie er sich in seiner Gnade, durch sein Wort, uns verbunden hat, nämlich, dass wir nicht länger nach den bösen, unreinen Lüsten des Fleisches, sondern nach dem Zeugnis eines guten und frommen Gewissens, vor ihm leben und wandeln wollen.

Und wiewohl diese Worte Petri mehr denn klar sind, schämen sich die Gelehrten gleichwohl nicht, denselben mit ihren Trugschlüssen und ihrer hochgerühmten Vernunft einen ganz fremden Sinn zu unterbreiten (hauptsächlich darum, dass sie der Welt Gunst behalten und ohne alles Kreuz und Verfolgung, in Wollust und guten Tagen leben mögen) und lehren, die Taufe sei ein Gnadenzeichen, welches nach unserm kleinen Verstand in keinerlei Weise begründet werden kann; denn unser Gnadenzeichen ist allein Christus Jesus, mit welchem uns Gottes überfließende, große Liebe auf das Allerhöchste zuerteilt und bezeugt ist. Derselbe wurde vormals den Patriarchen durch Zeichen glorreich verbildlicht, nämlich durch Röcke von Fellen, Adam und Eva (1Mo 3,21); durch den Regenbogen, Noah (1Mo 9,13); bei der Beschneidung Abrahams (1Mo 17), durch welche Zeichen sie auch des göttlichen Bundes versichert wurden. Aber uns hat Gott seine göttliche Gnade und seinen ewigen Frieden nur durch dieses eine Zeichen versichert, nämlich Jesus Christus. Die Versiegelung in unserem Gewissen, ist der heilige Geist; aber die Taufe ist ein Zeichen uns zum Gehorsam von Christus befohlen, mit welchem wir bezeugen, wenn wir ihn empfangen, dass wir des Herrn Wort glauben; dass wir Leid tragen und Reue fühlen über das vergangene alte Leben, dass wir mit Christus begehren aufzustehen in einem neuen Leben; und dass wir der Sünden Vergebung glauben durch Christus Jesus (Apg 3,38). Nicht, meine Geliebten, dass wir die Vergebung unserer Sünden durch die Taufe zu empfangen glauben, keineswegs; denn gleichwie wir durch die Taufe nicht Glauben und Reue erlangen können, so können wir auch durch sie weder Vergebung der Sünden, noch Friede und Freiheit des Gewissens erreichen; aber wir bezeugen dadurch, dass wir Reue haben und an Vergebung glauben durch Christus, gleichwie vorhin gesagt ist. Aber bei den Vätern war es nicht so, denn sie empfingen durch die Zeichen Sicherheit und Trost, dass die zugesagte Verheißung wahr und sicher sein sollte. Wir aber haben diese Verheißung allein durch Christus Jesus, in dem alle bildlichen Zeichen aufhören und ihr Ende genommen haben, so dass wir in diesem einzigen, wahren Zeichen, Christus, das haben, welches den Vätern in vielen bildlichen Zeichen gegeben wurde. Kurz, hätten wir die Vergebung der Sünden und Sicherheit der Gewissen durch äußerliche Zeichen und Elemente, so müsste das Wahrhaftige untergehen und mit seinem Verdienst weichen und zurückstehen.

Seht, das ist der einzige und rechte Grund von der Taufe, welcher durch die Schrift bestätigt wird und kein anderer und diesen lehren und üben wir, sollten sich gleich die Pforten der Hölle dagegen erheben. Denn wir wissen, dass es des Herrn klares Wort und gottselige Ordnung ist, von welchen wir nichts hinweg noch hinzutun dürfen, auf dass wir vor Gott, der allein ein Gott und Herr unsers Gewissens ist, nicht ungehorsam und lügenhaft erfunden werden.

»Alle Worte Gottes sind durchläutert, und sind ein Schild denen, die auf ihn trauen.« (Spr 30,5)

Ach Gott, was tun doch die Gelehrten und hochgelehrten Meister dieser Welt, die so ernstlich bestrebt sind Gottes Wort und Weisheit zu verkleinern und so glattzüngig ihre eigene, törichte Vernunft und Klugheit uns aufdringen wollen! Es wird ihnen aber nicht gelingen; denn er will seine Ehre keinem anderen geben, er ist der Herr, das ist sein Name und außer ihm gibt es keinen anderen (Jes 42,8). Der welcher überwindet, wird sie überwinden. Er wird ihre Weisheit zur Torheit und ihre Vernunft zuschanden machen, denn

»der Herr weiß der Weisen Gedanken, dass sie eitel sind.« (1Kor 3,20)

Luther schreibt, dass man die Kinder auf ihren eigenen Glauben taufen soll und fügt hinzu: Wenn die Kinder keinen Glauben haben, so würde ihre Taufe eine Lästerung des Sakraments sein. Ich denke, es ist ein großer Irrtum von einem so hochgelehrten Mann, durch dessen Schriften der Herr anfänglich viel Gutes bewirkte, dass er bei Kindern, die weder zu fassen noch zu verstehen vermögen, den Glauben behaupten will, trotzdem die Schrift so gründlich besagt, dass sie weder Gutes noch Böses wissen (5Mo 1,39), ja, keinen Unterschied wissen, was recht oder unrecht ist und dass er sagt, der Glaube bei den Kindern liege verborgen und schlafe, gleich wie es der Fall ist beieinem gläubigen, schlafenden Menschen, bis zur Zeit, wenn sie zu ihrem Verstande kommen. Schreibt Luther solches aus aufrichtiger Meinung, so beweist er damit, dass viele seiner Schriften über den Glauben und seine Kraft vergeblich waren; schreibt er es aber den Menschen zum Gefallen, so wolle Gott ihm gnädig sein; denn ich weiß in Wahrheit, dass dies nichts anderes ist, als menschliche Vernunft und Erfindung und auch des Herrn Wort und Ordnung nicht umstoßen kann. Kein Wort in der Schrift deutet an, dass die Apostel auch nur einen einzigen Gläubigen tauften, während er schlief. Sie tauften diejenigen, welche wach waren, nicht aber die Schlafenden. Warum taufen sie denn ihre Kindlein ehe sie von ihrem schlafenden Glauben erwachen und ehe derselbe von ihnen bekannt wird?

Bucer schließt sich dieser Lehre nicht an, sondern verteidigt die Kindertaufe auf eine andere Weise, nämlich, nicht dass die Kinder glauben, sondern dass sie durch die Taufe des Herrn Gemeinde zugefügt und in seinem Worte aufgezogen werden. Er bekennt zwar, dass die Kindertaufe des Herrn ausdrücklicher Befehl nicht sei, dennoch hält er sie für recht. O Herr, wie beklagenswert irren sich doch diejenigen, welche der Menschen Gunst und Ehre suchen und nicht die Gunst und Ehre Gottes! Da nun die Kindertaufe kein ausdrücklicher Befehl ist, wie er bekennt, so kann sie auch Gott nicht angenehm sein – Et perconsequens – keine Verheißung haben. Darum sollte der Leser wissen, dass sich die wahrhaftigen Christen in dieser Sache nicht nach der Menschen Gutdünken und Ansichten richten dürfen, sondern allein nach des Herrn Wort und Ordnung. Denn wir haben nur einen Herrn und Meister unseres Gewissens, welcher Christus Jesus ist, dessen Wort, Willen, Gebot und Ordnung uns, als bereitwillige Jünger, gebührt gehorsam zu sein, gleichwie eine Braut bereit ist in allen Dingen ihres Bräutigams Stimme zu gehorchen (Joh 3,29).

Da wir sonach nicht einen Buchstaben in der ganzen Schrift finden, dass Christus die Kindertaufe geboten hat oder dass seine Apostel sie lehrten oder übten, so sagen und bekennen wir mit gutem Gewissen, dass die Kindertaufe nichts ist als eine menschliche Erfindung, eine eigene Meinung, eine Zerstörung der Ordnung Christi, ja ein offenbarer Gräuel, der da steht an der heiligen Stätte, wo er mit Recht nicht sein sollte (Mt 24,15).

O liebe Herren! Wie wenig wird doch des Herrn Mund geachtet, der da spricht: Ihr sollt nichts tun, das euch gut dünkt, sondern ihr sollt tun, das ich euch gebiete (5Mo 12). Hat nicht der Vater von dem hohen Himmel bezeugt und gesagt:

»Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören?« (Mt 17,5)

Weist uns nicht die ganze Schrift auf Christus? Werden wir nicht in seinem Namen getauft, dass wir seine Stimme hören und seinem Worte gehorsam sein sollen? Rühmt ihr euch nicht, dass ihr die apostolische Kirche seid? Warum weicht ihr von Christus zum Antichrist und von der Apostel Lehre und Gebrauch zu der Lehre und dem Gebrauch der Gelehrten? Merkt doch einmal recht, wie hart oftmals das Gutdünken der Menschen, welches sie für ein heiliges Werk und Gottesdienst gehalten haben, von Gott gestraft worden ist.

Nadab und Abihu trugen ein fremdes Feuer vor den Herrn; zur Stunde wurden sie darum von dem Feuer durch Gottes Zorn verschlungen vor dem Altar. Saul war barmherzig über Agag, den Amalekiter König und wollte, wider des Propheten Wort, die schönsten und fettesten Tiere aus Gutdünken opfern. Dieses gutscheinende Werk der Barmherzigkeit und des lobenswerten Eifers wurde an ihm als eine Sünde der Zauberei und Abgötterei gestraft, weil er nach seinem Gutdünken und nicht nach des Propheten Wort gehandelt hatte. Er wurde von dem Propheten gestraft, mit Pestilenz geschlagen und sein Königreich wurde ihm genommen und einem anderen gegeben, der getreuer war als er (1Sam 15,23).

Manasse, der König Judas, und andere in Israel ließen ihre Kinder durchs Feuer gehen. Außerdem bauten sie Kirchen und Altäre auf allen hohen Bergen, auch in Städten und Ländern, aus recht guter Meinung, denn sie wollten dadurch dem allmächtigen und ewigen Gott dienen, wie deutlich zu ersehen ist (2Kö 21,3–6). Diese herrliche und heilige Erwählung ist dem Herrn so zuwider gewesen, dass Jeremia sich weigerte für das Volk zu bitten. Israel wurde verwüstet; Jerusalem und der Tempel verbrannt und das Volk mit dem heiligen Geschirr weggeführt in fremde Länder (2Kö 25,9; 2Chr 26,12). Darum spricht Gott durch den Propheten:

»Gehorcht meinem Wort, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein; und wandelt auf allen Wegen, die ich euch gebiete, auf dass es euch wohl gehe.« (Jer 7,23)

Welcher Rat, meine lieben Herren, soll gegeben werden bezüglich solcher mutwilligen Verführer, die so unverschämt des Herrn ausgedrückte Wahrheit brechen und so schändlich den allmächtigen und allerhöchsten Gott belügen und lehren, es sei Gottes Wort; wiewohl Gott das noch nie verkündigt, noch viel weniger befohlen hat, auch nimmermehr befehlen wird.

Ach wie schrecklich ist es, sich so wider seinen Gott zu versündigen und sein herrliches, wertes Wort so bedauernswert zu verfälschen! Ja sie werden mit schwerer Strafe von Gott gestraft und geschlagen werden und der Rache seines grimmigen Zorns nicht entweichen, so sie sich nicht werden bessern; denn Gott ist feind allen Lügnern. Sie haben auch kein Erbe noch Teil an seinem Reich, sondern ihr Erb und Teil ist das ewige Verderben, in dem feurigen Pfuhl (2Th 2,8; Offb 20,10; 19,20).

Zum Zweiten ist offenbar, dass die Kindertaufe zu einem verfluchten Gräuel und Abgott erfunden ist; denn alle, die sie empfangen, werden Christen genannt und als Teilhaber an des Herrn Gnade, Verdienst, Tod und Blut angesehen und werden sein Volk geheißen, sei ihr Lebenslauf gleich ganz heidnisch, wild und ruchlos; ja, ein eitles Prassen, Saufen, Spielen, Huren, Fluchen und Schwören, als ob das Wasser bei der Taufe sie zu Christen machen und in Christus bewahren könnte. O nein, Paulus spricht:

»Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.« (Röm 8,9)

Ja, die armen, unschuldigen Kinder, die mit dieser Taufe nicht getauft werden, so sie doch mit des Herrn Blut getauft sind und die Verheißung haben zu dem Reich Gottes, müssen gleichwohl als Verdammte außerhalb dem Kirchhof begraben werden. O Schande in Blindheit! Wir schweigen hier noch von den Gevattern, von dem Kreuzen, Blasen, Salzen, Ölen, Bespeien und von dem jämmerlichen Beschwören, welches doch alles miteinander nichts als offenbare Lästerung und Aberglauben ist und nicht von Gott befohlen. Zu welch einer gräulichen und abscheulichen Abgötterei ist es doch gekommen!

Zum Dritten werden wir von alten sowohl als neuen Historikern und durch Dekrete unterrichtet, dass sie fortwährend die Taufe und die Zeit der Taufe verändert haben. Im Anfang der heiligen Kirchen wurden sie getauft in einfachem Wasser, nach der ersten Bekenntnis, auf ihren eigenen Glauben, nach Inhalt Gottes Wort. Danach trat eine Veränderung ein: sie wurden siebenmal untersucht, ehe sie getauft wurden; später wurden sie zu zwei verschiedenen Zeiten getauft, nämlich zu Ostern und Pfingsten. Higinius, der zehnte Papst, hat um die Zeit Anno 146, Gevatter oder Paten bei der Taufe eingesetzt. Zuletzt ist Anno 407, unter dem Papst Innocentio (wie Luther uns erzählt), die Kindertaufe mit einem Gebot bestätigt worden, welches uns sehr befürchten lässt, dass sie nicht wieder niedergelegt werden wird, es sei denn durch vieles unschuldige Blut der Heiligen und Kinder Gottes; wie auch die Propheten in ihren Tagen nicht allein mit der Lehre, sondern auch mit ihrem Blute die verfluchten Gräuel und Abgötterei der Könige, Priester und des gemeinen Volks haben strafen müssen, wie man solches in der Schrift und in den Historien vielfach lesen kann.

Ist nun die Kindertaufe aus Gottes Befehl und Wort, warum hat denn Innocentius auch sein Gebot dazu getan? Wie kann der Welt Taufe recht sein, da sie sie so oftmals verändert haben? Wir bitten euch um Jesu willen, denkt doch einmal daran, dass nicht die Gelehrten, sondern Christus Jesus der König und Meister seiner Gemeinde ist, der über sie regiert mit seinem Zepter, Geist und Wort (Mt 11,27); wie einmal gesagt ist, dass er die Weisheit sei und niemand ist, der ihn lehren kann; dass er dazu erschienen ist, dass er die Wahrheit bezeugen sollte; seid ihr aus der Wahrheit, so hört seine Stimme, glaubt seinem Wort und nicht dem der Gelehrten; denn sein Wort ist die Wahrheit, aber das der Gelehrten ist, in dieser Angelegenheit, Verführung; Christus befiehlt, dass man die Gläubigen taufen soll und hat von den unverständigen Kindern nicht einen Buchstaben befohlen; aber die Gelehrten sagen: Wer seine Kinder nicht taufen lässt und lässt sich taufen auf seinen Glauben, gleichwie Christus es befohlen hat, der ist ein Schwärmer, Wiedertäufer und Ketzer.

Hier habt ihr nun die vorzüglichsten Gründe, warum wir die Kindertaufe nicht allein mit Worten sondern auch mit unserem Tod, Gut und Blut widerstreben. Denn wir wissen durch Gottes Gnade wohl, dass nicht ein Wort in der Schrift befunden wird, mit welchem sie die Kindertaufe bewähren mögen. Wir sagen euch die Wahrheit und lügen nicht. Weiß uns jemand unter dem Himmel mit der göttlichen Wahrheit zu bezeugen, dass Christus Jesus, der Sohn des allmächtigen Gottes, die ewige Weisheit und Wahrheit, den wir allein als Gesetzgeber und Lehrer des Neuen Testaments anerkennen, einen Buchstaben davon geboten hat oder dass seine heiligen Apostel an irgendwelchen Stellen der Schrift je solches gelehrt oder geübt haben, so bedarf es wider uns nicht des Zwanges der Tyrannei und Pein. Man zeige uns allein Gottes Wort und unsere Sache ist geschlichtet; denn wir suchen vor Gott nichts anderes (das weiß der, der alle Dinge weiß), als allein in unserer Schwachheit im Gehorsam zu wandeln nach Gottes Ordnung, Wort und Willen, wofür wir armen, elenden Menschen von jedermann und in allen Landen so jämmerlich gescholten, verjagt, geplündert und als unschuldige Schäflein erwürgt und ermordet werden. Dem Herrn sei ewig Dank, dass wir als diejenigen angesehen werden, die weder des Himmels noch der Erde würdig sind, gleichwie Christus sagt:

»Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr müsst gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.« (Mt 24,9)

Und unser Beschluss ist, dass wir nicht allein in dieser Sache, sondern auch in allen andern Sachen unseres Gewissens in Ansehung der Strafe des allmächtigen Gottes, nicht beeinflusst werden dürfen, weder durch Herren und Fürsten, noch durch Doktoren und Lehrer an Schulen, noch durch die Konzilien der Väter, noch durch lange Gewohnheiten der Zeit, denn in dieser Angelegenheit gilt weder Kaiser noch König, weder Doktor noch Lizenziat, weder Konzil noch Prescription, wider Gottes Wort. Es darf an keine Person, Gewalt, Weisheit und Zeit gebunden werden, sondern wir müssen allein sehen auf den ausgedrückten, bestimmten Befehl Christi und auf die reine Lehre und Übung seiner heiligen Apostel, wie oben gesagt ist; denn wenn wir solches tun, so werden wir in dieser Hinsicht weder andere noch uns selbst betrügen. Ach wehe dem, ja wehe ihm, der von diesem Grunde abweicht oder von demselben abgedrungen wird, gleichviel ob durch sein eigenes Fleisch, durch Tyrannei oder durch falsche Lehre und der seines Herrn Wort nicht mit Mund und Leben vor diesem argen, sündlichen Geschlecht bis in den Tod bezeugt (Mt 10,38; 16,24).

Betrachtet mit Aufmerksamkeit, alle, die ihr des Herrn Wort und Volk verfolgt, dass diese unsere Lehre, Grund und Glauben von der Taufe nicht anders ist, als nach der Anweisung von Christi Wort, nämlich, dass wir erstens Gottes Wort hören müssen, dann dasselbe glauben und so auf unseren Glauben getauft werden; nicht darum, dass wir aufrührerisch sind und kämpfen wollen; nicht dass wir viele Frauen haben wollen oder ein Reich auf Erden suchen oder erwarten. Nein, nein! Gott sei ewig Dank, wir wissen wohl was uns des Herrn Wort darüber lehrt und befiehlt; sondern darum, dass uns des Herrn Wort befohlen hat, zu begehren unseren Sünden von Herzen abzusterben, sie mit Christus zu begraben und mit ihm aufzuerstehen in einem neuen Leben, gleichwie die Taufe davon eine bildhafte Darstellung ist; dass wir in dem Bunde seiner Gnade und seines ewigen Friedens aufrichtig und in Christus Jesus zu wandeln begehren und ein frommes, friedliches Gewissen vor Gott haben, gleichwie uns des Herrn Mund befohlen hat, wie sein Vorbild bezeugt und die reinen, apostolischen Lehren und Gebräuche lehren und ausweisen (1Pt 3,21).

3.7.2  Entgegnung mit ihren Verantwortungen

Nachdem wir in Kürze erklärt haben, des Herrn Befehl, der Apostel Lehre und Gebrauch und die Bedeutung der Taufe und dargetan haben, dass sie die rechte Taufe war, ist und bis ans Ende bleiben wird, wollen wir nun auch, durch des Herrn Gnade und in seinem Dienst, auf einige Schriftstellen hindeuten und sie beantworten, welche die Gelehrten ungerechterweise dazu benutzen, des Herrn Ordnung zu vernichten und ihre eigene an deren statt zu setzen.

Erstens lehren sie, dass wir alle Kinder des Zorns und von sündlicher Art, aus dem sündlichen Samen von Adam geboren sind; und darum (sagen sie) müssen die Kinder durch die Taufe von der Erbsünde gereinigt und gewaschen werden.

Hierauf antworten wir auf diese Weise mit des Herrn Wort: Wir glauben und bekennen wohl, dass wir alle miteinander aus einem unreinen Samen herkommen und geboren werden; dass wir in dem ersten irdischen Adam ganz verdorben und Kinder des Todes und der Hölle geworden sind (Röm 5,12); mit dem Bemerken aber, dass gleichwie wir durch den ersten Adam gefallen und zu Sündern geworden sind, so glauben und bekennen wir auch wiederum, dass wir in dem anderen und himmlischen Adam, Christus, in der Gnade wieder hergestellt und gerechtfertigt worden sind; denn dazu ist er erschienen und auf die Erde gekommen, auf dass wir in ihm und durch ihn das Leben haben sollen. Durch ihn allein rühmen wir uns, Gnade, Gunst und Vergebung der Sünden bei Gott unserem Vater erlangt zu haben und nicht durch die Taufe, gleichviel ob wir Kinder oder Gläubige sind; denn so die Erlösung und Abwaschung der Erbsünde durch die Taufe geschähe und nicht eigentlich durch Christi Blut, so würde das wohlriechende Opfer, das ewig von Würde bleibt, in dieser Gestalt vergebens und kraftlos gewesen sein; oder es müssten zwei Mittel für unsere Sünden sein. Ach nein! Die Schrift spricht nur von einem Mittel, welches Christus ist mit seinem Verdienst, Tod und Blut (1Pt 1,19). Wer nun die Vergebung seiner Sünden sucht durch die Taufe, der verachtet des Herrn Blut und macht das Wasser zu seinem Abgott. Darum hüte sich ein jeglicher, dass er die Ehre und den Preis Christi nicht den äußerlichen Zeremonien und erschaffenen Elementen gebe.

Es ist wahr, dass Petrus spricht in Apg 2,38: »Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden!« Das darf aber nicht so verstanden werden, als ob wir die Vergebung unserer Sünden durch die Taufe empfangen. O nein, denn in solchem Falle würde Christus und sein Verdienst überflüssig sein. Aber wir empfangen die Vergebung unserer Sünden in der Taufe und das auf diese Weise: Der Herr hat befohlen sein Evangelium und Wort zu predigen aller Kreatur, auf dass alle, die daran glauben und getauft werden, selig werden mögen. Wo Glaube ist, der von Paulus eine Gabe Gottes genannt wird, da ist auch die Kraft und Frucht des Glaubens. Wo also ein wirkender, fruchtbarer Glaube ist, da ist auch die Verheißung; wo aber ein solcher nicht ist (wir meinen hier die Hörenden und Verständigen), da ist auch keine Verheißung. Denn wer des Herrn Wort hört und mit dem Herzen glaubt, der bringt ans Licht seine Frucht; er folgt gehorsam allem dem, das ihm des Herrn Wort befohlen hat. Denn der Gerechte wird aus Glauben leben, lehrt die Schrift (Hebr 10,38); und dann wird ihm aus Gottes Wort Vergebung seiner Sünden verkündigt, wie Petrus anweist und lehrt.

Hätten Noah und Lot des Herrn Wort nicht geglaubt, so würde es ihnen nicht wohl ergangen sein (1Mo 6,22). Hätte Abraham nicht geglaubt, er hätte solche herrliche Verheißung nicht erlangt; aber nun haben sie geglaubt und recht getan und sind Erbgenossen der Gerechtigkeit geworden (Hebr 11,8).

Hätten Mose und Israel des Herrn Wort nicht geglaubt und wären nicht gehorsam gewesen, wie wäre es ihnen dann im Meere und in der Wüste ergangen? Aber sie glaubten und wurden nach seiner Verheißung durch des Herrn starke Hand bewahrt und erhalten. Die ihn aber erbitterten und an sein gnädiges Wort und große Wunder nicht glaubten, mussten in der Wüste umkommen und durften nicht das verheißene Land betreten.

Mit den Opfern des alten Testaments waren auch Versöhnungen verknüpft, nicht in Folge der Würdigkeit des Rauchopfers; denn das Blut von Ochsen und Böcken (sagt Paulus) kann die Sünde nicht hinwegnehmen (Hebr 10,4). Es war auch vorhin alles des Herrn, was konnte und mochte geopfert werden; ja alles Vieh auf tausend Bergen war sein, spricht David (Ps 50,10). Es geschah darum, weil sie das Wort der göttlichen Verheißung als wahrhaftig glaubten und so seinem Befehl im Gehorsam nachkamen. So wird nun auch in der Taufe gepredigt die Vergebung der Sünden, nicht um des Wassers oder geübter Zeremonien willen. Denn Christus, ich wiederhole es, muss allein das Mittel der Gnade bleiben; sondern vielmehr darum, dass man des Herrn Verheißung durch den Glauben annimmt und seinem Wort und Willen im Gehorsam nachkommt.

Unter dieser Regel und Anweisung sind die unmündigen Kinder nicht begriffen. Denn in der Schrift ist kein Gebot gegeben, sie zu taufen. Darum wird sie auch als ein Zeichen des Gehorsams von ihnen nicht gefordert. Da nun die Kindertaufe nicht durch Gottes Wort unterstützt wird, so ist sie auch keine Zeremonie Gottes, sondern ein verderblicher Aberglaube der Menschen und eine offenbare Abgötterei; darum haftet auch keine göttliche Verheißung an allem solchem Gräuelwerk. Ich meine, es wäre wohl Zeit aufzuwachen und auf die Schrift zu merken. Den unschuldigen und unmündigen Kindern wird keine Sünde zugerechnet um Jesu Willen. Aber das Leben ist ihnen zugesagt, nicht mittels einer Zeremonie, sondern aus lauter Gnaden und durch des Herrn vergossenes Blut, wie er selbst spricht:

»Lasst die Kindlein zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes.« (Mk 10,14)

Aber bezüglich der Taufe hat er ihnen nichts geboten.

Es ist nach meiner Meinung ein sehr großer Irrtum, wenn etliche vorgeben, dass der Juden Kinder Christus angenehm waren um der Beschneidung willen und dass unsere Kinder angenehm seien um der Taufe willen. O Laster und Schande! Allerorts muss Christus, das einzige und ewige Mittel der göttlichen Gnade, zurückgesetzt werden und es muss in den stummen Werken und Elementen gesucht werden. Hier möchte ich alle Kindertäufer fragen, womit sie doch beweisen wollen, dass diese gesegneten Kinder allein beschnittene Knäblein und auch nicht die unbeschnittenen Mägdlein gewesen sind? Waren die Kinder angenehm um der Beschneidung willen (wie sie vorgeben), waren denn nicht auch die Erwachsenen, welche ebenfalls beschnitten waren, angenehm? Diesen hat er gleichwohl geboten, dass sie auf den Glauben getauft werden sollten; aber den Kindern hat er solches nicht geboten. Er hat sie in seine Arme genommen, gesegnet, die Hände aufgelegt, ihnen das Reich des Himmels zugesagt und sie so hingehen lassen, aber nicht getauft.

Seht, so hat Gottes Weisheit selbst gehandelt; aber die Welt will sein Meister sein. Christus befiehlt nicht, dass man die unmündigen Kinder, sondern die Gläubigen taufen soll; die Welt aber gebietet, dass man die Kinder und nicht die Gläubigen taufen soll. Ja was noch mehr ist, so sich jemand auf seinen Glauben taufen lässt, dieweil ihm der Herr so geboten hat und aus Furcht seines Gewissens seine Kinder nicht taufen lässt, dieweil ihm das durch Gottes Wort nicht befohlen ist, dessen Name wird leider von allen mit Schande überhäuft und muss außerdem allerlei Marter, Pein, Elend und des Todes gewärtig sein. Und solches weniger von Seiten der Obrigkeit, als von denen die sich Lehrer und Prediger zu sein rühmen; denn was die Obrigkeit tut, geschieht gemeinhin auf Anraten der Gelehrten. Die Frucht beweist wohl, aus wessen Vater sie geboren sind, denn sie müssen seine Werke tun. Sie sind es allezeit gewesen, werden es auch, nach meiner Meinung, wohl bleiben, die mit ihren falschen Lehren, neidischen Art und rachsüchtigen Herzen alles rechtschaffene Blut getrunken, umgebracht und ermordet haben (Offb 17,6; 18,24). Solche Verfolgung ist so schändlich, dass man sich schämt, es niederzuschreiben. Denn gleich wie die Sonne scheint vor der ganzen Welt und von jedermann gesehen wird, so offenbar scheint auch der Gelehrten unmenschliche, rasende Tyrannei gegen das Lamm und seine Auserwählten. Gott gebe, dass doch diese blinden, verkehrten und blutdürstigen Lehrer, mit allen Tyrannen, einmal möchten sehend und aller falschen Lehre und unschuldigen Blutes satt und müde werden. Amen.

Zum anderen sagen sie, die israelitischen Kinder seien im alten Testament durch die Beschneidung in Gottes Bund und Gemeinde aufgenommen worden. Nun aber werden unsere Kinder aufgenommen durch die Taufe. Darauf antworten wir mit der heiligen Schrift, nein. Denn wer die Schrift mit Verstand liest, wird ohne alle Dunkelheit finden, dass Abraham viele Jahre zuvor in des Herrn Bund stand, ehe er beschnitten wurde. Dass auch die Kinder am achten Tage beschnitten wurden, wiewohl sie vorhin im Bunde waren. Denn es ist offenbar, dass wir nicht durch irgendein auswendiges Zeichen Gottes Kinder sind, sondern durch die väterliche Erwählung der Gnade, durch Christus Jesus (Eph 1,3). Aber das auswendige Zeichen wurde von Abraham gefordert als ein Gehorsam und Siegel seines Glaubens. Desgleichen auch von seinem Samen, dass sie ihre Kinder beschnitten auf den achten Tag, nicht früher, auch nicht später, die Knäblein und nicht die Mägdlein (1Mo 17,12). Wäre nun der Bund von einem Zeichen abhängig gewesen und nicht von der Erwählung der Gnade, wo würden dann die Mägdlein geblieben sein und auch die Knäblein, die unbeschnitten in den sieben Tagen gestorben sind?

Lieber Leser, merke auf des Herrn Wort. Denn wiewohl die Frauen und Mägdlein unbeschnitten waren, haben sie gleichwohl einerlei Verheißung gehabt von dem verheißenen Samen, Land, Reich und Herrlichkeit. Sie waren nicht weniger Abrahams Same und Gottes Bund und der Bedeutung desselben Zeichens ebenso unterworfen, als die beschnittenen Männer und Knäblein. Daraus geht offenbar hervor, dass die Kinder Israel nicht durch die Beschneidung, wie die Kindertäufer vorgeben, sondern durch die Erwählung der Gnade in des Herrn Bund gewesen sind.

Und gleich wie Abraham und die israelitischen Kindlein, sowohl die Knäblein als die Mägdlein, nicht durch das Zeichen, sondern durch die Auserwählung im Bund waren, so sind auch unsere Kinder in Gottes Bund, wiewohl sie nicht getauft sind. Das Wort Pauli steht fest:

»Er hat uns auserwählt in ihm, ehe die Welt gegründet war […] und hat uns geordnet zu Kindern vor ihm selber, durch Christum Jesum.« (Eph 1,4–5)

Noch eins: den Kindern gehört das Himmelreich zu und sie stehen unter der Verheißung der Gnade Gottes, durch Christus, wie gesagt ist; und darum glauben wir wahrhaftig, dass sie selig, heilig und rein sind, Gott angenehm, in dem Bund und Haus Gottes, aber keineswegs durch irgendwelches äußerliche Zeichen; denn es gibt in der ganzen Schrift kein Wort, durch welches man nachweisen könnte, dass Kinder durch ein solches Zeichen in den Bund oder die Gemeinde aufgenommen werden sollen. Außerdem ist es selbstverständlich, dass sie weder gelehrt noch durch Wort oder Sakrament ermahnt werden können, solange sie weder zu hören noch zu verstehen vermögen.

Darum müssen die Zeichen zu keinem andern Zweck gebraucht werden, als zu dem sie der Herr selbst eingesetzt und befohlen hat. Dieweil dann Christus verordnet und geboten hat, die Gläubigen zu taufen und hat vom Kindertaufen nicht einen Buchstaben erwähnt; darum glauben und lehren wir, dass die Taufe der Gläubigen aus Gott und Gottes Wort sei und die Taufe der Kinder aus dem Drachen und Tier.

Alle von Gott verordneten Zeremonien, sowohl des alten und des neuen Testaments, sind dazu verordnet, dass dadurch unser Glaube geübt und der Gehorsam bewiesen werde. Darum dürfen wir die selbigen nicht nach unserem Gutdünken gebrauchen oder verändern; sondern wir müssen sie so gebrauchen, wie sie der Herr selbst in seinem Wort angeordnet und befohlen hat, wollen wir nicht mit dem Feuer des grimmigen Zornes Gottes, gleich wie Nadab und Abihu gestraft werden (3Mo 10,2).

Da nun Christus den Gläubigen die Taufe befohlen hat und nicht den unmündigen Kindern und die heiligen Apostel diese Art der Taufe, nach Christi Anweisung und Befehl, lehrten und übten, wie aus vielen Stellen des neuen Testaments zu ersehen, so müssen wohl alle vernünftigen Menschen zugeben, dass die Kindertaufe, die nun leider bei der ganzen Welt gebraucht und mit so viel Tyrannei behauptet wird, nichts als eine Zeremonie des Antichristen, ein offenbares Laster, eine Zaubereisünde, ein gegossenes Kalb, ja Gräuel und Abgötterei ist.

Wir wissen wohl, wie die Beschneidung bildhaft auf die Taufe Bezug zu haben betrachtet wird und wie sie zum Beweis davon die Worte Pauli

»In welchem ihr auch beschnitten seid …« (Kol 2,11)

anführen. Wer mit diesem Spruch beweisen will, dass die Kindertaufe recht sei, der tut dem heiligen Paulus Gewalt an und verkehrt sein Zeugnis. Denn er lehrt nicht, dass die auswendige Beschneidung ein Vorbild der Taufe sei, sondern er spricht von der inwendigen Beschneidung (Phil 3,3). Denn gleichwie die buchstäbliche Beschneidung an dem Glied der Geburt mit einem steinernen Messer geschah, so muss auch nun unsere durch Adam angeborene Art und Natur, mit dem geistlichen steinernen Messer und mit einer Beschneidung beschnitten werden, die ohne Hände geschieht. Der Stein ist Christus (1Kor 10,4); das Messer ist Gottes Wort (Hebr 4,12). Seht, mit dieser Beschneidung werden die Gläubigen beschnitten und nicht die unmündigen Kinder, wie solches Paulus offenbar durch seine Worte zu lehren bestrebt ist:

»In welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi; indem dass ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt, welcher ihn auferweckt hat von den Toten.« (Kol 2,11–12)

Ich denke, diese Worte beweisen wohl, dass Paulus nicht von der Taufe der unmündigen Kinder, sondern von der inwendigen Beschneidung der Gläubigen redete. Dazu lest auch, was wir über Röm 6 oben gesagt haben.

Zum Dritten sagen sie, dass die Kinder in der Taufe wiedergeboren werden, Christus anziehen und den heiligen Geist empfangen.

Darauf antworten wir: Wiedergeboren werden, Christus anziehen und den heiligen Geist empfangen sind eins und nach der Kraft in sich selbst nicht zerteilt. Habt ihr das eine, so habt ihr auch das andere. Solches bezieht sich aber keineswegs auf die unmündigen Kinder, denn die Wiedergeburt geschieht durch den Glauben, durch Gottes Wort und ist eine Veränderung des Herzens oder des inwendigen Wesens, wie oben gesagt ist. Christus anziehen, ist in Christus versetzt sein und gesinnt zu werden gleichwie er. Den heiligen Geist empfangen, ist seiner Gaben und Kraft teilhaftig und von ihm gelehrt, versichert und getrieben zu werden, wie die Schrift lehrt. Solches aber kann bei unmündigen Kindern nicht stattfinden, denn sie haben keine Ohren des Herrn Wort zu hören und keine Vernunft es zu verstehen. Denn aus dem Wort und dem Hören desselben geht dieses alles hervor.

Hier mag vielleicht gefragt werden, ob denn Gott nicht mächtig ist, selbst in den Kindern Glauben hervorzurufen, indem doch Johannes der Täufer, noch ungeboren, vor Freuden in seiner Mutter Leib hüpfte.

Hier sagen wir, dass wir von Gottes Macht nicht reden, er machte den alten, erstorbenen Leib der Sara fruchtbar (1Mo 21,2) und hat Bileams Esel reden lassen (4Mo 22,27). Daraus folgt nicht, dass alle alten Frauen fruchtbar werden und alle Esel reden sollen. Er tut nicht zu jeder Zeit alles, was er zu tun vermag; wir sprechen deshalb lediglich von der Regel der Schrift und was uns dieselbe bezüglich dieser Punkte lehrt und befiehlt. Da die unvernünftigen Kinder des Verständnisses des Worts ermangeln, so können sie auch nicht glauben und weil sie nicht glauben, können sie auch nicht wiedergeboren werden. Dass sie nicht Ohren für das Wort Gottes haben, lehrt uns die Vernunft. Dass sie auch nicht glauben und wiedergeboren werden, geht aus dem hervor, was sie tun; denn mögen sie getauft oder nicht getauft sein, so ist ihre angeborene Natur gleichwohl von Jugend auf zum Bösen geneigt (1Mo 8,21). Sie kennen keinen Unterschied zwischen Christus und dem Satan; zwischen dem Guten und dem Bösen; zwischen Leben und Tod. Aus was soll man nun ihren Glauben und ihre Wiedergeburt erkennen und wissen, dass sie Christus und seinen Geist besitzen? Das wiedergebärende Wort muss zum Ersten gehört und mit getreuem Herzen geglaubt werden, ehe die Wiedergeburt, das Anziehen Christi und der Einfluss des heiligen Geistes folgen können.

Seht, so lehrt uns des Herrn Wort. Wer nun das wohlschmeckende Brot des göttlichen Worts, davon unsere Seelen leben müssen, nicht mag, der muss sich mit den Schweineträbern sättigen lassen, wir können es nicht wehren (Lk 15,16). Ich hoffe, der gnädige Vater werde uns mit seiner großen Barmherzigkeit vor ihrer antichristlichen Lehre und pharisäischen Sauerteig gnädig beschirmen und bewahren.

Zum Vierten sagen sie, obwohl die unmündigen Kinder in der Taufe nicht also von der Erbsünde gewaschen werden, dass dieselbe nicht mehr da sei, so soll ihnen dieselbe dennoch um der Taufe willen nicht zur Sünde gerechnet werden.

Darauf antworten wir: So zu lehren und zu glauben ist eine offenbare Lästerung Christi und seines Blutes. Ich habe wohl mehr denn einmal aus des Herrn Wort bewiesen, dass Christus das einzige Mittel sei gegen unsere Sünden und sonst ewiglich kein anderes Mittel ist (Jes 43,25; Mt 1,21; Apg 4,12). Wollen die Menschen aber Gottes Wort nicht glauben, so kann ihnen weder von mir noch irgendeinem anderen geholfen werden. Aber die Art und Weise, in welcher die Gläubigen in der Taufe Vergebung der Sünden empfangen, ist oben erklärt worden; und wer unsere Worte darüber mit richtigem Verständnis liest, der wird dem Herrn Christus wohl seine Ehre geben und die Vergebung seiner Sünden nicht den stummen Zeremonien und Elementen zuschreiben.

Zum Fünften sagen sie, Christus habe seine Gemeinde gereinigt und geheiligt mit dem Wasserbad im Wort (Eph 5,26). Die kleinen Kinder sind in der Gemeinde, sagen sie, darum müssen sie auch mit dem Wasserbad gereinigt werden durchs Wort.

Darauf antworten wir: Paulus redet hier nicht von unmündigen Kindern, sondern von denen die des Herrn Wort hören, glauben und deren Herzen so durch den Glauben geheiligt und gereinigt werden. Denn solche werden mit dem Wasserbad gewaschen, gleichwie ihnen des Herrn Mund befohlen hat. Da nun die unmündigen Kinder den reinen, heiligmachenden Glauben nicht haben, noch die Mittel zum Glauben (Röm 10), nämlich das Verständnis, auch in der Schrift von dem Wasserbad keinen Befehl haben, wie können sie dann mit dem Wasserbad gereinigt werden durch das Wort, da sie doch keinen Glauben haben an das Wort und kein Wasserbad durchs Wort? Darum sollen alle Kindertäufer wissen, dass ihre Kindertaufe nicht allein nicht reinigt noch heiligt, sondern dass sie ganz und gar abgöttisch, ohne Verheißung, verderblich und wider des Herrn Wort ist.

Wir haben zuvor dargetan, dass der Juden Opfer mit Vergebung der Sünden oder Versöhnung verknüpft waren, ja diese zum Zweck hatten, wenn sie nach der Anweisung Moses geschahen. Wenn sie aber davon abwichen, erlangten sie dadurch keine Versöhnung, sondern verfielen umso mehr der Sünde, wie Saul, Ussija, Nadab, Abihu und andere (3Mo 10,2; 2Chr 26,19). Gleichermaßen wird auch die Gemeinde mit dem Wasserbad geheiligt und gereinigt im Wort, wenn es in allen Dingen nach Anweisung des Worts geschieht. Wo es nicht so geschieht, da wird man nicht gereinigt, sondern vielmehr in Sünde gestürzt.

Und wiewohl die Kinder weder Glauben noch Taufe haben, so denke man dennoch nicht, dass sie darum verdammt sind. Ach nein, sie sind selig; denn sie haben des Herrn eigene Verheißung zu dem Reich Gottes, nicht durch irgendwelche Elemente, Zeremonien oder äußerliche Gebräuche, sondern allein aus der Gnade durch Christus Jesus (Mt 19,13–15). Und darum glauben wir auch wahrhaftig, dass sie in Gnaden sind, ja, dass sie Gott angenehm, rein, heilig und Erbgenossen Gottes und des ewigen Lebens sind. Um dieser Verheißung willen, dürfen sich alle gläubigen Christen ihrer Kinder Seligkeit mit ruhigem Herzen freuen und trösten.

Zum Sechsten sagen sie, dass die unmündigen Kinder um der Verheißung willen, wie oben erläutert, getauft werden sollen, wiewohl Christus die zu ihm gebrachten Kinder weder taufte noch taufen ließ; aber sie sagen, dass er solches nach seinem Tode hat lehren und tun lassen.

Darauf antworten wir, dass solcher Vorwand falsch und ohne Gottes Wort ist, ja er kann mit keinem Buchstaben der Schrift unterstützt werden. Wir freuen uns von Herzen, dass sie die Verheißung haben; dass sie aber darum sollten getauft werden, darüber lehrt uns die Schrift nichts und der Umstand, dass sie vor des Herrn Tod nicht getauft wurden, macht uns in unserer Behauptung um so sicherer und zwar aus folgendem Grunde: Wir wissen mit Sicherheit, dass er nach seinem Tode mit keinem anderen Worte einen anderen Grund, eine andere Taufe gelehrt oder einen anderen Geist und eine andere Verheißung gegeben hat, als vor demselben und dass er auch andere nicht beauftragte, eine verschiedene Lehre zu verbreiten. Dass er, nach seinem Tod und seiner Himmelfahrt, seinen heiligen Aposteln befahl, die Kindertaufe zu lehren und zu üben, kann mit des Herrn Wort nimmermehr bezeugt werden.

O Fleisch, Fleisch! Du schämst dich nicht dem Herrn Christus und seinen Aposteln deine Lüge aufzubürden und deine Kindertaufe unter dem Schein der Übereinstimmung mit dem göttlichen Wort zu üben, gleich als ob der Herr solches gelehrt hätte, wiewohl er es niemals tat. Wie gleich seid ihr denen, die da sagen:

»Der Herr hat’s geredet; so ich’s doch nicht geredet habe.« (Hes 13,7)

So oft als wir dann gefragt werden, warum man die Kinder nicht taufen soll, da sie doch in Gottes Gemeinde, Gnade, Bund und Verheißung sind, antworten wir: Darum, weil es der Herr weder gelehrt noch befohlen hat.

Zum Siebten sagen sie: Die Schrift unterrichtet uns, dass die Apostel ganze Familien getauft haben, was leicht zur Vermutung führe, dass auch kleine Kinder darunter waren (Apg 16,15).

Hierauf antworten wir zum Ersten: Mit diesem Einwurf bekennen sie, dass sie ihre Lehre auf Vermutungen gründen wollen und mithin keinen schriftgemäßen Beweis haben.

Zum Zweiten antworten wir, dass wir in solchen wichtigen Gewissenssachen nicht auf unsichere Vermutungen bauen dürfen, sondern auf das gewisse Wort, das unseren Füßen eine Leuchte und unseren Wegen ein Licht ist (Ps 119,105).

Zum Dritten antworten wir, dass die Schrift uns namentlich von vier getauften Familien berichtet; nämlich, von der des Kornelius, der des Kerkermeisters, der der Purpurkrämerin und der des Stephanas (Apg 10,48; 16,15+33; 1Kor 1,16) und die Schrift gibt uns deutlich zu verstehen, dass besonders drei dieser Familien oder Häuser alle gläubig waren; nämlich, die des Kornelius, des Kerkermeisters und die des Stephanas. Was aber die Familie der Purpurkrämerin anbetrifft, so muss der Leser wissen, obgleich die Schrift nichts Genaues über sie berichtet, dass es weder in der Schrift üblich noch ein Gebrauch der Welt ist, die Familie nach der Frau Namen zu nennen, solange der Mann noch am Leben ist. Da Lukas aber hier die Familie nach dem Namen der Frau und nicht nach dem des Mannes nennt, so lehrt uns die Vernunft, dass Lydia zu jener Zeit entweder eine Witwe oder eine Jungfrau war. Inwiefern man die unmündigen Kinder in ihrem Hause als einen Beweis für die Richtigkeit der Kindertaufe gelten lassen kann, darüber wollen wir den gottesfürchtigen Leser urteilen lassen.

Zum Vierten antworten wir, dass in dem Wort Häuser oder Hausgesinde, die unmündigen Kinder in der Schrift nicht begriffen sind; denn Paulus spricht von unnützen Schwätzern, die ganze Häuser verführen und ein unmündiges Kind kann mit keiner falschen Lehre verführt werden, das ist unwidersprechbar. Darum können auch unter dem Wort Häuser, keine anderen verstanden werden als allein die, welche Ohren haben zu hören und Herzen zu verstehen.

Zum Letzten berufen sie sich auf Origenes und Augustinus und sagen, dass diese vorgeben, die Kindertaufe von den Aposteln empfangen zu haben.

Darauf antworten wir und fragen, ob auch Origenes und Augustinus das aus der Schrift bewiesen haben? Haben sie solches getan, so begehren wir es zu wissen; haben sie es aber nicht getan, so müssen wir Christus und seine Apostel hören und ihnen glauben und nicht Augustinus und Origenes.

Dass dieses aber nicht der Fall ist, kann leicht aus Cyprianus ersehen werden, weil derselbe die Kindertaufe nicht beregt hat, so mich die langjährigen Kirchenregister der Prediger von Nordlingen richtig belehrt und mit dem Worte Liberum nicht betrogen haben.

Cyprianus war auch ein Grieche wie Origenes und lebte 25 Jahre nach ihm. Wenn nun die Kindertaufe der Apostel Lehre und Gebrauch gewesen ist, wie Origenes und Augustinus vorgeben, so müsste es erstens mit der Schrift bewiesen sein und Cyprianus würde nicht wenig gesündigt haben, sollte er der Apostel Lehre und Gebrauch dem allgemeinen Gutdünken freigestellt haben. Denn alles was apostolisch ist, darf von keinem Menschen in einen anderen Gebrauch verändert werden. Das Wort Pauli steht fest:

»So auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht!« (Gal 1,8)

Oder wir würden bekennen müssen, dass die zwölf Apostel mit ihrer Lehre nicht die zwölf Fundamente und zwölf Tore des neuen Jerusalems sind (Offb 21,12).

Ist die Kindertaufe apostolisch, warum schreibt dann Tertullian und sagt: »Die so zur Taufe gehen, bekennen daselbst und auch eine Zeit lang vorher in der Gemeinde, vor dem Bischof, dass sie entsagen dem Teufel, seinem Pomp und Engeln, danach werden sie …?« Über diese Stelle annotiert Revanus, dass es der Alten Gebrauch gewesen sei, dass Adulti, das sind die Erwachsenen, mit dem Bad der Wiedergeburt getauft worden sind.

Dass die Kindertaufe nicht apostolisch gewesen ist, mögt ihr aus dem Unsinn Athanasius wohl merken, wie Ruffinus interpres Euseb. 10, libro Ecclesiast. Histo. Kap. 14, mit klaren Worten dartut.

Bedenkt auch, wie die ersten Schreiber um die Kindertaufe sehr gezankt haben. Wäre sie apostolisch gewesen und aus dem Evangelium hergeleitet, warum würden sie dann darum gestritten haben?

Hierbei lest auch Erasmus von Rotterdam in sua concilion, d. h. seinen öffentlichen Reden; Sebastian Frank in seiner Chronik; Ullrych Zwingli in seinem Artikelbuch; Martinum Cellarium de immensis operibus Dei, d. h. über die gewaltigen Werke Gottes. Da werdet ihr wohl finden, dass die Kindertaufe der Apostel Lehre und Gebrauch nicht ist.

Siehe, lieber Leser, ich ermahne dich und rate dir, wenn du deinen Gott von Herzen suchst und nicht betrogen werden willst, verlass dich nicht auf Menschen und Menschenlehre, für wie alt, heilig und herrlich sie auch immer angesehen werden mögen. Denn ein Theologe ist wider den anderen, sowohl in alter als in neuer Zeit, sondern verlass dich allein auf Christus und Christi Wort, auf die untrügliche Anweisung und Gebrauch seiner heiligen Apostel, so wirst du durch Gottes Gnade vor aller falschen Lehre und Teufels Gewalt wohl bewahrt bleiben und mit einem freien und frommen Gemüt vor deinem Gott wandeln.

3.7.3  Eine Vermahnung an die Verächter des Worts von der Taufe

Wir wissen wohl, lieber Leser, dass es viele unnütze Schwätzer gibt, die aus dem Buchstaben der Schrift zwar erkennen, dass nicht die unmündigen Kinder, sondern allein die an Christus Gläubigen getauft werden sollen und dennoch sprechen: »Ei Lieber! Was kann uns das Wasser helfen? Wir sind einmal in Gottes Namen getauft. Hätten wir nur das neue Leben, so sollte uns das schon genug sein.« O lieber Herr! So wird überall dein edles, teures Wort von der ruchlosen Welt als eine Fabel Esopi betrachtet, als ob die allmächtige Majestät Gottes, die ewige Weisheit und Wahrheit, irgendwelche Dinge vergebens gelehrt und befohlen habe. Nein, mein guter Leser, nein! Sein Name ist herrschender Herr; sein Wort ist sein Wille; sein Gebot ist das ewige Leben. Alles, was er uns gelehrt und befohlen hat, will er unzweifelhaft auch von uns gehalten haben; tun wir das nicht, dann wehe uns.

»Ihr seid meine Freunde (spricht Christus) so ihr tut alles, was ich euch befohlen habe.« (Joh 15,14)

»Mein Anschlag (spricht der Prophet) besteht, und ich tue alles, was mir gefällt.« (Jes 46,10)

Darum, o Kreatur! Lass ab mit deinem Gott zu streiten. Höre ihn und sei ihm gehorsam, denn es ist dies sein göttlicher Rat, Wort und Wille. Wer bist du, dass du mit deinem Gott rechten willst? Christi Schafe hören seine Stimme (Joh 10,27). Die wahrhaftigen Christen glauben und gehorchen. Seid ihr aufrichtige Christen, aus Gott geboren, warum erschreckt und fürchtet ihr euch dann vor der Taufe, die doch das Wenigste ist von dem, das euch Gott befohlen hat? Es ist ja ein schwereres und wichtigeres Gebot, deinen Feind zu lieben; Gutes zu tun denen, die euch Böses zufügen; in dem Geist und der Wahrheit zu bitten für die, die euch verfolgen; euer boshaftes, gottloses Fleisch zu kreuzigen mit seinen unreinen Lüsten und Begierden. Deine dünkelhafte Hoffart; deinen kargenden Geiz; deine anstößige Unkeuschheit; deinen blutigen Hass; dein Schwelgen, Fressen und Saufen; deine verfluchte Abgötterei; dein neidisches Hinterreden; und deine ungezähmte, schändliche Zunge aus deinem Munde zu reißen und dein Herz und Fleisch zu beherrschen; deinen Herrn und Gott, deinen Schöpfer und Seligmacher von ganzem Herzen zu fürchten und zu lieben und dich in allen Dingen zu schicken nach seinem heiligen Wort und deinen Nächsten in aufrichtiger, unverfälschter Liebe nach all deinem Vermögen zu dienen mit Gut, Haus, Land, Rat, mit deinem sauren Schweiß und Arbeit; ja, auch mit deinem Tod und Blut, wenn es die Not erfordert (Eph 4). Alles Elend, Verachtung und das drückende Kreuz Christi mit getreuem Herzen zu tragen, um des Herrn Wort. Christus Jesus bekennen vor Herren und Fürsten, in Kerker und Banden, mit Mund und Leben, bis in den Tod (Eph 4,15; 1Joh 3,16).

Wir meinen, dass diese und dergleichen Gebote dem verkehrten Fleisch, das so gern allezeit seine eigenen Wege wandeln will, viel peinlicher und schwerer sind, als eine Hand voll Wassers zu empfangen. Und ein aufrichtiger Christ muss jederzeit zu allem diesem bereitstehen; wo nicht, so ist er nicht aus Gott geboren; denn die Wiedergeborenen sind gesinnt wie Christus Jesus.

Alle die, welche durch Gottes Gnade aus Adam in Christus versetzt werden, der göttlichen Natur teilhaftig geworden und mit dem Geist und Feuer der himmlischen Liebe von Gott getauft sind, die werden nicht so schmählich wider den Herrn zanken und sprechen: »Lieber, was kann mir das Wasser helfen?« Sondern sie sprechen mit dem zitternden Paulus (Apg 9,6): »Herr was willst du, dass wir tun sollen?« Und mit den Bußfertigen am Pfingsttage:

»Liebe Brüder, was sollen wir tun?« (Apg 2,37)

Sie sagen sich los von ihrer eigenen Weisheit und halten sich des Herrn Wort gegenwärtig; denn sie werden von seinem Geiste getrieben und tun alles das, was ihnen vom Herrn befohlen worden ist, durch den Glauben und aus freiwilligen und gehorsamen Herzen.

Aber solange sie in ihren Gewissen nicht erneuert und nicht wie Christus gesinnt sind, nicht mit dem reinen Wasser aus dem lebendigen Brunnen Gottes an dem inwendigen Menschen gewaschen sind, mögen sie wohl mit recht sagen: Was kann uns das Wasser helfen? Denn solange sie irdisch und fleischlich gesinnt bleiben, können sie selbst mit dem ganzen Ozean nicht gereinigt werden.

Mein getreuer Leser, glaube nicht, dass wir so großes Gewicht auf die Elemente und Gebräuche legen. Ich sage dir die Wahrheit in Christus und lüge nicht. Wenn jemand zu mir käme, er wäre gleich ein Kaiser oder ein König und wollte getauft sein, wandelte aber noch nach den unreinen, gottlosen Lüsten seines Fleisches und das unsträfliche, bußfertige, neue Leben wäre nicht in ihm, so hoffe ich durch Gottes Gnade, dass ich lieber sterben würde, als einen solchen unbußfertigen, fleischlichen Menschen zu taufen. Denn wo der erneuernde, wiedergebärende Glaube nicht ist, der uns zum Gehorsam leitet, da ist auch keine Taufe. Gleichwie Philippus zu dem Kämmerer sagte und sprach:

»Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl sein.« (Apg 8,37)

Aber soviel sollt ihr dennoch wissen, dass, so der Täufling mit einem heuchlerischen Herzen in dem Schein des Glaubens zur Taufe käme, dass seine Heuchelei nicht dem Täufer, sondern dem Täufling selbst zur Sünde zugerechnet werden soll; denn niemand kann wissen, was in des Menschen Herzen ist, als der Geist des Menschen, der in ihm ist (1Kor 2,11).

Ich bin der Meinung, dass ihr aus diesen meinen Worten leicht ersehen könnt, dass wir nach keinem anderen Wasser verlangen, als nach dem, welches des Herrn Wort befohlen hat. Denn weil wir glauben, dass Christus der rechte und wahrhaftige Messias ist, auf welchen das Gesetz und die Propheten weisen, welchen alle gerechten Väter und Patriarchen begehrt haben; dass er vom Himmel gekommen ist und die Wahrheit bezeugt hat und dass sein Gebot das ewige Leben ist; so müssen wir auch seine Stimme hören und seinem Wort gehorsam sein; wo nicht, so beweisen wir mit der Tat, dass wir nicht glauben, sondern seinen Rat und sein Wort verwerfen und gegen seine Liebe undankbar sind.

Ich weiß wohl, dass eurer viel sagen werden, wir sind einmal in Gottes Namen getauft worden, damit wollen wir zufrieden sein. Darauf antworten wir: So ihr Gott von Herzen fürchtet und sein Wort und Ordnung für recht und gut erkennt, so müsst ihr selbst zugestehen, dass ihr nicht in Gottes Namen, sondern wider Gottes Namen getauft seid. Es ist wohl wahr, dass der anbetungswürdige, hohe Name Gottes über euch genannt wurde, aber in keiner anderen Bedeutung, als er ausgesprochen wird über Glocken, Kirchen, Altäre, Weihwasser, Lichter und Palme. Alle antichristlichen Abgöttereien und Gräuel werden leider sämtlich unter dem Schein des göttlichen Namens vollführt, dennoch geschehen sie nicht kraft seines Namens, sondern wider seinen Namen (2Mo 20), denn sie geschehen wider sein Wort und seinen Willen.

Mein lieber Leser, denke über diese Worte wohl nach und richte sie mit des Herrn Wort und du wirst finden, dass deine empfangene Taufe, ohne allen Befehl von Gottes Wort, durch eigene Gerechtigkeit ausgeführt und von Menschen erfunden und eingesetzt wurde und darum auch vor Gott, der allein in seiner Gemeinde herrschen und regieren will, verbannt und verflucht ist. Wollt ihr euch denn der Verheißung erfreuen und Mitgenossen der Gemeinde Christi sein, so müsst ihr des Herrn Wort glauben und seinem Rat, Willen und seiner Ordnung folgen und gehorsam sein. So ihr diese aber verachtet, eurem eigenen Rat und Willen und nicht des Herrn Rat und Willen folgen wollt, so könnt ihr euch nicht der Verheißungen der Schrift vertrösten.

»Denn wer nicht glaubt (spricht Christus), der ist schon verdammt.« (Joh 3,18)

Darum tröstet euch nicht länger mit einem solchen eitlen Trost, dass ihr sprecht: Wir sind einmal getauft; denn euer Herz ist noch ganz und gar ungläubig, ja widerspenstig und unrein. Euer ganzes Leben ist irdisch und fleischlich und eure Taufe ist antichristlich und außer Gottes Wort. Darum wacht auf, tut Buße, glaubt Christus, sucht, fürchtet und liebt Gott von ganzem Herzen, dann wird euch des Herrn Wort und seine Salbung wohl lehren, was ihr in diesen Dingen tun oder lassen sollt. Sagt auch nicht, wie etliche zu sagen pflegen, ich will mich von der Kirche und der Abgötterei lossagen, ich will meinem Nächsten dienen, aber die Taufe will ich nicht.

O ihr blinden Menschen! Meint ihr dass es dem Herrn angenehm sei, wenn ihr euch der Kirche entzieht, Almosen gebt und dergleichen, aber nichts desto weniger sein Wort verwerft? Nein, nein! Er will Gehorsam und kein Opfer (1Sam 15,22). Er will das ganze Herz und den ganzen Menschen. Vor ihm gilt weder Kirche noch Almosen, weder Wort noch Werk, solange er nicht euer neues Herz und euer neues Leben sieht.

»Denn in Christo Jesu (spricht Paulus) gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist, eine neue Kreatur, und das Halten der Gebote Gottes.« (Gal 5,6; 6,15; 1Kor 7,19)

Und wer in Christus erneuert und aus Gott geboren ist, der lebt nicht mehr, wie Paulus sagt, sondern Christus Jesus lebt in ihm. Er richtet alle seine Wege nach des Herrn Wort, denn der kräftig wirkende Glaube zwingt ihn zu allem Gehorsam und zu guten Werken. Wo aber das neue Wesen nicht ist, da findet man wohl schöne Worte, aber in dem Grund nichts als eitlen Unglauben, Ungehorsam, eigensinniges Gutdünken und einen verkehrten Weg.

Hiermit bitte und ermahne ich euch, liebe Leser, dass ihr doch dem Herrn nicht solchermaßen widerspenstig sein und sagen wollt: Was kann uns das Wasser helfen? Sondern dass ihr doch bedenken wollt, dass sich Christus Jesus selbst hat taufen lassen (Mt 3,13), obwohl er keine Sünde getan hatte, noch Betrug in seinem Munde gefunden wurde (1Pt 2,22), ja welcher selbst die Gerechtigkeit, der Weg, die Wahrheit und das Leben war. Sagt doch, was konnte Christus das Wasser helfen, der doch alles in allem war? Auch wurden die Jünger von Ephesus wiederum von Paulus getauft, weil sie nichts von dem heiligen Geist wussten, obwohl sie schon mit Johannes’ Taufe getauft waren (Apg 19). Hat sich nicht Christus selbst taufen lassen, der keine Sünde hatte und sind auch abermals von Paulus getauft worden, die mit Johannes’ Taufe früher schon getauft waren, welche Taufe doch aus dem Himmel war; warum verachtet ihr denn des Herrn Taufe, die ihr arme, elende Sünder seid und ohne irgendwelche Erkenntnis und ohne Glauben getauft seid, mit einer Taufe, die aus dem Drachen und Tier ist?

So auch hat Cyprianus der Märtyrer mit seinem ganzen Konzil in Afrika beschlossen, dass man diejenigen, welche von den Ketzern getauft waren, wiederum mit der Taufe Christi taufen sollte und zwar darum, weil sie erachteten, dass der Ketzer Taufe nicht die Taufe Christi sein könne. Denkt nun ein wenig nach, meine guten Leser, was es für Leute waren, die euch tauften; von wem sie gesandt waren; welchen Glauben sie hatten; welch ein Leben sie führten; in welcher Lage und auf welche Weise sie euch tauften. Ja, wollt ihr diesem recht ernstlich nachdenken, so wollte ich durch Gottes Gnade hoffen, so ihr nur nach dem wahren Frieden und der Freiheit des Gewissens verlangt, dass ihr bald einsehen werdet, wie ihr noch nie weder die inwendige noch die äußerliche Taufe gekannt, viel weniger sie empfangen habt.

Siehe, lieber Leser, hier hast du das rechte Fundament und die schriftgemäße Anweisung von der Taufe Christi und die Erklärung von der Taufe des Antichristen.

Bitte den allerhöchsten Herrn um einen heilsamen, reinen Verstand, dass du die rechte und gottselige Wahrheit von Herzen erkennen, glauben und derselben in aller Furcht Gottes treulich nachkommen mögest. Enthalte dich doch des unnützen Disputierens und Widerstreitens; denn wer disputiert und widerstreitet mit der Absicht doch auf der breiten Straße zu bleiben, der bringt seine Seele ins Verderben und wird nimmermehr mit gutem und aufrichtigem Gewissen vor seinem Gott wandeln; wird auch allezeit etwas finden, darüber er zanken und streiten mag.

Darum so durchsucht, glaubt und folgt Gottes Wort mit aufrichtigem, frommem Herzen und lasst euch nicht mit vielen schönen Worten in einem guten Schein verführen und ihr werdet die gewisse Lehre der heilsamen Wahrheit und die tröstliche Verheißung der Gnaden ohne Zweifel erlangen. Der Herr Jesus Christus gönne und gebe euch seine Gnade dazu. Amen.