36  Wie wunderbar der Herr Menno vor seinen Feinden beschützt hat

Das Folgende ist dem 16. Buch vom Ondergangh der Tyrannen, en Jaerlichsche Geschiednisse von Pieter Jantz Twisck, Seite 1074 und 1075, entnommen. Wir ersehen daraus, wie wunderbar der Herr Menno Simons beschützt und vor den listigen Anschlägen seiner Feinde bewahrt hat; sowie seinen göttlichen Eifer für die Wahrheit im Ermahnen eines jeglichen zur wahren Buße und Bekehrung.

Es geschah einst, wie Menno Simons’ eigene Tochter, eine ehrenwerte Frau, in unserer Gegenwart erzählt hat, dass Menno Simons von einem, der auch zur Versammlung kam, für eine gewisse Summe Geldes an die Herren verkauft wurde. Der Verräter hatte nämlich versprochen, Mennos Person in ihre Hände zu liefern oder im Ermangelungsfalle seinen eigenen Kopf zu lassen. Ersteres konnte er aber nicht zuwege bringen, denn wenn er schon den Versammlungsplatz erspähte, so ist Menno durch Gottes Schickung dennoch entkommen. Diesem Verräter, der in Begleitung eines Gerichtsdieners ausgegangen war, ihn zu suchen und zu fangen, ist Menno auch einmal ganz unerwartet begegnet, als er in einem kleinen Kahne vorbeigeführt wurde. Der Verräter schwieg so lange, bis Menno ein Stück vorbei war und dann aufs Feld sprang, um mit weniger Gefahr zu entkommen. Dann sagte der Verräter: »Siehe da, der Vogel ist uns entkommen.« Als der Gerichtsdiener ihn einen Schelm schalt und ihn zur Rede stellte, warum er es nicht früher gesagt hätte, gab der Verräter zur Antwort: »Ich konnte nicht sprechen, denn meine Zunge wurde gehalten.« Dies wurde ihm von den Herren so übel aufgenommen, dass der Verräter seinem Versprechen gemäß seinen eigenen Kopf dafür lassen musste. Solche und ähnliche Beispiele, wie wunderbar Gott die Seinen behütet und besonders, wie schrecklich er die Tyrannen straft, sind wohl des Erwägens wert.

Kurz, Menno hat so viel Gefahr, Mühe und Elend ausgestanden, dass es laut den ältesten Erinnerungen nicht zu beschreiben war. Und dennoch ist er seinen eigenen Tod gestorben, obschon er zuweilen mit großer Freimütigkeit hier und dort es wagte, zu predigen, herumzugehen, zu disputieren, Baalspriester zu strafen und den Widersachern öffentlich in ihrer Gegenwart zu widersprechen, welches verschiedene Personen, meistens Lehrer, der schweren Verfolgung wegen nicht zu tun wagten. Unter anderm geschah es einmal, wie mir für zuverlässig erzählt worden ist, dass Menno in Enigenburgh, einem in Nordholland gelegenen Dorfe, zum Pastor oder Pfaffen in die Kirche kam, nachdem dieser seinen Dienst getan hat und mit ihm in lateinischer Sprache mit großer Freimütigkeit, Beredsamkeit und Gelehrtheit über verschiedene päpstliche Aberglauben redete, worüber der Priester oder Pastor sich sehr verwunderte und auch, nachdem er seinen Pfaffendienst verlassen hatte, seine Besprechung mit Menno in der Länge berichtet hat. Menno hat mehrmals mit Priestern gesprochen und ist auch einmal mit nicht geringerer Freimütigkeit unbekannt in ein Kloster getreten, wo er mit dem Vorsteher sprach, ihn zur Buße wies, ihm ihre großen Irrtümer zeigte und dergleichen Dinge mehr.

Obwohl sein Name nebst Angabe seiner Kleidung, Person oder Gestalt an den Kirchentüren angeschlagen war, um demjenigen, der ihn zu erspähen oder gefangen zu liefern wüsste, eine sichere Belohnung von hundert oder mehreren hundert Gulden versprochen war, so hat ihn Gott dennoch vor allen Ränken und listigen Anschlägen bewahrt, so dass es gewiss so ist, wie er selbst in einem Brief an die Gattin des Leonhard Bouweß schreibt, wo er sagt: »Bist du für deines Mannes Fleisch bekümmert, so gedenke und glaube, dass unser Leben nach Handbreiten abgemessen ist, dass Leben und Tod in des Herrn Hand steht, und dass ohne den Willen unseres himmlischen Vaters nicht ein Haar von unserm Haupte fällt. Er bewahrt uns wie seinen Augapfel. Elias, Elisa, David, Daniel, Sadrach, Mesach und Abednego, Petrus und Paulus, sind alle den Händen der Tyrannen entronnen und niemand hat ihnen ein Haar krümmen können, solange der bestimmte Tag und die Stunde nicht gekommen war. Denn solange der barmherzige Vater mehr Gefallen an unserm Leben als an unserm Tode hat, können sie uns nichts anhaben; wenn dem Herrn aber unser Tod wohlgefälliger ist als unser Leben, so werden wir auch ihren Händen nicht entgehen.«