32  Klarer Beweis aus der heiligen Schrift, dass Jesus Christus der rechte verheißene, geistliche David ist

Ein ganz deutlicher und klarer Beweis aus der heiligen Schrift, dass Jesus Christus der rechte verheißene, geistliche David ist, ein König aller Könige, ein Herr aller Herren und der rechte geistliche König über das geistliche Israel, d. h. seine Gemeinde, die er mit seinem eigenen Blute erkauft und erworben hat.

Schon früher geschrieben an alle hier und dort zerstreuten wahren Brüder und Bundesgenossen; gegen die gräuliche und größte Gotteslästerung des Jan van Leyden, der sich ausgab für einen fröhlichen König über alles und der Elenden Freude und sich an Gottes statt setzte.

Beweis, dass Christus der geistliche David ist

Gnade, Friede und Barmherzigkeit von Gott dem Vater, durch Jesum Christum, sei mit allen hier und dort zerstreuten Brüdern und Bundesgenossen, Amen.

Der ewige, barmherzige Gott, der uns von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen (1Pt 2,9), ja, uns versetzt hat in das Reich seines lieben Sohnes (Kol 1,13), muss uns auf dem rechten Wege bewahren, dass der Satan durch seine List uns nicht verführe und dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte und viele durch dieselbe verunreinigt werden (Hebr 12,15; 5Mo 29,18), wie nun, leider Gott, zum Teil geschieht,

»denn es müssen Rotten unter euch sein, auf dass die, welche rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden.« (1Kor 11,19)

Niemand stoße sich daran, sondern ein jeder habe Acht auf Gottes Wort und bleibe dabei, auf dass ihr erlöst werdet von dem fremden Weibe, wie Salomo sagt (unter welchem Weibe man alle falschen Lehrer versteht), die von außen ist, die glatte Worte gibt und verlässt den Herrn ihrer Jugend und vergisst den Bund ihres Gottes (Spr 2,16).

Dies ist die rechte Art aller falschen Lehrer:

Erstens vergessen sie die reine Lehre Christi und gehen mit einer andern Lehre um, ja, sie bezaubern die andern Menschen, dass sie der Wahrheit nicht glauben können und geben glatte Worte;

»durch süße Worte und prächtige Rede verführen sie die unschuldigen Herzen.« (Gal 3,1; Röm 16,18)

Zweitens verlassen sie ihren Meister Christus, welchen sie allein hören sollten, wie der Vater von ihm zeugt mit den Worten:

»Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören.« (Mt 17,5)

Doch diese Stimme des Vaters vergessen alle falschen Lehrer und verlassen den einzigen Meister, Christum Jesum (Mt 23,10); denn da sie keine von seinen Schafen sind, so hören sie auch seine Stimme nicht (Joh 10,26).

Drittens vergessen die falschen Lehrer den Bund ihres Gottes und auf das, auf welches man am meisten achten sollte, passen sie wenig auf, wie ja Christus die Pharisäer strafte und zu ihnen sprach:

»Ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel; und lasst dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen. Ihr verblendeten Leiter, die ihr Mücken aussiebt und Kamele verschluckt!« (Mt 23,23)

Und Paulus:

»Die Hauptsumme des Gebots ist die Liebe von reinem Herzen und von gutem Gewissen und von ungefärbtem Glauben; welcher haben etliche gefehlt, und sind umgewandt zu unnützem Geschwätz […] verstehen nicht, was sie sagen oder was sie als gewiss hinstellen.« (1Tim 1,5–7)

So vergessen alle falschen Lehrer den Bund ihres Gottes, womit sie Gott verpflichtet sind, wie nun, ach Gott, von vielen geschieht, die schon vergessen haben, worauf sie getauft sind, nämlich auf das Kreuz und die den Gebrauch des Schwerts annehmen, für gut erkennen und preisen wollen, wovor der allmächtige Gott alle wahren Bundesgenossen behüten und ihnen Weisheit und Verstand geben wolle, auf dass sie den Bund ihres Gottes bewahren und stets eingedenk sein mögen, welches Geistes Christus seine Jünger haben will (Joh 9,55); ja, dass sie sich hüten mögen vor diesem fremden Weibe, denn ihr Haus neigt sich zum Tode und ihre Gänge zu den Verlornen. Alle, die zu ihr eingehen, kommen nicht wieder und ergreifen den Weg des Lebens nicht.

Und da dieses fremde Weib zur Zeit sehr regiert und viele verführt, gleichwie die Prophetin Isebel tat und noch tut (Offb 2,20) und wie die Schlange Eva betrug, so wollen wir durch die Gnade Gottes einige Stücke aufdecken, auf dass diejenigen, welche noch blind sind, sehend mögen werden, und dass, gleichwie sie erkennen, dass der Antichrist ein Gräuel ist und an der heiligen Stätte steht, sie auch alle Verführung erkennen mögen (Mt 24,15; Mk 13,14; Dan 9,27; Offb 17,18) und dass, gleichwie sie nicht trinken wollen vom Becher der babylonischen Hure, sie sich auch vor dem Gifte der Schlange hüten und, wenn sie von der Schlange gebissen sein sollten, zur Besinnung kommen mögen, auf dass sie vom Gifte befreit werden durch den Aufblick zur wahren Schlange und dadurch genesen mögen, was Gott uns geben muss.

Wir wären des Schreibens wohl überhoben, drängte uns nicht die Not dazu, einesteils, weil wir die schändliche Verführung und Gotteslästerung, dass ein Mensch an Christi statt gestellt wird, nicht ertragen können, andernteils, weil man uns nicht Rede stehen will, ja, sogar diese Verführung oder vielmehr gräuliche Ketzerei vom verheißenen David und andere noch mit Bibelstellen verteidigt. Denn dies ist die Art aller Verführer und Irrgeister, dass sie vor Gottes Wort fliehen, wie Christus sagt:

»Wer Arges tut, der hasst das Licht und kommt nicht an das Licht, auf dass seine Werke nicht gestraft werden.« (Joh 3,20)

Denn wer das Gute tut und die Wahrheit hervorbringt, der kommt an das Licht, auf dass seine Werke offenbar werden mögen, dass sie durch Gott geschehen sind. Wer darum vom Lichte, d. h. von Gottes Wort flieht, der gibt zu erkennen, dass seine Werke nicht von Gott sind.

Dies können aber einige noch nicht sehen und ist ihnen vonnöten die Augensalbe, von welcher in der Offenbarung 3,18 geschrieben steht. Ach Gott, wie gefährliche Zeiten sind es jetzt; wie verschwört sich der Prophet Bileam mit dem König der Moabiter gegen das Israel Gottes (4Mo 22; 23)!

Wie stehen die ägyptischen Zauberer gegen den wahren Mose (2Mo 7; 8)!

Wie wird dem lügnerischen Pashur Gehör geschenkt, weil er Glück und Segen weissagt, was doch nicht kommen wird (Jer 20; 2Tim 3)!

Wie betrügt der falsche Hananja die frommen Kinder Israels und macht sie auf Lügen vertrauen (Jer 28)!

Der allmächtige Gott erwecke einen Jeremia, der den Betrüger des Volks strafe und nichts anderes spreche, als was Gott ihm gebietet; und der Herr wolle sein Wort in dieses Jeremia Mund stellen zu einem Feuer und alle falschen Lehrer zu Stoppeln. Der Herr tue solches, auf dass die Wahrheit das Feld behaupten möge. Und wenn auch noch so viel Baalspropheten kommen, so wolle der Herr dennoch einen Micha übriglassen, der uns das rechte Wort des Herrn verkündige. Doch genug hiervon; wir wollen die Sache angreifen zur Ehre Gottes und zur Auferbauung der Gemeinde.

Fürs Erste ist es unwidersprechlich, dass der allmächtige Gott seinen Sohn, Christum Jesum, unsern Herrn, zum Könige über das ganze Erdreich und seine gläubige Gemeinde gesetzt hat. Dass Christus ein König über das ganze Erdreich ist, bezeugt uns die Schrift überflüssig, besonders der Prophet David, der sagt:

»Denn der Herr, der Allerhöchste, ist erschrecklich, ein großer König auf dem ganzen Erdboden.« (Ps 47,3)

Und im nämlichen Psalm: »Gott fährt auf mit Jauchzen, und der Herr mit heller Posaune. Lobsingt, lobsingt Gott; lobsingt unserm Könige! Denn Gott ist ein König auf dem ganzen Erdboden; lobsingt ihm klüglich! Gott ist ein König über die Heiden; Gott sitzt auf seinem heiligen Stuhl.«

So wahrhaftig darum Christus Gott ist, ebenso wahrhaftig ist er König über den ganzen Erdboden.

Dies bezeugt der heilige Paulus den Ephesern, wo er sagt: Gott der Vater hat Christum auferweckt

»und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel, über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles.« (Eph 1,20–22)

Christus bezeugt selbst, dass er ein gewaltiger König ist, wenn er sagt:

»Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.« (Mt 28,18)

Paulus sagt, dass Christus das Ebenbild Gottes ist und alle Dinge mit seinem kräftigen Worte trägt (Hebr 1,3).

Also ist Christus ein König über das ganze Erdreich, obwohl die Bösen es nicht ertragen können. Darum sagt der Prophet: »Der Herr ist König, darum toben die Völker; er sitzt auf Cherubim, darum reget sich die Welt,« denn sie können nicht mehr tun, als der Herr zulässt (Ps 99,1; Joh 19,11).

Niemand kann ihm widerstehen (Röm 9,19).

»Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem Herrn, vor dem Herrscher des ganzen Erdbodens.« (Ps 97,5)

Ferner, dass Christus ein König über seine gläubige Gemeinde ist, dafür haben wir klares Zeugnis in der Schrift, denn Jesaja sagt:

»Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst, auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende.« (Jes 9,5–6)

Das Haus Jakobs ist, wie ein jeder wohl versteht, die gläubige Gemeinde, über welche Christus König ist, wie der Engel klar bezeugt und Jeremia von Christo sagt: Er

»soll ein König sein, der wohl regieren wird.« (Jer 23,5)

Sowie auch Jesaja:

»Siehe, es wird ein König regieren, Gerechtigkeit anzurichten, und Fürsten werden herrschen, das Recht zu handhaben.« (Jes 32,1)

Da nun Christus König ist, sowohl über das ganze Erdreich als auch über seine gläubige Gemeinde, wie wir nach der uns von Gott verliehenen Gnade mit klaren Schriftstellen angezeichnet haben, wie nennt Jan van Leyden sich denn einen fröhlichen König über alles, der der Elenden Freude geworden sei?

Wenn er unser König und Herr sein will, so mögen Jesaja und Paulus wohl zurückstehen; denn Paulus sagt:

»Und wiewohl es sind, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden; wiewohl es ja viele Götter und viele Herren gibt; so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von welchem alle Dinge sind, und wir in ihm; und einen Herrn, Jesum Christum, durch welchen alle Dinge sind und wir durch ihn.« (1Kor 8,5–6)

Jesaja sagt:

»Der Herr ist unser Richter, der Herr ist unser Meister, der Herr ist unser König.« (Jes 33,22)

Seht, so wahr Christus unser Meister und so wahr Er unser Richter ist, ebenso wahr ist Er unser König. Wo bleibt nun Jan van Leyden? O gräuliche Gotteslästerung für einen Menschen sich einen fröhlichen König über alles zu nennen, während doch geschrieben steht:

»Herr unser Gott, der du alle Dinge geschaffen hast, und bist schrecklich, stark und gerecht, und barmherzig, und allein der rechte König und Gesalbte; der du allein alle Gaben gibst, der du allein gerecht, allmächtig und ewig bist, der du Israel erlösest aus allem Übel.« (2Makk 1,24–25)

Und Paulus:

»Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christo Jesu, der unter Pontius Pilatus bezeugt hat ein gut Bekenntnis, dass du haltest das Gebot ohne Flecken, untadelig, bis auf die Erscheinung unseres Herrn Jesu Christi; welche wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige, und Herr aller Herren.« (1Tim 6,13–15)

Ferner, dass Jan van Leyden sagt, er sei der Elenden Freude geworden, ist die größte Gotteslästerung, die ein Mensch aussprechen kann; denn unsere Freude ist Christus geworden, als er geboren wurde, wie der Engel den Hirten bezeugte:

»Siehe ich verkündige euch große Freude […] denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr in der Stadt Davids.« (Lk 2,10–11)

Mit diesem stimmen die Worte Davids:

»Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen, und Freude den frommen Herzen. Ihr Gerechten, freuet euch des Herrn, und dankt ihm, und preist seine Heiligkeit.« (Ps 97,11–12)

»Jauchzet dem Herrn, alle Welt! Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! Erkennet, dass der Herr Gott ist! Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst, zu seinem Volk, und zu Schafen seiner Weide.« (Ps 100,1–3)

Paulus sagt:

»Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch!« (Phil 4,4)

So ermahnt uns die ganze Schrift, dass wir uns in Christo unserm Herrn freuen sollen, denn er ist derjenige, von welchem der Patriarch Jakob geweissagt hat, dass er eine Erwartung des Volks sein sollte, d. h. auf welchen Gottes Volk lange mit großer Begierde warten würde (1Mo 49,18), wie Christus auch bezeugt mit den Worten:

»Abraham […] ward froh, dass er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn, und freute sich.« (Joh 8,56)

Christus ist der wahre Melchisedek, ein König von Salem, d. h. ein König des Friedens, der zwischen Gott dem Vater und dem menschlichen Geschlecht Frieden gemacht hat (Hebr 7,1).

Christus ist der fromme Isaak, der mit einem Opfer uns mit seinem himmlischen Vater versöhnt hat und dessen Opfer ewiglich gilt (Kol 1,22; Joh 5,24; Hebr 1,3; 9,12; 10,10,12).

Christus ist der wahre David, der den großen Goliath erschlagen und die Schmach von Israel genommen hat (1Sam 17,49; Sir 47,4).

Ja, er hat Freude und Fröhlichkeit gemacht, wie geschrieben steht:

»Der Geist des Herrn (sagt Christus) ist bei mir, derethalben er mich gesalbt hat, zu verkündigen den Armen das Evangelium, und gesandt hat, den Gebundenen den Kerker zu öffnen; zu predigen ein angenehmes Jahr des Herrn, und einen Tag der Rache unseres Gottes; zu trösten alle Traurigen; zu schaffen den Traurigen zu Zion Trost, und dass ich ihnen geben sollte eine Krone für Asche, Freudenöl für Traurigkeit, und den Mantel des Lobs für den Geist der Traurigkeit.« (Jes 61,1–3; Lk 4,18–19)

Seht, wie klar wir es hier haben, dass Christus der Elenden Freude geworden ist, in welchem sich alle frommen Christen freuen und sagen sollen:

»Ich freue mich im Herrn und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet […] wie eine Braut in ihrem Geschmeide berdet.« (Jes 61,10)

Hierzu ermahnt auch der Prophet Sacharja, indem er sagt:

»Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze; siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel, und auf einem jungen Füllen der Eselin.« (Sach 9,9; Mt 21,5)

Und der königliche Prophet David:

»Singt dem Herrn ein neues Lied, die Gemeinde der Heiligen soll ihn loben. Israel freue sich dessen, der ihn gemacht hat; die Kinder Zions seien fröhlich über ihren König. Sie sollen loben seinen Namen im Reigen, mit Pauken und Harfen sollen sie ihm spielen.« (Ps 149,1–3)

So haben alle Heiligen Gottes getan, wie David, der sagt:

»Unsere Seele harrt auf den Herrn; er ist unsere Hilfe und Schild. Denn unser Herz freut sich seiner, und wir trauen auf seinen heiligen Namen.« (Ps 33,20–21)

Und Jesaja:

»Siehe, das ist unser Gott, auf den wir harren, und er wird uns helfen; das ist der Herr, auf den wir harren, dass wir uns freuen und fröhlich seien in seinem Heil.« (Jes 25,9)

Hier kann man spüren, dass alle Heiligen sich in Gott erfreut haben.

Was für Freude kann uns denn von einem Menschen werden, da doch geschrieben steht:

»Verlasst euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen. Denn des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zur Erde werden; alsdann sind verloren alle seine Anschläge. Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, dessen Hoffnung steht auf den Herrn, seinen Gott, der den Elenden hilft und die Niedergeschlagenen aufrichtet.« (Ps 146,3–7)

»Der da ist eine große Stärke, ein Schirm wider die Hitze, eine Hütte wider den heißen Mittag, eine Losmachung von der Missetat, eine Hilfe wider den Fall; der das Herz erfreut, die Augen erleuchtet und gibt Gesundheit, Leben und Segen.« (Sir 34,19–20)

Da denn Christus unsere Freude geworden ist, so mag ein jeder überlegen, was für ein Gräuel es vor Gott ist, wenn ein Mensch das sein will, was unser Seligmacher Christus ist. Und ist es nicht auch ein Gräuel, an der heiligen Stätte zu stehen? Und was noch mehr ist, dieser Jan van Leyden begnügt sich nicht damit, dass er sich für einen fröhlichen König über alles, der der Elenden Freude geworden ist, ausgibt, sondern er rühmt sich auch, der verheißene David, von welchem alle Propheten zeugen, zu sein, und will nicht zugeben, dass Christus unsere Verheißung ist.

So sind alle falschen Propheten, ja, alle Antichristen geartet, dass sie auf ihrem Haupte haben Namen der Lästerung und Kronen dem Golde gleich, womit ihre Hoffart gemeint wird, wie man auch spüren kann an der babylonischen Hure, die mit Scharlach bekleidet ist und einen goldenen Becher voll Gräuels in ihrer Hand hat (Offb 17,4) und in ihrem Herzen sagt:

»Ich sitze, und bin eine Königin […] und Leid werde ich nicht sehen.« (Offb 18,7)

Doch der Herr kann dies nicht dulden und sagt:

»Also soll Babel, das schönste unter den Königreichen, die herrliche Pracht der Chaldäer, umgekehrt werden von Gott, wie Sodom und Gomorra.« (Jes 13,19)

»Darum werden ihre Plagen auf einen Tag kommen.« (Offb 18,8)

Und nicht nur Babel, sondern auch alle Antichristen samt ihrer Verführung und ihren lügenhaften Schriften sollen ausgerottet werden, wie Christus sagt:

»Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgereutet.« (Mt 15,13)

Es kann kein größerer Antichrist kommen als derjenige, welcher sich für den verheißenen David ausgibt, welcher verheißene David aber Christus ist, wie die Schrift zum Überfluss bezeugt.

»Wer Ohren hat zu hören, der höre.« (Mt 13,43; Offb 2,7)

Erstens sagt der Prophet Hosea:

»Die Kinder Israel werden lange Zeit ohne König, ohne Fürsten, ohne Opfer, ohne Altar, ohne Leibrock und ohne Heiligtum bleiben. Danach werden sich die Kinder Israel bekehren, und den Herrn, ihren Gott, und ihren König David suchen; und werden den Herrn und seine Gnade ehren in der letzten Zeit.« (Hos 3,4–5)

Es ist unwidersprechlich, dass dieser König David niemand anders sein kann, als Christus Jesus und ihn müssen alle suchen, welche selig werden wollen, wie geschrieben steht:

»Sucht den Herrn, so werdet ihr leben.« (Am 5,6)

Und Jesaja:

»Sucht den Herrn, solange er zu finden ist; ruft ihn an, während er nahe ist.« (Jes 55,6)

Darum sagt David:

»Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir, und errettete mich aus aller meiner Furcht.« (Ps 34,5)

Und Christus, die Weisheit Gottes sagt:

»Wer mich findet, der findet das Leben, und wird Wohlgefallen von dem Herrn bekommen.« (Spr 8,35)

Und was für einen andern König sollen die Kinder Israels denn haben, als Christum Jesum, den wahren Melchisedek, einen König von Salem, d. h. einen König des Friedens, von welchem die ganze Schar der Jünger zeugte:

»Gelobt sei, der da kommt, ein König in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!« (Lk 19,38; 2,14)

?

Diesen König Christus haben die Juden verschmäht und sind darum erblindet. Dennoch werden sie wiederkehren und zu Christo, ihrem König David, kommen, wie Paulus bezeugt, indem er sagt:

»Blindheit ist Israel eines Teils widerfahren, solange bis die Fülle der Heiden eingegangen sei und so das ganze Israel selig werde; wie geschrieben steht: Es wird kommen aus Zion, der da erlöse und abwende das gottlose Wesen von Jakob; und dies ist mein Testament mit ihnen, wenn ich ihre Sünden werde wegnehmen.« (Röm 11,25–27; Jes 59,20–21)

Da nun Israel noch zu Christo bekehrt werden wird, so folgt daraus ohne Widerspruch, dass der König David, welchen Israel suchen wird, niemand anders sein kann, als Christus.

Es versteht daher wohl jeder Gerechte, in einem wie gräulichen Irrtum diejenigen verstrickt sind, welche nicht haben wollen, dass man unter dem König David Christum verstehen solle, sondern einen andern Menschen. Von solchen sagt Christus:

»Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an. So ein anderer wird in seinem eigenen Namen kommen, den werdet ihr annehmen.« (Joh 5,43)

Wer aber mit Jerusalem Christum nicht empfangen will, der muss auch mit Jerusalem gestraft werden (Mt 21,41). Und wer mit den Pharisäern Christo widersteht und sich dennoch dünken lässt, er sei erleuchtet, der wird auch mit den Pharisäern geblendet werden (Lk 19,7; Jes 6,10). Ein jeder bitte Gott um Weisheit, dann wird er leicht verstehen, dass Christus der rechte David ist.

Zweitens sagt Jeremia:

»Es soll aber geschehen zur selbigen Zeit, spricht der Herr Zebaoth, dass ich sein Joch von deinem Halse zerbrechen will und deine Bande zerreißen, dass er darin nicht mehr den Fremden dienen muss; sondern dem Herrn, ihrem Gott, und ihrem Könige David, welchen ich ihnen erwecken will.« (Jer 30,8–9)

Nun lautet des Herrn Gebot:

»Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen!« (5Mo 6,13; Mt 4,10)

Darum ist dieser König David niemand anders als Christus, welchen uns der Vater erweckte, wie er sprach:

»Ich habe meinen König eingesetzt, auf meinen heiligen Berg Zion.« (Ps 2,6)

Und die christliche Gemeinde bekennt sonst keinen König, keinen Herrn, als Christum (1Kor 8,6). Darum sagen auch alle Heiligen: Der Herr ist unser Schild, und der Heilige Israels unser König (Ps 89,19; Jes 33,22). Wer ist der Heilige Israels als der, von welchem Jesaja zeugt mit den Worten:

»So spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnt, dessen Name heilig ist.« (Jes 57,15)

Und in der Offenbarung:

»Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids […]« (Offb 3,7)

Desgleichen Jeremia gegen Babel:

»Vergeltet ihr, wie sie verdient hat; wie sie getan hat, so tut ihr wieder; denn sie hat stolz gehandelt wider den Herrn, den Heiligen in Israel.« (Jer 50,29)

Es ist also der Heilige Israels niemand anders als der wahre Gott und Herr Christus Jesus und es kann daher auch niemand anders ein König sein über die gläubige Gemeinde als Christus, wie der Geist Gottes durch den Propheten Micha mit diesen Worten bezeugt:

»Der Herr wird König über sie sein auf dem Berge Zion, von nun an bis in Ewigkeit.« (Mi 4,7)

Wer anders als Christus ist dieser Hirte, von welchem so geweissagt wird:

»Siehe, der Herr kommt gewaltig; und sein Arm wird herrschen. Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung ist vor ihm. Er wird seine Herde weiden – wie ein Hirte; er wird die Lämmer in seine Arme sammeln und in seinem Busen tragen und die Schafmütter führen.« (Jes 40,10–11)

Christus bezeugt selbst, dass er dieser Hirte ist, denn er sagt:

»Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.« (Joh 10,11)

Ja, Christus weidet seine Schafe recht. Er ist die Türe zum Schafstall. Wer durch ihn in den Schafstall eingeht, wird erhalten werden; er wird aus- und eingehen und gute Weide finden.

Darum sagt David:

»Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.« (Ps 23,1–2)

Und der Apostel Petrus:

»Ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.« (1Pt 2,25)

Ferner sagt Gott der Herr: Mein Knecht David soll ein Fürst mitten unter ihnen sein. Niemand stoße sich daran, dass Gott der Vater seinen Sohn Christus seinen Knecht nennt, wie z. B. wenn er sagt:

»Siehe, mein Knecht, welchen ich auserwählt habe, mein Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.« (Jes 42,1; Mt 12,18)

Und an noch einer andern Stelle spricht der Vater von Christo:

»Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen.« (Jes 53,11)

Darum ist Christus dieser Knecht David und er ist ein Fürst unter den Christen. Und wer ist sonst ein Fürst in der Gemeinde Christi, als Christus, von welchem Paulus bezeugt, dass er allein ein Fürst ist (1Tim 6,15) und von dem der Prophet sagt:

»Und du Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.« (Mi 5,1)

Der Herr spricht ferner durch Hesekiel:

»Sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und mein Knecht David soll ihr König und ihrer aller einiger Hirte sein.« (Hes 37,23–24)

Wir haben schon zuvor klar genug aus der Schrift bewiesen, dass Gott der Vater keinen andern König über Zion gesetzt hat, noch setzen will, als seinen Sohn Jesus Christus, und dass er ihm ein ewiges Reich gegeben hat (Lk 1,33), wir brauchen es daher nicht zu wiederholen; und dass Gott der Herr sagt: »Mein Knecht David soll ihrer aller einiger Hirte sein,« so versteht wohl ein jeder, dass solches von Christo zu verstehen ist; denn kein Mensch kann unser einiger Hirte sein. Und obwohl Gott Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer über seine Gemeinde setzt, wie Paulus sagt (Eph 4,11), so ist dennoch Christus, und niemand anders, der einzige Hirte, wie man klar ersehen kann aus den Worten Christi:

»Ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselbigen muss ich herführen und sie werden meine Stimme hören und wird eine Herde und ein Hirte werden.« (Joh 10,16)

Da alle Gläubigen Schafe Christi sind und es nicht mehr als einen Schafstall gibt, von welchem Christus der Hirte ist, so muss hieraus folgen, dass Christus der einzige Hirte ist, und dass niemand anders es sein kann. Darum nennt Petrus Christum den Erzhirten (1Pt 5,4) und sagt Paulus:

»Gott aber des Friedens, der von den Toten aufgeführt hat den großen Hirten der Schafe, durch das Blut des ewigen Testaments, unsern Herrn Jesum, der mache euch fertig in allem guten Werk.« (Hebr 13,20–21)

Christus also, und niemand anders, ist der einzige Hirte, denn alle Gläubigen müssen seine Stimme hören; und daraus folgt ohne Widerspruch, dass er auch der verheißene David ist, nach den Worten des Herrn: »Mein Knecht David soll ihr ewiger Fürst sein.« Ich hoffe, niemand wird so unverständig sein (er müsste denn verbittert und von Gott in einen verkehrten Sinn überliefert sein), dass er diese Worte von einem Menschen, nämlich dass ein Mensch unser ewiger Fürst sein soll, verstehen will; denn es steht geschrieben, dass Gott allein ewig ist und allein Unsterblichkeit hat und in einem Licht wohnt, da niemand zukommen kann (2Makk 1,25; 1Tim 6,16). Kein Mensch soll unser ewiger Fürst sein, sondern Christus ist unser ewiger Fürst und sein Reich ist ein ewiges Reich, wie geschrieben steht:

»Gott, dein Stuhl bleibt immer und ewig.« (Ps 45,7; 89,5)

Paulus und Petrus sagen, dass Christi Reich ein ewiges sein muss und der Engel sprach zu Maria:

»Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakobs ewiglich und seines Königreichs wird kein Ende sein.« (Lk 1,32–33)

Auch sagt der Prophet:

»Sein Same soll ewig sein und sein Stuhl vor mir wie die Sonne; wie der Mond soll er ewiglich erhalten sein und gleichwie der Zeuge in den Wolken gewiss sein.« (Ps 89,37–38)

Hieraus versteht wohl ein jeder, dass unser ewiger Fürst niemand anders ist, als Christus und darum ist auch unser verheißener David niemand anders als Christus.

Viertens haben wir in einem Psalm:

»Dazumal redetest du im Gesicht zu deinem Heiligen, und sprachst: ›Ich habe einen Held erweckt, der helfen soll; ich habe erhöht einen Auserwählten aus dem Volk; ich habe gefunden meinen Knecht David, ich habe ihn gesalbt mit meinem heiligen Öle.‹« (Ps 89,20–21)

Wer anders ist dieser Held, auf welchen Gott der Vater Hilfe gelegt hat, als Christus Jesus? Der alle Gewalt hat im Himmel und auf Erden, welchem der Vater alle Dinge unterworfen und ihn zum Haupt der Gemeinde über alles gesetzt hat (Mt 28,18; Hebr 2,8; Eph 1,22; 5,23).

Auf diesen Christus hat der allmächtige Gott Hilfe gelegt, denn durch ihn sind wir errettet und frei gemacht, wie Christus sagt:

»So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei.« (Joh 8,36)

Und Paulus:

»Das dem Gesetz unmöglich war (da es durch das Fleisch geschwächt ward), das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und verdammte die Sünde im Fleisch durch die Sünde.« (Röm 8,3)

Christus ist der starke Simson, der den jungen Löwen zerrissen hat (Ri 14,5–6); er ist der fromme David, der den großen Philister, gegen welchen niemand von allen Israeliten zu fechten wagte, überwunden hat (1Sam 17); er ist der rechte Auserwählte, den der Vater zu seinem Sohn auserwählt hat, wie er sagt:

»Siehe, das ist mein Sohn, welchen ich erwählt habe.« (Mt 12,18)

Diesen Auserwählten, nämlich Christum, hat der Vater aus dem Volke erhöht. Weil er ihn zum Könige über seinen heiligen Berg Zion, zum Haupt der Gemeinde, ja, zum Herzog oder Fürsten, der sein Volk Israel regieren soll, gesetzt hat, darum bekennt ihn die Gemeinde für ihr Haupt und für den Allerhöchsten unter den Menschen auf Erden, indem sie sagt:

»Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund unter den Söhnen. Ich sitze unter dem Schatten, dessen ich begehre, und seine Frucht ist meiner Kehle süße.« (Hl 2,3)

Ferner sagt der Herr: »Ich habe gefunden meinen Knecht David, ich habe ihn gesalbt mit meinem heiligen Öle.«

Dieser gesalbte David ist Christus, denn er ist der rechte Gesalbte des Herrn, zu welchem der Vater spricht:

»Gott, dein Stuhl währt von Ewigkeit zu Ewigkeit; das Zepter deines Reichs ist ein richtiges Zepter; du hast geliebt die Gerechtigkeit, und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, gesalbt dein Gott mit dem Öl der Freuden, über deine Genossen.« (Hebr 1,8–9)

Und Christus im Evangelium:

»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat.« (Lk 4,18)

Desgleichen der heilige Petrus:

»Gott hat Jesus von Nazareth gesalbt mit dem heiligen Geist und Kraft.« (Apg 10,38)

Sollte aber jemand noch zweifeln (obwohl dies den Verständigen in Anbetracht der Klarheit der Schrift unmöglich ist), so merke er die folgenden Worte:

»Er wird mich nennen also: Du bist mein Vater, mein Gott und mein Hort, der mir hilft. Und ich will ihn zum ersten Sohne machen, allerhöchst unter den Königen auf Erden.« (Ps 89,27–28)

Christus ist der erstgeborne Sohn Gottes, wie Paulus sagt:

»Gott der Vater hat uns verordnet, dass wir gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, auf dass derselbige der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern.« (Röm 8,29)

Und zu den Hebräern:

»Da er einführt den Erstgebornen in die Welt, spricht er: Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.« (Hebr 1,6)

So wahr darum Christus der erstgeborne Sohn Gottes ist, so wahr ist er auch dieser Knecht David, welchen der Herr gesalbt hat mit seinem heiligen Öle, d. h. mit seinem heiligen Geiste.

Auch sagt der Herr von seinem Knecht David:

»Ich will ihn ewiglich behalten, meine Gnade und mein Bund soll ihm fest bleiben. Ich will ihm ewiglich Samen geben, und seinen Stuhl, solange der Himmel währt, erhalten.« (Ps 89,29–30)

Dieser Same sind die Kinder, da nachher steht: »Wo aber seine Kinder mein Gesetz verlassen.« Nun ist aber ersichtlich, dass man dies nicht von den fleischlichen Kindern des figürlichen David verstehen kann, denn diese haben sich zur Abgötterei gewandt und Gottes Gesetz gänzlich verlassen, wofür sie oft gestraft und zuletzt als unfruchtbare Zweige von dem natürlichen Ölbaume geschnitten worden sind (Röm 11,21).

Auch ist das äußerliche Reich Davids nicht beständig geblieben, sondern zerstört worden, wie der heilige Patriarch Jakob und auch andere Propheten geweissagt hatten (1Mo 49,10; Hos 3,4).

Und dass man dies von den fleischlichen Kindern Davids verstehen soll, widerspricht Pauli Brief an die Römer, wo er sagt:

»Es sind nicht alle Israeliten […] die Abrahams Same sind […] sondern in Isaak soll dir der Same genannt sein. Das ist: nicht sind das Gottes Kinder, die nach dem Fleisch Kinder sind; sondern die Kinder der Verheißung werden für Samen gerechnet.« (Röm 9,6–8)

Darum kann man diesen Samen nicht von den fleischlichen Kindern, sondern man muss denselben von dem geistlichen Samen verstehen, von dem geschrieben steht: Wenn mein Knecht (spricht der Vater von Christo)

»sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat; so wird er Samen haben und in die Länge leben.« (Jes 53,10)

Dieser Same sind alle wahren Kinder Gottes,

»die da wiederum geboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich dem lebendigen Wort Gottes.« (1Pt 1,23)

Und Christus sagt:

»Siehe, hier bin ich, und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat.« (Jes 8,18; Hebr 2,13)

Diese Kinder Gottes bleiben in Ewigkeit; ewige Wonne und Freude wird auf ihrem Haupte sein (Jes 51,11); sie werden immerdar mit Christo regieren und Christus, ihr König, hat ein ewiges Reich und sein Stuhl wird sein wie die Tage des Himmels (Ps 89,30). Dieser Psalm stimmt gänzlich überein mit den Worten des Propheten Nathan, welche dieser zu David sprach, als er ihm Salomo verhieß (2Sam 7,13). Gleichwie man nun durch des Propheten Nathan Worte nicht allein Salomo, sondern vielmehr Christum versteht (obwohl sie dem Buchstaben nach zum Teil von Salomo gesprochen sind), ebenso kann man hier in diesem Psalm die Worte nicht vom fleischlichen David allein, sondern muss sie vielmehr vom wahren David, Christo Jesu, verstehen. Dies wird auch mit großer Klarheit bewiesen im nachfolgenden Texte, der vom Leiden Christi handelt.

Dies ist unser Bekenntnis vom verheißenen David. Wir könnten durch Gottes Gnade wohl noch vieles schreiben zur Befestigung, dass Christus unser verheißener David ist; allein wir denken, dass es für die Verständigen genug geschrieben ist und den Streitsüchtigen dienen wir nicht (1Kor 11,16). Lasst sie rufen, lasst sie einen andern König aufwerfen: Christus wird dennoch ein König bleiben und in Ewigkeit über seine gläubige Gemeinde regieren. Er ist der Herr und wird seine Ehre keinem andern geben (Jes 42,8; 48,11). Er will ein Räucherwerk haben, das ihm geheiligt sein soll; wer aber ein solches Räucherwerk für sich selbst macht, dessen Seele soll ausgerottet werden aus Israel (2Mo 30,38).

Es wird niemandem glücken, der sich gegen Christum erhebt und der Wahrheit widersteht. Er mag emporkommen, aber Mose und Aaron werden das Feld behaupten (2Mo 7,12; 8,18). Jannes und Jambres müssen weichen und beschämt werden (2Tim 3,8).

Dathan, Korah und Abiram mögen sich gegen Mose erheben; allein sie werden vergehen mit allen, die ihnen anhangen (4Mo 16,32).

Es mag ein hochmütiger Usia kommen und die Ehre, die ihm nicht gebührt, an sich nehmen; allein er wird von Gott gestraft werden (2Chr 26,19).

Hophni und Pinehas mögen eine Zeitlang des Herrn Volk übertreten machen und vom wahren Gottesdienste abkehren; allein sie werden ihre Strafe schon finden (1Sam 2,12; 4,11). Ein jeder hüte sich und bleibe bei Christo. Doch genug von diesem.

Wir wollen mit Gottes Gnade auch ein wenig darüber schreiben, dass es Christen nicht erlaubt ist, mit dem Schwerte zu fechten, auf dass wir einträchtig den Harnisch Davids den fleischlichen Israeliten, und Serubbabels Schwert denjenigen lassen mögen, die Serubbabels Tempel in Jerusalem bauten, welches ihnen zu einer Figur geschehen ist und ist gewesen

»der Schatten von dem, das zukünftig war; aber der Körper selbst ist in Christo.« (Kol 2,17)

Es ist aber nicht haltbar, dass man die Figur des alten Testaments so auf die Wahrheit des neuen Testaments überführe, dass Fleisch auf Fleisch gedeutet und verstanden werde; sondern der Figur muss die Wahrheit, dem Bilde das Wesen und dem Buchstaben der Geist entsprechen. Alsdann wird man leicht verstehen, mit was für Waffen die Christen streiten sollen, nämlich mit Gottes Wort, welches ein zweischneidiges Schwert ist (Hebr 4,12; Eph 6,17; Offb 1,16; 2,12). Von diesem wollen wir mit Gottes Hilfe etwas anzeichnen.

Da der ewige Gott Christum, seinen Sohn, uns zu einem Propheten erweckt hat, den wir hören sollen (5Mo 18,15; Apg 3,22; 7,37), und Christus von sich selbst gezeugt hat, dass er unser einziger Meister sei (Mt 23,10), so ist es unwidersprechlich, dass wir keine andere Lehre annehmen können, als die Lehre Christi. Ich sage, wir können keine fremde Lehre annehmen, die im Widerspruch ist mit Christi Lehre, welche Letztere uns die Apostel durch den heiligen Geist gelehrt und geschrieben haben.

Es darf kein fremdes Feuer mit dem Opfer Gottes vermischt werden (3Mo 10,1), Christus kann den Sauerteig der Pharisäer nicht leiden (Mt 16,6).

Mose musste die Cherubim von lauterem Golde machen, denn die Worte Gottes sind durchläutert wie Silber, das sieben Mal im Tiegel geprüft ist (2Mo 25,18; Ps 12,7).

Der Herr kann nicht dulden, dass seine Lehre verfälscht wird, denn er straft alle falsche Lehre, gleichwie er zu Jerusalem sprach:

»Dein Silber ist Schaum geworden, und dein Getränk mit Wasser vermischt […] und muss meine Hand wider dich kehren, und deinen Schaum aufs Lauterste fegen.« (Jes 1,22,25)

So hasst Gott alle falsche Lehre, und deshalb ermahnen uns die Apostel, dass wir allein bei Gottes Wort bleiben sollen, wie Johannes, der sagt:

»Was ihr nun gehört habt von Anfang, das bleibe bei euch. So bei euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt, so werdet ihr auch bei dem Sohne und Vater bleiben.« (1Joh 2,24)

Und Paulus:

»Dass ihr aufseht auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernt habt, und weicht von denselbigen.« (Röm 16,17)

Ja, so sehr dringt Paulus auf seine Lehre, dass er sagt:

»Aber so auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde ein Evangelium predigen, anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht.« (Gal 1,8)

So lehrt Paulus in allen seinen Briefen, dass man sich vor fremder Lehre hüten und bei seiner Lehre bleiben solle, die nicht seine Lehre, sondern die des heiligen Geistes sei, nach den Worten Christi:

»Denn ihr seid es nicht, die da reden, sondern der Geist eures Vaters, der in euch spricht.« (Mk 13,11)

Nun spricht der Geist Gottes durch Paulus:

»Meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an den Harnisch Gottes, dass ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um dessen willen so ergreift den Harnisch Gottes, auf dass ihr an dem bösen Tage Widerstand tun und alles wohl ausrichten und das Feld behalten möget. So steht nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichts. Und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.« (Eph 6,10–17; 1Th 5,8)

Und an einer andern Stelle:

»Die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, zu zerstören die Befestigungen; damit wir zerstören die Anschläge und alle Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alle Vernunft unter den Gehorsam Christi; und sind bereit, zu rächen allen Ungehorsam, wenn euer Gehorsam erfüllt ist.« (2Kor 10,4–6)

Wer nun nicht blind ist, der versteht schon, mit was für Waffen die Christen streiten müssen, nämlich mit dem Worte Gottes, womit sie wohl bewaffnet sein müssen; denn so spricht die heilige Kirche: »Siehe, um das Bette Salomos her stehen sechzig Starke aus den Starken in Israel. Sie halten alle Schwerter, und sind geschickt zu streiten. Ein jeglicher hat sein Schwert an seiner Hüfte, um der Furcht willen in der Nacht,« d. h. ein jeder ist bewaffnet mit dem Schwert des Geistes, gegen alle Anfechtungen des Teufels, gegen alle falsche Lehre (Hl 3,7–8). Und von Christo steht geschrieben:

»Gürte dein Schwert an deine Seite, du Held, und schmücke dich schön! Es müsse dir gelingen in deinem Schmuck. Ziehe einher der Wahrheit zu gut, und die Elenden bei Recht zu behalten; so wird deine rechte Hand Wunder beweisen. Scharf sind deine Pfeile, dass die Völker vor dir niederfallen.« (Ps 45,4–6)

Hier sagt die Schrift, dass Christus ein Schwert haben wird. Was Christus aber für ein Schwert haben wird, das sagt er selbst in der Offenbarung 2,16, mit diesen Worten: »Tue Buße; wo aber nicht, so werde ich dir bald kommen, und mit ihnen kriegen durch das Schwert meines Mundes.«

Da nun Christus mit dem Schwert seines Mundes gegen seine Feinde ficht, mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlägt (Jes 11,4) und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen vertilgt, und wir dem Ebenbilde Christi gleich sein müssen (Röm 8,29), wie wollen wir denn mit einem andern Schwerte gegen unsere Feinde fechten? Sagt nicht der Apostel Petrus:

»Denn dazu seid ihr berufen. Da auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde getan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden; welcher nicht wiederschalt, da er gescholten ward, nicht drohte, da er litt; er stellte es aber dem anheim, der da recht richtet.« (1Pt 2,21–23)

Und mit diesem stimmen auch die Worte Johannis:

»Wer da sagt, dass er in Christo bleibt, der soll auch wandeln, gleichwie Christus gewandelt hat.« (1Joh 2,6)

Und Christus selbst:

»Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich täglich, und folge mir nach.« (Lk 9,23)

Wiederum:

»Meine Schafe hören meine Stimme […] und sie folgen mir.« (Joh 10,27)

Dies aber ist die Stimme Christi:

»Ihr habt gehört, dass da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar.« (Mt 5,38–39)

Ferner:

»Ihr habt gehört, dass da gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen; auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn so ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich tut, was tut ihr Sonderliches? Tun nicht die Zöllner auch so? Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.« (Mt 5,43–48; Röm 12,20; 1Pt 3,9; Lk 6,34; 1Pt 1,15)

Seht, dies ist die Stimme Christi. Alle, die nun seine Schafe sind, die hören seine Stimme; diejenigen aber, welche seine Schafe nicht sind, die hören auch seine Stimme nicht (Joh 10,26). Als Christus zu den Pharisäern sprach: Ihr hört meine Stimme nicht; denn ihr seid meine Schafe nicht, ließen die Pharisäer sich dünken, dass sie Mose und die Propheten hätten, und hatten auch einen schönen Glanz und Schein der Heiligkeit; allein sie hörten die Stimme Christi nicht, und darum half es auch gar nichts. So geht es allen, welche Christi Worten nicht gehorsam sind.

Es ist nicht in den Blättern, sondern in den Früchten des Baumes gelegen. Welches aber die rechten Früchte sind, dies bezeugt Paulus klar mit den Worten:

»Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit.« (Gal 5,22)

Hier steht nichts vom Streiten mit dem äußerlichen Schwerte oder dass man Böses mit Bösem vergelten solle, sondern vielmehr, wie Paulus an einer andern Stelle sagt:

»Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Befleißigt euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.« (Röm 12,17–21)

Und wollen die Christen mit Kriegswaffen streiten? Sagt doch Paulus klar:

»Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war.« (Phil 2,5)

Christus aber war gesinnt, dass er leiden wollte, und so müssen auch alle Christen gesinnt sein.

Christus wollte von Petrus nicht mit dem Schwerte beschirmt sein und soll denn ein Christ sich mit dem Schwerte beschirmen? Christus wollte den Kelch trinken, den ihm der Vater gegeben hatte und sollte es denn gelten, dass ein Christ nicht mit Christo diesen Kelch trinken sollte (Joh 18,10–11)?

Oder meint jemand auf einem andern Wege, als uns Christus gelehrt hat, selig zu werden? Ist nicht Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben? Ist er nicht die Tür zum Schafstall, so dass niemand in denselben eingehen kann, als durch ihn (Joh 14,6; 10,9)? Ist er nicht der Hirte der Schafe, welchem die Schafe folgen müssen? Ist er nicht unser Herr und Meister? Und wer anders will über seinem Herrn sein, als derjenige, welcher nicht leiden will, wie sein Herr gelitten hat.

Wer anders will über seinem Meister sein, als der, welcher sich an seines Meisters Lehre nicht genügen lässt (Mt 10,24; Joh 13,16; 15,20). Ein jeder hüte sich. Das Streiten mit fleischlichen Waffen ist uns verboten, denn Paulus sagt:

»Erinnere sie, dass sie den Fürsten und der Obrigkeit gehorsam seien, zu allem guten Werk bereit seien, niemand lästern, nicht hadern, gelinde seien, alle Sanftmütigkeit beweisen gegen alle Menschen.« (Tit 3,1–2)

Und der heilige Apostel Jakobus:

»So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis auf die Zukunft des Herrn. Siehe, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und ist geduldig darüber, bis er empfange den Morgenregen und Abendregen. Seid ihr auch geduldig und stärkt eure Herzen; denn die Zukunft des Herrn ist nahe […] Nehmt meine lieben Brüder zum Exempel des Leidens und der Geduld, die Propheten, die zu euch geredet haben in dem Namen des Herrn. Seht, wir preisen selig, die erduldet haben. Die Geduld Hiob habt ihr gehört, und das Ende des Herrn habt ihr gesehen; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.« (Jak 5,7–8,10–11)

Sollen wir nun geduldig sein bis auf die Zukunft des Herrn, so ist es ja verboten zu streiten, da der Herr noch nicht gekommen ist. Und sollen wir die Propheten nehmen zu einem Beispiel, wie man Verfolgung leiden solle, so muss die apostolische Waffenrüstung angelegt und der Harnisch Davids weggetan werden. Wie würde es sich mit Gottes Wort reimen, wenn jemand, der sich ein Christ zu sein rühmt, die geistlichen Waffen verwerfen und die fleischlichen zur Hand nehmen wollte? Sagt doch Paulus:

»Ein Knecht aber des Herrn soll nicht zänkisch sein, sondern freundlich (väterlich im Originale) gegen jedermann, lehrhaftig, der die Bösen tragen kann mit Sanftmut und strafe die Widerspenstigen; ob ihnen Gott dermaleinst Buße gäbe, die Wahrheit zu erkennen, und wieder nüchtern würden aus des Teufels Strick, von dem sie gefangen sind zu seinem Willen.« (2Tim 2,24–26)

Ihr alle, die ihr mit dem Schwerte Davids fechten und zugleich des Herrn Knechte sein wollt, beherzigt doch diese Worte, wie ein Knecht des Herrn beschaffen sein soll. Wenn er nicht fechten noch zanken soll, wie dürfen dann einige kriegen? Wenn er gegen jedermann väterlich sein soll, wie will er dann jemand hassen oder ihm Übles tun? Wenn er zum Lehren bereit sein soll, wie will er denn die apostolischen Waffen von sich werfen? Diese muss er dann wohl bei sich behalten. Soll er die Bösen tragen, wie will er denn die Bösen ausrotten? Soll er diejenigen, welche wider die Wahrheit stehen, mit Sanftmut strafen, wie will er denn die, welche die Wahrheit noch nicht erkennen, mit Zornmut strafen? Paulus sagt: »ob Gott den Widerspenstigen Buße gäbe,« allein einige wollen nicht darauf warten und wenn sie es schon gut meinen, so schlagen sie dennoch mit Usia ihre Hand an die Lade Gottes (2Sam 6,6). Ich fürchte daher, dass es nicht ungestraft bleiben wird; und wenn sie schon mit Saul die besten Tiere der Amalekiter dem Herrn zu einem Opfer sparten, so wird es dem Herr doch nicht behagen, weil es seinem Worte widerstreitet, denn er hat Lust am Gehorsam und nicht am Opfer (1Sam 15,9).

Doch einige wenden ein: »Der Herr will Babylon doch strafen, und zwar durch seine Christen; die müssen seine Werkzeuge sein.« Ach Gott, es wäre billig, dass wir den Herrn mit seinen Werken in Ruhe ließen und gedächten der Worte Sirachs: »Denke nicht über dein Vermögen; sondern was Gott dir befohlen hat, dessen nimm dich stets an. Denn es frommt dir nichts, dass du gaffest nach dem, das dir nicht befohlen ist. Und was deines Amtes nicht ist, da laß deinen Vorwitz.«

Denn es sind den Menschen viele Dinge gezeigt, die über ihren Verstand gehen, und das Vermuten der Dinge hat viele zu Fall gebracht und ihren Verstand in Eitelkeit gehalten. Es ziemte sich auch für diejenigen, welche nun mit des Herrn Jüngern fragen, wann das Reich Israel wieder aufgerichtet werden solle, dass sie die Antwort des Herrn beherzigten:

»Es gebührt euch nicht, zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat.« (Apg 1,6–7)

Allein sie vergessen dies und rufen: »In kurzer Zeit will Gott strafen und Babylon zerstören. Zu diesem müssen die Christen seine Werkzeuge sein.« Diesem wollen wir aber die Schrift gegenüber stellen und sagen: Es ist wahr, Gott will Babylon strafen; aber nicht durch seine Christen, denn so sagt Jeremia:

»Der Herr hat den Mut der Könige in Medien erweckt. Denn seine Gedanken stehen wider Babel, dass er sie verderbe; denn dies ist Rache des Herrn, die Rache seines Tempels.« (Jer 51,11)

Ferner:

»Heiligt die Heiden wider sie, nämlich die Könige aus Medien, samt allen ihren Fürsten und Herren, und das ganze Land ihrer Herrschaft, dass das Land erbebe und erschrecke; denn die Gedanken des Herrn wollen erfüllt werden wider Babel, dass er das Land Babel zur Wüste mache, darinnen niemand wohne.« (Jer 51,28–29)

Ich weiß wohl, dass dies an Babylon im chaldäischen Lande erfüllt worden ist, obwohl das römische Babylon der nämlichen Plage nicht entrinnen wird; allein ich habe es hier angezeichnet für die Befürworter des Schwertes, welche mit dieser Stelle aus Jeremia bewähren wollen, dass die Christen Babylon strafen sollen, obwohl der Prophet klar bezeugt, dass Gott solches durch die Heiden ausgerichtet hat und ausrichten will, wie wir in der Offenbarung sehen können:

»Die zehn Hörner, die du gesehen hast auf dem Tier, die werden die Hure hassen und werden sie wüste machen und bloß, und werden ihr Fleisch essen, und werden sie mit Feuer verbrennen. Denn Gott hat es ihnen gegeben in ihr Herz, zu tun seine Meinung, und zu tun einerlei Meinung, und zu geben ihr Reich dem Tier, bis dass vollendet werden die Worte Gottes.« (Offb 17,16–17)

Es ist daher aus diesen Worten klar zu verstehen, dass die babylonische Hure nicht durch die Christen zerstört werden soll und dass auch die Christen nicht ausrotten sollen.

Es mag immerhin ein Theudas kommen und einen Aufruhr machen; aber es wird ihm nicht glücken. Es mag auch ein Judas Galiläus kommen und eine Störung anrichten; allein er wird umkommen und alle, die ihm anhangen, werden zunichte und zerstreut werden (Apg 5,36–37). Ein jeder hüte sich davor und merke eifrig auf die Schrift und er wird schon sehen, wie der Herr bei seiner Wiederkunft alle seine Feinde, welche nicht gewollt haben, dass er über sie herrschen sollte, selbst ausrotten und strafen wird, denn so sagt Lukas:

»Und es begab sich, da er wiederkam, nachdem er das Reich eingenommen hatte, hieß er dieselbigen Knechte fordern, welchen er das Geld gegeben hatte, dass er wüsste, was ein jeglicher gehandelt hätte.« (Lk 19,15)

Und als er Rechenschaft gehalten hatte mit seinen Knechten sprach er:

»Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringt her und erwürgt sie vor mir!« (Lk 19,27)

Diese Schrift bezeugt klar, dass der Herr Christus zuerst wiederkommen muss, ehe alle seine Feinde gestraft werden sollen. Wie Christus aber wiederkommen wird, dies sagt er selbst mit den Worten:

»Denn es wird je geschehen, dass des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln; und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken.« (Mt 16,27)

Ferner:

»Denn gleichwie der Blitz ausgeht vom Ausgang, und scheint bis zum Niedergang; so wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.« (Mt 24,27)

Und wiederum:

»Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes im Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden, und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.« (Mt 24,30; Offb 1,7; Mk 13,26; Lk 17,24)

Und die zwei Engel bezeugten auch, wie Christus wiederkommen würde und zwar mit diesen Worten:

»Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr und seht gen Himmel. Der Herr wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt, gen Himmel fahren.« (Apg 1,11)

Hieraus versteht wohl ein jeder, wie die Zukunft Christi geschehen wird. Wenn er daher Christum so kommen sieht, so kann er gewiss wissen, dass alle Feinde Gottes gestraft werden sollen. Vor dieser Zukunft Christi aber vermutet er solches nicht, denn er würde in seiner Erwartung getäuscht werden oder Gottes Wort müsste lügen, welches unmöglich ist. Auch sagt Lukas, dass der Herr das Reich empfangen hatte. Hierüber sagt Daniel:

»Ich sah in diesem Gesicht des Nachts, und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken, wie eines Menschen Sohn, bis zu dem Alten, und ward vor denselbigen gebracht. Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergeht und sein Königreich hat kein Ende.« (Dan 7,13–14)

Hier merkt ein jeder, von wem Christus das Reich empfängt, auf dass er sehen kann, welche gräuliche Verführung es ist, dass einige sagen, dass Jan van Leyden das Reich einnehmen würde und dass, wenn er es eingenommen hätte, er es Christo übergeben würde, gleichwie David das Reich dem Salomo übergab.

Der Evangelist sagt ferner, dass Christus mit seinen Knechten abgerechnet hat, welches aber nicht geschehen wird, bis am Tage des Gerichts, wie Paulus sagt:

»Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse.« (2Kor 5,10)

Christus sagt:

»Die Menschen müssen Rechenschaft geben am jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben.« (Mt 12,36)

Dann werden die getreuen Knechte in das Reich ihres Herrn eingehen. Dann werden die Bösen gestraft werden und alle, die nicht in dem Buch des Lebens geschrieben sind, werden in den feurigen Pfuhl geworfen werden; denn sie haben Christum nicht für ihren König bekennen wollen, sondern haben das Tier und sein Bild angebetet (Mt 25,46; Offb 20,15; 13,8).

Diese Parabel verfälschen nun einige und sagen: »Die Feinde Gottes sollen ausgerottet werden vor der Zukunft Christi und in diesem wollen wir Gottes Werkzeuge sein.« Aber sie müssen zu Schanden werden,

»denn so spricht der Herr, Herr, der Heilige in Israel: Wenn ihr stille bliebet, so würde euch geholfen; durch stille sein und hoffen würdet ihr stark sein. Aber ihr wollt nicht und sprecht: Nein, sondern auf Rossen wollen wir fliehen. Darum werdet ihr flüchtig sein. Und auf Läufern wollen wir reiten. Darum werden euch eure Verfolger übereilen.« (Jes 30,15–16)

O dass die, welche mit dem Schwerte fechten, diese Worte beherzigen wollten!

Ja, sie wollten die Engel sein, die das Unkraut ausjäten sollen, obwohl Christus die Parabel anders auslegt, indem er sagt:

»Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der sie sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel.« (Mt 13,38–39)

Da nun die Christen der gute Same sind, wie können sie denn die Engel oder Schnitter sein? Oder, wenn sie die Schnitter sind, wie können sie denn der Same sein? Diese zwei, der Same und die Schnitter, sind voneinander verschieden. Das ist so klar, dass niemand es bestreiten kann.

Es ist wohl wahr, die Christen werden auch Engel genannt (Ps 103,20); allein nicht immer, wenn man von Engeln liest, kann man gläubige Menschen darunter verstehen. Es gibt auch andere Engel von welchen geschrieben steht:

»Er macht seine Engel Geister und seine Diener Feuerflammen.« (Hebr 1,4,7; Ps 104,4)

Mit diesen Engeln will Christus kommen, wie Paulus sagt:

»Der Herr Jesus wird geoffenbart werden vom Himmel, samt den Engeln seiner Kraft, und mit Feuerflammen Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesu Christi.« (2Th 1,8)

Diese Engel werden die Schnitter sein, die am Ende der Welt, d. h. am Tage des Gerichts, alles Unkraut ausreißen und in den feurigen Ofen werfen werden.

Solange das Unkraut unter dem Weizen steht und die Böcke unter den Schafen bleiben, soll niemand sich dünken lassen, dass man das Unkraut jetzt ausreißen oder die Böcke jetzt von den Schafen scheiden solle.

Wenn aber der oberste Hirte erscheinen wird,

»und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken.« (Mt 25,31–33)

Diese Worte sind so klar wie die Sonne und dennoch verstehen einige dieselben nicht, so dass man wohl zu ihnen sagen kann:

»O ihr unverständigen Galater, wer hat euch bezaubert, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht? Welchen Christus Jesus vor die Augen gemalt war, und jetzt unter euch gekreuzigt ist.« (Gal 3,1)

»Das will ich allein von euch lernen: Seid ihr aufs Schwert getauft oder aufs Kreuz? Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr es denn nun im Fleisch vollenden? Habt ihr denn so viel umsonst erlitten? Ist es anders umsonst.«

Was nützt es, dass ihr aus Ägypten gezogen seid, wenn ihr wiederum nach Ägypten, d. h. nach der Finsternis, zurückblickt und das wahre Licht verlasst, ja, Fleisch von Ägypten, d. h. menschliche Lehre, begehrt und euch nicht am himmlischen Brote genügen lasst (2Mo 14,11; 4Mo 14,22–23).

Was nützt es euch, dass ihr dem Pharao entronnen seid, wenn ihr von Amalek geschlagen werdet eures Ungehorsams wegen, und weil ihr ohne den Befehl des Herrn in den Streit zieht?

Was nützt es, dass ihr mit den Kindern Israels durch das rote Meer gegangen seid, wenn ihr nicht mit Josua und Kaleb durch einen festen Glauben an Gottes Wort in das verheißene Land kommt? Wie man aber in das verheißene Land, d. h. in das ewige Reich Gottes, kommen soll, dies bezeugen uns Paulus und Barnabas, die in allen Gemeinden lehrten, dass sie durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen müssten.

Christus hat sein Reich nicht mit dem Schwerte eingenommen, sondern durch Leiden musste er eingehen. Sie aber meinen, das Reich mit dem Schwerte einzunehmen. O menschliche Verblendung! Allein es muss so sein: Diejenigen, welche Christum nicht für ihren einzigen Hirten bekennen wollen, auf dass sie von ihm geweidet werden mögen, die werden die Weide essen müssen, welche mit Füßen zertreten ist; und die, welche nicht das klare Wasser aus dem Quellbrunnen des Seligmachers schöpfen wollen, die werden das trübe Wasser, welches die falschen Hirten mit ihren Füßen unrein gemacht haben, trinken müssen (Hes 34,19), und zwar darum, weil sie mit den Kindern Israels eine zweifache Sünde getan haben: Sie haben den Herrn, die lebendige Quelle der Wasser, verlassen und sich Brunnen gegraben, die wohl schön scheinen, aber kein Wasser geben können.

Ich ermahne daher alle lieben Brüder, ja, ich bitte euch durch die Barmherzigkeit Gottes, unseres Herrn Jesu Christi, dass ihr auf Gottes Wort achten und nicht davon weichen wollt, denn ihr habt euren Lehrmeister Christus mit den Augen des Glaubens gesehen und seine Stimme gehört, die sagt: Dies ist der rechte Weg; den geht und weicht weder zur Rechten noch zur Linken.

Ein jeder hüte sich vor aller fremden Lehre, vor dem Schwerte, vor Widerstand und anderem, welches doch nichts anderes ist, als eine goldene Blume, unter welcher eine böse Schlange verborgen ist, die bereits viele mit ihrem Gifte angeblasen hat. Ein jeder hüte sich davor.

Ein jeder halte an dem Vorbilde der göttlichen Worte, die er von den Aposteln empfangen hat, vom Glauben und von der Liebe (2Tim 1,13). Ein jeder bedenke, dass er Christum nicht anders gelernt hat, als mit ihm zu leiden (Eph 4,20), und dabei bleibe er; denn in Christo ist das wahre Wesen, ja, er ist das Licht der Welt; wer ihm nachfolgt, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben (Joh 8,12). Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, sei uns gnädig; er lasse uns sein Antlitz leuchten, auf dass wir auf Erden erkennen seinen Weg und sein Heil unter den Heiden (Ps 67,2–3).

Alle, die ihr des Herrn Freundlichkeit geschmeckt habt, habt ihn lieb. Der Herr bewahrt die Gerechten. Seid guten Mutes und zweifelt nicht, denn der Herr wird eurer Seele Kraft geben, euch allen, die ihr mit Geduld auf seine Zukunft wartet.

»Der Herr ist König, darum toben die Völker; er sitzt auf Cherubim, darum reget sich die Welt.« (Ps 99,1)

Diesen König haben die Juden verschmäht und sind erblindet.