27  Antwort auf Zylis und Lemmekes Ehrabschneidungen und Nachreden

Eine sehr gründliche Antwort, voll von allerlei Unterweisungen und guten Ermahnungen, auf Zylis und Lemmekes unverdiente und lästerliche Ehrabschneidungen und Nachreden und ungesalzenen und bittern Scheltworten gegen unsere Lehre, welche unseres Erachtens der unverfälschte Grund und die Lehre der Apostel ist mit Bezug auf Bann, Absonderung und Meidung.

»Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn oder dein Sohn oder deine Tochter oder das Weib in deinen Armen oder dein Freund, der dir ist wie dein Herz, überreden würde heimlich und sagen: Laß uns gehen und andern Göttern dienen, die du nicht kennst, noch deine Väter, die unter den Völkern um euch her sind, sie seien dir nahe oder ferne, von einem Ende der Erde an das andere: so bewillige nicht und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge seiner nicht schonen und sollst dich seiner nicht erbarmen, noch ihn verbergen; sondern sollst ihn erwürgen. Deine Hand soll die erste über ihm sein, dass man ihn töte; und danach die Hand des ganzen Volkes, […] denn er hat dich wollen verführen von dem Herrn, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland von dem Diensthause geführt hat. Auf dass ganz Israel höre und fürchte sich und nicht mehr solches Übel vornehme unter euch […] Sollen sein Vater und Mutter, die ihn gezeugt haben, zu ihm sagen: Du sollst nicht leben, denn du redest falsch im Namen des Herrn; und werden also Vater und Mutter, die ihn gezeugt haben, ihn zerstechen.« (5Mo 13,6–11; Sach 13,3)

Ein aufrichtiges, reines und frommes Gemüt, unverfälschte Liebe Gottes und des Nächsten, eine wahrhaftige und wohlgesalzene Zunge, welche nichts als die rechte Wahrheit spricht, ein gelassenes, unparteiisches und gottesfürchtiges Herz, welches vom heiligen Geiste bewohnt wird, zusammen mit der gewissen Erkenntnis Jesu Christi und seines heiligen Wortes, wünsche ich dem Zylis und dem Lemmekes, zu aller Gerechtigkeit, jetzt und zu allen Zeiten, aus dem Grunde meiner Seele. Amen.

Ich höre und vernehme, werte Freunde, beides, durch Schriften und Reden, wie ihr euch leider allzu sehr mit offenbar unwahren und lästerlichen Scheltworten und abscheulich bitteren Nachreden, welche keinem Christen geziemen, an Gott und mir versündigt, welches ich nie von euch erwartet, sondern geglaubt hätte, dass ihr wohl so viel vom Herrn gelehrt wärt, euren armen Bruder, der sich gegenwärtig nicht verantworten kann, nicht so boshaft zu schlagen, noch euren treuen Freund, welcher euch und alle Frommen aus seiner innersten Kraft in Christo Jesu geliebt und euch mit seiner geringen Gabe stets unverdrossen gedient hat, unverhört zu verleumden und ihm für seinen treuen Dienst und seine Liebe auf solche Weise zu danken. Aber meine gute Hoffnung hat mich leider in dieser Hinsicht sehr betrogen. Es geht mir mit euch, wie es dem guten Jeremia ging, als seine Feinde Rat über ihn hielten und sagten:

»Kommt her, lasst uns ihn mit der Zunge totschlagen und nichts geben auf alle seine Rede!« (Jer 18,18)

Dennoch wird die Unschuld meiner Hände, der wahre Zweck meiner Werke, die unverfälschte Liebe meiner Salbung mitsamt dem unwidersprechlichen, festen Grund der Wahrheit jetzt und zu allen Zeiten meine sichere Zuflucht, mein unüberwindlicher Schild und Burg gegen alle meine unbilligen Schelter und Beschimpfer sein. Hiervon bin ich durch Gottes Gnade in meinem Herzen völlig überzeugt.

Da ihr euch denn so ganz und gar lieblos und unbillig zeigt, während ich so ferne von euch bin, ja, als ob ihr noch nie einen einzigen Buchstaben aus des Herrn Wort recht gehört hättet und dadurch nicht allein mich, was ich gering achte, sondern auch das heilige Wort, welches so lange Zeit in meiner Schwachheit nicht gänzlich ohne Frucht von mir gelehrt worden ist, bei vielen, welche leider von der Sache nicht das geringste Verständnis haben, in Abscheu und üblen Geruch bringt und die Schwachköpfigen vom rechten Wege abschreckt, sie in ihrer Blindheit stärkt und erhaltet und des wahren Lichtes und der Erkenntnis des rechten Bannes beraubt, fühle ich mich pflichtgedrungen, euch und euren Mitbrüdern, die ihr mit solcher List von dem Lichte führt, meine einfache, doch wahre Verantwortung so kurz und klar, als mir nur möglich ist, in einer Schrift, da ich persönlich nicht kommen kann, zu übersenden, in der Hoffnung, dass ihr durch solches die Sache besser beherzigen und euch fortan nicht mehr so versündigen, sondern rechtschaffene Buße für eure großen Übertretungen tun und so noch in dieser Zeit Gnade vor dem Herrn und seinem gerechten Gerichte finden möchtet. Ich bitte euch deshalb, dass ihr doch mit Fleiß wahrnehmen wollt, was ich anweise.

Ich vernehme denn zum Ersten, dass ich von Zylis ein Flattergeist gescholten werde, weil ich, wie er sagt, zwei einander widersprechende Büchlein herausgegeben habe. Hierauf antworte ich in meiner Einfachheit: Es ist mehr als einem oder auch Zehnen bekannt, dass ich seit mehr als 23 Jahren von manchem klugen Geiste hart angefochten worden bin und manchen schweren Anlauf von vielen habe aushalten müssen. Dennoch bin ich (Preis sei ihm, der mich bewahrt hat) nicht so unbeständig (haltet es mir zu gute, dass ich so schreibe, denn ihr zwingt mich mit Gewalt dazu) von der einen Gemeinde zur andern übergetreten, wie ihr beide getan habt, sondern bin friedfertig und standhaft bis auf den heutigen Tag mit meinem Glauben und meiner Lehre bei meinen lieben Brüdern geblieben, womit ich es in des Herrn Namen in einer so trüben Zeit bezeugt habe und hoffe auch durch seine Gnade friedfertig und standhaft dabei zu bleiben, solange ich in dieser Hütte schwebe. Wer von uns den Namen Flattergeist, wenn es denn so heißen muss, verdient hat, will ich dem verständigen Leser zu beurteilen geben. Was nun diese zwei Bücher anbelangt, die ihr mir so übel nachtragt, ist dies meine schlichte Antwort, nämlich: Vor achtzehn oder neunzehn Jahren, als ich das erste Büchlein schrieb, war ich noch nicht so weit erleuchtet, dass ich in allem den rechten Unterschied machte oder machen konnte und ich wies deshalb bis auf jene Zeit alle Sünden auf drei Ermahnungen. Dies bekenne ich frei heraus mit Mund und Schrift und verschweige und verberge es nicht. Aber gleichwie alle rechtgesinnten Diener Gottes, welche den gekreuzigten Christum und nicht ihre eigene Ehre oder ihr eigenes Fleisch suchen, stets bereit sind, dem gewissen Grund der Wahrheit tiefer und tiefer nachzuforschen, so bin auch ich, einer der geringsten unter allen Dienern, anlässlich einiger Gräuel, die im Verlaufe der Zeit in der Gemeinde gefunden worden sind und des traurigen Streites wegen, welcher vor zwei Jahren ganz ohne meine Schuld und Wissen eingerissen ist, dahin gekommen, dieser Sache tiefer nachzudenken und habe endlich mit klaren Augen eingesehen, dass wir Menschen nicht nach Gottes Willen solche innen behalten können, welche Gott selbst mit seinem Geist und Wort ausschließt – oder Christus und seine Gemeinde müssten geteilt sein; dies ist klarer als der helle Tag.

So wäre euch daher wohl geraten gewesen, eure Worte etwas besser zu salzen. Denn ihr lästert und verschmäht dadurch nicht mich, sondern den heiligen Geist, welcher mich nach dem Worte seiner Verheißung, als seinen armen und schwachen Diener und sein Werkzeug, in seine Wahrheit geführt und mir auch in dieser Hinsicht den wahren Grund erschlossen hat. Ja, werte Männer, wenn ich deshalb bei euch ein Flattergeist heißen muss, weil ich nicht von Anfang den vollen Verstand in allen Dingen gehabt habe, dessen ich mich auch zu dieser Stunde noch keineswegs rühmen darf, welch ein großer Flattergeist würde in solchem Falle der liebe Petrus sein, wenn er samt andern noch lebte und ihr ihn nicht herzlicher liebtet als mich, indem er, obwohl von des Herrn eigenem Munde gelehrt und durch den heiligen Geist erleuchtet, dennoch so unverständig war, dass er den Heiden das Evangelium zu predigen sich nicht getraute, solange er nicht durch ein himmlisches Gesicht oder Offenbarung von Gott dazu ermahnt und angewiesen wurde und so erst dann die Freiheit, sie zu lehren, ergriff (Apg 10).

O schrecklich ist das Wort, welches da sagt, dass Lästerer, Verleumder und Lügner keinen Teil haben werden am Reiche Gottes. Seht, auserwählter Zylis und Lemmeken, lasst euch dies gesagt sein.

Zweitens vernehme ich auch, dass Zylis zudem gesagt hat, dass ich ein Büchlein veröffentlicht habe, aus welchem nichts als Hass, Mord und Gotteslästerung hervorgehen würde. Hierauf antworte ich mit den Worten Christi:

»Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, Frieden zu senden auf Erden. Ich bin nicht gekommen Frieden zu senden, sondern das Schwert.« (Mt 10,34)

Und an einer andern Stelle:

»Ich bin gekommen, dass ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, denn dass es schon brannte!« (Lk 12,49)

Aus diesen Worten Christi, wie auch aus der offenbaren Erfahrung, folgt mehr als klar, dass die reine Lehre Christi und seiner heiligen Apostel, wenn dieselbe in ihrer wahren Kraft gelehrt und getrieben wird, solcher Art ist, dass sie überall durch und bei den Verstockten und Ungläubigen Hass, Neid, Lügen, Lästerungen, Schelten, Verfolgungen, Aufruhr, Mord, Elend und Jammer hervorbringt. Soll man aber aus dieser Ursache die reine Lehre und Wahrheit nicht lehren und derselben mit der Tat nachkommen? Sagt ihr ja, so urteilt ihr selber, dass man die Wahrheit der Gefahren wegen, welche daraus entstehen möchten, nicht verschweigen, sondern dieselbe gleichwohl kräftig lehren und treiben soll. Was für ein Geist demnach ist, welcher euch diesen Vorwand von Hass, Mord, Gotteslästerung lehrt, um das arme Volk dadurch von der Wahrheit abzuschrecken, lasse ich euch selbst in der Furcht eures Gottes bedenken. Sagt ihr aber nein, so macht ihr euch selbst zu bloßen Menschen des Blutes, indem ihr dennoch eifrig mit Lehren, Taufen und dergleichen fortfahrt, obwohl ihr täglich hört und seht, dass manches fromme Kind dadurch in allerlei Leiden, ja, um Gut und Blut kommt. Ach, lernt doch den Geist eures Scheltens kennen, das bitte ich euch. Sagt, meine Lieben, wird nicht das Wort Christi ein Wort des Kreuzes genannt (1Kor 1)? Dies müsst ihr gewiss bejahen. Denn im Reiche Christi hier auf Erden heißt es für den wahren Gläubigen nicht anders als: Verleugne dich selbst, nehme dein Kreuz auf dich und folge mir nach. Wenn wir Vater und Mutter, Mann oder Weib, Kinder oder Gut oder unser eigenes Leben mehr lieben als Christum, so sind wir seiner nicht wert (Mt 10,37). Ja, wenn wir dies nicht alles hassen, sagt er, so können wir seine Jünger nicht sein (Lk 14,26). Da es sich denn nicht anders mit dem Evangelium Christi verhält, als wie gehört worden ist, so können mich darum eure mächtigen Feuerpfeile und kraftlosen Donnerschläge von Hass, Mord und Gotteslästerung nicht um ein Haar erschrecken, solange ihr oder sonst jemand von den Eurigen mich nicht mit bündigerer Wahrheit und Kraft der göttlichen heiligen Schrift überzeugt, dass ich mit diesen unsern Schriften über die Absonderung oder Meidung mich nach des Herrn Wort versündigt habe oder auf irgendeine Art und Weise zu kurz gefallen bin. Durch eure Lästerung aber werde ich, weil sie so gänzlich grund- und schriftlos ist, nur umso mehr versichert, dass wir den starken Grund der Wahrheit und des Herrn Wort haben. Was aber das Wort Gotteslästerung betrifft, so ist dies meine brüderliche Antwort: Lernt doch mit mehr Gottesfurcht erkennen, was nach der Schrift Gotteslästerung oder eigentlich die Sünde gegen den heiligen Geist ist. Meines Erachtens ist es diese, nämlich: Wenn die Wahrheit Gottes mit solcher Kraft der göttlichen heiligen Schrift durch den Geist und den Finger seiner Stärke in der Menschen Herzen geschrieben und gelehrt wird, dass sie, im Geiste überzeugt, bekennen müssen, dass es der rechte Grund der Wahrheit ist, der mit keiner Schrift widerlegt oder bestritten werden kann und sie nichtsdestoweniger aus selbstgefaßtem Wahn und Eigensinn so stolz und mutwillig sind und bleiben, dass sie diese ins Herz geschriebene und für recht erkannte Wahrheit durch ihr ehrgeiziges, parteiisches, hoffärtiges und hartnäckiges Fleisch bekämpfen, hassen, schelten und lästern oder dem Teufel zuschreiben, gleichwie die verstockten Pharisäer und Schriftgelehrten die glorreichen herrlichen Wunderwerke und Zeichen Christi dem Beelzebub zuschrieben. Solches nennt des Herrn eigener Mund (wenn man darin verharrt, sage und verstehe ich) eine Lästerung und Sünde wider den heiligen Geist und sagt, dass sie weder in dieser noch in der zukünftigen Welt Vergebung haben wird. O ihr Lieben, habt Acht darauf! (Mt 12,31; Mk 3,29; Lk 12,10)

Da denn solche Lästerung und Sünde die rechte Lästerung und Sünde wider den heiligen Geist ist, wie gehört worden, und Gott, vor dem wir mit allem unserm Lehren und Tun bloß dastehen, wohl weiß, dass ich jenes Büchlein, welches so von euch gelästert wird, nicht anders als mit einem guten, versiegelten und sichern Gewissen vor ihm geschrieben habe und auch alle von Gott Gelehrten bekennen müssen, dass es des Herrn Wort und Wahrheit ist, welches ihr mir mit keinerlei Schrift nehmen könnt, ihr aber dennoch so verrucht und vermessen seid, dass ihr diese unwiderlegte Sache ein Fabelbuch und ketzerische Lehre schelten und ausschreiben dürft, will ich es dem Urteil des unparteiischen Lesers anheimstellen, bei welchem von uns beiden diese Gotteslästerung zu suchen und zu finden ist. O dass ihr sehen wolltet!

Drittens vernehme ich, dass ihr diesen unsern Grund hinsichtlich der Meidung zwischen Mann und Frau einen ketzerischen Grund scheltet. Hierauf antworte ich erstens so: Paulus sagt, dass ein ketzerischer Mensch verkehrt ist und sündigt, als der sich selbst verurteilt hat (Tit 3,11). Da denn ein solcher ein Verkehrter hieß und es auch ist, wie gehört worden ist, so weiß ich durch Gottes Gnade wohl, dass ich einen solchen ketzerischen Namen und solche Beurteilung gar nicht verdiene; denn der, welcher alle Herzen prüft und kennt, kennt mich. Es ist ihm bekannt, dass ich während der ganzen Zeit meines Wandels Hartnäckigkeit, Frevelmut, Parteisucht oder Verkehrtheit gegen seinen Willen und sein Wort in meinem Herzen nie gekannt, viel weniger gepflegt habe. Wisst darum wohl, dass der barmherzige Vater, welcher allein der wahre Vater meiner Seele ist, seinen elenden, armen und schwachen Diener und Werkzeug nicht also zur Hölle verdammen noch für einen Ketzer ansehen wird, obwohl ich diese schmähliche Lästerung nicht nur von der Welt, sondern auch von euch selbst hören und tragen muss. Ach leider, nein, nein! Sein Name ist: Unser getreuer Gott, lieber Vater, Erlöser, Emanuel etc. Lasst sie daher alle verurteilen, verketzern, schelten und lästern, alle, sage ich, die unter dem ganzen Himmel sind, es wird dennoch sein väterliches, in mein offenes und williges Herz aufgenommenes Wort und der heilige Geist seiner Liebe, welcher alle, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, zum Brote des Lebens und zum rechten Quell oder Heilbrunnen seines lebendigen Wassers führt, mich ohne Zweifel in der Hitze solcher und aller andern Anfechtung kühlen und mir die Hand seines Trostes reichen. Denn wer hat ihn je gesucht, der ihn in seiner Gnade nicht gefunden hätte? Oder wem, der sich auf ihn verlassen hat, hat er nicht geholfen? Ach, dass ihr die Gräulichkeit eures verkehrten und unzeitigen Urteiles einmal recht merken und sehen könntet!

Zweitens antworte ich, dass, laut der Schrift, die wahren Ketzer eigensinnige, unruhige, mutwillige und verkehrte Sektierer oder Sektenmacher sind, welche sich aus selbsterwählter Geistlichkeit und eigenem Gutdünken gegen den rechten Grund der Wahrheit, in welche die wahre Kirche, die allein vor Gott gilt, gegründet stehen muss, einen eigenen besonderen Grund und eine eigene Lehre und Kirche erwählen, versammeln und aufwerfen, wodurch sie die Einigkeit der Frommen zerstören, die Liebe auslöschen, den Frieden brechen und vertreiben und bei denen, welche gerne in der Wahrheit wandeln, viel Unlust, Schwierigkeiten, Jammer und Verdruss anrichten. O lernt doch, ich bitte euch, den Ketzer recht kennen!

Da solche denn die wahren Ketzer sind, wie gehört worden ist, so erfordert nun die Not, dass wir die Teilung, durch welche wir voneinander geschieden sind, ein wenig näher anweisen und beleuchten, auf dass der verständige Leser und Zuhörer dadurch fassen und verstehen möge, bei wem von uns beiden solche Verkehrtheit und solcher ketzerischer Grund gefunden wird. Gebt aber Acht: Nicht Worte oder Schein, sondern Gottes Wort soll Schiedsmann und Richter sein.

So ist es denn fürs Erste unser Grund und unsere Lehre, dass alle gehorsamen Kinder Gottes sich, ohne Ansehen der Person, von allen Brüdern und Schwestern, welche unordentlich wandeln und den Einsetzungen, Verordnungen und der Lehre, die wir von den Aposteln empfangen haben, nicht gehorsam sind, abwenden und sie meiden müssen und zwar darum, weil es uns durch den heiligen Geist in Christi Namen geboten ist. Euer Grund und Lehre aber ist, dass Eheleute für den Fall, dass eines von der Wahrheit abweicht, von solchem Gebote der Meidung und Entziehung entbunden seien – ihr macht Ausnahmen mit den Personen. Hiervon sagt oder lehrt euch aber der heilige Geist der Weisheit auch nicht ein einziges Wort, weder hier noch an irgendeiner andern Stelle der ganzen heiligen Schrift. Merkt hier auf den ersten Teilungspunkt (2Th 3,14; Jak 2,9; 5Mo 13,6; Sach 13,3).

Unser zweiter Grund und Lehre ist, dass der wahre apostolische Bann und Meidung nicht allein hinsichtlich der göttlichen Gemeinschaft, wie Abendmahl, Hand und Kuss und Friedensgruß, wie ihr meint, sondern auch in Betreff der fleischlichen Gemeinschaft, wie Essen, Handeln, das Aufnehmen ins Haus, sein ausdrückliches Verbot hat (1Kor 5,9; 2Joh 10). Euer Grund und Lehre hingegen ist, wie ihr mit der Tat bezeugt, was meines Erachtens mehr als alles Lehren und Sagen beweist, dass die Meidung nur hinsichtlich der geistlichen, nicht aber der fleischlichen Gemeinschaft ihr Verbot habe. Denn es liegt klar zu Tage, dass ihr den Eheleuten die fleischliche Gemeinschaft erlaubt und dass ihr mit den Abgesonderten esst, handelt – ihr müsstet euch denn geändert haben. Merkt hier auf den zweiten Teilungspunkt.

Unser dritter Grund und Lehre ist, dass die zweite Tafel, nämlich das Gebot, welches den Nächsten betrifft, der ersten Tafel, nämlich dem Gebot, welches Gott betrifft, weichen muss. Der Grund eurer Lehre hingegen ist, wofür ich eure Handlungsweise in Betreff der Eheleute zum Zeugen anrufe, dass nicht die zweite Tafel der ersten, sondern die erste der zweiten weichen muss; gerade als ob der Schöpfer dem Willen seiner Kreatur und nicht die Kreatur dem Willen des Schöpfers folgen müsste. Ach, ach! Merkt auf den dritten Teilungspunkt.

Unser vierter Grund und Lehre ist, dass der heilige Geist auf alle Weise für die Seinigen sorgt und aus dieser Ursache befohlen hat, die Sektierer und ärgerlichen Sünder zu meiden, auf dass die Seinen nicht durch den Sauerteig ihrer Ungerechtigkeit versäuert werden, noch Letztere durch die äußerliche Vermengung und vielfältige Unterhaltung oder Zusammensein, wie dies gewöhnlich geschieht, die Frommen beflecken oder in die Gemeinschaft ihrer bösen Werke hineinziehen; und weiter noch, dass die Abtrünnigen durch solches vor dem Herrn und seiner Gemeinde beschämt oder schamrot gemacht werden, sich von ihren bösen Wegen bekehren und Buße tun (Tit 3,10; 1Kor 5,5; Gal 5,9; 2Tim 2,18,21; 2Th 3,14). Euer Grund und eure Lehre hingegen widerstreitet diesem aufs Heftigste, so dass ihr voll Grimm und Erbitterung uns Ehebrecher und Ketzer scheltet, weil wir aus wahrer, ernstlicher Gottesfurcht dem Befehl der heiligen Apostel in dieser Hinsicht nachkommen und einen jeden, dem es zu Teil fällt, auf den sichersten Weg, den die Schrift lehrt, hinweisen. Ihr gebt dem armen, schlichten Volke vor, dass es euch ein Gräuel sei, zu hören, dass ein Mann seine Frau oder eine Frau ihren Mann kraft des Bannes meiden sollte. Ebenso ist es der blinden Welt ein Gräuel, dass man die Gläubigen taufen und die falschen Prediger nicht hören soll. Ihr straft also den heiligen Geist der Liebe Christi und beschuldigt seine heiligen Apostel einer falschen Lehre, gerade als ob der Sauerteig des Verderbens, vor welchem sie uns herzlich gewarnt haben, die Eheleute nicht beflecken oder versäuern könnte und das eine Teil nicht verpflichtet wäre, die Besserung seines verdorbenen Ehegemahls nach der Vorschrift des heiligen Wortes zu suchen. Merkt auf den vierten Teilungspunkt.

Unser fünfter Grund und Lehre ist, dass ein Bann ohne Meidung gänzlich kraftlos, eitel, unnütz und tot ist, gleichwie eine Mühle ohne Stein und ein Messer ohne Schneide; denn es ist klarer als klar, dass der apostolische Bann in der äußerlichen und leiblichen Meidung seine eigentliche Frucht und Kraft hat. Sonst würde ja der Gefahr, dass auch andere angesteckt werden könnten, nicht im Mindesten vorgebeugt; solches Vorbeugen ist aber die erste und wichtigste Eigenschaft des wahren Bannes, wie gehört worden ist. Doch eure Werke bezeugen offenbar, dass ihr einen Bann ohne Meidung, der darum auch ohne Kraft und Frucht ist, lehrt und führt, indem ihr, ich sage es noch einmal, erstens die Eheleute von der Meidung ausnehmt und zweitens mit den Gebannten esst, handelt, wiewohl die heilige Schrift es allenthalben so ausdrücklich verbietet und sagt, dass wir mit solchen nicht essen, uns nicht mit ihnen vermengen, sondern von ihnen weichen, sie meiden, nichts mit ihnen zu schaffen haben, sie nicht grüßen, noch ins Haus aufnehmen sollen. Merkt auf den fünften Teilungspunkt (1Kor 5,11; Röm 16,17; 2Tim 3,5; Tit 3,10).

Wollt ihr aber sagen, dass wenn der Fromme bei dem Unfrommen ungehindert seinem Glauben nachleben kann, alsdann kein Meiden nötig sei, so antworte ich euch darauf, erstens: Dass ihr durch eine solche Ansicht alle die klaren Gebote der Schrift betreffs der äußerlichen leiblichen Meidung, des Essens, Vermengens, der Aufnahme in das Haus, wie gehört worden ist, ganz und gar verleugnet und für nichtig, ja, eitel und unnütz erklärt. Ja, dürfte hierin irgendwelche Freiheit gelten, so sollte billigerweise viel eher, als die Eheleute, die ganze Gemeinde entbunden und es ihr freigestellt werden, mit den Abtrünnigen zu essen, zu handeln usw., da diese es mit viel weniger Gefahr tun kann als Eheleute, die beständig beieinander sind, welch Letzteres die Gemeinde mit Leichtigkeit vermeiden kann. Dies ist klarer als der helle Tag. Ach, Männer, gebt doch Acht hierauf.

Meine zweite Antwort hierauf ist, dass es niemand unter dem ganzen Himmel gibt, der seinem Glauben bei seinem abtrünnigen Ehegemahl frei nachlebt oder nachleben kann; denn erstens übertritt er dadurch alle die offenbaren klaren Gebote des heiligen Geistes, welche uns in Bezug auf den Bann und die Meidung von ihm gegeben sind; zweitens sucht er sein Ehegemahl nicht auf die von der Schrift gelehrte Weise zur Buße zu bringen; und drittens hält er Gemeinschaft mit jemand, der laut Befehl des Wortes von allen Frommen gescheut und gemieden werden muss. Ob solches nun dem Glauben frei nachleben heißt, will ich euch alle hieraus ermessen lassen. Ich bitte euch darum noch einmal, habt doch Acht darauf.

Seht, meine Geliebtesten, aus dieser Teilung, wenn dieselbe gegen die Schrift gehalten und in der unparteiischen Waagschale des heiligen Wortes in reiner Gottesfurcht gewogen wird, geht mehr als klar hervor, dass ich und meine lieben Mitbrüder das unwiderlegbare, feste Wort haben, ihr hingegen nur einen eitlen Wahn, Gutdünken und eigenes Vornehmen; wir einen Bann, welcher Erfolg, Kraft und Schneide hat, ihr einen, welcher fruchtlos, lahm, unnütz und tot ist; wir den Gehorsam, ihr den Ungehorsam. Wir suchen aus Herzensgrund alle bekümmerten traurigen Seelen der Lehre und dem Befehl der heiligen Apostel gemäß von der anhaftenden Seuche und Krankheit des Verderbens zu retten, während ihr dieselben, gegen alle klaren Ermahnungen und das offenbare Gebot der heiligen Apostel, ohne alle Rettung, Hilfe, Trost, Beistand und ernstes Suchen darin liegen und in der Gefahr verderben lasst. Ihr seht nicht auf das, was dem Geiste, sondern auf das, was dem Fleische wohl tut und angenehm ist. Es beweist sich daher, dass ihr diejenigen seid, welche mit dem gräulichen Schandrock der Ketzerei, den ihr mir ohne jegliche Schuld meinerseits umhängen wollt, leider mehr als zu viel bekleidet seid. Habt ihr Verstand, so merkt was der Sinn ist.

Viertens vernehme ich, dass wir von euch Ehescheider geheißen werden und dass ihr den Leuten vorspiegelt, dass von solcher Meidung zwischen Eheleuten in der ganzen Schrift nicht ein einziges Beispiel zu finden sei. Hierauf antworte ich erstens: Mose lehrte seine Israeliten, dass sie ihrer eigenen Frauen, Söhne, Töchter und Freunde, die ihnen so lieb wären, als ihr eignes Herz, nicht schonen sollten, im Falle diese sie zu fremden Göttern zu führen suchen würden, sondern dass sie dieselben ohne Barmherzigkeit zu Tode steinigen sollten (5Mo 13,6–10). Sagt, meine Lieben, wer war die Ursache von diesem, Mose oder Gott? Nicht Mose, sondern Gott, der dem Mose solches befohlen hatte. Und so tun auch wir. Wir lehren, dass man die Abfälligen und Sektierer ohne Ansehen der Person meiden soll – doch nicht wir sondern Gott, welcher uns so zu handeln in seinem Wort befohlen und gelehrt hat, wie zu Genüge vernommen worden ist. O gebt doch Acht.

Zweitens antworte ich mit dieser Frage: Wenn jemand unter euch eine unehrliche, böse, diebische, zauberische, sodomitische, mörderische oder brandstifterische Frau hätte oder so eine, die ihm nach dem Leben stünde, und ihm solches bekannt wäre, würde er bei einer solchen Frau bleiben? Antwortet ihr mit ja, so gesteht ihr ein, dass er ein schrecklicher, grausamer und mörderischer Schandkerl ist, mit einer solchen ein Fleisch und ein Leib zu sein und welches sich gewiss übel mit einem Diener Christi reimen würde (1Kor 6,16). Sagt ihr aber nein, so richtet ihr euch selbst, dass ihr in dieser Hinsicht (ohne irgendwelche vorhergegangene Schuld der Hurerei oder des Ehebruchs) nicht weniger Ehescheider seid als wir. Wiederum sage ich: Merkt auf!

Weiter frage ich: Würde oder sollte jemand unter euch, wenn er solch einen Gatten hätte, bei welcher er seinen Glauben fahren lassen müsste oder wenigstens demselben nicht frei nachleben könnte, bei einer solchen Ehegattin bleiben? Sagt ihr ja, so beweist ihr dadurch klar und deutlich, dass solch verkehrtes und gottloses Fleisch mehr bei euch gelten müsste, als Christus Jesus mit seinem ganzen Reiche, seiner Wahrheit, seinem Wort, seinen Verheißungen, seinem Blut und Tod, sowie als euer Glaube, eure Salbung, Liebe und die Seligkeit eurer Seelen (Jer 17,5). Sagt ihr aber nein, so sage ich noch einmal, dass ihr in dieser Hinsicht (ohne irgendwelche vorhergegangene erwiesene Tat oder Schuld der Hurerei oder des Ehebruchs) nicht weniger Ehescheider seid als wir. Zum dritten Mal: Merkt auf!

Drittens antworte ich: Wenn diese unsere Lehre bei euch ein Ehescheiden heißen muss, so ist es offenbar, dass der heilige Paulus in dieser Hinsicht nicht weniger ein Ehescheider ist als wir, denn er sagt:

»So sie (das Weib) sich aber scheidet, dass sie ohne Ehe bleibe (merkt seine offenbare Zulassung der Scheidung), oder sich mit dem Manne versöhne.« (1Kor 7,11)

Merkt hier, dass der heilige Paulus solche Scheidung um der Besserung willen zulässt, wenn sie nur ohne Ehe bleiben, was auch unser Grund ist und dass auch ihr in den oben angeführten zwei Punkten, d. h. wenn ich eure rechte Antwort habe, nicht weniger Ehescheider seid als wir, wie schon gehört worden ist. Ich würde es daher gerne sehen, dass ihr etwas tiefer in der Furcht Gottes nachdächtet, was für ein Geist es ist, der euch solche lästerlichen und schnöden Scheltworte, wie Ehescheider, Fabelbuch, ketzerischer Grund etc., eingibt. Gift ist wohl tödlich und Galle bitter, aber noch viel giftiger und bitterer ist die Zunge, welche mit Parteigeist und Hass vergiftet und beladen ist (Jak 3,5–6). Ach, gebt doch Acht darauf.

Was aber das angeführte Beispiel anbelangt, so antworten wir darauf, erstens: Alle, welche sich auf solch ein Beispiel berufen, machen dadurch offenbar, dass sie, was den Bann und die Meidung angeht, den Schriften der Apostel nicht glauben, die Ursachen und Wirkungen des Bannes nicht verstehen noch verstehen wollen und die ernstlichen Gebote hinsichtlich der äußerlichen, leiblichen Meidung leider wenig beachten.

Unsere andere Antwort ist, dass wenn eine Lehre ohne Beispiel in der Gemeinde Christi nicht bestehen kann, wie hier in dieser Sache euer Grund ist, wir uns beide, ihr und wir, sehr versündigen indem wir unsere Frauen zum Abendmahl des Herrn zulassen, für welches doch nicht das geringste Beispiel in der ganzen Schrift enthalten ist (Apg 2,46). Sagt ihr aber: Unsere Frauen sind gläubig, darum müssen wir dieselben mit den gläubigen Männern zum Abendmahl des Herrn zulassen – so antworte ich mit gleichem Grunde: Der fromme Ehemann ist gläubig, darum soll er, gleich allen andern Gläubigen, seine abfällige Frau nach der gemeinen Regel der Schrift ohne irgendwelche Ausnahme meiden. Wer Verstand hat, richte und erwäge was wir anweisen.

Zum Fünften vernehme ich, dass Lemmeke sich gerühmt hat, er wolle mehr als die Hälfte des gedruckten Buches zunichte machen. Hierauf antworte ich mit wenigen Worten: Goldene Berge versprechen und keine Sandberge zu geben haben, heißt bei der Welt Pochen und Rühmen. Ich möchte darum wohl wünschen, dass man sich nicht höher rühmte, als man Schrift und Gaben hat. Wer aber dasselbe zunichte machen will, muss zuerst die folgenden zehn Sätze mit der Kraft des Wortes beweisen.

Erstens. Dass die erste Tafel der Gebote im Reiche Christi der zweiten Tafel weichen muss. Merkt.

Zweitens. Dass es zwei Banne oder Meidungen in der Schrift gibt. Merkt.

Drittens. Dass es einen schriftmäßigen Bann ohne Meidung gibt oder geben kann. Merkt.

Viertens. Dass die tödliche Seuche des Verderbens Eheleute, obwohl sie einander nicht meiden, nicht versäuern oder verunreinigen kann. Merkt.

Fünftens. Dass es frommen Eheleuten nicht geziemt, nach dem Rat, der Lehre und dem Befehl der heiligen Schrift mit wahrem Ernste die Besserung des unfrommen Ehegemahls zu suchen. Merkt.

Sechstens. Dass fromme Eheleute nicht verpflichtetsind, in die Absonderung des unfrommen Ehegemahls einzuwilligen. Merkt.

Siebtens. Dass der fleischliche Bann und die fleischliche Liebe dem geistlichen Bann und der geistlichen Liebe vorgehen muss. Merkt.

Achtens. Dass die Ehe, welche mit Christo im Geiste geschlossen worden ist, der Ehe, welche mit Menschen im Fleische geschlossen worden ist, weichen muss. Merkt.

Neuntens. Dass der heilige Geist an irgendeiner Stelle der ganzen Schrift hinsichtlich des Bannes und der Meidung gesagt hat, dass irgendwelche Personen davon ausgenommen seien. Merkt.

Zehntens. Dass Eheleute von allen offenbaren und klaren Geboten der äußerlichen, leiblichen Meidung befreit sind. Merkt.

Seht, werter Lemmeke, sobald ihr oder sonst jemand von den Eurigen uns diesen Knoten aufgelöst habt, wollen wir etwas tiefer über diese Sache nachdenken.

Weil wir aber wohl wissen, dass kein Mensch, wer er auch sei, solches mit der Wahrheit je tun kann, dessen wir in unserm Gemüt vor dem Herrn versichert sind, so lassen wir alle Menschen lästern und rühmen, so lange sie wollen. Fest und ungebrochen bleibt die Lehre, dass alle frommen Männer und Frauen ihre unfrommen Ehegenossen nach der gemeinen Regel, Lehre und dem Befehl der heiligen Schrift meiden müssen, auf gleiche Weise wie die Gemeinde dies zu tun schuldig ist, wie schon mehrmals mit Grund und Kraft des heiligen Wortes angewiesen und erklärt worden ist. Wer die Wahrheit sucht und lieb hat, denke nach über das, was wir anweisen und was der Sinn der Schrift ist.

Sechstens vernehme ich, dass Lemmeke gesagt hat dass wenn wir auch in dem Artikel von Mann und Frau gänzlich eins wären, wir dennoch drei oder vier Artikel hätten, in welchen wir mit ihnen nicht stimmen können. Hierauf antworte ich, dass er doch diese Artikel oder Punkte in einer Schrift anzeichnen und mir zuschicken möge. Im Falle ihr darin die Wahrheit habt und nicht wir, so werde ich durch Gottes Gnade für meine Person gerne mit euch ja sagen. Ich warne und bitte euch aber, dass ihr doch nicht das Rechte und Reine krumm und unrein und das Krumme und Unreine recht und rein heißen wollt; dass ihr nicht frei macht, was die Schrift bindet oder bindet, was diese frei macht, wie es leider der Gebrauch einiger ist, auf dass nicht unsere selbsterwählte Gerechtigkeit, noch menschliches Gutdünken und Heiligkeit, sondern nur Gottes wahres Wort unser Führer und Weg sein möge (Kol 2,18; Jos 1; Ps 119,105). Lasst euch dies in der Liebe gesagt sein.

Siebtens vernehme ich, dass Lemmeke auch gesagt hat, dass ich zuerst zu den Franekern und ihrem Anhang gekommen sei und mit ihnen eingestimmt habe, doch gleich danach von den Seinigen unterrichtet worden und bei ihnen geblieben sei. Hierauf antworte ich euch und allen, welche diese unwahre Nachrede aus eurem Munde aufnehmen, mit der Wahrheit so: Ich habe die Franeker, als ich mit ihnen zum Sprechen kam, auf brüderliche Weise gefragt, ob sie mit Brüdern, die wegen offenbaren fleischlichen Werken dreimal ermahnt worden sind, noch ferner etwas zu schaffen haben wollten. Sie antworteten nein. Darauf sagte ich, nachdem wir noch einige Worte über die heimlichen Sünden gewechselt hatten: Wenn ihr keinen andern Grund habt, werden wir durch Gottes Gnade keine geschiedenen Brüder bleiben. Dann dankten sie dem Herrn, als ob wir in der Sache ganz einig wären. Dieses bemerkend, sagte ich aber: Nicht so, meine Brüder, ich will mich auch mit den andern besprechen und sehen, was für Gnade der Herr geben will. Dass dies die Wahrheit ist, wird unser lieber Bruder Nette Lippes mit bezeugen und auch der allwissende Herr, dessen Strafe ich nicht entgehen werde, wenn ich lüge und nicht die Wahrheit schreibe.

Danach bin ich zu ihnen gekommen und habe mit ihnen gesprochen und bin, dem Herrn sei Dank für seine Gnade, in Betreff der heimlichen Sünde vollständig zufrieden gestellt worden, worüber mein Herz unbeschreiblich fröhlich wurde und ich nicht den geringsten Zweifel mehr hegte, dass die Sache zu einem guten Ende kommen würde, bis die Franeker kamen und merken ließen, dass sie ihr Versprechen, welches sie mir in Bezug auf die fleischlichen Werke gegeben hatten, gar nicht zu halten gedachten. Darauf überfiel mich eine Traurigkeit, bitter wie der Tod und ich wusste vor großem Schmerze nicht, was ich tun sollte. Denn nichts ist mir lieber auf Erden, als des Herrn Gemeinde; nun aber musste ich sehen, wie der Sauerteigsgeist der falschen Parteien einige von Grund auf verdorben hatte. Ja, hätte nicht der gnädige Atem des Allmächtigen mich bewahrt, so würde ich wahrscheinlich an meinen Sinnen Schiffbruch gelitten haben. Kurz, die Franeker wollten sich nicht vereinigen, ehe sie mit Heinrich Naeldeman sich besprochen hatten. Im Verlaufe der Zeit ist der erwähnte Naeldeman zu uns gekommenund haben wir ihm in aller Liebe mitgeteilt, dass nicht wir die ärgerlichen Schandtreiber so richten, sondern des Herrn Wort brächte es mit sich, dass wir nicht mit der Schrift und nach Gottes Willen solche innen behalten könnten, welche er mit seinem Geist und Wort hinaustut. Darüber hat er sich dermaßen entsetzt, dass er vor uns allen öffentlich sagte, dass er noch nie in seinem Leben die Sache so zu Herzen genommen hätte und dass er hoffte, die Franeker nun auf einen besseren Fuß zu bringen. Darauf bin ich aus dem Lande gereist. Nicht lange nachher ließ er mir wieder sagen, er hätte den Grund nun etwas besser erwogen. Alles, was wir mit Gottes Wort an ihm gebaut hatten, war in dem armen Manne wiederum gänzlich zusammen gefallen. Ja, wie äußerst unbeständig und kindisch er in der Sache zwischen Mann und Frau in kurzer Zeit befunden wurde, ist mir und dem Herrn nicht verborgen. Das, was er eigenhändig geschrieben hat, wird mir dies bezeugen.

Seht werte Männer, hier habt ihr nun den Grund unseres erwähnten Handels betreffs dieser Sache, welche ihr mir so parteiisch nachtragt, mir, der ich mit gutem Gewissen vor den Augen der hohen Majestät bestehen will. Hättet ihr nun in diesem Stück als Weise gehandelt und nicht hinter meinem Rücken den Friedensstörern der sektiererischen Parteien Gehör geschenkt, nie würdet ihr euch mit solchen offenbaren, groben Lügen und erdichteten feindseligen Lästerungen an mir versündigt haben. Wohl mit Recht sagt daher Paulus, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert (Gal 5,9).

Achtens vernehme ich, dass Lemmeke vorgibt, dass ich zu ihm gesagt hätte, dass das Volk so sehr auf mich stehe und sehe, dass ich befürchte, der Herr werde mich noch einmal straucheln lassen, auf dass ferner niemand weder auf mich noch auf irgendeinen andern Menschen sehen möge. Hierauf antworte ich erstens: Wenn ich jetzt oder zu irgendwelcher Zeit zu Lemmeke oder sonst jemand sagen sollte, das Volk stehe und sehe so sehr auf mich, so überzeugt mich mein eigner Mund, dass ich den Toren und Narren gleich bin, welche gerne sich selbst preisen und loben. Ich hoffe, dass nicht nur des Herrn Wort, sondern auch der gesunde natürliche Verstand mich eines Bessern belehren wird.

Und da ich mehr als einmal zu meiner Zeit gefunden habe, dass der Geist des Diotrephes (3Joh 10) noch nicht ganz tot ist, sondern es gewöhnlich versteht, sich in ein feines Schafskleid zu hüllen und zu seufzen und zu klagen, indem er spricht: »Ach, ach, das Volk steht und sieht allzu sehr auf Menno,« wodurch die Herzen von der Liebe abgekehrt werden, so habe ich deshalb nicht einmal, sondern vermutlich wohl zehnmal gesagt, dass ich, wenn die Einfältigen so sehr auf mich sehen und sehen sollten, wünschen möchte, dass der Herr mich einmal straucheln ließe, aber gleichwohl seine Gnade nicht gänzlich von mir wendete, auf dass sie dadurch lernen möchten, weder auf mich, noch auf irgendwelches anderes Fleisch, sondern allein auf den lebendigen Eckstein, Christum Jesum, ihren Grund, ihre Hoffnung und ihren Trost zu setzen. Wer die Braut hat ist, nach den Worten des Johannes, der Bräutigam und das ist Christus Jesus, der uns nach dem Willen seines Vaters zu seiner Ehre in ewiger Liebe berufen und durch den Glauben in seinen Tod und sein Blut sich angetraut hat – und nicht Menno oder Lemmeke. Ach, dass man meine Worte unverdreht ließe und mir nur die rechte Wahrheit, die vor Gott besteht, nachsagte.

Zweitens antworte ich: Wenn ihr mir das Wort meiner Gottesfurcht wodurch ich nichts anderes als meines Heilandes Preis und Ehre suche, so zur Schande nachtragt, was ich gewiss nicht erwartet hatte, so wünsche ich, dass ihr mir mein Straucheln in Liebe und mit der Wahrheit anweist; denn obwohl ich ein armer Sünder bin, der zuweilen von seinem Fleische überwältigt wird (Jak 3,2), so danke ich dennoch meinem Gott für seine Gnade, dass er seinen armen, schwachen Diener bis auf diesen gegenwärtigen Tag ohne merkliches Ärgernis, es sei in der Lehre oder im Leben, bewahrt hat. Ist aber euer Gesicht so blöde und schwach, dass es bei euch Straucheln heißen muss, dass ich mit der heiligen Schrift lehre, dass man solche, welche Gräuel und Schandtaten begehen, meiden soll, um sie zur Buße zu bringen; oder dass man den Bann und die Meidung ohne Ansehen der Person lehren und gebrauchen soll; oder dass ich jederzeit bereit stehe, Gottes Unterweisung und die Ermahnung und Lehre seines heiligen Geistes zur gründlichen Belehrung zu empfangen, wie ich mit Bezug auf die Lehre hinsichtlich fleischlicher Gräuel getan habe, so kann ich mich damit trösten, dass die heiligen Apostel in dieser Hinsicht nicht weniger gestrauchelt haben, als ich. Denn ich weiß vor meinem Gott nichts anderes, als dass ich den Grund ihres Wortes unverfälscht lehre und in den Fußstapfen ihres Geistes wandle, insoweit ich von meinem Gott Gnade und Kraft habe. Ach, wie ganz fleischlich, unverständig, blind und verkehrt ist das Urteil eines Menschen, welcher durch Parteigeist und Neid vor seinem Gott verführt liegt. Fürchtet ihr Gott, so gebt Acht auf das, was ich anweise (Jak 3,17; 1Kor 13,6; 2,14).

Neuntens vernehme ich, dass ihr auch unsere lieben Brüder in Friesland nicht wenig scheltet und ihnen Böses nachsagt. Hierauf antworte ich kurz: Dass ich unserer Brüder Fürsprecher sein sollte, ist nicht nötig, da der barmherzige Herr sie mit seiner Gnade, seinem Geist und seinen Gaben nicht vergessen hat. Dennoch will ich für mich so viel sagen, dass schon das weltliche Recht es offenbar mit sich bringt, dass man beide Parteien hören soll. So lesen wir von Alexander dem Großen, dass, wenn eine Partei eine Anklage vor ihn brachte und die andere nicht gegenwärtig war, er eins seiner Ohren zustopfte, um damit später diese andere Partei zu hören. In Erwägung denn, dass selbst unter den offenbaren Heiden solche große Gerechtigkeit gefunden wurde und es auch noch jetzt in allen natürlichen Rechtshändeln gemeiner Gebrauch ist, kein Urteil ohne vorhergegangenes Verhör auszusprechen (Apg 22,24–26), so habt ihr gewiss allzu unchristlich, lieblos und unbillig gehandelt, dass ihr die eine Partei, welche dazu noch ihres schweren Haders und Parteigeistes halber von der ganzen Gemeinde abgesondert war, nicht nur gehört, sondern auch als eure lieben Brüder angenommen, die andre Partei hingegen gänzlich verstoßen habt – welches euch und euren Ratsleuten zu großer Schande gereicht. Denn wiewohl sie es so oft von euch auf brüderliche Weise begehrt haben, habt ihr sie dennoch nicht einmal von Mund zu Mund hören wollen. Über diese eure überaus große Lieblosigkeit, Unwillfährigkeit und kindische Unwissenheit können wir uns nicht genug verwundern; ja, es scheint uns, dass solches von Leuten, die das Ansehen haben, dass sie Gott fürchten, niemals gehört worden ist. Dennoch, sage ich, fahrt ihr fort mit euren aus dem Munde der Widerpartei stammenden, unerträglichen Lügen, Lästerungen und Ehrabschneidungen, ohne dass ihr die geringste Gewissheit oder Grund in der Sache habt; ihr nehmt uns mit offenbarer Gewalt und Unrecht das, was ihr, wie ich fürchte, uns wohl nie wieder zurückgeben könnt. Hättet ihr aber, nach christlicher Billigkeit, beide Parteien nebeneinander mit Verständnis gehört, so würdet ihr, wenn ihr die Gabe dazu hättet, ein gerechtes Urteil zwischen ihnen gefällt haben können und also die Einigkeit und den Frieden nach Laut des heiligen Wortes unter ihnen zu stiften gesucht haben. Nun aber habt ihr allen Menschen gezeigt, was ihr seid; denn ihr müsst ja sehen, dass ihr mit eurem schriftwidrigen, eitlen, leichtfertigen, toten und kraftlosen Bann, welcher nun schon viele Jahre von euch und den Eurigen verfochten wird, vor der Schärfe des heiligen Geistes Christi und seines mächtigen Wortes nicht bestehen könnt und dass ihr weder die vielgewünschte Einigkeit und den Frieden, noch die bleibende Wahrheit, welche aus Gott ist, sondern euren dummen Sinn, euer eignes Gutdünken und fleischliches Vornehmen mit nichts als Unrecht, Gewalt, Spotten, Reizen, Parteien, Schelten, Verleumden und Vielheit der Personen, so viel nur in euch ist, zu bewähren und zu verteidigen sucht (Jer 44). Wisst aber, dass nicht solches Unrecht und Gewalt, wie ihr treibt, sondern Christus Jesus mit seinem Geist und Wort stets der Führer und Richter unserer Sache sein muss. Lasst euch solches von Herzen gesagt sein.

Zehntens vernehme ich, dass Lemmeke auch gesagt hat, dass er lieber von unsern Ältesten gebannt, als mit ihnen eins sein wollte. Darauf antworte ich, dass aus diesen Worten eins von Zweien folgen muss: Entweder, dass er nicht weiß, was der Bann in Wahrheit ist, oder dass die Ältesten solche gottlosen Leute sind, dass sie keiner Gemeinde würdig sind. Nicht für die ganze Welt möchte ich ihm solch ein Urteil nachsprechen. Und wenn auch diese Vorsteher schlechte Leute wären, wie man aus seinen Worten schließen muss, warum habt ihr dann auf so ungeziemende Weise gehandelt, dass ihr nicht einmal euren brüderlichen Dienst, wie doch euer Amt es mit sich bringen sollte, an ihnen bewiesen habt (Gal 6,1)? Warum habt ihr ihnen ihre großen Fehler und Gräuel, vor welchen euch so sehr graut, nicht mit der Schrift gezeigt und sie, wie dies sich vor Gott und der Gemeinde geziemt, durch Liebe zurückzubringen gesucht? Aber ich vermute, dass ihr euch zu sehr vor dem scharfen Anprall der Wahrheit gefürchtet habt, um mit ihnen vorzutreten (Joh 3,21). Ach, dass ihr doch nach des Herrn Stimme hören und eure Herzen nicht verhärten wolltet, während es noch heute heißt.

Schließlich muss ich euch hier noch ins Gedächtnis zurückführen, wie ihr im Jahre 1556, kurze Zeit vor Mai, zu uns gekommen seid und wie wir uns zwei Tage mit euch als mit Brüdern in der Furcht Gottes und in Liebe besprochen haben, ja, so besprochen, dass Lemmeke am Morgen, als er abreisen wollte, mir offen gestand, dass er völlig mit uns übereinstimmte und bloß über die Meidung zwischen Mann und Frau noch einige Schwierigkeiten hätte. Dass er dies nicht vor den Brüdern bekannt hatte, kam daher, weil er und sie auf gemeinsame Kosten zu uns gekommen waren. Hätte er nun sein Herz und seinen Grund vor allen bloß gelegt, so würde sein Wort nachher bei euch wenig mehr gegolten haben. Er hoffte aber auf dem Rückwege ausführlicher mit euch darüber zu handeln. Seht, so lautete sein Vorgeben. Überdies sagte er noch: »Wenn die Oberländer sich nichts sagen lassen und Zylis und Heinrich bei ihnen bleiben wollen, so werde ich mich zu den niederländischen Brüdern machen.«

Weiter noch sagte er zu mir: »Es gibt zu Weert etliche Ankömmlinge, welche sich gerne unter des Herrn Wort begeben möchten. Zu welchem von beiden soll ich sie bringen, zu Zylis oder zu den Niederländern?« Außerdem verlangte er von mir, dass man, sobald man ja oder nein von Zylis wüsste, ihm einen oder zwei getreue Brüder zu Hilfe schicken sollte, auf dass der Bann und die Meidung auf gehörige Weise bei ihnen eingeführt werden möchten. Ja, werte Freunde, dass er so mit uns übereinstimmte, hat er nicht nur vor mir, sondern auch vor unsern sehr geliebten Brüdern Her. von T. und Hans S. einem jeden besonders bekannt. Und wo sind nun all diese schönen Worte und Verheißungen geblieben? Sind sie nicht allzumal nichts als Wind und Lügen gewesen? Dies müsst ihr mir gewiss mit ja beantworten. Und dennoch wollt ihr ganz und gar nicht haben, dass euch zu Köln und dessen Umgegend von den Unsern nachgesagt werde, dass ihr so mit uns übereingekommen wart. Ja, was noch das Allerkläglichste ist, alles, was er damals als recht und gut anerkannte, muss nun Verführung und Ketzerei bei ihm heißen! Ob man einen, der sich solcher plumpen und wankelmütigen Handlungen schuldig macht, nicht einen Flattergeist heißen kann, will ich allen vernünftigen Lesern zu bedenken geben.

Zylis und Heinrich wollten die Sache in Erwägung nehmen und sie den Oberländern vortragen und ich gab euch einen schriftlichen Bescheid mit. Es ist mir aber nicht bekannt, ob ihr Obiges den Ältesten eurer Gemeinden gezeigt habt. Denn Lemmeke schreibt ja, und die Brüder schreiben nein, und es verlautet, dass Zylis nein bekannt habe. Es ist nicht einerlei Zunge und Sprache (Jak 3,11).

Kurz, wir haben endlich nach langem Hoffen und Warten von den Oberländern und von euch zur Antwort bekommen, dass wir das Meiden nicht auf die äußerste Spitze treiben sollten, da es doch gebrochen werden müsste und dass es eben so viel Schrift gäbe in Bezug auf die Ehe, als auf den Bann und die Meidung. Seht, dies ist die Schrifterklärung, womit er uns alle apostolischen Schriften, die sich auf diese Sache beziehen, auslegt und als unnötig hinter den Rücken werfen will.

Wenn ich nicht die Wahrheit schreibe, so will ich gerne meine Strafe tragen. Ja, es ist meines Erachtens so weit mit euch gekommen, dass ich vor Gott nicht weiß, wie das mit euch wieder recht werden kann. Denn zuerst seid ihr mit uns einig gewesen, danach seid ihr ohne unser Wissen von uns abgewichen und habt euch den Oberländern angeschlossen. Merkt, Lemmeke war, wie schon gehört, wiederum mit uns übereingekommen, hat uns aber nach dem nämlichen Sommer den Rücken gekehrt und ist mit ihnen eins geworden.

Merkt zum Zweiten: Diejenigen, welche des Zwistes und der Schande halber abgesondert waren, habt ihr wiederum als Brüder angenommen.

Merkt zum Dritten: Unsere Ältesten, nebst allen unsern großen Gemeinden, habt ihr verachtet, ihrem Bitten und Verlangen recht unfreundlich und störrisch begegnet und gesagt, dass ihr nicht um ihretwillen gekommen wärt.

Merkt zum Vierten: Ihr habt hinter unserm Rücken dem unruhigen Parteigeist Glauben geschenkt.

Merkt zum Fünften: Mich und meine lieben Brüder scheltet, verleumdet, lästert, verketzert und beschuldigt ihr ohne jede Ursache oder Wahrheit, obwohl ich für meine Person all Lebtag, dessen Gott mein Zeuge sei, nicht ein liebloses Wort von euch gesprochen, sondern bis auf diese Stunde eurer unerträglichen Handlungsweise stets das Beste von euch gehofft habe.

Merkt zum Sechsten: Das klare, deutliche Wort der heiligen Apostel in Bezug auf den Bann verwerft ihr.

Merkt zum Siebten: Ihr haltet unter euch viele leichtfertige und fleischlich gesinnte Verleumder.

Merkt zum Achten: Viel unruhige und unfriedsame Haderer werden von euch bestärkt und ermutigt.

Merkt zum Neunten: Viele gottesfürchtige, treue Herzen, ja, etliche Tausende, welche Gott und seine sichere Wahrheit aus ihrer innersten Seele suchen, betrübt ihr auf schmerzliche Weise.

Merkt zum Zehnten: Viele fromme Kinder, welche des Herrn Wort in diesem Stück gerne folgen und ihre Seelen retten würden, verhindert ihr.

Merkt zum Elften: Viele Verleumder, Lügner, Schänder und Schelter gebärt ihr.

Kurz, ihr habt euch, fürchte ich, solch ein Bier gebraut, dass ihr, wenn euch der starke Herr in seiner Barmherzigkeit nicht bewahrt, noch gar schwer über seine gehopfte Hefe taumeln und fallen werdet. Denn merkt: Wenn ihr den Oberländern und denen, welchen ihr nun leider die Bruderhand gereicht habt, wieder absagt, so werden sie euch mit keinem guten Namen schildern.

Und wenn ihr auch bei ihnen bleibt, so müssen alle Verständigen bekennen, dass ihr euren Grund und Glauben in diesem Stück nach der Weise der Sektierer auf nichts als bloßen Eigenwahn, eignes Gutdünken, Mensch und Fleisch und nicht auf den festen Stein und Grund des göttlichen Wortes allein setzt. Verändert ihr aber euren Grund, welchen ihr so lange mit Unrecht unter den Eurigen gelehrt und verteidigt habt, so werdet ihr hören müssen, dass ihr elende Lehrer seid, manche Seele betrogen und das Licht der Wahrheit nicht gekannt habt. Tut ihr es aber nicht, so macht ihr dadurch offenbar, dass ihr nicht die Seelen oder das Heil der Gemeinden, noch Gottes Wort, sondern bloß eure eigene Ehre und euer eignes Fleisch sucht und verteidigt (Phil 3,19).

Bekennt ihr, dass ihr mich aus Parteisucht mit offenbarer Gewalt und Unrecht gelästert und mir meinen guten Namen genommen habt, so wird unter den Frommen ein Geschrei über euch ausgehen, dass ihr keine treuen Diener Christi seid, sondern als neidische Verleumder euren Bruder ohne jegliche Schuld seinerseits beschimpft und seinen guten Namen in üblen Geruch gebracht habt.

Wenn ihr aber das nicht bekennt, noch solche Buße tut, die vor Gott bestehen kann, so hält und liegt das gerechte Urteil seines unveränderlichen Wortes auf euch, nämlich dass Verleumder, Ehrabschneider, Lästerer und Lügner keinen Teil in Gottes und Christi Reich haben werden (Röm 1,30; Offb 22). Ach, schwer ist dieses Wort und wehe denen, die es hören und tragen müssen. Denkt daher mit Furcht, Zittern und Schrecken darüber nach, das bitte ich euch.

Seht, ihr auserwählten, geliebten Männer, wie äußerst gefährlich ihr dahin segelt und fahrt, gleich wie ein Schiff, das zwischen zwei Klippen hinschaukelt; entgeht es der einen, so stößt es an die andere. Darum seht euch vor! Ja, ich sage, seht wohl zu, dass ihr dem Schiffbruch eurer armen Seele (welcher ewig ist) entgehen und den rechten Hafen oder Anfahrt zur ewigen Ruhe beim Allerhöchsten finden mögt, Amen, Amen!

Dies denn ist der eigentliche Inhalt, Schluss, Sinn, das Herz und die Meinung meines Schreibens an euch und die Eurigen, nämlich erstens: Dass ihr die große Abscheulichkeit eurer Handlungsweise in diesem klaren Spiegel sehen, euch vom Unrecht abkehren, mit einem zerschlagenen Gemüt vor den Herrn treten und ihn von Herzen um seine Gnade bitten mögt.

Zweitens: Dass auch die Einfältigen und Schwachsinnigen, welche in dieser Hinsicht von euch gefangen gehalten werden, daraus spüren und gewahr werden, dass sie in diesem Stück nicht mit dem Brot ihres himmlischen Vaters, sondern mit Schweineträbern und menschlichem Gutdünken von euch gespeist und gesättigt worden sind.

Und drittens: Damit ihr wissen mögt, dass ich und die Frommen, die bei und mit mir sind, um der Furcht unseres Gottes willen, nicht länger eure Brüder sein dürfen oder heißen können, solange nicht Grund, Lehre, Gehorsam, Bekenntnis, Versöhnung und Buße in solcher Gestalt bei euch gefunden werden, dass dadurch des Herrn heilige Gemeinde befriedigt werden und ein Wohlgefallen an euch haben kann.

Mit großer Wehmut habe ich dieses geschrieben. Wenn ihr daher Gott fürchtet, so gebt wohl Acht und denkt darüber nach. Möge der Gott aller Gnade und der heilige Geist des Friedens und der Liebe Christi euch seine Gnade verleihen, auf dass ihr mit unparteiischem Herzen lesen und das Gelesene Frucht in euch hervorbringen möge, Amen, Amen, Amen.

Geschrieben von mir, Menno Simons, dem Liebhaber eurer Seelen, nach der Wahrheit. Anno 1559, den 23. Januar.