23  Die Ursache warum ich, Menno Simons, nicht ablasse zu lehren und zu schreiben

»Um Zions willen, so will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen, so will ich nicht innehalten, bis dass ihre Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und ihr Heil entbrenne wie eine Fackel, dass die Heiden sehen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit.« (Jes 62,1–2)

Ich weiß wohl, meine teuersten Leser, dass wir um unserer Lehre und unseres Schreibens willen von unzählig vielen Menschen, beides, hohen und niedern Standes, mit grimmigen Herzen verflucht, beneidet, gehasst, gelästert und mit allem Eifer bis auf den Tod verfolgt werden. Wie brüllende Löwen knirschen sie voll Grausamkeit ihrer Zähne gegen uns. Herren, Fürsten, Gelehrte und Ungelehrte, wer immer sie auch seien, toben und wüten mit unaussprechlicher Tyrannei, wie vor Augen liegt, nicht nur gegen uns, sondern auch gegen alle, welche diese unsere Lehre mit einem gläubigen, gehorsamen und unterwürfigen Herzen annehmen und mit den Früchten vollbringen. Nicht dass es unsere Lehre sei, urteilt recht, nein; es ist die ewige, himmlische und unveränderliche Lehre unseres lieben Herrn Jesu Christi, die er selbst aus dem hohen Himmel, aus dem Busen seines Vaters, hier in diese untersten Teile der Erde gebracht hat, mit seinem eigenen gebenedeiten Munde, der nicht lügen kann (Mal 3,6; Tit 1,2; Röm 3,4), gelehrt hat und durch seine treuen Zeugen, nämlich durch die heiligen Apostel, die er zu diesem hohen Werke erwählt hatte, über die ganze Welt hat verkündigen lassen (Mk 16,15).

Wer nicht glauben will, dass unsere Lehre die reine, unverfälschte und seligmachende Lehre Jesu Christi ist, untersuche mit frommem Herzen die uns hinterlassenen, tönenden Worte des neuen Testaments und er wird und muss merken und bekennen, dass sie die rechte Lehre, das Zeugnis und der Geist Christi Jesu ist, wie sehr auch sein träges, faules, rebellisches, widerspenstiges, eigensüchtiges und ungehorsames Fleisch sich dagegen sträuben, davor entsetzen, beben und erschrecken möge. Dennoch muss unsere Sache, obwohl sie so unwiderleglich ist, dass sie mit göttlicher Schrift nicht bestritten oder überwunden werden kann, von dieser unverständigen und blinden Welt als eine gräuliche Missetat verfolgt und als eine tödliche Ketzerei gescholten und verworfen werden, wie der Prophet sagt:

»Wenn ich ihnen gleich viel von meinem Gesetz predige, so achten sie es für Ketzerei!« (Hos 8,12)

Ach werte liebe Leser, wenn ihr recht merken und erkennen würdet, mit welchem Ernst der gerechte Gott überall auf sein heiliges Wort dringt und wie schrecklich sein grimmiger Zorn von Anfang der Schöpfung gegen diejenigen, die in seinen göttlichen Worten nicht standhaft geblieben sind, entbrannt gewesen ist, so würdet ihr ohne Zweifel im Falle ihr nicht in Gottes Wort seid, um eures Ungehorsams willen, im Innersten eurer Seele vor eurem Gott erschrecken und beben. Habt ihr nicht gelesen, wie der Vater und die Mutter aller Menschen, Adam und Eva, welche durch die Kraft des göttlichen Worts von Gott selbst geschaffen waren, um ihres Ungehorsams willen, von Gott gestraft, aus dem Lustgarten vertrieben und leiblicher Arbeit unterworfen wurden; dass die Erde in ihrer Arbeit verflucht ist; dass alle ihre Töchter vieles Elend leiden und mit schwerer, gefährlicher Mühe und unter tödlichen Nöten ihre Kinder gebären müssen, ja, dass sie den ewigen Tod gestorben sein würden, wäre es nicht, dass der neue Mensch der Gnade, Jesus Christus, der Gebenedeite, solches durch seine Gnade abgewendet hätte? Und warum ist es geschehen? Weil sie nicht in dem wahrhaftigen Worte des lebendigen Gottes geblieben sind, sondern es sie gegen dasselbe gelüstet hat, indem sie der trügerischen List der lügenhaften Schlange mehr Vertrauen geschenkt haben, als der liebenden Warnung des wahrhaftigen Gottes, welcher sie in seiner Gnade weise, gerecht und unverweslich erschaffen und zu Herren über alle andern Geschöpfe gesetzt hatte (1Mo 1,26; Mt 19,4; Weish 2,23).

Wisst ihr ferner nicht, dass alle Geschöpfe unter dem ganzen Himmel, beides, vernünftige und unvernünftige, mit Ausnahme derer, welche sich in Noahs Arche befanden, durch ein gerechtes Urteil Gottes mit Wasser ausgerottet worden sind, weil sie ihren Weg verderbt hatten, wollüstig lebten und nach meiner Ansicht den Geist Gottes nicht als Richter empfingen (1Mo 6; 7; 8)? O bedenkt doch dieses und ihr werdet dann ohne Zweifel lernen, euren Gott von ganzem Herzen zu fürchten und ewiglich bei seinem heiligen Worte zu beharren.

Außerdem habt ihr gewiss auch gehört und vielleicht selbst gelesen von Sodom und Gomorra (1Mo 18; 19; Hes 16,49); von Er und Onan (1Mo 38,7–10); von den Götzendienern (2Mo 32); von dem Manne der Holz las am Sabbattage (4Mo 15,32–36); von Korah, Dathan und Abiram (4Mo 16); von dem murrenden Volke (4Mo 21,4); von Simri und den andern Hurern (4Mo 25); von Nadab und Abihu (3Mo 10); von denen, welche das Verbannte verborgen hatten (Jos 7); von Saul, dem Könige (1Sam 15); von Jerobeam (1Kön 13,4); von Manasse (2Kön 21); und von allen anderen Königen, Priestern und Propheten, welche in dem wahren Gottesdienst und dem Gehorsam gegen das göttliche Wort, welches von Mose hinterlassen und aus Gottes Mund gekommen war, nicht verblieben sind, sondern etwas mehreres oder wenigeres oder anderes einführten, lehrten und taten als in dem Gesetz des Herrn enthalten war und auf wie vielfache und schreckliche Weise diese und alle diejenigen, welche ihnen in ihrer Übertretung beistimmten oder folgten, von Gott, welcher will, dass man seinen ganzen Willen erfülle, geschlagen und gestraft worden sind. Einige versunken (1Mo 19,25); andere starben plötzlich (1Mo 7); andere wurden mit dem Schwert durchstochen (2Mo 32; 4Mo 25); andere gesteinigt (4Mo 15,36; Jos 7,25); andere lebendig von der Erde verschlungen (4Mo 16,32); andere von Schlangen gebissen (4Mo 21,6); andere gehängt (4Mo 25,4); andere durch Feuer verzehrt (3Mo 10,2). Dem Saul ward sein Königreich genommen (1Sam 15,28) und er fiel durch das Schwert (1Sam 31,4). Das Haus des Jerobeam und das des Ahab wurden gänzlich von der Erde ausgerottet (1Kön 14,10; 2Kön 10,11). Dem Zedekia wurden die Augen ausgestochen (2Kön 25,7); Manasse wurde gefangen genommen (2Chr 33,11). Und das ganze Israel wurde in ferne Länder weggeführt, nach Assyrien, Babylonien und Ägypten, wie man in den Büchern der Chroniken, der Könige und der Propheten in großer Klarheit lesen kann. Ich frage noch einmal: Warum ist solches geschehen? Nur darum, weil sie nicht in dem Gesetz ihres Gottes blieben, sondern dasselbe aus Gutdünken oder Geringschätzung übertraten und sich ohne jeglichen göttlichen Befehl in allen Städtenund Landen, auf allen hohen Bergen und unter allen großen Bäumen Bilder, Kirchen und Altäre aufrichteten (Jer 2; Hos 4,13; 10,2; Hes 16,24). In den Schriften der verschiedenen Propheten wird hier und dort ausführlich erzählt, dass sie gar nicht merkten, noch zu Herzen nahmen, was Mose so strenge befehlend zu ihnen und ihren Vätern gesprochen hatte, nämlich: Ihr sollt dem Herrn nur dasjenige tun, was ich euch befehle. Ihr sollt nichts dazu tun, noch davon tun (5Mo 12,32; Jos 1,7; 5Mo 4,2; Spr 30,6; Offb 22,18). Und an einer andern Stelle sagt er, dass über diejenigen alle, welche nicht in den Worten des Bundes bleiben, die in diesem Buche geschrieben stehen, die angezeigten Plagen ergehen werden und dass hingegen über alle, welche darin bleiben, alle verheißenen Segnungen kommen werden (3Mo 26; 5Mo 28).

Die Kinder Israels blieben aber nicht vollkommen in den ausdrücklichen Geboten desjenigen, der sie mit so starker Hand aus Ägypten geführt hatte, sondern sie ließen sich durch ihre gottlosen Fürsten und die falschen Propheten verführen, ohne jeglichen göttlichen Befehl wählten sie sich Plätze für ihren Gottesdienst, machten sich Bilder und bauten Kirchen nach ihrem eigenen Gutdünken und nicht nach Gottes Wort und beteiligten sich an allerlei andern fremden erfundenen Gottesdiensten. Der heilige Geist Gottes nennt dies an vielen Stellen der Schrift unverschämte Hurerei, Eidbruch, verwünschte Abgötterei und Abweichen von dem Herrn, wie der Prophet sagt:

»Wehe ihnen, dass sie von mir weichen; sie müssen verstört werden, denn sie sind abtrünnig von mir geworden. Ich wollte sie wohl erlösen, wenn sie nicht wider mich Lügen redeten.« (Hos 7,13)

Wenn immer nun Israel sich von dem Gesetz seines Gottes abgekehrt und sich dem Trugdienste des Baal ergeben hatte – durch welchen Baalsdienst sie zwar den lebendigen Gott zu verehren vermeinten, wie ziemlich deutlich hervorgeht – indem sie mit dem Gesetz, den Lehren und Diensten, welche Gott ihnen durch Mose befohlen hatte nicht mehr zufrieden waren, so hat Gott wiederum in seiner Gnade und väterlichen Liebe, welche er für Israel um ihrer Väter willen hatte, seine treuen Diener, die Propheten, unter ihnen erweckt, wie Jesaja, Jeremia, Elia, Hesekiel und andere, welche die abgefallenen Fürsten, die falschen Propheten und das elende und verkommene Volk im Namen Gottes mit scharfen Drohungen straften und sie liebevoll zum wahren Gottesdienst und dem Gebrauch der gesetzlichen von Gott befohlenen Zeremonien, welche sie verlassen hatten, zurückführten.

Zudem haben sie prophezeit von Hungersnot, Pestilenz, Dürre, Trockenheit, Krieg, Feuersbrunst, Raub, Gefängnis und Vertilgung als Strafen für ihre Sünden und ihren Ungehorsam; aber auch viel von der göttlichen Gnade, von Seligkeit, Erlösung, Friede, Barmherzigkeit und der ewigen Herrlichkeit, welche in der letzten Zeit so lieblich der ganzen Welt erscheinen wird durch Christum Jesum, unsern Herrn, welcher ist der einzige verheißene Prophet (5Mo 18,15; Mt 17,5; Apg 7,37), der wahre Gesalbte des Herrn, der geistliche König David (Hes 34,23), der sein Reich mit Gericht und Gerechtigkeit befestigt (Jes 9,6), der wahre Hirte, der uns weidet auf den Weiden des ewigen Lebens (Hes 34,23), dessen Name ist Immanuel, das ist Gott mit uns (Jes 7,14), der Herr, der uns gerecht macht (Jer 23,6) und über das Haus Jakobs regieren wird ewiglich (Lk 1,33). Dies war das eigentliche Werk der Propheten, welche von Gott dem Herrn aus Gnaden zu dem fleischlichen Israel gesandt wurden.

Aber was hat es geholfen, o ihr lieben Leser? Die Propheten sangen beides, Herbes und Süßes (Mt 11,17), sie lehrten beides, Strafe und Gnade, Urteil und Barmherzigkeit, aber es war dennoch alles umsonst gerufen und gelehrt, wie Gott dies so deutlich durch den Mund dieses Propheten verkündigt mit den Worten:

»Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt zu einem Volk, das nicht glauben will und das widerspricht, das seinen Gedanken nachwandelt auf einem Wege, der nicht gut ist.« (Jes 65,2)

Und an einer anderen Stelle:

»Ich habe ihren Städten bezeugt und so zu ihnen gesprochen: Gehorcht meiner Stimme! Aber sie gehorchten nicht, neigten auch ihre Ohren nicht; sondern ein jeglicher ging nach seines bösen Herzens Gutdünken. Darum will ich auch über sie gehen lassen alle Worte dieses Bundes, den ich geboten zu tun und sie doch nicht danach getan haben.« (Jer 11,7–8)

Ferner noch an einer andern Stelle:

»Ephraim ist eine Hure und Israel eine Bübin. Sie denken nicht darauf, dass sie sich bekehren zu ihrem Gott, denn sie haben einen Hurengeist in ihrem Herzen und lehren vom Herrn nicht.« (Hos 5,3–4)

Noch an einer andern Stelle:

»Und wenn der Herr bezeugte in Israel und Juda durch alle Propheten und Schauer und ließ ihnen sagen: Kehrt um von euren bösen Wegen und haltet meine Gebote und Rechte nach allem Gesetz, das ich euren Vätern geboten habe und das ich zu euch gesandt habe durch meine Knechte, die Propheten: so gehorchten sie nicht, sondern härteten ihren Nacken, wie der Nacken ihrer Väter, die nicht glaubten an den Herrn, ihren Gott.« (2Kön 17,13–14)

An einer andern Stelle:

»So spricht der Herr Zebaoth: Richtet recht und ein jeglicher beweise an seinem Bruder Güte und Barmherzigkeit und tut nicht Unrecht den Witwen, Waisen, Fremdlingen und Armen; und denke keiner wider seinen Bruder etwas Arges in seinem Herzen. Aber sie wollten nicht aufmerken und kehrten mir den Rücken zu, und verstockten ihre Ohren, dass sie nicht hörten und stellten ihre Herzen hart wie einen Diamant, dass sie nicht hörten das Gesetz und Worte, welche der Herr Zebaoth sandte in seinem Geist, durch die vorigen Propheten. Daher so großer Zorn vom Herrn Zebaoth gekommen ist.« (Sach 7,9–12)

Ja, allerwerteste Leser, sie haben ihre Ohren so verstopft und ihre Herzen so verhärtet, dass sie nicht nur nicht hören wollten, sondern auch alle miteinander, besonders und am meisten aber die Könige, Fürsten, Propheten, Priester und das gemeine Volk, nach dem unschuldigen Blute der wahren Zeugen Gottes dürsteten, welche sie aus unauslöschlicher, brennender Liebe so brüderlich ihrer Sünden halber straften, zur Buße riefen, zu Gott führten und den Weg des Herrn in Gerechtigkeit verkündigten und lehrten.

So hat die unsinnige und blinde Welt von jeher den treuen Dienern Gottes, nämlich den wahren Propheten und den unsträflichen Lehrern der göttlichen Wahrheit, welche von ganzen Herzen ihre Seligkeit suchen, mit Schelten, Fangen, Schlägen, Verbannen, Töten und Morden zuletzt gelohnt und gedankt. Denn das hartnäckige, unverständige, hurerische und widerspenstige Volk will sich nicht strafen lassen, wie im vierten Kapitel Hosea geschrieben steht und wie die Männer von Anatot zu Jeremia sprachen:

»Weissage uns nicht im Namen des Herrn, willst du anders nicht von unsern Händen sterben.« (Jer 11,21)

Und an einer andern Stelle:

»Nach dem Wort, das du im Namen des Herrn uns sagst, wollen wir dir nicht gehorchen.« (Jer 44,16)

Die selbstsüchtigen und bauchdienerischen Lehrer wollen sich auch keineswegs strafen oder ermahnen lassen, denn sie rühmen sich ihrer Weisheit und sagen: »Wir haben die heilige Schrift für uns,« obwohl es lauter Lügen sind, was die Schriftgelehrten sagen und lehren (Jer 8,8).

Außerdem wollen die stolzen, fleischlichen, weltlichen, abgöttischen und tyrannischen Fürsten, welche Gott nicht kennen (ich spreche hier von den bösen Fürsten), in allen ihren Mandaten, Plänen und Maßregeln Recht haben, wie sehr diese auch gegen Gott und sein heiliges Wort streiten; gerade als ob der allmächtige Vater, der alles erschaffen hat, der Himmel und Erde in seiner Hand hält und alles durch das Wort seiner Stärke regiert, ihnen erlaubt hätte, nicht bloß in dem vergänglichen Reiche dieser morschen Welt, sondern auch im himmlischen Reiche Jesu Christi nach ihrem eigenen Gutdünken zu gebieten, zu regieren und Gesetze zu machen. Nein, meine Lieben, nein; dies ist nicht der Wille Gottes – es ist ein großer Gräuel in seinen gebenedeiten Augen, wenn ein sterblicher Mensch sich an seine statt setzen will. Und wenn er dann seine lieben Diener, die Propheten, erweckte und zu ihnen sandte, welche sie alle miteinander, Fürsten, Propheten, Priester und gemeines Volk, auf oben erwähnte Weise mit Gottes Wort herzlich straften und ermahnten, so haben die Fürsten sie als Aufrührer und die Gelehrten und das gemeine Volk als Verführer und Ketzer ausgerottet und getötet, wie dies laut der Geschichte mit Zacharias, dem Sohn des Barachia, Jesaja, Jeremia, Usia von Kirjat-Jearim und andern der Fall gewesen ist. Aber wie sehr auch die Fürsten und Schriftgelehrten, Wölfen gleich, tyrannisierten und gegen das Gesetz und seine Anhänger stritten, so ist dennoch Gottes Gesetz und Wort bis auf Christum Jesum ganz unverändert geblieben, so dass ein jeder, der selig zu werden wünschte, sich nach dem Gesetze und seinen Zeugnissen schicken musste, wenn er die Morgenröte haben wollte (Jes 8,20). Denn Gott ist ein ewiger Gott und sein Wille kann in Ewigkeit nicht von irgendeinem Menschen verändert und umgekehrt werden. Hier gilt weder Fürst noch Gelehrter. Gott allein hat die Herrschaft über die Seelen der Menschen und wird dieselbe auch ohne Zweifel in Ewigkeit behalten; dies ist gewiss und wahr.

Darum war alles, was sie außer Gottes Wort und Befehl oder gegen sein Wort und Befehl als einen heiligen Gottesdienst einführten und gebrauchten, obschon man es, wie oben bewiesen worden, nur zur Ehre des lebendigen Gottes zu tun vermeinte, nichts anderes als offenbare Abgötterei, geistliche Hurerei, Eidbruch, Abfall von Gott, Gotteslästerung und ein jämmerlicher, widerlicher Gräuel, wie wir oben einem jeden Leser aus den Schriften der Propheten in kurzen Worten angewiesen und bezeugt haben. Denn Gott ist ein Gott, der unserer Werke und Opfer nicht bedarf; denn seine Hand hat alles erschaffen. Mein, sagt er, ist alles Vieh, auf tausend Bergen (Ps 50,10).

Was denn kann ich opfern? Er will keine Werke oder Opfer, als nur diejenigen, welche in seinem heiligen Worte geboten sind, wie Samuel sprach zu Saul:

»Der Herr will Gehorsam und keine Opfer.« (1Sam 15,22)

Der heilige Jeremia sagt:

»So spricht der Herr, der Gott Israels: […] Gehorcht meiner Stimme und tut, wie ich euch geboten habe, so sollt ihr mein Volk sein, und ich will euer Gott sein.« (Jer 11,3–4; 2Kor 6,18)

Alle, liebe Leser, welche ihr Heil auf einem andern Wege suchten, als Gott ihnen befohlen hat, glaubten entweder Gott sei nicht weise genug, ihnen den rechten Weg zu lehren oder dass er sie mit seinem Worte betrügen wollte. Sie verschmähten die gebietende Stimme ihres Gottes, sie ehrten und erhoben ihr eigenes Gutdünken und ihre trügerische Weisheit weit über die Weisheit Gottes und übertraten den erfreulichen und liebevollen Bund, den er mit ihnen und ihren Vätern aus lauter Gnade gemacht hatte. Es ist der schändlichste Trotz und die höchste Verachtung Gottes, nicht in seinem Worte zu bleiben, wie die Schrift sagt:

»Sie übertreten den Bund, wie Adam; darinnen verachten sie mich.« (Hos 6,7)

Ach, hätte Israel die so wünschenswerte Gnadenverheißung, welche ihnen und ihren Vätern in Betreff des verheißenen Samens, Landes, Reiches und der Herrlichkeit gegeben war, von Herzen erkannt! Hätten sie sich doch erinnert der großen Wohltaten, die Gott so reichlich an ihnen und ihren Vätern bewiesen hat; mit wie großer Kraft und welchen Wundertaten er sie aus Ägypten geführt hat; wie er sie trocknen Fußes durch das rote Meer hatte gehen lassen (2Mo 14,22); wie er sie des Tages durch eine Wolke und des Nachts durch eine Feuersäule geleitet hat (2Mo 13,21); wie er ihnen Brot vom Himmel (2Mo 16,5) und aus dem harten Stein zu trinken gegeben hat (2Mo 17,6); wie ihre Schuhe und Kleider nicht veralteten (5Mo 29,4); wie er alle Riesen und starken Völker vor ihnen vertrieben und sie in ein gutes, herrliches Land geführt hat, das mit Milch, Öl und Honig floss; wie er ihnen hochgemauerte Städte und wohlgebaute Häuser voll Gold und Silber gegeben hat, welche sienicht gebaut und Weinberge, welche sie nicht gepflanzt hatten (5Mo 6,10–11) – und dass er ihnen dies gegeben hatte, nicht um ihrer Gerechtigkeit willen, sondern aus Gnade und weil er den Eid halten wollte, welchen er Abraham, Isaak und Jakob geschworen hatte. Ja, er gab es ihnen zu einem ewigen Besitztum, für den Fall, dass sie in seinen heiligen Worten bleiben und in seinen Geboten, Sitten und Rechten wandeln würden, wie Mose, der treue Diener, sie so oft gelehrt und ihnen befohlen hatte. Außerdem gab er ihnen Korn, Öl, Most, Vieh, Wein, Frieden, Freiheit, Gottesdienst und weit berühmte Herrlichkeit über alle Völker um sie herum, so dass es unter dem ganzen Himmel kein Volk gab, das ihnen gleich war (5Mo 4). Ferner führte er sie bei der Hand wie ein kleines Kind, trug sie in seinen gebenedeiten Armen und gürtete sie sich um, wie einen Gürtel, wie Jeremia sagt. Oft erweckte er seine Gerechten und Propheten, die im Namen des Herrn zu ihnen sprachen, alle Ungehorsamen und Übertreter brüderlich straften und die Frommen mit der gnädigen Verheißung sowohl des zeitlichen, als des ewigen Lebens trösteten.

O hätten die Kinder Israel die erwähnten und andere Wohltaten im Grunde ihres Herzens erkannt, nie würden sie vom Wort, Gesetz, Willen und den Geboten Gottes, ihres Seligmachers und Erlösers, welcher in jeder Hinsicht so väterlich mit ihnen handelte, so schändlich gewichen sein. Aber weil sie die gnädigen Wohltaten, die der Herr an ihnen getan hat, nicht erkannten und sein gerechtes Urteil nicht fürchteten, hat ihr böses und blindes Fleisch und der hurerische Geist der Abgötterei sie so sehr verführt und Gott entfremdet und toll und trunken gemacht, dass sie Ärgeres taten, als alle die Heiden, welche vor ihnen gewesen sind und welche Gott um ihrer Sünden willen ausgestoßen, zerstört und verderbt hatte, wie die heiligen Propheten an vielen Stellen in der heiligen Schrift so klar verkünden und lehren.

O schrecklicher Zorn Gottes, welchem wir niemals entrinnen werden! Wenn wir die Gnade, das Licht, die Wahrheit, Gerechtigkeit, Seligkeit, den wahren Gottesdienst, das Leben, den Himmel, den Segen und Gott selbst verwerfen, so müssen wir hier ohne Zweifel durch sein gerechtes Urteil Ungnade, Finsternis, Lügen, Ungerechtigkeit und Abgötterei und nachher Verdammnis, Tod, Hölle, Fluch und den Teufel stets für ewig ererben.

Meine herzlich geliebten Leser! Gott weiß, dass ich euch liebe in Christo Jesu mit einer göttlichen Liebe. Da ich denn die ganze Schrift hindurch finde, wie schwer Gott vom Anfang der Schöpfung die Übertretung seines Wortes gestraft hat, was ein jeder fleißige Leser aus dem hier aus der Geschichte der Israeliten Angeführten selber ganz deutlich ersehen kann; weil ich ferner sehe, wie die ganze Welt, von Osten bis Westen und von Süden bis Norden, im Verlaufe der Zeit durch die unverständigen Lehrer und Prediger, welche nichts als ihr Fleisch und das Irdische gesucht haben, und die Mitwirkung der untreuen Fürsten von dem rechten Vertrauen, von der rechten Erkenntnis unseres lieben Herrn Jesu Christi, unseres in Ewigkeit gebenedeiten Seligmachers von seinem heiligen Evangelium, seinen heiligen Sakramenten, dem wahren Gottesdienst und dem frommen und unsträflichen Leben, welches aus Gott ist, verleitet worden und abgewichen ist und sie fälschlich unter Christi Namen dahin geführt worden sind, ihr Vertrauen auf das hoffärtige, unsaubere, abgöttische und gottlose Fleisch (versteht wohl, was ich schreibe), auf die unnützen Fabeln, Lehren und Gebote der Menschen, auf eine abgöttische Taufe und Abendmahl, auf Bilder, Holz, Stein, Gold, Silber, Wasser, Brot und Wein, auf eitle, falsche und unnütze Verheißungen zu setzen und es so weit gekommen ist mit denen, die sich des Namens Christi rühmen, dass auch nicht ein einziges Wort weder in ihrem Glauben noch in ihrer Liebe, noch in ihren Sakramenten und ihrem Leben gefunden wird, von welchem man mit Wahrheit sagen könnte, dass es mit der Lehre oder dem Leben Christi übereinstimme (urteilt selbst, ob ich nicht die Wahrheit schreibe); denn obwohl sich ihrer einige des Evangeliums Christi rühmen, so wird dasselbe dennoch nur in einer ungestalten, kraft- und saftlosen Weise gepredigt und das nicht stärker, als die weltlichen Fürsten und Obrigkeiten zulassen; denn wie die Fürsten sind, so sind auch die Prediger und wie die Prediger sind, so sind auch die Gemeinden; dass es endlich so weit gekommen ist, dass man Christo Jesum und seine heiligen Apostel verlassen, sie in ihrer Lehre erniedrigen, hingegen den Fürsten und Gelehrten in ihren Entschließungen anhangen muss, wenn man nicht von ihren Händen gerädert, verbannt oder durch andere tyrannische Mittel und Weisen getötet werden will – gerade als ob die Prediger von den Fürsten und nicht von Christo Jesu ausgesandt werden müssen; darum will ich um Zions und Jerusalems Auserwählter willen nicht länger schweigen, noch es verhehlen, sondern die Wahrheit muss gesagt sein, auf dass ihre Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und ihr Heil entbrenne wie eine Fackel und alle Menschen des Herrn Gerechtigkeit und alle Zungen, Geschlechter und Völker seine Herrlichkeit erkennen mögen. Obwohl ich öfters schon mit Jeremia 20,9 mir vorgenommen habe, nicht länger zu lehren im Namen des Herrn, weil mir so viele eifrig nach dem Leben trachten, so kann ich dennoch nicht länger schweigen, denn ich bin wie jener Prophet sehr bekümmert, mein Herz bebt in meinem Leibe und alle meine Glieder zittern, wenn ich bedenke, dass die ganze Welt, Herren, Fürsten, Gelehrte, Ungelehrte, Männer und Weiber, Leibeigene und Freie, so jämmerlich weit von Christo Jesu, von der evangelischen Wahrheit und vom ewigen Leben abgewichen und entfremdet sind.

Denn wenn ich mich nach einer Obrigkeit umsehe, die ihren Gott fürchtet, ihrem anvertrautem Amte recht obwaltet und von ihrem Schwerte den rechten Gebrauch macht, so finde ich fürwahr meistenteils nur Luzifer, Antioche und Neros; denn sie stellen sich selbst an Christi statt, so dass ihre Plakate weit mehr gelten müssen, als die Worte Gottes. Denn wer sich nicht nach dem Inhalte derselben schickt, dem Baal nicht dient, sondern die Zeremonien Christi unterhält und Gottes Wort in den Früchten vollbringt, muss als ein aufrührerischer Spitzbube herhalten und sich seine Güter rauben lassen. Und die armen unschuldigen Waisen, welche ihre treuen Eltern aus keiner andern Ursache, als um des Zeugnisses des Herrn willen verloren haben, werden ausgestoßen und müssen nackt und bloß im Lande betteln gehen. Aber solche, die offenbare Götzendiener, Seelenbetrüger, Hurer, Buben, Ehebrecher, Schelme, Lästerer Christi, Flucher, Schwörer, Trunkenbolde und dergleichen Übertreter mehr sind, werden nicht verfolgt, sondern können unter dem Schutz der Obrigkeit in Freiheit, Ruhe und Frieden sicher wohnen (Ich rede hier nicht von den guten Obrigkeiten, deren Zahl sehr klein ist, sondern von den bösen, deren es aus eben dieser Ursache sehr viele gibt.). Außerdem liegt auch zu Tage ihre unzeitige Pomphaftigkeit, Hoffart, Gefräßigkeit, Unsauberkeit, ihr Lügen, Rauben, Stehlen, Brennen, ihr Hass, Neid, Geiz, ihre Abgötterei etc. Dennoch wollen sie christliche Fürsten und gnädige Herren genannt werden. Ach Herr, wie wenig werden ihnen diese heuchlerischen und lügenhaften Titel und diese fälschlich berühmten Namen bei der Erscheinung Jesu Christi vor seinem Richterstuhle nützen.

Zweitens, wenn ich nach rechten Lehrern Umschau halte, nämlich nach solchen, die von Gott gesandt sind, von dem heiligen Geist getrieben werden, die Seligkeit ihrer lieben Brüder aus dem Innersten ihrer Seele suchen, ihren Sinn nicht auf irdische Dinge setzen, sondern das seligmachende, heilsame Wort unseres lieben Herrn Jesu Christi aus reinem Herzen predigen und in ihrer Lehre und ihrem Leben ganz unsträflich sind, so weiß ich sie nirgends zu finden. Hingegen finde ich überall auf der Welt und fast unter allen Sekten nichts als Gottesdiebe, Seelenmörder, Verführer, blinde Wächter, stumme Hunde, Sektenmeister, solche, die fleischlich, irdisch und teuflisch gesinnt sind, Feinde des Kreuzes Christi, welche ihren Bauch zu ihrem Gott erheben, falsche Propheten, Götzendiener, eitle Zauderer, Lügner und Zauberer (Joh 10,1; Jes 56,10; Phil 3,2). Wer mir in diesem nicht glauben will, der prüfe doch einmal ihr Tun recht mit des Herrn Wort und vergleiche ihre Lehre mit Christi Lehre, ihre Sakramente mit Christi Sakramenten, ihren Geist mit Christi Geist, ihr Streben mit Christi Streben und ihr Leben und ihren Wandel mit Christi Leben und Wandel und ihr werdet so viel auch ohne Gottes Wort schon durch euren natürlichen Verstand lernen und erkennen, von wem sie gesandt sind, wie, was und warum sie lehren und was für Frucht daraus hervorgeht.

Drittens, wenn ich eine unsträfliche Gemeinde zu finden hoffe, die ohne Fleck und Runzel ist und dem Herrn mit beiden Schultern dient, in Übereinstimmung mit seinem Wort, so finde ich fürwahr ein so ungöttliches, grausames, verdorbenes und verwirrtes Volk, das so fleischlich, so abgöttisch, so hurerisch, so grausam, so gottlos, so ungläubig, so unwissend, so blutig, so unbarmherzig, so trunksüchtig, so verschwenderisch, so hoffärtig, so geizig, so gefräßig, so zornig, so ehebrecherisch, so lügenhaft, so betrügerisch, so sodomitisch, so widerspenstig, so ungehorsam, so rebellisch, so eitel und so teuflisch ist, dass ein gottesfürchtiger Mensch sich mit Recht darüber entsetzen, schämen und davor erschrecken muss. Dennoch wollen sie die rechte Braut, die gläubige Gemeinde und Kirche Christi sein. Aber nein, lieber Leser, nein. Christus Jesus will und kennt keine solche Braut, Gemeinde und Kirche. Die Braut Christi ist Fleisch von seinem Fleisch und Gebein von seinem Gebein (Eph 5,30); sie ist ihm gleichförmig (Röm 8,29); sie ist nach seinem Bilde geschaffen (Kol 3,10); sie ist seiner Natur teilhaftig (2Pt 1,4); sie ist gesinnt wie er gesinnt ist (Phil 2,5); sie sucht nur himmlische Dinge, da Christus ist sitzend zu seines Vaters Rechten (Kol 3,1). Ja, in Gottes Gemeinde hört, sieht und findet man nichts anderes, als die wahre Lehre unseres lieben Herrn Jesu Christi und seiner Apostel und Übereinstimmung mit den heiligen biblischen Schriften. In der oben erwähnten Gemeinde aber findet man zum meisten Teil Lehren, Glossen, Commente, Konzilien und Gebote der Menschen. Hier ist Glaube, da ist Unglaube; hier Wahrheit, da Lüge; hier Gehorsam, da Ungehorsam; hier die Taufe der Gläubigen nach Gottes Wort, da die Kindertaufe außer Gottes Wort; hier wahre Bruderliebe, da Hass, Neid, Tyrannei, Grausamkeit und vieles Blutvergießen; hier liebreiche Dienstfertigkeit dem Nächsten gegenüber, da viel Keifen, Rechten, Nachreden, Betrügen und bei einigen auch Stehlen, Rauben und Morden; hier Lehre, Ermahnung, Tröstung und Strafung in Gerechtigkeit, da nichts als Verderben, Verketzern, Schelten und Lästern; hier Segnung, Lob und Danksagung, da Fluchen und Schwören bei Gottes Leiden, Wunden, Sakramenten, Fleisch, Blut und Urteil etc.; hier Langmut, da Zorn; hier Demut, da Hoffart; hier Barmherzigkeit, da Unterdrückung; hier wahrer Gottesdienst, da Abgötterei; hier Geist, da Fleisch; hier geistliche Weisheit, da Torheit; hier betet man in Geist und Wahrheit, da spottet man mit vielen kraftlosen Worten; hier betet man um die Wahrheit des Herrn, da verfolgt man seine Gerechtigkeit; hier vertraut man auf Christum, da auf abgöttische Werke; kurz hier sind Christus und Gott, da der Antichrist und der Teufel. Ja, teuerste Brüder, die reine und keusche Braut unseres lieben Herrn Jesu Christi ist von diesem fleischlichen, unreinen, ehebrecherischen und schändlichen Handel sehr verschieden.

Diese sind wahrlich die rechten Gemeinden Christi nicht, welche sich nur seines bloßen Namens rühmen. Diejenigen aber machen seine Gemeinde aus, welche recht bekehrt, von oben aus Gott geboren und in Herz und Sinnen erneuert sind, welche durch die Kraft des heiligen Geistes, aus dem Anhören des göttlichen Wortes, Gottes Kinder und ihm gehorsam geworden sind, welche ihr Leben lang oder von der Zeit ihrer Berufung an unsträflich in seinen heiligen Geboten und nach seinem gebenedeiten Willen leben.

In Erwägung denn, dass die erwähnte Gemeinde keine solche liebliche und gehorsame Braut ist, sondern von ihrem rechten Manne, Christo Jesu, gewichen ist und nun so schändlich fremden Buhlen nachläuft, wie vor Augen liegt, welches durch die Blindheit, Sinnlosigkeit und Verführung ihrer Lehre geschieht, so bezwecke ich sicherlich mit allem meinem Schreiben, Rufen und Lehren nichts anderes, als diese buhlerische und ehebrecherische Braut, das ist diese irrende Gemeinde, nach der Gabe, die Gott mir gegeben hat, von ihren unnützen, ohnmächtigen Buhlen abzubringen und sie ihrem ersten angetrauten Manne – Christo Jesu – gegen welchen sie so treulos gehandelt hat, obwohl er ihr so große Wohltaten erwiesen hat, wiederum zuzuführen. Ich werde allen Sekten, Völkern und Menschenklassen, welche unsere Lehrsätze, Schriften und Ermahnungen zu lesen oder zu hören wünschen, nicht mit Glossen, noch mit eignem Gutdünken, sondern mit Gottes klarem ausdrücklichem Worte, welches allein gilt und gelten wird, beweisen, dass es keine Seligkeit gibt, weder im Himmel noch auf Erden, als nur in Christo Jesu, nämlich in seiner Lehre, in seinem Glauben, seinen Sakramenten, seinem Gehorsam und Leben. Alles was gegen sein Wort oder außer seinem Wort gelehrt wird, wie z. B. in der päpstlichen Kirche das Fegefeuer, falsche Verheißungen, Unterschied von Plätzen, Speisen und Tagen, Betfahrten, falsche Opfer; in der deutschen Kirche, dass die Kindertaufe uns irgendwie nützen oder schaden kann; bei den verdorbenen Sekten der dritte David, das fleischliche Reich, die Behauptung, dass das Unreine den Reinen rein sei, nämlich den Götzen äußerliche Ehre zu erweisen, Kinder taufen zu lassen, Vielweiberei, die schamlose Beichte, in Betreff der Schamteile keine Scham zu haben, zu behaupten, dass es weder Engel noch Teufel gebe, dass eine noch vollkommenere Lehre als die, welche Christus Jesus, Paulus und die anderen Apostel gelehrt haben, ihre Erscheinung machen werde und dergleichen Gräuel mehr; ferner: alle Sakramente, welche nicht in Christi Wort enthalten sind, wie die abgöttische Kindertaufe, das falsche Abendmahl in einer Gemeinde, die Gott nicht sucht, kennt, fürchtet und liebt und wo man glaubt, dass das sichtbare Brot wahrhaftiges Fleisch und der sichtbare Wein wahrhaftiges Blut ist; weiter: die Firmung, das heilige Öl, wie sie es nennen, alles Gottesdienstliche, welches von Christus und seinen Aposteln weder gelehrt noch befohlen worden ist, wie Weihwasser, Kirchen, Altäre, Bilder, Messen, Vigilien, Ablass, das Anrufen von verstorbenen Heiligen, Mönch oder Nonne zu werden, Wallfahrten zu machen und dergleichen Werke mehr; weiter: das innerliche und äußerliche Leben, welches nicht mit dem Geist und dem Leben Christi übereinstimmt, die unreinen, hässlichen, faulen Gedanken, bösen Lüste, unziemlichen, ausschweifenden, schändlichen Worte, Unsauberkeit,Hurerei, Ehebruch, Trunkenheit, Hass, Neid, Blutvergießen gegen Gottes Befehl, Geiz, Hoffart, Lügen, Betrügen, Nachreden, törichtes Geschwätz, Dieberei, Wucher, Morden, Schwören, Fechten etc. – alle diese erwähnten Lehren, Sakramente, Gottesdienste, dieses Leben samt andern Dingen, die wir hier nicht angeführt haben, erachten wir, da sie nicht in der Lehre unseres lieben Herrn Jesu Christi enthalten sind, sondern größtenteils dem Worte widerstreiten, wie ein jeder Leser für sich selbst durch die innerliche Salbung Gottes leicht verstehen kann, für nichts anderes als falsche Lehre, Verführung und Seelenbetrug, für falsche, verdrehte und abgöttische Sakramente, gräuliche Abgötterei, geistliche Hurerei, Abweichen von Gott und für ein fleischliches, irdisches und tödliches Leben, wovon der heilige Geist der ewigen Wahrheit durch Paulus und Johannes so reichlich gezeugt hat, nämlich, dass diejenigen, welche solches tun, das Reich Gottes nicht ererben werden (Röm 1,32; 1Kor 6,9; Gal 5,21; Eph 5,5; Offb 22,15).

Wenn daher das buchstäbliche Israel schon so schwer von Gott gestraft und verstoßen worden ist, weil sie nicht in dem Gesetz, den Geboten, Gebräuchen und Rechten ihres Gottes geblieben sind und dem Strafen, Ermahnen, Lehren und Nötigen ihrer treuen Propheten, welche auf Gottes Befehl zu ihnen sprachen, kein Gehör gegeben, noch es angenommen haben, sondern dieselben gescholten, gelästert, gesteinigt, durchstochen und getötet und sich einem nicht durch Gottes Wort gebotenem, sondern selbsterwähltem Gottesdienste hingegeben haben, wie oben bewiesen worden ist, was müssen denn wir von Gott erwarten, wenn wir nicht in der heilsamen Lehre der Gnade und dem rechten Gebrauch der heiligen Sakramente, in den Werken der Liebe, welche vor Gott ein angenehmer Gottesdienst sind und in jenem frommen unsträflichen Leben bleiben, da uns solches kein Mose, kein Prophet, kein Engel, noch irgendeine andere Kreatur, sondern der ewige Sohn Gottes, die ewige Weisheit und Wahrheit, die ewige Liebe und Barmherzigkeit, Jesus Christus, der Gebenedeite, durch den Befehl seines allmächtigen Vaters, der ewig, fest und unveränderlich in seinem Willen bleibt und dessen Barmherzigkeit und Liebe gegen uns unergründlich und unermesslich ist, mit seinem eigenen Munde gelehrt, durch Wunderwerke bekräftigt, zuletzt mit seinem heiligen Blute besiegelt und durch seine treuen Zeugen, nämlich die heiligen Apostel, in unbegreiflicher Kraft des Geistes in der ganzen Welt verkündigen lassen hat; welche Lehre nichts anderes ist, noch in Ewigkeit sein wird, als das liebe, teure Evangelium des Friedens, die frohe Botschaft der Gnade, nämlich die Vergebung der Sünden, der Sieg über Tod, Hölle und Teufel und außerdem Gnade, Friede, Freiheit und ein freimütiger Zutritt zum Vater und zwar alles aus Liebe und Gnade, nicht durch Werke, Verdienste noch irgendein anderes Mittel, sondern nur durch Christum Jesum. Und dies sind die Sakramente, welche Christus Jesus eingesetzt und gelehrt hat, nämlich: Erstens, die heilige Taufe der Gläubigen, in welcher wir die Sünde begraben, das neue Leben annehmen, unsern Glauben besiegeln und bekennen, unsere neue Geburt und unser gutes Gewissen bezeugen und uns in den Gehorsam Christi begeben, der uns selbst und in seinem heiligen Geist auch durch seine lieben Jünger solches gelehrt und befohlen hat. Zweitens, das heilige Abendmahl, in welchem uns der Tod des Herrn verkündet wird, welchen er in seiner heißen Liebe für uns erlitt und durch welches die rechte, ungefärbte Bruderliebe aus reinem Herzen untereinander bewiesen wird. Ferner auch das aufrichtige, unsträfliche, evangelische Leben, welches durch und durch innerlich und äußerlich in dem rechten gottseligen Maße der Absterbung und der ungeheuchelten Liebe in Übereinstimmung mit Gottes Wort geführt werden muss (1Pt 1,22; Röm 12,10).

Seht, meine werten Leser, weil die ganze Welt, ja, alle Zungen, Geschlechter und Völker, durch das gerechte Urteil Gottes, da sie sich mehr nach der Lüge als nach der Wahrheit, mehr nach der Ungerechtigkeit als nach der Gerechtigkeit haben gelüsten lassen, diesen einzigen Gott gefälligen Grund der Lehre, der Sakramente und des Lebens verlassen und sich allerlei falscher Lehre, falschen Zeremonien und einem solchen elenden, fleischlichen Leben ergeben haben, dass die meisten von ihnen mit größerem Recht Tiere und Teufel, als Menschen und Christen genannt zu werden verdienen, wie ein jeder vernünftige Mensch auch ohne Gottes Wort leicht sehen kann; und weil alle die Gelehrten und die Prediger, welche billigermaßen solches strafen sollten, selbst in solche falsche Lehre, Unglauben und in noch viel gräulichere Abgötterei und in ein noch viehischeres und höllischeres Leben verfallen sind, ja, dieselben Gelehrten mit allem Fleiß und Eifer, durch Lehre und Leben, alle Menschen zu solcher Abgötterei, Unglauben, Übertretung und verfluchtem Wandel führen und nötigen, wie die meisten der Gelehrten von jeher getan haben, indem sie immer auf irdische, fleischliche und teuflische Dinge gesinnt sind und darum die geistliche und himmlische Weisheit und der Wille Jesu Christi, welche das Fleisch und seine Lüste dämpfen (Kol 3,5; 1Pt 2,11; Röm 13,14), ihrem Herzen und Gemüt stets ein Ekel und Gräuel gewesen sind und noch sind – so sage ich: Weil ich diese gräuliche Verachtung Gottes in seinem heiligen Worte und die ewige Verdammung von so vielen hunderttausend Seelen, die Christus Jesus mit seinem roten Blute so teuer erkauft hat, so deutlich mit meinen Augen sehe, da es keine Seligkeit gibt, wo der Gehorsam gegen das göttliche Wort fehlt, so darf ich solches, um der Ehre und des Preises meines Gottes und der Seligkeit meiner armen, irrenden Brüder willen, nicht verschweigen, obschon es mich vielleicht das Leben kosten mag. Wer weiß, ob nicht Gott in seiner milden Gnade es so schicken wird, dass durch mich und meine lieben Mitbrüder, die da sind und noch sein werden, als seine dazu auserwählten Werkzeuge, noch ein Teil derjenigen, die nun aus Unwissenheit irren, zur Erkenntnis des rechten Weges, der rechten Lehre, der Wahrheit und des rechten Lebens gebracht werden und fortan alle Tage ihres Lebens unsträflich in Christo Jesu vor Gott und der ganzen Welt wandeln werden. O Herr, laß es so geschehen, Amen.

Siehe, teuerster Leser, da der babylonische König, nämlich der Antichrist, durch seine Diener, die falschen Propheten und Lehrer, das ungehorsame Jerusalem und den Tempel des Herrn niedergerissen und verwüstet und Israel so viele Jahre gefangen gehalten hat, so trachte ich wahrlich unter meinen Brüdern in dem Herrn nach nichts anderm, noch suchen wir etwas anderes, dessen Gott ein Zeuge sei, als dass wir, zu seinem Preis, an seiner zerfallenen Stadt, seinem verwüsteten Tempel und seinem gefangenen Volke, nach dem Maße, welches er uns gegeben hat, arbeiten und so das Zerfallene wieder aufbauen, das Verwüstete wiederum herstellen und das Gefangene wiederum frei machen mögen (Jer 30,18), durch Gottes Wort und die Kraft des heiligen Geistes, auf dass die Kirche wiederum aufgerichtet werde, wie sie früher war, nämlich in der Freiheit des Geistes und auf die Lehre, Sakramente, Zeremonien, Liebe und das Leben Jesu Christi und seiner Apostel, wie oben schon so oft gesagt worden ist.

Darum schäme ich mich keineswegs, meinen Glauben, meine Lehre, mein Suchen und Verlangen niederzuschreiben, bloßzulegen und vor allen Menschen mit lauter Stimme zu verkündigen, wer immer sie auch sein mögen, die nur solches suchen und verlangen. Ja, ich zweifle nicht daran, dass wenn diejenigen, welche mir jetzt so eifrig nach dem Leben trachten, in meiner innersten Seele lesen könnten, ihr Hass gegen mich und meine Brüder bald in herzliche Liebe verwandelt werden würde.

Erstens suchen und verlangen wir, dass laut Gottes Wort kein Bischof, Hirte oder Lehrer in die Gemeinde des Herrn zugelassen werde, um zu lehren und die Sakramente zu spenden, außer denjenigen, die in der rechten Lehre, den Verordnungen und dem Leben unseres lieben Herrn Jesu Christi sind und unsträflich in allen Dingen erfunden werden (1Tim 3,2; Tit 1,6–7; 3Mo 21,17; Hes 44,21). Denn das Wort des Herrn ist Wahrheit, Geist und Leben (Joh 17,17; 6,63). Darum darf es nicht von Fleischlichen, nicht von Kindern des ewigen Todes, noch von Lügnern bedient werden, sondern nur von denen, die wahrhaftig sind, von den Geistlichen, von denen, die Christum Jesum recht erkennen, sich in ihrem Herzen des ewigen Lebens bewusst sind und in Christo Jesu unsträflich vor Gott wandeln, auf dass sie aus wahrem Herzen mit Paulus sagen können:

»Seid meine Nachfolger, gleichwie ich Christi.« (1Kor 11,1)

Zweitens suchen und begehren wir aus tiefem, feurigem Herzen, ja, mit unserm Tod und Blut, dass das heilige Evangelium Jesu Christi und seiner Apostel, welches allein die wahre Lehre ist und bleiben wird, bis Christus wieder in den Wolken erscheinen wird (1Tim 6,14), durch die ganze Welt gepredigt werden möge, wie der Herr Jesus Christus dies als sein letztes Wort hier auf Erden seinen lieben Jüngern befohlen hat (Mt 28,19; Mk 16,15).

Drittens suchen, lehren und begehren wir einen rechten Glauben und ein christliches Leben, welche mit der Lehre Jesu Christi und seiner Apostel übereinstimmen; denn das Lehren der Prediger ist unnütz und vergeblich, wenn man das gepredigte Wort nicht durch den Glauben annimmt (Hebr 4,2) und auch der Glaube ist tot vor Gott, wenn er nicht durch die Liebe tätig ist (Gal 5,6; Jak 2,20).

Viertens lehren, suchen und begehren wir eine wahre christliche Taufe, erstens in dem Geist und Feuer und danach in dem Wasser, als ein Gehorsam des Glaubens; denn Christus Jesus hat solches allen Gläubigen befohlen und die heiligen Apostel haben es so gelehrt und geübt (Lk 3,16; Joh 1,26; Mt 28,19; Mk 16,16; Apg 2,38; 16,31; 10,47; 8,37).

Fünftens lehren, suchen und begehren wir jenes Abendmahl, welches Christus Jesus selbst eingesetzt und gebraucht hat (Mt 26,19; Mk 14,22; Lk 22,19; 1Kor 11,23); nämlich mit einer Gemeinde, die äußerlich ohne Flecken und Runzel ist, das heißt ohne merkliche Übertretung und Bosheit; denn die Gemeinde urteilt nur dasjenige, was sichtbar ist; was aber innerliche Bosheit anbelangt, welche sich nicht bei der Gemeinde äußerlich kund tut, wie der Verrat des Judas, das hat Gott allein zu urteilen und zu richten; denn er allein und nicht die Gemeinde kennt die Herzen und Nieren; zweitens, unter beiden Gestalten, nämlich mit Brot und Wein, zum Gedächtnis an den Tod des Herrn; und drittens zur Erweckung und Zeugung der brüderlichen Liebe, wie denn auch dieses Abendmahl, wie Tertullian schreibt, bei den Alten ein Brüdermahl genannt wurde.

Sechstens suchen und verlangen wir, dass alle fremden Zeremonien und gottesdienstlichen Übungen, welche außer, neben oder gegen Gottes Wort eingeführt worden sind und zu gräulicher Abgötterei leiten, wie Weihwasser, Ohrenbeichte, Kindertaufe, Messen, Metten, Vespern, Bilder, Altäre, falsche Verheißungen und dergleichen mehr, abgeschafft werden, nicht mit Waffengewalt, sondern liebreich und friedlich mit des Herrn Wort (Eph 6,12; 2Kor 10,4); auf dass das einfältige, unwissende Volk nicht länger durch solche unnützen Werke und Mittel, welche schon an und für sich nichts als offenbare Abgötterei sind, verführt werde, sondern seinen Glauben einzig und allein auf den lebendigen Gott und die Verdienste unseres lieben, in alle Ewigkeit gebenedeiten Herrn Jesu Christi setzen und befestigen und, ohne zur Rechten oder zur Linken abzuweichen, mit getreuem Herzen in seinen göttlichen Geboten wandeln möge; denn darinnen und nie und nimmer in anderen Werken ist das ewige Leben (Joh 12,50).

Siebtens suchen und begehren wir, ja, lehren und ermahnen dazu, dass alle Obrigkeit, kaiserliche Majestät, Könige, Herzoge, Grafen, Barone, Statthalter, Ritter, Junker, Amtleute und Bürgermeister durch Gottes Geist und Worte so gelehrt und gezogen werden mögen, dass sie Christum Jesum, das rechte Haupt aller Fürsten und Gewaltigen (Kol 2,10), von ganzem Herzen suchen, ehren, fürchten und ihm dienen, ihr Amt auf die rechte Weise verwalten und das Schwert, welches ihnen von Gott gegeben ist, mit Gerechtigkeit, Gottesfurcht und wahrer brüderlicher Liebe zu Gottes Preis führen, nämlich zur Beschirmung der Guten und zur Bestrafung der Bösen, laut Gottes Wort (Röm 13,3; 1Pt 2,13; Tit 3,1; 2Mo 18,21), wie jene lieben Männer Gottes, nämlich Mose, Josua, David, Hesekiel, Josia und andere zu ihren Zeiten getan haben. Lest auch 5Mo 17 und ihr werdet in großer Klarheit finden, was Gott aller Obrigkeit befohlen hat.

Ferner lehren wir die wahre Liebe zu Gott, die wahre Gottesfurcht, die wahre Nächstenliebe, d. h. dass man allen Menschen dienen und helfen und keinem wehren oder ihn daran hindern soll, das Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden zu kreuzigen, das Herz, den Mund und den ganzen Leib mit dem Messer des göttlichen Wortes von den unreinen Gedanken, unschicklichen Worten und ungeziemenden Werken zu beschneiden. Bedenkt darum recht in euren Herzen, ob diese hier angezeichneten Dinge nicht der gute Wille Gottes, die wahre Lehre Jesu Christi, der rechte Gebrauch seiner Sakramente und das wahre Leben, welches aus Gott ist, sind, obschon die Pforten der Hölle wissentlich dagegen streiten.

Seht, meine werten Brüder, gegen diese erwähnten Lehren, Sakramente und dieses Leben gelten keine kaiserlichen Bekanntmachungen, päpstlichen Dekrete, Konzilien der Gelehrten, alten Gewohnheiten, menschliche Philosophie, kein Origenes, Augustinus, Luther oder Bucer; kein Fangen, Verbannen und Morden; denn es ist, und zwar sage ich es noch einmal, das ewige, unvergängliche Gotteswort und wird es auch bis in Ewigkeit bleiben (etiamsi rumpantur ilia Codro). Wer dennoch gegen diese Dinge streiten will, sei es mit dem Herzen, mit dem Munde oder mit dem Schwerte, der streitet nicht gegen Fleisch und Blut, das ist gegen einen Menschen, sondern gegen das Lamm, gegen den Mächtigsten, gegen Ihn, der Himmel und Erde mit allem, was darinnen ist, mit einem Worte erschaffen hat; ja, gegen Ihn, der seine Hand emporhebt und sagt:

»Ich lebe ewiglich.« (5Mo 32,40)

Wohlan, da dies also die rechte und wahre Lehre Jesu Christi ist und keine andere als diese zum ewigen Leben führt, so möchte vielleicht ein Leser fragen, warum denn so wenig Menschen von Herzen an dieselbe glauben und sie in den Früchten vollbringen.

Dies geschieht nach meiner Ansicht aus viererlei Ursachen. Erstens, weil sie alle miteinander, Herren, Prediger und gemeines Volk, ihr Herz auf fleischliche, irdische und vergängliche Dinge setzen und deshalb die liebliche Lehre des heiligen Geistes, die Lehre des ewigen Friedens nicht zulassen und ihr Raum geben. Zweitens, weil sie so überaus trunken und voll sind von dem gräulichen Zauberwein, der babylonischen Hurerei, so reich über alle Maßen und nichts mehr bedürfen (Offb 17,2; 3,17). Drittens, weil sie die schrecklichen Urteile und den gräulichen Zorn Gottes gegen allen Ungehorsam und Übertretung nicht fürchten, ja, alle Worte Gottes in den Wind schlagen, als ob der heilige Geist nur Spott triebe, wenn er in der heiligen Schrift von zeitlicher oder ewiger Strafe für die Sünde spricht oder lehrt. Viertens, weil sie die wunderbaren Wohltaten Gottes, die er ihnen in Christo Jesu erwiesen hat, nicht erkennen. Denn würden sie wirklich die ihnen zu Gute kommenden Werke der göttlichen Liebe erkennen, nämlich, dass Gott aus Liebe für sie Himmel und Erde, mit allem was darinnen ist, zu ihrem Besten erschaffen, sie nach seinem Ebenbilde aus dem Staub der Erde gemacht, als Haupt über alle Geschöpfe gesetzt, ihnen Gold, Silber, Land, Sand, Haus, Hof, Kuh, Kalb, Fisch, Fleisch, Wasser, Wein, Bier, Brot und Kleidung für ihre Notdurft geschenkt, sein göttliches Wort gegeben, zuerst das natürliche Gesetz, dann Mose und die Propheten und zuletzt seinen eingeborenen Sohn, seine Weisheit und Kraft, nämlich Christum Jesum, welcher ihnen seines Vaters Willen in großer Klarheit gelehrt, den Himmel geöffnet und die Hölle geschlossen, Tod, Sünde und Teufel für sie überwunden, das schwere, unvollbringliche, drohende Gesetz ans Kreuz geheftet und ihnen Gnade, Gunst, Barmherzigkeit, Frieden, Freiheit, Erlösung, Vergebung der Sünden und das ewige Leben bei dem Vater erworben hat, das ist, wenn sie dies in Wahrheit glauben, suchen und verlangen; außerdem, dass er sie alle Tage so gnädiglich zur Buße und Besserung und zu der Bedeutung, dem Lose und der Herrlichkeit der auserwählten Kinder Gottes ruft; dass er sie aus der Finsternis dieser Welt ziehen und in das Reich seines lieben Sohnes führen will; dass er sein gerechtes Urteil nicht über sie kommen lässt, wie über die von Sodom und Gomorra; dass er ihnen dient mit Nacht und Tag, mit Sonne und Mond, mit Regen und Trockenheit und sie segnet mit Weisheit, Verstand, mit Weib, Kindern, Vieh, Werken und Früchten – wenn sie, ich sage es noch einmal, diese so überaus reichen Werke seiner überfließenden Gnade in ihrer innersten Seele erkennen würden, so würden alle Tyrannen, die unter dem Himmel sind, nicht im Stande sein, sie von der Lehre, der Liebe, den Sakramenten, dem Leben und dem Bekenntnis Jesu Christi abzuziehen und müssten sie dies auch, falls solches möglich wäre, hunderttausend Mal mit dem Tode bezeugen; ja, sie würden mit dem heiligen Paulus sagen:

»Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwert?« (Röm 8,35)

Weil sie aber den Gott aller Gnade in seinem Worte, seinen Urteilen und Wohltaten ebenso wenig erkennen, wie den Geist, die Kraft, den Willen und das Leben, welche in Christo Jesu gewesen sind und denen wir laut Gottes Wort folgen müssen, darum geschieht es, dass sie die himmlische Lehre Jesu Christi nach all ihrem Vermögen aufs Jämmerlichste unterdrücken und verfolgen und alle Falschheit, Verführung, Betrug und Abgötterei so eifrig anfangen, sie lehren und verteidigen. Ich sage noch einmal: Wenn sie das väterliche Herz, Gemüt, die Zuneigung, Vorsehung, Gunst, den Willen, die Sorge und Liebe des allmächtigen Gottes in Christo Jesu gegen uns recht glaubten, so würden sie ohne Zweifel sein gesegnetes Wort und seine liebreichen Ermahnungen von ganzem Herzen annehmen und in den Früchten vollbringen. Weil sie aber Christum Jesum und seinen Vater nicht recht erkennen, so geht es ihnen, wie Christus Jesus sagt, nämlich:

»Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet; denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist; und die Menschen liebten die Finsternis mehr denn das Licht. Denn ihre Werke waren böse.« (Joh 3,16–19)

Seht euch darum ernstlich vor, ihr elenden, irrenden Menschen, denn hier hat die ewige Weisheit, Christus Jesus, der Gebenedeite, selbst ausgesprochen, warum ihr nicht an seine liebreichen Worte glaubt und seinen göttlichen Willen nicht vollbringt, nämlich, weil ihr die verdammliche Finsternis weit mehr als das seligmachende Licht liebt. Ja, ich sage es noch einmal: Wäre es, dass ihr die göttliche Güte, Barmherzigkeit und die unermessliche Liebe unseres lieben Herrn Jesu Christi gegen euch im Innersten eurer Seele recht fassen und glauben würdet, wie er, nämlich in seiner glühenden Liebe, ein einfacher sterblicher Mensch für euch geworden und aus Liebe von dem hohen Himmel zu euch auf diese niedere Erde herabgekommen ist; wie er aus Liebe euch das ewige Reich Gottes verkündigt und gelehrt hat, aus Liebe Zeichen und Wunder getan und aus Liebe für euch gebeten hat; wie er aus Liebe Druck und Angst für euch gelitten hat, gefangen genommen, gebunden, geschlagen, verspottet, angespeit, gegeißelt, mit Dornen gekrönt, mit Galle und Essig getränkt, gelästert und gekreuzigt worden, gestorben und begraben worden ist, wieder auferstanden und aufgefahren ist und sich zur Rechten seines Vaters gesetzt hat; wie er da durch das Vergießen seines roten Blutes euer getreuer Diener, Fürbitter, Versöhner, Erlöser, Mittler und Advokat geworden ist (Röm 3,25; Eph 1,7; 1Tim 2,5) und wie er aus Liebe seine getreuen Zeugen, nämlich die heiligen Apostel, mit dem Wort der Gnade zu euch und zu der ganzen Welt gesandt hat – so würdet ihr ohne Zweifel denjenigen lieben, welcher eine so unaussprechlich große Liebe und Gnade, ohne irgendwelches Verdienst eurerseits, euch erwiesen hat. Wenn ihr ihn also liebt mit derselben Liebe, mit welcher er euch geliebt hat und noch liebt, so würde es euch wahrlich nicht verdrießen noch beschwerlich fallen, glaubt mir nur, sondern ihr würdet eifrig danach jagen, in allen Dingen unsträflich und nach seinem gebenedeiten Willen zu leben und euer Leben lang in seinen göttlichen Geboten zu wandeln, wie er selbst sagt:

»Wer mich liebt, der wird mein Wort halten.« (Joh 14,23)

Seht, meine teuersten Leser, so gebiert der rechte Glaube oder die rechte Erkenntnis die Liebe (1Tim 1,5) und die Liebe den Gehorsam gegen die Gebote Gottes, wie oben gesagt ist. Darum sagte Christus Jesus:

»Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet.« (Joh 3,18)

Und an einer andern Stelle:

»Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.« (Joh 5,24)

Denn der rechte evangelische Glaube ist einer solchen Natur, dass er nicht ruhen oder feiern kann, sondern er bereitet sich stets auf in allerlei Gerechtigkeit und Früchten der Liebe; er stirbt Fleisch und Blut ab, rottet alle verbotenen Lüste und Begierden aus, sucht und fürchtet Gott und dient ihm aus dem Innersten seiner Seele; er kleidet die Nackten; speist die Hungrigen; tröstet die Betrübten; beherbergt die Elenden; hilft und gibt Trost allen, die betrübten Herzens sind; tut wohl denen, die ihm Böses tun; dient denjenigen, die ihm Leid zufügen; bittet für die, welche ihn verfolgen; lehrt, ermahnt und straft uns mit des Herrn Wort; sucht das Verlorene, verbindet das Verwundete, heilt das Kranke und behütet das Starke, alles ist er allen geworden. Die Verfolgung, das Leiden und die Bangigkeit, welche ihm um des Herrn Wahrheit willen zu Teil fallen, sind ihm eine herrliche Freude und ein seliger Trost geworden.

Ein jeder, welcher einen Glauben hat, wie er hier beschrieben ist, nämlich einen Glauben, welcher begierig ist, in des Herrn Geboten zu wandeln, des Herrn Willen nachzujagen und welcher in allerlei Gerechtigkeit, Liebe und Gehorsam eindringt, der erkennt auch, dass das Wort und der Wille unseres lieben Herrn Jesu Christi die rechte Weisheit, die Wahrheit und das Leben, ja, unveränderlich ist und bleiben wird, bis Christus Jesus wieder in den Wolken des Himmels erscheinen wird, d. h. zum jüngsten Gerichte. Ein solcher wird Gottes Wort nicht wie einen leichten Hauch in die Luft blasen, wie die unverständige, blinde Welt tut, indem sie sagt: Was kann mir Wasser nützen? Sondern er wird mit allem Fleiß suchen, Jesu Christo in seinem ganzen Worte Gehorsam zu leisten, es bringe alsdann dem Fleische Leben oder Sterben, welches er Gott überlässt.

Seht, meine teuersten Brüder, hier sage ich freimütig mit einem fest überzeugten Geiste, nicht durch irgendwelche Offenbarung oder himmlische Eingebung, sondern allein durch das ausdrückliche, buchstäbliche Wort des Herrn und aus meiner innersten Seele, dass diese unsere Lehre nicht unsere, sondern desjenigen ist, der uns gesandt hat, nämlich Jesu Christi (Joh 7,16). Alle, die seinen Willen tun wollen, werden erkennen, dass unsere Lehre aus Gott ist und dass wir nicht unsere eigenen Ansichten, Träume und Gesichte sprechen. Wer aber Gott nicht fürchtet, Christo Jesu nicht glaubt, sein Wort verwirft, seinen Willen nicht erkennt und die Finsternis mehr liebt als das Licht, von dem wird die evangelische Wahrheit doch stets als eine verfluchte Ketzerei verflucht und als eine äußerst tödliche Verräterei gescholten, verbannt und ermordet. Dennoch wird Christi Wort ungebrochen bleiben bis ans jüngste Gericht, wie wir zuvor gesagt haben.

Wehe, wehe, allen solchen, an denen so große Wohltaten der Gnade, das himmlische Wort des Friedens, die liebreichen Ermahnungen, die saure, schwere Arbeit und der edle, köstliche Schatz, nämlich das rote Blut und der bange und bittere Tod unseres lieben Herrn Jesu Christi, ja, jämmerlich verloren sind! Noch einmal: Wehe, wehe! Denn es ist und bleibt in Ewigkeit unmöglich, ohne Glauben, Liebe und Gehorsam gegen unsern Herrn Jesum Christum selig zu werden. Ich rede von denjenigen, die zu ihrem Verstande gekommen sind. Paulus sagt:

»Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen.« (Hebr 11,6)

Und Christus Jesus sagt:

»Wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet.« (Joh 3,18; 8,16)

Gleichwie das buchstäbliche Gesetz Moses weder durch die Tyrannei der Fürsten, noch durch den Scharfsinn der Gelehrten, noch durch das Toben des gemeinen Volkes je verändert oder mehr oder weniger getan werden konnte, als Gott durch seinen Diener Mose befohlen hatte, von ihm bis auf Christum, ja, alle, welche nicht in diesem Gesetze blieben, Kinder des Zorns und des Todes waren, so ist es auch heutigen Tages und sollten auch die verstorbenen Apostel auferstehen und uns anders lehren wollen, als sie in den Zeiten, da sie gepredigt, getan haben; dazu Mose, alle Propheten, alle Engel, die im Himmel sind und so viel großsprechende und wundertätige Propheten, als wir Haare auf unserm Haupt haben, ja, sollten auch alle Fürsten wüten wie verderbende Löwen und reißende Wölfe und wäre jede Zunge der Gelehrten wie ein scharf geschliffenes Messer, unmöglich, dass solche selig werden können, welche nicht in der heilsamen Lehre, den Sakramenten, dem Gehorsam und dem Leben Christi bleiben. Ja, sie sind die Kinder des Zorns, des Fluches und des ewigen Todes, wie Christus Jesus selber sagt:

»Es werden nicht alle, die zu mir sagen: ›Herr, Herr!‹ in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.« (Mt 7,21)

An einer andern Stelle sagt Christus:

»So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.« (Joh 8,31–32)

Hieraus folgt aber das Gegenteil, liebe Brüder, nämlich wenn wir nicht in Christi Wort bleiben, so können wir seine Jünger nicht sein und werden die Wahrheit nicht erkennen. Erkennen wir aber die Wahrheit nicht, wie sollen wir dann durch dieselbe frei gemacht werden? Und werden wir nicht durch die Wahrheit frei gemacht, dann wehe uns, dass wirgeboren sind! Denn in solchem Falle sind wir noch in unseren Sünden, unter dem Fluch und dem Zorn, Kinder der Hölle, des Teufels und des ewigen Todes. O Jammer und Jammer! Fürchtet euch von ganzem Herzen, o ihr treuen Leser, denn dieses wird in Ewigkeit nicht anders befunden werden.

Hätten die blutdürstigen und tyrannischen Herren und Fürsten von Anfang erkannt und würden sie auch jetzt erkennen, dass das Wort des Herrn ewig ist und bleiben wird (Mt 24,35; Jes 40,8) und durch keines Menschen Autorität verändert werden kann, so würden sie nicht so sehr gegen dasselbe gestritten und dessen Bekenner so jämmerlich ermordet haben.

Hätte auch der römische Bischof mit seinen Gelehrten diese Sache in seinem Herzen wohl überdacht, so würde er weder dem Kaiser Italiens noch Christo sein geistliches Reich geraubt haben, sondern allen seinen weltlichen Herrlichkeiten, seinem Pomp, seiner Verschwendung, Abgötterei, falschen Lehre, seinem gemächlichen Leben, seinen verdrehten Sakramenten, sodomitischen Unreinigkeiten, Konzilien, Statuten und Dekreten gute Nacht gesagt und sich mit der unveränderlichen himmlischen Lehre des einzigen Hirten, Lehrers und Bischofs unserer Seelen, welcher ist Jesus Christus, begnügt haben.

In Erwägung denn, dass unsere Seligkeit in Christo Jesu und in seinem heiligen Worte, nie und nimmer aber in einem andren Menschen oder in andern Lehren gelegen und begriffen ist, so warne ich eine jede gottesfürchtige Seele mit Gottes Wort und nur aus brüderlicher Liebe, sich doch nicht erschrecken oder verführen zu lassen, weder durch die Hoheit der Menschen, noch durch das Altertum der Namen, Gelehrtheit, Beredsamkeit, Scheinheiligkeit, Träume, Prophezeiungen, Gesichte, Zeichen oder Kräfte. Denn es wird in Ewigkeit kein weiserer, wahrhaftigerer, fleißigerer, gerechterer, gottgefälligerer, unsträflicherer, eifrigerer, mächtigerer, höherer oder heiligerer Prophet aufstehen, als Christus Jesus, in Ewigkeit gebenedeit, gewesen ist. Es hat auch alles von ihm gezeugt, sowohl was im Himmel als auf Erden ist. Zuerst Gott selber zu Adam, danach zu Abraham; hernach Mose, David, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Hosea, Sacharja und die meisten der andern Propheten; nachher der Engel Gabriel und andere Engel bei seiner Geburt; die Sterne des Himmels, die Weisen aus dem Osten, Vater und der heilige Geist; danach die gemeine Volksmenge, die Teufel, Gesundheit, Krankheit, Leben, Tod, Wasser, Wind, Brote, Fische, der Feigenbaum und die Kinder am Palmtage; ferner bei seinem Sterben der Mörder, das Firmament des Himmels, der ganze Erdboden, der Vorhang des Tempels, die Steine, die Toten und der Hauptmann unter dem Kreuze. Sagt, was gibt es, welches nicht von Christus gezeugt hätte? Ja, er ist derjenige, wie er selber sagte, nachdem er auferstanden war und den Himmel wieder einnehmen wollte, dem vom Vater alle Gewalt gegeben ist, beides, im Himmel und auf Erden (Mt 28,18). Es ist darum gewiss recht und vernünftig, ja, es muss also geschehen, wenn sie nicht verloren bleiben wollen, dass alle Obrigkeiten sich unter sein göttliches Zepter beugen, alle Vernunft und Klugheit sich seiner himmlischen Weisheit unterordnen, alles Fleisch sich unter seine gebenedeiten Füße lege und alle Zungen bekennen, dass er der Herr sei, zum Lob und zur Ehre seines Vaters (Phil 2,11).

Darum bitte ich alle meine gottesfürchtigen Leser in dem Herrn, durch die Verdienste unseres lieben Herrn Jesu Christi, welchem allein und keinem Menschen das Reich, Lob und Ehre gebührt, dass sie doch mich armen, elenden Sünder, der ich wegen meines unreinen, unmäßigen, hochmütigen, eitlen, abgöttischen und fleischlichen Lebens, welches ich früher geführt habe und der ich noch heutigen Tages manchmal sündig und unvollkommen vor meinem Gott erfunden werde, nicht würdig bin der geringste Diener im Hause meines Herrn zu sein, obwohl ich durch seine Gnade bin, was ich bin (1Kor 15,10), nie und nimmer für mehr halten wollen, als für einen einfachen, schlichten Diener Jesu Christi und Haushalter über seine Geheimnisse (1Kor 4,1–2), nach dem Maße des Glaubens, das mir von ihm gegeben ist.

Meine Brüder, ich sage euch die Wahrheit und lüge nicht: Ich bin weder ein Henoch, noch ein Elia; weder ein Seher, noch ein Prophet, der anders lehren und prophezeien kann, als aus dem ausdrücklichen, geschriebenen und im rechten Geiste erfassten Worte Gottes. Ein jeder, der anders zu lehren sucht, wird bald von der rechten Bahn weichen und in seinem Verstande betrogen werden. Ich zweifle nicht, dass der barmherzige Vater mich so in seinem Worte bewahren wird, dass ich nichts schreiben oder sprechen werde, als nur dasjenige, welches ich entweder mit Mose, den Propheten, den Evangelisten oder mit andern apostolischen, nach dem Sinne, Geist und der Meinung Christi angewiesenen Schriften und Lehren behaupten kann. Hierüber urteilt ihr, die ihr geistlichgesinnt seid. Ich habe auch keine Gesichte oder englische Eingebung, welches ich auch nicht suche oder verlange, auf dass ich dadurch nicht betrogen werde. Denn Christi Wort ist mir allein genug. Wenn ich seinem Zeugnisse nicht folge, so ist fürwahr alles mit mir verloren. Und wenn ich auch solches hätte, welches aber nicht der Fall ist, so müsste es mit Christi Geist und Wort übereinstimmen oder es wäre nichts als Phantasie, Verführung und satanischer Betrug. Denn Paulus sagt:

»Hat jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben ähnlich.« (Röm 12,6)

Ich bin auch kein dritter David, was einige so fälschlich von sich gerühmt haben und noch rühmen; denn es sind nur zwei Davide in Gottes Wort enthalten: Der erste ein buchstäblicher und figürlicher, nämlich der Sohn des Isai und der zweite, der geistliche, der eingeborene Sohn Gottes, nämlich Christus Jesus. Alle denn, die sich rühmen der dritte zu sein, machen sich einer hoffärtigen Lüge und gräulichen Lästerung gegen Christum Jesum schuldig. Ein jeder sehe sich daher eifrig vor, dass er in seinem Glauben nicht irre.

Nach meiner ersten Geburt bin ich nichts als unreiner Schlamm und Staub der Erde, in Sünden empfangen und geboren aus dem Leibe meiner Mutter und in Unwissenheit, Sünde und Blindheit auferzogen, alle Tage meines Lebens, bis das liebliche Licht der Gnade und der Erkenntnis aus der Höhe von Gott mir erschienen ist und er mir ein solches Herz, einen solchen Willen und solch eine Begierde gegeben hat, dass ich nun freiwillig dem Guten nachtrachte und mit Paulus nach dem vorgesteckten Kleinod jage,

»ob ich es auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin.« (Phil 3,12)

Ach, teuerste Leser, ich sage es noch einmal, dass ich einst schändlich gegen Gott und meinen Nächsten gehandelt habe und dass ich auch jetzt noch zuweilen ruchlos denke, spreche und handle, obwohl ich solches von ganzem Herzen hasse. Wer bin ich denn, dass ich mich rühmen und etwas anderes suchen und lehren sollte, als Christum Jesum, gebenedeit in Ewigkeit, und sein Wort, seine Sakramente, seinen Gehorsam und sein gottgefälliges, tugendsames und unsträfliches Leben? Denn er allein ist es, von dem geschrieben steht, dass er vom heiligen Geiste empfangen wurde, dass er keine Sünde gekannt und dass kein Betrug in seinem gebenedeiten Munde erfunden wurde. Ja, seine Lehre, sein Wort, sein Wille und seine Gebote sind das ewige Leben (Mt 1,20; Lk 1,35; 1Pt 2,22; Jes 53,12).

Seht euch darum eifrig vor und wacht fleißig über eure Seele, denn so muss ein jeder Christ gegen Christum Jesum, seinen Seligmacher, und sein heiliges Wort in seinem Herzen gesinnt sein. Auch muss er in seinem Herzen nicht mehr von sich halten, als er ist, wie große Gaben er auch haben möge, wenn er Christo Jesu seine Ehre nicht rauben will. Demütig muss er vor seinem Gott wandeln in dem rechten Maße des Glaubens, wie es sich geziemt in Christo Jesu. Keiner betrüge sich selbst, dies rate ich euch. Lasst doch geistliche Hoffart und falsches Rühmen ferne von euch sein,

»denn Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.« (1Pt 5,5)

Da ich denn diese gräulichen und schrecklichen Gefahren täglich vor meinen Augen sehe und es auch von Anbeginn so gewesen ist, dass so manche törichte Seele verführt worden ist und noch verführt wird durch die falschen Prophezeiungen, trügerischen Worte, die Scheinheiligkeit, die lügenhaften Zeichen, die Pocherei und die falschen Verheißungen der Antichristen und falschen Propheten, die stets unter dem Deckmantel von Gottes Wort ihre eigene Ehre, ihr Ansehen und ihren Vorteil gesucht haben, wie dies mit den römischen Päpsten, mit Jan von Leiden zu Münster und mit andern der Fall gewesen und auch jetzt noch allzu viel der Fall ist, so achte ich es in meinem besorgten Herzen für sehr notwendig und nützlich, alle meine lieben Leser in dem Herrn eifrigst zu warnen und zu ermahnen, dass sie ja meine Lehre nicht als das Evangelium Jesu Christi annehmen sollen, solange sie dieselbe nicht recht mit des Herrn Geist und Wort verglichen haben, auf dass sie ihr Herz nicht auf mich oder sonst einen Lehrer oder Schreiber, sondern allein auf Christum Jesum setzen mögen. Denn sollten sie die Lehre bloß um meinetwillen annehmen, ohne sie vorher ernstlich mit Gottes Wort zu prüfen, und sich so auf einen Menschen und nicht auf Christum Jesum stützen und von ihm sich rühmen, so wären sie den strafbaren Korinthern gleich geworden, welche Paulus sehr hart strafte, weil sie sich mit Zank und Zwiespalt ihrer Lehrer rühmten und nicht dessen, der von diesen Lehrern gelehrt wird, nämlich Jesu Christi (1Kor 3). Sie wären auch diejenigen, von denen geschrieben steht:

»Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm.« (Jer 17,5)

Wollte ich mit meinem Lehren Jünger zu mir und nicht zu Christo Jesu allein ziehen und meinen eigenen Vorteil, mein Lob und meine Ehre suchen, so hieße es fürwahr Wehe für meine Seele. Nein, Brüder, nein! Der Herr sei gebenedeit, ich suche nicht, was Judas Galiläus und Theudas gesucht haben (Apg 5,37). Ich bin durch Gottes Gnade nicht gesinnt wie diejenigen, welche in ihrem Herzen sich bis über die Wolken erhoben haben und dem Allerhöchsten gleich sein wollen. Ich wiederhole es noch einmal: Ich bin ein armer, elender Sünder, der Tag für Tag gegen sein böses Fleisch, gegen Welt und Teufel streiten muss, jeden Tag des Herrn Barmherzigkeit sucht und mit dem heiligen Paulus sich nichts rühmt, als allein Christi Jesu, des Gekreuzigten (1Kor 2,2).

Mein Rufen und Schreiben ist nichts anderes, als Christus Jesus; denn ich suche und wünsche von ganzem Herzen nichts anderes (das weiß der, welcher alle Dinge weiß), als dass der glorreiche Name, der göttliche Wille und der herrliche Preis unseres lieben Herrn Jesu Christi auf der ganzen Welt bekannt werden mögen. Ich begehre und suche wahre Lehrer, wahre Lehre, wahren Glauben, wahre Sakramente, wahren Gottesdienst und ein unsträfliches Leben, welches ich mit so viel Druck, Ungemach, Mühe, Arbeit, Wachen, Furcht, Bangigkeit, Sorge, Verdruss, Schande, Hitze, Kälte und vielleicht zuletzt noch mit großem Leiden, ja, mit einem herben und bittern Tode bezahlen muss. Denn ich darf gewiss keinen andern Dank und Lohn dem Fleische nach erwarten, als den, welcher von Anbeginn denjenigen geworden ist, welche mit so großer Liebe die Seligkeit der Welt gesucht haben.

Ich sage mit dem allerheiligsten Johannes dem Täufer: Christus Jesus muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Joh 3,30); denn er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, während ich wiederum in Staub werde verwandelt werden, aus welchem ich gleich allen Menschenkindern entstanden bin.

Darum begehre ich noch einmal, durch Gottes Erbarmung und um ihrer eignen Seligkeit willen, dass sie doch meine Lehre, wie auch die aller Menschen, die von den Zeiten der Apostel bis jetzt geschrieben haben oder noch schreiben, mit dem heiligen Evangelium Jesu Christi und der Lehre seiner Apostel recht prüfen und vergleichen wollen, auf dass sie nicht durch mich oder irgendeinen andern Menschen, sei er denn ein Fürst, gelehrt oder ungelehrt, heilig dem Anschein nach oder wundertätig, betrogen werden mögen. Ist es Gottes Wort, das ich lehre (darüber lasse ich die Geistlichen urteilen), so müssen sie es im Namen des Herrn annehmen, wollen sie nicht ewig verloren gehen; ist es aber nur Menschenlehre, so ist es von Gott verflucht, denn es kann in Ewigkeit kein anderer Grund gelegt werden, außer dem, der von den Aposteln gelegt und gelehrt worden ist, welcher ist Jesus Christus (1Kor 3,11).

Keine andere, als die Lehre Jesu Christi und seiner Apostel, nützt oder dient zu unserer Seligkeit, wie er selber sagt, nämlich:

»Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.« (Mt 28,20)

Alle Lehren, beides, des alten und des neuen Testamentes, sind, wenn sie recht gelehrt und recht verstanden werden, nach dem Sinn und der Meinung Christi und seiner Apostel,

»nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit.« (2Tim 3,16)

Alles aber, was uns gegen den Geist, Sinn und die Lehre Jesu Christi gelehrt wird, ist von Gott verflucht (Gal 1,8).

Da also von Gott, dem allmächtigen Vater, nur ein einziger Grundstein in das Fundament Zions gelegt ist, welcher ist Christus Jesus (Jes 28,16; Röm 9,33; 1Pt 2,6), auf welchen allein und nie und nimmer auf jemand anders in Übereinstimmung mit seinem Wort gebaut werden muss, die ganze Welt hingegen auf fremde Steine gebaut hat – auf Päpste, Konzilien, Doktoren, auf Lehren und Gebote der Menschen, auf schlechte Gebräuche, welche viele Jahre lang gedauert haben und auf welche leider Gottes noch heutigen Tages manche bauen, auf falsche, großsprecherische Propheten – und den einzigen, edlen und allerpassendsten Eckstein, Jesum Christum, gebenedeit in Ewigkeit, so schändlich verwirft, so kann ich nicht umhin, in diesen meinen Lehren, so weit dieselben getragen, gelesen oder gehört werden mögen, alle gottesfürchtigen Seelen in dem Herrn, welche selig werden wollen, treulich zu warnen und zu ermahnen, doch von Stunde an aufzuwachen, ob es denn dem Fleische zum Leben oder zum Tode gereiche – wie Gott will – und ohne Verzug sich in die liebliche, heilsame Lehre, den Sakramenten, den Gehorsam und das Leben unseres lieben Herrn Jesu Christi zu begeben; denn darin allein ist das ewige Leben, wie schon so oft gesagt worden ist.

Ich kann mich, meine teuersten Leser, nicht genug wundern über die Frechheit, Taubheit und Blindheit der Welt, dass sie sich nicht schämen Christi Namen zu tragen und sich seiner heiligen Verdienste, seines Todes und Blutes so vermessen zu rühmen, während auch nicht das Allergeringste an ihnen gefunden wird, das den guten Willen Christi ausdrückt oder beweist. Sagt ihr unnützen Prahler, wenn ihr die wahren Christen, an welchen Gott sein Wohlgefallen hat, seid, wie ihr meint, wo ist denn euer Glaube, welcher göttliche Gerechtigkeit hervorbringt? Wo ist denn eure christliche Taufe, in welcher ihr eure Sünden begraben und das neue Leben angenommen habt? Wo ist euer wahres Abendmahl, in welchem ihr den Tod des Herrn verkündigt und eure brüderliche Liebe zeigt? Wo ist eure Liebe und Furcht Gottes, eure Nächstenliebe, die Zerknirschtheit eures Herzens, eure Barmherzigkeit gegen die Bedürftigen, euer Gehorsam gegen Gottes Gebote, eure neue Geburt von oben und das aus derselben folgende neue Leben, welches unsträflich vor Gott und der ganzen Welt sein muss, euer wahrer Gottesdienst, nämlich

»die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich von der Welt unbefleckt halten,« (Jak 1,27)

und wo ist das lebendige, heilige und wohlgefällige Opfer eures Leibes (Röm 12,1), welches ihr alle Tage um des Herrn Wahrheit willen opfern müsst? Man findet unter euch gewiss nichts als allerlei Unglauben mit seinen bösen Früchten, eine antichristliche Taufe, ein abgöttisches Abendmahl, eine faule unreine Liebe des Fleisches, Unbarmherzigkeit, Hoffart, Geiz, Ungehorsam in allen göttlichen Sachen, eine fleischliche, irdische und irdischgesinnte Geburt und jenes alte, sträfliche Leben, welches geführt wird nach dem Willen desjenigen, der von Anfang an hoffärtig, lügenhaft, betrügerisch und ein grausamer, blutiger Mörder gewesen ist (Joh 8,44).

Man findet bei euch keinen Gottesdienst, außer einem scheinbaren, äußerlichen, sinnlichen und selbsterdachten, der aus Werken besteht, die für das Fleisch großes Vergnügen in sich haben, wie Glocken, Orgeln, Singen, Feiertage, prunkvolle Kirchen, schöne Bilder, Unterschied in Speisen und Tagen, falsche Reinheit und Verheißungen, das mit dem Munde und nicht mit dem Herzen geübte Herunterlesen von vielen Psalmen und Paternostern, Verfälschung der Sakramente und eine Verstümmelung und Verdrehung alles dessen, was Christus in seinem heiligen Evangelium gelehrt und befohlen hat – was fürwahr keineswegs Werke eines wiedergeborenen Christen, sondern vielmehr des Satans oder des törichten, blinden und unverständigen Fleisches sind. Denn in diesen äußerlichen Werken wird gewiss weder Gottes Wort noch Gerechtigkeit gelehrt, kein Fleisch gekreuzigt, keinem Christen oder Nächsten gedient und nicht das Geringste, das Gottes Wille und Wohlgefallen ist, vollbracht. Darum können sie auch niemals nach der heiligen Schrift Gottesdienst genannt werden, sondern vielmehr ein scheußlicher und schrecklicher Götzendienst. Denn durch solche Mittel wird das einfältige und unverständige Volk von dem rechten Glauben und Vertrauen in Christo Jesu abgebracht und in ein falsches Vertrauen auf Werke geführt, ja, in ein Vertrauen auf solche Werke, hinsichtlich welcher die ewige Weisheit, Christus Jesus gebenedeit, auch nicht ein einziges Wort befohlen hat. Durch solche Werke beweisen sie offenbar, dass sie Christum Jesum in ihrem Herzen für unvollkommen, töricht und unrein halten. Denn würden sie ihn für vollkommen und weise erkennen, wie könnten sie sein vollkommenes Evangelium und seine Verordnung so schändlich verfälschen, verdrehen, verschmähen und bekämpfen? Und erkennen sie ihn als rein, warum suchen sie denn ihre Seligkeit durch solche unreine und fremde Mittel und nicht einzig durch das allein reine Opfer, nämlich durch Jesum Christum, zu erlangen?

Weil aber der wahre Gottesdienst gegen eure Sinnlichkeit, Hoffart, Habsucht, Unreinigkeit, Unmäßigkeit, Eitelkeit und die Gemächlichkeit und Wollust eures bösen Fleisches streitet, so habt ihr euch darum einen unnützen und fremden Gottesdienst erwählt, durch welchen ihr selig zu werden hofft, wiewohl ihr nicht nach den Worten und dem Willen Gottes lebt. Nein, liebe Leser, nein! Ich wiederhole, was ich euch schon vorher gesagt habe: Wenn auch alle Geschöpfe unter dem ganzen Himmel fressende Schwerter, Feuer und Wasser und alle Menschen gräuliche und blutige Tyrannen wären und der Scharfsinn der Gelehrten hoch über die Wolken ragte, so würde dennoch alles vergebens sein. Wenn ihr zum Leben eingehen wollt, so müsst ihr von neuem geboren werden (Joh 3,3); ihr müsst bekehrt und an der Bosheit den kleinen, unschuldigen Kindern gleich sein (1Kor 14,20; Eph 4,14) und alles halten, was von Christo Jesu gelehrt und befohlen ist (Mt 28,20). Hiergegen gibt es weder Rat noch Mittel, denn es wird niemals ein anderer Weg, eine andere Wahrheit oder ein anderes Leben zur Seligkeit gefunden werden, als Christus Jesus.

Es ist gewiss eine große und unvernünftige Blindheit, zu hoffen, dass man mit Geiz, Hass, Neid, Hoffart, Hurerei, Ehebruch, Abgötterei und solchen Werken mehr, selig werden könne, indem doch in der ganzen heiligen Schrift so unwidersprechlich gelehrt und bezeugt wird, dass solche das Reich Gottes nicht ererben werden. Habt ihr auch in eurem ganzen Leben je gefunden, dass Gott lügt? Ich glaube nicht. Der heilige Paulus sagt, er ist ein Gott, der nicht lügen kann (Tit 1,2). Christus Jesus sagt: O heiliger Vater,

»dein Wort ist die Wahrheit.« (Joh 17,17)

Ist er aber ein Gott, der nicht lügen kann, und ist sein heiliges Wort die Wahrheit, so ist mit euch, o ihr Armen, alles verloren. Denn seine Lehre und Wahrheit ist, dass die Ungläubigen, Widerspenstigen, Ungehorsamen, Geizigen, Eitlen, Falschen, Lügner, Hurer, Unmäßigen, Vermessenen, Abgöttischen, Ehebrecher, Ehrgeizigen, Blutgierigen und Fleischlichen nicht in das Himmelreich eingehen werden, sondern dass ihr Teil das ewige Verderben, das ewige Feuer und der ewige Tod sein wird (2Th 1,9; Mt 25,41; Röm 6).

Da ihr denn solche gottlosen, verhärteten und mutwilligen Sünder seid, so seid ihr gewiss durch Christi eigenen Mund, welcher nicht lügen kann und durch die Lehre aller seiner Apostel, welche mit gleichem Geiste gelehrt haben, von der herrlichen Offenbarung der Kinder Gottes und von dem zukünftigen Leben ausgeschlossen und müsst durch Gottes strengen Zorn als elende Speise der Hölle ewig in dem feurigen Pfuhl verbleiben (Offb 21,8).

Hofft ihr aber gleichviel auf die Seligkeit, ohne euch von ganzem Herzen zu bekehren und euer altes verdorbenes Leben zu bessern, so ist dies fürwahr eine vergebliche Hoffnung; denn mit solcher Hoffnung macht ihr Gott zu einem Lügner, indem ihr gegen sein heiliges Wort auf das Leben hofft.

Was meint ihr denn, o ihr verkehrten Menschen, dass man den allmächtigen, weisen und gerechten Gott überrumpeln, blenden und bestechen könne? Meint ihr, dass die ewige Wahrheit um euretwillen ein falscher Lügner werden solle? Nein, liebe Leser, nein, hütet euch, denn das unwidersprechliche Urteil Gottes, von dem nicht appelliert werden kann, ist schon vor mehr als fünfzehnhundert Jahren gesprochen und bekräftigt worden, nämlich: »Wo ihr nach dem Fleische lebt, so werdet ihr sterben müssen.« Dies Wort ist gewiss und wahrhaftig.

O Welt, die du die rufende und lockende Stimme deines Gottes, der so überaus treulich an dir handelt, wie ein treuer Vater an seinen lieben Kindern, als eitel und unnütz verschmähst und mit dem geprunkten Tyrus in deinem Herzen sprichst:

»Ich bin die Allerschönste!« (Hes 27,3)

Und mit dem hochmütigen Babel:

»Ich bin eine Königin ewiglich […] ich werde keine Witwe werden, noch unfruchtbar sein!« (Jes 47,7–8)

Ja, die du, gleich allen Unsinnigen sagst: »Es ist Friede und Freiheit!« – ich rufe dir zu, wie Hesekiel zu Tyrus: Nichts bist du und nichts sollst du sein in Ewigkeit; wie Jesaja zu Babel: Du wirst fallen und nicht wieder aufkommen; und wie Paulus, dass der Tag des Herrn dich überfallen wird wie ein Dieb und gleichwie der Schmerz ein schwanger Weib und wirst nicht entfliehen (1Th 5,3). Und wenn du auch wie Kapernaum bis an den Himmel erhoben wärst, so müsstest du dennoch unversehens bis in die Hölle hinuntergestoßen werden (Mt 11,23). Ihr esst, trinkt, prunkt, rafft zusammen mit Recht und Unrecht und schickt euch in alle Dinge dieser Welt, als ob ihr ewig in dieser fleischlichen, vergänglichen Hütte bleiben würdet, ohne dass ihr je bedenkt, dass in kurzer Zeit zu einem jeden von euch gesagt werden wird: »Tue Rechnung von deinem Haushalten, denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter sein!«

Zudem wird das liebliche Wort der Gnade und des ewigen Friedens, nämlich das allerheiligste Evangelium Jesu Christi, von euch nicht höher als eine ersonnene Fabel, ja, eine verfluchte Ketzerei geachtet; denn ihr ertränkt, verbrennt, verfolgt und ermordet alle diejenigen, welche euch mit diesem Wort lehren, ziehen, ermahnen und strafen wollen und die in der Kraft des Geistes von Gott aus Gnade zu euch gesandt worden sind – gleichwie die verworrene, rasende Synagoge der Juden getan hat, welche nicht nur die auserkorenen Kinder und Männer Gottes, nämlich die heiligen Propheten, sondern auch Gottes eingeborenen Sohn, den der barmherzige Vater in seiner unaussprechlichen Liebe ihnen zur ewigen Seligkeit gesandt hatte, getötet haben. Was sagten sie?

»Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten, und sein Erbgut an uns bringen!« (Mt 21,38)

Wie lange wird doch eure verdammliche Blindheit, eure widerspenstige Hartnäckigkeit und eure verderbliche Raserei dauern? Bedenkt doch einmal in eurem Herzen die reichlichen und unergründlichen Werke der Gnade, welche euch durch Christum Jesum erzeugt worden sind. Solltet ihr euch aber nicht durch die euch erzeugte Liebe bewegen lassen, eurer Abgötterei, eurem Ungehorsam und verfluchtem Leben zu entsagen, dann denkt an sein strenges Urteil, welches er vom Anfang der Schöpfung an, über alle diejenigen hat kommen lassen, welche nicht in seinem gebenedeiten Worte und seinem Gehorsam geblieben sind, auf dass ihr, wenn seine Liebe nichts über euch vermag, doch aus Furcht von allem Bösen abgebracht werden mögt.

Sehe doch die tränenden Augen an, o du unsinnige, elende Welt und höre die betrübte klagende Stimme unseres lieben Herrn Jesu Christi, wie er über das hartnäckige Jerusalem geweint hat und zu ihr sagte:

»Wenn du es wüsstest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen.« (Lk 19,42)

Und an einer andern Stelle:

»Darum siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und derselbigen werdet ihr etliche töten und kreuzigen und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern, auf dass über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abel, bis aufs Blut Zacharias, Barachias Sohn, welchen ihr getötet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch, dass solches alles wird über dies Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Kücken unter ihre Flügel und ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden.« (Mt 23,34–38)

Ach, herzlich geliebte Leser, wenn ihr diese Worte Christi in euren Herzen wohl überdächtet, so müssten alle eure Gebeine aus großer Bangigkeit vertrocknen, schaudern und beben, denn es geht mit euch, gerade wie es mit Jerusalem und Juda gegangen ist. Ihr wollt mit Vorbedacht nicht, dass Christus Jesus über euch sei und die rechte Erkenntnis seiner Wege verschmäht ihr. Ihr wollt tun, wie alle Heiden von Anbeginn getan haben, nämlich, Holz, Stein, Gold, Silber, Brot, Wein und das Werk eurer Hände anbeten, abgesehen von eurem irdischen, fleischlichen, verdorbenen Leben, welches sozusagen nicht in einem einzigen Buchstaben mit dem Wort und dem Willen desjenigen, der euch aus Gnade zu seiner Ehre geschaffen hat, übereinstimmt.

Gewiss, ihr habt Christum Jesum so gänzlich verstoßen und mit Spott von euch getrieben, dass weder Lehre, Sakramente, noch irgendetwas anderes, das mit seinem Worte in Einklang ist, bei euch übrig geblieben ist. Dagegen habt ihr euch nach eurem eigenen Gutdünken Lehren, Sakramente, Zeremonien und Gebote aufgestellt, als ob Christus Jesus, des allmächtigen Vaters einziger Sohn und Weisheit, nicht der rechte Bote wäre. Alle aber, welche euch dieses verdammlichen und tödlichen Irrtums wegen brüderlich ermahnt und liebreich gestraft haben und euch wiederum zu Christo Jesu und seinem gebenedeiten Worte führen wollen, müssen auch sicher in allen Städten und Ländern als aufrührerische Ketzer herhalten und leiden.

Seht, gute Leser, weil ihr euch stets so undankbar gegen seine väterliche Gnade gezeigt habt und noch zeigt, so hat Gott auch seine Barmherzigkeit von euch gewendet und sein gerechtes Urteil über euch ergehen lassen, so dass weder gottesfürchtige Wahrheit, noch rechte Lehre, noch Diakone, noch Evangelium, noch Glauben, noch christliche Taufe, noch christliches Abendmahl, noch christliches Leben, noch Erkenntnis, noch Wahrheit, noch geistliche Weisheit, noch Urteil, noch Bann, noch Liebe, noch Gottesfurcht auf Erden geblieben sind. So ist das Haus, von dem Christus gesprochen hat, bis auf den Grund zerstört und der wohlbereitete Weinberg des Herrn gänzlich unfruchtbar und unnütz geworden, wie der Prophet sagt:

»Wohlan, ich will meinem Lieben ein Lied meines Vetters singen von seinem Weinberge. Mein Lieber hat einen Weinberg an einem fetten Ort. Und er hat ihn verzäunt und mit Steinhaufen verwahrt und edle Reben darein gesenkt. Er baute auch einen Turm darinnen und grub eine Kelter darein; und wartete bis er Trauben brächte. Aber er brachte Herlinge. Nun richtet ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas zwischen mir und meinem Weinberge. Was sollte man doch mehr tun an meinem Weinberge, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn Herlinge gebracht, da ich wartete, dass er Trauben brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich meinem Weinberge tun will. Seine Wand soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde und sein Zaun soll zerrissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüste liegen lassen, dass er nicht geschnitten, noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen; und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine zarte Feser. Er wartet auf Recht, siehe, so ist es Schinderei; auf Gerechtigkeit, siehe, so ist es Klage.« (Jes 5,1–7; Ps 80,9,13; Hl 2,15)

Seht, werte Brüder, wie dies gerechte Urteil zuerst über Israel ergangen ist, so ist es auch über uns gekommen. Denn alles Fleisch hat seinen Weg verderbt, vom Geringsten bis zum Höchsten (1Mo 6,12). Der Himmel ist eisern und die Erde ehern; weder Tau noch Feuchtigkeit, noch reife Früchte werden in des Herrn Weinberg gefunden; es gibt keine Gräber, keine Beschneider, keine Mister; überall ist er verflucht; die Mauern und Zäune sind zerbrochen; verödet steht er da, um von den Menschen zertreten zu werden und Fremde verheeren ihn. Die Heiden sind in das Heilige eingegangen und haben des Herrn Tempel verunreinigt. Unsere Fürsten sind uns reißende Löwen, unsere Väter sind unsere Verräter, die uns weiden, sind unsere Verführer, unsere Hirten sind unsere Wölfe und unsere Wächter sind die Diebe und Mörder unserer Seelen. Man findet nichts als Disteln und Dornen; es ist alles geplündert und geraubt; alles ist zerrissen und zerbrochen, wohin wir uns auch wenden. Dieses alles geschieht aber um unserer Sünden willen, das müssen wir vor unserm Gott bekennen.

Ja, allerwerteste Leser, wie gerecht würden die von Sodom und Gomorra und den andern Städten, welche Gott um ihrer Sünden willen von seinem Angesicht verstoßen hat, gegen uns dastehen, wenn man ihre Übertretungen mit unsern vergleichen wollte; denn wenn man die Sache recht betrachtet, so kann man sich gewiss keine einzige Sünde denken, und sei dieselbe so abscheulich als sie wolle, wie Hoffart, Geiz, Ehebruch, Hurerei, Abgötterei, Verleumdung, Hass, Neid, Unmäßigkeit, Verrat, Mord, Ungehorsam gegen Gott, Widerspenstigkeit, Lügen, Stehlen, Scheinheiligkeit oder irgendeine andere Gottlosigkeit, welche in unserer Zeit nicht noch höher stiege und zunehme, wie man ja vor Augen sehen kann.

Außerdem rechnet diese elende, verirrte, blinde Welt das Fleisch für Geist, die Lüge für Wahrheit, die Sünde für Gerechtigkeit und Satan für Christum. Der Antichrist sitzt im Tempel Gottes (2Th 2) und Pharao waffnet sich wider Israel (2Mo 14). Die mächtigen Wundertaten des Herrn werden nicht gesehen, noch seine Stimme gehört. So sehr hat diese gräuliche Finsternis das ganze Land Ägypten bedeckt. Ich sage noch einmal: So ist das schreckliche Urteil Gottes um unserer Sünden willen über uns gekommen, wie der Prophet sagt:

»Eure Untugenden scheiden euch und euren Gott voneinander; und eure Sünden verbergen das Angesicht von euch, dass ihr nicht gehört werdet. Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Untugend; eure Lippen reden Falsches, eure Zunge dichtet Unechtes. Es ist niemand, der von Gerechtigkeit predige oder treulich richte. Man vertraut auf das Eitle und redet nichts Tüchtiges; mit Unglück sind sie schwanger und gebären Mühe. Sie brüten Basiliskeneier und wirken Spinnwebe. Isst man von ihren Eiern, so muss man sterben; zertritt man es aber, so fährt eine Otter heraus. Ihre Spinnwebe taugt nicht zu Kleidern, und ihr Gewirke taugt nicht zur Decke; denn ihr Werk ist Mühe und in ihren Händen ist Frevel. Ihre Füße laufen zum Bösen und sind schnell, unschuldiges Blut zu vergießen; ihre Gedanken sind Mühe, ihr Weg ist eitel Verderben und Schaden; sie kennen den Weg des Friedens nicht und ist kein Recht in ihren Gängen; sie sind verkehrt auf ihren Straßen; wer darauf geht, der hat nimmer keinen Frieden. Darum ist das Recht ferne von uns und wir erlangen die Gerechtigkeit nicht. Wir harren auf das Licht; siehe, so wird es finster; auf den Schein, siehe, so wandeln wir im Dunkeln. Wir tappen nach der Wand wie die Blinden und tappen, als die keine Augen haben. Wir stoßen uns im Mittage als in der Dämmerung; wir sind im Düstern wie die Toten. Wir brummen alle wie die Bären und ächzen wie die Tauben; denn wir harren auf das Recht, so ist es nicht da; auf das Heil, so ist es ferne von uns. Denn unserer Übertretung vor dir ist zu viel, und unsere Sünden antworten wider uns. Denn unsere Übertretungen sind bei uns, und wir fühlen unsere Sünden; mit Übertreten und Lügen wider den Herrn, und Zurückkehren von unserem Gott; und mit Reden zum Frevel und Ungehorsam, trachten und dichten falsche Worte aus dem Herzen. Darum ist auch das Recht zurückgewichen und Gerechtigkeit ferne getreten, denn die Wahrheit fällt auf der Gasse und Recht kann nicht einhergehen; und die Wahrheit ist dahin; und wer vom Bösen weicht, der muss jedermanns Raub sein. Solches sieht der Herr und gefällt ihm übel, dass kein Recht ist. Und er sieht, dass niemand da ist, und verwundert sich, dass niemand sie vertritt.« (Jes 59,2–16)

Meine Teuersten, so hat Gott der gerechte Richter sein unerträgliches Urteil an dieser bösen Welt vollzogen, obwohl ihr es nicht merkt; denn weil ihr den Sohn Gottes mit Füßen tretet und das Blut des neuen Testaments unrein achtet (Hebr 10,29) und den heiligen Geist der Gnade betrübt (Eph 4,30), so seid ihr in das schreckliche Urteil und in die Hände des lebendigen Gottes gefallen, so dass ihr die Lüge viel mehr liebt denn die Wahrheit (Offb 22,15), die Finsternis mehr denn das Licht und den Tod mehr denn das Leben. Darum hat euch Gott kräftige Irrtümer gesandt und euch sein heiliges Wort, seinen Glauben, seine Erkenntnis und Wahrheit entzogen, so dass ihr weder Licht, noch Weg, noch geistliche Weisheit, noch Gebet, noch Gott, noch Christum, noch Verheißung (Joh 9,31), noch Gerechtigkeit, noch Frieden, noch Gewissensfreiheit, noch innerliche Freude, noch Hoffnung in dieser Welt habt, obwohl ihr euch des Namens des Herrn, seiner Barmherzigkeit, Verdienste und seines Todes und Blutes mit so lautem Munde rühmt. Denn da ihr sagt, dass ihr Gott kennt, dennoch aber ihn weder ehrt noch ihm als Gott dankbar seid, so hat Gott es zugelassen, dass ihr durch eure fleischlichen Gedanken betrogen worden seid und euer törichtes Herz ist verfinstert worden (1Joh 1,6; Joh 1,10; Eph 4,18; Röm 1,21). Zudem wird bei euch die Erkenntnis Gottes nur als ein Spott geachtet und hat euch Gott darum dahin gegeben in einen verkehrten Sinn, zu tun, das nicht taugt. Ihr seid

»voll alles Ungerechten, Hurerei, Schalkheit, Geizes, Bosheit, voll Hasses, Mords, Haders, List, Giftige, Ohrenbläser, Verleumder, Gottesverächter, Frevler, Hoffärtige, Ruhmredige, Schädliche, den Eltern Ungehorsame, Unvernünftige, Treulose, Störrige, Unversöhnliche, Unbarmherzige.« (Röm 1,29–31)

Seht, liebe Leser, auf solche geheimnisvolle Weise straft Gott durch sein gerechtes Urteil; denn auf mancherlei Weise sucht er, der allmächtige Herr, die Welt um ihrer Sünden willen heim – mit Gefängnis, Krieg, Blutvergießen, Dürre, Teuerung, Pestilenz und vielerlei Krankheiten, vor welchen Plagen und Züchtigungen alles Fleisch sehr erschrickt (3Mo 26,16). Doch am schrecklichsten ist Gottes Zorn über uns, wenn er uns sein göttliches Wort entzieht; denn die vorgenannten Plagen, nämlich Pestilenz, Hunger und Schwert strafen weiter nichts als das Fleisch und sind Geißeln zur Besserung, wie der Prophet sagt, mit welchen er züchtigt, auf dass seine Kinder Weisheit erlangen mögen; wenn er uns aber sein Wort entzieht, dann sind wir ganz verloren, denn wenn wir das Wort nicht haben (5Mo 8,3; Mt 4,4), so haben wir fürwahr nichts anderes als Unglauben, Blindheit, Irrtum, Ungehorsam, fleischliches Gutdünken, Bitterkeit, einen unreinen, törichten und hurerischen Geist und den ewigen Tod. Allein wie winzig klein ist die Zahl derjenigen, welche vor dieser jämmerlichen Plage erschrecken und zittern, wie sehr dieselbe auch über sie gekommen sein mag.

Wenn man jemand seine leiblichen Augen ausstechen, die Ohren abschneiden oder ihm das zeitliche Erbteil seines fleischlichen Vaters entreißen wollte, würde ein solcher nicht alle Vernunft, Weisheit und Klugheit anwenden, dieser Pein, Schande, Gefahr und diesem Schaden vorzubeugen? Aber die ganze Welt ist heutigen Tages mit sehenden Augen blind, mit hörenden Ohren taub, lebendig tot und des unendlichen, ewigen Erbteils des barmherzigen, himmlischen Vaters gänzlich beraubt; doch sie fühlen es nicht. Ach, dass sie ihr eigenes Unglück und das Urteil, welches sie sich zugezogen haben, recht erkennen würden, mit welchem Eifer würden sie den suchen, der den Blinden das Gesicht, den Tauben das Gehör und den Unwissenden die wahre Weisheit gibt, nämlich Christum Jesum (Ps 94,9; Apg 17,23).

Aber das geschmückte Weib hat euch dermaßen bezaubert und der Geist geistlicher Hurerei hat euch so unter Flügeln gehalten, dass ich in meinem Herzen sehr befürchte, dass der gräuliche Unglaube, die Finsternis, Blindheit, die Lügen und die Raserei niemals aus eurem Herzen kommen werden, sondern dass der Zorn Gottes bis ans Ende über euch bleiben wird (Joh 3,36) und ihr in diesem irdischen Leben, wie die Blinden, ohne jegliche Gottesfurcht von einer Unreinigkeit zur andern irren werdet (Offb 22,11), bis zur Zeit, da wir vor dem gerechten Richter gestellt werden (Röm 14,10), wo ein jeglicher Lohn nach seinen Werken empfangen wird (2Kor 5,10). Alsdann werden eure unseligen, blinden, verfinsterten Augen zu spät geöffnet werden und ihr mit schwerem Seufzen und fruchtloser Reue erkennen, dass ihr euer ganzes Leben lang nicht in den Wegen der ewigen Gerechtigkeit dem ewigen Leben, sondern auf finstern Wegen dem ewigen Tode zugewandelt seid. O Jammer, wo werdet ihr euch dann vor dem Zorne Gottes verbergen? Dann werdet ihr vor Bestürzung und Schrecken rufen:

»Ihr Berge bedeckt uns und ihr Hügel, fallt über uns!« (Hos 10,8; Lk 23,30; Apg 9,6)

Denn dann wird es kein Beten, keine Barmherzigkeit, noch einen Platz der Reue und Besserung für die Unseligen mehr geben, sondern der fürchterliche und schreckliche Urteilsspruch des gerechten Gottes gegen alle bösen, ungläubigen, mutwilligen und ungehorsamen Sünder, nämlich:

»Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!« (Mt 25,41)

, wird dann in seinem vollen Umfange nach in Kraft treten. O wie gut wäre es alsdann für solche, dass sie nie geboren wären.

Darum werde ich mein ganzes Leben lang nicht aufhören, so weit Gott der barmherzige Vater in seiner unergründlichen Güte mir Verstand, Geist, Gnade und Weisheit gibt, diejenigen, welche die rechte Wahrheit suchen, sowohl mit Mund als Schrift zu lehren und zu ermahnen, auf dass sie zur rechten Zeit aufwachen und den Herrn suchen, weil er zu finden ist und ihn anrufen, weil er nahe ist (Jes 55,6), damit ihre Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz, und ihr Heil entbrenne wie eine Fackel (Jes 62,1), welches nichts anderes ist, als das Ablegen der Werke der Finsternis und das Anlegen der Waffen des Lichts (Röm 13,12), nämlich, aller falschen Lehre, falschen Sakramenten, falschen Gottesdiensten und dem ungeziemenden, unehrbaren, fleischlichen Leben zu entsagen und sich wiederum zu begeben in die rechte gottselige Lehre, die evangelischen Sakramente, die Dienste und Werke der Liebe und in das wahre christliche Leben, wie solches von Christo Jesu unserm einzigen Erlöser und Hirten nach seines Vaters Willen gelehrt, eingesetzt, geübt und gelebt worden ist.

Also ist mein Trachten und Arbeiten nach der geringen Gabe, welche Gott mir gegeben hat, nach nichts anderem gerichtet (dessen Gott mein Zeuge sei), als dass der klare Morgenstern, Christus Jesus gebenedeit, das ewige, scheinende Licht, in den Herzen aller Menschen aufgehen und sie erleuchten möge in allerlei göttlicher Wahrheit, Erkenntnis, geistlichem Verstande und Weisheit, zum ewigen Leben, Amen.

Meine teuersten Leser, wer ihr auch sein mögt, Herren, Fürsten, Gelehrte oder Ungelehrte, hiermit bitte ich euch, diese und auch alle meine andern Schriften mit einem reinen, gottesfürchtigen Gewissen durchzulesen und ich zweifle nicht, dass ihr ganz klar finden werdet, dass unsere Lehre, welche die wahre Lehre Jesu Christi und seiner Apostel ist, nicht auf Meuterei, tödliche Zwietracht, Verrat und Aufruhr hinausläuft, sondern vielmehr zu wahrer christlicher Liebe, Einigkeit und Frieden führt; denn Christus Jesus, der von uns gepredigt wird, ist der rechte und wahre Fürst des ewigen Friedens und nicht der hässlichen Zwietracht (Jes 9,6). Sagt doch, wen haben wir verkürzt, wen haben wir geschädigt! Wir suchen von ganzem Herzen nichts anderes, als aller Menschen Seligkeit zu fördern, nicht nur mit unserm Hab und Gut, Gold, Silber und Arbeit, sondern auch (versteht es auf evangelische Weise) mit unserm Blut und Tod.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Würden alle Herren und Fürsten samt allen ihren Untergebenen, die sich des Namens Christi rühmen, die angewiesene Lehre Christi als recht und gut erkennen und wären gesinnt, gemäß der Lehre, des Lebens und des Geistes Christi, dann wäre es nicht nötig, Städte und Burgen zu ummauern, Reiter und Fußknechte zu halten und tödliche Waffen, wie Büchsen, Schwerter und Spieße machen zu lassen. Ich rede hier nicht von dem Schwert der Gerechtigkeit, welches zur Bestrafung der Bösen und Beschirmung der Guten gegeben ist (Röm 13,1; 1Pt 2,13; Tit 3,1). Es würde dann sein, wie der Prophet sagt, nämlich:

»Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen, und ihre Spieße zu Sicheln machen […] und werden nicht mehr kriegen lernen. Ein jeglicher wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen.« (Mi 4,3; Jes 2,4)

Denn es ist unmöglich, dass diejenigen, welche sich in die Lehre, das Leben, den Leib und die Gemeinde Christi begeben haben und darin verbleiben, irgendetwas anderes tun, suchen und begehren, als göttliche Liebe, Frieden und Einigkeit, alles Böse zu unterdrücken und alles Gute zu unterstützen, wie dies in Christo Jesu zu geschehen sich gebührt. Doch von den falschen Propheten, den falschen, verdorbenen Sekten, die in viel gottlosen Händeln die Lehre, Regel und das Maß Christi verlassen, wollen wir nichts wissen.

Hiermit seid dem Herrn befohlen, o ihr treuen Leser. Urteilt selber mit des Herrn Wort, ob ich euch die gründliche Wahrheit unseres lieben Herrn Jesu Christi durch des Herrn Gnade nicht recht angewiesen habe. Gnade, Friede, Barmherzigkeit, wahre Erkenntnis und das ewige Leben sei mit allen, welche Christum Jesum in Wahrheit lieben. Amen. Verbergt auch Gottes Preis nicht, sondern lasst alle, welche mit Fleiß und Eifer solches von euch suchen und verlangen, lesen und hören.

Meine lieben Brüder, weicht nicht von der Lehre und dem Leben Christi.