20  Ein Brief Menno Simons

Meinen treuesten Brüdern in Christo sei Gnade und Friede

Besonderes habe ich euch nicht zu schreiben, als dass ich gerne hätte, dass ihr mir schriebet, wie weit ihr mit der Erwählung der Brüder im Wasserhorn, namentlich mit der von Lebe Pieters, gekommen seid – nicht dass ich Lebes Erwählung zu verhindern wünsche, sondern ich hätte ihn gerne noch gesprochen, ehe er in den vollen Dienst tritt; denn meine Seele lässt sich nicht beruhigen über den Handel, den man vergangenes Jahr mit mir geführt hat. O mein Bruder Rehn! Könnte ich nur einen halben Tag mit dir sprechen und dir meine Betrübnis, Schmerzen, mein schweres Herzeleid, sowie auch die tiefe Sorge, in der ich in Betreff der Zukunft der Gemeinde stehe, mitteilen, welch wohltuendes, weiches Wundpflaster würde dies meiner bekümmerten Seele sein! Nun aber muss ich es ganz allein hinunterschlucken und in mir selber verzehren. Wenn der starke Gott der Kräfte mich vergangenes Jahr nicht bewahrt hätte, wie er auch jetzt noch tut, ich hätte schon längst den Verstand verloren. Denn es gibt auf der Erde nichts, das mein Herz so liebt, wie die Gemeinde; dennoch aber muss ich diesen schweren Jammer an ihr erleben. Ich denke vieles – wenig aber sage und schreibe ich. Helft mir bitten, dass ich Erquickung finden und einen gnädigen Ausgang bei allen bekümmerten Seelen sehen möge. Meine Brüder, hütet euch vor Zwietracht, jagt der Liebe und Einigkeit mit ganzem Herzen nach, sucht beständig den Umgang der Friedfertigen, gebraucht wenig Worte und zeigt euch in allen euren Wegen als die aus Gott Gebornen. O auserwählteste Brüder, kommt mir doch in meiner schweren Betrübnis mit euren inbrünstigen Gebeten zu Hilfe. Ich bitte euch um Jesu willen, lasst meine Betrübnis bei euch begraben bleiben oder wenn ihr mit jemand davon sprechen wollt, so wisst zuvor, mit wem ihr redet. Wenn alle Herzen rein und alle Zungen mit Salz durchwürzt wären und alle im verflossenen Jahre begangenen Fehler aufrichtig nach der Wahrheit bekannt würden, wie bald sollte man mich einen fröhlichen Mann finden. Nun, der Herr wird mein Tröster sein. Könnte doch die arme Gemeinde recht gerettet werden! O lasst uns beten, meine Brüder! Dass ich meinem geheimen Bruder in meinem Letzten von den jährlichen sechzig Talern geschrieben habe, geschah nicht, um euch zu ärgern, sondern ich habe es nur geschrieben, weil ich mich frei dazu fühlte, da ich dieselben jährlich wohl benötige. Der barmherzige Herr, mein treuer Vater, wird mir dieselben nach seinem Willen schon besorgen. Er weiß wo. Grüßt die Frommen mit des Herrn Frieden. Meine Töchter lassen euch grüßen. Der Gott aller Gnade sei mit euch, meinen allerliebsten Brüdern, und mit allen Frommen in Ewigkeit, Amen. Sollte man mir etwas zu meiner Notdurft senden, so tue man solches bei der ersten Gelegenheit, denn die Schlachtzeit ist vor der Türe und es ist wenig vorhanden, um damit einzukaufen. O meine Brüder, haltet es mir zum Besten, denn die Not drängt mich. Menno Simons, der Krüppel und der euch lieb hat, den 1. September.