16  Ein Trostbrief Menno Simons an eine betrübte Witwe

Gnade und Friede und freundlicher Gruß an dich, meine herzlich geliebte Schwester in dem Herrn, welche meine Seele lieb hat. Da dich denn der barmherzige Herr zum Witwenstande berufen hat, so ist meine väterliche, treue Ermahnung an dich, als mein geliebtes Kind, dass du doch so mögest wandeln, wie es den heiligen Frauen ziemt und, gleich der frommen Prophetin Hanna, dem Herrn Tag und Nacht in seinem heiligen Tempel, das ist in seiner Gemeinde, oder in einem neuen, aufrichtigen Gewissen mit Fasten und Beten dienen und das an den bedürftigen Heiligen tun, was die fromme Witwe von Sarepta in Zidonien in jener trockenen und teuren Zeit an dem treuen Elia tat, als sie ihn in ihr Haus aufnahm und ihn mit ihrem Bischen Mehl und Öl speiste. Dann wird auch dem Gad deines Gewissens das Mehl des heiligen, göttlichen Wortes und deinem Geist das freudenreiche Öl des heiligen Geistes niemals fehlen. Und ob der neue Sohn deiner geistlichen Geburt auch manchmal ein wenig krank wird und durch die Schwäche deiner Natur als Witwe für eine kurze Zeit den Atem verliert, so wird ihn doch unser wahrer Elia, Jesus Christus, durch seine Gnade wiederum auferwecken und ihm frohen Mut machen, da du ihn in seinen Gliedern aufnimmst und ihm Liebe und Dienst erzeigest, wie die heilige Schrift lehrt.

Mein liebes Kind, verstehe mich recht, ich rede von den bedürftigen Heiligen und nicht weiter. Diejenigen, welche selbst genug haben, bedürfen deiner Handreichung und deines Dienstes nicht. Die wahren Christen sollten einander nicht mit unnötigen Ausgaben beschweren. Meine liebe Schwester! Wandle klüglich, fürchte deinen Gott von Herzen, kreuzige dein Fleisch mit seinen Lüsten und widerstehe dem Feind und allen seinen Lockungen. Halte dich in allen Dingen fromm und bringe niemand unvorsichtigerweise in Verlegenheit. Walte deiner Arbeit, deiner Haushaltung und deiner Kinder mit Fleiß. Meide mit Sorgfalt alle Unkeuschheit, unnützes Geschwätz, Prahlerei und Eitelkeit; fasse den festen Entschluss, nicht durch des Fleisches Lüste so getrieben zu werden, dass du jenen Witwen gleich werdest, die ihren ersten Glauben verloren und sich umgewandt hatten und dem Teufel nachfolgten, wie Paulus sagt, wovor der barmherzige Vater dich ewiglich behüten möge. Empfange diesen kurzen Gruß, den ich aus väterlicher Treue dir geschrieben habe, mit Liebe und denke fleißig darüber nach. Die Heiligen, die bei mir sind, grüßen dich. Grüße alle frommen Freunde. Bete für mich. Und die ewige, seligmachende Kraft des roten Blutes Christi sei mit dir, meiner auserwählten, sehr geliebten Schwester, in Ewigkeit, Amen.

Dein Bruder, der dich lieb hat, Menno Simons. Geschrieben am 18. Mai.