2.90  Der Gruß.

Gnade, Friede und Barmherzigkeit von Gott, unserem himmlischen Vater und Jesu Christo, unserem Herrn und Seligmacher, sei mit allen denen, die gottselig in Christo Jesu leben und darüber Verfolgung leiden, zum Preise und zur Ehre des gerechten Gottes, zur Bewahrung ihres Glaubens und ihrer Seelen ewiger Seligkeit. Amen.

Gesegnet müsse sein Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der durch seine grundlose Gnade und Barmherzigkeit uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Lichte berufen und sein Angesicht noch täglich über uns leuchten lässt, damit wir seinen Weg auf Erden und seine Seligkeit unter den Heiden erkennen möchten; ja es müsse gesegnet und gepriesen und verherrlicht sein Gott, unser gesegnetster Herr und barmherzigster Vater, der uns durch seine unaussprechliche Güte und nicht um der Verdienste unserer Werke willen, durch Jesum Christum zur Kindschaft erwählet hat, damit wir Erben seines ewigen Reiches sein und alles als rechte Kinder und Erben Gottes, Kinder Gottes und Miterben Christi besitzen sollten, wenn wir anders den Willen Gottes, unseres himmlischen Vaters tun, damit wir mit ihm verherrlicht werden und mit ihm in seine Herrlichkeit eingehen mögen; denn es ist ein wahrhaftes Wort, was Christus sagt: Es werden nicht alle, die zu mir sagen, Herr, Herr, in das Himmelreich eingehen, sondern die den Willen meines Vaters im Himmel tun; nun aber ist es der Wille meines himmlischen Vaters, dass wir uns selbst verleugnen, unser Kreuz auf uns nehmen und Jesu Christo nachfolgen sollen. Zum Ersten müssen wir uns selbst verleugnen, das ist, wir müssen unsern eigenen Willen verlassen und uns Christo Jesu gänzlich übergeben, so dass wir, nach den Worten des Apostels, uns selbst nicht mehr leben, sondern Jesu Christo, der für uns gestorben ist, damit er ein Herr über Tote und Lebendige sei, und dass niemand sich selbst, sondern dem leben soll, der für ihn gestorben und auferstanden ist. Ach, Herr Gott! Wie wenig Menschen wollen sich selbst also verleugnen und begehren allein den Willen Gottes zu tun, ja wie viele Menschen wissen nicht, welches der rechte Wille Gottes sei, sondern sie halten sich an die Lehre und Gebote des römischen Papstes und des Antichristen, und sind in solchem Zustande, dass sie Jesum Christum nicht erkennen, der doch, nach seinem wohlgefälligen Willen, ihren Sinn erleuchten und mit dem Glanze seiner Gnade die Augen des Verstandes vor dem allmächtigen Gotte öffnen muss, damit sie aus solcher Verblendung zum wahren Lichte gelangen und mit allen Heiligen erkennen mögen, worin die Schalkheit und Zauberei der babylonischen Hure bestehe, und wie man die Lehre und Gebote Christi Jesu allein halten müsse; ja wir müssen den Lehren und Geboten Jesu Christi allein folgen und sie bewahren; denn es ist uns keineswegs erlaubt, nach unserem eigenen Willen zu leben, sondern wir sollen betrachten, dass Christus Jesus seinen eigenen Willen nicht getan habe, sondern den Willen seines Vaters, der ihn gesandt hat, welches zu unserer Lehre und Ermahnung geschehen und geschrieben ist, dass wir nicht unsern Willen, der um der angeborenen Bosheit der verdammten Naturen willen zum Bösen geneigt ist, sondern den wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes tun, damit wir recht bitten (wie Christus gelehrt hat) und sagen mögen: Himmlischer Vater, Dein Wille geschehe hier auf Erden, gleichwie im Himmel. Wie viele Menschen sagen dieses aber mit bösem Herzen und falschen Lippen, ja wie Judas zu Christo sagte: Sei gegrüßt, Meister (Mt 26,46), und dabei hat er Ihn verraten; in eben dieser Weise sagen sie mit dem Munde, es soll der Wille Gottes geschehen; sie sind aber daneben in ihren Gedanken und Werken dem Willen Gottes zuwider. Dieses sind die rechten falschen Christen, die zu Christo Jesu sagen: Herr, Herr, die aber gleichwohl nicht tun was er ihnen geboten hat. Dies sind die rechten Pharisäer die verstellten Heiligen, die mit den Lippen Gott ehren, deren Herz aber weit von Ihm entfernt ist; dieses sind die rechten Ungläubigen, von welchen der heilige Paulus sagt, dass sie mit ihren Worten bekennen, dass sie Gott kennen, die aber mit den Werken Ihn verleugnen; darum sind sie ein Gräuel vor dem Herrn, weil sie Ihm ungehorsam und zu allen guten Werken untüchtig sind; ja dies sind die rechten Heuchler, die Jünger des betrüglichen Satans, welche von ihrem Meister gelernt haben, sich nach ihrer inwendigen Schalkheit in eine schöne Gestalt zu verstellen; verfluchen und verstoßen wird der Herr in Ewigkeit solche Heuchler und wird zu ihnen sagen: Gehet von mir, ihr Übeltäter, ich kenne euch nicht; aber segnen wird er frommen Christen, ja er wird die guten und aufrichtigen Jünger Christi segnen und verherrlichen, die sich selbst verleugnen und sich Gottes Willen aufgeopfert haben, worin der rechte Anfang des christlichen Lebens besteht und ohne welches man kein Leben anfangen kann. Zweitens müssen wir unser Kreuz aufnehmen, nämlich: Wir müssen uns zum Leiden schicken, nach der Lehre Jesus Sirach, welcher also sagt: Mein Sohn, willst du Gottes Diener sein, so schicke dich zur Anfechtung, sei standhaft und leide, und laß dich nicht bewegen, wenn man dich davonlockt; halte dich an Gott und weiche nicht, auf dass du ja stark werdest; leide alles, was man dir zufügt, und sei gnädig in allerlei Trübsal; denn gleichwie das Gold und Silber im Feuer geläutert wird, so werden auch diejenigen, die Gott gefallen, in der Erniedrigung und Betrübnis probiert. Hiermit kommt überein, was Paulus sagt: Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu müssen Verfolgung leiden; ja Christus sagt selbst zu seinen Aposteln: Ihr werdet um meines Namens willen von allen Menschen gehasst werden. Aus allen diesen Worten muss ja unwiderleglich folgen, dass alle Diener Gottes, alle gottseligen Menschen, alle Jünger Jesu Christi um seines Namens willen Verfolgung leiden und durch mancherlei Versuchungen geprüft werden müssen. Darum ist es eine abscheuliche Blindheit, man rühmt sich des Evangeliums und des Christentums, und weiß auch wohl, was zu einem christlichen Leben gehört; dass man aber um des Namens Christi willen etwas leiden müsse, ach, daran wird am wenigsten gedacht; ja wenngleich sie erkennen und bekennen, dass alle Werke, die man in der päpstlichen Verwüstung treibt, böse und nichts als eine Gotteslästerung sind, so haben sie doch damit Gemeinschaft und treiben die allerschändlichste Abgötterei, damit sie das Kreuz vorbeigehen und desselben entübrigt sein mögen, während doch alle frommen Christen sich dieses Kreuzes rühmen, und gleichwohl will man ein guter Christ sein.

O der Schalksknechte! O der schalkhafte Jünger! Schalksknechte sagen wir, denn sie wollen über ihrem Herrn Jesum Christum sein; böse Jünger sagen wir, denn sie verwerfen und verschmähen die Lehre ihres Meisters Jesu Christi. O Volk, Volk! Spötter des allmächtigen Gottes, die mit ihrer Heuchelei Gott zu betrügen und ihn mit Worten auszuzahlen gedenken; sie gedenken aber nicht an die Worte Paulus: Dass das Reich Gottes nicht in Worten, sondern in der Kraft bestehe. O Volk! Rechte Heuchler, die sich einbilden, sie dienen Christo, aber wie weit sind sie davon entfernt, dass sie mit dem frommen und getreuen Diener Christi Paulus sollten sich allein in dem Kreuze Christi rühmen wollen. O elendes Volk, das lieber eine kleine Zeit mit der babylonischen Hure im Frieden und Wollüsten leben und nachher in der ewigen Pein mit ihr gequält werden, als hier mit Christo Jesu eine kleine Zeit leiden und dadurch in die ewige Herrlichkeit eingehen will. Ach, die wahren Heiligen und Knechte Gottes haben anders getan, welche lieber den Tod haben leiden, als Gottes Gebote übertreten wollen. Ach der fromme Joseph wollte lieber ins Gefängnis, ja in den Tod gehen, als Gott seinen Herrn erzürnen und mit dem ehebrecherischen Weibe Ehebruch treiben; Mose, der ernstliche und eifersüchtige Liebling Gottes, erwählte durch seinen Glauben, mit dem Volke Gottes lieber Ungemach zu leiden, als in den fleischlichen und weltlichen Wollüsten mit den Ägyptern zu leben und achtete die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens, denn er sah auf die Belohnung. Sadrach, Mesach und Abednego fürchteten Gott, den Herrn, mehr als alle Pein des tyrannischen Königs und wollten lieber des zeitlichen Todes sterben und bei ihrem Gotte bleiben, als denselben verleugnen. Daniel, reich im Geist und stark im Glauben, erschrak nicht vor der Löwengrube und wollte lieber hineingeworfen werden, als (außer Gott) einen fremden Gott anbeten. Der gute Tobias wollte lieber des Königs Befehl auch mit Gefahr seines Lebens übertreten, als Gott seinen Herrn verlassen; deshalb hat er auch seinem Sohne befohlen, dass er Gott lebenslänglich fürchten und nimmermehr in die Sünde willigen oder die Gebote Gottes, seines Herrn, übertreten sollte. Eleazar, der fromme Israelit, wollte lieber für das Gesetz Gottes sterben, als dagegen handeln oder heucheln und dadurch in Israel Ärgernis anrichten. Die Mutter und ihre sieben Söhne waren so feurig in der Liebe Gottes, dass sie auch alle Tyrannei des gottlosen Königs nicht fürchteten, noch gegen Gottes Gesetz handeln, sondern statt dessen lieber einen harten Tod leiden wollten; ja viele Heiligen und Zeugen Jesu Christen werden noch jetzt von der babylonischen Hure gehasst, verfolgt und umgebracht, weil sie von dem Weine ihrer Hurerei nicht trinken, oder mit ihren abgöttischen Werken Gemeinschaft haben wollen. Darum mögen sich alle verstellten Scheinheiligen und alle heillosen Heuchler wohl schämen, die sich des christlichen Namens rühmen und doch um des Namens Christo Jesu willen nichts leiden wollen; darum durfte Christus wohl zu ihnen sagen: Bin ich euer Herr, warum tut ihr meinen Willen nicht? Bin ich euer Meister, warum hört und glaubt ihr meinen Worten nicht? Wohlan, lasst alle Heuchler, falschklugen, treulosen Knechte und unwahren Jünger Jesu Christi von ihrem Herrn und Meister weichen; wir hoffen doch, durch Gottes Gnade, bei Christo zu bleiben, und sind bereit, um seinetwillen zu leiden, weil er um unseretwillen gelitten hat. Aber er hat gelitten als der Herr, wir aber als die Jünger, darum müssen wir, als Knechte und Jünger des Kreuzes, dasselbe nicht mit Widerwillen tragen, weil unser Herr und Meister dasselbe getragen hat. Drittens müssen wir Jesu nachfolgen, nicht aber, wie viele Juden taten, die ihm nachfolgten, weil sie von den Broten gegessen hatten, was leider noch viele falsche Christen tun, welche sich zur christlichen Gemeinde begeben, nicht in dem Sinne Christum Jesum recht zu suchen, oder weil sie Liebe zur Wahrheit haben, sondern, weil sie von der Gemeinde (welche sie vor allen andern mitleidig finden) Christi Hilfe und Nahrung zu erlangen hoffen. Wenn man aber Christo also nachfolgt, so wird Gott nur damit gespottet; auch will Christus dergleichen Nachfolger nicht haben, wie wir solches klar an dem Schriftgelehrten verstehen und bemerken können, welchen Christus von sich gewiesen, weil er ihm aus Geiz nachfolgen wollte; denn der Herr erkannte das Herz des Schriftgelehrten, darum antwortete er ihm nicht auf seine Worte, sondern auf seine Gedanken und sprach: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er Sein Haupt hinlege; gleichsam als hätte Jesus sagen wollen, willst du mir nachfolgen, so folge mir auf eine solche Weise, wie ich dir vorgehe; denn Christus verstand seine Gesinnung sehr wohl, nämlich, dass er ihm um des Gewinnes willen nachfolgen würde und gedachte, Christus würde ihm Macht geben Wunderzeichen und Mirakel zu tun, welche er seinen Aposteln gegeben hatte, woraus er seinen Nutzen hätte suchen mögen; aber solcher Vorsatz ist nicht gut, und kann nicht geschehen, denn der Herr ist auch arm gewesen, wie er selbst bezeugt: Da ich, der Herr und Meister, arm bin, so ist es offenbar, dass meine Knechte auch arm seien, und meine Jünger keinen Reichtum suchen oder begehren; gleichsam als hätte der gute Herr sagen wollen: Wer mir nachfolgen will, der muss mir in solcher Armut nachfolgen, wie ich ihm vorgehe. Aber ach, viele Menschen meinen heutzutage, dass die Gottseligkeit ein Gewinn sei, wie Paulus sagt, und suchen unter dem Scheine des Evangeliums und des christlichen Namens ihren eigenen Gewinn. O, welche verkehrte Menschen, die nicht auf dem rechten Wege wandeln wollen, sondern auf dem Wege des Verräters und Diebes Judas, welcher den Lohn der Ungerechtigkeit liebte, als er die grausame Strafe seiner Bosheit empfing, wie einem jeden wohlbekannt ist. O welche verblendete Menschen, die nicht darauf merken können, wie Ananias und Saphira um ihrer Falschheit willen von Gott schnell beschämt und gestraft worden seien, womit Gott, der allmächtige Herr, uns ohne Zweifel ein Beispiel gegeben, dass alle verstellten und doppelherzigen Menschen auch auf gleiche Weise beschämt und gestraft werden sollen, wie wir bei dem Jesus Sirach finden: Wehe denen, die doppelherzig sind, den bösen Lippen, welche im Lande wandeln, wo zwei Wege sind; darum lehrt uns auch der weise Mann, dass unser Herz aufrichtig, ohne allen Betrug und Heuchelei sein soll, und sagt: Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei, und diene ihm nicht mit falschem Herzen, suche nicht Ruhm bei den Leuten durch Heuchelei, und siehe zu, was du redest, glaubst oder vorhast; und wirf dich selbst nicht auf, dass du nicht fallest und zu Schanden werdest, und der Herr deine Tücke offenbare und stürze dich öffentlich vor den Leuten, weil du nicht in rechter Furcht Gott gedient hast und dein Herz falsch gewesen ist.

Ach, dass doch alle Heuchler die Worte Jesus Sirach mit Ernst zu Herzen nehmen und sich bessern wollten, ehe sie von Gott beschämt und gestraft werden, was allen Doppelherzigen, obschon nicht jetzt, doch gewiss am Tage des Gerichts widerfahren wird, wenn die Gottlosen nicht im Gerichte und die Sünder nicht in der Gemeinde der Gerechten bleiben werden. Alsdann wird Christus ans Licht bringen, was nun in Finsternis ist und die Ratschlage der Herzen offenbaren; ja er wird die Wurfschaufel in seine Hand nehmen und seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheuer sammeln, die Spreu aber mit unauslöschlichem Feuer verbrennen; darum hüte sich ein jeder vor der Heuchelei und folge Christo Jesu aufrichtig nach, wie es sich gebührt, nicht wie die Juden, um des Brotes willen, oder mit dem Schriftgelehrten aus Geiz, aber, o ihr Christen, folgt Christus, eurem Herrn und Meister, mit einem reinen Herzen, mit einem reinen Gewissen, ungefärbtem Glauben und mit einer feurigen Liebe ohne Abweichen nach. Diejenigen aber, die Christo Jesu auf eine andere Weise nachfolgen, sind unter den guten Christen, was die Spreu unter dem Weizen, und ihr Ende wird das ewige Feuer sein, wovor uns der allmächtige Vater durch Jesum Christum behüten wolle. Ferner müssen wir Christo Jesu aus einer feurigen Liebe bis ans Ende nachfolgen, und nicht tun, wie einige seiner Jünger taten, welche ihn verließen und sich an seinen Worten ärgerten und sagten: Das ist eine harte Rede, wer kann sie hören? Ach, wie viele Menschen wollen noch jetzt die heilsamen Worte unseres Herrn Jesu Christi nicht hören, ja wenn man ihnen sagt, dass Christus Jesus allen seinen Knechten und Jüngern Trübsal und Leiden verheißen hat, so wollen sie von Sinnen kommen, und sagen aus einem steinernen Herzen und erbitterten Gemüte: Soll man immer leiden? Soll man stets verfolgt werden? Das ist eine harte Rede, wer kann sie hören! Ach Gott, wie ist der süße Honig in dem Menschen also in Galle verwandelt worden, und der klare Wein in bitteres Wasser. Ach, wie ekelt ihnen vor dem edlen himmlischen Brote, wie ist ihnen die ewige Arznei, womit alle Seelen geheilt werden müssen, zum tödlichen Gifte geworden, und wie verachten die Menschen, die Gottes Wort nicht glauben, noch die heilige Lehre unseres Herrn Jesu Christi annehmen wollen, das tröstliche Evangelium, welches uns durch den Heiligen Geist vom Himmel gesandt ist und welches Christus mit seinem eigenen teuren Blute versiegelt hat; kommt aber ein verlogener Prophet und Gesandter, welcher vom zeitlichen Frieden und Glück weissagt (wenngleich nichts daraus wird), so wird derselbe gehört, und der gute Herr Jesus Christus, der uns den ewigen Frieden seines himmlischen Reiches verheißen, wird von niemandem angehört.

Also geschieht es nun, was Jesu zu den Pharisäern sagte: Ich bin in meines Vaters Namen gekommen, und ihr nehmt mich nicht an, wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommen wird, den werdet ihr annehmen. Ja, viele handeln jetzt wie die aufrührerischen und ungläubigen Israeliten handelten, welche Gott den Herrn verließen, der sie aus Ägyptenland erlöst hatte und andere Götter zu Vorgängern und Beschützern verlangten; ebenso verlassen nun auch viele Christen Jesum, welcher sie aus der Tyrannei und Gewalt des Satans befreit und aus der Löwen Rachen erlöst hat, die sie zerreißen, ja die, um sie zu vertilgen, mit ihnen auf den Weg der ewigen Verdammnis gerannt waren; solche hat Christus damals erlöst und sie wieder auf den Weg der ewigen Seligkeit gesetzt. Viele Menschen verlassen nun den guten Hirten, welcher sein Leben um unseretwillen nicht geschont, sondern dasselbe aus großer Liebe, die er zu uns hatte, in den Tod dahingegeben hat, und verlassen sich auf Menschen, von welchen doch der Prophet sagt, dass ihre Hilfe nichtig sei und sie ihnen nicht helfen können, denn ihr Geist muss ausfahren und wieder zur Erde werden, und dass alle Ratschläge derer verloren seien, die sich auf Menschen verlassen und den falschen Propheten nachfolgen, welche an der Ungerechtigkeit Lust haben. Darum müssen alle Christen sonst niemandem nachfolgen, als Jesu Christo, welcher, wie Paulus sagt, für uns gelitten und uns ein Beispiel gegeben hat, wie wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen. Dasselbe bezeugt auch Paulus mit diesen Worten: Lasset uns die Sünde ablegen, die uns immer anklebt und träge macht, und lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampfe, der uns verordnet ist und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher, da er wohl hätte Freude haben mögen, das Kreuz erduldete und zur Rechten auf dem Stuhle Gottes gesessen. In diesen Worten der Apostel können wir wahrnehmen, dass wir Christo Jesu nachfolgen und auf ihn sehen sollen, als auf den Herzog des Glaubens, auf den Bischof und Hirten unserer Seelen, ja als auf den guten Herrn und Meister, welcher allen seinen Knechten und Jüngern ein Beispiel gegeben, dass sie ebenso leiden müssen, wie er gelitten hat; aber, ach Gott, wie viel hat Christus leiden müssen, denn er ist um unseretwillen so arm geworden, während er doch ein Herr des Himmels und der Erde war, dass er auch nichts hatte, worauf er Sein Haupt zur Ruhe niederlegen konnte; er hat sich, der doch eine göttliche Gestalt hatte, erniedrigt und die Gestalt eines Knechtes angenommen, damit er uns dienen möchte und hat sein Leben, um uns zu erlösen, dahin gegeben; ja, obgleich er die ewige Weisheit des Vaters war, welcher alle Dinge mit dem Worte seiner Kraft regiert, so musste er doch hören, dass ihn die Pharisäer einen Schmeichler und Betrüger, einen Sünder, ja einen besessenen und rasenden Menschen nannten und noch andere Gotteslästerungen, Verschmutzungen und Verspottungen sich erlaubten; in kurzen Worten, obgleich er der eingeborene Sohn Gottes des allmächtigen Vaters war, musste er dennoch als ein Übeltäter angesehen werden und des allerbittersten Todes sterben; darum konnte Jesaja wohl von ihm sagen: Er hatte keine Gestalt noch Schönheit, wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte; er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit, er war so verachtet, dass man auch das Angesicht vor ihm verbarg, darum haben wir ihn nicht geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen, wir hielten ihn für den, der geplagt und von Gott zerschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen, darum konnte er wohl sagen: Ich muss bezahlen, was ich nicht geraubt habe, denn um meiner Freunde willen leide ich Schmerzen; Schmach bedeckt mein Angesicht, ich bin meinen Brüdern fremd geworden und unbekannt meiner Mutter Kinder; ich wartete, ob mich jemand kennete, aber es war niemand; ich wartete, ob mich jemand tröstete, aber es war niemand; sie gaben mir Galle zur Speise und gaben mir, als ich dürstete, Essig zu trinken; alle Menschen spotteten meiner, sie sperrten den Mund auf, schüttelten den Kopf; ihre Rachen sperren sich auf wider mich, wie ein brüllender und reißender Löwe; ich bin ausgeschüttet wie Wasser, aber meine Gebeine haben sich zertrennt, mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs, meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legest mich in des Todes Staub, denn Hunde haben mich umgeben und der Bösen Rotte hat sich um mich her gemacht, sie haben meine Hände und Füße durchgraben, ich möchte alle meine Gebeine zählen, sie aber schauen und sehen ihre Lust an mir, sie teilen ihre Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand. Und seiner spricht er: Ich bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volkes. Ja, meine lieben Brüder, Gott der himmlische Vater hat die Strafe auf ihn gelegt, damit wir Frieden hätten, denn durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle hässlich und verirrt einher, wie Schafe, die keinen Hirten haben, ein jeder sah auf seinen Weg, aber der Herr warf unser aller Sünden auf ihn. Da er gestraft und gemartert wurde, tat er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird und wie ein Schaf, das vor seinem Scherer verstummt und seinen Mund nicht auftut. Seid ihr nun fromme Christen? Nehmt wahr, was Christus Jesus für uns arme Sünder gelitten hat, der Herr für seine Knechte, der Meister für seine Jünger, der Hirte für seine Schafe, ja Gott für die Menschen. O tiefe Erniedrigung des Meisters, dass er auch seinen Jüngern hat dienen und sich selbst für sie in den Tod hat geben wollen. O große Gnade des Herrn, dass er für seine Knechte so viel hat leiden wollen. O unendliche Gerechtigkeit des Hirten, der sein Leben für seine Schafe hat lassen wollen. O unaussprechliche Liebe Gottes zu uns armen Menschen, dass er uns mit seinem eigenen köstlichen Blute hat erlösen wollen, dessen sollen sich alle Christen zu jeder Zeit erinnern und Jesu Christo für solche Wohltaten, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Werken, dankbar sein. Aber leider ist es mit einigen so weit gekommen, dass sie wohl von Christo sprechen können, wie er für uns gelitten und genug getan habe, sie wollen auch wohl an der Erlösung, die durch Christi Blut geschehen ist, Teil haben und denken doch nicht daran, wie sie mit Christo leiden müssen, gleichwohl aber hoffen sie, mit ihm verherrlicht zu werden. Denn das ist je gewisslich wahr, sagt Paulus, sterben wir mit Christo, so werden wir auch mit ihm leben; leiden wir mit ihm, so werden wir uns auch in Ewigkeit mit ihm freuen; verleugnen wir ihn, so wird er uns auch verleugnen.

Daran mögen alle abgefallenen Christen denken, welche nun wieder in das römische Babel zurückkehren, wovon sie ausgegangen waren, und sich wieder mit der Hure, die sie so gehasst haben, befreunden. Was soll man zu solchen Leichtfertigen sagen; wie sind doch die Menschen, welche die Wahrheit einmal erkannt haben, so verblendet, dass sie sich von Christo Jesu, dem einigen Seligmacher, wenden, und der schändlichen und verfluchten Hure zu Babylon zufallen, die eine Mutter aller Ungerechtigkeit, eine Königin aller Kinder des Unglaubens und des Fluches ist und die ihnen zum Troste, Schutze und zu einer Abgöttin geworden ist. O wehe solchen verkehrten Menschen, die von der Gerechtigkeit abweichen und sich vom Licht zur Finsternis, vom Leben zum Tode, und von Christo Jesu zu dem Antichristen begeben, und bei dem Satan, nicht aber bei Gott Trost suchen. O wehe solchen furchtsamen Menschen, welche diejenigen, die allein den Leib töten können, mehr fürchten als Gott, den allmächtigen Herrn, welcher Leib und Seele in die ewige Verdammnis stürzen kann. O wehe solchen Menschen, dass sie geboren sind, wenn sie sich nicht merklich bessern und von Babel ausgehen; denn die Schrift sagt nicht umsonst: Mein Volk, geht aus von Babel, und rührt kein Unreines an, auf dass ihr nicht ihrer Sünden und Plagen teilhaftig werdet. Dieses sind ja die klaren Worte des Herrn, wer kann sie vernichten, wer kann gegen den Stachel löcken. Er fange es an, wie er will, so wird es ihm schwer fallen und nicht gelingen; auch gilt hier keine Entschuldigung, wie das Gleichnis von dem Schalksknechte klar beweist, welcher seines Herrn Pfund aus Furcht in die Erde vergraben hatte, und sich vor seinem Herrn entschuldigen wollte, aber nicht angehört wurde. Unter diesem Schalksknechte verstehen wir alle furchtsamen Menschen, welche in der Erkenntnis des Herrn Jesu Christi nicht fruchtbar sind, sondern die die irdischen Dinge suchen und mehr Wohlgefallen daran haben als an der himmlischen; sie mögen sich auch entschuldigen wie sie wollen, so wird ihnen doch ihre Entschuldigung nichts nützen, sondern die ewige Verdammnis wird ihr Lohn sein; denn alle Bäume, die keine guten Früchte bringen, werden abgehauen und ins Feuer geworfen werden; die Blätter allein gelten nichts; die Früchte müssen dabei sein. Christus ist unser Exempel, der hat getan und gelehrt; er hat seine Jünger leiden und dulden gelehrt, und hat selbst gelitten und geduldet; darum lehrt uns auch Paulus, dass wir Christi gedenken sollen und sagt also: Nehmt wahr, ihr Christen, und gedenkt, dass Christus Jesus ein solches Widersprechen von den Sündern erduldet hat, auf dass ihr nicht in eurem Mute matt werdet und ablasst, denn ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden, und habt bereits vergessen des Trostes, der zu euch redet als zu den Kindern: Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn, und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst; denn wen der Vater lieb hat, den züchtigt er; er stäupt aber einen jeden Sohn, den er aufnimmt. So ihr die Züchtigung erduldet, so erbeut sich euch Gott als Kindern; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Seid ihr aber ohne Züchtigung, deren sie alle teilhaftig geworden, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder. Und da wir unsere leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt und sie gescheut haben, sollten wir nicht bei weitem mehr dem geistigen Vater Untertan sein, dass wir leben? Und jene haben uns nur einige Tage nach ihrem Gutdünken gezüchtigt, dieser zu unserem Vorteile, dass wir seine Heiligung erlangen möchten. Mit diesen gibt uns der Apostel zu erkennen, wie nützlich und nötig uns die Züchtigung sein könne, wenn wir von Gott unserm himmlischen Vater gezüchtigt werden, wie diese Worte klar an den Tag geben: Denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt; seid ihr aber ohne Züchtigung, deren sie alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und keine Kinder. Und hiermit kommen die Worte Judith, dass Abraham auf mancherlei Weise versucht und durch mancherlei Anfechtung bewährt und Gottes Freund erfunden worden sei; so auch Isaak und Jakob, Mose und alle, die Gott gefallen haben, sind in viel Trübsal treu erfunden worden. Diejenigen aber, welche ihre Proben in der Furcht des Herrn nicht erlangt haben, und Ungeduld samt dem Laster ihres Murrens gegen den Herrn aufbrachten, sind von dem Verderber verdorben und von den Schlangen umgebracht worden; darum so gern wir Gott zum Vater haben, so gern müssen wir auch die Züchtigung unseres himmlischen Vaters empfangen; und so ungern wir von Gott für Bastarde angesehen werden wollen, so ungern müssen wir auch ohne Züchtigung und Bestrafung sein, und eben so gerne müssen wir auch durch Trübsal geübt werden wollen, oder mit andern Worten: So lieb uns Gott und unserer Seelen Seligkeit ist, und so sehr wir die Bestrafung Gottes fürchten, ebenso liebreich müssen wir alles Leiden, das uns von Gott zugefügt wird, aufnehmen und dessen eingedenk sein, was Christus sagt: Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Desgleichen: Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber in dieser Welt sein Leben um des Evangeliums willen verlässt, wird es ewiglich behalten.

Wo bleiben nun die falschen Christen, die ihr Leben um Christi willen nicht verlassen wollen, und es doch in der Ewigkeit zu behalten gedenken; eben also meinte auch Saul den Israeliten zu gefallen, und doch dabei Gottes Freund zu bleiben; er ist aber von Gott wegen seiner Heuchelei verworfen worden; ebenso können sie auch wohl meinen, das zeitliche Leben hier zu erhalten, und noch dazu das ewige Leben zu erlangen, aber es wird sie ihre Meinung betrügen. O Herr Gott! Wie mögen doch die Menschen so verblendet sein, dass sie dieses vergängliche Leben so lieb haben, während sie doch weder Zeit, Stunde noch Tag wissen, wenn sie sterben müssen, wie auch der Apostel Jakobus sagte, dass dieses Leben nichts anderes sei als ein Rauch, welcher eine kleine Zeit gesehen wird und dann aus der Menschen Augen verschwindet. Jesus Sirach, welcher unser Leben mit den Tagen der Ewigkeit vergleicht als einen Staub, oder ein Körnlein Sandes gegen allen Sand am Meere, oder als ein Tröpflein Wasser gegen alles Wasser in der See. Was ist denn also der Mensch und was ist seine Schönheit, oder was ist sein Gut, worauf er sich verlassen will? Weil aber nun unser Leben so unsicher und kurz ist, so ist es ja zu beklagen, dass die Menschen solche Sorge dafür tragen und dabei so wenig auf das ewige Leben bedacht sind; hierzu helfen die falschen Lehrer, auch die betrüglichen Arbeiter und Feinde Christi und seiner Apostel, welche öffentlich lehren, dass die Christen nicht mehr leiden müssen. Schämen müssen sie sich mit ihrem Volke, die in des Herrn Namen Lüge weissagen, ja gestraft müssen sie werden mit Zedekia und Achas, die schändlich sündigen, auch das Israel Gottes verführen und ihr Vertrauen auf nichtige Dinge setzen, zu Schanden müssen sie werden mit den ägyptischen Zauberern, die sich also der Wahrheit widersetzen, gleichwie jene Mose widerstanden haben. Verflucht müssen sie werden mit Baal, dem Sohn Boser, welche mit ihm den rechten Weg verlassen und sich auf krumme Wege begeben, ja zur Hölle müssen sie versinken mit Nathan, Korah und Abiram, die, wie diese, Zank und Ärgernis in der Gemeinde Gottes anrichten und die heilsame Lehre Jesu Christi verachten, womit sie den allmächtigen Gott zum Zorne reizen und sich selbst einen Schatz des Zornes Gottes sammeln auf den Tag, wenn Christus Jesus sich vom Himmel mit den Engeln seiner Kraft und mit Feuerflammen offenbaren wird, um Rache zu üben an allen denen, die Gott nicht erkannt haben und dem Evangelium unseres Herrn Jesu Christi nicht gehorsam gewesen sind. Diese sollen Pein leiden, die ewige Verdammnis von dem Angesichte des Herrn, wenn er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seiner Herrlichkeit und in allen seinen Gläubigen. Welche sind aber nun die Ungläubigen, die an das Evangelium Jesu Christi nicht glauben, und um des willen die ewige Pein leiden werden? Es sind diejenigen, die hier die Gebote Jesu Christi nicht halten, noch um des Namens Gottes willen leiden, oder die Wahrheit des Evangeliums bekennen wollen; darum wird sie Christus auch nicht bekennen, oder vor seinem Vater und seinen Engeln erkennen, mit welchen er vom Himmel kommen wird, um solche untreuen und furchtsamen Knechte zu strafen, die guten Knechte aber zu verherrlichen, mit den treuen Dienern und frommen Rittern, welche aus großer Trübsal gekommen sind und ihre Kleider im Blute des Lammes gewaschen und gereinigt haben. Darum sind sie vor dem Throne Gottes und dienen Ihm Tag und Nacht in seinem Tempel, und der auf dem Throne sitzt, wird über ihnen wohnen; sie wird nicht mehr hungern oder dürsten, auch wird weder die Sonne noch irgendeine Hitze auf sie fallen, denn das Lamm mitten im Thron wird sie regieren und zu der lebendigen Wasserquelle leiten und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen; alsdann wird erfüllt werden, was der Prophet 1. Esra sagt: Ich Esra, sah auf dem Berge Zion eine große Schar, welche ich nicht zählen konnte, die lobten alle den Herrn mit Lobgesängen; und mitten unter ihnen stand ein ansehnlicher Jüngling, der mit seiner Länge alle übertraf, der gab einem jeden einen Palmzweig in die Hand und setzte einem jeden derselben eine Krone aufs Haupt, ich aber verwunderte mich hierüber sehr; da fragte ich den Engel und sprach: Lieber Herr, wer sind diese, denen die Palmzweige in die Hand gegeben und die Kronen aufgesetzt sind? Er antwortete und sprach zu mir: Diese sind, die das sterbliche Kleid abgelegt und das unsterbliche angetan, und den Namen Gottes bekannt haben. Jetzt werden sie gekrönt und empfangen Palmzweige. Weiter fragte ich den Engel: Wer ist aber der Jüngling, der ihnen die Kronen aufgesetzt und ihnen Palmzweige in die Hände gibt? Und er antwortete und fagte zu mir: Es ist Gottes Sohn, welchen sie in der Welt bekannt haben. Er aber fing an, diejenigen höchlich zu preisen, welche so fest für den Namen des Herrn gestanden hatten.

O welch eine Freude und Herrlichkeit ist es, welche allen frommen Christen bereitet ist! Wer ist denn nun so verzagt und furchtsam, der für solche Freude und Herrlichkeit nicht ein wenig leiden wollte. Es ist zwar wahr, dass das Leiden und die Trübsal dem Fleische schwer fällt, aber man muss an die Worte Pauli denken: Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber bringt sie eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit allen, die dadurch geübt sind. Solches hat auch Christus zu seinen Aposteln gesagt: Wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und Heulen und die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig sein; doch soll eure Traurigkeit in Freude verwandelt werden. Ein Weib, wenn sie gebärt, hat Angst, weil ihre Stunde gekommen ist, wenn sie aber das Kind geboren hat, so gedenkt sie der Angst nicht mehr um der Freude willen, weil der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit, aber ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude wird niemand von euch nehmen.

Seht, alle ihr Gläubigen, die ihr hier in dieser Zeit eine kurze Weile um der Wahrheit willen Angst, Trübsal und Verfolgung leidet, merkt auf diese Worte und seid getrost: Lasset euch nicht erschrecken oder verdrießlich machen, und obschon die Trübsal dem Fleische nicht angenehm ist, so gedenkt doch, dass euch für eine geringe Betrübnis die ewige Freude geschenkt werden wird; ja gedenkt, was geschrieben steht: Aber der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rührt sie an. Vor den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet und ihre Hinfahrt für ein Verderben, aber sie sind im Frieden. Und obwohl sie von den Leuten viel Leidens haben, so sind sie doch gewisser Hoffnung, dass sie nimmermehr sterben. Sie werden ein wenig gestäupt, aber viel Gutes wird ihnen widerfahren; denn Gott versucht sie und findet, dass sie seiner wert sind. Er prüft sie wie Gold im Ofen und nimmt sie an wie ein völliges Opfer und zur Zeit, wenn Gott drein sehen wird, werden sie hell scheinen, und daher fahren wie die Flammen über die Stoppeln. Sie werden die Heiden richten und herrschen über die Völker, und der Herr wird ewiglich über sie herrschen; denn die ihm vertrauen, die erfahren, dass er treulich halt, und die treu sind in der Liebe, lässt er sich nicht nehmen, denn seine Heiligen sind in Gnade und Barmherzigkeit.

O welche schöne Verheißungen sind dieses für diejenigen, welche um der Wahrheit willen verfolgt werden, und welche tröstliche Verheißungen sind es, die uns Christus in dem Evangelium zugesagt hat, nämlich, dass wir selig sein sollen, wenn wir weinen, denn wir sollen getröstet werden; desgleichen, dass wir selig seien, wenn wir um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn das Himmelreich gehöre uns zu; oder mit kurzen Worten, dass wir selig seien, wenn uns die Menschen schmähen, lästern und viel Übles von uns reden, um des Namens Christi willen, wenn sie daran lügen; alsdann sollen wir uns freuen und fröhlich sein; denn siehe, unser Lohn ist groß im Himmel. Ja, groß ist unser Lohn, wie uns Jesaja bezeugt, wenn er sagt: Wie denn von der Welt her weder mit Ohren gehört worden ist, noch irgendein Auge gesehen, ohne Dich, Gott, was denen geschieht, die auf dich harren, und der Psalmist David sagte: Wie groß ist deine Güte, die Du verborgen hast denen, die dich fürchten, und denen erzeigest, die vor den Leuten auf dich trauen. Aber wie wenige Menschen arbeiten nun nach dieser großen Herrlichkeit, es geht, wie des Herrn Gleichnis spricht, dass der Hausvater ein Abendmahl zubereitet und vielen zugerufen habe, dass sie kommen sollten, denn alle Dinge seien bereit; aber der eine hat ein Haus gekauft und muss solches besehen, der andere hat fünf Joch Ochsen gekauft und muss sie probieren, der Dritte hat ein Weib genommen und kann darum nicht kommen; als aber solches der Hausvater hörte, ward er zornig und sprach, dass niemand von allen denen, die nicht kommen wollten, sein Abendmahl schmecken sollte.

O welch ein hartes Urteil und harter Ausspruch ist dieses über alle diejenigen, die nicht kommen wollen, Gottes Ruf verachten und irgendein Ding lieber haben, als Gott, das ist, die wegen Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester, Weib, Kind, Reichtum oder Armut, Lob, Preis oder Schande Gott verlassen und seiner Stimme nicht horchen, ja die nicht alle irdischen Dinge verlassen und eigene Frömmigkeit gering achten, damit sie Christum gewinnen mögen, gleichwie Paulus und auch die Hebräer taten, von welchem der Apostel sagt, dass sie den Raub ihrer Güter mit Freuden erduldet haben, indem sie wussten, dass sie ein besseres und ewiges Gut im Himmel hätten; aber ach, wie wenig merken jetzt die Menschen auf himmlische Dinge! Ach, wie wenig denken sie daran, was für ein Unterschied zwischen den Gerechten und Gottlosen noch sein werde; ja, es wird ein solcher Unterschied sein, wie der Herr durch Jesaja geredet hat: Siehe, meine Knechte sollen trinken, und ihr Durst leiden; siehe, meine Knechte sollen essen und ihr sollt hungern; meine Knechte sollen fröhlich sein, ihr aber sollt beschämt werden. Merkt darauf, meine Diener sollen aus feurigem Herzen jauchzen, ihr aber sollt wegen Betrübnis eurer Herzen weinen und jämmerlich heulen; darum sagt Christus im Evangelium: Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr Abraham, Isaak und Jakob sehen werdet, euch aber hinausgestoßen. Ach, wie fröhlich werden alsdann die frommen Christen sein, welche für den Namen Christi tapfer streiten und durch Ihn überwinden; ja wie fröhlich, sagen wir, werden sie alsdann sein, wenn sie die Verheißung empfangen werden, wovon der Geist Gottes sagt: Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Holze des Lebens, das im Paradiese Gottes ist. Fürchte dich vor keinem, was du leiden wirst; siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, auf dass ihr versucht werdet und ihr werdet zehn Tage Trübsal haben. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben; wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem verborgenen Manna, und ich will ihm einen weißen Stein geben, und auf dem Steine einen neuen Namen geschrieben, den niemand kennt, denn der ihn empfängt; und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einer eisernen Rute, und wie eines Töpfers Gefäß wird er sie zerschmeißen, wie ich von meinem Vater empfangen habe, und will ihm geben den Morgenstern. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buche des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Dieweil du das Wort meiner Geduld behalten hast, will ich auch dich behalten vor der Stunde der Versuchung, die da kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen diejenigen, die da wohnen auf Erden. Siehe, ich komme bald, halte was du hast, dass niemand deine Krone nehme. Wer überwindet, den will ich zum Pfeiler in dem Hause meines Gottes machen, und er soll nicht mehr hinausgehen, und will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes, und den Namen des neuen Jerusalems, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gotte, und meinen Namen, den neuen. Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich, und habe an ihnen ein Wohlgefallen, gleichwie ein Vater an seinem Sohne hat. So sei nun fleißig und tue Buße. Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an; so jemand meine Stimme hören und die Türe auftun wird, zu dem will ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Stuhle zu sitzen, wie ich überwunden habe und mit meinem Vater auf seinem Stuhle gesessen. Ja, meine lieben Brüder, dass sie scheinen als die Sonne in meines Vaters Reiche und besitzen alle Dinge. Ach, wie traurig werden die Verfolger der Christen sein, wenn der gerechte Gott ihnen mit demselben Maße einmessen wird, womit sie den Christen ausgemessen haben! Ach, wo wird sich alsdann der mörderische Kain verbergen, wenn das betrübte und unschuldige Blut des gerechten Abels bei Gott um Rache wider ihn schreien wird! Wie wird alsdann die babylonische Hure, welche nun prächtig in ihrem Lusthause sitzt, und von dem Blute seiner Heiligen und der Zeugen Jesu Christi trunken geworden ist, der Strafe Gottes entrinnen, wenn der Herr das Blut seiner Heiligen und Zeugen rächen und von ihrer Hand fordern wird, was ohne Zweifel geschehen wird, wie der Prophet sagt: Siehe, das unschuldige und gerechte Blut schreit zu mir, sagt der Herr, und die Seelen der Gerechten schreien ohne Unterlass. Ich will mich an ihnen mit Eifer rächen, spricht der Herr, und will alles das unschuldige Blut von ihren Händen fordern. Christus sagte: Sollte Gott nicht seine Auserwählten retten, die Tag und Nacht zu Ihm schreien? Und ob er schon verzieht, so sage ich euch, er wird sie in Eile retten.

O welch eine grausame Strafe wird das sein, womit der allmächtige Gott alles Blut seiner Heiligen rächen wird. Wie teuer musste der tyrannische Pharao das Blut der unschuldigen Kindlein, welches er vergossen hatte, bezahlen? Wie hart mussten die Amalekiter gestraft werden, weil sie das unschuldige Blut der Israeliten vergossen? Die blutdürstige Isabel musste aufs Feld geworfen werden, so dass die Hunde ihr Blut leckten, weil sie das gerechte Blut vergossen hatte. O Jerusalem, die du tötest die Propheten, und steinigst, die zu dir gesandt sind, du bist darum den Heiden zum Zertreten gegeben worden, und allen Völkern zu einer Beschimpfung; also werden auch von Gott alle diejenigen gestraft werden, welche nun unschuldiges Blut vergießen, und es wird geschehen wie im Buche der Weisheit geschrieben steht: Alsdann wird der Gerechte mit großer Freudigkeit wider die stehen, welche ihn geängstigt und seine Arbeit verworfen haben. Wenn dieselben dann solches sehen, werden sie grausam erschrecken vor solcher Seligkeit, deren sie sich nicht versehen hatten; sie werden vor Angst des Geistes seufzen und untereinander sagen: Das ist der, den wir etwa für einen Spott und für ein höhnisch Beispiel hatten. Wir Narren hielten sein Leben für unsinnig, und sein Ende für eine Schande. Wie ist er nun unter die Kinder Gottes gezählt, und sein Erbe ist unter den Heiligen. Darum haben wir den rechten Weg verfehlt, und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht geschienen, und die Sonne des Verstandes ist uns nicht aufgegangen; wir sind eitel unrechte und schädliche Wege gegangen, und sind wüste Umwege gewandelt, aber des Herrn Weg haben wir nicht gewusst. Was hilft uns nun die Pracht, was hilft uns nun der Reichtum und der Hochmut? Alle dergleichen Dinge werden diejenigen, welche in der Hölle sind und gesündigt haben, sagen; denn des Gottlosen Hoffnung ist wie Staub vom Winde zerstreut, und wie ein dünner Reif vom Sturme Vertrieben, und wie ein Hauch vom Winde verweht, und wie man jemanden vergisst, der nur einen Tag Gast gewesen ist. Aber die Gerechten werden ewig leben, und der Herr ist ihr Lohn, und der Höchste sorgt für sie. Darum werden sie ein herrliches Reich und eine schöne Krone von der Hand des Herrn empfangen, denn er wird sie mit seiner Rechten beschirmen und mit seinem Arme verteidigen. O grundlose Gnade des allmächtigen Gottes! O unaussprechliche Liebe des himmlischen Vaters, wie überschwänglich ist deine Gnade, und wie unendlich deine Güte, dass Du deinen Auserwählten solche Herrlichkeit bereitet hast! Wer kann Dir für alle deine Wohltaten, die du so reichlich an uns erwiesen hast und noch täglich erweist, genug danken? Gesegnet müsse dein Name sein in Ewigkeit. Darum bitten und ermahnen wir alle frommen Christen, und alle die ihre Seligkeit lieb haben, dass sie sich selbst verleugnen und ihr Kreuz auf sich nehmen und Jesu Christo nachfolgen, und dadurch den Willen Gottes tun, damit wir die Verheißung erlangen mögen. Niemand sei furchtsam oder erschrecke vor dem gottlosen Tyrannen, sondern jeder tue, wie Matthias seine Söhne lehrte, indem er sagte: Liebe Söhne, eifert um das Gesetz und wagt euer Leben für den Bund unserer Väter, und gedenkt, welche Taten unsere Väter zu ihren Zeiten getan haben, so werdet ihr rechte Ehre und einen ewigen Namen erlangen. Darum fürchtet euch nicht vor der Gottlosen Trotz, denn seine Herrlichkeit ist Kot und Würmer. Heute schwebt er empor und morgen liegt er darnieder und ist nicht mehr, so er wieder zur Erde geworden ist, und sein Vornehmen ist zu Nichte geworden. Deshalb, liebe Kinder, seid unerschrocken und haltet fest an dem Gesetze, denn wenn ihr dasjenige getan haben werdet, das euch von dem Herrn, eurem Gotte, befohlen ist, so sollt ihr in Ihm verherrlicht werden. Diese Worte Gottes nehmt zu Herzen, o ihr frommen Christen und wappnet euch damit, um für die Gerechtigkeit auch bis zum Tode zu streiten, so wird Gott für euch streiten und eure Feinde überwinden. Fürchtet diejenigen nicht, welche euern Leib töten, und dann nichts mehr tun können; sondern fürchtet den allmächtigen Gott, den gerechten Herrn und Richter, welcher Leib und Seele in die ewige Verdammnis stürzen kann; diesen lasst uns allein fürchten und in seinen Wegen wandeln und Ihm in Heiligkeit und Gerechtigkeit alle Tage unseres Lebens dienen, ja für seinen Namen den Tod leiden, damit wir mit Paulus sagen können: Wir haben einen guten Kampf gekämpft; wir haben unsern Lauf vollendet, wir haben Glauben gehalten, hinfort ist uns die Krone der Gerechten beigelegt, welche uns der Herr Christus geben wird, Gott, der Vater der Barmherzigkeit, und der Gott allen Trostes, welcher uns gegeben hat, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seines Namens willen zu leiden, wolle uns mit seinem heiligen Geiste stärken, kräftigen und befestigen, dass wir im Leiden um der Wahrheit willen nicht ermüden, sondern bis ans Ende standhaft bleiben, und uns mit allen frommen und wahren Heiligen erfreuen mögen, und wenn wir um des Namens Christi Jesu willen gelästert und verfolgt werden; das gebe uns der allmächtige Vater durch Jesum Christum, seinen eingeborenen Sohn, unsern Heiland, welchem Herrlichkeit, Majestät, Segen, das Reich und ewige Herrschaft sei. Amen.

Seid männlich, stark und unverzagt, dass ihr alle Dinge, ja Gottes Wort und Gesetze haltet und tut, und weichet nicht davon, weder zur Rechten, noch zur Linken; tut auch nichts dazu, noch davon, damit ihr weislich handeln mögt; erschreckt nicht, wo ihr hingeht und entsetzt euch nicht, denn euer Herr und Gott ist mit euch, wenn ihr ins Wasser oder Feuer geht, und obschon ihr jetzt durch falschen Schein und Heuchelei der Strafe entgeht, so könnt ihr doch der Gewalt des allmächtigen Gottes (weder lebendig oder tot) entlaufen.

Darum lasst uns alles, was in dieser Welt ist, verleugnen; denn sie lebt im Argen, und lasst einen jeden sein Kreuz aufnehmen und Jesu Christo nachfolgen, denn er ist uns und allen denen nahe, die in der Not sind, und will ihnen daraus helfen und sie zu Ehren bringen, wenn sie eines zerbrochenen Herzens und zerschlagenen Gemütes sind. O welch ein großer Trost ist das, einen solchen gewaltigen und treuen Mitgesellen zu haben! Und welch eine große Ehre ist es, dass er uns so freundlich hat beistehen wollen; aber wir müssen wissen, dass unser Herr Christus Jesus nur allein zu seiner rechten Zeit unser Mitgesell, Helfer und Beistand nach dem Rate des göttlichen Willens und Wohlgefallens sei, in welchem er alle Dinge in Maß und Gewicht verordnet und gesetzt hat; denn gleichwie er das Haupt der heiligen Kirche ist und ihr Leiden sieht, so hat er auch eine Zahl, ein Maß und Gewicht gesetzt, wie weit er den Bösen zu gehen erlaubt, und wie weit sie greifen mögen, und nicht mehr oder weiter, gleichwie die babylonische Gefangenschaft siebzig Jahre dauern sollte. Ja, wenn auch die Not am größten ist und man meint, dass Gott einen ganz verlassen und vergessen habe, so ist alsdann die Hilfe Gottes am nächsten; ja, eigentlich zu reden, der Herr tröstet vor und mitten in aller Betrübnis, denn ein Christ hat in seinem Herzen den Geist Gottes, die Quelle des lebendigen Wassers, welche ihn stets abkühlt, tröstet, erfreut und fröhlich macht; ja, je mehr das Leiden zunimmt, desto größere Hilfe und Beistand erlangen wir, denn Gott lässt uns nicht über unsere Kräfte hinaus versucht werden, sondern macht, dass die Versuchung in der Weise ein Ende gewinne, dass wir es ertragen mögen. Seht, in diesen Worten zeigt uns Paulus sehr tröstlich an, dass uns Gott nicht härter oder schwerer antasten und versuchen lasse, als wir ertragen mögen, denn wenn wir des Leidens Christi viel haben, so werden wir auch durch Jesum Christum unsern Herrn reichlich getröstet.

Ein Hauptmann macht seinen Kriegsleuten mit tapfern Worten und Verheißungen Mut; sollte nun der wahrhaftige und getreue Gott uns nicht mit seinem göttlichen Worte des Evangeliums tapfer und stark machen, welches eine Kraft Gottes ist zur Seligkeit allen, die daran glauben. Ja, der gute Gott lässt es nicht bei schlichten, einfachen Worten bewenden, sondern ist selbst mit seinem Geiste bei uns, welcher Geist, als ein Unterpfand, unsere Herzen von seiner göttlichen Hilfe versichert, und uns in unserer Schwachheit stärkt, denn wenn der Teufel durch seinen lügenhaften Geist die Menschen treibt, dass sie zur Büberei ganz bereit sind, und sollte es sie auch ihr Leben kosten, warum sollte bei uns die Gnade Gottes durch seinen wahrhaften Geist nicht auch zum Guten in allen Nöten und Trübsalen geneigt machen? Solches tut auch der gute Gott nicht allein durch seinen Geist, sondern auch durch Engel, Sterne, Elemente, Tiere, Menschen und allerlei Kreaturen. Zum Exempel, Elisa sagte zu seinem Knaben: Fürchte dich nicht, denn ihrer sind mehr, die mit uns sind, als derer, die gegen uns kommen. Das Rote Meer und der Jordan öffneten sich, dass die Kinder Israel mit trockenen Füßen durchgingen. Die Sonne und der Mond standen so lange still vor Josua, bis er die fünf Könige überwunden hatte, Elia wurde wunderbar von den Raben gespeist; durch eines Weibes Hand sind die Kinder Israel sämtlich aus ihrem Elend erlöst worden. Gott der Herr tröstet gewöhnlich die Menschen durch andere Menschen; denn alle Christen auf Erden haben miteinander Gemeinschaft sowohl in glückseligen als in unglückseligen Dingen; denn wenn jemand Schmerzen und Verdruss leidet, so leidet er solches nicht allein, sondern Christus leidet solches mit ihm, desgleichen auch alle Christen; denn er sagt im Evangelium: Ihr habt mich gespeist, gekleidet, beherbergt und getröstet; deshalb sind auch alle Christen in dem Herrn Jesu Christo ein Leib, ein Brot und ein Trank.

Wenn nun Christus Jesus unser Herr ganze Nächte im Gebete und auch im Garten vor seinem Tode zugebracht, so sollen wir auch beständig den Vater des Lichts, von welchem allein alle gute und vollkommene Gaben von oben herkommen, besonders in unserer Not, anrufen, dass er uns, um des Todes seines lieben Sohnes willen, alle unsere Sünden vergeben wolle, denn er ist um unserer Sünden willen auferweckt; darum sollen wir bitten, dass er uns nicht nach unserm Gutdünken, sondern nach seiner göttlichen Weisheit erlösen oder strafen wolle, damit wir nicht alle zugrunde gehen möchten. Wir sollen auch in unserer Trübsal Gott Lob und Dank sagen, dass er uns nicht vergessen, sondern nach seiner väterlichen Barmherzigkeit züchtigen und alle Last in Gnaden tragen helfen wolle, gleichwie auch Paulus in seinem Elende Gott gedankt hat, wenn er sagt: Gelobt sei Gott, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns in allen unsern Trübsalen tröstet. Amen.