2.85  Esaja, empfange dein Testament.

Höre, mein Sohn, die Unterweisung deiner Mutter, öffne deine Ohren, um die Reden meines Mundes zu hören. Siehe, heute gehe ich den Weg der Propheten, Apostel und Märtyrer, um den Kelch zu trinken, den sie alle getrunken haben; ich gehe den Weg, sage ich, den Christus Jesus, das ewige Wort des Vaters, voller Gnade und Wahrheit, der Hirte der Schafe, der das Leben selbst ist, in seiner eigenen Person und nicht durch einen andern gewandelt ist, und diesen Kelch auch hat trinken müssen, gleichwie er sagte: Ich muss einen Kelch trinken und mich noch taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis die Stunde vollendet ist. Nachdem er nun durchgegangen ist, ruft er seine Schafe, und seine Schafe hören seine Stimme und folgen ihm nach, wo er hingeht, denn dieses ist der Weg zu der rechten Quelle. Diesen Weg sind die königlichen Priester durchgegangen, welche vom Aufgange der Sonne kamen, wie in der Offenbarung steht, und in die ewigen Zeiten eingegangen sind, und auch diesen Kelch haben trinken müssen.

Diesen Weg haben die Toten betreten, welche unter dem Altare liegen, rufen und sagen: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger! Wie lange richtest du und rächest nicht unser Blut an denen, die auf Erden wohnen; und ihnen wurde einem jeden ein weißes Kleid gegeben, und es ward zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kleine Zeit ruhten, bis dass ihre Mitknechte und Brüder noch hinzukämen, die auch noch um des Zeugnisses Jesu willen getötet worden sollten. Diese haben auch den Kelch getrunken, und sind hinaufgewandert, um den ewigen heiligen Sabbat des Herrn zu halten. Dieses ist der Weg, welchen die vierundzwanzig Ältesten gewandelt sind, die vor dem Stuhle Gottes stehen und ihre Kronen und Harfen vor den Stuhl des Lammes werfen, auf ihr Angesicht fallen und sagen: Herr! Dir allein sei Preis, Herrlichkeit, Kraft und Stärke, der du das Blut deiner Knechte und Diener rächen und selbst den Sieg davon tragen wirst. Groß sei dein Name, Allmächtiger, der du warst, bist und kommen wirst.

Diesen Weg sind auch die Gezeichneten des Herrn gewandelt, welche das Zeichen »Thaw« an ihrer Stirne empfangen haben, die aus allen Geschlechtern der Menschen erwählt, die mit Weibern nicht befleckt sind (verstehe dieses) und dem Lamme nachfolgen wo es hingeht.

Siehe, alle diese haben den Kelch der Bitterkeit trinken müssen, gleichwie auch alle diejenigen, die noch mangeln an der Zahl und der Erfüllung Zions, als der Braut des Lammes, welche das neue Jerusalem ist, die von oben vom Himmel herabsteigt, eine Wohnstatt und ein Thron Gottes, in welchem die Herrlichkeit des großen Königs gesehen werden wird, zur Zeit wenn man das hochzeitliche Laubhüttenfest halten und feiern wird, in den Tagen der ewigen Ruhe und Freude.

Siehe, diese alle haben nicht dazu gelangen können, ohne dass sie zuerst das Gericht und die Strafe an ihrem Fleische ertragen hätten, denn Christus Jesus, die ewige Wahrheit, ist der erste gewesen, wie geschrieben steht: Das Lamm, das da von Anfang erwürget war. Hierauf kommt Paulus und sagt: Also hat es dem Vater gefallen, dass alle, welche er von Ewigkeit ersehen, er auch berufen, erwählt, gerechtfertigt und sie dem Bilde seines Sohnes gleichförmig gemacht hat. Auch spricht unser gesegneter Seligmacher: Der Knecht ist nicht besser als sein Herr, sondern es ist ihm genug, das er seinem Herrn und Meister gleich sei. So bezeugt auch Petrus, wenn er sagt: Es ist Zeit, dass das Gericht anfange am Hause Gottes, so aber zuerst an uns, was will es für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben, und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Ferner steht Spr 11,31: »So der Gerechte auf Erden leiden muss, wie viel mehr der Gottlose und Sünder?« Siehe, mein Sohn, hier hörst du, dass niemand zum Leben kommt, als durch diesen Weg. Darum gehe ein durch die enge Pforte, und nimm des Herrn Züchtigung und Unterweisung an, und beuge deine Schultern unter sein Joch, und trage es wohlgemut von deiner Jugend an, und danke darum mit großer Ehre und Freude; denn er empfängt und nimmt keinen Sohn, den er nicht züchtigt. Ferner sagt Paulus: Wenn ihr ohne Züchtigung seid, welcher sie alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder, und sollt aus dem Erbteile der Kinder Gottes ausgestoßen werden.

Wenn du nun Lust und Begierde hast, in die heilige Welt und in das Erbteil der Heiligen einzugehen, so umgürte deine Lenden und wandle ihnen nach; forsche in der Schrift, und sie wird dir Unterricht von ihren Gängen geben. Als der Engel mit dem Propheten redete, hat er gesagt: Es ist eine Stadt, voll von allerlei Gütern, ihr Eingang aber ist eines Menschen Fußsteig breit, auf der einen Seite steht ein Feuer, und an der andern Seite ein großes Wasser. Wie kannst du nun die Stadt zum Erbteile empfangen? Du musst erst die Enge durchwandeln. Siehe, mein Sohn! Dieser Weg leidet keinen Weichen, da sind keine krummen Abwege, welche zur Linken oder zur Rechten abweichen, deren Erbteil ist der Tod. Siehe, dieses ist der Weg, welchen wenig Menschen finden und noch viel weniger wandeln, denn es sind einige, welche noch wohl erkennen, dass dieses der Weg zum Leben sei, aber er ist ihnen zu scharf und verursacht ihrem Fleische Schmerzen.

Darum, mein Kind, sieh nicht auf die große Menge und wandle nicht auf ihren Wegen; wehre deinem Fuß vor ihrem Pfade, denn sie gehen der Hölle zu, gleichwie Schafe zum Tode; gleichwie Jesaia berichtet, wenn er sagt: Die Hölle hat den Rachen weit aufgetan, dass beide hinunterfahren, ihre Herrlichen und Pöbel. Es ist ein unverständig Volk, darum wird sich auch der ihrer nicht erbarmen, der sie geschaffen hat. Wenn du aber hörst, wo ein armes, schlechtes und verstoßenes Häuflein sei, welches von der Welt verachtet und verworfen ist, zu demselben halte dich. Und wo du vom Kreuze hörst, da ist Christus; demselben entziehe dich nicht. Fliehe den Schatten dieser Welt, halte dich zu Gott und fürchte ihn allein; bewahre seine Gebote, behalte alle seine Worte, dass du darnach tust; schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, binde sie auf deine Stirne, rede von seinen Rechten Tag und Nacht, so wirst du ein lieblicher Baum und ein Zweig im Garten deines Herrn, eine angenehme Pflanze sein, welche in Zion aufwächst; nenne die Furcht des Herrn deinen Vater, so wird die Weisheit die Mutter deines Verstandes sein. Wenn du dieses weißt, mein Sohn, so bist du selig, wenn du es tust. Halte das, was dir der Herr gebietet, und heilige deinen Leib zu seinem Dienste, damit sein Name in dir geheiligt, gepriesen, verherrlicht und groß gemacht werde. Schäme dich nicht, ihn vor den Menschen zu bekennen, fürchte dich nicht vor den Menschen, lasse lieber dein Leben, ehe du von der Wahrheit weichen wolltest, und wenn du deinen Leib, der aus Erde gemacht ist, verlieren wirst, so hat der Herr, dein Gott, dir einen bessern im Himmel bereitet.

Darum, mein Kind, streite für die Gerechtigkeit bis an den Tod; waffne dich mit der Waffenrüstung Gottes. Sei ein frommer Israelit, tritt alle Ungerechtigkeit, die Welt und alles, was darinnen ist, mit Füßen, und liebe das allein, was droben ist; bedenke, dass du nicht von dieser Welt seiest, gleichwie dein Herr und Meister auch nicht davon gewesen ist; sei ein treuer Jünger Christi, denn es ist niemand tüchtig zu bitten, als der sein Jünger geworden ist, und eher nicht. Diejenigen, welche gesagt haben, wir haben alles verlassen, sagten auch, lehre uns beten; sie sind es auch gewesen, für welche der Herr gebetet hat, und nicht für die Welt; denn wenn die Welt betet, so ruft sie ihren Vater, den Teufel, an und begehrt, dass sein Wille geschehe, wie sie auch tut. Darum, mein Sohn, werde ihr nicht gleich, sondern scheue dich vor ihr und fliehe sie, und habe mit ihr weder Teil noch Gemeinschaft; achte dasjenige nicht, was vor Augen ist, suche allein was droben ist. O mein Kind, sei meiner Ermahnung eingedenk und verlasse dieselbe nicht. Der Herr lasse dich in seiner Furcht aufwachsen und erfülle deinen Verstand mit seinem Geiste; heilige dich dem Herrn, mein Sohn! Heilige deinen ganzen Wandel mit der Furcht deines Gottes. In allem, was du tust, verherrliche seinen Namen. Ehre den Herrn mit den Werken deiner Hände, laß das Licht des Evangeliums an dir hervorleuchten. Liebe deinen Nächsten; brich dem Hungrigen dein Brot mit brünstigem und feurigem Herzen; kleide die Nackenden und zögere nicht, damit nicht etwas zweifach bei dir ist; denn es gibt immer solche, welche daran Mangel haben. Alles, was dir der Herr von dem Schweiße deines Angesichts über deine Notdurft beschert, teile denen aus, von welchen du weißt, dass sie den Herrn fürchten, und laß nichts bei dir bleiben bis an den Morgen, so wird der Herr deiner Hände Werk segnen und seinen Segen dir zum Erbe geben. O mein Sohn! Führe deinen Wandel dem Evangelium gemäß, und der Gott des Friedens heilige dich an Seele und Leib zu seinem Preise. Amen.

O heiliger Vater, heilige den Sohn deiner Dienstmagd in deiner Wahrheit, und bewahre ihn vor dem Argen, um deines Namens willen, o Herr!

Nachher hat sie dieses mit ihrem Blute versiegelt, und ist also als eine fromme Heldin und Nachfolgerin Jesu Christi auch mit unter die Zahl der aufgeopferten Zeugen Gottes gekommen.