2.82  Große Verfolgung in Österreich, 1539.

In demselben Jahre 1539, als die Gemeinde eine kleine Zeit zu Steinborn in Österreich gewohnt hatte und nun anfing sich daselbst zu vermehren, konnte solches die alte Schlange, der neidische und grundböse Satan, welcher die Frommen so jämmerlich quälte, nicht dulden und übersehen, sondern erweckte durch seine Feindschaft die Kinder der Bosheit, insbesondere die Pfaffen, welche hier in allem sein Werk treiben und ausrichten, dass sie dem König Ferdinand beständig in den Ohren lagen, die Frommen mit Unrecht verklagten und ihn aufhetzten, bis er endlich in ihr Begehren einwilligte und seinen Feldobersten von Wien mit den Henkersknechten und einigen Reitern aussandte; dieselben kamen unvermutet nach Falkenstein, nahmen von da viel unnützes Volk mit sich und überfielen die Gemeinde zu Steinborn auf den sechsten Tag im Dezember des Abends, oder in der Nacht des oben gedachten Jahres; sie brachten alle Mannspersonen, welche sie daselbst fanden, zusammen in eine Kammer, und verfuhren auf gleiche Weise mit den Frauen und Jungfrauen; sie hielten die Nachtwache mit vielem Geschrei und Gepolter, und brachten alle ein, die sie finden konnten. Ihre Hauptabsicht und ihr Wille ging dahin, die Ältesten und Diener der Gemeinde zu fangen in der Hoffnung, sie würden bei ihnen viel Geld finden und auf solche Weise den armen Leuten die Nahrung entziehen, und achteten es nicht, dass Gott solches mit schwerer Strafe heimsuchen würde; aber Gott hat sie durch seine Vorsichtigkeit daran verhindert, dass sie nicht einen Diener finden konnten; sie durchschauten der Witwen und der Waisen Vorrat und Nahrung hin und wieder in allen Winkeln, und ließen in ihrem gottlosen Fleiße nicht nach; Gott hat jedoch ihren Rat (indem sie nämlich bei den Armen Reichtum zu finden glaubten) vernichtet und zu Torheit gemacht; in solcher Tyrannei fingen sie die Kranken, die Kinder und schwangeren Weiber, so dass sich darüber ein Herz von Stein zur Barmherzigkeit hätte bewegen lassen und darüber Mitleid empfunden haben würde.

Es haben sich aber die gefangenen Brüder und Schwestern zubereitet, ihren Leib und ihr Leben Gott, es sei durch Feuer oder Schwert, aufzuopfern. Es sind auch an eben demselben Abende einige Männer von dem Philippischen Volke gekommen, die ihnen den Zweck der Gemeinden und ihres ganzen Lebens bekannt machen wollten; dieselben sind auch in die Verfolgung verwickelt worden. Auf diese Weise wurden ihrer daselbst wohl an hundertfünfzig Brüder gefangen genommen und auf das Schloss zu Falkenstein in gute Verwahrung gebracht; unter denselben waren einige, welche den Gnadenbund der Taufe noch nicht erreicht hatten; auch waren solche dabei, die von der Wahrheit abgefallen waren und nun in ihrer Buße standen. Als sie nun alle in das Schloss Falkenstein gekommen waren, haben sie mit denjenigen, die sich noch nicht in dem Glauben verbunden hatten, eine Unterredung gehalten, was in diesem Leben ihr Vorhaben sei; haben ihnen auch bezeugt, dass, wenn sie anders um des Zeugnisses und der Ehre Gottes willen in allem Elende an dem Herrn Christum festhalten wollten, welche Not und Angst ihnen auch darüber begegnen möchte, so wollten sie dieselben für Mitgenossen in dem Reiche Christi halten und hoffen, dass ihnen Gott gnädig sein würde, jedoch mit dem Vorbehalte, dass die Gemeinde mit denjenigen, welche durch Gottes Schickung wieder auf freien Fuß und zu der Gemeinde kommen würden, Macht haben sollte, aus des Herrn Befehl, nach ihrem Bekenntnis und Ordnung zu handeln; und wenn dieses ihr Wille, Vorsatz und Entschluss sei, so wollten sie an den Ältesten und die Gemeinden schreiben und ihnen darnach vollkommenen Bescheid erteilen.

Hierauf haben sie alle ihr williges Gemüt zu erkennen gegeben und solchen Vortrag mit fröhlichem Herzen und großer Danksagung, als eine Gnade Gottes, angenommen.

Darauf ist ohne Verzug eine schriftliche Nachricht hiervon an die Gemeinde gesandt, und auch in Eile eine schriftliche Antwort von derselben wieder zurück erfolgt, des Inhaltes, dass mit solchem Entschlüsse alle Gläubigen wohl zufrieden waren, weil man diejenigen, welche noch nicht nach göttlicher Ordnung der Gemeinde einverleibt, gleichwohl aber in allen Dingen mit derselben eines Sinnes und einstimmig seien, auch ein lauteres Zeugnis der Wahrheit zu führen begehrten, mit ihr zu leiden und auch in solcher Not ihr Leben daran wagen wollten, getrost wie andere Glaubensgenossen annehmen möchte.

Als ihnen nun wieder von dem Bekenntnisse der Gemeinde Nachricht gegeben wurde, haben sie sich dem Herrn willig anvertraut, auch sich in aller Trübsal, gleichwie andere Fromme, sehr geduldig erwiesen, und vor vielen Zeugen ein gutes Bekenntnis abgelegt. In derselben Zeit, als sie noch zu Falkenstein waren, hat der König Ferdinand seinen Feldobersten und einige Doktoren von den Pfaffen, desgleichen auch den Scharfrichter, zu ihnen gesandt; dieselben haben in der Christnacht (die man doch in allen Ländern zu feiern pflegt) mit den gefangenen Zeugen der Wahrheit mit vieler Arglist zu handeln angefangen, haben auch einigen mit scharfen Fragen zugesetzt, was ihr Zweck und ihre Hoffnung sei, wo ihr Schatz und Geld wäre, worauf sie in der Wahrheit bekannt haben, Christus sei ihr Herr und Heiland, ihr einziger Trost, ihr liebster Herzensschatz und bestes Teil, durch welchen sie Gottes Güte und Gnade empfingen. Sie haben auch mit ihnen von andern Artikeln gehandelt und ihnen Unterricht, Anweisung und Lehre gegeben und sie, wie sie vorgaben, vorzüglich in Ansehung ihres Sakramentes bekehren wollen; sie rühmten solches sehr, und wollten sie überreden zu glauben, dass das Fleisch und Blut Christi in solchem gegenwärtig wäre, und dass dieses, wie sie sagten, unser Herr Gott wäre; die Brüder aber antworteten, dass es ein stummer Gott sei, und dass des Herrn Abendmahl einen ganz andern Sinn habe, als sie irrigerweise vorgeben, und die Welt dadurch schändlich zu betrügen und zu erschrecken suchten. Mit diesen und vielen andern Bekenntnissen sind des Königs Gesandten wieder nach Wien gezogen; diese gefangenen Brüder aber sind in dem Schlosse Falkenstein in Verwahr geblieben.

Es verzog sich aber bis zu Anfang des Jahres 1540, als des Königs Feldoberster mit einem Spanier und dem Reichsprofess, sowie auch andern Reitern in ihrer Rüstung gekommen sind; diese haben die gefangenen Brüder mit Gründen weiter untersucht; diejenigen nun, welche ihnen nicht beistimmten, sondern bei der bekannten Wahrheit blieben, haben sie sofort, zu zwei und zwei, in eiserne Ketten und Banden mit den Händen aneinander geschlossen. Unterdessen, als die Gefangenen auf die See geführt werden sollten, sind ihre Schwestern, ihre Glaubensgenossen, in dem Schlosse zu Falkenstein angekommen; einige waren der gefangenen Brüder Ehegemahl, einige aber hielten insbesondere mit brünstigem Gebete ernstlich bei Gott dem Allmächtigen an, dass er sie alle, sowohl zu Wasser als zu Lande, vor allem Unrechte und sündlichem Wesen bewahren, auch ihnen ein standhaftes Gemüt geben und verleihen wolle, um in der Wahrheit bis in den Tod zu verharren. Nach solchem Gebete hat ein Spanier Befehl erhalten, einen jeden hinwegzuführen. Hierauf haben sie unter heißen Tranen und mit weinenden Augen voneinander Abschied genommen und einander herzlich zugeredet, dass sie an dem Herrn und an der erkannten Wahrheit fest und unverbrüchlich halten wollten, und so hat einer den andern zu vielen Malen dem gnädigen Schutze Gottes anbefohlen, ohne zu wissen, ob sie einander ihr Leben lang mit leiblichen Augen wieder sehen würden. So mussten Mann und Frau voneinander scheiden und ihre kleinen unmündigen Kinder verlassen, welches Fleisch und Blut nicht hätte tun können, wenn es nicht durch die Kraft Gottes und um seinetwillen geschehen wäre. Dieser Abschied ist so herzzerreißend gewesen, dass sich auch des Königs Feldoberster und andere seinesgleichen des Weinens nicht enthalten konnten. Als nun alle Dinge angeordnet und die Geleitsleute fertig waren, zogen die Frommen aus, in einem festen Vertrauen auf Gott, dass er ihnen beistehen und ein Auskommen verschaffen würde; also wurden ihrer wohl neunzig von dem Turme gebracht, zwei und zwei aneinander geschlossen, nachdem sie fünf und eine halbe Woche auf Falkenstein gesessen hatten; die Schwestern aber mussten auf dem Schlosse bleiben und sahen den Brüdern unter vielem Seufzen und Herzwehe, so lange als sie dieselben sehen konnten, über die Mauer nach.

Hierauf wurden sämtliche Schwestern vom Schlosse nach ihren Wohnplätzen zurückgesandt; die Brüder aber, welche sie um ihrer Schwachheit, Krankheit und um ihrer Jugend willen nicht mit sich auf die See nehmen konnten, behielten sie alle im Schlosse in Haft; auch gaben sie einige junge Knaben hin und wieder den österreichischen Herren zu leibeigenen Sklaven; diese sind aber fast alle wieder zu der Gemeinde gekommen, die übrigen sind im Schlosse geblieben, welchen Gott auch ein gnädiges Auskommen verschafft hat.

Der Grund dieser großen Not der Frommen war der, dass sie gegen das ungerechte und abgöttische Leben und Wesen der Pfaffen im Antichristentume zeugten, welches Gott heftig an ihnen strafen, und mit ihnen und ihren Sünden ein Ende machen würde. Deshalb hat der König Ferdinand dem Haufen der Pfaffen, welche ein Rotte von Räubern sind und Lust zum Würgen haben, Gewalt gegeben, mit ihnen nach Belieben zu handeln. Diese haben nun ein Urteil über dieselben gefällt, wie über Leute, die des Todes schuldig sind, weshalb man sie auf Erden nicht dulden, sondern auf die See bringen sollte, wo sie, andern Brüdern zur Warnung, unter großer Angst und Not ihr Leben beschließen sollten; die andern drei aber sollten dem obersten Befehlshaber der Kriegsflotte auf der See übergeben werden, um auf den Galeeren zum Raube und im Kriege gegen die Türken und andere Feinde gebraucht zu werden. Obgleich nun diese gefangenen Brüder den Gesandten des Königs zuvor ankündigten, dass sie zum Raube und Kriege gegen den Feind nicht ausziehen und so wenig zu Wasser als zu Lande in dies Unheil einwilligen, oder gegen Gott im Himmel sündigen wollten, weil es gegen ihren Glauben und ihr Gewissen wäre, und dass Gott sie daher sowohl zu Wasser als zu Lande durch seine unüberwindliche Kraft zu bewahren und durch seine Gnade zu erhalten wissen würde, so sind nichtsdestoweniger diese Zeugen der göttlichen Wahrheit durch die Gesandten des Königs, mit seinem ernstlichen Befehle an die Obrigkeit in den Städten, Flecken und Dörfern, dass sie aus einem Gerichte in das andere gebracht werden sollten, transportiert worden; sie haben aber unterwegs viel und mancherlei Widerwärtigkeiten und Trübsal leiden müssen, wiewohl ihnen Gott aus Gnaden immer Mittel in die Hand gegeben hat, insbesondere darin, dass sie jeden Morgen und Abend, ohne von jemandem verhindert zu werden, ihr Gebet zu Gott verrichten können und dabei einander ungestört, zum Troste der Mitbrüder, haben aufmuntern dürfen; solches haben sie von Gott als eine besondere Gnade und Gabe mit großer Danksagung aufgenommen. Durch solche und dergleichen Beweise ihrer Frömmigkeit haben sie an vielen Plätzen die Menschen überzeugt, so dass viele, welche sie vor ihrer Ankunft für Übeltäter gehalten, großes Mitleiden mit ihnen gehabt haben; hierin haben ihnen des Königs Diener, ihre Geleitsleute, sehr häufig zugesehen und sie aufgemuntert, dass sie nicht stillschweigend durch Städte und Flecken ziehen, sondern ihren Glauben mit Singen, oder auf eine andere Weise bekannt machen sollten. Auf solche Weise ist nun die gläubige Schar durch Länder und Städte, gleich einer Herde Schafe, nach der See geführt worden; sie haben ihre Reise von dem Schlosse Falkenstein auf Wien, nachher auf die Neustadt und Schatweven, über den Sommering, nach Pruck an der Mour auf Bärisch-Gratz, auf Leynitz und Marburg, auf Tiel, auf Stein in Krainland, über die San und Labach genommen, wo kein Trost für sie vorhanden war. Hier haben sie zur Zeit ihrer Gefangenschaft großen Hunger und Not leiden müssen, und sind mit dem Brote der Angst gespeist und mit der Wasser der Trübsal erquickt worden.

Also hat Gott sein Wort und seine Wahrheit in allen Orten und Landschaften offenbaren und den Völkern, die nichts davon gewusst beben, bekannt machen und ihren Schall hören lassen wollen; denn gleichwie Gott immer gnädige Mittel verordnet, um die Menschen von der Ungerechtigkeit abzulocken, so ist es auch hier mit diesen Zeugen des Glaubens und der göttlichen Wahrheit ergangen, als sie in viele und mancherlei Plätze, wo auch fremde und unbekannte Sprachen geredet wurden, geführt worden sind, wo die Wahrheit zuvor nicht gehört worden, sondern den Völkern unbekannt und verborgen gewesen ist. Dieses hat einige aus Krain, Wandalisch- oder Welschland erweckt, der Wahrheit genauer nachzuforschen; einige sind zur Erkenntnis gekommen, welche noch auf den heutigen Tag Gott von Herzen dienen. Was man aber mit diesen gefangenen Brüdern zur Zeit ihrer Reise an vielen Plätzen gehandelt habe, auch wie man sie geschlagen, getrieben, mit Stricken und Ketten zusammengebunden hat, und was ihnen darüber begegnet ist, solches wäre zu weitläufig zu beschreiben, doch sind sie stets von Gott in ihren Herzen getröstet worden, wie groß auch die Trübsal gewesen, die sie erlitten haben. Weil aber Gott in der größten Not der Seinen immer zum Besten gedenkt und dieselben niemals ganz vergisst, so hat er auch einige in dem Gefängnis gestärkt, dass sie in guter Behutsamkeit und Hoffnung auf Gott vertrauen sollten, dass er ihnen ihr Auskommen verschaffen und zeigen werde, um welches sie in der Furcht Gottes mit den andern gebetet hatten, denn obgleich sie fest beschlossen hatten, um der Wahrheit Gottes willen zu leiden und lieber sterben, als sich zur gottlosen Seeräuberei gebrauchen zu lassen, so haben sie doch Ursache genug gehabt, mit herzlichem Seufzen und Klagen beständig im Gebete bei Gott anzuhalten, dass er seine göttliche Ehre in ihnen befördern wolle. In diesem Gebete hat ihnen Gott gezeigt, wie sie eine ordentliche Unterredung miteinander halten, wie die Starken die Schwachen unterstützen sollten und wie einer dem andern behilflich sein sollte, und obgleich sie nur wenig Zehrung hatten, so haben sie doch dem Herrn vertraut, dass er ihnen ein Auskommen vergönnen würde, dass sie nicht nötig hätten zu betteln oder um Brot bitten. Hierauf sind sie in der zwölften Nacht zu Triest alle aus ihren Ketten und Banden erlöst worden und aus dem Gefängnisse entkommen, denn es ist ihnen durch die Vorsehung Gottes ein Ort gezeigt worden, wo sie sich in einer Stunde alle mit Stricken von der Stadtmauer hinuntergelassen haben, wobei ihnen die Bande, die man ihnen angelegt gehabt, zu ihrer Befreiung haben dienen müssen. Daraus kann man wohl merken, dass Gott den Seinen alles zum Besten wendet und kehrt, obwohl die Gottlosen viele Anschläge wider die Frommen machen. Auf solche Weise sind sie durch göttliche Schickung aus den Händen ihrer Feinde befreit worden, obgleich dieselben die Stadt und Mauer mit ihren wachsamsten Wächtern besetzt hatten; denn Gott hat ihre Vorsicht zur Torheit gemacht, sodass sie selbst neben dem Wachthause über die Mauer entkommen sind.

Als sie nun sämtlich, Kranke sowohl als Gesunde, über die Mauer hinuntergekommen waren, haben sich die meisten versammelt, sind niedergekniet und haben miteinander Gott Lob und Dank gesagt; daher hat es ihnen auch Gott auf dem Wege glücken lassen, dass der größte Teil derselben mit Freuden und wohlgemut wieder zu der Gemeinde in Mähren gekommen ist; doch haben die Gottlosen, die ihnen nachjagten, zwölf derselben wieder ergriffen und gefangen genommen, welche mit den drei andern des Kaisers Befehlhaber über die Flotte und Kriegsrüstung, um mit auf die See zu gehen, übergeben und auf die Galeeren gebracht wurden; ihre Absicht war zwar, sie zum Rauben zu gebrauchen, aber die Frommen haben ihr Leben daran gewagt und sich lieber mit Stricken und Geißeln schlagen lassen. Über ihr ferneres Schicksal haben wir übrigens keine bestimmten Nachrichten, wiewohl zu vermuten ist, dass sie nicht viel gute Tage in ihrem Leben gehabt haben werden, wenn sie sonst bei Gott standhaft geblieben sind; die oben gedachten von Gott erlösten Brüder aber sind, als sie ungefähr in 1540 von Triest wieder zu der Gemeinde nach Mähren gekommen, mit großer Freude und Danksagung, als eine geschenkte Gabe von Gott, aufgenommen worden.