3.58  Auszug aus dem dritten Brief von Obersültzen, den 13. Oktober 1671.

Henrich de Backer, sehr werter Freund und geliebter Bruder in Christo. Ich wünsche dir nebst deinen lieben Angehörigen viel Gnade und Frieden von Gott, unserem himmlischen Vater, durch unseren Herrn Jesum Christum, zum freundlichen Gruß, Amen.

Das Nachfolgende dient zur Antwort auf dein Ansuchen wegen des Zustandes unserer unterdrückten Brüder in der Schweiz. Es ist leider gegründet, daß den 11. dieses Monats in dem vollen Rat zu Bern beschlossen worden ist, daß die gefangenen Mannspersonen, die noch jung und stark sind, auch auf die Galeeren gesandt werden sollten, wie sie es früher mit sechs von ihnen getan haben; die alten unvermögenden Leute aber wollten sie an andere Orte schicken, oder sie in ewiger Gefangenschaft halten. Als diesen Beschluss ein gewisser Herr in Bern vernahm, wurde er zum Mitleiden bewegt; deshalb ging er zur Obrigkeit und ersuchte dieselbe, man wolle doch so lange mit dem Transportieren der Gefangenen warten, bis er zu ihren Glaubensgenossen, die im Elsaß wohnen, gereist wäre und gesehen hätte, ob sie für die Gefangenen Bürgschaft leisten wollten, mit dem Versprechen, daß die Gefangenen, wenn sie aus dem Land gezogen wären, ohne Bewilligung nicht wieder dahin kommen sollten. Dieses erlangte er; darum hat er es unseren Freunden, als er zu ihnen in den Elsaß kam, vorgestellt; als dieselben die Nachricht erhielten, haben sie sogleich die Bedingung angenommen und zugesagt, daß sie, wenn die Obrigkeit von Bern ihnen die Gefangenen zusenden wollte, sie für dieselben Bürgschaft leisten und ihnen helfen wollten, daß sie an anderen Orten unterkommen könnten. Dieses haben unsere Freunde, wie ich höre, diesem Herrn (er hieß Beatus) nicht allein mündlich zugesagt, sondern auch schriftlich mitgegeben. Darauf hat er ihnen versprochen, bei der Obrigkeit zu Bern sein Bestes zu tun, in der Hoffnung, er wolle so viel bei ihnen ausrichten, daß sie die Gefangenen nach Basel liefern sollten, wo sie nachher die Freunde abholen könnten. So sind wir denn nun ihrer mit Verlangen gewärtig und erwarten alle Tage die Nachricht, daß sie im Elsaß angekommen seien oder zu uns hierher kommen werden.

Eben jetzt kommen hier bei mir vier Brüder aus der Schweiz mit Weibern und Kindern an und bringen die Nachricht mit, daß noch viele unterwegs seien, weil das Verfolgen und Aufsuchen täglich zunimmt. Hiermit schließe ich; seid nebst christlichem und brüderlichem Gruß dem Allerhöchsten zur ewigen Seligkeit anbefohlen — von eurem zugeneigten Freund und Bruder in Christo, Jakob Everling.