3.52  Ully Wagman nebst einem andern Bruder, im Jahre 1654.

Wie es scheint, so erfolgte zwischen den Jahren 1644 und 1645 im Züricher Gebiet einige Ruhe oder Erleichterung, denn wir haben nicht gehört, daß jemand im Gefängnis durch schlechte Kost oder Misshandlung gestorben wäre, obwohl einige, von welchen wir bereits Meldung getan haben, schon eine geraume Zeit zuvor eingezogen worden waren. Als aber das 1645. Jahr herbeikam, haben wir abermals von da aus von dem Tode eines frommen Christen Nachricht erhalten.

Man hatte das Auge auf die Vorgänger der Gemeinde gerichtet, vorzüglich auf diejenigen, welche das Wort Gottes bedienten, unter denselben hat man einen sehr lieben und werten Mann verhaftet und zu Zürich ins Kloster Othenbach gesetzt, der über die Gemeinde Jesu Christi aus treuem Herzen, nach seiner von Gott empfangenen Gabe, die Aufsicht hatte und dieselbe, dem Geiste nach, besorgte, genannt Ully Wagman.

Als man nun, während seiner Gefangenschaft, ihn hart hielt und streng mit ihm handelte, so haben sich des Todes Vorboten bei ihm angemeldet, und er ist, nachdem er seine Seele Gott befohlen hatte, aus diesem Leben geschieden. Vergleiche beide mehrgemeldete Bücher.

Mit ihm wurde noch ein Bruder eingezogen, welcher nach des Ully Tode noch zwei Jahre lang (weil er nicht abfallen und nicht mit seinen Widersachern in die Kirche gehen wollte) in Verhaft blieb, nämlich bis ins Jahr 1656 den 2. Oktober.

Was es aber nachher mit ihm für ein Ende genommen habe, darüber haben wir keine Nachricht erhalten. M. Meylis Buch, geschrieben 1658.

Unterdessen hat der erstere sein Leben gelassen, der letztere aber ist in Banden geblieben; darum wird der Herr dermaleinst über diejenigen, die es getan und die es gelitten haben, ein gerechtes Urteil aussprechen. Die Toten, die im Herrn sterben, sind selig; die Gefangenen aber um des Zeugnisses Jesu Christi willen werden zur Freiheit der Kinder Gottes gebracht werden; dagegen, wer ins Gefängnis gelegt hat, soll ins Gefängnis gelegt und mit den unseligen Banden der Finsternis gebunden werden.

Diejenigen aber, die die Frommen getötet oder wenigstens ihren Tod veranlasst und darüber keine Reue gezeigt haben, müssen in Furcht stehen, daß sie dem zweiten und ewigen Tod nicht entgehen werden. Ach, daß doch diejenigen, die hieran schuldig sind und noch leben, sich vor ihrem Tod noch bekehren möchten! Ach, daß sie aus Verfolgern wahre Nachfolger Christi und seiner Heiligen würden! Ach, daß sie die Seligkeit erlangen möchten Dieses wünschen wir ihnen allen aus lauterer Liebe und von Herzen.

Man hatte schon vor dem Jahre 1645 zu verschiedenen Zeiten bald diesen bald jenen aus der zerstreuten Herde Christi gefänglich nach Zürich gebracht und in Othenbach eingesperrt. Unter denselben waren insbesondere fünf Brüder, nämlich Jakob Aussily, Jakob Gochnauer, Jakob Baumgärtner, Hans Huber und noch einer, genannt Henrich.

Mit diesen hat es sich folgendermaßen zugetragen: Jakob Aussily aus der Grafschaft Kiberg war schon im Jahre 1644 in Othenbach gefangen gesetzt; es wurden ihm seine Kleider ausgezogen und ihm ein langer grauer Rock angetan, worauf er an eine Kette geschlossen wurde, Jakob Gochnauer aus dem Amt Groningen war zuvor mit seiner Hausfrau aus dem Land gejagt, die Haushaltung wurde zerstört, die Kinder vertrieben und in Armut gebracht, Haus und Hausrat wurden verkauft und das Geld davon der Obrigkeit eingehändigt; nachher aber, als er sich vornahm, wieder einmal ins Land zu gehen, um seine zerstreuten Kinder zu suchen, ist er unterwegs den Verfolgern begegnet, die ihn in Othenbach festlegten, ihn seiner Kleider beraubten und ihm einen grauen Rock anlegten, auch ihn an eine Kette schlossen und mit ihm handelten wie mit den Vorhergehenden.

Jakob Baumgärtner, ein alter Mann von siebzig Jahren, war zuvor seines Glaubens halber fünfmal gefangen, ist aber jedesmal wieder frei geworden. Als er aber nun nochmals gefangen nach Othenbach gebracht wurde, so war keine Hoffnung der Erlösung übrig; denn man schloss ihn an eine Kette, man beraubte ihn seiner Kleider und tat ihm auch, wie den Vorigen, einen grauen Rock an. Überdies musste er eine Zeitlang bei Brot und Wasser leben. Zweimal wurde er ausgezogen, zweimal in Eisen geschlagen, wie auch in Fesseln und Handschellen, sein Haus und Hof wurden verkauft für fünfhundert Gulden und das Geld der Obrigkeit eingehändigt.

Hans Huber von Horgerberg wurde zuerst nebst elf Brüdern um des Glaubens willen eingezogen, von welchen Banden er aber mit seinen Brüdern erlöst worden ist; nachher ist er abermals in Verhaft genommen, in einen festen Platz, Othenbach, eingesperrt, und an eine Kette geschlossen worden, wo ohne die wunderbare Hilfe Gottes keine Hoffnung war, loszukommen.

Unterdessen wurde seine Hausfrau und deren Schwester, zwei alte Leute, ebenfalls um des Glaubens willen ins Elend verwiesen.

Der letzte, Henrich genannt, ward auch etliche Male um des Zeugnisses Jesu Christi willen scharf verfolgt und eingezogen; aber nun wurde er nebst den andern abermals dermaßen festgesetzt, daß man für seine Befreiung wenig Hoffnung haben konnte.

Man legte sie alle an Ketten, zog ihnen ihre gewöhnlichen Kleider aus, und tat ihnen auf oben gemeldete Weise, zum Spott und Schmach lange graue Röcke an.

So haben sie gesessen bis zum letzten August des Jahres 1645, zu welcher Zeit wir von ihnen die letzte Nachricht erhalten haben; was für ein Ende es aber mit ihnen genommen, haben wir nicht erfahren können.

Unterdessen kann man ihnen den Namen von frommen Zeugen Jesu Christi nicht entziehen, weil sie ein gutes Bekenntnis getan und darüber um seines Namens willen alles erlitten haben. Siehe Mangolds Buch vom Jahre 1645, vollendet den 16. September.