3.43  Rudolph Suhner, um das Jahr 1643.

Auck legte man die Hände an einen Junggesellen, genannt Rudolph Suhner, welcher, obgleich jung an Jahren, dennoch im Glauben und in der Erkenntnis Jesu Christi alt war.

Diesen hat man fast zwei Jahre in Othenbach gefangen gehalten, in welcher Zeit er zu schwerer Arbeit angehalten wurde.

Unterdessen hat man ihm mit schweren Bedrohungen und erschrecklichen Vorstellungen so heftig zugesetzt, daß er, aus Furcht vor der bevorstehenden Not, einwilligte, mit denen, die ihn gefangen genommen hatten, in die Kirche zu gehen, worauf er freigelassen wurde.

Als er aber bald darauf seinen Fall bedachte, fühlte er große Reue, beweinte seine Sünden herzlich, und rüstete sich abermals zu dem vorgesetzten Streit.

Darauf wurde er abermals in Verhaft genommen, und am vorgemeldeten Platz eingesperrt; aber viel strenger gehalten als zuvor, denn es wurde ihm eine zeitlang (eben wie dem Felix Landis geschehen war) jede Speise entzogen, sodass einige Übeltäter, die dicht neben ihm gefangen saßen, ihn sehr bejammerten, und ihm einige flüssige, warme Speisen durch einen Riss in der Mauer zugossen.

Als er endlich durch großen Hunger so schwach geworden war, daß er nicht länger leben konnte, hat er noch einmal gebeten, daß man ihm doch noch eine warme Speise (in seiner größten Schwachheit) zukommen lassen wolle, welche Bitte der Turmwächtcr den Herren zu erkennen gab, aber sie wollten im Allgemeinen nicht einwilligen, damit sie ihn in der äußersten Not (wenn es möglich wäre) zum Abfall bringen möchten, zuletzt aber sah einer von den Herren sein Elend an und erlaubte, daß man ihm wieder zu essen geben möchte.

Als solches geschah, konnte er die Speisen nicht mehr genießen oder vertragen, und ist auf solche Weise verschmachtet und in den Banden Hungers gestorben. Demselben wird der Herr dermaleinst mit ewiger Erquickung an seiner himmlischen Tafel es vergelten und belohnen. Selig seid ihr, die ihr nun hungert, denn ihr werdet satt werden, Lk 6,21. Vergleiche Jer. Mang. Buch, Blatt 14, mit M. Meylis Buch, Blatt 7, Num. 8.