3.19  Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes.

Wir glauben und bekennen, daß Gott, als Er seine größte Liebe an dem menschlichen Geschlecht, welches durch die Sünde in den Tod und großes Verderben gefallen war, beweisen, und seine gnädigen Verheißungen, den Altvätern gegeben, in der Tat erfüllen wollte (1Mo 3,15; 1Mo 12,3; 1Mo 22,18; 5Mo 18,18.) Er hat zu dem Ende seinen einigen (Joh 3,16), lieben (Lk 9,35), und werten Sohn (Mt 3,17), der von Ewigkeit her gewesen ist (Hebr 1,2), durch welchen alle Dinge erschaffen und gemacht sind (Kol 1,16; Hbr 1), in diese Welt gesandt (Joh 3,17; 1Joh 4,9), welcher seines Vaters Willen gern gehorsam gewesen ist (Ps 40,9; Hbr 10,7). Ist von oben (Joh 3,19; 8,18) vom Himmel gekommen (Joh 3,13; 6,62), von seinem Vater ausgegangen (Joh 16,28), hat seine göttliche Klarheit verlassen (Joh 17,5; Phil 2,6), Gestalt und Reichtum (2Kor 8,9), ließ sich herunter (Eph 4,8), und ist in diese Welt gekommen (Joh 16,28), sodass Ihn die Jungfrau Maria durch die Kraft des Allerhöchsten (Lk 1,31) empfangen hat (Jes 7,14; Mt 1,23; Lk 2,7). Auch ist Er selbst und kein anderer von ihr geboren worden (Jes 7; Mt 1,25; Lk 1; Gal 4,4). Denn obgleich Maria den Sohn Gottes in einer andern Gestalt geboren hat, als Er bei dem Vater vor Grundlegung her Welt war, so ist es doch eben derselbe, dessen Ausgang von Anfang und Ewigkeit gewesen ist (Mi 5,1; Jes 9,5). Denn das Wort oder Sohn ist Fleisch geworden (Joh 1,14). Ja, der Gott gleich war, ist wie ein anderer Mensch geworden (Phil 2,7). Der Sohn Gottes ist erschienen in der Gestalt des sündlichen Fleisches (Röm 8,3). Gott ist offenbart im Fleisch (1Tim 3,15), sodass der zweite Mensch Christus der Herr selbst vom Himmel ist (1Kor 15,47). Daher war das, was die Apostel an Christo mit ihren Augen sahen und mit ihren Ohren hörten, auch mit den Händen betasteten, vom Wort des Lebens, sodass sie das Leben gesehen haben, das ewig bei dem Vater war (1Joh 1). Denn Gott hat seinen erstgeborenen Sohn in die Welt gesandt, den alle Engel und Menschen anbeten müssen (Hbr 1,6; Phil 2,10). Wenn wir demgemäß glauben, so haben wir Gottes und aller Frommen Zeugnis für uns, welche einträchtig, wie mit einer Stimme rufen, daß der sichtbare Mensch Christus Gottes Sohn sei (Mt 3,17; Joh 1,2; 9,37; Joh 11,27; Mt 16,16; 1Joh 4,10; 1Joh 5,5), der unter den Menschen gewohnt hat (Joh 1,14; Sach 2,19; Bar 3,18). Auch ist Er von den Hohenpriestern, weil Er sich selbst als Gottes Sohn bekannt hat, zum Tode verurteilt worden, Mk 14,64; Joh 18,30. Denn sie kannten ihn nicht, darum haben sie den Herrn der Herrlichkeit, das ist den Herrn vom Himmel, 1Kor 15,47, ans Kreuz genagelt, 1Kor 2,8. Daselbst hat der Sohn des lebendigen Gottes gelitten, Hebr 5,8; welchen Gott nicht verschont hat (Röm 8,32), sondern hat Ihn für das Leben der Welt dahin gegeben (Joh 3,16; 1Joh 4,14), auch zum aller schändlichsten Kreuzestod, Phil 2,8. Daran hat der Sohn Gottes sein teures Blut zur Vergebung unserer Sünden vergossen, (Apg 20,28; Kol 1,14; 1Joh 1,7; Offb 1,5). Durch welchen Gott die Welt gemacht hat, der hat die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst gemacht, (Hebr 1,2). Ist begraben, und am dritten Tage durch die Herrlichkeit des Vaters wieder von den Toten auferweckt worden, (1Kor 15,12; Apg 3,26; Röm 6,4; 2Thess 1,10). Ist aufgefahren dahin, wo Er zuerst war, (Joh 3,13; Joh 6,62; 16,28; Eph 4,10; 1Tim 3,16). Sitzt daselbst zur Rechten der Majestät seines Vaters (Eph 1,20; Hebr 1,3), von wo Er kommen wird in den Wolken des Himmels, zu richten die Lebendigen und die Toten, (Mt 24,30; Apg 10,42; Offb 1,7; Röm 14,9; 2Kor 5,10).

Der Zweck der Sendung, Zukunft, Menschwerdung, des Leidens und Todes des eingeborenen Sohnes Gottes in diese Welt ist der gewesen, die Sünder selig zu machen (1Tim 1,15; Mt 18,11), oder die sündhafte Welt mit Gott, dem Vater, zu versöhnen (Joh 3,17; 1Joh 2,2; 2Kor 5,19). Darum ist Er auch der einige Grund (1Kor 3,11), die einige Tür zum Vater (Joh 10), der einige Weg zum ewigen Leben (Joh 14,6), die einige verdienstliche Ursache der Rechtfertigung (Apg 13,38–39; Röm 3,24), und der ewigen Seligkeit, denn es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name, wie der Apostel Petrus sagt, den Menschen gegeben, wodurch sie selig werden, als in dem Namen unseres Herrn Jesu Christi (Apg 4,12). Ihm sei Lob, Preis und Ehre, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

Dieses war unterzeichnet von zwanzig Vorstehern der Taufsgesinnten (die alle wohl bekannt sind) im Namen ihrer Gemeinden, als von Amsterdam, Harlem, Leyden, Delft, Rotterdam, Dergoude, Schiedam, Bommel, Blockzyel.

Dieses Glaubensbekenntnis über den Artikel von Gott und der Menschwerdung des Sohnes Gottes hat, als sie an die Bevollmächtigten des Hofes von Holland übergeben wurde, Ihro Hochmögende zufrieden gestellt und daher die Ruhe und die Freiheit der Taufsgesinnten in diesem Lande, ziemlich wieder hergestellt, wiewohl zum Missvergnügen derer, die aus Neid zuerst getrachtet hatten, ihre Ruhe zu stören und (wenn es ihnen geglückt wäre) deren Unterdrückung oder Verfolgung zu bewirken.

Es sind uns aus der Schweiz eben zu rechter Zeit zwei Handschriften in schweizerischer Sprache zugesandt worden, beide an verschiedene Gemeinden unserer Glaubensgenossen, aber insbesondere an die von Amsterdam und das auf Begehren und auf Veranlassung einiger unterdrückter Brüder, wie auch einiger Diener und Ältesten (der Gemeinde) in der Pfalz und dem Elsaß.

Das erste ist 1645, den 15. September geschrieben und vollendet mit dem Handzeichen des Jeremias Mangold. Das zweite im Monat Februar 1658 durch M. Meyli.

Diese beiden Büchlein, die zu gleichem Zweck und in gleicher Absicht geschrieben und hierher gesandt worden sind, sollen zur Ausführung unseres vorgenommenen Werkes dienen, nämlich, um die Beschreibung der heiligen Märtyrer, die um unseres allgemeinen christlichen Glaubens willen gelitten haben, bis auf die neueste Zeit zu erstrecken und ans Ende zu bringen.

Um dieses aufs Beste zu tun und die Sachen, die in dem einen Buch sehr weitläufig, in dem andern aber sehr kurz und bisweilen in Bruchstücken beschrieben sind, in eine bequeme Form zu bringen und auszudrücken, soll uns keine Mühe verdrießen; darum wollen wir es recht gründlich nehmen und es nach der Zeitfolge vortragen, und jedes Mal (damit hierin nicht geirrt werden möge) anführen, aus welchem Buch wir es genommen haben.