2.719  Anneken von den Hove, 1597.

Unter der Regierung des Erzherzogs Albert ist zu Brüssel eine Jungfrau, genannt Anneken von den Hove (eine Dienstmagd und des Nicolaus Rampaerz Schwester) um ihres Glaubens willen, und weil sie Christo nachfolgte, in Verhaft genommen worden, welches (wie man sagte) durch Verräterei des Pfarrers von der Savelkirche zu Brüssel geschah.

Diese Anneken hat zwei Jahre und sieben Monate gefangen gesessen, in welcher Zeit sie sowohl von den Pfaffen, Mönchen, Jesuiten, als anderen, die sie zum Abfall von ihrem angenommenen Glauben zu bringen suchten, große Anfechtungen erlitten hat. Aber welche Mühe sie auch anwandten, durch Verhöre, Qualen, schöne Verheißungen, Bedrohungen, langwierige Gefangenschaft und dergleichen, so ist sie dessen ungeachtet in dem Glauben an ihren Herrn und Bräutigam stets standhaft geblieben; endlich den 9. Juli 1597 sind noch einige Jesuiten zu ihr gekommen und haben sie gefragt, ob sie sich noch bekehren lassen wolle, so wollte man sie freilassen. Darauf hat sie mit Nein geantwortet. Sie boten ihr nachher an, sie wollten ihr noch sechs Monate Bedenkzeit geben, aber sie hat keine Frist begehrt, sondern gesagt, sie möchten tun, wie es sie gut dünkte, denn sie verlangte nach dem Ort zu kommen, wo sie dem Herrn ein angenehmes Opfer tun könnte. Als diese Antwort bei den Richtern angebracht wurde, haben sie ihr zwei Stunden darauf angesagt, sie sollte sich bereit machen, wenn sie sterben wollte, es sei denn, daß sie sich noch bekehren wollte.

Deshalb ist das Hofgericht in Begleitung einiger Jesuiten um acht Uhr mit ihr eine halbe Meile vor die Stadt Brüssel gegangen, wo ein Loch oder Grab gemacht wurde; unterdessen hat sie sich selbst freiwillig entkleidet, worauf man sie lebendig in das Loch oder die Grube gelegt hat, und als sie zuerst die Beine mit Erde bedeckten, haben die Jesuiten, die dabei waren, sie gefragt, ob sie sich noch nicht bekehren und abstehen wollte. Sie antwortete, nein, sondern, sie wäre froh, daß die Zeit ihres Abschiedes so nahe vor der Türe wäre. Als die Jesuiten ihr vorhielten, daß sie nicht allein zu erwarten hätte, daß ihr Leib in der Erde lebendig begraben werden würde, sondern daß auch ihre Seele die ewige Pein des Feuers in der Hölle zu erleiden hätte, antwortete sie, sie hätte ein ruhiges Gewissen und wäre versichert, daß sie selig stürbe und das ewige unvergängliche Leben voller Freude und Wonne im Himmel bei Gott und allen seinen Heiligen zu erwarten hätte.

Unterdessen hat man immer Erde und (wie wir berichtet worden sind) dicke Rasenstücke oder abgestochene Klöße von grasigem Lande auf ihren Leib geworfen und sie damit bis an den Hals bedeckt, aber wie sehr man ihr auch mit Fragen und Bedrohungen zusetzte und ihr verhieß, sie frei aus der Grube zu lassen, wenn sie widerrufen wollte, so war doch alles vergeblich, sie wollte nichts davon hören.

Darauf hat man endlich auf ihr Angesicht und den ganzen Leib noch viele Erde (abgestochenen Rasen) geworfen und mit den Füßen darauf gestampft, damit sie desto eher sterben möchte.

So war das Ende dieser frommen Heldin Jesu Christi, die ihren Leib der Erde übergeben hat, damit ihre Seele den Himmel erlangen möchte; also hat sie einen guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, Glauben gehalten und die Wahrheit ritterlich bis in den Tod bezeugt.

Weil sie denn nun ihren lieben Vorgänger Christum Jesum so lieb hatte, daß sie Ihm nicht zur kananäischen Hochzeit, sondern selbst zum Galgenberg (so zu sagen) nachgefolgt ist, so kann ihr die Ehre und der Name einer treuen Märtyrerin, die um seines Namens willen dieses alles erlitten hat, nicht entzogen werden.

Darum wird sie auch dermaleinst als eine kluge Jungfrau, ja, als eine liebe Freundin des Herrn, wenn sie ihrem himmlischen Bräutigam entgegen gehen wird, in den himmlischen Sälen der unsterblichen Herrlichkeit mit allen standhaften Dienern und Dienerinnen Gottes freudig bewillkommt und aufgenommen werden.

O Gott, sei auch uns, die wir noch leben, gnädig, damit wir bis ans Ende treu bleiben und mit ihr nebst allen Heiligen dein seliges Erbteil empfangen mögen.