2.68  Georg Baser und Leonhard Seiler, im Jahre 1536.

Georg Baser, ein Diener des Herrn und seiner Gemeinde mit dem Bruder Leonhard Seiler, seinem Mitgehilfen, wurde in eben demselben Jahren zu Neudorf in Österreich auf seiner Durchreise gefangen genommen und daselbst in den Stock gelegt. Am andern Tage kam der Richter von Metlyng mit dem ganzen Rate und andern Leuten vom Volke mit ihnen, und fragten sie, warum sie gefangen lägen? Sie antworteten: Um des Glaubens an Christum und der göttlichen Wahrheit willen.

Man hat sie sodann eine Strecke von Neudorf, in die Mark Metlyng (zwei Meilen von Wien gelegen) geführt. Auf dieser ganzen Reise haben sie mit aller Freimütigkeit von der Wahrheit Zeugnis gegeben, und zu ihnen mit vielen Worten von dem Gerichte und Urteile Gottes geredet, dass sich auch der Richter und alle übrigen darüber entsetzten, und nicht ein einziges Wort dagegen sagen mochten.

Sie haben sie aber daselbst in ein gemeines Gefängnis gelegt, worin ihre Mitgefangenen sie sehr gottlos, schändlich und niederträchtig misshandelt haben, was ihnen täglich so großes Herzeleid und Kummer verursachte, dass sie es lieber gesehen hätten, man hätte sie, um solches gottlose Wesen nicht zu hören, in ein stinkendes Loch gelegt.

In der Zeit ihrer Gefangenschaft hat man wegen der Kindertaufe und wegen des Sakraments viele und dringende Fragen an sie gerichtet, und ihnen dabei gesagt, dass wir sie alle gottlos und ungläubig nennten, worauf sie wegen der Kindertaufe ihnen antworteten, dass sie ihnen dieselbe gar wohl zuständen, und hinzufügten: weil sie sich Christen nennten, aber dabei den Namen Christi missbrauchten, und auch das Geringste, welches Christus befohlen und geboten hätte, mit keinem Finger anrührten, so sollten sie wissen, dass sie des Teufels seien, und wenn sie keine Buße wegen ihrer Sünden tun würden, so würde Gott ihren falschen Ruhm vertilgen, und sie würden mit der ganzen Welt und dem reichen Manne in den Abgrund der Hölle verstoßen werden; solches würde gewiss geschehen, wenngleich sie es bis jetzt nicht glaubten.

Nachdem sie beinahe ein ganzes Jahr im Gefängnisse zugebracht hatten, in welcher Zeit sie sich zum Tode zubereiteten, denn sie waren hierzu willig, guten Mutes und fröhlich im Herrn, so dass sie Gott, den gnädigen Herrn, baten, dass er sie aus dieser sterblichen Hütte und argen, blinden Welt erlösen wolle und dabei eine gute Hoffnung, große Freude und ein herzliches Verlangen hatten abzuscheiden, so dass sie jede Stunde und jeden Augenblick bereit waren, durch Gottes Hilfe und Beistand, um der Wahrheit Gottes und des Namens unsers Herrn Jesu Christi willen, trotz aller Pein und Leiden, welche ihnen auch zustoßen würden, männlich und ohne Furcht zu sterben, sind sie nachher aus besonderer Schickung Gottes, ohne Verletzung ihres Gewissens, wunderbar erlöst worden und in Frieden bei der Gemeinde zu Trasenhofen angekommen, woselbst sie als gute, würdige und liebe Brüder im Geiste empfangen und mit großer Freude aufgenommen worden sind.